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 Betreff des Beitrags: Re: THE RIFFS 2 - FLUCHT AUS DER BRONX - Enzo G. Castellari
BeitragVerfasst: 05.08.2011 13:54 
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Die Bronx soll wegen eines Bauprojekts gesprengt werden. Um dieses in die Tat umzusetzen, ist den Politikern jedes Mittel recht. Die Räumungskommandos gehen somit mit aller Härte gegen die Bewohner der Bronx vor, stoßen allerdings auch auf den Widerstand der Banden.

Die Fortsetzung von Castellaris „Die Gewalt sind wir“, geht mit wesentlich mehr Action zu Werke, als es beim Vorgänger der Fall war. Auch hier werden einige Zeitraffer eingesetzt und die Actionszenen mit ein wenig Gore untermalt. Handwerklich gesehen ist das, was „Flucht aus der Bronx“ bietet, sehr gute und konventionelle Action, gepaart mit einer Prise Gesellschaftskritik.

Anstatt Hammer, hat nun Floyd Wrangler die Aufgabe die Bronx-Bewohner auszurotten. Hinsichtlich der Skrupellosigkeit ist Wrangler, Hammer sogar noch um einiges voraus, was unter dem Strich auch beste Vorraussetzungen für den Floyd Wrangler Darsteller, Henry Silva sind. Silva fühlt sich nämlich in der Rolle des eiskalten und Mordlustigen Einsatzleiters, sichtlich wohl. Seine härtesten Gegenspieler sind Giancarlo Prete, als Strike und natürlich Marc Gregory als Trash, dem einzigen überlebenden Riff, des Bronx-Massakers aus Teil 1.

„Flucht aus der Bronx“ kann durchaus eine kritische Message vermitteln. Dieses bezieht sich nicht allein auf die Themen Korruption und Skrupellosigkeit, sondern auch auf den Faschismus. Es ist nicht schwierig, den Part der Räumkommandos mit dem der SA bzw. SS gleichzusetzen, wie auch die Bronxbewohner in der Rolle der Partisanen zu sehen. Ob so etwas von Castellari beabsichtigt war, lasse ich allerdings dahingestellt. Schwerpunktmäßig soll „Flucht aus der Bronx“ nämlich ein reiner Actionfilm sein und diese Mission erfüllt der Film in allerbester Weise.

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 Betreff des Beitrags: Re: THE RIFFS 2 - FLUCHT AUS DER BRONX - Enzo G. Castellari
BeitragVerfasst: 01.03.2012 23:30 
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Kleine Hartbox von X-Cess



The Riffs II - Flucht aus der Bronx (Italien 1983, Orignaltitel: Fuga dal Bronx)

Den Stock im Arsch, den Eckschädel im Nacken, die Bronx in Trümmern. Harte Zeiten für Mr. Trash!

Inzwischen geht es in der Bronx richtig zur Sache. Politik und Wirtschaft möchten das ungeliebte Viertel von der Landkarte tilgen, ein neuer Hightech-Stadtteil soll auf dem Gebiet entstehen. Die Bewohner werden "umgesiedelt", wer sich zur Wehr setzt wird kurzerhand von den Truppen des fiesen Floyd Wrangler (Henry Silva) gekillt, vorzugsweise per Flammenwerfer. Auch die Eltern von Trash (Mark Gregory) fallen den sadistischen Söldnern zum Opfer. Trash will sich mit aller Macht gegen die korrupte und völlig skrupellose Obrigkeit zur Wehr setzen. Doch die ehemaligen Gangs sind zerschlagen, haben sich zum Teil unterhalb der Bronx versteckt. Immerhin steht die eifrige Journalistin Moon Grey (Valeria D'Obici) auf der Seite des geschundenen Bewohnertums, macht Konzernen und Politikern mit ihrer Arbeit das Leben nicht leicher, stellt mit Nachdruck ungemütliche Fragen. Derweil sichert sich Trash die Unterstützung des Anführers Dablone (Antonio Sabato) zu, der mit einer stattlichen Anzahl ehemaliger Mitglieder verschiedener Gangs im Untergrund haust. Trash und der eigensinnige Strike (Giancarlo Prete) wollen einen gewagten Plan durchziehen, der ihnen ein Druckmittel gegen die Bonzen in die Hände spielen soll. Doch den gut bezahlten Massenmörder Floyd Wrangler sollte man nicht unterschätzen...

