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 Betreff des Beitrags: BRATPFANNE KALIBER 38 - Antonio Secchi
BeitragVerfasst: 06.08.2012 16:37 
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Bratpfanne Kaliber 38 (Padella calibro 38; ITA 1972)
R: Antonio Secchi

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Einst war Billy Bronson ein gefürchteter Revolvermann, der im ganzen Westen Angst und Schrecken verbreitete. Heute ist er ein alter, verbitterter Mann, der dem Alkohol verfallen ist und alten Zeiten nachtrauert und auf dessen Kosten im hiesigen Saloon gerne einmal ein paar Späßchen gemacht werden. Doch plötzlich keimt in Billy wieder Hoffnung auf denn sein Sohn Jessie, den er als Kind in ein Kloster gegeben und seitdem nicht mehr gesehen hat, hat sich angekündigt. Der entpuppt sich aber zu Billys bedauern nicht als gefährlicher Revolvermann sondern eher als verweichlichter Jüngling, der keiner Fliege was zu leide tun kann. Zu allem Überfluss engagiert der Sheriff Vater und Sohn auch noch einem Goldtransport durchzuführen da die beiden unscheinbar wirken doch auf den Trick vom Sheriff fallen nicht alle herein und so müssen sich die beiden auf ihrer Reise mit allerlei dämlichem Gesindel herumschlagen.

Der frühere italienische Partisanenkämpfer und Fußballprofi Antonio Secchi arbeitet in den 60’er und 70’er Jahre vorwiegend als Kameramann für so renomierte Regisseure wie Damiano Damiani, Franco Rossi und Mario Lanfranchi bevor er 1972 für den Komödienwestern Padella calibro 38 (Bratpfanne Kaliber 38) erstmals, und leider auch letztmals, am Regiestuhl Platz nahm. An der Kamera veredelte er einige sehr gute Filme wie Damiano Damianis Quien, sabe?, der wohl auch den Glanzpunkt in seiner Filmographie darstellt. Ansonsten befinden sich auch noch der exzellente Sentenza di morte (Django-unbarmherzig wie die Sonne) von Mario Lanfranchi sowie die beiden unterhaltsamen Giorgio Ferroni-Western Un dollaro bucato (Ein Loch im Dollar) und Wanted, in denen jeweils Giuliano Gemma die Hauptrolle spielte, darunter. Nachdem Secchi 1972 mit Padella calibro 38 sein Regiedebüt feierte fand seine relativ kurze Tätigkeit für das Kino ein jähes Ende.

Padella calibro 38 entstand wie viele andere Westernkomödien Anfang der 70’er im Fahrwasser der erfolgreichen Enzo Barboni Komödien wie Lo chiamavano Trinità... (Die rechte und die linke Hand des Teufels) und ...continuavano a chiamarlo Trinità (Vier Fäuste für ein Halleluja). Allerdings waren die meisten dieser Komödien, die auf der Erfolgswelle mitschwimmen wollten, vieles aber ganz bestimmt nicht komisch. So entstanden nur relativ wenige amüsante und erträgliche Komödien zu denen ich auch den recht sympathischen Padella calibro 38 zählen würde, der in Italien vorwiegend unter dem Titel ...e alla fine lo chiamarono Jerusalem l'implacabile (in etwa: …und am Ende nannten sie ihn Jerusalem, den Unerbittlichen) bekannt ist. Was den Film von vergleichbaren Westernkomödien abhebt ist dass sich Secchi, zumindest anfänglich, mit Albernheiten einigermaßen zurückhält und der nette und überaus sympathische Besetzung.

