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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTZIGEN HÄNDEN - Claude Chabrol
BeitragVerfasst: 30.07.2012 14:30 
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Alternativer Titel: Dirty Hands
Produktionsland: Frankreich, Italien, Deutschland
Produktion: André Génovès
Erscheinungsjahr: 1975
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Claude Chabrol
Kamera: Jean Rabier
Schnitt: Jacques Gaillard
Musik: Pierre Jansen
Länge: ca. 120 Min.
Freigabe: FSK 16
Darsteller:
Romy Schneider: Julie Wormser
Rod Steiger: Louis Wormser
François Maistre: Kommissar Larmy
Paolo Giusti: Jeff Marle
François Perrot: Georges Thorent
Hans Christian Blech: Richter
Pierre Santini: Kommissar Villon
Jean Rochefort: Maître Jean Légal




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Julie ist mit einem wesentlich älteren und sehr reichen Mann namens Louis Wormser verheiratet. Als Julie den jungen Schriftsteller Jeff kennen lernt, wird sie zu seiner Geliebten. Sie wollen Louis töten um so an sein Geld zu kommen. Nachdem die Tat vollzogen wurde, taucht Louis jedoch wieder auf und Jeff ist verschwunden.

Mit angenehmen Außenaufnahmen lädt Claude Chabrol den Zuschauer zu den folgenden ca. 120 Minuten ein. Eine Zeit die es in sich hat und den Zuschauer mit den Abgründen der Seele, sowie auch der Angst vor dem Alleinsein konfrontiert.

"Es ist ungeheuerlich, du hast nicht einmal Angst."

Chabrol erzählt seine Geschichte aus dem Zentralen heraus. Nachdem eine gute Musik die Anfangscredits präsentiert werden die Hauptdarsteller vorgestellt. Der versoffene Louis Wormser, seine bezaubernde Frau Julie und deren angehender Liebhaber Jeff. Das innerhalb dieser Gemeinschaft Jemand stört ist offensichtlich und dieser Jemand soll beseitigt werden. Das sich dieses Unterfangen erst als einfach und logisch erweist lässt den Eindruck schnell in das Gegenteil torpedieren. Kleine Ungereimtheiten führen die Unschuldigen, die durchaus schmutzige Hände haben zu überraschenden Wendungen. Wendungen die dem Film die benötigte Spannung geben und den Zuschauer immer überraschen lassen. Gefühlsvortäuschung und das Ausnutzen der Lage des Anderen werden zu wichtigen Bestandteilen in Chabrols Psychothriller.

Weiterhin ist das Spiel von Romy Schneider zu erwähnen und zu analysieren. Die schauspielerisch einwandfreie Leistung zieht den Charakter Julie in den Mittelpunkt des Geschehens. Nicht allein die Aufklärung eines Verbrechens und dessen Wendungen sind nun gefragt, sondern die Person Julie Wormser. Eine Charakter der zwischen eiskalt und der Suche nach der Geborgenheit angesiedelt ist. Ein Gesichtspunkt der Chabrols Handlung um den aufzuklärenden „Mord“ ein wenig in den Hintergrund stellt. Chabrol lässt Romy Schneider den Part der Julie in allen Belangen zelebrieren. Eine Sache die beiden auf ganzer Linie gelingt. Romy Schneider kann jederzeit bestätigen, dass sie zu dem erlesenen Kreis der Ausnahmeschauspieler/ innen gehört. Die Rolle der Julie wird in jeder Sekunde glaubhaft abgenommen. Eine beeindruckende Leistung schauspielerischer Kunst.

Auch die weiteren Rollen sind sehr gut besetzt worden. Rod Steiger glänzt als Louis Wormser und Paolo Giusti als Jeff Marle. François Maistre wirkt als Kommissar Larmy in seiner nachdenklichen und taktierenden Art ebenfalls überzeugend.

Fazit: Ein sehr guter Psychothriller von Claude Chabrol, der eine großartige Romy Schneider beherbergt.

8,5/10

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTIGEN HÄNDEN - Claude Chab
BeitragVerfasst: 30.07.2012 14:48 
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Hab ich dir doch gesagt ;) Schön, das dir der Film auch so gut gefällt wie mir!

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Zensor, der - Beamter gewisser Regierungen, dessen Aufgabe es ist, geniale Werke zu unterdrücken. In Rom war der Zensor
ein Inspektor der öffentlichen Moral; die öffentliche Moral moderner Nationen verträgt jedoch keinerlei Inspektion.
(Ambrose Bierce - Des Teufels Wörterbuch, 1911)


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTIGEN HÄNDEN - Claude Chab
BeitragVerfasst: 30.07.2012 15:05 
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Klasse Stimmung innerhalb des Film, Schauspieler/ innen wie man sich das wünscht. Gute unvorhersehbare Handlung, was will man mehr.

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTIGEN HÄNDEN - Claude Chab
BeitragVerfasst: 30.07.2012 21:26 
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Gutes Euro - Kino eben, und bei einem Chabrol kann man nichts falsch machen.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTIGEN HÄNDEN - Claude Chab
BeitragVerfasst: 13.08.2012 12:26 
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Und mit Schneider in ihrer "französischen Phase" ebensowenig :D


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTIGEN HÄNDEN - Claude Chab
BeitragVerfasst: 13.08.2012 17:07 
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trainspotting hat geschrieben:
Und mit Schneider in ihrer "französischen Phase" ebensowenig :D


Absolute Zustimmung. Was ich bisher gesehen habe ist klasse.

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTIGEN HÄNDEN - Claude Chab
BeitragVerfasst: 13.08.2012 17:21 
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Was sind eigentlich schmutige Hände?


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTZIGEN HÄNDEN - Claude Chabrol
BeitragVerfasst: 03.07.2013 18:10 
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Nochmal danke an sid.vicious für diesen (Geheim-)Tip (im Blutsverwandte-Thread)! Toller, wendungsreicher Mystery-Thrill mit großartiger Besetzung. Romy ist spitze, auch wenn sie mit Chabrol Probleme hatte, und Rod Steiger kauft man seine Figur ebenfalls ab. Sehr schön auch die Nebenrollen, wie die beiden Polizisten und der aufgekratzte Winkeladvokat. Gegen Ende gibt's vielleicht einen Twist zu viel, aber das ist zu verschmerzen. Klasse!

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTZIGEN HÄNDEN - Claude Chabrol
BeitragVerfasst: 30.11.2014 12:57 
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Romy Schneider   Rod Steiger   in

DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTZIGEN HÄNDEN / LES INNOCENTS AUX MAINS SALES (1975)

mit Paolo Giusti, François Maistre, Pierre Santini, François Perrot, Henri Attal sowie Hans Christian Blech und Jean Rochefort
eine Produktion der Les Films de la Boétie | Jupiter Generale Cinematografica | Terra Filmkunst | im Verleih der Constantin
ein Film von Claude Chabrol


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»Kein schlechter Preis für die Frau, die die Nutte ihres Mannes spielt!«


Julie Wormser (Romy Schneider) sonnt sich wie üblich im Garten ihrer Villa in Saint Tropez, bis eines Tages ein gut aussehender, junger Mann auftaucht. Jeff Marle (Paolo Giusti), der ein Haus in der Nachbarschaft gemietet hat, gibt sich als Schriftsteller aus. Es dauert nicht lange, bis die beiden eine Affäre anfangen, denn Julies alkoholabhängiger und wesentlich älterer Mann Louis (Rod Steiger) hat seiner Frau in dieser Beziehung schon längst nichts mehr zu bieten. So entsteht die Idee, ihren unbequemen, aber schwerreichen Mann zu beseitigen. Der dazugehörige Plan ist schnell ausgearbeitet, denn der begeisterte Bootsfahrer Louis bietet sich förmlich für einen Unfall durch Ertrinken an. Gesagt - getan, aber das Komplott geht nicht auf. Zu viele Ungereimtheiten bringen zwei misstrauische Inspektoren auf Julies Fährte und versuchen ihr den Mord anzuhängen, doch es fehlt die Leiche und auch Jeff ist unauffindbar. Zu Julies Entsetzten ist Tage zuvor auch noch das gesamte Vermögen ihres Mannes von der Bank abgehoben worden und ebenfalls spurlos verschwunden. Die Situation spitzt sich mehr und mehr zu bis die mittlerweile verzweifelte Frau vor dem Untersuchungsrichter Landet. Doch ein ausgekochter Anwalt kann in letzter Minute die Einstellung des Verfahrens erwirken. Julie ist frei. Zu Hause angekommen wartet jedoch die nächste böse Überraschung auf sie. Ein langer Weg durch die Hölle kann beginnen...