Da vor einiger Zeit endlich eine offizielle DVD zu diesem Streifen den deutschen Markt erreichte, wurde es Zeit den alten Kurzkommentar nach Sichtung der Scheibe ein wenig zu überarbeiten.

Weiter geht der Spass in der Bronx. Mark Gregory gibt erneut den cleveren Rebellen Trash, die Rolle passt erstklassig zu dem langhaarigen Kettenschwinger. War unser Held im vorherigen Film nebenbei noch ein heißblütiger Liebhaber, konzentriert er sich nun völlig auf den Kampf gegen die gnadenlosen und Bonzen und ihre Schergen. Dies führt zu einer eindimensionaleren Darstellung des Hauptcharakters, Trash wurde auf einen abgebrühten Kämpfer mit Ramboqualitäten reduziert. Keine Angst, Mark Gregory sorgt trotzdem für beste Laune beim Zuschauer. Leider müssen wir diesmal auf Fred Williamson und George Eastman verzichten, doch Henry Silva darf -wie so oft- herrlich fies vom Leder ziehen. Der knuffigste Eckschädel der Filmgeschichte schreckt vor keiner Sauerei zurück, Mord und Totschlag sind sein Lebenselixier. Antonio Saboto ist ebenfalls immer sein Geld wert, er nimmt die Rolle des überdrehten Anführers der Gangüberreste ein. Giancarlo Prete rundet die Besetzung ab, er spielt durchaus solide, erreicht jedoch nicht die intensive Ausstrahlung der anderen zentralen Figuren. Für einen Typen der in der Kanalisation haust und angeblich kein Menschenfreund ist, kommt der liebe Giancarlo reichlich brav rüber. Sexy geht es nicht zu, die sympathische Valeria D'Obici hat andere Qualitäten zu bieten. Sie sieht sich als Sprachrohr der Unterdrückten, mitunter ein verdammt gefährlicher Job.

Die "Endzeit" scheint hier schon weiter fortgeschritten zu sein, totale Verwüstung in der Bronx, die Hoffnungslosigkeit hat viele der ehemaligen Widerständler in die Verzweiflung getrieben. Erstaunlicherweise sind die im Untergrund hausenden Gestalten nun weniger durchgeknallt gezeichnet, die schrillen Auswüchse und Bandenkriege haben die Damen und Herren hinter sich gebracht, nun sind alle im Frust vereinigt. Auch die Auseinandersetzungen mit den Horden des faschistoiden Herrn Wrangler sind konventioneller angelegt, Hieb- und Stichwaffen werden durch Schusswaffen in den Hintergrund gedrängt, meist beschränkt sich die Sause auf übliche Ballereien, Flammenwerfer und Explosionen. Ja, es geht weniger überdreht zu, dennoch hat sich Enzo G. Castellari nicht lumpen lassen, der Spassfaktor ist nach wie vor in hohen Sphären angesiedelt, Atmosphäre, Härte und Humor passen, Durchhänger sind nicht erkennbar.

Eine Fortsetzung der besten Sorte. Wer mit "The Riffs - Die Gewalt sind wir" (1982) seine Freude hatte, der wird auch mit dem zweiten Teil glücklich werden. Für mich hat der Vorgänger die Nase vorn, doch dies ändert nichts an dem erstklassigen Unterhaltungswert des Nachfolgers. Die DVD aus dem Hause X-Cess bietet den Film ungekürzt und in brauchbarer Qualität an (nicht für Zeilenzähler geeignet), eine kleine Dosis Bonusmaterial erfreut den Fan.

Sehr gut! Dicke 8/10!

Lieblingszitat:

"Wir wollen lieber nicht zu früh jubeln. Diese Schweine haben es faustdick hinter den Ohren."

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Blap V 3.0 regaining paradise

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Vom Ursprung her verdorben


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 Betreff des Beitrags: Re: THE RIFFS 2 - FLUCHT AUS DER BRONX - Enzo G. Castellari
BeitragVerfasst: 06.05.2014 21:34 
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THE RIFFS 2 – FLUCHT AUS DER BRONX
[FUGA DAL BRONX][ITA][1983]

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Regie: Enzo G. Castellari
Darsteller: Mark Gregory, Henry Silva, Valeria D'Obici, Giancarlo Prete, Paolo Malco, Ennio Girolami, Antonio Sabato, Alessandro Prete, Massimo Vanni, Andrea Coppola, Eva Czemerys


„Verlassen Sie die Bronx! Tragen Sie sich ein für ein neues Zuhause im zauberhaften New Mexico!"

