Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
Aktuelle Zeit: 30.03.2017 10:49

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 4 Beiträge ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: GRIZZLY II: THE CONCERT - André Szöts
BeitragVerfasst: 29.10.2016 12:38 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 05.2011
Beiträge: 1060
Wohnort: Arkham
Geschlecht: männlich
Grizzly II: The Concert
(Grizzly II: The Predator / Grizzly 2: The Predator / Predator: The Concert)
USA/Ungarn 1983 - Directed by André Szöts
Starring: Steve Inwood, Deborah Raffin, John Rhys-Davies, Louise Fletcher, Deborah Foreman...


Bild

1976 sorgte ein Grizzly in einem amerikanischen Nationalpark für Angst und Schrecken. Regisseur William Girdler (Three on a Meathook, Abby, Day of the Animals, The Manitou) ließ den bösen Bären auf der Suche nach leckerem Menschenfleisch munter durch die Botanik tapsen, und sein Film ist ein recht gelungener Tierhorrorstreifen im Fahrwasser von Steven Spielbergs höchst erfolgreichen Blockbuster Jaws (1975). Während sich in den Folgejahren weitere weiße Haie im Meer tummelten, blieb es um "the most dangerous jaws on land" (Tagline) verdächtig ruhig. Und das, obwohl ein gewisser André Szöts sieben Jahre nach Girdlers Film ein Sequel in Angriff nahm. Grizzly II: The Concert entstand 1983 überwiegend in Budapest und Umgebung und dreht sich um ein Open-Air-Musikfestival, welches im Summit-Nationalpark stattfindet und prompt unerwünschten Bärenbesuch bekommt. Bis es soweit ist, wirbeln mehrere Künstler über die riesige Bühne, um die Massen von Zuschauern zu begeistern. Und da offenbart sich schon das erste von vielen Problemen des Streifens: Die Bands (eine davon heißt übrigens Predator), Sänger und Sängerinnen sind grottenschlecht, und die Songs (wie z. B. You Take the Milk from the Coconut) stehen dem in Nichts nach. Selbst für Achtziger-Jahre-Verhältnisse ist das Dargebotene einfach unterirdisch, eine Qual für Augen und Ohren, der Höchstwert auf dem Fremdschäm-o-meter. Und dann nimmt der Horror kein Ende; die hören einfach nicht auf, singen und hüpfen, jaulen und tanzen, malträtieren Augen und Ohren, ohne auf das Publikum Rücksicht zu nehmen. Was für ein Graus!

Kein Graus ist hingegen die beeindruckende Besetzung, welche durchaus für Verblüffung sorgt. Gut, manche der Beteiligten waren damals noch nicht die Superstars, die sie heute sind, aber selbst wenn man dieses Trio außen vor läßt, ist die Cast nicht ohne. Zu sehen sind: Steve Inwood (Fame) als Park-Rancher Nick Hollister, Deborah Raffin (Death Wish 3) als Umweltbeauftragte Samantha Owens, John Rhys-Davies (Raiders of the Lost Ark) als durchgeknallter Grizzly-Jäger Bouchard sowie Oscar-Preisträgerin Louise Fletcher (One Flew Over the Cuckoo's Nest) als Konzertveranstalterin Eileene Draygon. Außerdem mit dabei: die bezaubernde Deborah Foreman (Waxwork) und Race with the Devil-Regisseur Jack Starrett. Damit nicht genug, treten für ein, zwei Minuten auch noch George Clooney (From Dusk Till Dawn), Charlie Sheen (Two and a Half Men) und Laura Dern (Wild at Heart) als Bärenopfer in Erscheinung. Da sollte man doch annehmen, daß Grizzly II allein aufgrund der Besetzung in alle Herren Länder verkauft wurde. Doch weit gefehlt! Der Film wurde (offiziell) nämlich überhaupt nicht veröffentlicht und verschwand sang- und klanglos in der Versenkung. Was war geschehen? Nun, nach Abschluß der Dreharbeiten fehlte aufgrund dubioser, bis heute nicht geklärter Machenschaften Geld in der Kassa, woraufhin die ungarische Regierung Filmmaterial und Equipment wegen der vielen unbezahlten Rechnungen inmitten der Postproduktion beschlagnahmte. Grizzly II: The Concert wurde folglich niemals fertiggestellt.

Einen neuen Anlauf unternahm die kultige Produktionsgesellschaft Cannon Films im Jahr 1987. Die beiden Israelis Menahem Golan und Yoram Globus kauften das vorhandene Filmmaterial und hatten vor, den Streifen doch noch zu vollenden und zu veröffentlichen. Es blieb beim Plan. Cannon Films schlitterte ebenfalls in finanzielle Nöte, und das war's dann leider endgültig mit dem Grizzly-Sequel, hinter dessen Kulissen sich so manche irre Geschichte zugetragen haben soll. (*) Jahre später tauchte aus dem Nichts plötzlich ein Workprint auf, der zumindest eines bewies: Grizzly II: The Concert ist kein Mythos, sondern existiert tatsächlich. Unglücklicherweise ist die vorliegende Fassung nicht nur in einem grauenhaften Zustand, sondern auch unvollendet und zum Ende hin ein einziges Kuddelmuddel. So macht sich der Killerbär leider sehr rar, was darauf zurückzuführen ist, daß der von Nick Maley gebaute animatronische Grizzly nicht richtig funktionierte und man die Bärenattacken erst ganz am Ende drehen und einfügen wollte. Dazu kam es ja nicht mehr, weshalb man sich nun selbst im Kopf ausmalen darf, wie das wütende Tier über seine Opfer herfällt. Man sieht Menschen erschrocken gucken und panisch kreischen (oft aus der POV-Perspektive des durch Abwesenheit glänzenden Bären), dann wird hektisch geschnitten oder es wackelt die Kamera, und die Szene ist zu Ende. Ein schönes Beispiel dafür ist die Sequenz mit George Clooney und Laura Dern, die vom Bären im Schlafsack überrascht werden. Also, Clooney und Dern befinden sich im Schlafsack, nicht der sechs Meter große Bär.

