Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 03.01.2016 22:15 
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Canisius hat geschrieben:
Bonpensiero hat geschrieben:
Du bist mir so ein einsamer Rufer. War doch eh klar, dass der Anders das Rennen macht.
Freue mich schon auf die gemeinsame Sichtung in Hambruck.


Jetzt mal ernsthaft. Bei DER Konkurrenz (Geisterstadt, Horror Infernal, Zinksärge, Bl. Freitag, Killer v. Wien, Riffs...) hast Du mit nem klaren Sieg der Todesgöttin gerechnet? :shock:

Ich nicht.


Na ja, Humor und Spassssss im Kino ziehen halt die Mehrheit (siehe Platz 1 und 3).


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 10.01.2016 13:28 
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Liebe Termitenzüchter und Elefantenjäger,

in einem seiner Artikel teilte der Filmkritiker Manny Farber Kunstwerke in zwei Kategorien ein: "White Elephant Art vs. Termite Art". Weiße-Elefanten-Kunst ist für ihn alles, was nach totaler ästhetischer, erzählerischer, semantischer Kontrolle sowohl über jedes einzelne Detail eines Werks als auch über seine Gesamtwirkung strebt. Meisterwerk! Antonioni! Kubrick! Haneke! Interstellar! Star Wars! Demgegenüber frisst die Termitenkunst in alle Richtungen und ohne Masterplan emsig ihre eigenen Fundamente weg. Oder um es frei übersetzt mit Farbers eigenen Worten zu sagen: "insektengleiche Immersion in einen kleinen Bereich ohne Absicht und Richtung, und, vor allem, volle Konzentration darauf, einen einzelnen Moment auf den Punkt zu bringen, ohne ihn zu glamourisieren; um dann den Versuch im selben Moment zu vergessen, wo er gelingt." (Repo Man! Liquid Sky! Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb!) Und dann gibt es noch eine dritte Art von Filmen: Termitenfilme, die sich als Elefantenfilme tarnen. Die sich also sämtliche Materialien, Oberflächen, Körper der Illusionsmaschine Hollywood ausborgen und daraus gigantische Blockbuster-Monstren basteln, die innen hohl sind und vor Ungeziefer wimmeln: Paul Verhoeven! Bizarre Cinema rät: Bei zwei Optionen wähle immer die dritte!

Unsere trojanischen Elefanten im Februar:

Sonntag, 7.2.2016, 14.30 Uhr: ALTERED STATES
USA 1980, R: Ken Russell, 103 Min., 35mm, OF, mit William Hurt, Blair Brown, Bob Balaban
Psychologen nennen es "sensorische Deprivation": Wenn einem Menschen die Sinneseindrücke entzogen werden, führt das zu veränderten Bewusstseinszuständen und Halluzinationen. In seinem Kinodebüt spielt William Hurt einen Wissenschaftler, der diese Effekte in einem "Floating Tank", verstärkt durch exotische mexikanische Kräuterdrogen, an sich selbst erforscht und dabei zu verblüffenden Ergebnissen gelangt. Diesen "Höllentrip" (deutscher Verleihtitel) inszenierte Ken Russell so bildgewaltig, voller sexueller und religiöser Symbolik, dass Drehbuchautor Paddy Chayefsky dafür nur noch seine Vornamen Sidney Aaron hergeben wollte. Der Neurowissenschaftler und Psychonaut John C. Lilly (der den ersten Floating Tank entwickelte) dagegen, in gewisser Weise reales Vorbild für William Hurts Rolle, mochte den Film. Besonders gut fand er die Verwandlung des Protagonisten in einen Urmenschen: Bei seinen Experimenten habe er das ganz ähnlich erlebt, bestätigte Lilly.
Text und Einführung: Hans-Uwe Marsiske

Sonntag, 14.2.2016, 14.30 Uhr: KNIE NIEDER UND FRISS STAUB
I/ES 1971, R: Aldo Florio, 100 Min., 35mm, DF, mit Fabio Testi, Eduardo Fajardo, Charo López, Ben Carr
Pistolero Roy (Fabio Testi) und Emiliano fliehen aus dem Strafgefangenenlager, doch nur Roy erreicht völlig entkräftet das Goldgräbernest, von dem ihm sein Zellengenosse erzählte. Dort herrschen raue Sitten. Ein Großgrundbesitzer und seine Gehilfen unterdrücken die Minenarbeiter und bereichern sich an ihrer Arbeit. Roy schmiedet einen ausgeklügelten Plan, um an einen Goldschatz zu kommen und die Verbrecher gegeneinander auszuspielen. Ein Cocktail aus Karl Marx' "Kapital" und Sergio Leones Dollar-Trilogie, garniert mit der Sexiness der Swinging Sixties und der unwiderstehlichen Musik von Bruno Nicolai. "Dieser ziemlich unbekannte Film zählt sicherlich zu den besten, spannendsten, ergreifendsten und brutalsten Italo-Western jener Zeit." (Ulrich P. Bruckner, "Für ein paar Leichen mehr").
Text und Einführung: Torsten Cornils

Sonntag, 21.2.2016, 14.30 Uhr: ROBOCOP
USA 1987, R: Paul Verhoeven, 102 Min., 35mm, DF, mit Peter Weller, Nancy Allen
Ein wichtiger Name fehlt in den Credits zu diesem Film: Martine Verhoeven. Sie fischte das Drehbuch aus dem Papierkorb, in den Ehemann Paul es gleich nach dem Lesen des Titels geschleudert hatte, und machte ihn auf die Vielschichtigkeit der Geschichte aufmerksam, die zudem viele Gelegenheiten für die vom Regisseur so geliebten exzessiven Gewaltszenen bot. Vielen Dank, Martine! Inzwischen ist der spannende und actiongeladene Kampf zwischen Mensch und Maschine längst zu einem Science-Fiction-Klassiker geworden. Mehr noch: Inzwischen ist klar, dass der Film schon damals nur scheinbar von der Zukunft handelte. Die legendäre Szene mit dem Amok laufenden Roboter ED-209 wiederholte sich nur wenige Monate nach Filmstart in der Realität – und es floss erheblich mehr Blut als auf der Leinwand. Mehr dazu bei der Vorführung.
Text und Einführung: Hans-Arthur Marsiske (Herausgeber des Buches "Kriegsmaschinen – Roboter im Militäreinsatz")

28.2.2016, 14.30 Uhr: FANFAREN DER LIEBE
BRD 1951, R: Kurt Hoffmann, 91 Min., 35mm, mit Dieter Borsche, Georg Thomalla
Die Idee für "Manche mögen’s heiß", den witzigsten Film der Welt, hat sich Hollywood 1959 aus Europa geborgt: 1935 drehten die Franzosen "Fanfare d’amour", 1951 folgte das deutsche Remake "Fanfaren der Liebe". Die Geschichte ist ganz ähnlich, nur ohne Marilyn Monroe und ohne Gangster: Zwei stellungslose Musiker steigen als Damen bei einer Damenkapelle ein und verlieben sich in zwei Kolleginnen … Der Verwechslungsschwank, wie man damals sagte, war der größte Kinohit der Saison und wurde 1953 mit "Fanfaren der Ehe" fortgeführt. Georg Thomalla ist als keckes, hibbeliges Frollein ganz famos – und synchronisierte später Jack Lemmon, der seine Rolle im US-Remake spielte. Der eigentliche Knaller ist jedoch Dieter Borsche: So eine elegante, vornehme Dame ganz ohne Chichi oder Hysterie hat man im Travestiegenre selten gesehen! Ein großer Spaß für Komik-Archäologen, Gender-Studenten und Liebhaber feinster Nachkriegsgarderoben.
Text und Einführung: Peter Clasen


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 10.01.2016 19:41 
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ugo-piazza hat geschrieben:
Liebe Termitenzüchter und Elefantenjäger,

in einem seiner Artikel teilte der Filmkritiker Manny Farber Kunstwerke in zwei Kategorien ein: "White Elephant Art vs. Termite Art". Weiße-Elefanten-Kunst ist für ihn alles, was nach totaler ästhetischer, erzählerischer, semantischer Kontrolle sowohl über jedes einzelne Detail eines Werks als auch über seine Gesamtwirkung strebt. Meisterwerk! Antonioni! Kubrick! Haneke! Interstellar! Star Wars! Demgegenüber frisst die Termitenkunst in alle Richtungen und ohne Masterplan emsig ihre eigenen Fundamente weg. Oder um es frei übersetzt mit Farbers eigenen Worten zu sagen: "insektengleiche Immersion in einen kleinen Bereich ohne Absicht und Richtung, und, vor allem, volle Konzentration darauf, einen einzelnen Moment auf den Punkt zu bringen, ohne ihn zu glamourisieren; um dann den Versuch im selben Moment zu vergessen, wo er gelingt." (Repo Man! Liquid Sky! Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb!) Und dann gibt es noch eine dritte Art von Filmen: Termitenfilme, die sich als Elefantenfilme tarnen. Die sich also sämtliche Materialien, Oberflächen, Körper der Illusionsmaschine Hollywood ausborgen und daraus gigantische Blockbuster-Monstren basteln, die innen hohl sind und vor Ungeziefer wimmeln: Paul Verhoeven! Bizarre Cinema rät: Bei zwei Optionen wähle immer die dritte!

