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 Betreff des Beitrags: SLEDGEHAMMER - David A. Prior
BeitragVerfasst: 24.03.2018 13:36 
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Sledgehammer
(Sledge Hammer)
USA 1983 - Written & Directed by David A. Prior
Starring: Ted Prior, Linda McGill, John Eastman, Janine Scheer, Tim Aguilar, Sandy Brooke, Steven K. Wright, Doug Matley...


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Man schrieb das Jahr 1983. Louis de Funés verläßt die Bühne des Lebens. Felicity Jones betritt sie. Nena läßt ihre 99 Luftballons steigen. Björn Borg tritt zurück. Die Swatch-Uhr wird eingeführt. Gandhi räumt bei der Oscar-Verleihung ab. Und David A. Prior (1955 – 2015) dreht mit Sledgehammer seinen ersten Film.

Der in sieben Tagen heruntergekurbelte Sledgehammer beginnt, standesgemäß, mit einem schlicht gestalteten Vorspann, bevor uns Prior das alte Bauernhaus, den Hauptschauplatz des Filmes, zeigt.
Und zeigt.
Und zeigt.

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Ganze dreißig Sekunden lang läßt er das Bild wirken, stimmungsvoll untermalt von Grillengezirpe und Vogelgezwitscher. Dann zoomt die Kamera langsam näher heran, und endlich erfolgt der lang ersehnte Schnitt, und man befindet sich im Gebäude. Gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie eine fürsorgliche Mutter (Mary Mendez) ihren Jungen (Justin Greer), den sie wenig liebevoll "little bastard" nennt, in eine dunkle Kammer sperrt. In Superzeitlupe schiebt sie, zu dramatisch anschwellender Musik, den Riegel vor und wendet sich ab, während der Kameramann langsam auf den verschlossenen Riegel zoomt. Dieses aufregende Schauspiel dauert eine knappe Minute und macht zumindest eines klar: Nein, eilig haben wir es hier nicht, we have all the time in the world. Nachdem sie den "little bastard" sicher verwahrt hat, ist die Frau mit ihrem Lover (Michael Shanahan) endlich allein und ungestört und freut sich auf ein zünftiges Schäferstündchen. Doch ihre erotischen Träume werden jäh zertrümmert, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Mann mit einem Vorschlaghammer knackt erst den Schädel des Liebhabers und setzt danach auch dem Leben der seitenspringenden Mutter ein Ende. Muß eigentlich noch erwähnt werden, daß er dies in Slow Motion tut? Ich denke nicht.

Zehn Jahre später, und sieben Teens (eher Twens) machen sich im Haus breit, um einige Tage Urlaub zu genießen und ausgelassene Partys zu feiern. Erstaunlich fix schaffen es die Typen, sich beim Publikum unbeliebt zu machen. Man könnte glatt meinen, sie versuchen alle verbissen, den beliebten Wettstreit "wer ist der unsympathischste Kotzbrocken im ganzen Land" für sich zu entscheiden. David Prior begeht nämlich den verhängnisvollen Fehler, seine Protagonisten dem Zuseher nahebringen zu wollen. Und so reiht sich Szene an Szene, in denen sich unsere Helden zum Affen machen. Der eine simuliert seinen Tod in der Dusche, um seine Freundin zu erschrecken, der andere spritzt Senf über die Haare seiner Liebsten, und ein weiterer stopft sich ein ganzes Sandwich in den Mund, nur um die zerkaute Masse danach quer über den Tisch zu spucken. Die Fresserei gipfelt in einen fröhlichen Food-Fight, bei dem man sich beinahe schämt, zur selben Spezies zu gehören wie diese Deppen. Es wird gequatscht, musiziert, ein Saufgelage veranstaltet und einer der Jungs - Ted Prior, Playgirl-Model, B-Movie-Schauspielgott und Bruder des Regisseurs - spaziert mit seiner Verlobten einen Weg entlang; eine an und für sich schöne Sequenz die damit endet, daß er ihr die Bierdose auf den Kopf stellt. Jede einzelne dieser furchtbar belanglosen Szenen ist dermaßen zerdehnt, daß man dem Geschehen wie belämmert folgt und gar nicht anders kann, als David Prior für seine Chuzpe zu bewundern.

