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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 17.08.2011 20:36 
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NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD („Nove ospiti per un delitto“, Italien 1977) R: Ferdinando Baldi

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Schweinkram mit der Schwägerin

Der reiche Patriarch Ubaldo (Arthur Kennedy) fährt mit seinen drei Söhnen und dessen Ehefrauen auf eine einsame Mittelmeerinsel, um dort im trauten Familienkreis ein paar beschauliche Urlaubstage zu verbringen. Mit der Harmonie im Sippengefüge ist es jedoch nicht weit her: Die Brüder hassen sich untereinander und spannen sich mit Vorliebe gegenseitig die Gattinnen aus, die ihrerseits aus Säuferinnen, Huren und nervlichen Wracks bestehen. Das lustige Ehebrechen wird jedoch jäh unterbrochen, als der erste Tote auftaucht. Scheinbar treibt ein mysteriöser Mörder auf dem Eiland sein Unwesen. Als die Leichen sich häufen und die Nerven der Familienmitglieder zunehmend blankgelegt werden, kommen stückweise auch die grausamen und schmutzigen Geheimnisse aus der Vergangenheit ans Licht…


Zunächst war die Überraschung groß, die spätere Freude umso größer: Bei dem in Deutschland nahezu unbekannten NOVE OSPITI PER UN DELITTO von Ferdinando Baldi (dessen Western BLINDMAN ich bislang für seinen besten Film hielt) handelt es sich um einen ganz ausgezeichneten Giallo. Ich hatte, ehrlich gesagt, nicht allzu viel von dem Film erwartet – allenfalls einen handfesten Sleaze-Giallo mit viel nackter Haut, der angenehm zu unterhalten weiß. All dies trifft auf NOVE OSPITI auch rundum zu, zumindest in den ersten 20 Minuten. Dann entwickelt sich die Story jedoch zu einem mörderisch spannenden und mitunter recht blutigen Thriller, der sämtliche Register zieht.

Bereits der Prolog hat es faustdick hinter den Ohren und ist meisterlich gemacht: In stark weichgezeichneten Bildern sieht man ein weißgekleidetes Liebespaar am romantischen Sandstrand, das von einer Handvoll Männern mit Schrotgewehren überrascht wird. Wir werden unfreiwillig Zeuge eines kaltblütigen Lynchmords: Der junge Liebhaber versucht zu fliehen, wird jedoch von mehreren Schüssen brutal niedergestreckt. Danach zerrt man ihn in ein flüchtig ausgehobenes Grab und verscharrt den Schwerverletzten bei lebendigem Leibe. Die gesamte Szene läuft in völliger Stille und ohne Musik ab – die einzigen Begleitgeräusche sind die Brandung, der Wind und die donnernden Schüsse…Puh, starker Tobak!

Im ersten Drittel des Films werden zunächst einmal die Charaktere eingeführt und ihre komplexen Beziehungen zueinander seziert – recht schnell merkt der Zuschauer, dass der Familiensegen Schieflage hat. Dem alternden Sippenoberhaupt Ubaldo entgleitet der Einfluss auf seine Söhne zusehends, zumal er kränkelt. Seine dreißig Jahre jüngere Gemahlin/Gespielin Giulia (Caroline Laurence) kümmert sich zwar – scheinbar! – rührend um ihn, wird jedoch von den anderen misstrauisch beäugt. Die junge Schlampe hat es doch nur auf das Vermögen des Alten abgesehen, so die familieninterne Meinung. Vor allem die drei Söhne befürchten, dass ihr Vater sie aufgrund ihres mannigfaltigen Versagens als Stammhalter enterbt haben könnte. Dies nicht ganz ohne Grund: Lorenzo (John Richardson) ist ein Schlappschwanz, der nicht raucht und trinkt und lieber angeln geht, als seine heißblütige Gattin Greta (Rita Silva) zu befriedigen, die keine Gelegenheit auslässt, ihn vor den Augen aller zu demütigen. Sie wälzt sich lieber mit ihrem Schwager Walter (Venantino Venantini) zwischen den Laken, oder besser gesagt, lässt es sich am hellichten Tag auf der Terrasse besorgen, während Lorenzo und Walters Frau Patrizia (Loretta Persichetti) zusehen müssen. Die anzufassen verspürt Walter keine Lust mehr, was man ihm nicht gänzlich verübeln kann – Patrizia ist nämlich etwas wunderlich. Sie behauptet, „Stimmen“ zu hören, die sie vor übersinnlichen Gefahren warnen und legt den ganzen Tag Tarotkarten, wenn sie nicht gerade literweise J&B-Whisky in sich hinein kippt. Saufen, Kette rauchen und mit Schrotflinten hantieren, das ist auch die Spezialität des zweitältesten der Brüder, Michele (Massimo Foschi), denn er ist ein ganzer Mann. Seine Ehefrau Carla lässt ihn zwar kalt, dafür geraten seine Säfte aber bei Giulia in Wallung – einen Umstand, den er selbst vor seinem Vater nur mühsam verbergen kann. Des Nachts ferkeln die beiden dann auch ausgiebig miteinander, und zwar mitten im ehelichen Schlafzimmer, wo Carla nebenan liegt und alles mit anhören muss. Sittenverfall und Unzucht feiern also fröhliche Urständ auf dem Inselparadies. Die Verkommenheit seiner Protagonisten dokumentiert Baldi, indem er dem Zuschauer sattsam nackte Haut präsentiert. Da wird gerödelt und geknattert, dass es nur so eine Art hat. Jeder mit jedem, übereinander, untereinander. Und wer zu kurz kommt, befriedigt sich selbst (angenehmerweise handelt es sich dabei um die attraktive Loretta Persichetti) mit Stöckelschuhen und im durchsichtigen Strandkleid unter der Dusche. Es wird also mit Lust auf die Sleazetube gedrückt, zur großen Wonne des Betrachters – denn die Damen sind allesamt ansehnlich. Alle, bis auf vielleicht Tante Elisabetta (Dana Ghia), Ubaldos Schwester, eine alternde Jungfer, die bereits ein paar Schrauben locker hat. Ständig faselt sie von einem Fluch, von bösen Träumen und von einem gewissen „Charlie“, der wiederkommen werde um grausame Rache zu nehmen…