Unsere trojanischen Elefanten im Februar:

Sonntag, 7.2.2016, 14.30 Uhr: ALTERED STATES
USA 1980, R: Ken Russell, 103 Min., 35mm, OF, mit William Hurt, Blair Brown, Bob Balaban
Psychologen nennen es "sensorische Deprivation": Wenn einem Menschen die Sinneseindrücke entzogen werden, führt das zu veränderten Bewusstseinszuständen und Halluzinationen. In seinem Kinodebüt spielt William Hurt einen Wissenschaftler, der diese Effekte in einem "Floating Tank", verstärkt durch exotische mexikanische Kräuterdrogen, an sich selbst erforscht und dabei zu verblüffenden Ergebnissen gelangt. Diesen "Höllentrip" (deutscher Verleihtitel) inszenierte Ken Russell so bildgewaltig, voller sexueller und religiöser Symbolik, dass Drehbuchautor Paddy Chayefsky dafür nur noch seine Vornamen Sidney Aaron hergeben wollte. Der Neurowissenschaftler und Psychonaut John C. Lilly (der den ersten Floating Tank entwickelte) dagegen, in gewisser Weise reales Vorbild für William Hurts Rolle, mochte den Film. Besonders gut fand er die Verwandlung des Protagonisten in einen Urmenschen: Bei seinen Experimenten habe er das ganz ähnlich erlebt, bestätigte Lilly.
Text und Einführung: Hans-Uwe Marsiske

Sonntag, 14.2.2016, 14.30 Uhr: KNIE NIEDER UND FRISS STAUB
I/ES 1971, R: Aldo Florio, 100 Min., 35mm, DF, mit Fabio Testi, Eduardo Fajardo, Charo López, Ben Carr
Pistolero Roy (Fabio Testi) und Emiliano fliehen aus dem Strafgefangenenlager, doch nur Roy erreicht völlig entkräftet das Goldgräbernest, von dem ihm sein Zellengenosse erzählte. Dort herrschen raue Sitten. Ein Großgrundbesitzer und seine Gehilfen unterdrücken die Minenarbeiter und bereichern sich an ihrer Arbeit. Roy schmiedet einen ausgeklügelten Plan, um an einen Goldschatz zu kommen und die Verbrecher gegeneinander auszuspielen. Ein Cocktail aus Karl Marx' "Kapital" und Sergio Leones Dollar-Trilogie, garniert mit der Sexiness der Swinging Sixties und der unwiderstehlichen Musik von Bruno Nicolai. "Dieser ziemlich unbekannte Film zählt sicherlich zu den besten, spannendsten, ergreifendsten und brutalsten Italo-Western jener Zeit." (Ulrich P. Bruckner, "Für ein paar Leichen mehr").
Text und Einführung: Torsten Cornils

Sonntag, 21.2.2016, 14.30 Uhr: ROBOCOP
USA 1987, R: Paul Verhoeven, 102 Min., 35mm, DF, mit Peter Weller, Nancy Allen
Ein wichtiger Name fehlt in den Credits zu diesem Film: Martine Verhoeven. Sie fischte das Drehbuch aus dem Papierkorb, in den Ehemann Paul es gleich nach dem Lesen des Titels geschleudert hatte, und machte ihn auf die Vielschichtigkeit der Geschichte aufmerksam, die zudem viele Gelegenheiten für die vom Regisseur so geliebten exzessiven Gewaltszenen bot. Vielen Dank, Martine! Inzwischen ist der spannende und actiongeladene Kampf zwischen Mensch und Maschine längst zu einem Science-Fiction-Klassiker geworden. Mehr noch: Inzwischen ist klar, dass der Film schon damals nur scheinbar von der Zukunft handelte. Die legendäre Szene mit dem Amok laufenden Roboter ED-209 wiederholte sich nur wenige Monate nach Filmstart in der Realität – und es floss erheblich mehr Blut als auf der Leinwand. Mehr dazu bei der Vorführung.
Text und Einführung: Hans-Arthur Marsiske (Herausgeber des Buches "Kriegsmaschinen – Roboter im Militäreinsatz")

28.2.2016, 14.30 Uhr: FANFAREN DER LIEBE
BRD 1951, R: Kurt Hoffmann, 91 Min., 35mm, mit Dieter Borsche, Georg Thomalla
Die Idee für "Manche mögen’s heiß", den witzigsten Film der Welt, hat sich Hollywood 1959 aus Europa geborgt: 1935 drehten die Franzosen "Fanfare d’amour", 1951 folgte das deutsche Remake "Fanfaren der Liebe". Die Geschichte ist ganz ähnlich, nur ohne Marilyn Monroe und ohne Gangster: Zwei stellungslose Musiker steigen als Damen bei einer Damenkapelle ein und verlieben sich in zwei Kolleginnen … Der Verwechslungsschwank, wie man damals sagte, war der größte Kinohit der Saison und wurde 1953 mit "Fanfaren der Ehe" fortgeführt. Georg Thomalla ist als keckes, hibbeliges Frollein ganz famos – und synchronisierte später Jack Lemmon, der seine Rolle im US-Remake spielte. Der eigentliche Knaller ist jedoch Dieter Borsche: So eine elegante, vornehme Dame ganz ohne Chichi oder Hysterie hat man im Travestiegenre selten gesehen! Ein großer Spaß für Komik-Archäologen, Gender-Studenten und Liebhaber feinster Nachkriegsgarderoben.
Text und Einführung: Peter Clasen


Endlich mal ein Italowestern! Das klingt doch verlockend. Und Robocop ist auch ne Reise wert.

"Ich glaube, das kaufe ich für nen Dollar!" :lol:

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"Ihr Name ist Luzifer. Ihr vertraue ich mehr als meinem besten Freund. Sie spricht nicht, sie hört nicht, betrügt nicht. Sie ist taub, ist blind, ist stumm. Sie tötet nur!"


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 10.01.2016 20:14 
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Ja, den Testi würde ich auch gerne sehen. Da bin ich eventuell auch am Start.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 01.02.2016 12:36 
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Testi werde ich auch sichten, ihr erkennt mich an den zitternden Händen, 3 Tage ohne Italo und mir gehts dreckig.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 01.02.2016 20:52 
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Habe mir auch vorgenommen, hinzugehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 01.02.2016 22:14 
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Ich glaub wir haben uns schon mal getroffen bei einem der Events vor ein paar Jahren. Kann das sein, dass du sehr gut italienisch sprichst?
Du hattest mir glaub ich mal erzählt, dass du bei den Originalvertonungen die Dialekte /Akzente der Regionen interessant findest. Gerade bei Komödien war das wichtig für Dich.
Das ist aber schon mindestens 5 Jahre her.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 02.02.2016 06:11 
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Mich reizt das Programm leider nicht mehr so wirklich im BC. :(


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 02.02.2016 18:53 
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Captain Blitz hat geschrieben:
Mich reizt das Programm leider nicht mehr so wirklich im BC. :(


Kann ich teilweise nachvollziehen. Letzten Sonntag lief ja Verhoevens "Showgirls", im Laufe diesen Monats sein "RoboCop" und "Starship Troopers" soll auch irgendwann mal bei BC laufen. Ich hab absolut nichts gegen Verhoeven, aber eigentlich denke ich beim BC nicht an Hollywood-Großproduktionen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 02.02.2016 21:49 
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Kent hat geschrieben:
Ich glaub wir haben uns schon mal getroffen bei einem der Events vor ein paar Jahren. Kann das sein, dass du sehr gut italienisch sprichst?
Du hattest mir glaub ich mal erzählt, dass du bei den Originalvertonungen die Dialekte /Akzente der Regionen interessant findest. Gerade bei Komödien war das wichtig für Dich.
Das ist aber schon mindestens 5 Jahre her.


Hi, bin zwar zur Hälfte Italiener und verstehe die Sprache, wenn auch bei Weitem nicht alles, kann mich daran aber nicht erinnern.
Vielleicht frischt der Kinobesuch meine Erinnerung ja auf (oder es war jemand anderes) :-)


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 03.02.2016 07:05 
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ugo-piazza hat geschrieben:
Captain Blitz hat geschrieben:
Mich reizt das Programm leider nicht mehr so wirklich im BC. :(


Kann ich teilweise nachvollziehen. Letzten Sonntag lief ja Verhoevens "Showgirls", im Laufe diesen Monats sein "RoboCop" und "Starship Troopers" soll auch irgendwann mal bei BC laufen. Ich hab absolut nichts gegen Verhoeven, aber eigentlich denke ich beim BC nicht an Hollywood-Großproduktionen.


Du verstehst mich. Da vergaloppiert man sich gerade gewaltig und auf sowas habe ich keinen Bock mehr. Ich will da Bahnhofskino, Trash, Schlock, aber nicht Showgirls, das ist gar nichts von alledem, sondern nur Müll.

Das nahm für mich gefühlt seinen Anfang damit, dass man "Soldier" auf Blu-Ray abgespielt hat. Da hört für mich der Spaß einfach auf. a) den Film, auch wenn er teilweise passt, hätte ich nicht gezeigt (zu neu, zu Hollywood) und b) kein 16/35mm.

Jetzt gibt es auch noch munter irgendwelche schwarz-weiß Kriegsfilme aus England oder sonstigen Ranz. Nee, danke. Sowas gebe ich mir zu Hause, wenn mir danach ist, aber das ist kein BC!

Aber die Macher haben da leider NULL Einsicht, ziehen stumpf ihr Ding durch, alles durchgeplant bis 2017 oder so und wenn man sich mal einbringen will, soll man für irgendwelche Specials ausgenutzt werden (bring doch mal irgendwelche Synchronsprecher mit!). Ähm...nein!?