Die Story ist wie so oft nichts Besonderes. Zwei unauffällige Typen sollen einen Goldschatz überführen hinter dem eine Handvoll zwielichtiger Typen her sind. Dies führt zu massenweise Überfällen, versuchten Diebstählen und so manchem Seitenwechsel der Akteure. Den Protagonisten Billy Bronson verkörpert der wundervolle und äußerst sympathische und viel beschäftigte Amerikaner Keenan Wynn, der dem Italowesternliebhaber vor allen Dingen aus Sergio Leones C’era una volta il west (Spiel mir das Lied vom Tod) und aus Bruno Corbuccis Spara, Gringo, Spara bekannt sein müsste. Wynns Bronson ist ein alternder Revolverheld, der sich heute lieber im Saloon mit Alkohol volllaufen lässt und von seinem mannhaften Sohnemann Jessie erzählt vor dem alle erzittern sollten und den er als Kind aus Sicherheitsgründen in einem Kloster abgegeben hat. Wie der Vater so der Sohn denkt sich Bronson und geht so davon aus das sein Söhnchen ja nun auch ein großer Revolvermann sein muss. Als der allerdings in dem kleinen Städtchen ankommt stellt sich heraus dass Jessie nun Jerusalem heißt und so gar nicht nach einem harten Kerl aussieht. Aber bekanntlich trügt der Schein ja bisweilen. Sehr witzig fand ich dass sich Billy Bronson seinen alten Steckbrief eingerahmt und an die Wand gehängt hat ("So viel war ich mal wert, 5000 Dollar, ist allerhand grün").

Bullaugen Joe: "Und wer ist diese Ein-Mann-Armee?"
Billy: "Mein Sohn Jessie Bronsen. Wenn ihr unbedingt Ärger haben wollt, den bekommt ihr wenn er hier ist. Wenn er zielt trifft er ins Schwarze, er reitet wie der Wind und er trinkt 10 Whiskeys bevor ihr einen runtergekippt habt. Er ist der wildeste Bursche im Wilden Westen."

Jessie, von den Nonnen zu Jerusalem umgetauft, wird dargestellt von Scott Holden, dem Sohn des legendären William Holden, der unter anderem in Sam Peckinpahs grandiosem The Wild Bunch eine der Hauptrollen spielte. Scotty allerdings schlug nicht die Laufbahn seines Vaters ein und war gerade einmal in drei Filmen mit von der Partie, von denen Padella calibro 38 sein Debüt war. Er macht seine Sache als Sprössling des großen alten Revolverhelden aber recht ordentlich und kommt ebenfalls sehr sympathisch rüber. Da er lieber nicht alles gleich mit dem Colt niedermäht gehört die Bratpfanne zu seinen bevorzugten Werkzeugen um unliebsamen Besuch eins drüber zu braten. Daher rühren wohl auch der italienische sowie der deutsche Titel. Philippe Leroy hat eine, meiner Meinung nach, nicht gerade besonders gelungene Nebenrolle als verrückter Nordstaatencapitano, der gemeinsam mit seinen Sergeanten Alberto dell’Acqua auf das Gold wartet um den Krieg fortführen zu können. Unter den Banditen befinden sich unter anderem Nello Pazzafini als Bullaugen Joe und Remo Capitani als El Tornado währen Mimmo Palmara den zwielichtigen Sheriff spielt.

Wie bereits erwähnt ist die Geschichte nichts Aufregendes und ziemlich durchsichtig. Neben Secchi befinden sich auch die angesehenen Mario Amendola (Il grande silenzio) und Massimo Franciosa (Rocco und seine Brüder, Der Leopard, Spasmo) unter den Drehbuchautoren was aber augenscheinlich auch nicht viel geholfen hat. Auch Secchis Inszenierung kann sich nicht wirklich hervortun und besondere Akzente setzen dafür schafft er es aber den Film über einen längeren Zeitraum recht flott und amüsant in Szene zu setzen. Bedauerlicherweise nehmen die Albernheiten mit zunehmender Laufzeit immer mehr zu und der Schluss mit Leroy und dell‘Acqua hat mich schon beinahe gelangweilt. Durch eine sehr liebenswerte Besetzung, und hier ist vor allem Keenan Wynn hervorzuheben, kann Padella calibro 38 aber auf alle Fälle angenehm unterhalten ohne dass man sich groß zu langweilen beginnt. Wunderbar ist ebenso die, zwar leider etwas eintönige aber sehr sympathische Musik von Franco Micalizzi inklusive des äußerst netten Titelliedes Spring is in the air. Von dem Film gibt’s Gott sei Dank eine deutsche VHS ansonsten scheint der Streifen nämlich ziemlich unbekannt zu sein was er mit Sicherheit nicht verdient hat. Auch in diversen Foren ist Bratpfanne Kaliber 38 ziemlich unterrepräsentiert was ich sehr schade finde und was zumindest wir hier ändern müssen.

