THE CRAWLERS - Fabrizio Laurenti & Joe D'Amato

Nebelige Schlösser, mystisches Gewirre und blutiges Gekröse.

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THE CRAWLERS - Fabrizio Laurenti & Joe D'Amato

Beitrag#1von Randolph Carter » 15.03.2014 12:41

Contamination .7
(The Crawlers / Creepers / Troll 3 / Troll III: Contamination Point 7)
Italien/Kanada 1993 - Directed by Fabrizio Laurenti & Joe D'Amato
Starring: Mary Sellers, Jason Saucier, Bubba Reeves, Vince O'Neil, Chelsi Stahr...


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So gut und interessant die italienischen Horrorfilme in den 1960ern, 1970ern und 1980ern waren, in den 1990ern verkehrte sich das alles - sieht man mal von einer handvoll lobenswerter Ausnahmen wie La Setta (1991), Dark Waters (1993) oder Dellamorte Dellamore (1994) ab - ins Gegenteil. Es hat den Anschein, als hätten die italienischen Genreregisseure, Drehbuchautoren und Kameramänner ihr Handwerk nach und nach verlernt, als wäre ihnen jegliches Talent von einer dubiosen Kraft entzogen worden, bis nur noch eine Art Hülle zurückblieb. Und diese Hülle konnte keine Filme mehr machen. Sie konnte das Filmemachen nur noch nachahmen. Diese Imitationen sehen zwar aus wie Filme, aber sie fühlen sich nicht so an, weil einfach nichts stimmt. Es ist wie bei den Körperfressern in den Body Snatcher-Filmen. Dort funktioniert der Mensch zwar noch, aber das Herz, die Seele, die Persönlichkeit... das alles ist unwiederbringlich futsch! So ähnlich ist es auch hier. Und das tut weh.

Aristide Massaccesi (aka Joe D'Amato; 15.12.1936 – 23.1.1999) ist berühmt und berüchtigt für Exploitationkracher wie Emanuelle in America (Black Emanuelle - Stunden wilder Lust, 1977), Buio Omega (Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf, 1979) und Anthropophagus (Man-Eater (Der Menschenfresser), 1980). Der 1956 geborene Fabrizio Laurenti schüttelte immerhin La casa 4 (Witchcraft) (Witchcraft - Das Böse lebt, 1988) mit David Hasselhoff, Linda Blair und Hildegard Knef aus dem Ärmel. Für ihr "gemeinsames" Machwerk, den 1991 in Utah gedrehten Contamination .7, konnten sie nichts, aber auch rein gar nichts von dem herüber retten, was ihre früheren Arbeiten auszeichnete. Ergo ist Contamination .7 ein Stück Sondermüll, das leider nicht fachgerecht entsorgt wurde und deshalb zwei Jahre später Richtung Videotheken entschlüpfte, wo es in Amerika unter Titeln wie The Crawlers, Creepers und - man faßt es nicht - Troll 3 sein Unwesen trieb. Und das, obwohl weder Trolle noch Goblins, weder Kobolde noch irgendwelche anderen artverwandten Kreaturen darin vorkommen. Welch furchtbarer Frevel!

