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 Betreff des Beitrags: FLAVIA - LEIDENSWEG EINER NONNE - Gianfranco Mingozzi
BeitragVerfasst: 14.07.2010 13:29 
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FLAVIA – LEIDENSWEG EINER NONNE (“Flavia, la monaca musulmana”, Italien 1974) R: Gianfranco Mingozzi

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Nachdem sie als 16jährige die Enthauptung eines muslimischen Kriegers durch ihren herrschsüchtigen und grausamen Vater mit ansehen musste, wird Flavia (Florinda Bolkan) aus erzieherischen Gründen hinter die Mauern eines Nonnenklosters gesteckt, wo sie sich in Anstand und Demut üben soll. Die strengen und frauenfeindlichen Strukturen des Klosterlebens, kitzeln jedoch provokantes Gedankengut in ihr empor. Sie fragt sich, wieso Frauen in der patriarchalen mittelalterlichen Gesellschaftsordnung nur als brave Hausmütterchen und Lustobjekte dienen müssen und von der Männerwelt permanent unterdrückt werden. Ein gefährliches Gedankengut, das seiner Zeit weit voraus ist und von ihrer geistigen Mentorin, der alten Nonne Agatha (Maria Casarès) noch gefördert wird. Beistand findet sie lediglich bei dem jüdischen Gelehrten Abraham (Claudio Cassinelli), der jedoch selber ein Gefangener ist und von ihrem Vater als Aufpasser abkommandiert wurde. Ein gemeinsamer Fluchtversuch wird gewaltsam vereitelt, Flavia wird brutal abgestraft. Als eine junge Schwester wegen angeblicher Unkeuschheit bestialisch zu Tode gefoltert wird, hält Flavia es nicht mehr aus und wendet sich gegen ihren Vater. Am selben Tag wird Flavia noch Zeuge, wie ein neuer Herzog in Ausübung seiner Rechte über eine Bauersfrau herfällt und sie im Schweinekoben vergewaltigt. Die Entladung ihrer angestauten Gefühle nimmt ihren Lauf, als die Muselmanen über das Örtchen herfallen und Flavia sich ihnen in die Arme wirft – in der Hoffnung, eine politisch-gesellschaftliche Umwälzung zugunsten der Frauen werde sich vollziehen. Ihre Freundin Agatha stirbt durch den Wurfspeer eines christlichen Adligen, was Flavias Hass ins Unermessliche steigert. Aus Verzweiflung gibt sie sich im Liebesakt dem sarazenischen Kriegsherren (Anthony Higgins) hin, nur um schmerzlich feststellen zu müssen, daß die Moslems keinen Deut besser sind. Wie eine wahnsinnige Johanna von Orleans beschließt sie, an allen ihren Unterdrückern blutige Rache zu nehmen…


Wer FLAVIA, LA MONACA MUSULMANA in den Player schiebt und einen reinrassigen Nunsploitation-Heuler mit der handelsüblichen (Über-)Dosis an Folterungen, Lesbensex und Geschmacksunsicherheiten erwartet, befindet sich auf dem Holzweg. Freilich ist dies der Ruf, der dem Werk von Gianfranco Mingozzi vorauseilt, wozu auch die deutschen Titelschmieden ihr Scherflein beitrugen: Im Kino lief der Film als CASTIGATA, DIE GEZÜCHTIGTE, später wurde er gar unter der knackigeren Aufbereitung NONNEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT neuveröffentlicht, wohl um auf der Welle der erfolgreichen Hexenfilme mitzureiten.
Lässt man sich auf FLAVIA ein, wird man rasch merken, daß der Wind aus einer ganz anderen Richtung bläst – nämlich aus der links-liberalen und stark emanzipatorischen Ecke der italienischen Intellektuellen, wozu Mingozzi gehörte. Was sich zunächst als misogyner Quälfilm tarnt, ist tatsächlich eine kämpferische Parabel auf die chauvinistische Krieger- und Priesterkultur einer von Männern dominierten Gesellschaft.
Flavia ist alles andere als eine angepasste und gehorsame Betschwester; provokativ hinterfragt sie ihre Rolle als Frau und ihre Position in den engen Strukturen des Klosters. Warum ist Gott ein Mann, warum ist sogar die heilige Dreifaltigkeit maskulin? Warum müssen Frauen dienen und den Mund halten, während Männer herrschen und Kriege führen? Und warum regieren sogar im Kloster Gewalt, Perversion und Unterdrückung, wo dies doch ein Hort des Mitleids und der Gerechtigkeit sein sollte? Ihre Fragen werden konsequenterweise mit noch mehr Gewalt und Unterdrückung beantwortet. So verwundert es auch nicht, daß Flavia sich den muslimischen Eroberern in die Arme wirft, nur um bald zu merken, daß hier dieselbe Frauenfeindlichkeit und derselbe Patriarchismus herrscht.