Claude Chabrol, einer der ganz großen Vertreter des französischen Films, inszenierte diese französisch-italienisch-deutsche Co-Produktion mit beachtlicher Star-Besetzung. Sein Wunsch Romy Schneider zu besetzen, wurde mit der Zusage der Schauspielerin gekrönt, aber das Endergebnis soll keine globale Zufriedenheit hervor gerufen haben. Es ist überliefert, dass Claude Chabrol und Romy Schneider zusammen nicht gut funktioniert haben sollen. Sie fühlte sich vor der Kamera von ihrem Regisseur alleine gelassen. Als der Film in die Kinos kam, wurde er sowohl von der Kritik, als auch von den Zuschauern nahezu ignoriert und avancierte schließlich zum relativen Misserfolg, was für diese Produktion mit ihren überdurchschnittlichen Grundvoraussetzungen mehr als erstaunlich war. Die Story des Films bietet genügend Grundlage für einen raffinierten Thriller, Besetzung und Crew standen für einen potentiellen Brillantschliff bereit, aber es sollte doch anders kommen. Die zunächst ambitionierte, beziehungsweise logisch wirkende Geschichte verliert sich erstaunlich oft in Unwahrscheinlichkeiten und es entstanden einige eckig wirkende Passagen, die nach einer Art Spannungsausgleich suchen. Wahrscheinlich ist das Projekt letztlich wirklich an der mangelnden Interaktion der Beteiligten auf dem Papier gescheitert, obwohl man es mit einem hochgradig sehenswerten Film zu tun hat.

Romy Schneider beklagte sich vielerorts über "Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen" und vor allem über das aneinander Vorbeiarbeiten zwischen ihr und Claude Chabrol. Viele kritische Stimmen warfen ihr unterm Strich Ausdruckslosigkeit vor und dass sie eine gewisse Lustlosigkeit transportiert habe. Tatsächlich wirkt ihre Interpretation vergleichsweise launisch, doch man muss sich fragen, ob es eher an den vielen zynischen Elementen ihrer Rolle liegt. Wo sie sich als Femme fatale glaubwürdig darstellt und auch funktioniert, kommen ihr im Verlauf des Films ihre zahlreichen, nicht nachvollziehbaren Kehrtwendungen allerdings weniger zu Gute. Die berechnende Julie wirkt unsympathisch und wird es auch bleiben. Hier bekommt man merkwürdig wenig von Romy Schneiders Fähigkeit geboten, jeden noch so zwielichtigen Charakter mit Charme, Feuer und Identifikationspotential auszustatten. Man sieht eine Frau, der man insbesondere im weiteren Verlauf nur wenige dargestellten Gefühle (ob Hass, Wut, Verzweiflung, Zuneigung, Bedrängnis oder Besorgnis) mehr abnehmen möchte. Jedoch wirkt Romy Schneider nicht blass und rechtfertigenderweise kann man betonen, dass die im Grunde genommen befremdlich wirkende Anlegung der Rolle aufgeht. Sie dominiert jede Großaufnahme mit auffälliger Kälte und lässt sich kaum zu einer Gefühlsregung hinreißen. Ob das nun so gewollt war, oder ihre vermeintliche Langeweile ausdrücken sollte, ist nur persönlich zu beurteilen. Mir bleibt eine Leistung in Erinnerung, die wenig mit ihrem Facettenreichtum im Spektrum ihrer exzessiv dargestellten Gefühle zu tun hatte und gerade daher nicht uninteressant erscheint. Eine Frau, die den Blick der Medusa anwendet, ein Charakter, der zweifelhafter nicht sein könnte und ausnahmsweise mal nicht besonders greifbar erscheint, ist nicht zwingend eine desinteressierte oder müde, sondern eine wie üblich faszinierende Romy Schneider, die in einer seltsamen Art und Weise nicht zu ordnen ist. Nicht unerwähnt bleiben soll außerdem, dass die Kamera hier nochmals die außergewöhnliche und zeitlose Schönheit der Schauspielerin hervorzuheben wusste.