Der letzte Film, den ich gesehen habe, war "Feuerstoß", bisher ein schöner "Abschluss" für mich. Wenn da "Artsy-Fartsy-Alte-Leute-Arthaus-Kino-Nachmittage" machen will, bitte. Ich fühle mich zu jung für sowas. :D


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 03.02.2016 21:02 
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Captain Blitz hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:
Captain Blitz hat geschrieben:
Mich reizt das Programm leider nicht mehr so wirklich im BC. :(


Kann ich teilweise nachvollziehen. Letzten Sonntag lief ja Verhoevens "Showgirls", im Laufe diesen Monats sein "RoboCop" und "Starship Troopers" soll auch irgendwann mal bei BC laufen. Ich hab absolut nichts gegen Verhoeven, aber eigentlich denke ich beim BC nicht an Hollywood-Großproduktionen.


Du verstehst mich. Da vergaloppiert man sich gerade gewaltig und auf sowas habe ich keinen Bock mehr. Ich will da Bahnhofskino, Trash, Schlock, aber nicht Showgirls, das ist gar nichts von alledem, sondern nur Müll.



Na ja, "Showgirls" ist ja schon trashig, Big-Budget-Trash. ;) Ich habs auch nicht bereut, mir den am Sonntag angeschaut zu haben. Vielleicht nehm' ich auch "RoboCop" mit, aber ich habe schon die Befürchtung, dass das klassische Bahnhofskino etwas unter die Räder kommt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 06.02.2016 21:59 
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Liebe Remaker, Remixer und Rip-Off-Artists,

am Ende der Jubiläumssaison wagt das Bizarre-Cinema-Team noch einmal das, was es eh am besten kann: einen Blick zurück.

24. März 2012: Bizarre-Cinema-Stunt-Special im B-Movie. Nach circa anderthalb Stunden, viele Leiber sind schon von Pferden und Häusern gestürzt, Stürme haben Städte verwüstet, Autos sind durch Canyons geflogen, geht der eh schon ekstatische Abend in eine neue Phase über. Aus Youtube-Schnipseln hat Thorsten Wagner einen Überblick über den türkischen Genrefilm der 70er- und 80er-Jahre geschmiedet, eine Geschichte der radikalen Aneignung, Variation und Überbietung populärer Filme und Figuren des Westens. Schnauzbärtige Rambos schleichen durch anatolische Wälder, ein deformierter E.T. reckt seinen schlecht gekneteten Finger gen Himmel, Panzerfäuste, Kung Fu und nackte Mädchen in Istanbul. Wie eine Traumgeburt steigt aus diesem ungeheuerlichen Bilderdickicht ein Mann hervor, stechend ist sein Blick, hart ist sein Körper, unendlich sind seine Talente: Cüneyt Arkin, der Stunt-Gott vom Bosporus. Nun geht der Film vollends in den Overdrive. Arkin springt von galoppierenden Pferden, rast mit Autos durch Hauswände, kann alle Kampfsportarten, rettet die Frauen, massakriert die Männer. Am Ende, in einer surrealen Sequenz, von der man nicht weiß, ob sie Thorsten Wagner, der Regisseur des Films oder ein Schnittmeister im Himmel montiert hat, wird eine Autoverfolgungsjagd in ihre konventionellen Bestandteile zerlegt und auf nie zuvor gesehene Weise rekonfiguriert. Quietschende Reifen, verzerrte Close-ups schreiender Gesichter, berstende Wände, dampfender Asphalt, splitternde Scheiben: die Möglichkeit einer komplett neuen Syntax des Kinos.

Am Dienstag, den 9.2., läuft um 20 Uhr im B-Movie eine Doku über die goldene Remix-Phase des türkischen Kinos: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

Im März setzt Bizarre Cinema die Suche nach einer neuen Syntax des Kinos mit folgenden Filmen fort:

Sonntag, 6.3.2016, 14.30 Uhr: SONNE, SAND UND HEISSE SCHENKEL
I 1975, R: Silvio Amadio, 93 Min., 35 mm, DF, mit Gloria Guida, Dagmar Lassander
Als ihr Vater mit einer neuen Frau an seiner Seite von einer seiner zahlreichen Dienstreisen heimkehrt, sieht die verwöhnte Angela ihr zügelloses Partyleben in Gefahr. Um die designierte Stiefmutter Irene rasch wieder loszuwerden, schreckt die äußerlich unschuldig wirkende Teufelin Angela auch vor Mitteln wie Erpressung und dem Einsatz ihres Körpers nicht zurück. Anders als es der deutsche Verleihtitel suggeriert, handelt es sich bei Amadios Film nicht um eine typische Teenie-Sexklamotte, sondern vielmehr um ein sehenswertes Erotikdrama, das seine beiden Hauptdarstellerinnen immer wieder attraktiv in Szene setzt, inhaltlich aber auf eine tragische Katastrophe zusteuert.
Text und Einführung: Mike Schimana

Sonntag, 13.3.2016: DOG DAY – EIN MANN RENNT UM SEIN LEBEN
Frankr. 1983, R: Yves Boisset, 97 Min., 35mm, DF, mit Lee Marvin, David Bennent, Miou-Miou
Einem Meister des französischen Thrillers gilt es hier zu huldigen: Yves Boisset, in Deutschland vor allem bekannt durch "Ein Bulle sieht rot", "Das Attentat", "Der Maulwurf", "Die Polizistin" und "Der Richter, den sie Sheriff nannten". Kurz und knackig sind seine packenden Polit-Krimis, voll gepackt mit Action und – quasi als Überbau – mit Sozialkritik. "Dog Day" macht seinem deutschen Untertitel alle Ehre: Lee Marvin hat als US-Gangster nach turbulentem Feuergefecht einen Koffer voller Franken geklaut und versteckt sich nun in Frankreich auf einem Bauernhof vor den Flics, die mit Autos, Hunden und Hubschraubern hinter ihm her sind. Gewalt ist die Folge, blutig geht’s zu. Und so ganz nebenbei lässt sich hier auch eine Menge über die Gier des Menschen erfahren.
Text und Einführung: Michael Ranze

Freitag, 18.3.2016, 20 Uhr, Metropolis-Kino: DAS GROSSE BIZARRE-CINEMA-JUBILÄUMS-DOUBLE-FEATURE
Die Zuschauer haben entschieden, der erste Film des Abends steht fest: Christian Anders wird mit der TODESGÖTTIN DES LIEBESCAMPS als Erster in den Ring steigen. Was kann nach dieser Apokalypse des schlechten Geschmacks folgen? Welchen Film hat das Bizarre-Cinema-Team erkoren, gegen den Hohepriester Dorian und seinen Tempelwächter Tanga anzutreten? Die Entscheidung ist gefallen ... und wird in Kürze verkündet. Ein kleiner Tipp: gaaaaanz lange Schalldämpfer.

Sonntag, 20.3.2016, 14.30 Uhr: DAS AUGE DES SATANS
USA 1957, R: Nathan Hertz, 74 Min., 35mm, DF, mit John Agar, Joyce Meadows
Wie in all den schönen amerikanischen B-Pictures der 50er-Jahre kommt das extraterrestrische Böse auch diesmal direkt aus der Wüste. Und wie all die anderen feindlichen Mächte aus dem Weltall übernimmt auch "The Brain from Planet Arous" (so der Originaltitel) erst mal die Kontrolle über einen aufrechten US-Staatsbürger, bevor es die Weltherrschaft anstrebt. Radioaktivität, Bewusstseinskontrolle, kommunistische Propaganda, sexuelle Triebe, entmenschlichte Wissenschaft – selten haben die amerikanischen Ängste der Nachkriegszeit eine zugleich so groteske und überzeugende Form angenommen wie in dem gigantischen geilen Gehirn Gor, dessen suggestive Macht auch die Zirbeldrüsen der Zuschauer massieren wird.
Text und Einführung: Volker Hummel

Sonntag, 27.3.2016, 14.30 Uhr: HÄSCHEN IN DER GRUBE
D/I 1969, R: Roger Fritz, 93 Min., 35mm, mit Helga Anders, Anthony Steel
Die schöne, traurige Gattin beobachtet hilflos die Zuwendung ihres Gatten zur Tochter. Ein Aufenthalt in Umbrien während eines Musikfestivals bringt neue Impulse. Mit den Augen der bewusst kindlich gehaltenen Heranwachsenden wird der Zuschauer in eine rätselhafte, vieldeutige Geschichte eingesponnen.
Einführung: Lillian Robinson


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 21.02.2016 17:10 
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Liebe Freunde von Einzigartigkeit und Wiederholung,

am Freitag, den 18. März, findet ab 20 Uhr im Metropolis-Kino das große Bizarre-Cinema-Jubiläums-Double-Feature statt. 10 Jahre Bizarre Cinema, 250 Filme! Ein Publikumsliebling, ein Teamfavorit! Aus all den wunderbaren Titeln zwei repräsentative auszuwählen schien uns ein nahezu unmögliches Unterfangen. Doch mit eurer Hilfe haben wir das perfekte Jubiläumsdoppel zusammengestellt. Diese zwei in der Filmgeschichte beispiellosen Werke bieten alles, was man sich vom klassischen Bahnhofskino je erträumen konnte: Spannung, Trash, Schocks, Sex, Grenzüberschreitung, Gewalt, Lacher und Musik! Lasst uns das abseitige Kino mit einem west-östlichen Diwan des Wahnsinns feiern! Außerdem: Trailershow, Miniquiz, Einführung und audience participation!