Mit expliziten Folter-Einlagen hält FLAVIA sich ausgesprochen zurück, und wenn, sind die Szenen streng in den Kontext eingebettet – eine Auspeitschung wird als Strafe gegen Aufmüpfigkeit verordnet und erhöht sich auf die Metaebene einer gestörten Vater/Tochter-Beziehung; eine Vergewaltigung im Schweinestall gerät zur Allegorie der brutalen Herrschaft des Adels über das Volk, der sich zur Befriedigung seiner Lüste im wahrsten Sinne „entmenscht“. In der schockierendsten und widerlichsten Szene des Films, der Bestrafung einer „unkeuschen“ Nonne, wird die Folterung stark sexualisiert (Verstümmelung der primären und sekundären Geschlechtsorgane) und kontrapunktiert von den salbungsvollen und zugleich lüsternen Gesichtern der umstehenden Klerikalen und Adligen.

Bei aller Ambition, die Mingozzi offensichtlich hegte, muss man ihm eine gewisse Ambivalenz (oder sogar ein Ungeschick?) vorwerfen, denn gleichzeitig tritt er hemmungslos aufs Exploitation-Pedal – an markigen Grausamkeiten ward nicht gespart. Andererseits ging es ihm natürlich darum, die Verrohtheit der Männerwelt – oder der Menschenwelt per sé darzustellen, und diese Welt ist nun mal ein Königreich der Schmerzen und keine Häkelfreizeit. Gewiss darf man ihm auch einen ausgeprägten Hang zur Polemik vorwerfen, was aber wiederum nur im Kontext der Zeit und unter Berücksichtigung seiner politischen Ausrichtung zu bewerten ist. Die Geschichte transportiert die typischen, naiv simplifizierten Weltanschauungen der linken 68er Bewegung, welche die naturgegebene Spaltung der menschlichen Natur und deren Unberechenbarkeit außer Acht lässt und stattdessen vereinfachte (aber wenig realistische) Lösungen anbietet. Die etwas infantile „Schwanz Ab!“-Mentalität des Films wird dann auch entsprechend durch fast schon lächerliche Szenen ad absurdum geführt, beispielsweise wenn Schwester Agatha feministische Hau drauf-Parolen absondert wie: „Das Geschlecht ist unsere Macht! Unsere einzige Macht!“
Es ist wahrscheinlich ergiebiger (und amüsanter), das Resultat aus seinem sozialpolitischen Kontext zu lösen und den Film einfach nur als hervorragend gemachtes, antiklerikales Unterhaltungswerk zu goutieren. Denn immerhin geizt Mingozzi nicht mit reichlich Bizarrerien und äußerst einprägsamen, oftmals sehr surrealen und verstörenden Bildern. Vor allem gegen Ende des Films, wenn Flavia von Visionen heimgesucht wird, macht er Pasolini und Ken Russel Konkurrenz.

Handwerklich bewegt der Film sich auf höchstem Niveau. Das Beeindruckendste an Flavia ist sicherlich die wunderschöne, geradezu ätherische Kameraführung von Alfio Contini – die Bildkompositionen sind wahrhaft kunstvoll gestaltet, und die erdigen Farben vermitteln eine ungemein dichte, greifbare Atmosphäre. Mingozzis Regiearbeit ist durchgehend versiert, und stellenweise merkt man seiner Inszenierung an, daß er ursprünglich aus dem Dokumentarbereich stammt. Die mittelalterlichen Locations, die Kleidung und die Bauten versprühen eine unglaubliche Authentizität; tatsächlich wurden Ausstattung und Kostüme mit größter und weitgehend historisch korrekter Sorgfalt ausgesucht – Schlampigkeiten wie in artverwandten Produktionen hat man sich hier keine geleistet. Obwohl der Film gewiss kein riesiges Budget zur Verfügung hatte, wirkt alles sehr bombastisch, die Schlachtszenen sind spektakulär und aufwändig choreographiert, was sicher auch der vorzüglichen Inszenierung zu verdanken ist.
Bei der mittelalterlich angehauchten und sehr authentisch wirkenden Musik von Nicola Piovani dominieren folkige Flöten, Klampfen und Trommelklänge. Die schöne Melodie des Hauptthemas, die ein trügerisches Idyll vorgaukelt, erinnerte mich an den Score irgendeines Italowesterns, aber das konnte ich leider nicht eruieren.

Es ist vor allem der herausragenden Leistung der wundervollen Florinda Bolkan zu verdanken, daß die tendenziöse Schwarzweißmalerei, die der Film stellenweise betreibt, nicht allzu sehr in Klischees und Musterhaftigkeit abgleitet. Ihr gelingt es blendend, ihre Rolle mit der nötigen Vielschichtigkeit zu füllen. Elegant hält ihr Filmcharakter Flavia die schwierige Balance zwischen Faszination und Ekel, zwischen Kampfeswille und Resignation; ihre innere Zerrissenheit transportiert die Bolkan ganz vorzüglich. Ich verehre diese Frau mehr und mehr, ihr gebührt ein Denkmal.
Aber auch die Nebendarsteller geben keinen Anlass zur Klage. Maria Casarès brilliert in der Rolle der aufsässigen und freigeistigen Schwester Agatha. Genrefreunde dürften sich über ein Wiedersehen mit Claudio Cassinelli freuen, der hier den jüdischen gelehrten Abraham gibt. Bekannt ist er u.a. als Manolo in Sergio Martinos DIE WEISSE GÖTTIN DER KANNIBALEN, als Inspektor Silvestri in DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER von Massimo Dallamano oder als Lt. Claude de Ross in DIE INSEL DER NEUEN MONSTER. Seine letzten Filmauftritt absolvierte er in PACO – KAMPFMASCHINE DES TODES, bevor er 1985 bei einem Helikopterabsturz ums Leben kam.
Der weitgehend unbekannte Regisseur Gianfranco Mingozzi geriet bereits zwei Jahre vor FLAVIA mit der (italienischen) Zensur in Konflikt. Laut Christian Kessler erhielt er als Reaktion auf sein stark linkslastiges Werk LA VITA IN GIOCO einen Brief des Ministeriums mit der Aufforderung, eine Dialogzeile zu entfernen. Darsteller William Berger ruft dort aus: „Es lebe der Schwanz! Es lebe die Fotze!“ Die Regierung hierzu: „Wir sind zu dem Schluss gekommen, daß geschnitten werden muss: ‚Es lebe die Fotze!’ Es bleibt: ‚Es lebe der Schwanz!’ Gezeichnet: Der Minister.“ (Quelle: DAS WILDE AUGE von C. Kessler)
Angesichts solcher Erlebnisse kann man es Mingozzi nicht verübeln, daß sein nächster Film extrem feministische Züge aufwies…

In den bisherigen Fassungen lag FLAVIA nur in stark gekürzter Form vor, es fehlten (neben gewaltanteiligen Szenen) einige recht ausführliche (Dialog-)Szenen, die für den philosophischen Überbau von erheblicher Wichtigkeit sind. Dankenswerterweise wurden sie für die vorliegende Version wieder eingefügt und mit Untertiteln versehen, aaaber… es wäre doch sehr wünschenswert gewesen, wenn man hierzu einen Übersetzer verpflichtet hätte, welcher der englischen Sprache mächtig gewesen wäre. An einigen Stellen ist der Text derart fehlerbehaftet, daß der Sinngehalt regelrecht auf den Kopf gestellt wird. Äußerst peinlich!

Ansonsten ist die Qualität der DVD von X-Rated recht brauchbar, das Bild reißt zwar keine Bäume aus ist aber, gemessen am Alter des Materials, annehmbar. Bei der deutschen Tonspur sieht es nicht so rosig aus, hier brummt und knistert es häufig.

