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 Betreff des Beitrags: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 03.05.2010 14:02 
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GESTAPO´S LAST ORGY (“L´Ultimo Orgia die Terzo Reich”, I 1976) R: Cesare Canevari

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Nach dem Ende des 2. Weltkriegs sucht der SS-Lagerkommandant Konrad von Starker (Adriano Micantoni) den Ort auf, an dem er mit unbarmherziger Knute regierte. Dort trifft er auf die jüdische Überlebende Liese (Daniela Poggi), deren Willen er damals durch Folter nicht zu brechen vermochte und sich daraufhin in sie verliebte. Alte Erinnerungen werden lebendig, die Gespenster der Vergangenheit rasseln mit ihren Ketten. Empfindet Liese noch etwas für ihren damaligen Peiniger und Lover – oder will Sie nur eine alte Rechnung begleichen?

Das Subgenre des Naziploitation-Films hat ja etliche stinkende Blüten getrieben, die oftmals selbst für Freunde von Schmuddelkram schwer zu goutieren sind – speziell hierzulande, wo eine objektive Auseinandersetzung mit diesen Machwerken aufgrund staatlich eingebläuter moralischer Gewissensbisse kaum möglich scheint. Wagt man es dennoch, die braune Mottenkiste der „Nazi-Nasties“ zu öffnen und einen zaghaften Blick auf den (vorwiegend italienischen) Output zu werfen, mag das bei zartbesaiteten Mitbürgern für deftiges Magendrücken sorgen. Die meisten der Filme reduzieren sich auf die Aneinanderreihung von „geschmacklosen“ Inhalten – vorwiegend wird Folter, Gewalt (gegen Frauen), Sex und die Ausübung von Machtphantasien präsentiert. Was durchaus Spaß bereiten kann, wenn man seine „Political Correctness“ zusammen mit dem Guten Geschmack an der Garderobe abgibt und für 90 Minuten die Wildsau aus dem Koben lassen möchte. Besonders „gut“ – im filmischen Sinne – sind diese Streifen in den seltensten Fällen, schaut man sich beispielsweise die Beiträge von Sergio Garrone an (SS CAMP WOMEN`S HELL oder SS EXPERIMENT LOVE CAMP), einem der fleißigsten Sudelpriester der Ära. Die mageren Geschichten orientieren sich häufig an Vorbildern wie dem „seriösen“ DER NACHTPORTIER von Liliana Cavani oder Tinto Brass` SALON KITTY – und natürlich an dem amerikanischen ILSA – SHE WOLF OF THE SS, der Mutter aller Lager-Folterfilme.

Entsprechend bin ich an die Sichtung von Cesare Canevaris L´ULTIMO ORGIA DI TERZO REICH mit den Erwartungen an ein typisch spekulatives Machwerk dieser Gattung herangegangen – und wurde eines besseren belehrt.

Der Film beginnt mit einem selten zynischen Titelsong („Lieschen, kleines Lieschen, sieh, das Glück kehrt zurück…“). Während des Vorspanns sehen wir Von Starker zum Treffpunkt im Lager fahren, die Fahrt-Aufnahmen wurden mit (Original?)Tonbandaufzeichnungen aus Kriegsverbrecherprozessen unterlegt, die bereits äußerst mulmig stimmen.
Im Lager angekommen trifft er auf seine ehemalige „Gespielin“ und beginnt direkt, sie gierig zu betatschen, was Lieschen mit stoischer Miene über sich ergehen lässt. In Rückblenden wird nun die Geschichte dieses ungleichen Paares erzählt…
Und bei dem, was sich dort entspinnt, musste ich doch des Öfteren einen dicken Kloß im Hals herunterschlucken. Canevari gesellt rein exploitative und urtypische WIP- bzw. Folterfilm-Klischees neben Szenen, die in ihrer bösartigen Eindringlichkeit einem SALÓ („Die 120 Tage von Sodom“) in nichts nachstehen. Ohne hier allzu viel ausplaudern zu wollen, möchte ich vor allem zwei Momente erwähnen, die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben sind: Zum Ersten die berüchtigte „Dia-Show“, wobei nackte, masturbierende „Elitesoldaten“ sich Fotos von Demütigungen anschauen, was in einer brutalen Massenvergewaltigung an jüdischen weiblichen Häftlingen kulminiert. (Obwohl Canevaris Inszenierung bei dieser Sequenz ohne explizite Sadismen oder gar Splatter auskommt, wirken die Bilder durch ihre teilweise suggestive Schnittfolge und das Zerhacken in verstörende Einzelbilder umso durchschlagender.)
Der zweite Moment, der an die Grenzen des Erträglichen gelangt, ist das „Festbankett“, wo die Kommandanten und Ärzte des Lagers in einem luxuriösen Speisesaal ein Abendmahl veranstalten, bei dem die Häftlinge (zynischerweise mit Strapsen und Federboas bekleidet) als gezwungene Dienerschaft und Mundschenke auftreten. Anwesend ist auch ein ominöser Wissenschaftler, der breit grinsend und wild gestikulierend seine ganz persönliche Philosophie zum Thema „Untermenschen“ propagiert – die Juden sollen schließlich nicht einfach nur vernichtet werden, sondern quasi als „Nutzvieh“ Verwendung finden. Seifenstücke und Lampenschirme seien ja bereits ein guter Gedanke, aber warum solle man nicht noch einen konsequenten Schritt weitergehen? Kalbsschnitzel und Schweinefilets seien sicher eine köstliche Speise, aber wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem zarten ungeborenen Judenfötus? Spricht´s und deutet wohlwollend auf die dampfenden Fleischplatten auf der reichhaltigen Tafel. Mit anfänglichem Widerwillen beginnen die Gäste nun, sich am Dargereichten gütlich zu tun – nur der Wissenschaftler und Von Starker langen tüchtig zu. Bald verfliegt aber auch bei den anderen die Skepsis und man stopft sich das Fleisch gierig in die kauenden Mäuler. Dies ist jedoch nur der Anfang eines Exzesses, der wohl auch im (an Geschmacklosigkeiten nicht armen) Genre des Lagerfilms seinesgleichen sucht. Unglaublich, mir blieb regelrecht die Spucke weg…
Auch in dieser an Ekelhaftigkeit und Menschenverachtung kaum zu übertrumpfenden Szene beweist Canevari Geschick bei der Inszenierung: die Kamera verharrt auf schmatzenden Mündern, die das Fleisch zerkauen, auf Detailaufnahmen von Augen, kontrastiert mit Gegenschnitten auf die weiblichen Bediensteten, die hilflos danebenstehen und vor Abscheu der Ohnmacht nahe sind.
Was nun folgt, ist die systematische Erniedrigung der Gefangenen Liese, auf die Von Starker während des Festmahls aufmerksam wurde, da sie als einzige die Schrecken mit apathischer Gleichgültigkeit hinnimmt. Er ist von der Jüdin fasziniert – sein erklärtes Ziel ist es, ihren Willen durch Folter zu brechen und sie sich gefügig zu machen. Canevari tischt uns im Verlauf das übliche Tableau an Quälereien auf, was mitunter eine sehr intensive Wirkung hat, zeitweise aber auch in die Gefilde der Lächerlichkeit vordringt. (In einer Szene lässt er die gefesselte Liese kopfüber in einen Käfig mit „Ratten“ baumeln – dabei handelt es sich aber tatsächlich um possierliche Wüstenrennmäuse, deren Bedrohlichkeit in etwa der von Meerschweinchen entspricht.) An weiteren Schmankerln gibt es ein Bad in ungelöschtem Kalk, eine Zerfleischung durch hungrige Dobermänner und die Häutung eines tätowierten Gefangenen. (Später begegnet uns die Haut als Lampenschirm wieder! Schluck!! – Man sollte diesen Film wirklich nicht beim Kaffeekranz im jüdischen Gemeindezentrum vorführen…)
Nach derlei Ausschweifungen erwartete ich eine kontinuierliche Steigerung des Grauens, ähnlich wie sie in SALÓ zelebriert wird – der Film schaltet im letzten Drittel jedoch gnädigerweise einen Gang herunter und konzentriert sich auf die „Beziehung“ zwischen Von Starker und Liese, sowie auf Lieses persönliche Geschichte. Sicherlich geht dadurch ein Gutteil der eindringlichen Atmosphäre flöten, andererseits beruhigt es die geschundenen Magennerven.