Die Todesgöttin des Liebescamps
BRD/GR 1981, 75 Min., 35mm, DF
R: Christian Anders, Ilias Mylonakos, D. Laura Gemser, Christian Anders, Gabriele Tinti
Das Versprechen freier Liebe lockt viele Menschen in eine Sektenenklave nach Zypern. Doch das Liebescamp der "Göttlichen", Anführerin eines quasireligiösen Kultes, ist in Wahrheit eine Hölle der Zwangsprostitution und anderer psychischer und körperlichen Qualen. Die Rekrutierung der Tochter eines einflussreichen Politikers aber markiert den Anfang vom Ende der Sauerei. Anders’ Geschichte ist quietschbunt, bösartig, albern und voller wirrer Statements. Ein wahnsinniges Unikat!

Söldner kennen keine Gnade
Hongkong 1980, 86 Min., 35 mm, DF
R: Tsui Hark, D: Lo Lieh, Lin Chen-Chi, Albert Au, Bruce Baron, Tsui Hark
Vier Jugendliche geraten nach einem Autounfall mit Todesfolge in eine unfassbar düstere Spirale aus Erpressung, Raub und Gewalt. Schließlich werden sie sowohl von Triaden als auch von amerikanischen Waffenschiebern gejagt. Der urbane Dschungel als hysterische Vision: Hier ist jeder jedem Wolf. Kompromisslose Härte, totale Beherrschung des Raums, unwiderstehliche 80er-Accessoires, eine nihilistische Weltsicht und ein radikal unvorhersehbarer Plot: Tsui Harks nach seiner Premiere in Hongkong sofort verbotener Schocker ist ein ebenso stylisher wie unverdaulicher Kinobrocken. Diese Schalldämpfer!


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 09.03.2016 20:10 
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Noch ein paar Hinweise auf das Monatsprogramm im Metropolis:


Bei Anruf Mord: 10.3., 17.00, DF, 35mm!

Das Fenster zum Hof: 26.3., 17.00, DF oder 24.3., 19.00 bzw. 30.3., 21.15, OF


Spiel mir das Lied vom Tod: 12.3., 19.00 + 22.3., 17.00, DF

Mein Name ist Nobody: 17.3., 21.15 + 18.3., 17.00, DF (am 18.3. folgt um 20.00 das Bizarre-Cinema-Double-Feature!)


Und am 21.3. um 19.00 gibt es (in Anwesenheit des Regisseurs Cem Kaya!) die Doku "Remake, Remix, Rip-Off" über das türkische Exploitationkino. 8-)


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 25.09.2016 19:17 
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Im Oktober geht es in die 11. Saison von Bizarre Cinema. Die Newsletter-Mail ist noch nicht da, aber das Metropolis-Programmheft für den Oktober ist bereits erhältlich. Wie üblich finden die Veranstaltungen sonntags um 14.30 Uhr statt. Los geht's im Oktober mit folgenden Filmen:

9.10: Abrechnung in San Franzisko, I 1976, R: Maurizio Lucidi, DF

16.10: The day the earth stood still, USA 1951, R: Robert Wise, OF

30.10.: Der Perser und die Schwedin, S/GB 1961, R: Akramzadeh, DF


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 10.10.2016 17:53 
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Liebe Tischler und Totengräber,

zur Einstimmung auf die dunkle Jahreszeit und die heute beginnende 11. Bizarre-Cinema-Saison hier ein erbauliches Lied über eines der ältesten Themen der Menschheit, eine Moritat ohne Moral, Sex und Gewalt zum Mitsingen, Bizarre Cinema für die Ohren:

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

Achtung: Die Vorführung am 6.11. beginnt schon um 13.30 Uhr.

Sonntag, 6.11., 13.30 Uhr (!): LONG ARM OF THE LAW (Dt: Hongkong Vice)
HK 1984, R: Johnny Mak, 106 Min., DF mit OmU, Digital Screening, mit Chin Jing, Kong Lung, Ben Lam, David Lam
Fünf Chinesen kommen vom Festland nach Hongkong, um durch einen Juwelenraub ihre Lebensumstände zu verbessern. Der Plan geht jedoch gehörig schief, ein neuer Auftrag muss her. Doch schon bald wird die verzweifelte Gruppe gnadenlos von der Polizei verfolgt – so kommt es schließlich zum adrenalingetränkten Showdown in den klaustrophobisch-verwinkelten Gassen der Kowloon Walled City. Dieser bereits zwei Jahre vor dem großen Erfolg von John Woos "A Better Tomorrow" von Sammo Hung produzierte Kracher gilt als einer der Wegbereiter des HK-Action- und Gangster-Thrillers. Düstere Atmosphäre zusammen mit Sozialkritik und rasanter Action – erstmals ungekürzt in deutscher Sprache zu sehen.
Text und Einführung: Jochen Oppermann

Sonntag, 13.11., 14.30 Uhr: DER CHEF WÜNSCHT KEINE ZEUGEN
BRD 1964, R: Hans Albin, Peter Berneis, 93 Min., 35mm, mit Uwe Friedrichsen, Maria Perschy, Robert Cunningham, Gustavo Rojo, Rolf von Nauckhoff, Stefan Schnabel, Armin Dahlen
Prominente Wissenschaftler und Politiker erleiden tödliche Unfälle, sind kurz darauf aber wieder quicklebendig, allerdings auch zu mörderischen Psychopathen mutiert. Was steckt dahinter? Der junge Reporter Howard kommt einer Weltverschwörung auf die Spur, hinter der nur außerirdische Mächte stecken können. Gespielt wird Howard vom damals 30-jährigen Uwe Friedrichsen – Schüler von Gustaf Gründgens und später bundesdeutscher Fernsehliebling – mit hanseatischem Charme und einem Hauch Selbstironie à la James Bond, immer in Aktion zwischen schönen Frauen und illustren Schurken. Nahezu zeitgleich mit den legendären Weltuntergangsszenarien "Dr. Seltsam" (GB 1964) von Stanley Kubrick und "Angriffsziel Moskau" (USA 1964) von Sidney Lumet wurde hier ein deutscher Paranoia-Thriller fabriziert, zu dessen Vorbildern auch Don Siegels "Invasion der Körperfresser" (USA 1956) zählt. Expressionistische Tradition und aktuelle Atomkriegsängste verschmelzen zu einem surrealen Alptraum.
Text und Einführung: Bodo Traber (Autor, u.a "Splatting Image")

In Kooperation mit dem Cinefest :
Sonntag, 20.11. 14.30 Uhr: DEEP END
UK/BRD 1970, R: Jerzy Skolimowski, 90 Min., engl. OF, 35mm, mit Jane Asher, John Moulder-Brown, Karl Michael Vogler
“Spröde Knaben-Erotik” (Ponkie, 1971) oder “Psychogramm der Pubertät” (Hellmut Haffner, 1971)? Bizarre Cinema ist mit Skolimowskis vernachlässigtem 70er-Klassiker zu Gast beim cinefest (*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***)! Maneater vs. Toyboy: Teenager Mike verliebt sich in einem heruntergekommenen Londoner Schwimmbad in seine nur wenig ältere Bademeisterkollegin Susan. Sie macht ihm Hoffnungen, stößt ihm vor den Kopf, küsst und schlägt ihn. Eines Tages aber hat Mike keine Lust mehr auf Spielchen und aus Spaß wird bitterer Ernst. In Skolimowskis zweiter Regiearbeit außerhalb Polens beschäftigt er sich laut eigner Aussage bewusst mit keinerlei politischen oder gesellschaftsanalytischen Inhalten, da er "im Westen ein Fremder" sei. Wie viel Metapher aber tatsächlich in seiner erotischen Tragikomödie steckt, müssen wir als Publikum wohl allein entscheiden.
Text und Einführung: Jan Minck

Sonntag, 27.11.: Keine Vorführung wg. Cinefest

PS: The Carpenter and the Sexton

In the month of July when the weather was fair,
The carpenter’s lady was taking air.
She never looked back, oh she must have been blind.
Her husband was there, her husband was there;
He was creeping behind.

Down by the churchyard and in through the gate,
The lecherous sexton was lying in wait.
He crept up beside her and tickled her chin;
And both of them knew, and both of them knew,
It was time to begin.

So there on the tombstone they fumbled and played;
The husband looked on as his missus was laid.
He sat and he watched till the passion was past;
‘Twas not for the first time, not for the first time;
But surely the last.

The sexton was sleeping, his arse in the air.
The carpenter quickly abandoned his lair.
He took out his razor and made up his mind,
And was carving his name, was carving his name
On the other’s behind.

O the sexton cried out, as he scrambled in vain
Over the tombstones, away from the pain.
He cursed at the ground and insulted the sky;
And each of them swore, and each of them swore
That the other should die.

So the carpenter went for his chisel and blade;
The sexton was honing the edge of his spade.
And driven by jealousy, anger and pain,
They hacked at each other, hacked at each other
Like butchers insane.

The sexton was missing a nose and a toe;
The carpenter’s bowels were beginning to show.
But there with the dead at the edge of the town
They fought till the blood, they fought till the blood
Was like dew on the ground.

They were found in the morning. The sexton was slain,
But his spade had divided the carpenter’s brain.
His widow, she heard of his death by a chance,
Amusing the bishop, amusing the bishop,
Upstairs in the manse.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 31.10.2016 18:41 
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Liebe Pekinesen und Mandarinen,

nächsten Sonntag bricht Bizarre Cinema eines seiner ältesten Gesetze und zeigt einen Film in digitaler Fassung. Das verlangt eine Erläuterung:

Bizarre Cinema präsentiert "Long Arm of the Law" erstmals in der ungekürzten Fassung in deutscher Sprachversion. Einige Restaurationsarbeiten waren hierzu nötig, denn so war der Film in Deutschland bisher nicht zu sehen. Es existiert zwar eine 35mm-Version der kantonesischen Sprachfassung (mit englischen Untertiteln) beim Hong Kong Film Archive, die hohen Kosten einer Aufführung und der Wunsch nach einer deutschen Sprachversion sprachen jedoch dagegen. Da der Film in Deutschland unter dem Titel "Hongkong Vice" nicht im Kino, sondern direkt auf VHS erschien, konnte auch auf keine deutsche 35mm-Kopie zurückgegriffen werden. Es wurde also kurzerhand die deutsche Synchronfassung an ein HD-Master der Originalfassung angelegt. Szenen, die in der deutschen Fassung aufgrund von Schnitten fehlten, wurden mit deutschen Untertiteln versehen. So ist "Long Arm of the Law" jetzt fast 11 Minuten länger in deutscher Sprachfassung zu erleben.

Zum Film:
Sonntag, 6.11., 13.30 Uhr (!): LONG ARM OF THE LAW (Dt: Hongkong Vice)
HK 1984, R: Johnny Mak, 106 Min., DF mit OmU, Digital Screening, mit Chin Jing, Kong Lung, Ben Lam, David Lam
Fünf Chinesen kommen vom Festland nach Hongkong, um durch einen Juwelenraub ihre Lebensumstände zu verbessern. Der Plan geht jedoch gehörig schief, ein neuer Auftrag muss her. Doch schon bald wird die verzweifelte Gruppe gnadenlos von der Polizei verfolgt – so kommt es schließlich zum adrenalingetränkten Showdown in den klaustrophobisch-verwinkelten Gassen der Kowloon Walled City. Dieser bereits zwei Jahre vor dem großen Erfolg von John Woos "A Better Tomorrow" von Sammo Hung produzierte Kracher gilt als einer der Wegbereiter des HK-Action- und Gangster-Thrillers. Düstere Atmosphäre zusammen mit Sozialkritik und rasanter Action.
Text und Einführung: Jochen Oppermann

PS: Der Film wurde von Hongkonger Kritikern, Filmemachern und Studenten auf den 6. Platz in der Liste der 100 besten chinesischen Filme aller Zeiten gewählt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 09.11.2016 19:51 
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Liebe Jetzt-schon-vom-Reformationsjubiläum-die-Nase-voll-Haber,

wie Bizarre Cinema von offizieller Seite bestätigt wurde, fährt die Katholische Kirche ihr Engagement für die Filmkultur drastisch zurück. Sie beabsichtigt, den "Filmdienst", die kirchlich finanzierte Fachzeitschrift für Film und zugleich älteste deutsche Zeitschrift für Filmkritik, einzustellen.

Bizarre Cinema appelliert an die Katholische Kirche, die Bewegtbilder nicht leichtfertig der von ökonomischen Aspekten geleiteten Filmverwertung zu überlassen und sich weiterhin engagiert, filmhistorisch und ästhetisch kompetent zu äußern. Es ist mehr als fahrlässig, die Bedeutung des Films in Zeiten der Allgegenwärtigkeit von Bewegtbildern geringzuschätzen und deren fachkundige Besprechung preiszugeben.

Wir erwarten von der Katholischen Kirche, dass sie sich als wichtige Akteurin der Zivilgesellschaft zum Engagement für die Filmkultur bekennt. Wir sind der Überzeugung, dass eine Printzeitschrift viele Vorteile in Reichweite und Nachhaltigkeit birgt, und rufen die Katholische Kirche dazu auf, ihre verantwortungsvolle Rolle als Impulsgeber für den gesellschaftlichen Diskurs mit relevanten Texten zu Film und Kino auch in Zukunft ernst zu nehmen und in vollem inhaltlichen Umfang der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Der Ausschuss für sittliche Angelegenheiten des Bizarre-Cinema-Kollektivs


4.12. Die Vorführung des auf dem Flyer angekündigten Films DER FÄNGER muss aufgrund einer anderen Veranstaltung im Metropolis ausfallen. Die Vorführung wird im Frühjahr nachgeholt.

11.12., 13.30 Uhr (!): MALIZIA
I 1973, R: Salvatore Samperi, 98 Min., 35mm, DF, mit Laura Antonelli, Alessandro Momo
Der gerade vom Begräbnis seiner Frau heimgekehrte sizilianische Witwer Don Ignazio staunt nicht schlecht, als ein neues Hausmädchen seine Wohnungstür öffnet: Angela schmeißt in Zukunft nicht nur den gesamten Haushalt, sondern kümmert sich auch rührend um seine drei Söhne. Dabei bringt die bildhübsche, unschuldige Angela alsbald aber auch den Hormonhaushalt der vier Männer reichlich durcheinander. Als sich der Hausherr schließlich mit Angela verlobt, beginnt der pubertierende Nino dreist das Hausmädchen um sexuelle Gunstbezeugungen zu erpressen. Von der Fachliteratur wird der Film mit der wunderschönen Laura Antonelli in der Hauptrolle allzu oft in die Schublade "Erotikkomödie" abgelegt, tatsächlich entwickelt sich der Streifen aber schnell zu einem spannenden Coming-of-Age-Drama, das einem trotz manch humorvoller Momente den Atem raubt.
Text und Einführung: Mike Schimana

18.12., 14.30 Uhr: BLAST OF SILENCE – EXPLOSION DES SCHWEIGENS
USA 1961, R: Allen Barron, 77 Min., DF, 35mm, mit Allen Barron, Molly McCarthy, Larry Tucker
Frankie Bono kommt nach New York, um einen Mann umzubringen. Er beobachtet sein Opfer, sitzt in einem heruntergekommenen Hotelzimmer im East End, kauft eine Waffe mit Schalldämpfer und streift durch die Straßen von Manhattan. Einsamkeit, Ungeziefer, Weihnachten, Tod. Allen Barrons Film ist wie sein Protagonist ein radikaler Außenseiter, lakonisch, schmutzig, auf der Straße gedreht, schwärzer als alle Noirs. Fergus Daly: "Die Montage von Kamerafahrten, die Frankies Silhouette auf ihrem Weg durch die weihnachtliche Stadt zeigen, gehört zu den schönsten Sequenzen der Filmgeschichte."
Vorher: William S. Burroughs liest seine Weihnachtsgeschichte "A Junky’s Christmas" (in Englisch, 15 Min.)
Text und Einführung: Volker Hummel

25.12., 14.30 Uhr: BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL
Spanien 1973, R: Carlos Aured, 95 Min., DF, 35mm, mit Paul Naschy, Victor Alcazár, Maria José Cantudo, Juan Cazalilla
Jacinto Molina Alvarez ist Autor, Regisseur und auch Hauptdarsteller (Künstlernamen: Carlos Aured und Paul Naschy) dieses spanischen Horrorklassikers aus den 1970er Jahren. Angeblich schrieb er das Drehbuch in nur einer Nacht, und da sein Kumpel Leon Klimovski nicht zur Verfügung stand, hat er auch gleich die Regie übernommen. Der Film stand wegen seiner drastischen Gewalt- und Nacktszenen bis 2009 hierzulande auf dem Index für jugendgefährdende Schriften. Inzwischen ist der Titel wieder freigegeben und zählt zu den Wegbereitern einer Welle spanischer Filme, die durch harten Realismus in der Gewaltdarstellung in den 70ern berühmt-berüchtigt wurden. Spanien, dunkelstes Mittelalter: Der Tempelritter Alaric de Marnac und seine Geliebte Mabille werden zur Buße ihrer Verbrechen, zu denen Kannibalismus und Satanismus gehören, und zum Schutz der Menschheit vor ihrem Treiben hingerichtet. Im Moment ihres Todes schwören sie Rache an den Nachkommen. Paris, 70er Jahre: Durch eine Seance wird das Satanspack wiederbelebt und bringt De Marnacs Nachkommen Hugo in Schwierigkeiten. Ein entlegenes Landhaus und viel nackte Haut machen die Sache rund.
Text und Einführung: Jan Fangmeier


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 10.12.2016 23:13 
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Liebe Sata- und Santanisten,

das Fest der käuflichen Liebe naht und ihr habt immer noch keinen Plan, was ihr der Verwandtschaft diesmal unterjubelt? Bizarre Cinema hat da ein paar Ideen: Wie wäre es zum Beispiel mit der neuesten Barbie-Edition mit Kay-Parker- und Jamie-Gillis-Figuren, mit denen man seine Lieblings-Cumshots aus Oldschool-Pornos anatomiegetreu nachstellen kann? Oder mit einer Familienpackung des von Larry Cohen entwickelten und jetzt auch in Deutschland erhältlichen Nahrungsergänzungsmittels "The Stuff", dessen Einnahme immer für Überraschungen sorgt? Wer die Schnauze voll hat von Smartphones und anderem digitalen Gedöns mit eingebauter Selbstzerstörung findet derzeit bei Ebay günstige Magnettonbandgeräte von Ampex und Panasonic, die auch die Stimmen verstorbener Familienmitglieder und seltsamer Vögel mir kristallenem Gefieder aufzeichnen. Oder habt ihr schon mal über die Anschaffung einer (Zweit-)Kettensäge nachgedacht? Damit lassen sich nicht nur Weihnachtsgänse tranchieren, sondern auch Holzskulpturen schnitzen, jonglieren oder bei Nachtwanderungen für den gewissen Extrakick sorgen. (Tipp: Kettensägen sollte man immer in Fachgeschäften mit professioneller Kaufberatung erwerben und nicht online.) Zum Schluss noch ein paar Lektüretipps: Das Necronomicon und das Buch von Eibon sind gerade in handlichen Paperback-Ausgaben erschienen, die kompletten Werke von Sutter Cane wurden neu aufgelegt, und mal ganz im Ernst: Wie wäre es mit einem Abo von "SigiGötz Entertainment" (*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***)?