Ein faszinierender und nachhaltig beeindruckender Film, der nach den oben genannten Abstrichen immer noch 8 von 10 Punkten wert ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: FLAVIA - LEIDENSWEG EINER NONNE - Gianfranco Mingozzi
BeitragVerfasst: 14.07.2010 22:25 
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Ja, den Film habe ich tatsächlich so ein wenig ins Herz geschlossen. Gerade auch wegen diesen kritischen, feministischen Untertönen trotz aller derbster Exploitation hebt sich der Film ja so wunderbar vom Gros der anderen Nonnenstreifen (die ich aber auch sehr mag) so wunderbar ab. Hinzu kommt das von dir ebenfalls erwähnte sehr tolle Spiel von Florinda Bolkan. Seit diesem Film, ist sie echt eine meiner Lieblingsdarstellerinnen geworden. Zuguterletzt ist da auch noch der tolle Score von Piovani zu nennen, den ich wirklich sehr sehr schön und gelungen finde. Ich finde den Film in seiner ganzen irgendwo rebellischen und rauhen Art wirklich sehr gut gemacht.

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 Betreff des Beitrags: Re: FLAVIA - LEIDENSWEG EINER NONNE - Gianfranco Mingozzi
BeitragVerfasst: 10.12.2011 19:05 
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Habe gestern die FLAVIA DVD von X-CESS bestellt.
Kann mir von Euch jemand sagen ob diese identisch mit der Auflage von X-Rated ist,
oder ist es inzwischen bei der Neuauflage zu einer verbesserten DVD-Fassung gekommen ?


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 Betreff des Beitrags: Re: FLAVIA - LEIDENSWEG EINER NONNE - Gianfranco Mingozzi
BeitragVerfasst: 10.12.2011 21:13 
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Vincent cushing hat geschrieben:
Habe gestern die FLAVIA DVD von X-CESS bestellt.
Kann mir von Euch jemand sagen ob diese identisch mit der Auflage von X-Rated ist,
oder ist es inzwischen bei der Neuauflage zu einer verbesserten DVD-Fassung gekommen ?


Die kleine Hartbox habe ich auch hier.
Da ist die X-Rated Scheibe drin.
Also nichts weiter als ein Repack.

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 Betreff des Beitrags: Re: FLAVIA - LEIDENSWEG EINER NONNE - Gianfranco Mingozzi
BeitragVerfasst: 11.12.2011 10:26 
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anti hat geschrieben:
Vincent cushing hat geschrieben:
Habe gestern die FLAVIA DVD von X-CESS bestellt.
Kann mir von Euch jemand sagen ob diese identisch mit der Auflage von X-Rated ist,
oder ist es inzwischen bei der Neuauflage zu einer verbesserten DVD-Fassung gekommen ?


Die kleine Hartbox habe ich auch hier.
Da ist die X-Rated Scheibe drin.
Also nichts weiter als ein Repack.

anti


Dank Dir anti,
da es sonst keine andere Deutsche DVD VÖ gibt bleibt mir dann ja sowieso nichts anderes übrig
als diese zu nehmen.
Aber für runde 13 Euro geht das schon noch in Ordnung.


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 Betreff des Beitrags: Re: FLAVIA - LEIDENSWEG EINER NONNE - Gianfranco Mingozzi
BeitragVerfasst: 11.12.2011 11:11 
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Weils hier gerade passt: Ich hätt noch einen FLAVIA (Cover C) im quasi Neuzustand übrig. Falls wer Interesse hat: 11 Euro inkl. Versand.
Hoffe dieser Post ist hier OK, ansonsten bitte löschen...


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 Betreff des Beitrags: Re: FLAVIA - LEIDENSWEG EINER NONNE - Gianfranco Mingozzi
BeitragVerfasst: 13.12.2011 14:34 
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Diabolik! hat geschrieben:
Im Kino lief der Film als CASTIGATA, DIE GEZÜCHTIGTE, später wurde er gar unter der knackigeren Aufbereitung NONNEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT neuveröffentlicht, wohl um auf der Welle der erfolgreichen Hexenfilme mitzureiten.


Unter den beiden Titeln ist mir der auch bekannt. Weiß jemand, wo der Titel FLAVIA - LEIDENSWEG EINER NONNE herkommt? Und kann jemand sagen, welche Synchro auf der DVD drauf ist: Es soll wohl auch eine Neu-Synchro aus den 90ern geben.