Obwohl es sich bei GESTAPO´S LAST ORGY um einen reinrassigen Naziploitation-Heuler handelt, der sämtliche Versatzstücke dieses berüchtigten Subgenres vereinigt (und auf die Spitze treibt), unterscheidet sich Canevais Beitrag doch von etlichen artverwandten Schmuddelstücken. Dies ist sicherlich zum Teil der stilsicheren Handschrift des Regisseurs und seiner Lust an visuellen Kameraexperimenten und Schnittmontagen zu verdanken, denen er ja bereits in seinem äußergewöhnlichen Western MATALO („Willkomme in der Hölle“) ausgiebig frönte. Zum Zweiten ist L´ULTIMO ORGIA auch einer der wenigen Beispiele des Lagerfilms, der als ultrazynische Parabel auf totalitäre Systeme und Machtmissbrauch funktioniert, was auf dem zuweilen sehr gelungenen Drehbuch, sowie der Leistung der Schauspieler begründet ist.

Adriano Micantoni, der zuvor in einigen Kriegskomödien und Western zugegen war, spielt den fiesen Lagerkommandanten Von Starker absolut glaubhaft und verleiht der undankbaren Rolle gegen Ende sogar einen Hauch Sympathie, was sicherlich ein Kunststück darstellt. Er agiert hier unter dem Pseudonym „Marc Loud“, was verständlich ist, ihm bei seiner weiteren Karriere aber leider nicht half: Nach LAST ORGY sah man ihn nicht mehr auf der Leinwand.
Daniela Poggi legte mit der Rolle der Liese ihr Debüt aufs Parkett – die wahren Hauptdarsteller sind zwar ihre Tittchen, die sie pausenlos zur Schau stellen muss, dennoch ist ihre Leistung – und speziell die Wandlung, die sich in ihr vollzieht – recht passabel. Sie ist jedenfalls bis zum heutigen Tag als Schauspielerin aktiv, vor allem in Fernsehfilmen.

Der Film wurde mir zunächst als Sicherheitskopie zugänglich gemacht, die auf der amerikanischen DVD von Exploitation Digital / Media Blasters basiert. Diese beinhaltet das längere Finale, welches in einigen anderen Fassungen herausgeschnitten wurde, leider jedoch in schlechterer Bild- und Tonqualität. Mittlerweile besitze ich aber die ungekürzte dänische DVD von Another World Entertainment, die das längere Ende als „Alternatives Ende“ in den Extras aufführt und eine deutlich bessere Bildqualität aufweist. Dazu gibt es ein 4-seitiges Booklet.


P.S.: Da ich ein krankes und amoralisches Saustück bin, erwischte ich mich während der Sichtung des Films häufig bei der Vorstellung, welch abgründige Wirkung dieses Werk wohl mit einer typisch schmierigen 70er Jahre-Synchronisation entfalten würde. Nun ja, nur ein Traum... und vielleicht auch besser so.

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 03.05.2010 21:48 
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Nimm's bitte nicht persönlich, aber ich kann es einfach nicht nachvollziehen, wie immer wieder versucht wird, solche Machwerke, die nichts sind als widerwärtig und menschenverachtend, durch irgendwelche angebliche tiefere Sinnhaftigkeit oder irgendwelche vermeintliche handwerkliche Ansehnlichkeit schönzureden. Ich bin echt nicht zimperlich, aber bei solchen Vertretern hört für mich der Spaß auf. Und dass sich ein Vergleich mit einem Meisterwerk wie "Salo" aus mindestens 1000 Gründen verbietet, sollte ja eigentlich auch klar sein.
Also, bitte nicht böse sein. Aber diesen Post konnte ich einfach nicht so alleine für sich stehen lassen. Sonst schätze ich Deine Filmkritiken sehr und glaube auch, dass Du ein sympathischer Mensch bist, nach Deinen Posts zu schließen. No offense also! Doch hier fehlt mir einfach das Verständnis.

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 03.05.2010 22:16 
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Thomas Morus hat geschrieben:
No offense also! Doch hier fehlt mir einfach das Verständnis.


None taken. ;)

Und böse bin ich schon mal gar nicht, im Gegenteil, ich freue mich über kontroverse Meinungen zum Thema.
Aber eine Frage vorweg: Hast du den Film gesehen?

In dem Fall bin ich gern zu einer Diskussion bereit. Denn wie ich schon schrieb: LAST ORGY unterscheidet sich in einigen Punkten vom Einheitssumpf dieser Machwerke.
Im Übrigen bin ich durchaus gewillt mich auch von "menschenverachtenden" Filmen (mit Abstrichen) unterhalten zu lassen, denn ich bin mir bewusst, daß es sich letztlich immer um Fiktion handelt und ich imstande bin, zwischen "Realität" und Fiktion zu unterscheiden. Selbst wenn die Fiktion auf Tatsachen beruht und höchst unbequeme oder geschmacklose Themen aufgreift, kann sie eine Rezeption rechtfertigen.
Ein solches Kunstprodukt (im Sinne von Künstlichkeit) zu goutieren, bedeutet ja nicht im wahren Dasein eine misanthropische Haltung einzunehmen. Davon bin ich Lichtjahre entfernt. Was das angeht, gehe ich völlig mit deiner Signatur d`accord. :)

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 00:55 
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Thomas Morus hat geschrieben:
Nimm's bitte nicht persönlich, aber ich kann es einfach nicht nachvollziehen, wie immer wieder versucht wird, solche Machwerke, die nichts sind als widerwärtig und menschenverachtend, durch irgendwelche angebliche tiefere Sinnhaftigkeit oder irgendwelche vermeintliche handwerkliche Ansehnlichkeit schönzureden. Ich bin echt nicht zimperlich, aber bei solchen Vertretern hört für mich der Spaß auf. Und dass sich ein Vergleich mit einem Meisterwerk wie "Salo" aus mindestens 1000 Gründen verbietet, sollte ja eigentlich auch klar sein.
Also, bitte nicht böse sein. Aber diesen Post konnte ich einfach nicht so alleine für sich stehen lassen. Sonst schätze ich Deine Filmkritiken sehr und glaube auch, dass Du ein sympathischer Mensch bist, nach Deinen Posts zu schließen. No offense also! Doch hier fehlt mir einfach das Verständnis.


Hoppla, harrsche Worte!

Hast du den Film denn gesehen? Ich würde mich absolut wehren, Gestapos Last Orgy in eine Schublade mit irgendwelchen schundigen Mattei-Lagerfilmen o.ä. zu stecken. Das ist einer der meines Erachtens am meisten missverstandenen italienischen Genrebeiträgen überhaupt. Der Film mag dreckig und widerwärtig sein, aber er ist etwas bestimmt nicht: gewissenlos. Gerade durch seine surreale Überhöhung und Entfremdung der Ereignisse (z.B bei der Vergewaltigung) verunmöglicht der Film ein Aufgeilen am Geschehen. Würde Canevari auch absolut als ernsthafter Ausnahmekünstler unter den Exploitationsregisseuren dieser Zeit sehen, der - sobald er über die nötige künstlerische Freiheit verfügte - absolut aussergewöhnliches zu schaffen in der Lage war (siehe z.B den unfassbaren Matalo oder das extrem prätentiöse Gangsterdrama Und iena in cassaforte). Vielleicht unterscheidet sich Canverari von z.B einem Giulio Questi einzig dadruch, dass Canevari kompromissbereiter war, und auch vor schwierigen, exploitativen Stoffen nicht zurückschreckte.
Last Orgy mag eine filmische Rosskur sein, aber als solche finde ich sie als Auseinandersetzung mit dem Grauen des Dritten Reiches ehrlicher und aufrichtiger als irgend ein Hirschbiegel-Film, der nix zu erzählen hat und den Kinogänger nach 2 Stunden gut unerhalten und zufrieden wieder aus dem Kinosessel entlässt. Gestapos Last Orgy lässt sicher keinen zufrieden zurück - das ist ein Schlag in die Magengrube, der weh tut!
Warum man da keine Vergleiche zu Salo ziehen darf, versteh ich nicht ganz (ich rede nun nicht von irgendwelchen qualitativen Wertungen). Gerade für die Rezeption dieses Films ist das Verständnis von Salo und dessen Einfluss auf's (italienische) Exploitationskino absolut wichtig und unumgänglich. Ohne Salo hätte es diesen Film so wohl nie gegeben.