Auf einer tieferen Ebene greift der Film hier natürlich ein beliebtes und weit verbreitetes Motiv des Giallo auf: Die schonungslose Bloßstellung der reichen, dekadenten Oberschicht als moralisch verkommene Subjekte, die ihr gesamtes Handeln lediglich der egoistischen Befriedigung der eigenen Triebe und Gelüste unterordnen und dabei bereit sind, über Leichen zu gehen. Unter der idyllischen Fassade der heiligen Institution „Familie“ (besonders im erzkatholischen Italien!) gärt die Fäulnis, und die Geldgier der Aasgeier wird nur noch von ihrer Geilheit überboten.
Hier ist wirklich jeder des anderen Wolf, man belauert und misstraut sich gegenseitig, erniedrigt sich, wo es nur geht und denkt nur an den eigenen Vorteil. Freilich gibt dies Anlass für reichlich Zündstoff, als sich die ersten Morde ereignen und das Ferienparadies zum Haifischbecken wird.
Die Morde, die in ihrem Einfallsreichtum und der praktizierten Brutalität mitunter schon in Slasher-Gefilde eintauchen, werden stilgerecht mit schwarzen Handschuhen und unter Einsatz der subjektiven Kamera durchgeführt – hierbei erweist Baldi sich als Traditionalist. Sehr reizvoll, weil außergewöhnlich, ist das Setting: die idyllische Mittelmeerinsel mit ihren weißen Postkartenstränden, dem tiefblauen Meer und den pittoresken Sandsteinfelsen steht im krassen Kontrast zur inneren Verderbtheit ihrer Besucher und den finsteren Geheimnissen, die im Verlauf des Films ans Licht gefördert werden. Paradise lost: Aus der Urlaubstraum!

Eine solche Geschichte funktioniert natürlich nur mit einem erstklassigen Ensemble, und hierin liegt die wahre Stärke von NOVE OSPITI. Besonders die Besetzung der männlichen Rollen kann man als Glücksgriff bezeichnen, denn hier geben sich einige gestandene Charakterdarsteller ein Stelldichein. Hollywood-Veteran Arthur Kennedy verdingte sich in zahllosen amerikanischen Filmproduktionen, bevor er sein markantes Konterfei in etlichen italienischen Genrebeiträgen verewigte – am bekanntesten dürften seine Auftritte als Priester in Alberto de Martinos SCHWARZE MESSE DER DÄMONEN und sein unsterblicher Kommentar als grantiger Inspektor in DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN sein. („Ihr seid alle gleich, ihr ungewaschenen, verkommenen Langhaarigen, angezogen wie Schwule, Drogen, Sex – fähig zu jeder Schweinerei!“)
Großartig ist auch Massimo Foschi als Michele, dem seine überschäumende Männlichkeit zum Verhängnis wird. Man kennt ihn vor allem aus Umberto Lenzis MONDO CANNIBALE 2. Über Valentino Valentini muss man in Gegenwart von Italo-Filmfreunden eigentlich kein Wort mehr verlieren: Der markante Darsteller hat in unzähligen Produktionen der 70er und 80er Jahre mitgewirkt, wovon die Fulci-Kracher SYNDIKAT DES GRAUENS und EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL die bekanntesten sein dürften. Auch bei Baldis nachfolgender Sleaze-Granate HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS war er wieder mit an Bord. Den Höhepunkt des männlichen Casts stellt jedoch John Richardson dar, dessen Charakter Lorenzo sich vom bebrillten Weichei zum fast schon psychopathischen Egoisten mit fein gezeichneten Nuancen entwickelt. Richardson ist ebenfalls ein Stamm-Mime im Italokino, der sich seine Meriten bereits bei Mario Bavas DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT verdiente. Später sah man ihn u.a. in DJANGO – DIE BIBEL IST KEIN KARTENSPIEL, FRANKENSTEIN `80 oder LABYRINTH DES SCHRECKENS. Zum Giallo kehrte er 1981 mit Riccardo Fredas Spätwerk MURDER OBSESSION zurück.
Aber auch die weibliche Besetzungsliste weiß zu gefallen, nicht nur aufgrund ihrer körperlichen Vorzüge. Die aparte Sofia Dionisio (die hier als Flavia Fabiani agiert) sammelte bereits Giallo-Erfahrungen mit Tonino Valeriis MIO CARO ASSASSINO und fuhr bei Deodatos EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN mit. Bei ASSASSINO spielte auch Dana Ghia, die außerdem bei BLUTSPUR IM PARK mitwirkte und die Mutter von Nicoletta Elmi in IL MEDAGLIONE INSANGUINATO gab. Sie legt in NOVE OSPITI eine besonders beeindruckende Performance hin, die ihren langsamen Abstieg in den Wahnsinn mit manischem Glucksen und Kichern illustriert. Die hübsche blonde Französin Caroline Laurence absolviert ihren erst zweiten Filmauftritt, weiß als eiskaltes Luder Giulia aber durchweg zu überzeugen. Später war sie bei einigen EMANELLE-Vehikeln mit an Bord, an der Seite von Sylvia Kristel. Abgerundet wird der sündige Schlampenstadl von Loretta Persichetti, die bereits bei Tinto Brass‘ SALON KITTY Erfahrungen mit sich-nackig-machen sammelte und in NOVE OSPITI als esoterisch verwirrte Alkoholikerin Patrizia brilliert.