Um seinen auf Videomaterial gedrehten Debütfilm in den Kasten zu bekommen, verfuhr Prior nach dem Motto "learning by doing". Er hatte keine Ahnung vom Filmemachen, wollte aber unbedingt einen Film drehen. Also scharte er Freunde und Bekannte um sich und nahm das Projekt in Angriff. Um die vierzigtausend Dollar soll Sledgehammer gekostet haben, und unwillkürlich fragt man sich: Wo ist das ganze Geld nur hin? Denn nichts davon ist auf dem Bildschirm zu sehen. Weder die zwei Locations (das Bauernhaus sowie Priors Appartement) noch die paar launigen Spezialeffekte können viel Geld verschlungen haben, und ansonsten fällt einem ebenfalls nichts ins Auge, was mehr als ein paar Euro gekostet haben könnte. Mit Geld nicht aufzuwiegen ist natürlich das lustvoll zelebrierte, auf Spielfilmlänge gestreckte Unvermögen fast aller Beteiligten, welches auch dafür sorgt, daß man den Machern einfach nicht böse sein kann. Ja, Sledgehammer ist amateurhaft gespielt und dilettantisch inszeniert. Ja, Sledgehammer läßt den Zuschauer rätseln, ob das alles ernst gemeint ist oder als Parodie angelegt wurde. Und ja, Sledgehammer ist phasenweise stinklangweilig. Und doch spürt man immerzu - im Gegensatz etwa zu Filmen wie The Nail Gun Massacre -, daß die Macher Ambitionen hatten und mit Leidenschaft und Freude bei der Sache waren. Sledgehammer mag ein furchtbar ödes Machwerk sein, aber es ist zumindest ein furchtbar ödes Machwerk mit Herz und mit Charme.

Wobei der Film - Ehre wem Ehre gebührt - durchaus ein paar gute Ideen und effektive Momente beinhaltet. Der von Doug Matley gespielte Killer ist zum Beispiel recht gruselig und bedrohlich. Groß, massig, stumm, mit einer durchsichtigen Maske vorm Gesicht, ja, doch, dem Typen möchte ich nicht begegnen. Außerdem ist er eine Art Geist (als Erklärung für sein Erscheinen muß eine Joke-Séance herhalten), der sich an einer Stelle auflösen und an einer anderen wieder materialisieren kann, wodurch er quasi unaufhaltsam zu sein scheint. Und so inflationär der Einsatz der Zeitlupe auch ist (ohne die Sledgehammer vermutlich eine Viertelstunde kürzer laufen würde), eine gewisse absonderliche Wirkung kann und will ich ihr keinesfalls absprechen, erhalten die entsprechenden Szenen dadurch doch ein alptraumhaftes Flair und eine bedrückende, ausweglose Stimmung. Die Gore-Effekte der Firma Blood & Guts sind ebenfalls in Ordnung; der zertrümmerte (Puppen-)Schädel mit freigelegtem Gehirn zu Beginn ist gelungen, und der Messer-durch-den-Hals-Gag - des Killers bevorzugtes Werkzeug ist zwar der Vorschlaghammer, jedoch sagt er auch zu einem schnöden Messer nicht nein - ist auch sehr ansehnlich geraten. Erwähnenswert sind noch die klaustrophobische Stimmung, die in der letzten halben Stunde aufkommt, sowie die ominösen Synthesizer-Klänge, welche die Ohren genußvoll malträtieren. Und die gute alte Logik tritt der SOV-Film mit Füßen, das sei auch noch gesagt.

In den Folgejahren drehte David A. Prior u. a. Killer Workout, Mankillers, Deadly Prey und The Lost Platoon, alles Filme, die gegen Sledgehammer wie Oscar-Material wirken und bei seinen Fans zu Recht als kultig gelten. Schön zu sehen, daß Prior trotz Startschwierigkeiten seinen Weg gegangen ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: SLEDGEHAMMER - David A. Prior
BeitragVerfasst: 24.03.2018 20:41 
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Ja, David A. Prior!
Da hat ich mal in den 90ern eine Phase, wo ich alles von ihm sehen wollte und sämtliche Videotheken (rip!) Kölns nach Tapes abgegrast habe. Und auch so ziemlich alles nach und nach auch ausfindig machen konnte - außer SLEDGEHAMMER natürlich! Der ist hierzulande ja nie erschienen und ich glaub auch nicht, dass der mir ansatzweise gefallen könnte... shot-on-shitio... nein, danke!

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 Betreff des Beitrags: Re: SLEDGEHAMMER - David A. Prior
BeitragVerfasst: 25.03.2018 16:23 
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1982 wurde ja bereits BOARDINGHOUSE aka BAD FORCE im Video-Format gedreht, der ebenso eine Art "Slasher" mit metaphysischer Note darstellt, kenne beide Filme bislang jedoch nicht...

allerdings muss ich sagen: einen gewissen morbiden sowie rohen Charme kann man SLEDGEHAMMER wohl nicht absprechen...

youtu.be Video From : youtu.be


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