Zu empfehlen sind auch Kesslers Abhandlungen zum Canevari-Film im Wilden Auge. Zitat: Die einzige wirkliche Geschmacklosigkeit ist das Heimatlied im Vorspann...


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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 10:36 
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Also, ich habe von dem Film Szenen gesehen, die auf die ästhetische bzw. handwerkliche "Qualität" schließen lassen. Die von Diabolik geschilderten Drastiken habe ich absichtlich ausgelassen, da mir da einfach die Fakten reichen. Ich muss nicht sehen, WIE so etwas dargestellt wird, es reicht mir, DASS es vorkommt. Und das will ich im Folgenden erklären:

Bei "Salo" werden natürlich auch extrem viele ganz furchtbar fiese Sachen gezeigt, hier ist der Bezug zur Nazizeit und vor allem zur Shoah aber doch viel abstrakter, fiktiver. Das ist, wenn man so will, eine Parabel auf die soziopsychologischen Entstehungsbedingungen von Faschismus. Das Dargestellte also: drastisch, der Bezug auf konkrete Ereignisse allerdings sehr abstrahiert und SYMBOLISCH. Und das ist niveau- und geschmacksmäßig sehr wichtig, besonders im Bezug auf die NS-Diktatur.

In "Last Orgy" jedoch gibt es keine Abstraktion: da geht es ums KZ, um Judenmord, um "Lampenschirme" etc. etc. Es wird also klar und deutlich auf eine historische Situation Bezug genommen.
Doch zu welchem Sinn dann? Unterstellen wir mal eine im Grunde menschenfreundliche Haltung des Regisseurs: was will er uns sagen? Dass die Nazizeit furchtbar war? Zu Aufrüttelungszwecken schaut man doch lieber eine Dokumentation mit "echten" Bildern und keinen Unterhaltungsfilm, der das ganze dann auch noch mit Sexszene etc. anreichert... was soll das ganze dann? Welchen Sinn soll diese "Orgie" haben außer der rein spekulativen Ansprache niederster Instinkte? Wenn man wirklich was zu "sagen" hat, dann macht man das doch mit etwas mehr Anstand, oder?

Ich werde hier im Forum häufig als der Political Correctness-Papst bezeichnet, aber ich finde, niemand sollte vergessen, dass es auch noch eine Welt da "draußen", außerhalb des filmisch Dargestellten gibt. Und gerade Deine(Diabolik) Aussage, dass man so einen Film wohl besser nicht im jüdischen Gemeindezentrum zeigt, beweist doch schon die Sinnlosigkeit und Perversion des Ganzen. Wofür soll der Film denn dann gut sein? Obwohl es eine fiktive Handlung ist, bezieht er sich mit konkreten historischen Elementen auf eine konkrete historische Situation mit ganz konkreten, "echten" Opfern. Und diesen bzw. deren Kindern und Kindeskindern zeigt man den Film dann lieber nicht, die könnten den irgendwie in den falschen Hals kriegen??? Für mich gibt es gerade aus diesem konkret historischen Bezug heraus keine Entschuldigung dafür, solche Elemente in einem Unterhaltungsfilm unterzubringen. Wer wirklich die Nazizeit anklagen will, hat viele andere Möglichkeiten, als sich solch ein Schmuddelgenre auszusuchen.
Für mich grenzt es an Chauvinismus, bei so was die Opferperspektive komplett außen vor zu lassen... zeig doch den Film mal einem Juden, dessen Familie im KZ ermordert wurde, der wird Dir schon sagen, was er davon hält... das KANN man einfach nicht unabhängig bewerten bzw. auch produzieren. Und das ist für mich jetzt nicht übermäßig Political Correct, sondern einfach nur gesunder Menschenverstand.

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 11:01 
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Wenn man sich italienische KZ / Lagerfilme anschaut erwartet man doch primitivste Exploitation und Menschenverachtung : Nazis die Juden quälen , foltern und ficken ! Ab besten noch mit Hardcore und Goreszenen !

Die Wahrheit ist allerdings ernüchternd : Das gesamte Genre steht für Langeweile ,miserable Kulissen ( Industrieruinen oder Abriss Kasernen ) , lächerliche und austauschbare Handlungen und peinliche Schauspielkunst . Es sind halt miese W.I.P. Filme mit tollem "geschichtlichen" Hintergrund ,oft gibts dann auch noch eine Prise Kriegsgeschehen , damit etwas Leben in die Bude kommt ! Grundsätzlich könnte man Naziploitation in 3 Kategorien unterteilen :

1.Salon Kitty-Ripoffs (Casa privata per le SS ,...)
2.KZ-Experimente (SSadis Kastrat Kommandatur, KZ 09 ,..)
3.Totaler Nonsens (Desert Tigers , Holocaust 2 , eine Armee Gretchen,...)

Klar wird immer gefoltert , aber meistens unspektakulär und mit miesen Effekten ( gibts eigentlich nie zu bewundern) . Die Nazi-Ideologie existiert eigentlich auch nicht , irgendwelche Italiener in zu grossen Uniformen werfen halt mit deutschen Sprachfetzen um sich ("Komm her Du " ,"Sieg Heil"+"Heil Hitler") , ansonsten gibt es zu experimentieren und ein paar Frauen anzusleazen oder zu foltern ( u.a. werden die Frauen gezwungen , Wäsche zu waschen oder sich zu Duschen - wie schockierend !) .

Und ja , GLO ist schon besser gefilmt als seine meisten Mitstreiter ( wie auch z.B. Red nights of the Gestapo , wenn ich mich recht entsinne), aber lassen wir die Kirche im Dorf ! Der Film erreicht keinesfalls das filmische Mittelmaß , und auch die Lovestory (offensichtlich beim "Nachtportier" angelehnt) ist eher langweilig als innovativ. Was die "Schockszenen" angeht , die "Orgie" ist natürlich absolut lächerlich , rechtfertigt aber immerhin den Titel des Films . Wie immer wird hier auch auf verbale Provokation gesetzt ("Nothing tastes better than an unborn jew") , der gebratene "Fötus" ist im Endeffekt auch nicht von herkömmlichen Gulasch nach Hausfrauenart zu unterscheiden . Bei der "Auflösung in Kalk" rutschen ein paar Damen in milchig aussehendes Wasser - was natürlich auch lächerlich aussieht ! Sicher ist das Ganze aus moralischen und geschichtlichen Standpunkten unverantwortlich , aber das ist ja auch die einzige Qualität der Nazisploitation (wer hätte das Gedacht ! ) .

Also ,im Endeffekt ist GLO schon besser gemacht als "Holocaust 2" , "Achtung-Desert Tigers" oder "Beast in Heat" , aber halt auch nicht so "lustig" . Der einzige wirklich extreme (und daher auch beste) Film des Genres ist für mich "KZ 09" von Bruno Mattei ( von wem sonst ? ) , auch wenn es hier einiges zu Schmunzeln gibt (z.B. ausgiebige Diskussionen über die verschiedenen Brotsorten des Reiches) ! Aber ich schaue mir sowieso lieber die Eurociné Streifen wie "Elsa Fraulein SS" oder "last Train pour Hitler" an ... 50% der italiener sind einfach NUR langweilig !

Wer ein grundsätzliches Problem mit der Thematik hat sollte halt die Finger von solchen Streifen lassen - Die Filme sind so schlecht , daß sie maximal als Trash zu einigen Lachern taugen... die größte Verunglimpung der Thematik besteht sowieso in der Lieblosigkeit der Umsetzung !


Zuletzt geändert von Operazione Bianchi am 04.05.2010 14:13, insgesamt 5-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 04.05.2010 11:21 
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Na, wenigstens versuchst Du keine intellektuelle Adelung dieses Genres.
Was man trotzdem an diesem Genre finden soll, vor allem immer im Bezug darauf, dass man sich als Rezipient ja vielleicht sogar "mitschuldig" an einer häufig verachtenswerten Intention auf Produzentenseite macht, weiß ich nicht. Aber das ist ja dann wieder Geschmackssache...

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BeitragVerfasst: 04.05.2010 11:43 
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Thomas Morus hat geschrieben:
Na, wenigstens versuchst Du keine intellektuelle Adelung dieses Genres.
Was man trotzdem an diesem Genre finden soll, vor allem immer im Bezug darauf, dass man sich als Rezipient ja vielleicht sogar "mitschuldig" an einer häufig verachtenswerten Intention auf Produzentenseite macht, weiß ich nicht. Aber das ist ja dann wieder Geschmackssache...


Da gibt es auch nichts zu adeln !

Es handelt sich schlicht und ergreifend um die niederste Form der "Exploitation" , die Italien je hervorgebracht hat (lassen wir mal Tierpornos außenvor) ! Den Holocaust thematisch zu mißbrauchen ,um an der Kinokasse Umsatz zu machen , ist natürlich moralisch nicht zu unterbieten ! Um so haarstreubender ist natürlich das grundsätzliche Scheitern dieser Filme , das Versprechen des Tabubruchs auch wirklich einzuhalten und glaubhaft zu zeigen ! Batzella , Brescia und Mattei waren sich für keine Schandtat zu schade , das haben sie ja auch mit anderen grenzwertigen Werken bewiesen . Im großen und ganzen sind die Lager-Filme bis auf wenige Ausnahmen lächerlich harmlos und wenig schockierend ... ja , sie sind sogar so miserabel , daß sie selbst als Trash schwer genießbar sind . Spätestens wenn in "Beast in Heat" ein von den Nazis gezüchteter Untermensch/Neanderthaler die Schamhare junger Frauen frisst sollte man an der Ernsthaftigkeit dieser Filme zweifeln !


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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 13:54 
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Thomas Morus hat geschrieben:
Na, wenigstens versuchst Du keine intellektuelle Adelung dieses Genres.


So, nun wird es aber mal Zeit, einiges klarzustellen.
Auch, wenn du mich damit nicht explizit ansprichst: Ich habe niemals versucht, das Genre als solches zu "adeln"! Lies doch bitte nochmals den ersten Abschnitt meiner Rezi, da habe ich unmißverständlich klargestellt, was im Allgemeinen von solchen Filmen zu halten ist. Mal abgesehen von der billigen und lieblosen Machart, die Operazione Bianchi auch kritisiert, ist die Thematik (und vor allem der Umgang damit) mehr als fragwürdig.

Dennoch zähle ich GLO zu einem der gelungensten Vertreter seiner Art.

Und nun mal ein paar Worte zu zu Opfern und Tätern bzw. deiner Aussage:

Thomas Morus hat geschrieben:
zeig doch den Film mal einem Juden, dessen Familie im KZ ermordert wurde, der wird Dir schon sagen, was er davon hält...


Der Spruch "Man sollte diesen Film wirklich nicht beim Kaffeekranz im jüdischen Gemeindezentrum vorführen" war natürlich ironisch gemeint. Wahrscheinlich eine geschmacklose Aussage in deinen Augen. Aber bleiben wir mal dabei. Was wäre denn, wenn man den Film dort zeigen würde? Was passiert, wenn ein Jude eine solche "Auseinandersetzung" mit dem großen Tabuthema sieht?
Exkurs: Ich habe einen guten Bekannten, der jüdischstämmig ist und dessen Großvater und Vater in einem KZ umgebracht wurden. Gleichzeitig ist dieser Mann (wie ich) ein großer Anhänger von Exploitationfilmen. Er hat sogar ein besonderes Faible für "schlechte" Filme. Im Gegensatz zu mir verteidigt er sogar Kannibalenfilme. Und in seiner Sammlung befinden sich etliche der hier aufgeführten Lagerfilme. Um`s kurz zu machen: Möglicherweise ist es ein Problem der Generation - aber er hat keinerlei Schwierigkeiten mit diesen Filmen. Denn er ist in der Lage Realität und Fiktion zu unterscheiden!

Übrigens: Es gibt immer und überall Opfer. Zahllose Frauen wurden Opfer sexuellen Mißbrauchs. Was geschieht nun, wenn ein solches Opfer Filme wie LAST HOUSE ON THE LEFT, L´ULTIMO TRENO DELLA NOTTE usw. sieht? Andere Menschen haben ihre Frauen und Kinder im Irak oder in Afghanistan verloren, erschossen von amerikanischen (oder neuerdings auch deutschen!) Soldaten. Wie reagieren solche Menschen auf Söldnerfilme?

---

Ich war mir beim Schreiben der Rezi gar icht mehr bewusst, daß Christian Kessler den Film im WILDEN AUGE besprochen hatte. Ich möchte ihn an dieser Stelle mal selbst zu Worte kommen lassen:

"Sich daran [an GLO] aufzugeilen, ist kaum möglich. Die Darsteller scheinen wie festgefroren in den Posen aus Agression und Angst. Was den Stimulationsfaktor angeht (der viele solche Werke zu ziemlich zwiespältigen Veranstaltungen werden läßt), so ist hier anzumerken, daß L´ULTIMO ORGIA es Voyeuren relativ schwer macht. Brutale Sexszenen sind künstlich verfremdet wie im vorigen Beispiel [hier beschrieb Kessler die Massenvergewaltigung]. Oder sie sind so angelegt, daß die sadistischen Motive der Verbrecher beim schlechtesten Willen nicht positiv zu bewerten sind. Vergewaltigung erscheint nicht als Kavaliersdelikt. Zudem handelt es sich bei den Aktricen nicht um ausgesuchte Schönheiten, sondern um sehr unterschiedlich aussehende Frauen; viele fettleibige oder ältere Personen zerstreuen den Verdacht, dem Verbrechen solle ein Glanz verliehen werden, der zum Nachahmen anregen könne. (...) Das Ritual der Tortur dient - das macht der Film mehr als deutlich - der Triebabfuhr für Menschen, deren normale Empfindungen abgestorben sind."

Und im Folgenden:

"Schwer erträglich, wohl wahr. Man muß sich aber fragen, was es denn ist, das hier dem Betrachter den Brechreiz beschert - ist es die dargestellte Ungeheuerlichkeit, oder ist es die Tatsache, daß man dem dargestellten Schrecken nicht mit der gewöhnlichen "professionellen" Betroffenheit begegen kann? Hier wird aus der unterliegenden Unmenschlichkeit ein perverses Spektakel gemacht, das die "Herrenmenschen"-Ideologie als das hinstellt, was sie ist: eine asoziale Methode neurotischer Persönlichkeiten, die Andersdenkenden zu einem mythischen Erbfeind zu erklären, den man zum eigenen Lustgewinn gängeln, schikanieren und mißbrauchen kann. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, daß aus den sogenannten "Untermenschen" Objekte gemacht werden, die von den Unterdrückern nach Belieben benutzt werden können. Die vollkommene Reduzierung der Opfer zu Nahrung ist somit, bei aller Übertreibung, ein treffendes Bild für die Unmenschlichkeit solch eines Systems. Wahrscheinlich würde man Canevari, hätte der Film auch nur eine geringe Chance, hier zu erscheinen, ebenfalls zum Vorwurf machen, daß er die Nazis nicht ernst nimmt. So erscheinen die "Herrenmenschen" stets als burleske Kasper, deren Taten zwar entsetzen, die aber in ihrer Monstrosität eifach nur noch absurd wirken. Man kann nicht einmal sagen, daß Canevari es mit seiner Neigung zu grotesken Bildern übertreibe, denn die gesamte Lagerwelt, in der der Film spielt, ist vollkommen losgelöst von alltäglichen Erfahrungen. Es ist ein Mikrokosmos, in dem Menschen zu Spielzeugen von Unmenschen degradiert werden, ganz ähnlich wie in Pasolinis SALÓ. Daß die Perversion - und das Ziel, die anderen menschen ebenso pervers zu machen - von dem Film bewußt thematisiert wird, ist mehr als deutlich und gelegentlich eher zu plakativ und humorlos."

Und:

"Sicher ist, daß sich Canevari innerhalb eines äußerst dubiosen Genres bewegt hat und dabei einen streckenweise zwar ekelhaften, aber keinesfalls gewissenlosen Film gemacht hat. L´ULTIOM ORGIA ist ein nachhaltig wirkungsvoller Film, der seine verstörende Wirkung eben gerade aus der ans Surreale grenzenden Überhöhung der Vorgänge bezieht. Es ist klar, daß er es sich mit den meisten Zuschauern verderben muß. Den einen, weil er zu wenig "Respekt" vor den historische Ereignissen hat. Den anderen, weil die meisten mit solch unappetitlichen Dingen nicht konfrontiert werden wollen."

Dieser letzte, von mir fett gedruckte Satz, entspricht in etwa dem Sinngehalt meiner eigenen Aussage mit dem "Kaffeekranz."