Antonio Secchis ist mit seinem einzigen Kinofilm Padella calibro 38 ein leider nicht wirklich komischer, dafür aber äußerst sympathischer Western gelungen, der durch eine nette Darstellerriege, allen voran der amerikanische Veteran Keenan Wynn, punkten kann. Wer sich also einen verregneten Sonntagnachmittag verschönern möchte ist mit dieser recht amüsanten Westernkomödie recht gut bedient. In unserem allseits beliebten Genre tummeln sich bei weitem schlechtere Vertreter unter den Komödien als dieser hier.


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 Betreff des Beitrags: Re: BRATPFANNE KALIBER 38 - Antonio Secchi
BeitragVerfasst: 06.08.2012 16:57 
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Tolle Review ! Kann dir überall zustimmen ! Nur Leroy fand ich toll als Nordstaatencaptain,... ziemlich witzig ! :D Er zauberte mir ein ständiges schmunzeln ins Gesicht ! Mag den Film recht gerne, witzig fand ich ihn auch nicht wirklich ! Der Titelsing gefällt mir ungemein, schade des es den ned irgendwo auf YT oder ähnliches gibt !
Gibt ja 2 deutsche VHS Versionen, die eine ist um gut 5 Minuten geschnitten, hat aber sehr gute Bildquali, die andere ist ungeschnitten, hat aber ned sooo gutes Bild ! Schade drum ! Ich glaub die Premiere Ausstrahlung ist ebenfalls ungeschnitten, wie da die Bildquali war weiß ich ned !
Jedenfalls ist die Bratpfanne ein angenehmer kleiner Western !

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Zuletzt geändert von Italo-West-Fan am 06.08.2012 18:05, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: BRATPFANNE KALIBER 38 - Antonio Secchi
BeitragVerfasst: 06.08.2012 17:32 
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Seltsam, dass ich diesen Film mit einem der kultigsten Titel gerade eben selbst eintragen wollte.

Kenne das Teil noch aus der Videotheke und später aus der Videotheken-Kramkiste für 2,95 DM. Sichtung ist allerdings ewig her.

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 Betreff des Beitrags: Re: BRATPFANNE KALIBER 38 - Antonio Secchi
BeitragVerfasst: 06.08.2012 17:37 
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Der Film ist mist ;) Mag dieses Klamauckzeugs nicht so.
Das immer wieder wiederholende Titellied geht einem auf die Nerven 8-)
Es wird nur geprügelt und nicht geschossen, das sagt schon alles :|

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 Betreff des Beitrags: Re: BRATPFANNE KALIBER 38 - Antonio Secchi
BeitragVerfasst: 06.08.2012 20:41 
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Schreckt mich total ab. Die Italiener können nur brutal :mrgreen:

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 Betreff des Beitrags: Re: BRATPFANNE KALIBER 38 - Antonio Secchi
BeitragVerfasst: 06.08.2012 21:38 
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Meine Sichtung ist zwar schon etwas her, habe den Film aber als sehr brauchbar in Erinnerung.
Vorausgesetzt man kann der Art von Filmen was abgewinnen.
Habe das VPS Tape.


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 Betreff des Beitrags: Re: BRATPFANNE KALIBER 38 - Antonio Secchi
BeitragVerfasst: 06.08.2012 21:44 
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sid.vicious hat geschrieben:
Film mit einem der kultigsten Titel


Der Titel ist wirklich die totale Heulboje... :lol:

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 Betreff des Beitrags: Re: BRATPFANNE KALIBER 38 - Antonio Secchi
BeitragVerfasst: 31.05.2013 15:39 
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 Betreff des Beitrags: Re: BRATPFANNE KALIBER 38 - Antonio Secchi
BeitragVerfasst: 02.06.2013 10:38 
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Ein wirklich nettes und sympathisches Liedchen zu einem äußerst sympathischen wenn auch leider nicht allzu komischen Film. Von dem Film hab ich mir damals einfach mehr erwartet, schade.


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 Betreff des Beitrags: Re: BRATPFANNE KALIBER 38 - Antonio Secchi
BeitragVerfasst: 12.06.2017 14:41 
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Werbung: :mrgreen:
Diese sympathische und rare IW Komödie läuft nächste Woche Freitag (23.6.17) im Kölner Filmclub 813.
Im originalen Bildformat von einer gut erhaltenen 35mm Kopie.
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