Tatsächlich fällt Contamination .7 in die Kategorie "Öko-Horror". Ein skrupelloser Atomkraftwerksbetreiber entsorgt seine undichten Müllfässer im nahegelegenen Wald, wo ihr strahlender Inhalt natürlich ins Erdreich versickert. Das gefällt den Wurzeln der dort herumstehenden Bäume so gut, daß sie fröhlich zu mutieren beginnen. Sie entwickeln ein Eigenleben, verlassen ihre Heimat (= die Erde), schlängeln sich wie lebendige Tentakel durch die Botanik (meist visualisiert durch POV-Shots) und fressen Fleisch. Nun ja, es heißt, daß sie Fleisch fressen, aber den Beweis dafür bleibt uns der Film leider schuldig, denn obwohl sie so einiges tun... fressen zählt nicht dazu. Ist aber auch schwierig, so ganz ohne Münder. Einigen wir uns also darauf, daß sie gerne töten. Erstes Opfer ist Susan (Chelsi Stahr), die als potentielle Heldin eingeführt wird, dann an einer Tankstelle vom Busfahrer der Gray Line Tours vergessen wird, dann vom Typen, der sie mitnimmt, unsittlich bedrängt wird, weshalb sie in den Wald flüchtet und von den Wurzeln eiskalt gekillt wird (ein Wissenschaftler meint später: "Her body is soaked with radioactivity as if she swam in uranium"). Tja, es war wohl nicht ihr Tag. Der langen Rede kurzer Sinn: Die neue Heldin heißt Josie (Mary Sellers), die zusammen mit ihrem Ex-Verlobten Matt (Jason Saucier) der Sache auf den Grund geht.

Contamination .7 ist unglaublich öde. Diese Filmirage-Produktion, die sich noch dazu erstaunlich ernst nimmt, dümpelt so dermaßen saft-, kraft- und orientierungslos dahin, daß das Zusehen fast schon zur Tortur wird. Es ist offensichtlich, daß sämtlichen Beteiligten der Film egal ist. Man spürt keinen Hauch Leidenschaft, keinen Funken Energie, kein Anzeichen dafür, daß sich irgendeiner der Macher angestrengt hätte, hier etwas Brauchbares abzuliefern. D'Amato und Laurenti haben das zusammengeschusterte Drehbuch mit ihrer Gruppe von talentlosen Laiendarstellern so lustlos heruntergekurbelt, daß man glatt versucht ist, sie für diese Frechheit zu verklagen. In einigen Momenten, wenn die "Schauspieler" mal wieder in den Schmierenkomödienmodus abrutschen, fragt man sich allen Ernstes, ob das Ganze nicht als Parodie gedacht ist. Wer gerne dumpfen Hohlbirnen dabei zusieht, wie sie idiotische Dinge tun, dumme Sachen sagen und elendig lang im Wald herumspazieren, ist hier goldrichtig. Die Logik wird zudem mit Füßen getreten, auf Kontinuität wird keine Sekunde geachtet, der Wald ist kein bißchen unheimlich, und Laura Gemsers Kostümdesign ist genauso uninspiriert wie Carlo Maria Cordios Score.

Das einzig halbwegs Interessante an diesem Griff ins Klo sind die Szenen, in denen die bösen Wurzeln über ihre Opfer herfallen. Die Schauspieler hantieren dann verzweifelt mit den als Wurzeln verkleideten Wasserschläuchen herum und tun so, als ob sie erwürgt werden. Oder ausgepeitscht. Oder zerquetscht. Damit der Murks nicht auch noch jugendfrei ist, hat man bei dieser Gelegenheit schnell eine Gore-Szene eingeschoben (einem Gummikopf zwängt sich eine Wurzel in den Mund und kommt aus dem Auge wieder raus). Titten gibt es keine; nicht mal die Dorfnutte packt ihre Brüste aus. Lustigerweise verzichtet sie sogar darauf, die Beine breit zu machen, da sie mit ihren Freiern lieber quatscht. Was ist sonst noch erwähnenswert? Ein Spielzeughubschrauber explodiert, es gibt eine der langsamsten Autoverfolgungsjagden aller Zeiten zu bestaunen (Höchstgeschwindigkeit etwa 50 Meilen die Stunde), und die aufgesetzte Schlußpointe ist lächerlich. Ja, Contamination .7 ist Trash. Nur leider ist es schlechter, zäher, unlustiger Trash, und deshalb fühlen sich die 95 Minuten, die es zu überstehen gilt, auch sehr, sehr lang an.

Erhältlich im Rahmen des "All Night Horror Marathon Vol. 2" aus den USA.

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Randolph Carter
 
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