Happy XXXmas!
Euer BC-Team

Sonntag, 8.1.2017, 14.30 Uhr: LEISE WEHT DER WIND DES TODES
GB 1971, R: Don Medford, 110 Min., 35mm, DF, mit Candice Bergen, Oliver Reed, Gene Hackman
Eigentlich wollte der reiche und rücksichtslose Rancher Ruger seine neuen, weit reichenden Präzisionsgewehre mit einigen Freunden bei der Jagd auf Tiere ausprobieren. Aber als er erfährt, dass Banditen seine Ehefrau (eigentlich eher seine Ehesklavin) entführt haben, wird aus der Wildjagd kurzerhand eine Menschenjagd – und die ist allenfalls deswegen leise, wie der poetisch klingende deutsche Filmtitel behauptet, weil die erbarmungslos verfolgten Gangster aus der großen Entfernung den Gewehrknall nicht hören. Nie zuvor war in einem Western so viel Blut verspritzt worden wie in diesem. Die Splatterästhetik verschreckte beim Kinostart die meisten Kritiker, die darin keine Entzauberung des Frontier-Mythos mehr sehen mochten, sondern nur noch billige Effekthascherei. Aber schauen wir lieber noch einmal genau hin: 46 Jahre später, geschult durch Wes Craven, Dario Argento, Quentin Tarantino und viele andere, mögen wir die Frage, ob dieser Film selbst böse ist oder nur schonungslos vom Bösen erzählt, vielleicht anders beantworten.
Text und Einführung: Hans-Arthur Marsiske

Sonntag, 15.1.2017, 14.30 Uhr: PHANTASM
US 1979, R: Don Coscarelli, 88 Min., 35mm, DF, mit A. Michael Baldwin, Reggie Bannister, Angus Scrimm
Nach dem Tod seiner Eltern muss sich der 13-jährige Mike mit seinem älteren Bruder Jody allein durchschlagen. Zu allem Überfluss stirbt dann auch noch ein guter Freund auf mysteriöse Art und Weise. Nach der Beerdigung beobachtet Mike heimlich den finsteren Bestatter, wie der ohne fremde Hilfe mühelos den Sarg wegschafft. Ihm wird klar, im Bestattungsinstitut der Kleinstadt Morningside kann es nicht mit rechten Dingen zugehen. Schon bald werden die Brüder erbarmungslos gejagt. Neben der atmosphärischen Inszenierung samt unheimlichem Soundtrack sind es die überzeugenden Darsteller, die diesem Low-Budget-Film Kultstatus bei seinen Fans bescherte: Mit Angus Scrimm als "Tall Man" wurde hier eine Horror-Ikone erschaffen, die nach dem Kinobesuch für Alpträume sorgt. Die einzigartige Machart, vielleicht vergleichbar mit italienischen Horror-Produktionen der 70er-Jahre, lässt den Film immer wieder sonderbar zwischen Traum und Realität oszillieren. Prominenter Fan des Films ist übrigens Regisseur J. J. Abrams ("Star Wars", "Star Trek").
Text und Einführung: Jochen Oppermann

Sonntag, 22.1.2017, 14.30 Uhr: DER GEHETZTE VON SOHO
GB 1963, R: Ken Hughes, 107 Min., 35mm, DF, mit Anthony Newley, Julia Foster
Was St. Pauli für Hamburg ist, ist Soho für London – hier das Soho der Frühsechziger, das es so nicht mehr gibt. Der heute vergessene britische Rock-’n’-Roll-Star Anthony Newley spielt den miesen Striplokal-Conferencier und bankrotten Glückspieler Sammy Lee, der knapp fünf Stunden Zeit hat, um seine Schulden bei Gangstern zu begleichen. Regisseur und Autor Ken Hughes ("Cromwell") drehte seinen zu Unrecht übersehenen Brit-Noir-Klassiker nach seinem TV-Film "Sammy" von 1958, Kameramann Wolfgang Suschitzky ("Get Carter") filmte in atmosphärischem Schwarzweiß-Cinemascope, Julia Foster spielt das naive Provinzmädel, dem Sammy eine Karriere in London versprach.
Text und Einführung: Peter Clasen

Sonntag, 29.1.2017, 14.30 Uhr: DIE FRAU IN DEN DÜNEN
J 1964, R: Hiroshi Teshigahara, 123 Min., 35mm, OmeU, mit Eiji Okada, Kyoko Kishida
In den 60er-Jahren schufen der Autor Kobo Abe, der Regisseur Hiroshi Teshigahara und der Komponist Toru Takemitsu vier Filme über das Grauen des menschlichen Daseins. Am nahtlosesten fügen sich in "Die Frau in den Dünen" der nüchtern-surreale Stil Abes, die schwarz-weißen Alptraumbilder Teshigaharas und der aus Stille und Dissonanzen gewebte Soundtrack Takemitsus zu einem Horrorgesamtkunstwerk. Erzählt wird die Geschichte eines Insektenforschers, der sich in einer Dünenlandschaft verirrt und von den Bewohnern eines Dorfes in der Hütte einer Witwe am Grund eines Sandlochs gefangengesetzt wird, um Fron und Einsamkeit ihres Lebens zu teilen.
Text und Einführung: Volker Hummel


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 23.12.2016 23:30 
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Abseits von Bizarre Cinema laufen im Metropolis aktuell zwei Filmreihen, die sich mit der deutschen Kinovergangenheit befassen.

Die eine befasst mit sich der sog. "Münchner Gruppe"

Es läuft:

Zur Sache, Schätzchen (May Spils, 1968) 26.12. und 30.12.

Nicht fummeln, Liebling (May Spils, 1970) 7.1. und 11.1

Mädchen, Mädchen (Roger Fritz, 1967) 14.1. und 19.1.

Jet Generation (Eckhart Schmidt, 1968) 15.1. und 20.1.

Detektive (Rudolf Thome, 1969) 21.1. und 24.1.

Rote Sonne (Rudolf Thome, 1970) 28.1. und 31.1.

Dazu kommen die aktuellen Dokus "Rudolf Thome - Überall Blumen" (26.1. und 28.1.) und "Zeigen, was man liebt (27.1.)

wird fortgesetzt


Die andere Reihe läuft bereits seit November und befasst sich mit dem BRD-Kino der 50er-Jahre. Heute hab ich es mal hingeschafft und Peter Lorres einzige Regiearbeit "Der Verlorene" gesehen. Folgende Filme kommen noch (alle als 35mm-Projektion)

Der rote Rausch (Wolfgang Schleif, 1962) 25.12. und 28.12

Die Rote (Helmut Käutner, 1962) 1.1. und 3.1.

Alraune (Arthur Maria Rabenalt, 1952) 4.1. und 7.1.

Rosen blühen auf dem Heidegrab (Hans H. König, 1952) 10.1. und 11.1

Schwarzer Kies (Helmut Käutner, 1960) 13.1. und 17.1.

Das Dorf unterm Himmel (Richard Häussler, 1953) 19.1. und 20.1.

Labyrinth (Rolf Thiele, 1959) 23.1. und 24.1.

Nachtwache (Harald Braun, 1949) 26.1. und 27.1.


Und am 19.1. gibt es im Seniorenkino (mit Kaffee und Kuchen) Billy Wilders "Der Glückspilz" mit Jack Lemmon und Walter Matthau von 35mm. Ein Glückspilz ist freilich auch, wer an einem Donnerstag um 14.30 Uhr ins Kino gehen kann...


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 04.01.2017 17:59 
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Liebe Blutpilger und ewig Suchende nach dem Unheiligen Gral der Filmkunst,

wie sieht er aus, der purste aller Trashfilme, von dem wir jeden Sonntag nur ein paar Fragmente und Momente erhaschen? Welche Story erzählt, welche Atmosphäre schafft, welche Schocks verbreitet der essenzielle Bahnhofsfilm, in dem alle wesentlichen Elemente des Bizarre Cinema am klarsten zum Ausdruck kommen? Handelt er von einer Gummiechse mit Burt-Reynolds-Frisur, die auf einer abgelegenen Pazifikinsel Jagd auf Bikinimädchen mit Panzerfäusten macht? Vom in einer Nährlösung schwimmenden Hirn eines verrückten Revolverhelden, der mithilfe telepathischer Kräfte den Kampf gegen eine Horde radioaktiv verseuchter Riesentermiten aufnimmt? Ist der Streifen handwerklich gut gebaut und geschmackvoll ausgestattet oder eher ein Flickenteppich disparater Unverdaulichkeiten, dessen Lücken man mit eigenen Fantasien ergänzt? Ist es eine Abfolge extremer Höhepunkte oder eine Montage idyllischer Genreszenen, die man umso intensiver genießt, je extremer der antizipierte Wahnsinn ist, der sich dahinter verbirgt – und je geschickter der Moment aufgeschoben wird, an dem das ein ins andere umschlägt?