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Der Amerikaner Rod Steiger als Louis Wormser stellt sich hier als glückliche Wahl für das notwendige Pendant heraus. Von allen Beteiligten stattet er seinen Charakter mit am meisten mit Tiefe aus und wirkt als Alkoholiker, und von Komplexen und Selbstzweifeln zerfressener Mann mit funktionellem Problem beinahe frappierend authentisch. Sein gesetztes Gesicht dokumentiert die Angst, seine viel jüngere Frau nicht halten zu können, ihr nicht zu genügen und ihn plagen Versagensängste, die er materiell auszugleichen versucht, was sich neben dem Ekel seiner Frau in seinen trüben Augen widerspiegelt. Die Spannung, die zunächst nur vage in der Luft liegt, spitzt sich in überaus sarkastischen Dialogen zu, bis sich schließlich ein Rollentausch andeutet. Doch verlassen kann man sich in dieser Szenerie auf Nichts und Niemanden. Der weniger bekannte Paolo Giusti als Louis' Nebenbuhler und Julies Liebhaber wirkt und bleibt oberflächlich. Sein Jeff Marle scheint zu keinem Zeitpunkt so intelligent und daher auch fähig zu sein, einen raffinierten Plan auszuarbeiten, geschweige denn zu verwirklichen. Er hinterlässt einen geradezu triebigen und leicht berechenbaren Eindruck, so dass er dem Zuschauer gerade in den Bereichen Skrupellosigkeit und Rücksichtslosigkeit nicht überzeugend genug vorkommt. Zumindest seine optische Erscheinung überzeugt, so dass es gut nachzuvollziehen ist, warum gerade er bei Julie landen konnte. Die restlichen Darsteller liefern des Weiteren sehr überzeugende Darbietungen ab, wobei man sich bei einen co-produzierten Terra-Film vielleicht noch ein, zwei bekannte deutsche Schauspieler mehr gewünscht hätte. Eigentlich kommt einem das stellenweise sehr isoliert anmutende Schauspiel dem Konzept des Films in eigenartiger Weise zu Gute.