Aber erfreulicherweise kann der Film auch auf formaler und technischer Ebene punkten. Hervorragend ist vor allem die Bildgestaltung von Sergio Rubini, der ein sicheres Händchen für die Stilmittel des Giallo beweist, sowohl Kamera als auch Ausleuchtung betreffend. Im Laufe der Handlung beginnt die Bildführung, die anfänglich noch von visueller Harmonie und Blick für’s Weite geprägt ist, zunehmend klaustrophobischer und beengender zu werden.
Eine erwähnenswerte Leistung ist auch das enorm dicht gestrickte und handwerklich solide Script von Fabio Pittorru, der neben etlichen anderen Genreproduktionen auch für die tollen Emilio Miraglia-Gialli LA DAMA ROSSA UCCIDE SETTE VOLTE und LA NOTTE CHE EVELYN USCI DALLA TOMBA verantwortlich zeichnet. Zwar bedient er sich für die „Zehn kleine Negerlein“-Story recht freimütig bei Agatha Christies Geschichte AND THEN THERE WERE NONE und dem Mario Bava-Vorbild 5 BAMBOLE PER UNA LUNA D’AGOSTO, aber das gilt für zahllose Gialli bzw. Slasher und stört keinen großen Geist. Für die feingeschliffene Zeichnung von Charakteren hat er jedenfalls ein sauberes Auge und legt seinen Figuren einige hübsch bösartige Dialoge in den Mund.
Der minimalistische Ohrwurm-Score von Carlo Savina (der vor allem im Western tätig war und die Musik zu FÜNF BLUTIGE STRICKE und SATAN DER RACHE komponierte) glänzt über weite Strecken mit Abwesenheit und räumt der Meeresbrandung und dem entnervenden Windgeheul viel Platz ein, wenn er aber mal einsetzt, ist es stets sehr effektiv.

Woher der Film seinen deutschen Titel NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD bezieht, ist nicht ersichtlich (zumal es korrekterweise „Neun Gäste für ein Verbrechen“ heißen müsste), da er in Deutschland weder als Kino- noch als VHS-Auswertung vorliegt. Der Filmfan ist gezwungen, auf die italienische DVD von Surf Video/Cecchi Gori zurückzugreifen, die lediglich O-Ton ohne Untertitel aufweist, dafür aber mit guter Bildqualität glänzt. Obschon Baldis Kleinod nicht an die Giganten des Genres heranreicht – zu den Argentos und Martinos fehlt ein kleines Stück – darf man NOVE OSPITI dennoch getrost zur Speerspitze italienischer Thriller-Unterhaltung zählen. Hier liegt endlich mal ein – sträflich vernachlässigter! – Film vor, für den es sich lohnen würde, eine deutsche Synchronisation herzustellen und zu veröffentlichen.
Eine flehentliche Bitte sei hiermit an die betreffenden Labels ausgesprochen!

Um endlich zum Fazit zu kommen: NOVE OSPITI PER UN DELETTO ist ein zum Teil herrlich sleaziger, zum Teil enorm zynischer und blutrünstiger Schuld-und-Sühne-Giallo der Sonderklasse, den kein Genrefreund sich entgehen lassen sollte.

In Zahlen: 8 von 10.

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 18.08.2011 00:09 
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Liest sich mal wieder vorzüglich dein Review, Diabolik! 8-)
Aber italiano ohne subs??? Grmpf! Da muss ich leider passen - bei solch guten Streifen (n Trasher wär ja keen Problem, wa, aber so... :cry: ).

BTW
Das Covermotiv ist ja mal Eyecandy-Zuckerschock-deluxe!!! :o 8-)

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 18.08.2011 07:38 
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In den weiten des Netzes gibt es den auch mit engl. Fansubs...

In der Tat aber ein schönes Review, Diabolik. Der Film lohnt sich auf ganzer Linie. Fabelhaft besetzt, mit jeder Menge 'plauschiger Momente' auf einsamer Insel! :lol:


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 19.08.2011 01:24 
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Ah schön, der Diabolik ist wieder am Schreiben! :)

Aber wieso liegt hier "endlich" mal ein "sträflich vernachlässigter" Film vor, bei dem sich eine dt. VÖ lohnen würde? Italo-Streifen, auf die das zutrifft, gibt es doch noch mehr als genug. Wer meint, die sehenswerten Klassiker sind langsam alle abgegrast (diese Aussage will ich dir jetzt nicht unterstellen), der gräbt nur nicht tief genug! 8-)

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PostPosted: 19.08.2011 11:53 
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Ach, das hab ich nur geschrieben, weil's so schön melodramatisch klingt...
Ich denke bei jedem Italofilm, den ich 'entdecke' und den es noch nicht in Deutschland zu kaufen gibt, es handle sich "endlich" um einen "sträflich vernachlässigten"! :D

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 19.08.2011 12:39 
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Ein absolut fantastisches Plakatmotiv wie wir finden! Letztes Jahr standen wir nach einigem Hin und Her kurz vorm Vertragsschluß bzgl. NINE GUESTS... ließen es dann aber doch (erst einmal?) bleiben wg. der fehlenden dt. Synchro und da wir kurz davor mit HORROR-SEX gerade einen anderen Baldi-Schinken brachten.

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Last edited by Camera Obscura on 23.10.2013 10:12, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 19.08.2011 12:41 
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Woher stammt dann der deutsche Titel?


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 19.08.2011 12:48 
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ugo-piazza wrote:
Woher stammt dann der deutsche Titel?


Das frage ich mich ja auch. Der Film ist zwar unter dem Titel in der OFDb gelistet, es existiert aber keine Kino- oder VHS-Auswertung. Ein Fake-Titel?