Eure Suche hat ein Ende, wir haben diesen Film gefunden: "Terror!" vom britischen Regisseur Ben Rivers, "a love letter to a very special genre"
*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

Cheers,
euer BC-Team

Sonntag, 5.2.2017, 14.30 Uhr: DAS GESCHLECHT DER ENGEL
I/BRD1968, R: Ugo Liberatore, 85 Min., 35 mm, DF, mit Bernard de Vries, Rosemary Dexter, Doris Kunstmann, Laura Troschel
Drei verwöhnte Zicken aus gutem Hause, Nora (Doris Kunstmann), Nancy (Rosemary Dexter) und Carla (Laura Troschel), machen mit der väterlichen Yacht eine mehrtägige Bootsfahrt von Italien nach Jugoslawien. Damit keine Langeweile aufkommt, wird der attraktive Marco (Bernard de Vries) mitgenommen und etwas LSD eingepackt. Das unbeschwerte Urlaubsvergnügen nimmt bald eine unerwartete Wende und wird das Leben der vier Protagonisten für immer verändern. Eine selten gezeigte Perle des Yachtploitation-Genres ("Sklaven ihrer Triebe"/"Interrabang"/"Kreuzfahrt des Grauens"/"Waves of Lust!) für Liebhaber von 60er-Jahre-Bikinimoden und der mitreißenden Filmmusik von Giovanni Fusco in einer exzellenten deutschen Sprachfassung.
Text und Einführung: Torsten Cornils

Sonntag, 12.2.2017, 14.30 Uhr: MALONE
USA 1987, R: Harley Cokliss, 90 Min., DF, 35mm, mit Burt Reynolds, Lauren Hutton, Cliff Robertson
"Ex-cop. Ex-CIA. Ex-plosive." So beschrieb die Tagline des US-Posters den Titelhelden. Im Zentrum der Story befindet sich ein Archetyp des amerikanischen Western- und Actionkinos: der des Kämpfens müde Revolverheld, der angesichts kaum zu ertragender Ungerechtigkeit den Colt wieder zur Hand nimmt und ohne hinderliche Moralkonzepte systematisch alle Schergen des Bösen mit Blei vollpumpt. "Malone" gilt als Reynolds‘ letzter großer Actionfilm. Lange Zeit fast vergessen, hat sich der Titel in den letzten Jahren dank digitaler Datenträger eine Art zweites Leben erkämpft. Guilty pleasure im allerbesten Sinne mit tollem Stunt-Handwerk, erstaunlich ruhigem Aufbau und einer von Burts eher ungewöhnlicheren Frisuren. Der beste 80er-Action-Klopper, den Sie bisher noch nicht kannten!
Text und Einführung: Jan Minck

Sonntag, 19.2.2017, 14.30 Uhr: HARLEQUIN
Australien 1980, R: Simon Wincer, 95 Min., 35mm, OF, mit: David Hemmings, Broderick Crawford, Robert Powell
Ein rätselhafter Fremder sucht einen amerikanischen Senator, der Aussichten auf die Präsidentschaft hat, auf, um dessen todkranken Sohn zu heilen. Oder verfolgt er noch andere Absichten? Ein Film, der viele Interpretationen zulässt und Parallelen zu den Begebenheiten um den historischen Rasputin aufweist. Die Kopie im Breitwandformat hat ein paar Macken, verdient aber die große Leinwand.
Text und Einführung: Lillian Robinson

Samstag, 25.2.2017, 20 Uhr: BIZARRE CINEMA SPECIAL im B-Movie (Brigittenstraße 5)
La Notte Bizzarra – ein rasanter Doppelschlag aus Bella Italia! Weitere Infos in Kürze ...

Sonntag, 26.2.2017, 14.30 Uhr: DER FÄNGER
USA 1965, R: William Wyler, 119 Min., 35mm, DF, mit Terence Stamp, Samantha Egar, Maurice Dallimor
Ein nerdiger Liebhaber von Schmetterlingen fügt seiner Sammlung eine hübsche junge Frau hinzu, die er schon seit langem bewundert. Er sperrt sie in seinen Keller – in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann schon in ihn verlieben wird. Verstörendes und beklemmendes Drama nach dem Buch des englischen Schriftstellers John Fowles, der auch schon die Vorlage für Karel Reisz’ "Die Geliebte des französischen Lieutenants" lieferte. Regie führte Hollywood-Altmeister William Wyler, berühmt für "Ben Hur" (1959), aber auch für so schöne Sachen wie "Das Geheimnis von Malampur" (1940) und "Die besten Jahre unseres Lebens" (1946).
Text und Einführung: Michael Ranze


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 30.01.2017 19:30 
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Liebe Freunde von Giuseppe Verdi und der Sixtinischen Kapelle,

ihr bleibt lieber zu Hause. Alle anderen kommen am Samstag, den 25.2., um 20 Uhr zur LA NOTTE BIZZARRA ins B-Movie (Brigittenstraße 5)!

Bizarre Cinema präsentiert: ein rasanter Doppelschlag aus Bella Italia!
Wir lieben das italienische Kino der 60er- und 70er-Jahre und werden es mit zwei absoluten Superlativen der einst so produktiven Filmindustrie feiern. Und wenn, dann richtig: Nicht nur die Filme, sondern auch Trailershows kommen von 35mm, es wird zahlreiche italienische Überraschungen geben, und den Soundtrack des Abends liefern Frizzi, Goblin und die Gebrüder De Angelis. Forza!

Presentata dalla Giovanni – Am Paulinenplatz

Wir beginnen mit: MILANO KALIBER 9 (OT: Milano calibro 9)
Italien 1971, R: Fernando di Leo, 88 Min., 35mm, DF, mit: Gastone Moschin, Mario Adorf, Barbara Bouchet, Phillippe Leroy, Lionel Stander, Frank Wolff
Halleluja! Vom unangefochtenen Meisterwerk des italienischen Rasanzkinos der 70er ist immer noch eine gut erhaltene 35mm-Filmkopie verfügbar, gesegnet seien die Archivare. Ugo Piazza (Gastone Moschin), einst Handlanger des "Amerikaners", eines Mailänder Mafiabosses, kommt aus dem Gefängnis frei und wird prompt von ehemaligen Kollegen aus der Gewaltbranche abgepasst, die mit ihm den Verbleib von 300.000 Dollar klären sollen. Da ihm nicht geglaubt wird, mit dem Verschwinden des Geldes nichts zu tun zu haben, hat er fortan die Mobster regelmäßig zu Besuch. Vorneweg Rocco (Mario Adorf), eine unberechenbare Mischung aus ölig gegelter Eitelkeit und ungebremster, körperlicher Gewalt. Zudem muss Ugo noch die Erniedrigungen eines reaktionären Polizeikommissars ertragen, bei dem er sich in seiner Bewährungsphase zu melden hat. Ein rasanter und schöner Film mit einer grandiosen Besetzung, der zwischen Lakonie und Gewaltausbrüchen in bester Tradition des Film Noir eine pessimistische Geschichte erzählt. Oder, wie ihn der damalige Verleih bewarb: ein moderner Gangster-Thriller, knochenhart und höllisch heiß.
Text und Einführung: Thorsten Wagner

Nach kurzer Verschnaufspause geht es dann weiter mit: FULCIS ZOMBI 2
Italien 1979, R: Lucio Fulci, 89 Min., 35mm, DF, mit: Tisa Farrow, Ian McCulloch, Richard Johnson, Al Cliver, Auretta Gay, Stefania D'Amario, Olga Karlatos
In New York läuft eine verlassene Segelyacht ein. Beim Durchsuchen trifft die Hafenpolizei auf abgerissene Körperteile und wird von einer fauligen Gestalt angefallen, die nur mit tödlichen Schüssen gestoppt werden kann. Der Reporter Peter West (Ian McCulloch) soll mehr herausfinden und tut sich mit Anne Bowles (Tisa Farrow) zusammen, der Tochter des Yachtbesitzers. Durch einen Brief erfahren sie, dass er sich zuletzt auf einer Antillen-Insel namens Matool aufhielt, auf der eine seltsame Epidemie ausbrach. Sie reisen in die Gegend und lassen sich von den Amerikanern Brian Hull (Al Cliver) und Susan Barrett (Auretta Gay) mit deren Schiff nach Matool bringen. Dort treffen sie auf Dr. Menard (Richard Johnson), der ihnen bestätigt: Auf Matool geht die Post ab, denn durch exotische Voodoo-Riten erwachen die Toten hier regelmäßig zum Leben ... Nach dem großen Erfolg von DAWN OF THE DEAD, den Co-Produzent Dario Argento für Europa umschnitt und in Italien als ZOMBI vermarktete, ließen sich findige Trittbrettfahrer nicht lumpen und legten direkt ZOMBI 2 nach. Klar, mit DAWN hat dieser Film absolut nichts zu tun, trotzdem erschufen die Italiener einen All-Time-Classic der Zombie-Filmgeschichte: Wenn sich die Untoten aus ihren Gräbern erheben wirkt das Zusammenspiel aus Make-up-Effekten, lebendem Gewürm, unheimlichen Geräuschen und einem mystischem Synthie-Score geradezu magisch. Wie hier ein Urlaubsparadies zur Hölle wird, ist einmalig und an Atmosphäre nicht zu übertreffen. Bizarres Finale Grande: ein Unterwasser-Fight Hai vs. Zombie!
Text und Einführung: Jochen Oppermann/Jan Minck