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 Betreff des Beitrags: Re: FLAVIA - LEIDENSWEG EINER NONNE - Gianfranco Mingozzi
BeitragVerfasst: 18.05.2015 16:40 
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Alternativer Titel: Nonnen bis aufs Blut gequält
Originaltitel: Flavia, la monaca musulmana
Produktionsland: Italien
Produktion: Raniero di Giovanbattista, Gianfranco Mingozzi
Erscheinungsjahr: 1974
Regie: Gianfranco Mingozzi
Drehbuch: Sergio Tau, Francesco Vietri, Bruno Di Geronimo, Raniero Di Giovanbattista, Gianfranco Mingozzi, Fabrizio Onofri
Kamera: Alfio Contini
Schnitt: Ruggero Mastroianni
Musik: Nicola Piovani
Länge: ca. 96 Minuten
Freigabe: juristisch geprüft
Darsteller: Florinda Bolkan, Maria Casarès, Claudio Cassinelli, Anthony Higgins, Spiros Focás, Diego Michelotti, Raika Juri, Jill Pratt, Franca Grey, Laura De Marchi





Flavia wurde gegen ihren Willen ins Kloster geschickt. Dort kommt sie mit den Regeln und Anweisungen nicht sonderlich zu Recht. Aber auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft ist Flavia zu wider. Als das Land von den Moslems überfallen wird, schließt sie sich den Eindringlingen an um Rache zu nehmen.

FLAVIA – LEIDENSWEG EINER NONNE oder CASTIGATA, DIE GEZÜCHTIGTE – egal welchen der zahlreichen Namen wir dem Film geben – ist ein Beitrag der so oder so zur Sperrspitze des Nunsploitation-Cinema gehört. Gianfranco Mingozzis Film übt nicht nur Kritik an Kirche und Religion, sondern an der Gesellschaft und dem System welches dahinter steht. Von den Lüsten einer jungen Nonne hinter Klostermauern ist hier nicht viel zu sehen. Mingozzi tritt mit wehenden Fahnen gegen die gesellschaftlichen Normen und dessen angebliche Werte an.

Florinda Bolkan spielt die Rolle der Flavia. Eine junge Frau, die gegen ihren Willen zur Nonne wird und die das herrisch, herrschende Wesen des Mannes verabscheut. Allerbeste Vorraussetzungen um ernsthafte Probleme mit den Folterknechten zu bekommen. Denn die Vasallen der Inquisition gehen bei CASTIGATA, DIE GEZÜCHTIGTE zumindest zweimal äußerst übel zu Werke. Demnach kein Wunder, dass das Lexikon des internationalen Films mit FLAVIA besonders hart ins Gericht ging und den Film als „ein unmotiviertes Durcheinander von Grausamkeit und Perversion, welches an Scheußlichkeiten kaum etwas ausspare“, bezeichnet.

In erster Linie sollten uns jedoch nicht erwähnte Grausamkeiten interessieren, sondern das was hinter dem Film steckt. Die eindeutige Anklage gegen das Christentum sowie den Islam. Mingozzi lässt hier an keiner der beiden Weltreligionen ein gutes Haar und geht mit diesen knallhart ins Gericht.

Der Charakter Flavia zeigt sich als eine anarchistische Bastion gegen die Gesetze und die Macht der Obrigkeit. Eine Person die nicht einsieht warum Vater, Sohn und Heiliger Geist männlich sein müssen. Weiterhin interessant und sehr auffällig ist Flavias Charakterwandel, da sie sich auf ihrem Rachefeldzug genau an den Mitteln bedient, die sie einst so sehr verachtete.

Ob man fernab dieser Tatsachen noch den Namen Jeanne d’Arc ins Spiel bringen soll… na ja, wir wollen es nicht übertreiben…

In technischer Hinsicht bietet der Film eine gute Kameraarbeit die auch bei Folter und Vergewaltigung stets auf „Augenhöhe“ ist. Dieses kann sehr unangenehm wirken, da Mingozzi in keiner Weise eine Verherrlichung der Gewalt praktiziert, sondern diese als widerlich und ekelhaft darstellt.

Dieses hat zur Folge dass der Film als Beleidigung aufgefasst werden kann. Eine Beleidigung für Glauben, Gesellschaft und System. Denn Mingozzi geht seinen Weg konsequent zu Ende.

Fazit: Ein ganz starker Vertreter im Bereich von Nunsploitation. Hart, böse, intelligent und mit einer derbe gewürzten Gesellschaftskritik ausgestattet.

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