So schallt es mantrahaft aus den Lautsprechern des bewaffneten Säuberungskommandos. Und die präsidentialen Putzmänner haben ihre eigenen Methoden, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen: Wer sich weigert, sein Zuhause zu verlassen, wird, wenn er Glück hat, brutal misshandelt, wenn er Pech hat, gut durchgeröstet. Hintergrund der gewaltsamen Aktion ist das geplante Bauprojekt des mächtigen Immobilienkonzerns "General Constructions", dessen gewissenloser Vorsitzender Henry Clarke [Enio Girolami] die abgehalfterte Bronx in ein schniekes Hochhausparadies für Bestverdienende verwandeln möchte. Auch ein älteres Ehepaar weigert sich, seine Heimat aufzugeben. Beide enden als ein Haufen Asche. Es waren die Eltern von Trash [Mark Gregory], dem knallharten Anführer der Rockerbande 'Riffs', der nun ein persönliches Interesse an blutiger Rache hegt. Trash begibt sich in den Untergrund und beginnt, gemeinsam mit der mutigen Reporterin Moon Grey [Valeria D'Obici], dem Untergründler Toblerone [Antonio Sabato] sowie dem Einzelkämpfer Strike [Giancarlo Prete] den Widerstand zu formieren. Der Plan: die Entführung des Mannes, der alles zu verantworten hat – Präsident Clarke. Doch die Regierung schickt ihren eigenen Mann auf die Widersacher: den eiskalten Schlächter Floyd Wrangler [Henry Silva].

DIE GEWALT SIND WIR behaupteten 1982 die titelgebenden 'Riffs' und waren damit tatsächlich – nicht zuletzt aufgrund ihrer kosteneffizienten Machart - gewaltig erfolgreich. Nur ein Jahr dauerte es bis zur unvermeidlichen Fortsetzung, wieder inszeniert von Genreprofi Enzo G. Castellari und abermals mit dem wandelnden Muskelberg Mark Gregory in der Hauptrolle. Während die Besetzung also vertraute Gefühle erweckt, beschreitet man inhaltlich eher neue Wege: Die 'Riffs' sind zerschlagen (der deutsche Titel ist daher strenggenommen nicht ganz korrekt), ihr Anführer 'Trash' das einzige Überbleibsel der ehemaligen Biker-Gang. So ist THE RIFFS 2 dann auch – im Gegensatz zum Vorgänger - weniger Bandendrama als viel mehr klassische Einzelkämpferaction in bewährter RAMBO-Manier. Das Element der rivalisierenden Straßengangs wurde in dem Zusammenhang ebenfalls fast vollkommen eliminiert. Der gemeinsame Feind kommt hier von außen und trägt Anzug und Krawatte.

Diese Kontraste sind es, die THE RIFFS 2 so fabelhaft auszuloten versteht: Die elitäre Schicht gibt sich gönnerhaft und grenzt sich in blitzeblanker Umgebung ganz bewusst ab vom bildungsfernen Straßenleben in Schmutz und Schutt, ist in Wahrheit jedoch verlauster, als der dreckigste Slum-Bewohner es je sein könnte. Geradezu gottgleich stehen die Mächtigen des Landes vor dem Modell ihres protzigen Bauprojektes (welches sie ganz bescheiden als „Achtes Weltwunder“ titulieren), während sie in beinahe schon erotischer Verzücktheit über dessen glitzende Fassaden streichen. Das ist natürlich nicht frei vom Klischee, im Grunde sogar der Inbegriff desselben, funktioniert aber durchgehend großartig, zumal auch ansonsten mit Zynismen nicht gespart wurde: So ertönt das so wohlwollend scheinende „Tragen Sie sich ein für ein neues Zuhause im zauberhaften New Mexico!" bereits, noch bevor die erste Szene überhaupt zu sehen ist. Erst nach der folgenden Aufblende wird deutlich, wie sehr Verheißung und Realität auseinanderklaffen: Die Säuberungstruppen haben das Gebiet bereits in ein grauenhaftes Schlachtfeld verwandelt, zwischen den Spruchbändern und Schildern mit den verheißungsvollen Zukunftsbotschaften werden die Menschen wie Vieh zusammengetrieben oder massenhaft hingerichtet.