[Zitiert aus Christian Kessler: DAS WILDE AUGE, S. 300-304]

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... und da ich gerade so in Zitierlaune bin, hier ein Auszug aus Marcus Stigleggers vorzüglichem Vortrag "Sadiconazista – Stereotypisierung des Holocaust im Exploitationkino", basierend auf seinem Buch Sadiconazista. Faschismus und Sexualität im Film:

Gemeinsam ist allen Filmen die Verbindung von sexuellen Kontexten mit stereotypen Bildern vom Nationalsozialismus. Das Verhältnis von Henker zu Opfer wird sadomasochistisch verklärt und auf die Ebene sexueller Passionen verlagert. Auf diese Weise wird eine Entpolitisierung und Enthistorisierung des Phänomens Nationalsozialismus gefördert. Das Bild vom Nationalsozialismus kann so gemäß den Gesetzen der Populärkultur zum Spielzeug der Popästhetik werden.

Den gesamten Vortrag kann man hier lesen: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

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Diabolik! hat geschrieben:
Gemeinsam ist allen Filmen die Verbindung von sexuellen Kontexten mit stereotypen Bildern vom Nationalsozialismus. Das Verhältnis von Henker zu Opfer wird sadomasochistisch verklärt und auf die Ebene sexueller Passionen verlagert. Auf diese Weise wird eine Entpolitisierung und Enthistorisierung des Phänomens Nationalsozialismus gefördert. Das Bild vom Nationalsozialismus kann so gemäß den Gesetzen der Populärkultur zum Spielzeug der Popästhetik werden.


Ich gebe zu, dass ich im Moment keine Zeit habe, den ganzen Text zu lesen, hört sich auf jeden Fall aus dieser Perspektive spannend an, zumal ich damals im Rahmen meiner Magisterarbeit eine Menge über Popkultur und ihre Entstehungsformen lesen musste. Trotzdem, auch wenn es so stimmen mag, wie es da steht, heißt's ja noch lange nicht, dass man das gutheißen muss. Nazi-Symbole im Rahmen der Pop-Ästhetik gab es ja auch z.B. bei den Punks in den späten 70ern/80ern als Protestform etc. etc.... finde ich gar nicht so schlimm, teilweise in seiner provokanten Wirkung sogar sehr spannend!
Aber die Shoah zu enthistorisieren, zu entpolitisieren und in einen Pop-Kontext zu stellen, geht mir einfach ZU WEIT. Gerade in diesen konkreten Bezugnahmen wie in ORGY.

Und Kessler ist für mich NICHT die unantastbare Autorität, die man bloß zitieren muss und dann muss ja jeder zustimmen. Wenn dessen Interpretation meiner widerspricht, dann ist es halt so und es zählt im letzten einfach das bessere Argument und sonst nichts.

Wegen Filmen wie LAST HOUSE (übrigens einer meiner Lieblinge) etc.: diese Filme nehmen ja eben NICHT Bezug auf ein konkretes historisches Ereignis, sie sind REIN FIKTIONAL, komplett ausgedachte Geschichten, die man höchstens allergorisch auf echte Begebenheiten beziehen kann. Daher ist das in meinen Augen teilweise auch unerträglich, aber eben nicht so INAKZEPTABEL wie diese Shoah-Perversionen.
Und selbst wenn es direkte Bezüge zu historischen Ereignissen geben würde: die Shoah ist einfach ein singuläres, mit nichts zu vergleichendes Zeugnis des Schreckens und von daher immer mit mehr Sensibilität zu betrachten als alle anderen Gräuel, und das gilt auch für den Unterhaltungsfilm.

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 14:55 
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Thomas Morus hat geschrieben:
Und Kessler ist für mich NICHT die unantastbare Autorität, die man bloß zitieren muss und dann muss ja jeder zustimmen.


Das habe ich nie behauptet. Ich habe ihn lediglich zitiert, um seine persönliche Sichtweise und Interpretation hier darzustellen.

Thomas Morus hat geschrieben:
die Shoah ist einfach ein singuläres, mit nichts zu vergleichendes Zeugnis des Schreckens und von daher immer mit mehr Sensibilität zu betrachten als alle anderen Gräuel, und das gilt auch für den Unterhaltungsfilm.


Einspruch! Es geht mir gegen den Strich, den Holocaust als ein einzigartiges menschliches, quasi unantastbares, Verbrechen zu bewerten. Es gibt in der menschlichen Historie zahllose vergleichbare Gräuel, sie hier alle aufzuzählen, würde restlos den Rahmen sprengen. Genozid ist eine Basis der menschlichen "Entwicklungsgeschichte". Leider.
Es ist auch auffallend, wie wir alle stets die Rolle der Opfer einnehmen und uns völlig von der Perspektive der Täter ausschließen. Wir alle behaupten dreist von uns, wir wären zu solchen Verbrechen niemals fähig. Die Geschichte der Menschheit lehrt uns aber permanent das Gegenteil. Wann immer die morschen Schranken von Zivilisation und mühsam aufrecht erhaltenen Gesetzen zerbröckeln, nimmt der Mensch seine Chance wahr, die Wildsau rauszulassen. (Allgemein gesprochen, Anwesende natürlich ausgenommen. :| )

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 15:51 
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Da stimme ich dem Einspruch von DIABOLIK 100% zu.Man nehme nur kurz als Beispiel die Möchtegern-Amerikaner,die mal alles versklavten was sie aus Afrika rüberschiffen konnten und nebenbei die echten Amerikaner ausrotteten,war das jetzt nur halb so schlimm oder was?Ich glaube eher nicht.Erzähl das mit dem "nichts zu vergleichendem Zeugnis des Schreckens" mal den Indianern,Afrikanern oder Vietnamesen.Ich glaub da würde man nicht auf Begeisterung stoßen.
Und wer solche Filme wie GESTAPO`s LAST ORGY so ernst nimmt,soll was anderes angucken.Ich mag diese Filme auch nicht besonders,aber ernst nehmen würde ich die nie.

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"Berlin (EZ) | 10. Mai 2012 | Deutsche Fernsehzuschauer und Kinofans können aufatmen: Hamburger Studenten haben eine Software entwickelt, die Til Schweiger aus Filmen entfernt und damit eine erhebliche Qualitätssteigerung garantiert."


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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 17:49 
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Bitte bitte nicht irgendwelche Verbrechen an der Menschlichkeit gegeneinander aufwiegen, und schon gar nicht relativierend!

Und ich nehme einen Film wie Gestapos Last Orgy sehr ernst, und es ist schade, dass das nicht alle tun. Kesslers Abhandlungen kann man mögen oder nicht, andererseits darf man sich auch die berechtigte Frage stellen, wessen Argumentationen einem fundierter scheinen: von jemandem, der die entscheidenden, hier zur Diskussion stehenden Szenen gesehen hat oder nicht. Gerade in diesen widerwärtigen Momenten verkommt das ganze Geschehen durch die überhöhte Exposition eben nie/selten zum reinen Selbstzweck. Natürlich ist Canevaris Film kein tiefgründiges Meisterwerk und nicht immer ganz geschmackssicher, aber ein sehr viel besserer Film als seinem Ruf vorauseilt. Auf jeden Fall einer, der weh tut, und das ist etwas, was ein Film über den Holocaust tun darf - ich verweise z.B auf den extrem erschütternden und zynischen Night and Fog von Resnais, einer der vielleicht besten und gleichzeitig manipulativsten Filmen über den Holocaust überhaupt (auch Schindlers List ist z.B ein wahnsinnig manipulativer Film). Wirklich bedenklich sind m.E viel eher diese unsäglichen Guido Knopp Dokus über Hitlers Frauen etc.
Ganz generell merkt man schon, dass man sich bei der Aufarbeitung der Nazivergangenheit im deutschen Kino aus verständlichen Gründen viel vorsichtiger ist als im benachbarten Ausland. So etwas wie Viscontis die Verdammten oder Begninis La vita e bella wären hier kaum möglich gewesen. Dass der letzte wirklich gute deutsche Film über den Führer von einem schweizer Regisseur mit jüdischen Wurzeln stammt, verwundert nicht.

Die ganze Ausgangslage im Film ist zumindest teilweise sehr wohl abstrahiert: Man erfährt nie wo, wann und in welchem Land das Geschehen stattfindet, das Lager scheint eher wie ein losgelöster, eigener Kosmos.