Ein sogenannter Flop bei Kritik und Zuschauern muss nicht zwingend einen misslungenen Film darstellen. Vermutlich war es die hohe Erwartungshaltung bezüglich des Duos Chabrol/Schneider, die das Projekt durchfallen ließen, weil es nicht zu erwarteten, frenetischen Jubelchören kam. Davon isoliert betrachtet, hat man es jedenfalls mit einem sehr unterhaltsamen und durchaus intelligenten Psycho-Thriller zu tun, der seinen Spannungsmoment abseits betörender Schauwerte aufzubauen versucht. Vieles hier wirkt ungewöhnlich, aber gleichzeitig unkonventionell genug, um die Handlung ins Ziel zu bringen. Klassische Elemente und die stilvolle Inszenierung fesseln auf eine ganz eigene Art und Weise. Dabei bedient sich das Drehbuch ganz offenkundiger Vorhersehbarkeit und empfunden einfacher Verschachtelungen, um in den richtigen Momenten vollkommen gegensätzlich zu erscheinen und damit lüstern zu dokumentieren, dass er den Zuschauer aufs Glatteis geführt hat. Somit ist es der Regie gelungen, die Handlung immer wieder zu forcieren. Die Grundhaltung des Szenarios ist überaus düster, unbehaglich und manchmal sogar geheimnisvoll, grelle Farben und sonnenüberströmte Settings gehen ein interessantes Wechselspiel mit Dunkelheit und Schattierungen ein. Die Musik von Pierre Jansen bleibt hingegen leider durchschnittlich, leistet daher nicht ausreichend Schützenhilfe. Gute Einfälle zeigen sich in Form der hochwertigen, sehr zynischen Dialoge, auch das ungleiche Kommissaren-Paar wirkt vehement-erfrischend, aber vor allem Julies Anwalt, der sie zwar erfolgreich verteidigt, aber vollkommen verachtet, zeigt sich in Höchstform. Das Finale ist in mehrere Etappen eingeteilt und vermittelt durch Twist-an-Twist letztlich eine gewisse Unsicherheit. Im Ganzen kann man bei "Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen" von guter Unterhaltung sprechen und vielleicht von einem Film, dem die hohe Erwartungshaltung zum Verhängnis wurde. Mich persönlich hat die edle, extravagante Umsetzung, eine hier verhältnismäßig seltsam wirkende, aber wie immer faszinierende Romy Schneider und das abwechslungsreiche Konzept des Film überzeugt. Eines der außergewöhnlichsten Highlights ist übrigens der Ort des Geschehens: Gedreht wurde dem Vernehmen nach in der Luxusvilla von Elsa Martinelli.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTZIGEN HÄNDEN - Claude Chabrol
BeitragVerfasst: 24.09.2015 18:23 
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Wieder einmal ein hervorragender Psychothriller, wie er wohl nur aus Frankreich kommen kann.
Zu Beginn wird eine Romy Schneider präsentiert, die nackt in der Sonne liegt.
Einladende Bilder also, die jedoch in völligem Gegensatz zu dem stehen, was wir in den folgenden zwei Stunden zu sehen bekommen.
Sie lassen einen lockeren, unbeschwerten Film erwarten; seichte Unterhaltung also.
Aber der Schein trügt, denn wenn die einzelnen Charaktere vorgestellt werden, tun sich die wahren Intentionen des Regisseurs auf.
Denn Julie (Romy Schneider) ist so gar nicht glücklich in ihrem Leben.
Ihr Ehemann Louis (Rod Steiger) ist ein Säufer und Impotent auch noch dazu und sie weiß nicht mehr, was sie mit ihm anfangen soll.
Da kommt Jeff (Paolo Giusti) gerade recht, denn mit ihm gemeinsam schmiedet sie einen Plan, um Louis aus dem Weg zu räumen...
Und spätestens jetzt ist klar: Das ist kein "leichter" Film, sondern ein Blick in die dunklen Ecken der menschlichen Seele.
Dabei wird Julie in den Mittelpunkt gerückt, eine Frau, die angesichts des Zustandes ihres Ehemanns, in eine Affäre flüchtet, in der sie jedoch auch bald nicht mehr das Glück findet, sondern noch tiefer hineinrutscht in ein Leben voller Verzweiflung, Angst und Unsicherheit.
Und genau auf dem Charakter der Julie bzw. der schauspielerischen Leistung von Romy Schneider liegt der ganze Film.
Alle anderen, seien es Louis, Jeff oder der berechnende, taktierende Kommissar mit seinem Assistenten, sind zwar ebenfalls interessant angelegt und zweifellos sehr gut gespielt, aber sie alle sind lediglich als Komplettierung des Ensembles, als Stützpfeiler für die Atmosphäre und die Spannung zu sehen.
Denn hauptsächlich geht das alles von Julie aus.
Aus diesem Charakter und dessen Darstellung von Romy Schneider bezieht der Film Spannung und die Atmosphäre wird dadurch noch verstärkt.
Ich sehe diesbezüglich auch gewisse Ähnlichkeiten zu DIE TEUFLISCHEN, zur Figur von Vera Clouzot und ihrer Stellung in jenem Film; das allerdings nur als kleine Anmerkung am Rande.
Musik ist hier überraschenderweise gar nicht so wichtig, wie man vielleicht glauben könnte, aber natürlich trotzdem sehr gelungen und passend, wenn sie eingesetzt wird.
Denn auch die wirkt doch in gewisser Weise unterstützend, wirkt ebenfalls (wie eben auch der Charakter der Julie) irgendwie geheimnisvoll, und trägt mitunter schon auch sehr zum Spannungsaufbau bei.
Abseits von alldem sollte aber auch die Villa nicht unerwähnt bleiben, in der Julie wohnt.
Zwar nicht bunt, aber auf eigene Weise sehr schön eingerichtet und so gewinnt der Film auch dadurch noch etwas.

Fazit: Unbedingt sehenswerter Psychothriller nach unnachahmlicher französischer Art mit einer wunderbaren Romy Schneider.
8,5/10


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