Camera Obscura wrote:
Letztes Jahr standen wir nach einigem Hin und Her kurz vorm Vertragsschluß bzgl. NINE GUESTS... ließen es dann aber doch (erst einmal?) bleiben wg. der fehlenden dt. Synchro und da wir kurz davor mit HORROR-SEX gerade einen anderen Baldi-Schinken brachten.


Sehr schade. Vielleicht ändert ihr ja mal eure Meinung. :)

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 21.08.2011 02:50 
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Diabolik! wrote:
Ach, das hab ich nur geschrieben, weil's so schön melodramatisch klingt...
Ich denke bei jedem Italofilm, den ich 'entdecke' und den es noch nicht in Deutschland zu kaufen gibt, es handle sich "endlich" um einen "sträflich vernachlässigten"! :D

Okay, verstehe. Ein bisschen gesunder Übereifer kann beim Anpreisen rarer Perlen nie schaden! :mrgreen:

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 21.08.2011 16:10 
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So, gestern gesehen diese kleine fiese Giallo-Perle.
Diabolik hat's ja schon perfekt auf den Punkt gebracht und ich kann ihm nur nachdrücklich beipflichten: der Film lohnt sich! Kein Giallo-Fan dürfte von diesem Film enttäuscht werden.
Besonders gelungen fand ich das Ende. Ohne viel spoilern zu wollen, aber sowas sieht man heutzutage leider nicht mehr.

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 13.12.2011 22:31 
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Schätzte ich Signore Baldi schon immer wegen seiner Menge an guten, unterhaltsamen und teils auch sehr bizarren Western hat es nun einer seiner wenigen Thriller geschafft in meiner persönlichen Baldi Bestenliste definitiv unter die ersten 3 zu drängen - wenn dies nicht sogar sein bester Film überhaupt ist!
Doch fangen wir von vorn an, merke, es gibt sie, die sardinische Blutrache! Dies ist zwar der Titel eines anderen Films doch die Rache ist immer dieselbe, nimmst du dir ein fremdes Weib bekommst du Besuch von Gevatter Hein. So geschehen auf einer sardinischen Insel einem Jüngling im Vorspann des Films, während dem Sex kommt der Gevatter vorbei in personna von 4 Personen, die Kamera zeigt uns da nur die Beine und ihre Gewehre, und schon ist der Stecher abgeknallt und im Sand verschart.
Just dies ist die Insel auf der Ubaldo (Arthur Kennedy) ein Anwesen besitzt und 20 Jahre nach diesem Vorfall einen Familienurlaub unternimmt. Das in dieser Famiglia der Haussegen etwas schief hängt bekommen wir schon bei der Bootsanfahrt mit, Papa Ubaldo mit seinen drei Söhne Walter (Venantino Venantini), Michele (Massimo Foschi) und Lorenzo (John Richardson) sowie ihren 3 Gattinen. Der Ton ist rüde, die Stimmung gereizt und auf der Insel angekommen das Fleisch schnell willig und irgendwie hat jeder der Damen Sex mit wem anderen ausser dem eigenen Mann.
Währenddessen sich auf der Insel die familiären Dinge entwickeln schlägt ein geheimnisvoller Killer zu und rafft die 2 Mann Crew auf Papa Ubaldo´s Jacht dahin. Als die erste Person der Familie Carla verschwindet ist die Stimmung nicht mehr ganz so entspannt und die Angst wie auch der Killer geht um……..
Ich hab die Handlung jetzt absichtlich abgewürgt um euch soviel Vorfreude wie nur möglich auf diesen Film zu lassen. Ich kann euch versprechen freut euch auf ein Meisterwerk von einem Film. Wer glaubt Giallos müssen in einer Stadt wie Rom oder Mailand spielen und die Spannung braucht die Dunkelheit oder zumindest die Nacht der täuscht sich. Baldi hat hier einen gefinkelten, extrem spannenden Giallo inszeniert, auf kleinstem Raum (Insel, Haus) und bei hellem Sonnenschein. Das funktioniert hervorragend und wird gestützt von einem tollen Cast sowie einem hervorragendem Score von Carlo Savina. Irgendwie erinnert das auch an Agatha Christies „And then there were none“ Geschichte, also die 10 kleinen Negerlein nur halt heftiger, sleaziger, italienischer.
Eine rundum grandiose Perle von italienischem Genre Kino mit viel Spannung, Blut und nackter Haut, toller Kameraführung und überzeugenden Darstellern. Locker 9 /10 Gästen für den Tod.

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 15.03.2012 21:47 
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Hier ist der komplette Film, der ist wirklich ziemlich spannend und peppt das Thema mit ordentlich Nackter Haut auf ! :D

Dieser Film verdient auch eine Deutsche DVD Veröffentlichung, dieser Channel auf You Tube hat auch einige andere Giallo Perlen.

Gruß,

Der New York Ripper


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 04.02.2013 15:01 
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Ich durchstöbere gerade youtube auf der Suche nach Perlen der Film"kunst"- hier ist der aktuelle Link zu dem Film mit Fansubs: sehr sehenswert, geiler sleaziger Film :231:
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PostPosted: 25.02.2014 13:17 
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Qualitativ ist die VÖ von CO top, leider kann der Film da meiner Meinung nach nicht ganz Schritt halten. Vielleicht zündet er bei der 2. Sichtung mehr. Nicht schlecht, hat mich aber (zumindest beim 1. Anlauf) nicht vom Hocker gerissen ...


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 25.02.2014 13:38 
Der Film ist bei mir auch bald dran. Hoffentlich komme ich am Wochenende dazu.
Bei allzu viel Sleaze bin ich ein bißchen skeptisch.


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 26.02.2014 12:49 
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Ein kurzweiliger Film welcher sicher zu den sleazigeren des Genres gehört. Gefiel mir sehr viel besser als zB. der lahme "Frauen bis zum Wahnsinn gequält". Ein großes Lob wieder für die Extras, besonders das Interview im Booklet mit Giovanni Licheri. Haha einfach mal paar Crewmitglieder in den Credits dazu addiert um den Staat abzuzocken. So muss das :)


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 26.02.2014 17:26 
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rage wrote:
Gefiel mir sehr viel besser als zB. der lahme "Frauen bis zum Wahnsinn gequält".


... der gefiel bzw. gefällt mir wiederum sehr gut. Ein Paradebeispiel für einen Giallo mit grandioser Musik. So verschieden sind halt die Geschmäcker ;)


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 26.02.2014 17:34 
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rage wrote:
Ein kurzweiliger Film welcher sicher zu den sleazigeren des Genres gehört. Gefiel mir sehr viel besser als zB. der lahme "Frauen bis zum Wahnsinn gequält". Ein großes Lob wieder für die Extras, besonders das Interview im Booklet mit Giovanni Licheri. Haha einfach mal paar Crewmitglieder in den Credits dazu addiert um den Staat abzuzocken. So muss das :)


Irgendwie war mir klar das Solche Aussagen kommen werden. Bei Orginalem Titel und dadurch anderer Erwartungshaltung hätte der Film bei dir vielleicht besser abgeschnitten. Oder?

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 26.02.2014 18:36 
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reggie wrote:
rage wrote:
Ein kurzweiliger Film welcher sicher zu den sleazigeren des Genres gehört. Gefiel mir sehr viel besser als zB. der lahme "Frauen bis zum Wahnsinn gequält". Ein großes Lob wieder für die Extras, besonders das Interview im Booklet mit Giovanni Licheri. Haha einfach mal paar Crewmitglieder in den Credits dazu addiert um den Staat abzuzocken. So muss das :)


Irgendwie war mir klar das Solche Aussagen kommen werden. Bei Orginalem Titel und dadurch anderer Erwartungshaltung hätte der Film bei dir vielleicht besser abgeschnitten. Oder?


Das hat doch nichts mit dem dt. Titel zu tun; der Film ist einfach langweilig!
Nicht jede italienische Produktion aus den 70ern ist Gold.


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 26.02.2014 18:49 
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Das macht schon was aus finde ich, ob ein Film mit zum Wahnsinn gequälten Frauen angepriesen wird , oder als Zug in die Nacht. Oder etwa nicht??

Bei dem reisserischen Titel erwartet man ja nicht unbedingt nen Lahmen film und ist umso enttäuschter.

ps. ich finde ihn nicht Lahm ;)

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 26.02.2014 19:23 
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Nene, der Titel hatte überhaupt keinen Einfluß drauf, da wage ich mal von mir zu behaupten bin ich schon zu abgebrüht dafür. Die Story war einfach lahm und das ende wahrscheinlich eines der konstruiertesten, absolut dem Zufall und Glück überlassensten das ich jemals gesehen habe. Und auch das könnte ich noch verzeihen wenn wenigsten der Rest gestimmt hätte. Spielte der net au in Spanien? Die atmo fand ich, viel leicht auch deswegen, net überragend. Hab noch neb anderen Ercoli Giallo gesehen, welcher mir auch nicht gefiel ... Könnte also sein das mir sein stil net zusagt. Tja man kann nicht alles mögen. Immerhin sind die VÖs super. :)


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 23.03.2014 01:18 
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Ein Giallo, der mit einer kleinen Insel als Schauplatz aufwartet - mal was anderes, da kommt gleich Urlaubsfeeling auf. Urlaub machen will dort auch die Sippschaft von Ubaldo, namentlich seine erheblich jüngere Ehefrau, seine 3 Kinder nebst Ehepartner und seine Schwester Elisabetta, deren Geisteszustand nicht der allerbeste ist. Wenn man bedenkt, dass es sich also nur um 9 Personen handelt, ist der Fremdgehfaktor hier extrem hoch, aber kein Problem: Es bleibt ja in der Familie! :D Allerdings sind Ubaldos Söhne sich spinnefeind, und Julia hat ihren Daddy natürlich eh nur wegen seines Geldes geehelicht.

Probleme tauchen auch bald am Horizont auf in Form der Standardgestalt eines jeden Giallo: Ein Mörder erscheint auf der Bildfläche. Zunächst hält er sich jedoch noch etwas im Hintergrund und tötet nur die beiden Matrosen, die auf Ubaldos Yacht verblieben sind. Dann wird der Anker gelichtet und die Yacht dümpelt davon, jetzt noch schnell den Motor des Beibootes außer Gefecht gesetzt, und schon ist Ubaldos Sippe auf ihrer Privatinsel gefangen. Nun kann der Mörder frischauf ans Werk gehen, und da es sich um einen kreativen Mörder handelt, denkt er sich auch für jedes Opfer etwas neues aus. Will er das Familienvermögen abstauben. Oder geht angesichts des andauernden Fremdgevögels um Eifersuchtstaten? Tante Elisabetta vermutet ein ganz anderes Motiv: Der Geist von Charlie geht um, um Rache zu nehmen! Charlie war ihr Lover vor 20 Jahren, doch war er der Familie nicht genehm: Er war zu arm!

Besagtes Problem wurde seinerzeit recht unkonventionell gelöst, indem man während eines Schäferstündchens am Strand Charlie kurzerhand über den Haufen schoss, um ihn noch lebend gleich an Ort und Stelle zu begraben! Ist er zurückgekehrt aus dem Jenseits, um sich zu rächen? Oder starb er damals gar nicht? Oder ist alles ganz anders?

Ganz anders ist hingegen nicht das Motto, wenn es darum geht, die Familie zu charkterisieren. Die Männer haben allesamt schwere Schuld auf sich geladen und verdienen gewiss keine Sympathiepunkte. Die Ladys decken ein Spektrum von klassisch geldgeil bis spökenkiekerisch ab, leiden aber alle an einer milden Form von Bekleidungsallergie, weshalb sie ja schließlich im Sommer auf einer einsamen Insel urlauben, nämlich um dort mit einer Hyposensibilisierung zu beginnen. Hach, wenn es nicht schon das Klischee der 70er-Jahre-Society-Schickse im Giallo gegeben hätte, hier wäre es dann erfunden worden. :D

Das Ende hätte für meinen Geschmack etwas garstiger ausfallen können, aber sei's drum. Der Film schafft es auf alle Fälle, Urlaubbssehnsucht nach dem Mittelmeer zu erzeugen, wenn er auch kein lost masterpiece ist.

Für das Wagnis, den hierzulande bisher nie veröffentlichten Film als OmU herauszubringen, kann man vor Camera Obscura nur den Hut ziehen. Hoffentlich hat es sich gelohnt.


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 29.03.2014 09:53 
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Gestern hab ich mir noch den Audiokommentar von Christian Keßler und Marcus Stiglegger zu Gemüte geführt, der mir diesmal erheblich "runder" vorkam, als bei "Marialé", wo, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, Stiglegger zu sehr den Wissenschaftler (der er nunmal ist) raushängen ließ.


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 10.04.2014 19:01 
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Mir hat der Streifen ebenfalls ganz vorzüglich gefallen. Der Film bietet eine wirklich tolle Kulisse, auf der Insel würde ich nur zu gerne mal Urlaub machen, die Darsteller fand ich ebenso klasse und auch die Geschichte fand ich durchaus spannend. Das Ende fand ich allerdings durchaus garstig genug. Ein sehr "schöner" Film und eine tolle Veröffentlichung von CO, weiter so. Mit den CO- Vös und den Koch- Boxen werd ich noch zum großen Giallo-Fan :D. Gefällt mir von Film zu Film besser dieses Genre.


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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 16.12.2014 18:17 
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Originaltitel: Nove ospiti per un delitto
Produktionsland: Italien
Produktion: Giovanni Licheri
Erscheinungsjahr: 1977
Regie: Ferdinando Baldi
Drehbuch: Fabio Pittorru
Kamera: Sergio Rubini
Schnitt: Enzo Micarelli
Spezialeffekte: Mauro Grilli
Musik: Carlo Savina
Länge: ca. 88 Minuten
Freigabe: ungeprüft
Darsteller: Sofia Dionisio, Massimo Foschi, Dana Ghia, Arthur Kennedy, Caroline Laurence, Loretta Persichetti, John Richardson, Rita Silva, Venantino Venantini





Ein Millionär beabsichtig 2 Wochen lang, mit seiner Familie einen Urlaub auf einer Insel zu verbringen. Da man sich untereinander nicht wohl gesonnen ist, schwebt stets eine Wolke des Hasses über die Urlaubsgemeinschaft. Es dauert nicht lang, bis der erste von ihnen tot aufgefunden wird. Wer ist der Mörder und…

„Neun Gäste für den Tod“ kann man –ohne lang zu zögern - als eine kleine Genreperle bezeichnen. Ferdinando Baldis, 1977 entstandener Insel-Giallo hat nämlich eine ganze Menge zu bieten. Schön anzusehende Locations, eine sich gegenseitig verabscheuende Urlaubsgesellschaft und eine gute, die Spannung langsam steigernde, Story.

Der Auftakt scheint eng mit der Lösung verknüpft und der Zuschauer hat sich somit schnell seinen eigenen kriminalistischen Weg gesucht. Dass dieser Weg mit einigen Stolpersteinen gepflastert ist, wird den Wohnzimmer-Commissario nicht beeindrucken. Denn der Giallo-Erfahrene weiß worauf er sich einlässt, er ist immer auf Überraschungen gefasst und lässt sich niemals aus der Spur werfen.

Innerhalb der ersten Hälfte stellt Baldi die Familienbande ausführlich vor. Diese besteht aus sexgierigen Fremdgängern und einem greisen Oberlüstling, der die besten Tage hinter sich hat. Innerhalb dieser Gemeinschaft regiert der Hass. Der Waschlappen, der Sexprotz, die Nymphomanin, die Nutte, die Psychopatin und die Alkoholikerin. Alle haben ihre eigenen „Spezialitäten“ und versuchen dem Ehepartner stets eins auszuwischen.

Mit dem Start der zweiten Hälfte, geht das muntere Mörderspielchen (um nicht von den 10 kleinen Farbigen zu sprechen) los. Die schwarzen Handschuhe finden dabei ebenfalls ihren Einsatz, so wie es sich für einen Film dieses Genres gehört.

Fazit: Gutes, kurzweiliges und leicht sleaziges Italo-Cinema. Wer den Film nicht kennt, der sollte in Erwägung ziehen dieses zu ändern.