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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 03.02.2017 20:21 
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ugo-piazza hat geschrieben:

Sonntag, 5.2.2017, 14.30 Uhr: DAS GESCHLECHT DER ENGEL
I/BRD1968, R: Ugo Liberatore, 85 Min., 35 mm, DF, mit Bernard de Vries, Rosemary Dexter, Doris Kunstmann, Laura Troschel
Drei verwöhnte Zicken aus gutem Hause, Nora (Doris Kunstmann), Nancy (Rosemary Dexter) und Carla (Laura Troschel), machen mit der väterlichen Yacht eine mehrtägige Bootsfahrt von Italien nach Jugoslawien. Damit keine Langeweile aufkommt, wird der attraktive Marco (Bernard de Vries) mitgenommen und etwas LSD eingepackt. Das unbeschwerte Urlaubsvergnügen nimmt bald eine unerwartete Wende und wird das Leben der vier Protagonisten für immer verändern. Eine selten gezeigte Perle des Yachtploitation-Genres ("Sklaven ihrer Triebe"/"Interrabang"/"Kreuzfahrt des Grauens"/"Waves of Lust!) für Liebhaber von 60er-Jahre-Bikinimoden und der mitreißenden Filmmusik von Giovanni Fusco in einer exzellenten deutschen Sprachfassung.
Text und Einführung: Torsten Cornils



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 Betreff des Beitrags: Re: Bizarre Cinema im Metropolis Hamburg
BeitragVerfasst: 08.02.2017 18:44 
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Liebe Freunde der sanft gewellten Kopf-, Oberlippen- und Brustbehaarung,

bevor ihr nächste Woche mit einem Foto (siehe unten) zum Coiffeur eures Vertrauens geht, haben wir noch eine frohe Botschaft für euch: Ihr werdet die sanft gewellte Stimme eures Helden hören können, anders als zuvor angekündigt zeigen wir MALONE in OF statt in DF.

Sonntag, 12.2.2017, 14.30 Uhr: MALONE
USA 1987, R: Harley Cokliss, 90 Min., OF, 35mm, mit Burt Reynolds, Lauren Hutton, Cliff Robertson
"Ex-cop. Ex-CIA. Ex-plosive." So beschrieb die Tagline des US-Posters den Titelhelden. Im Zentrum der Story befindet sich ein Archetyp des amerikanischen Western- und Actionkinos: der des Kämpfens müde Revolverheld, der angesichts kaum zu ertragender Ungerechtigkeit den Colt wieder zur Hand nimmt und ohne hinderliche Moralkonzepte systematisch alle Schergen des Bösen mit Blei vollpumpt. "Malone" gilt als Reynolds‘ letzter großer Actionfilm. Lange Zeit fast vergessen, hat sich der Titel in den letzten Jahren dank digitaler Datenträger eine Art zweites Leben erkämpft. Guilty pleasure im allerbesten Sinne mit tollem Stunt-Handwerk, erstaunlich ruhigem Aufbau und einer von Burts eher ungewöhnlicheren Frisuren. Der beste 80er-Action-Klopper, den Sie bisher noch nicht kannten!
Text und Einführung: Jan Minck






Liebe Logophobiker und Päderanten,

bizarr: "seltsam, wirrförmig". Das seit dem 17. Jh. bezeugte Adjektiv stammt aus dem franz. bizarre, das seinerseits aus dem ital. bizarro entlehnt ist. Der Ursprung des ital. Worts ist dunkel, vielleicht ist es aus ahd. baga ("Streit") entlehnt. (Duden Bd. 7, Herkunftswörterbuch, Etymologie der deutschen Sprache, 5. Auflage 2014)

Das Bizarre-Cinema-Team widerspricht hiermit entschieden der Vermutung der Duden-Redaktion, dass unser gemeinsames Projekt auf Streit gründet. Wir mögen nicht immer einer Meinung sein, aber seit den Anfängen herrschen bei uns gegenseitiger Respekt, Höflichkeit und die Liebe zum bizarren Bewegtbild in all seinen Facetten. Auch im abschließenden Monat der 11. Saison versuchen wir im Saal des Metropolis-Kinos wieder etwas Licht in das Dunkel unseres Ursprungs zu bringen:

Sonntag, 5.3.,14.30 Uhr: TWO EVIL EYES
I/USA 1990. Regie: George A. Romero/Dario Argento, 120 Min., 35mm, OF, mit Harvey Keitel, Adrienne Barbeau, Martin Balsam
Nach dem Genrekracher "Zombie" (1978) führte "Two Evil Eyes" erstmals die beiden Horror-Ikonen George Romero und Dario Argento wieder zusammen. Hier inszenieren sie jeweils, leicht modernisiert und in die Gegenwart verlagert, eine der Schauergeschichten Edgar Allan Poes. Während sich Romero mit einem Untoten in "Der Fall Valdemar" befasst und sich somit erneut seinem Lieblingsthema zuwendet, besticht vor allem Argentos "Die schwarze Katze" durch ihre brillante Umsetzung. Unterstützt von der schauspielerischen Glanzleistung Harvey Keitels und der handgemachten SFX-Kunst eines Tom Savinis, zog der Regisseur hier noch einmal alle Register seines Könnens und schuf ein kleines, leider chronisch unterschätztes Meisterwerk. Wir zeigen die ungeschnittene englische OF.
Text und Einführung: Mike Schimana

Sonntag, 12.3., 14.30 Uhr: PALM SPRINGS WEEKEND
USA 1963, R: Norman Taurog, 100 Min., 16mm, OF, mit Troy Donahue, Connie Stevens, Stefanie Powers
Diesen Film könnte man als Zeitdokument einer Ära ansehen. Am Osterwochenende fallen ein Haufen sehr unterschiedlicher Collegestudenten in einen kalifornischen Kurort in Yates Motel ein. Sie und ihr mürrischer Aufpasser finden sich in einer Mischung aus buntem Spektakel und Eifersüchteleien wieder. Norman Taurog, der bei mehr Elvis-Filmen Regie führte als jeder andere, geht nach seinem bewährten Rezept vor: ein munterer Spaß mit komischen und dramatischen Einlagen.
Text und Einführung: Lillian Robinson

Sonntag, 19.3., 14.30 Uhr: THE GAMBLER
USA 1974, R: Karel Reisz, 110 Min., 16mm, OF, mit James Caan, Lauren Hutton, Jacqueline Brooks
Spielen kann süchtig machen: Ein College-Professor verwettet sein ganzes Geld, bis die Buchmacher der angehäuften Schulden wegen immer ungeduldiger werden. Exzellente Charakterstudie eines zwanghaften Spielers, der sich immer weiter in die Bredouille reitet. Das Drehbuch schrieb James Toback, als Regisseur bekannt für "Finger – Zärtlich und brutal", Regie führte Karel Reisz, mit "Samstagnacht bis Sonntagmorgen" einer der ganz wichtigen Männer des englischen Free Cinema. Es gibt dann noch ein Remake gleichen Titels, 2014 besorgt von Rupert Wyatt. Aber mal ehrlich: Was ist Hauptdarsteller Mark Wahlberg schon gegen James Caan aus dem Original?
Text und Einführung: Michael Ranze

Sonntag, 26.3., 14.30 Uhr: THE KILLER
HK 1989, R: John Woo, 111 Min., OF m. engl. UT, 35mm, mit Chow Yun-Fat, Danny Lee, Sally Yeh, Chu Kong, Kenneth Tsang
Ah Jong (Chow Yun-Fat) ist ein renommierter Auftragskiller. Als er bei einem Auftrag eine Sängerin (Sally Yeh) versehentlich schwer an den Augen verletzt, möchte er sich aus dem Geschäft zurückziehen. Von Schuldgefühlen geplagt nimmt Ah Jong einen letzten Job an, um so eine Augenoperation für die Sängerin zu finanzieren. Ein Ausstieg aus dem Geschäft erscheint schließlich unmöglich, denn schon bald steht Ah Jong im Kreuzfeuer zwischen Triaden und Polizei. Eine Begegnung mit Inspektor Li (Danny Lee) hat folgenschwere Konsequenzen. John Woos von Melvilles "Le samourai" inspirierter Gangster-Thriller gilt als Meilenstein des modernen Hongkong-Kinos. Die Mischung aus tiefster Melodramatik und hyperkinetischen Actionsequenzen raubt den Atem: "Da tanzen Dutzende von Schießbudenfiguren ein bizarres Ballett, während ihre Körper mit Blei vollgepumpt werden. Weiße Tauben flattern aufgeregt durch den dichten Kugelhagel, Sterbende wälzen sich durch brennende Kerzenmeere, eine Marienstatue zerbirst nach einem Volltreffer in Großaufnahme" (Ralph Umard, Woo-Biografie). Das große Finale in einer Kirche benötigte satte 28 Tage Drehzeit, vier bis fünf Kameras im Dauereinsatz und circa 40.000 abgefeuerte Patronen. Westliche Cineasten und Filmemacher sind gleichermaßen beeindruckt, Martin Scorsese schreibt John Woo gar einen Brief der Bewunderung. Der Olymp ist bestiegen.
Text und Einführung: Jochen Oppermann


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