Die Sympathien des Publikums liegen also forcierterweise eindeutig auf Seite der unterjochten Unterschicht, so dass die Gewaltakte der 'Helden' dann auch ungefragt beklatscht werden dürfen. Dabei geht es nicht gerade zimperlich zu, tatsächlich stapelt THE RIFFS 2 ganze Leichenberge. Wahre Heerscharen der mit silbernen Schutzanzügen und Motorradhelmen zur konformen Anonymität kostümierten Widersacher laufen punktgenau in die rebellischen Kugeln, werden in Zeitlupe in die Luft gesprengt oder bekommen vom Racheengel Trash den Helm mitsamt sich dahinter befindlichem Gesicht zertrümmert (denn wie sang die norddeutsche Kapelle 'Torfrock' doch schon so überaus treffend?: "Das matscht so schön und tut so gut.“). Zwar ist deutlich zu erkennen, dass hier keine Menschen zerrissen werden, sondern menschenähnliche Puppen und die zermalmten Visagen lediglich mit blutähnlicher Masse befüllte Attrappen sind, doch sorgen gerade die käsigen Effekte für die Extraportion Charme.

Der Gewaltpegel wurde gegenüber dem Vorgänger tüchtig angezogen, und ab einem gewissen Zeitpunkt gibt es kaum noch eine Szene, die nicht damit endet, dass die Helden aus dem Hinterhalt angegriffen werden und sich ihrer Haut erwehren müssen. Dabei nimmt das massenhafte Meucheln zeitweise fast schon bedenkliche Züge an, wenn der etwas vorlaute Bengel einer der Kämpfer ('Strike'-Darsteller Giancarlo Pretes tatsächlicher Sohn Alessandro Prete) fleißig mittöten darf und dafür bei Erfolg ausgiebig vom Papi gelobt wird. Bis ins Absurde übersteigert sich die Vernichtungsarie, wenn Trashs Kugeln nicht nur zuverlässig jedes noch so weit entfernte Ziel treffen, sondern dieses aus unerfindlichem Grunde auch noch in einem Feuerball versinken lassen. So darf er mit seinem simplen Sechsschüsser ohne jede Schwierigkeit einen Helikopter vom Himmel holen, welcher natürlich nicht besseres zu tun hat, als mal eben zu explodieren. Sollte sich Trash allerdings zufällig mal selbst in einem explodierenden Haus befinden, so ist das auch kein größeres Problem: Eilig aus den Trümmern rausgewühlt, das schmucke Westchen abgeklopft und die Wunderwumme nachgeladen.

Natürlich schaden solche Momente der Glaubwürdigkeit (um nicht zu sagen: sie wird dadurch vollkommen vernichtet), letztendlich sind es jedoch gerade diese kleinen Verrücktheiten, die das Stimmungsbarometer immer wieder steil nach oben treiben. So dürften Trashs Eltern auch weltweit so ziemlich die einzigen sein, die einen lebensgroßen 'Bravo'-Starschnitt ihres Sohnes in der Wohnung hängen haben (welcher zudem auf dem Bild auch keinen Deut jünger aussieht als zur Zeit der aktuellen Handlung). Trashs Rachemotive aufgrund ihres erzwungenen Ablebens spielen zwar im weiteren Verlauf dann gar keine Rolle mehr (zumal das Drehbuch den Kampf der Unterdrückten gegen das Establishment ohnehin unabdingbar macht), doch nur die Allerspitzfindigsten dürften sich an diesem Umstand stören. Letztendlich ist die Prämisse sowieso nur das Mittel zum Zweck, die 90 Minuten Spielzeit mit möglichst vielen Actionsequenzen zu strecken.