Jetzt ist es natürlich ungerecht, bei einem nicht vollendeten Film dieselben Maßstäbe anzulegen wie bei einem fertigen. Allerdings läßt bereits die Rohschnittfassung keinen anderen Schluß zu, als daß Grizzly II selbst bei umfangreichen Nachdrehs und sorgfältiger Postproduktion nie und nimmer ein guter Film geworden wäre. Bestenfalls wäre ein durchschnittlicher Tierhorrorstreifen herausgekommen, aber sogar das möchte ich vehement anzweifeln. Der Film zerfällt einfach in seine verschiedenen Teile, die überhaupt nicht miteinander harmonieren, und läßt dabei kein Klischee aus. Der exzentrische Jäger, der aufrechte, alleinerziehende Rancher, die tierliebende Umweltbeauftragte, die den Bären lebend fangen will, die Veranstalterin, welche das Bärenproblem geheim hält und das Konzert unter allen Umständen durchboxen will, eine Gruppe Redneck-Wilderer, die das große Geld wittern, und so weiter. Und nicht zu vergessen: die gräßlichen "Popkünstler", denen man viel zu viel Screentime gewährt. Selbst wenn zwischendurch immer mal wieder der Bär fröhlich durchs Bild steppen und Menschen totmachen würde, würde das nichts daran ändern, daß Grizzly II: The Concert überwiegend eine sehr müde, uninteressante und ärgerliche Angelegenheit wäre. Immerhin werden alle Wagemutigen, die sich diesen Workprint (der eine Qualität aufweist, bei welcher der durchschnittliche HD-Jünger panisch "Augenkrebs" ruft, sich spontan einnäßt und aus Prinzip ins Koma fällt) zu Gemüte führen, mit ein paar kuriosen WTF-Momenten entschädigt. Wo sonst führt z. B. ein debiler Hinterwäldler ein Zwiegespräch mit einem toten Hasen oder versüßen drei Michael Jackson-Songs (Beat It, Billie Jean und Wanna be Startin' Somethin') das belanglose Geschehen? Eben.


(*)

- Man "vergaß" z. B., dem vorgesehenen Regisseur David Sheldon mitzuteilen, daß sich die Produktion nach Ungarn verlagerte.

- Dort heuerte man den in diesen Dingen völlig unerfahrenen André Szöts (1937 – 2006) an, der am Set prompt einen Nervenzusammenbruch erlitt.

- Das Konzert mit Bands u. a. aus Ungarn, England und den USA fand auf dem Gelände eines russischen Armeestützpunktes statt. Etwa fünfzigtausend Gäste besuchten das dreitägige Festival (Ticketpreis: fünfzehn US$), wobei die meisten davon nicht wußten, daß es sich dabei um Dreharbeiten für einen Film handelte.

- Christopher George, Hauptdarsteller von Grizzly, sollte für das Sequel zurückkehren; leider starb er kurz vor Produktionsbeginn an einem Herzinfarkt.

- Als das Drehbuch an einigen Stellen umgeschrieben werden mußte, wandten sich die Produzenten an den ungarischen Caterer (!) des Filmes, der diese delikate Aufgabe auch übernahm.

- Und last but not least: Charlie Sheen hatte die Wahl zwischen der Hauptrolle in The Karate Kid und dem kleinen Part in Grizzly II: The Concert. Ratet mal, wofür er sich - nach Rücksprache mit seinem Vater - entschieden hat?

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: GRIZZLY II: THE CONCERT - André Szöts
BeitragVerfasst: 29.10.2016 23:46 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 11.2009
Beiträge: 8611
Wohnort: Liquid Eyes in Cologne
Geschlecht: männlich
Mal wieder n Killer-Review von dir! 8-)

A lost gem! :mrgreen:

_________________
"Ein Tittchen hier, ein Fötzchen da, und die Welt sähe wieder rosiger aus." anti
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: GRIZZLY II: THE CONCERT - André Szöts
BeitragVerfasst: 01.11.2016 09:40 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 09.2012
Beiträge: 838
Geschlecht: männlich
Oh sehe gerade, dass Grizzly 1 am 17. November auf Blu-Ray erscheint falls es noch nicht bekannt sein sollte!

_________________
'cause if you go platinum, it's got nothing to do with luck
it just means that a million people are stupid as fuck


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: GRIZZLY II: THE CONCERT - André Szöts
BeitragVerfasst: 01.11.2016 09:44 
Offline

Registriert: 03.2012
Beiträge: 910
Wohnort: Haus mit Bergblick
Geschlecht: männlich
Djabartana hat geschrieben:
Oh sehe gerade, dass Grizzly 1 am 17. November auf Blu-Ray erscheint falls es noch nicht bekannt sein sollte!


Ist in letzter Zeit gefühlt die 5 Auswertung des Films, nach dem Dreier-Pack, der '84 und der Inked. ;)


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 4 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker