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 Betreff des Beitrags: AMULETT DES BÖSEN - Lucio Fulci
BeitragVerfasst: 14.03.2012 00:40 
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Manhattan Baby (Italien 1982, Originaltitel: L'occhio del male)

Der Böse Blick, eine äusserst lästige Importware

Professor George Hacker (Christopher Connelly) weilt samt Gattin Emily (Laura Lenzi) und Tochter Susie (Brigitta Boccoli) in Ägypten. In einem frisch entdeckten Pharaonengrab erlebt der Archäologe eine äusserst unangenehme Überraschung. Blaue Blitze lassen den Forscher erblinden, zuvor tappt sein Mitarbeiter in eine tödliche Falle. Auch Susie nimmt ein Andenken aus dem Land am Nil mit, eine rätselhafte alte Frau drückt dem Mädchen ein noch rätselhafteres Amulett in die Hand. Endlich zurück in New York darf der Professor ein wenig Hoffnung schöpfen, der konsultierte Augenarzt geht von einer Wiederherstellung des Sehvermögens innerhalb eines Jahres aus. Plötzlich geschehen befremdliche Dinge, Susie wirkt zunehmend kränklich, ihr kleiner Bruder Tommy (Giovanni Frezza) bleibt von den Vorgängen nicht unbehelligt, das Kindermädchen Jamie Lee (Cinzia de Ponti) verschwindet auf unerklärbare Art. Längst wurde die Familie des Gelehrten von einem albtraumhaften Strudel erfasst, kann der schrullige Adrian Mercato (Cosimo Cinieri) helfen, der zunächst keinen besonders seriösen Eindruck hinterlässt...???

Im deutschsprachigen Raum ist dieses Werk von Lucio Fulci auch unter dem Titel "Amulett des Bösen" bekannt, dieser Hinweis soll jeglicher aufkommenden Verwirrung den Wind aus dem Segel nehmen. Fulci war in den frühen achtziger Jahren auf dem kommerziellen Höhepunkt seiner Karriere angelangt, folgende Beispiele sprechen eine unmißverständliche Sprache:

• Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies (Zombi 2, 1979)
• Ein Zombie hing am Glockenseil (Paura nella città dei morti viventi, 1980)
• Die Geisterstandt der Zombies (E tu vivrai nel terrore - L'aldilà, 1981)

So sehr ich diese Filme liebe und verehre, sie bergen ein echtes Ärgernis in ihren blubbernden Gedärmen, denn noch immer werden die Streifen viel zu häufig die enthaltenen Metzeleien reduziert, gleichzeitig bleibt der Blick auf Fulcis Schaffen oft auf diese Werke beschränkt. Dabei haben die genannten Filme viel, viel mehr als Gore und Geifer zu bieten, hat Fulci viel, viel mehr auf die Beine gestellt. Eine kleine Auswahl gefälig?

• Django - Sein Gesangbuch war der Colt (Tempo di massacro, 1966 - Unterhaltsamer Western mit Starbesetzung!)
• A Lizard in a Woman's Skin (Una lucertola con la pelle di donna, 1971 - Grandioser Giallo der Spitzenklasse!)
• Don't torture a Duckling (Non si sevizia un paperino, 1972 - Meisterlicher Thriller mit Florinda Bolkan, Barbara Bouchet und Tomas Milian!)

Es muss immer wieder zur Sprache kommen, bitte schrumpft den kantigen Lucio nicht, bitte werft einen genaueren Blick auf seine Arbeiten! "Amulett des Bösen" hat im "Fanblock" mit ähnlichen Problemen wie "Conquest" (La Conquista, 1983) und "Die Schlacht der Centurions" (I guerrieri dell'anno 2072, 1984) zu kämpfen. Die Filme entstanden recht zeitnah zu den oben genannten Klassikern, passen aber nicht wirklich in das reduzierte Fulci-Bild vieler Zuschauer. Während "Conquest" und "Centurions" durch ihre liebenswerte Verschrobenheit nach und nach ihr Publikum fanden, hat der auf den ersten Blick unscheinbare "Amulett" wenig griffige Ansätze zu bieten. Tätsächlich nicht? Da haben wir zunächst den in Ägypten angesiedelten Auftakt. Tolle Atmosphäre, knuffige Effekte und kauzige Fratzen, ich bin sehr angetan! In New York bricht die Atmosphäre kaum weg, erreicht immer wieder Höhepunkte, blitzt immer wieder die Genialität des Meisters auf. Vordergründig mag die Story unrund anmuten, scheint das Erzähltempo ab und an nicht zu stimmen. Erneut Einspruch meinerseits! Wie immer gilt: Lasst euch auf den Film ein, taucht in diese prächtige Traumwelt ein, suhlt euch in der herrlichen Atmosphäre! Hätte Fulci hier massiv aufs Mett geklopft, würde der Flick mit Sicherheit von zahlreichen Idioten (sorry) lautstark abgefeiert. Jedoch wird dieses Publikum -welches sich in Werken wie "Woodoo" und "Geisterstadt" von Gore zu Gore hangelt, freilich ohne die Filme im Ansatz zu erfassen- bei "Amulett des Bösen" kaum Befriedigung finden, mit lautem Knall auf die Fresse fallen, den Film zornig in die Tonne kloppen.

Bevor ich völlig die Fassung verliere, wende ich mich flugs den Akteuren vor der Kamera zu. Christopher Connelly mag nicht die ideale Besetzung für die Rolle des emsigen Professors sein, insgesamt gibt es an seiner Leistung aber nicht viel zu meckern. Wenn er in der (nicht allzu langen) Phase der Blindheit zu cholerischen Ausbrüchen neigt, hat er auch einen alten Griesgram wie mich gefangen und entwaffnet. Sympathisch und mit "engagierter Verzweiflung" kämpft er um seine Familie, Mission erfüllt. Beim Anblick von Laura Lenzi überkam mich spontan der Wunsch nach Catriona MacColl (zack, nun bin ich mit Anlauf in die von mir angeprangerte Falle der unverschämten Erwartungshaltung getappt), die Fulcis Knüller "Glockenseil", "Geisterstadt" und "Friedhofsmauer" veredelte. Die liebenswerte Catriona hätte perfekt in die Rolle der Ehefrau und Mutter gepasst, Laura Lenzi mutet wie eine "Aufhilfs-Catriona" an. Nicht unfair werden, ihre Leistung geht in Ordnung. Cinzia de Ponti war auch in Fulci "New York Ripper" unterwegs, als Kindermädchen macht sie ebenfalls eine verdammt gute Figur (welcher Bengel würde sich nicht so eine "Aufpasserin" wünschen?). Brigitta Boccoli spielt als "Possessed Child" sehr überzeugend, die Kleine ist eine echte Bereicherung. Leider müssen wir Kackbratze Giovanni Frezza ertragen, das kleine Brüderlein Goldlöckchen, was für ein Ohrfeigengesicht! Entschädigung für Frezza kommt in Form von Cosimo Cinieri daher, den groteske Fratzen und überdrehte Momente zu einem Glanzstück der Sause machen! Meister Fulci ist (mal wieder) in einer kleinen Nebenrolle am Start. Abgesehen von Frezza ein solides Ensemble, Daumen hoch.

Den überwiegend zurückhaltenden bis miserablen Bewertungen kann ich mich nicht anschliessen. "Amulett des Bösen" (der englische Titel "Manhattan Baby" ist doof, das muss gesagt werden) gehört nicht zur Speerspitze des Schaffens von Herrn Fulci, ist dennoch ein unterhaltsamer Film, gespickt mit vielen erinnerungswürdigen Momenten und einer gelungen eingefangenen Atmosphäre. Ägypten, Amulette und der Böse Blick, New York, ausgestopfte Flattermänner und Sand im Zimmer. Achtung, es klimpert im Phrasenschwein: Für mich eine wohlige Suhle und ein "Atmosphäre-Knuffelchen".

Der deutsche Markt gibt etliche DVD-Veröffentlichungen her, diverse Label und unterschiedliche Titel sind/waren am Start (leider auch gekürzte Auflagen, ich bitte um Beachtung). Mir liegt die DVD aus dem Hause Marketing Film vor, die den Streifen in guter Qualität bietet, ungekürzt und im korrekten Bildformat. Offenbar diente die Scheibe von Anchor Bay als Vorlage, der Bonusbereich gibt einen Trailer und ein Interview mit Dardano Sacchetti (Autor) her.

7/10 (gut)

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"Vögel der Finsternis. Verspeist mich!"

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 Betreff des Beitrags: Re: AMULETT DES BÖSEN - Lucio Fulci
BeitragVerfasst: 14.03.2012 21:23 
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Den hab ich von Astro, find ich recht gut, ist allerdings schon ettliche Jahre her das ich den gesehen habe...

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 Betreff des Beitrags: Re: AMULETT DES BÖSEN - Lucio Fulci
BeitragVerfasst: 14.03.2012 23:49 
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Finde den Film auch gut. Dardano Sacchetti erzählt in dem Interview, dass das Budget wohl massiv zusammengekürzt wurde. Wäre sicherlich interessant gewesen zu sehen, wie der Film mit dem ursprünglich angedachten Budget geworden wäre.


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 Betreff des Beitrags: Re: AMULETT DES BÖSEN - Lucio Fulci
BeitragVerfasst: 21.01.2013 20:29 
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Alternativer Titel: Manhattan Baby
Produktionsland: Italien
Produktion: Fabrizio De Angelis
Erscheinungsjahr: 1982
Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Elisa Briganti, Dardano Sacchetti
Kamera: Guglielmo Mancori
Schnitt: Vincenzo Tomassi
Musik: Fabio Frizzi
Länge: ca. 85 Minuten
Freigabe: FSK 18
Darsteller: Christopher Conelly, Martha Taylor, Lucio Fulci, Giovanni Frezza, Brigitta Boccoli, Cinzia De Ponti u.a.


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Professor George Hacker öffnet in Ägypten das Grab eines Pharaos. Zur gleichen Zeit bekommt Susie Hacker, die Tochter des Professors, von einer alten Frau ein Amulett geschenkt. Zurück aus Ägypten und in der Heimatstadt New York eingetroffen, gehen merkwürdige Dinge von dem Amulett aus. Es kommt zu Toten…

Im Prinzip geht es recht ordentlich los und George Hacker wird bei seiner Graböffnung von den sehr guten Fabio Frizzi Klängen begleitet. Alles macht einen recht mystischen Anschein und scheint auf einen ordentlichen Film vorzubereiten. Jedoch stellt man schnell fest, dass die Spannung in Fulcis „Manhattan Baby“ (welch dämlicher Titel) so gut wie nicht vorhanden ist. Aus diesem Grunde kann man einzig die Musik und ein paar gute Kamerafahrten lobend erwähnen. Der Film läuft auf einem recht faden Sektor und wenn der ein oder andere kleine Moment nicht etwas Atmosphäre vermitteln könnte, so würde das Baby aus Manhattan gleich bei der Ankunft in New York absaufen. Diese kleinen Momente und Frizzis gute Musik können jedoch ein Ertrinken vermeiden.


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Die Darsteller sind uns keine Unbekannten. Schnell geht Professor George Hacker an die Front und man erkennt in ihm Christopher Connelly- Hot Dog aus Castellaris Riffs. Der Typ der für Hammer arbeitete und den beschmierten Hank (im Original Ice) in dessen Pläne einbinden wollte.

Weiterhin hat auch Carlo De Mejo einen kurzen Auftritt. Carlo ist bestens aus Gassenhauern wie „Horror-Sex im Nachtexpress“, Fulcis „Glockenseil“ und Fulcis „Friedhofsmauer“ bekannt. Da wir bei der Friedhofsmauer angelangt sind muss man noch sagen, dass wir von Giovanni Frezza ebenfalls nicht verschont bleiben.

Der Film geht, wie oben schon angemerkt mit eine guten Grundidee los, verliert sich anschließend allerdings im Niemandsland und pendelt zwischen Geistern und Exorzisten. Leider kann keine der Ideen sonderlich zünden.

Fazit: Recht verhaltene Fulci-Ware, die nur mit der guten Musik und ein wenig Gore für ein etwas besseres Gesamtbild sorgen kann.

4/10

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 Betreff des Beitrags: Re: AMULETT DES BÖSEN - Lucio Fulci
BeitragVerfasst: 13.05.2017 12:55 
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Manhattan Baby
(Amulett des Bösen / L'occhio del male / Il malocchio / Possessed / Eye of the Evil Dead / Evil Eye)
Italien 1982 - Directed by Lucio Fulci
Starring: Christopher Connelly, Laura Lenzi, Brigitta Boccoli, Giovanni Frezza, Cinzia de Ponti, Cosimo Cinieri...


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Bei Ausgrabungsarbeiten in Ägypten wird der Archäologe George Hacker (Christopher Connelly) in einer eben entdeckten Grabkammer von zwei grellen blauen Lichtstrahlen, die aus der Wand direkt in seine Augen schießen, geblendet. Fast zur selben Zeit bekommt seine kleine Tochter Susie (Brigitta Boccoli), welche den beruflichen Ägypten-Aufenthalt des Archäologen ebenso wie dessen Frau Emily (Laura Lenzi) als Urlaub genießt, von einer mysteriösen blinden Frau ein geheimnisvolles Amulett in die Hand gedrückt, mit den kryptischen Worten "tombs are for the dead". Zurück in New York teilt ein Arzt dem Professor mit, daß die Erblindung glücklicherweise nur temporärer Natur ist; Georges Sehkraft sollte also bald wieder zurückkehren. Doch noch bevor es soweit ist, ereignen sich in der Wohnung der Familie seltsame Dinge. Susie und ihr Bruder Tommy (Giovanni Frezza) verschwinden oftmals spurlos, tauchen aber wenig später ebenso plötzlich wieder auf. Der Boden eines Zimmers ist unerklärlicherweise mit Wüstensand bedeckt, und gefährliche Tiere wie Schlangen und Skorpione bedrohen die verdutzten Bewohner, darunter auch das Kindermädchen Jamie Lee (Cinzia de Ponti). Während sich die Ereignisse langsam aber dramatisch zuspitzen und schließlich sogar Menschenleben fordern, verschlechtert sich der Gesundheitszustand der kleinen Susie rapide.

Nachdem Lucio Fulci (17.06.1927 – 13.03.1996) mit Zombi 2 (Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies, 1979) in mehrfacher Hinsicht einen Volltreffer gelandet hatte, konnte er sich in den folgenden Jahren über mangelnde Arbeit wahrlich nicht beklagen. Und nicht nur das! Fulci lief, unterstützt von einer talentierten Crew, mit der er trotz persönlicher Differenzen perfekt harmonierte, zu absoluter Höchstform auf und haute - beinahe - einen Kracher nach dem anderen heraus. Kaum dachte man, seine Karten lägen alle auf dem Tisch, zog er grinsend ein neues As aus dem Ärmel. Luca il contrabbandiere (Das Syndikat des Grauens, 1980). Paura nella città dei morti viventi (Ein Zombie hing am Glockenseil, 1980). Black Cat (The Black Cat, 1981). ...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (Über dem Jenseits aka Die Geisterstadt der Zombies, 1981). Quella villa accanto al cimitero (Das Haus an der Friedhofmauer, 1981). Lo squartatore di New York (Der New York Ripper, 1982). Alles Werke, die zahllosen Genrefans viel Freude bereiteten und - mehr als fünfunddreißig Jahre später - immer noch bereiten. Manhattan Baby (Amulett des Bösen, 1982) läutete, wenn man so will, die Wende ein; der richtige Sinkflug begann dann mit Conquest (1983). Manhattan Baby hat im Prinzip alles, was auch die Vorgänger haben, mit einer kleinen aber entscheidenden Ausnahme. Fulci verzichtet hier auf exzessiv ausgewalzte Splatter-Set-Pieces.

Sieht man von einer recht heftigen Szene gegen Ende des Filmes ab, ist Manhattan Baby in Punkto Gewaltdarstellungen erstaunlich - um nicht zu sagen: erschreckend - zurückhaltend. Während in den kurz zuvor entstandenen Fulci-Klassikern Augen perforiert, Gedärme hochgewürgt und Leiber aufgeschlitzt wurden, muß man sich hier mit blutenden Wänden, schmerzhaften Schlangenbissen und blutigen Händen begnügen. Ansonsten gibt es jedoch keine sonderlich großen Unterschiede zu den populären Vorgängern, den ungewöhnlichen Plot natürlich außer Acht gelassen. Guglielmo Mancoris Cinemascope-Bildgestaltung ist exzellent (besonders hervorzuheben sind die Eröffnungsszene, die fabelhafte Sequenz mit Susie in der Gewitternacht, sowie die "Snakecam"), Vincenzo Tomassis Schnitt sitzt, Massimo Lentinis Produktionsdesign ist stimmig, Fabio Frizzis (zum Teil recycelter) Score rockt wie gewohnt, und auch an Maurizio Tranis (Zombi Holocaust) Spezialeffekten gibt es wenig auszusetzen. Die Produktion übernahm einmal mehr Fabrizio De Angelis (es sollte seine letzte Zusammenarbeit mit Fulci sein), und das Drehbuch stammte von Elisa Briganti und Dardano Sacchetti. Ihr Skript ist ziemlich wirr, ergibt wenig Sinn und scheint recht plump aus allerlei vielversprechenden Versatzstücken zusammengebastelt worden zu sein, welche sie bekannten Klassikern wie The Exorcist, The Awakening oder Poltergeist entlehnt haben.

Aber das sollte an und für sich kein Problem darstellen, zeichnete sich doch bereits Fulcis "Zombie-Trilogie" mit einer ähnlich episodenhaften, der gemeinen Logik immer mal wieder ein Schnippchen schlagenden Struktur aus, und dort funktionierte es doch prächtig. Der Unterschied ist vielleicht, daß dieses Driften zwischen real und surreal anmutenden Momenten bei Manhattan Baby auf die Spitze getrieben wurde, ohne dafür auch nur irgendeine Erklärung anzubieten. Ja, ein uralter ägyptischer Dämon scheint hinter den Geschehnissen zu stecken. Aber wieso er so ziel- bzw. planlos vorgeht, steht in den Sternen. Die Stimmung ist bei weitem nicht so dicht, unheimlich und bedrohlich wie bei den Vorgängern, aber sie ist immer noch angenehm diffus und ominös. Leider fällt es etwas schwer, sich mit der Familie Hacker anzufreunden. Ihr seltsam distanziertes Verhalten untereinander - daß ihre Kinder hin und wieder verschwinden, scheint die Eltern z. B. überhaupt nicht zu beunruhigen - überträgt sich auf das Publikum, obwohl die Schauspieler ihre Sachen nicht schlecht erledigen. Giovanni Frezza überzeugt einmal mehr als nervtötende Plage, eine Rolle, die er bereits in Quella villa accanto al cimitero und in I Nuovi barbari perfekt zum Besten gab. Und "Miss Italien 1979" Cinzia de Ponti (Shark: Rosso nell'oceano) sorgt für ein klein wenig zusätzliches Eye Candy.

Und doch kann Manhattan Baby als Gesamtkunstwerk nicht so überzeugen wie artverwandte Alptraumphantasmagorien à la ...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (von Dario Argentos Suspiria und Inferno ganz zu schweigen). Wie bereits erwähnt unterscheidet sich Manhattan Baby gegenüber seinen unmittelbaren Vorgängern nicht nur durch den fast völligen Verzicht auf graphische Gewaltdarstellungen, sondern auch durch die etwas anders geartete Grundstimmung. Die Atmosphäre verlagert sich weg von Horror in Richtung Fantasy, ist somit weniger düster und beängstigend. Die Bedrohung hat diesmal auch kein grauenerregendes "Gesicht"; kein Dr. Freudstein, keine verfaulenden Zombies weit und breit. Davon abgesehen variieren Fulci, Briganti und Sacchetti einige Ideen, die schon in Fulcis "Zombie-Trilogie" eingeflossen sind. Wie Kinder, die durch übernatürliche Ereignisse in Gefahr geraten (bzw. von denen selbst eine Gefahr ausgehen könnte), oder die Einflechtung von Tierhorror ins Szenario, hier in Form von Schlangen, Skorpionen und Vögeln. An den charakteristischen Zooms ins Gesicht der Protagonisten, mit zahlreichen extremen Close-Ups der Augenpartien, herrscht ebenfalls kein Mangel. Aber leider wirkt die Regie ein wenig lustlos, als wäre Fulci nicht ganz bei der Sache gewesen. Vielleicht war er in Gedanken schon bei seinem nächsten Projekt Conquest, von dem sich nicht nur Fulci viel erhoffte.

Der langen Schreibe kurzer Sinn: Bei Manhattan Baby fehlt das mysteriöse, außerweltliche Flair, das einen so geschickt einlullt, es fehlt der suggestive Sog, der einen mit Haut und Haaren in den Film reinzieht. Und ja, es mangelt auch an der alptraumhaft-morbiden Stimmung sowie an den spektakulär-eindringlichen Schockmomenten, mit denen Lucio Fulci die Fans in seinen Spät-Siebziger- und Früh-Achtziger-Jahre-Werken so reichlich verwöhnt hatte. Das mag im ersten Moment für eine große Enttäuschung sorgen, vorwerfen sollte man das dem Film jedoch nicht, das wäre einfach nicht fair. Denn abgesehen davon liefert Manhattan Baby wie gewohnt ab und ist wohl der letzte Film des italienischen Horrormaestros auf qualitativem Top-Level.

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