Diese sind dann auch ohne Wenn und Aber ausgezeichnet in Szene gesetzt: Wenn die Protagonisten durch verfallene Ruinen und versiffte Kanäle schleichen und sich, die Kamera stets im Nacken, mit ihren Gegnern aufwändig produzierte, effektreiche Feuergefechte liefern, sich alles in Bewegung befindet und gleichzeitig doch wunderbar übersichtlich bleibt, dann ist das astreines, sauberes Actionkino der dreckigen Art, das den vielbemühten Vergleich mit Hollywood nicht zu scheuen braucht. Fast drängt sich einem dabei der Eindruck auf, Castellari und sein Team hätten die Fortsetzung nur gedreht, weil ihnen beim Erstling die Idee mit den Flammenwerfern erst so spät gekommen war und sie nun diesbezüglich mal so richtig vom Leder ziehen wollten. So wird bereits in der Anfangsszene fleißig Gebrauch gemacht von dem feuerigen Utensil, welches bis zum Finale dann auch noch einige Male zum Einsatz kommen darf. Leider versäumte man es, den einzelnen Actionszenen individuellen Charakter zu verleihen, so dass die ständigen Schusswechsel insgesamt ebenso ununterscheidbar voneinander daherkommen wie die behelmten Bösewichte in ihren Silberanzügen. Auch findet kaum eine Steigerung statt, die letzte Szene ist wie die erste ist wie die mittlere. Besonders den Hauptantagonisten hätte man ein etwas schäberiges Ende gewünscht als dem Rest, das Finale geriet ernüchternd unspektakulär.

Mark Gregory hat seine Drohung wahrgemacht und sich seit Teil 1 einen zweiten Gesichtsausdruck antrainiert (so irgendetwas zwischen Erstaunen und Verwirrtheit). Damit spielt er jetzt automatisch besser als Steven Seagal in jedem seiner Filme. Gleichzeitig ist er auch einer der wenigen, der seinen Namen erneut auf die Besetzungsliste schreiben durfte. Ein weiteres Wiedersehen gibt es mit Ennio Girolami, dessen Rolle zwar anders heißt, im Prinzip jedoch die gleiche ist. Als arroganter Anzugträger wirkt er überaus überzeugend und stellt einen gelungenen Gegenpart zu den schrill kostümierten Bronx-Bewohnern dar. Für die Frauenquote sorgt Valeria D'Obici als Reporterin Moon Grey, die vergeblich versucht, die Öffentlichkeit auf die Missstände in der Bronx aufmerksam zu machen (dass es keine sehr kluge Taktik ist, zu diesem Zwecke auf Pressekonferenzen wie eine Geisteskranke herumzuschreien, hätte man ihr allerdings mal mitteilen sollen).

Als zu erwartendes Highlight entpuppt sich Italo-Ikone Henry Silva, der als sadistischer Staatsdiener nahezu perfekt besetzt ist und keine Not damit hat, Häuser zu sprengen, die noch nicht vollkommen geräumt sind, allerdings fast selbst kollabiert, wenn sein Kaffee falsch gezuckert wurde (wobei er in der deutschen Fassung interessanterweise ausrastet, weil sein Kaffee ohne Zucker serviert wird, während er selbiges in der Originalfassung tut, weil er mit Zucker serviert wird). Der Rest der Belegschaft agiert zwar überwiegend nur als Stichwortgeber, ist aber durch die Bank treffend besetzt. Selbst das vollkommen übertriebene Schauspiel von Antonio Sabato passt zur Figur des extravaganten Untergrundkämpfers, und Giancarlo Prete nimmt man den Sprengstoffexperten trotz (oder gerade wegen?) eingeschränkter Mimik ebenfalls sofort ab. Der eigentliche Hauptdarsteller ist aber natürlich ohnehin wieder der Schauplatz des Ganzen, dieser grandios verranzte Moloch, der die perfekte Kulisse für das dreckige Schießen und Sterben abgibt.

THE RIFFS 2 ist eine überraschend konsequente Weiterentwicklung der Ereignisse des ersten Teils, ein exzellent gefilmter, von erlesenen Zeitlupen-Sequenzen im Stile Sam Peckinpahs durchsetzter Budenzauber mit deutlich erhöhten Schauwerten und einer nicht geringen Dosis bitteren Spotts, inhaltlich zeitweise zwar etwas flügellahm und überraschungsfrei, doch für Freunde zünftiger B-Action eigentlich unverzichtbar. Zu erwähnen bliebe höchstens noch, dass der Titel FLUCHT AUS DER BRONX inhaltlich Unsinn ist (und wohl nur gewählt wurde, um an eines der Vorbilder – ESCAPE FROM NEW YORK - zu erinnern), da es ja gerade darum geht, in der Bronx bleiben zu dürfen, aber daran soll es nicht scheitern. Verlassen Sie nicht die Bronx, lehnen Sie sich zurück, und genießen Sie ein weiteres zauberhaftes B-Movie von Castellari. Und vergessen Sie den Flammenwerfer nicht!

s. auch: THE RIFFS 2 - FLUCHT AUS DER BRONX

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