(Randnonitz: Bezüglich LHOTL wäre eine solche Sicht, wie du sie nun heute hast, vor etwa 30 Jahren auch noch viel schwieriger zu vertreten gewesen. Man könnte einiges an Cravens Film eben sehr wohl auch als rechtskonservative Hippiekritik auslegen. Diese ganze Rezeption bzgl. Vietnamkrieg und des ebenso gewaltbereiten Next-Door-American hat sich ja erst mit der Zeit wirklich durchgesetzt)


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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 19:42 
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Operazione Bianchi hat geschrieben:
(z.B. ausgiebige Diskussionen über die verschiedenen Brotsorten des Reiches) !


Interessant, welche kannst du empfehlen?

Da fällt mir ein, dass ich ja noch dein altes NL-Tape von GLO hier habe. Muss ich mir doch glatt mal anschauen, damit ich auch mit in die Diskussion einsteigen kann! Obwohl, hier äußert man sich ja für gewöhnlich ohne das Werk vorher gesichtet zu haben... :lol:

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 20:04 
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Canisius hat geschrieben:
Operazione Bianchi hat geschrieben:
(z.B. ausgiebige Diskussionen über die verschiedenen Brotsorten des Reiches) !


Interessant, welche kannst du empfehlen?



Hmm , schwere Frage ... laß sie mich mit dem O-Ton der italienischen Fassung beantworten :

"Komm ,komm , gib mir "
"Danke !"
"KomissBrot , was?"
"Haha , KomissBrot"
"Hast Du Speck"
"Franz!"
"Haha"
"Franz , gib mir noch etwas Schwarzbrot"
"Mein lieber Freund jetzt mach ich mir ein Brot, ich kann Dir sagen"
"ah ich hab noch Bier"
"Bier?"
"Bier!"
"Schwarzbier ?"
"Helles !!! Helles Bier !"

Also , ich nehme ein Komissbrot mit Speck , und dazu ein helles Bier ! :D


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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 21:42 
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Thomas Morus hat geschrieben:
Also, ich habe von dem Film Szenen gesehen, die auf die ästhetische bzw. handwerkliche "Qualität" schließen lassen. Die von Diabolik geschilderten Drastiken habe ich absichtlich ausgelassen, da mir da einfach die Fakten reichen. Ich muss nicht sehen, WIE so etwas dargestellt wird, es reicht mir, DASS es vorkommt.

Auf was für einer Art und Weise schaust du eigentlich Filme? Und wenn du schon Filme nur auszugsweise rezipiert und dabei von vorneherein Szenen ausschließt, wie kannst du dann eben jene Szenen anführen um den Film für dich zu disqualifizieren? Worauf ich hinaus will ist: du kennst nicht die Szenen, sondern nur den Kontext. Ist eigentlich höchst interessant, da es normalerweise umgekehrt ist (Szenen werden aus dem Kontext gerissen).


Zitat:
Bei "Salo" werden natürlich auch extrem viele ganz furchtbar fiese Sachen gezeigt, hier ist der Bezug zur Nazizeit und vor allem zur Shoah aber doch viel abstrakter, fiktiver. Das ist, wenn man so will, eine Parabel auf die soziopsychologischen Entstehungsbedingungen von Faschismus. Das Dargestellte also: drastisch, der Bezug auf konkrete Ereignisse allerdings sehr abstrahiert und SYMBOLISCH. Und das ist niveau- und geschmacksmäßig sehr wichtig, besonders im Bezug auf die NS-Diktatur.

So symbolisch und abstrakt, wie du es gerne hättest, ist Pasolinis Film gar nicht. Er ist verortet im Jahre 1944 im faschistischen Italien.


Zitat:
In "Last Orgy" jedoch gibt es keine Abstraktion: da geht es ums KZ, um Judenmord, um "Lampenschirme" etc. etc. Es wird also klar und deutlich auf eine historische Situation Bezug genommen.

Könnte man auch als eine ehrliche und unverblümte Herangehensweise bezeichnen. Oder muss jeder Film verschlüsselt und abstrahiert daherkommen?


Zitat:
Doch zu welchem Sinn dann? Unterstellen wir mal eine im Grunde menschenfreundliche Haltung des Regisseurs: was will er uns sagen? Dass die Nazizeit furchtbar war? Zu Aufrüttelungszwecken schaut man doch lieber eine Dokumentation mit "echten" Bildern und keinen Unterhaltungsfilm, der das ganze dann auch noch mit Sexszene etc. anreichert... was soll das ganze dann? Welchen Sinn soll diese "Orgie" haben außer der rein spekulativen Ansprache niederster Instinkte? Wenn man wirklich was zu "sagen" hat, dann macht man das doch mit etwas mehr Anstand, oder?

Vielleicht wollte der Regisseur gerade die biertrinkenden Proleten, die ja das Haupt-Publikum dieses Genres sind, ansprechen. Und der spekulative Titel und der Sex war eben der Köder um eben jene verschrobenen Rezipienten zu "bekehren".


Zitat:
Ich werde hier im Forum häufig als der Political Correctness-Papst bezeichnet,

Den Schuh ziehst du dir aber jetzt selber an.


Zitat:
aber ich finde, niemand sollte vergessen, dass es auch noch eine Welt da "draußen", außerhalb des filmisch Dargestellten gibt. Und gerade Deine(Diabolik) Aussage, dass man so einen Film wohl besser nicht im jüdischen Gemeindezentrum zeigt, beweist doch schon die Sinnlosigkeit und Perversion des Ganzen. Wofür soll der Film denn dann gut sein? Obwohl es eine fiktive Handlung ist, bezieht er sich mit konkreten historischen Elementen auf eine konkrete historische Situation mit ganz konkreten, "echten" Opfern. Und diesen bzw. deren Kindern und Kindeskindern zeigt man den Film dann lieber nicht, die könnten den irgendwie in den falschen Hals kriegen???

Na und? Dann bekommen Sie den eben in den falschen Hals. Oder gibt es überhaupt einen richtigen Hals? Sollten Filme immer so produziert werden das ja keine Minderheit sich angepisst fühlt? Woher "weist" du wie sich die Opfer fühlen wenn Sie so einen Film sehen?
Ist doch nur sinnlose Spekulation deinerseits!


Zitat:
Für mich gibt es gerade aus diesem konkret historischen Bezug heraus keine Entschuldigung dafür, solche Elemente in einem Unterhaltungsfilm unterzubringen. Wer wirklich die Nazizeit anklagen will, hat viele andere Möglichkeiten, als sich solch ein Schmuddelgenre auszusuchen.

Sorry, hier klingst du für mich wie der typische deutsche Gutmensch, der meint zu wissen was das Volk vertragen kann und was nicht und wie man Filme zu drehen hat.


Zitat:
Für mich grenzt es an Chauvinismus, bei so was die Opferperspektive komplett außen vor zu lassen... zeig doch den Film mal einem Juden, dessen Familie im KZ ermordert wurde, der wird Dir schon sagen, was er davon hält... das KANN man einfach nicht unabhängig bewerten bzw. auch produzieren. Und das ist für mich jetzt nicht übermäßig Political Correct, sondern einfach nur gesunder Menschenverstand.

Und das hier klingt sogar ein wenig faschistoid. Der gesunde Menschenverstand musste auch schon für die Judenvernichtung herhalten (wenn wir schonmal beim Thema sind).


Mich persönlich hat der Film erstaunlich kalt gelassen. Meiner Meinung nach ist der Film meilenweit von Werken wie SALO o. DER NACHTPRTIER entfernt, steht aber auch ein wenig im Abseits seiner Genre Vertreter.
Von daher bin ich interessanterweise eigentlich mehr deiner Meinung was den Film angeht. Seine Existenzberechtigung würde ich ihm jedoch nie absprechen. Es ist ein Film der weder Fisch noch Fleisch ist.
Viel interessanter jedoch ist für mich der Gedanke, dass solche Filme durch ihre Struktur viel näher an der Realität sind, als so genannte anspruchsvolle Werke, die sich mit dem Holocaust beschäftigen. Denn der Holocaust war ja eigentlich, gerade aus der Opferperspektive, nichts anderes als genau das, und zwar: eine sinnlose Aneinanderreihung von Gräueltaten.
Und was bringt es mir eigentlich dauernd auf der Intention der Macher rumzureiten? Oder (spekulativ) zu Fragen wie das Werk bei den Opfern solcher Verbrechen ankommt? Vielleicht sehen die das ja komplett anders wie du oder wie ich. Wer weiß das schon und welche Rolle spielt das?


Was mir bei dir jedoch auffällt ist, dass du dauernd Filme, die dir gefallen (und die du vollständig gesehen hast), hinsichtlich derselben Problematik (zum Beispiel: Vergewaltigungsopfer), relativierst.


SALO könnte man genauso vorwerfen eine spekulative Aneinanderreihung von Gräueltaten zu sein wie LAST ORGY. Wie schon gesagt, Ersterer hat mich gepackt, Letzterer eher nicht. Das liegt aber schlicht und ergreifend an der jeweiligen Machart des Films und nicht an den Zutaten, die bei den beiden Beispielen nahezu identisch sind.
Bei dir könnte man den Eindruck bekommen dass du auf alle Filme, die dir nicht gefallen, mit der Moralkeule drauf losgehst. Meiner Meinung nach vergebene Liebesmüh für einen solch durchschnittlichen Film wie LAST ORGY.

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 21:53 
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Thomas Morus hat geschrieben:
Und selbst wenn es direkte Bezüge zu historischen Ereignissen geben würde: die Shoah ist einfach ein singuläres, mit nichts zu vergleichendes Zeugnis des Schreckens und von daher immer mit mehr Sensibilität zu betrachten als alle anderen Gräuel, und das gilt auch für den Unterhaltungsfilm.


Ohne relativieren zu wollen: Ist sie das wirklich? Die Roten Khmer in Kambodscha Mitte der 70er dürften den Nazis zumindest gut auf den Fersen gewesen zu sein.


Um das Genre habe ich allerdings doch immer einen Bogen gemacht, der allerdings gar nicht aus ideologischen Gründen, sondern eher darauf zurückzuführen ist, dass ich keinen Bock hatte, mich damit zu befassen, wo man derartig dubioses Material auftreiben kann. So beschränkt sich mein Erfahrungsschatz mit diesem Genre (abgesehen von Pasolinis SALO) auf die beiden Filme, die mal im deutschsprachigen Raum erschienen, also Matteis "Private House of the SS Girls" (braucht kein Mensch) und halt das (wohl ziemlich gekürzte) Schweizer Tape von "Ilsa - she-wolf", und ich kann nicht verhehlen, dass ich dem Film durchaus etwas abgewinnen konnte.

GLO klingt auch durchaus interessant.

Ist eigentlich di Silvestros "Deported women of the SS special section" irgendwo erhältlich?


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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 04.05.2010 22:09 
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Blaubart hat geschrieben:
Bitte bitte nicht irgendwelche Verbrechen an der Menschlichkeit gegeneinander aufwiegen, und schon gar nicht relativierend!

so sehe ich das auch.
Der industriell organisierte Völkermord der Nazis ist schon einmalig, qualitativ betrachtet. Aber ob dieser "formale" Aspekt einer besonderen Behandlung bedarf halte ich für fraglich.
Die Diskussion führt auch zu nichts. Kriege und Völkermorde, egal wann wo und von wem und in welcher Zahl, sind verachtenswert!

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 07.05.2010 02:30 
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Das Review klingt schonmal sehr vielversprechend wenngleich sich in punkto Naziploitation bei mir i.d.R. eher Ernüchterung breit macht.
Canevari halte ich sowieso für einen unterschätzten Regisseur mit eigener Handschrift. "Willkommen in der Hölle" und "The Nude Princess" haben mir gleichermaßen zugesagt obwohl die beiden Filme ja völlig unterschiedlichen Genres anghören. Wenn er sich dann noch im Stiefmutter-Genre der Nazi Nasties bewährt, hat er den Härtetest bestanden :mrgreen:


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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 07.05.2010 10:36 
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Sorry, dass ich erst jetzt zurück schreibe, aber ich hatte beruflich viel zu tun (voll die Ausrede, ey!)

Und bei den vielen verschiedenen Antworten aus allen Ecken fällt es mir wirklich schwer, differenziert auf alles einzugehen...

ich persönlich finde, dass es für einen Unterhaltungsfilm, in dem in einem Lager Judenföten gegessen werden, KEINE, aber wirklich KEINE Rechtfertigung gibt. Das ist meine persönliche Meinung, und die will ich auch niemandem totalitär überstülpen oder so. Ich bin auch gegen Zensur etc., also keine Sorge. Jeder soll machen / gucken, was er will, aber für mich persönlich gibt es nichts, was etwas derart Verwerfliches und Geschmackloses rechtfertigt. Und ja, das hat mit der besonderen Geschichte Deutschlands etwas zu tun, da mache ich keinen Hehl draus.
Ich kann und will halt auch beim Filmegucken meine "normale" Moral als Mensch nicht ausschalten.
Wenn mir jemand Abends in der Kneipe sagen würde, er stelle sich gerade vor, wie in einem KZ Judenföten verspeist würden, dann würde ich ihm ebenso fassungslos gegenüber stehen wie solchen Filmen. Natürlich darf die "Kunst" alles, aber ich muss ja nicht alles gut finden und darf sogar einiges wirklich schlimm finden...
das ist mein Standpunkt. Vielleicht radikal, aber sicherlich nicht typisch Deutsch politisch korrekt, dafür müsstet Ihr mich mal persönlich kennen lernen. Ich steh nämlich total auf Tabubrüche. Aber eben nur, wenn sie für mich Sinn machen und nicht um jeden Preis!

So, das war's jetzt von meiner Seite. Finde die Diskussion auf jeden Fall spannend, ist ja auch mal schön, über so etwas zu reden als immer nur über Veröffentlichungen und Bildformate ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 07.05.2010 15:41 
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Thomas Morus hat geschrieben:
Wenn mir jemand Abends in der Kneipe sagen würde, er stelle sich gerade vor, wie in einem KZ Judenföten verspeist würden, dann würde ich ihm ebenso fassungslos gegenüber stehen wie solchen Filmen.


Nun... in dem Fall würde wahrscheinlich sogar ich mich an meinem Bier verschlucken. Aber ich weise zum wiederholten Mal auf den Unterschied zu solch einer, von dir als Beispiel angeführten, Situation und einem Film hin:
Erstgenanntes wäre REALITÄT, zweites FIKTION.

Ich möchte auch gar nicht wissen, welche Verbrechen gegen die Menschheit in REALEN Konzentrationslagern begangen wurden, und es ist für die Rezeption eines FIKTIVEN Films auch völlig irrelevant. Denn der Film und seine Handlung ist und bleibt reine FIKTION (und meinetwegen: Parabel, Verzerrung, Gleichnis, Überzeichnung, geschmacklose Persiflage, etc., pp.).

Aber schlussendlich bleibt es eine Geschmacksfrage, ob man sich mit solchen Stoffen (ob fiktiv, real oder auf Realem basierend) beschäftigen möchte oder nicht.

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 07.05.2010 20:52 
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Diabolik! hat geschrieben:
Ich möchte auch gar nicht wissen, welche Verbrechen gegen die Menschheit in REALEN Konzentrationslagern begangen wurden, und es ist für die Rezeption eines FIKTIVEN Films auch völlig irrelevant. Denn der Film und seine Handlung ist und bleibt reine FIKTION


Okay, natürlich Fiktion, aber eben eine Fiktion, die sich irgendjemand REALES ausgedacht hat, meistens eben Regisseur/Produzent und vor allem Drehbuchschreiber. Und den Unterschied zwischen demjenigen, der sich so einen Film ausdenkt und demjenigen, der in der Kneipe vom Judenföten essen fantasiert, musst Du mir erklären...
aber ich will auch nicht nerven und Dich hier mit meinem Kram belästigen :D

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 07.05.2010 21:06 
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Werte Frau Morus,

Keine Sorge, wenn Sie anfangen sollten, mich zu belästigen, werd ich Ihnen umgehend den Judenfötus rausreißen und mir davon am Lager-Feuer ein leckres Süppchen kochen. Mit Nudeln in Hakenkreuz-Form und braunen Bohnen. Und als Nachspeise gibt´s Jud Süß.
So und nun habe ich keine Zeit mehr, ich muss zum Heil-Praktiker, meine Gehirnzellen sind rechtsdrehend.

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 07.05.2010 23:47 
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Thomas Morus hat geschrieben:
Teil 1
ich persönlich finde, dass es für einen Unterhaltungsfilm, in dem in einem Lager Judenföten gegessen werden, KEINE, aber wirklich KEINE Rechtfertigung gibt.

Teil 2
Das ist meine persönliche Meinung, und die will ich auch niemandem totalitär überstülpen oder so. Ich bin auch gegen Zensur etc., also keine Sorge. Jeder soll machen / gucken, was er will,

Teil 1 hört sich auf den ersten Blick allerdings genau nach dem an, was du in Teil 2 verneints. Von daher macht es wirklich Sinn den zweiten Teil noch erklärend dran zu hängen. ;)


Zitat:
Wenn mir jemand Abends in der Kneipe sagen würde, er stelle sich gerade vor, wie in einem KZ Judenföten verspeist würden, dann würde ich ihm ebenso fassungslos gegenüber stehen wie solchen Filmen.

Ich würde ihn erstmal fragen ob er mir noch was von seinem Zeug abgeben kann! :mrgreen:


Zitat:
Natürlich darf die "Kunst" alles, aber ich muss ja nicht alles gut finden und darf sogar einiges wirklich schlimm finden...

Was mich bei dir immer wieder erstaunt ist, dass fiktionale Filme solch eine extreme Reaktion/Emotion hervorrufen können. Ich finde auch nicht alles gut, manches sogar richtig Scheiße, aber nie könnte ich wegen einem Film der Art aus der Haut fahren und mich moralisch empören.
Finde ich aber sehr beruhigend dass es Menschen gibt es sowas noch können. ;) Da bin ich leider eher was abgestumpft (und dass meine ich jetzt nicht im positiven Sinne).


Zitat:
Ich steh nämlich total auf Tabubrüche. Aber eben nur, wenn sie für mich Sinn machen und nicht um jeden Preis!

Da bin ich absolut deiner Meinung! Tabubrüche um des Tabubruchs willen sind stinklangweilig.


Zitat:
So, das war's jetzt von meiner Seite. Finde die Diskussion auf jeden Fall spannend, ist ja auch mal schön, über so etwas zu reden als immer nur über Veröffentlichungen und Bildformate ;)

Absolut! More flesh to the bones, please! 8-)

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 08.05.2010 10:34 
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Diabolik! hat geschrieben:
Werte Frau Morus,

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Frau Morus...muhahahahahahahahahahaha... :lol: , sorry, aber der war gut!

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 08.05.2010 10:46 
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Thomas Morus hat geschrieben:
Ich steh nämlich total auf Tabubrüche. Aber eben nur, wenn sie für mich Sinn machen und nicht um jeden Preis!


Moment, aber du merkst schon, wie beliebig, schwammig und opportunistisch sich deine Argumentation hier liest oder? Denn was für jmd. Sinn ergibt oder nicht, ist natürlich individuell verschieden...deshalb gibt es ja auch die Diskussion hier! :idea:

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 09.05.2010 12:17 
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Also, ich glaube ja, dass wir ALLE - und nicht nur ich Gutmensch ;) - irgendwann gewisse "objektive" moralische Bedenken bestimmten Filmen gegenüber haben. So gehe ich z.B. fest davon aus, dass 99% aller Forumsmitglieder es nicht zulassen würden, wenn jemand einen antisemitischen Propagandafilm wie "Jud Süß" o.ä. zu rechtfertigen versuchte, indem er sagt, letztlich sei es doch Geschmackssache und man müsse es ja wohl jedem einzelnen überlassen, ob das für ihn Sinn mache.
Ich hoffe bzw. bin davon überzeugt, dass dann sehr viele hier sagen würden: "Moment mal, es gibt Dinge, die einfach NICHT gehen, auch nicht in einem Spielfilm", aus gewissermaßen "objektiven" moralischen Bedenken heraus und das ist auch verdammt noch mal gut so!
Damit will ich jetzt eben NICHT die "Last Orgy" in einen Topf mit Nazipropaganda werfen. Ich will einfach nur sagen, dass wir alle bestimmt irgendwelche moralischen Schmerzgrenzen bei Filmen haben, dass diese Grenzen bei mir halt eben nur viel enger gesteckt sind.

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 09.05.2010 21:27 
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Thomas Morus hat geschrieben:
Also, ich glaube ja, dass wir ALLE - und nicht nur ich Gutmensch ;) - irgendwann gewisse "objektive" moralische Bedenken bestimmten Filmen gegenüber haben. So gehe ich z.B. fest davon aus, dass 99% aller Forumsmitglieder es nicht zulassen würden, wenn jemand einen antisemitischen Propagandafilm wie "Jud Süß" o.ä. zu rechtfertigen versuchte, indem er sagt, letztlich sei es doch Geschmackssache und man müsse es ja wohl jedem einzelnen überlassen, ob das für ihn Sinn mache.

Natürlich, was sollte ich ihm denn sonst sagen? Sicher ist es jedem einzelnen überlassen wie er so einen Film findet. Soll ich ihm vielleicht sagen, dass er den Film auf jeden Fall verwerflich finden soll?
Was ganz anderes ist es natürlich, wenn er sich von der Ideologie, die in dem Film abgefeiert wird, begeistert zeigt. Dann würde ich sicherlich moralisch sehr starke Bedenken ihm gegenüber hegen. Keine Frage.
Das gleiche gilt aber auch für Filme, die zum Beispiel Frauenfeindlichkeit, Vergewaltigungen und Rassismus abfeiern. Also Filme, die gerade hier im Forum sehr positiv aufgenommen werden.


Zitat:
Ich hoffe bzw. bin davon überzeugt, dass dann sehr viele hier sagen würden: "Moment mal, es gibt Dinge, die einfach NICHT gehen, auch nicht in einem Spielfilm", aus gewissermaßen "objektiven" moralischen Bedenken heraus und das ist auch verdammt noch mal gut so!

Was bitte sollen denn objektive moralische Bedenken seien? Moral ist was völlig subjektives! Meiner Meinung nach darf in einem fiktiven Spielfilm wirklich alles gehen. Ich bin jedoch nicht gezwungen das alles als gut zu empfinden.
Auf den Film JUD SÜSS bezogen, meine persönliche subjektive Ansicht: der Film ist in seiner Machart gewöhnlich und hat nur den Sinn antisemitische Propaganda unters Volk zu bringen. Das ist uninteressant, schlecht und langweilt mich.
Ich würde auch niemandem unterstellen, dass der Konsum dieses Films ihn zum Antisemiten macht. Deshalb: es liegt immer im Auge des Betrachters!


Zitat:
Damit will ich jetzt eben NICHT die "Last Orgy" in einen Topf mit Nazipropaganda werfen. Ich will einfach nur sagen, dass wir alle bestimmt irgendwelche moralischen Schmerzgrenzen bei Filmen haben, dass diese Grenzen bei mir halt eben nur viel enger gesteckt sind.

Nein, definitiv keine moralischen Schmerzgrenzen. Fiktion bleibt Fiktion. Die Interpretation dieser Fiktion bleibt im Hoheitsgebiet des Rezipienten.

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 Betreff des Beitrags: Re: GESTAPO`S LAST ORGY - Cesare Canevari
BeitragVerfasst: 09.05.2010 23:42 
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TRAXX hat geschrieben:
...
Das gleiche gilt aber auch für Filme, die zum Beispiel Frauenfeindlichkeit, Vergewaltigungen und Rassismus abfeiern. Also Filme, die gerade hier im Forum sehr positiv aufgenommen werden.
...

Sorry, aber diese Vorwürfe, die dem Italo-Kino immer wieder gemacht werden, halte ich immer noch für Unsinn. Dass so mancher Sleaze-Streifen nicht besonders sensibel mit den von dir genannten Themen umgeht, mag ja sein. Natürlich kenne ich nicht alles und will vielleicht auch nicht alles kennen, aber mir fällt auf die Schnelle kein Italo-Film ein, der explizit Frauenfeindlichkeit oder Rassismus abfeiert.
Mich nervt es schon immer, wenn Leute mit irgendwelchen kruden Analysen kommen, dass Giallo-Regisseure ja frauenfeindlich sind, weil in den Filmen oft Frauen sterben. So ein Schwachsinn. :roll:

Ach ja, ansonsten stimme ich dir bei deiner Argumentation im Großen und Ganzen zu. Auch wenn ich die Einwände von Thomas schon auch verstehen kann.

Interessante Diskussion!

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