8/10

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 28.04.2015 17:21 
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NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD
[NOVE OSPITI PER UN DELITTO][ITA][1977]

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Regie: Ferdinando Baldi
Darsteller: Sofia Dionisio, Massimo Foschi, Dana Ghia, Arthur Kennedy, Caroline Laurence, Loretta Persichetti, John Richardson, Rita Silva, Venantino Venantini


Ein junges Pärchen vergnügt sich beim Liebesspiel am Strand. Die Sonne scheint, das Meer rauscht, der Sand knirscht - und dann knallt die Flinte. Der Mann wird von einer Kugel getroffen, die aus dem Gewehr eines hinzugekommenen Beobachters kam. Der unerwünschte Gast hat noch drei weitere Herren dabei, ebenfalls mit Waffe im Anschlag. Der Angeschossene versucht zu fliehen, sich über die Felsen zu retten – doch es nützt ihm nichts: Die Kugeln der Angreifer treffen sicher ins Ziel. Die Schützen greifen sich ihr lebloses Opfer, heben eine Grube aus, verscharren es im Sand... 20 Jahre später: Das reiche Familienoberhaupt Ubaldo [Arthur Kennedy] macht mit seinen beiden Söhne, seiner Tochter und deren Liebschaften Sommerurlaub in seinem Ferienhaus auf einer malerischen Insel. Seine bessere Hälfte, die auffallend jüngere Giulia [Caroline Laurence], sowie die etwas wirr scheinende Tante Elisabetta [Dana Ghia] hat er dabei ebenfalls im Schlepptau. Doch an Erholung ist nicht zu denken: Unter der sorglos scheinenden Oberfläche sind die Familienmitglieder bis aufs Blut miteinander verfeindet. Als plötzlich ein Unbekannter beginnt, die Gruppe zu dezimieren, ist somit quasi jeder verdächtig. Bald liegen die Nerven blank, und es wird klar, dass die Morde mit dem Verbrechen von damals zu tun haben.

Der Giallo war bis in die 70er Jahre eines der erfolgreichsten Genres des italienischen Kinos. Die blutige, stilistisch eigenwillige Varitation bekannter Kriminalmotive (deren unmittelbarer Vorreiter gut und gern in der aus Deutschland stammenden Edgar-Wallace-Reihe gesehen werden darf) kombinierte - mal mehr, mal weniger elegant - Schmuddel und Kunst zu oft hintersinnigen, von rüder Gewaltdarstellung geprägten Mordgeschichten, bei denen in der Realität verankerte Logik zugunsten in den Vordergrund gerückter Spannungs- und Stimmungsmomente lediglich die zweite Geige spielte. 1977 war die Blütezeit des Genres zwar schon vorbei, was Regisseur Fernando Baldi [→ HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS] jedoch nicht davon abhielt, mit NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD noch einen inhaltlich und thematisch mustergültigen Nachschlag zu servieren. Dabei verschwendete man an den Plot allerdings nicht allzu viele Ressourcen, verrührte ein klassisches Agatha-Christie-Szenario mit bewährter Softporno-Attitüde und schüttete im Anschluss einen extra großen Kübel wirklich extrem künstlich wirkendes Kunstblut über alles. Originell ist das nicht. Funktionieren tut das trotzdem.

Das liegt in erster Linie daran, dass das gewählte Konzept zwar simpel, aber seit Urzeiten enorm effektiv ist: Die nach und nach erfolgende Dezimierung einer überschaubaren Anzahl an Personen in einem von der Außenwelt abgeschotteten Kosmos, von denen einer zwangsläufig der Mörder sein muss (das klassische ZEHN KLEINE NEGERLEIN-Prinzip also) lädt zum Mitraten ein (Wer ist das nächste Opfer? Wer ist der Täter? Was ist dessen Motiv?) und bietet etliche Möglichkeiten, spannungsgeladene Situationen und überraschende Wendungen unterzubringen. Der hier genutzte Schauplatz einer entlegenen Insel bringt zudem eine Extraportion malerisches Flair in die Mörderhatz und bietet einen attraktiven Kontrast zum mitunter hässlichen Geschehen. Dabei hielt man sich in der grafischen Darstellung der Tötungsakte in diesem Falle vergleichsweise sogar eher bedeckt (zumal sie bei Stattfinden auch auf Anhieb als recht billig umgesetzte Maskentricks entlarvt werden); die eigentliche Hässlichkeit geht von den Charakteren aus, die als ein Haufen triebgesteuerter und missgünstiger Individuen porträtiert werden, denen der eigene Vorteil über alles geht.

Das patriarchische Oberhaupt hält sich eine um Jahrzehnte jüngere Gattin, die es – so die einhellige Meinung des ganzen Rests – nur auf die nicht unerheblichen Reichtümer des Mannes abgesehen hat, die Söhne sind durch die Bank Versager, die des Erbes nicht würdig wären und deshalb nicht ohne Grund um ihren Anteil nach dem Tode des Herres bangen, deren heißblütigen Ehefrauen ist ein Mann in der Regel nicht genug, weshalb mitunter auch schon mal der eigene Schwager als Sexualpartner herhalten muss – vor aller Leute Augen, versteht sich. Eine illustre Gesellschaft präsentiert sich hier also – mit Betonung auf Lust. Denn wer das Pech hat, trotzdem leer auszugehen, besorgt es sich kurzerhand selbst. Und zwischen all dem feucht-fröhlichen Sundenpfuhl faselt die etwas sonderliche Tante Elisabetta etwas von einem Fluch und einem gewissen „Charlie“, der wiederkommen werde, um grausame Rache zu nehmen. Das Dumme daran ist vor allem: Sie behält Recht damit.

Die Darstellung reicher Leute als dekadenter, vom Leben gelangweilter Abschaum ist natürlich ebenfalls ein Klischee und viele der hier gezeichneten Figuren kommen einem aus ähnlichen Genrebeiträgen doch arg vertraut vor. Das ändert jedoch nichts daran, dass die daraus entstehenden Konflikte so einigen Unterhaltungswert besitzen - zumindest, nachdem NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD seinen anfänglichen Softsexpfad verlassen hat. Denn gut das erste Drittel geht tatsächlich in erster Linie dafür drauf, die weibliche Belegschaft wahlweise knapp, durchsichtig oder gar nicht bekleidet abzulichten, um die heiteren Partnertauschepisoden durchzuexerzieren. Trotz der bisweilen lüsternen Kamera geschieht das zugegebenermaßen nicht vollkommen selbstzweckhaft, unterstreicht es doch die grassierende Unmoral der Protagonisten und verdeutlicht anschaulich, wie wenig Mann und Weib sich hier um die Gefühle des Anderen scheren. Dennoch wünscht man sich alsbald die erste Leiche herbei, um der auf Dauer ermüdenden Dauerkopulation ein Ende zu bereiten.

Als es dann soweit ist, entwickelt sich NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD auch hurtig zu einem angenehmen Schauerstück, das trotz der manchmal etwas seltsamen Verhaltensweisen seiner Figuren (so wird das von verzweifelten Hilferufen begleitete Ertrinken einer jungen Frau endlos vom Ufer aus kommentiert, bevor mal jemand auf die Idee kommt, zur Rettung zu eilen) für fiebrige Spannung und dichte Atmosphäre sorgen kann. Die Inszenierung besticht dabei zwar nicht unbedingt durch Raffinesse und geriet eher routiniert; dennoch gelingen hin und wieder ein paar ungewöhnliche Kameraeinstellungen oder gelungene Symboliken (wie die beiden Geschicklichkeitsspiele, die immer wieder ins Bild gerückt werden, sobald neues Unheil dräut). Ein Höhepunkt ist zweifelsfrei die Eröffnungssequenz, die bereits die Marschrichtung der folgenden 90 Minuten skizziert: Das Liebesspiel zweier Menschen findet sein abruptes Ende, als aus heiterem Himmel eine grausame Hinrichtung vollzogen wird. Ohne Erklärung, ohne Gesicht, ohne Dialog, lediglich untermalt vom Rauschen des Meeres, wird aus einem Moment wilder Romantik ein blutiger Alptraum.

Diese in eisiger emotionaler Kälte ausgeführte Tat, die zunächst ohne jeden inhaltlichen Zusammenhang und erläuternden Kommentar für sich steht, ist ein schaurig-schöner Einsteig in das Szenario und recht schnell wird klar, dass die aktuellen Ereignisse mit diesem Verbrechen zu tun haben müssen, die agierenden Personen auf irgendeine Weise darin verwickelt sind und man Zeuge eines perfide ausgeführten Racheakts wird. Die Zusammenhänge – so ehrlich muss man sein - sind nicht ausnehmend schwierig zu herzustellen, auch die letztendliche Enttarnung des Täters sollte selbst für weniger geschulte Kriminalisten keine sonderlich große Überraschung sein. Dennoch versteht es die Handlung durch diverse Ablenkungs- und Wendemanöver bis zum Finale bei der Stange zu halten und lässt lange Zeit die Frage im Raum stehen, ob die blutige Vergeltung hier säkulärer Natur ist oder womöglich aus dem Jenseits erfolgt.

NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD erhielt zwar einen deutschen Titel, eine ebensolche Sprachfassung (und ein damit verbundener Kinoeinsatz) blieb Baldis Spät-Giallo jedoch verwehrt. Das ist erstaunlich, bietet das professionell in Szene gesetzte, sündig angehauchte Mörderspiel doch alle notwendigen Zutaten, um das sensationslüsterne Publikum der 70er Jahre in die Lichtspielhäuser zu locken: Blut, Sex und Rätselraten, nicht zu knifflig, nicht zu aufregend, aber durchaus von latenter Klugheit. Nicht italienischsprachigen Interessenten bleibt daher nur die untertitelte Originalfassung, die dank des Labels Camera Oscura im Jahre 2014 den Weg nach Deutschland fand - eine Einladung, die Giallo-Freunde ohne Reue annehmen dürfen.

s. auch: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD

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 Post subject: Re: NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD - Ferdinando Baldi
PostPosted: 21.06.2016 22:52 
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Das war jetzt wieder einmal eine echte Überraschung!
Zur Einleitung eine großartige Pre-Title-Sequence, die meine Erwartungen gewaltig steigen ließ.
Dann nimmt sich Baldi Zeit, seine Charaktere einzuführen und so kann sich das Auge des Zuschauer nebenbei gleich noch an der schönen Insel erfreuen.
Als Einleitungsphase wirklich gut gemacht, aber sobald es mit dem Giallo losgeht, waren meine Erwartungen gleich wieder auf Null.
Beim Mord an Ubaldo habe ich mir gedacht: "So blöd kann ja niemand sein, so früh schon den Mörder preiszugeben".
Von da an war für mich der Film so gut wie gelaufen, die ganze Spannung weg.
Bis es in den letzten 10 Minuten zum entscheidenden Twist kommt... in der 78. Minute dann der große Aha-Moment.
Bis dorthin war das Ganze zwar schön und gut, nett anzusehen und unterhaltsam, aber als Krimi vollkommen danebengegangen.
Die Geschichte, die ich zuvor schon durch eine vermeintlich schlecht inszenierte Szene als sehr unklug angelegt abgetan habe, erschien mir plötzlich als ausgeklügelt - ja, so kann's gehen...
Aber lassen wir für einen Moment die Geschichte außen vor und springen noch einmal zurück zum Anfang.
Die Insel, also die Location: Der erste ganz große Pluspunkt des Films.
Dann: Die Schauspieler-Riege: Ausnahmslos eine sehr gute Besetzung.
Diese zwei Aspekte also, die bringen doch schon einiges.
Die Musik dagegen kaum - wird selten eingesetzt und so erzielt man damit auch keine allzu große Wirkung.
Rechnet man dann noch die - eigentlich sehr gute - Geschichte dazu und berücksichtigt auch noch die Prise Sleaze, die eingestreut wird, so muss auch ich sagen, es ist doch ein unerwartet guter Film.
9/10


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