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 Betreff des Beitrags: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 17:26 
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Originaltitel: Navajo Joe
Alternativtitel: Kopfgeld: Ein Dollar, An seinen Stiefeln klebte Blut
Herstellungsland: Italien / Spanien
Erscheinungsjahr: 1966
Regie: Sergio Corbucci
Darsteller: Burt Reynolds, Aldo Sambrell, Nicoletta Machiavelli, Fernando Rey, Tanya Lopert, Franca Polesello

Der Skalpjäger Duncan (Aldo Sambrell) kommt mit seiner Bande in das Dorf Esperanza um erbeutete Kopfhäute zu verscherbeln und muss feststellen, daß der Wind sich gedreht hat: Ein Kopfgeld ist auf ihn ausgesetzt, sein Broterwerb ist als illegal erklärt worden. Kurzerhand zerlegt Duncan den Ort zu Kleinholz. Dabei werden seine Aktionen immer wieder von einem mysteriösen Navajo-Indianer (Burt Reynolds) vereitelt und gestört, der ihn zu verfolgen scheint und hinterhältig seine Bande dezimiert. Zusammen mit einem verräterischen Doktor plant er den Überfall auf einen Zug, der eine halbe Million Dollar in eine aufstrebende Kleinstadt bringen soll. Als Navajo Joe abermals seine Pläne durchkreuzt, bläst Duncan zum Angriff. Ein Massaker bahnt sich an. Nach anfänglichem Widerwillen bitten die Bürger den Indianer um Hilfe…

Bereits in der Eröffnungsszene stellt der Film klar, daß hier das Gesetz der eisernen Kralle regiert: Eine Indianersquaw schöpft friedlich Wasser am idyllischen Fluss. Duncan betritt die Bildfläche. Sie lächelt ihn an, er grinst zurück und zieht den Colt. Sie ergreift die Flucht, er schießt der Unbewaffneten kaltblütig in den Rücken.
Willkommen in der Welt des Sergio Corbucci!

Später sehen wir eine junge Familie, die mit dem besagten Geldzug auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft befindet. „Ein herrliches Land“, sagt die junge Mutter. „Hoffentlich gefällt es ihm“, antwortet der Vater und betrachtet liebevoll seinen Sohn im Säuglingsalter. Die Mutter: „Er wird es lieben. Es soll seine neue Heimat werden.“
Kurz darauf überfällt Duncan den Zug, alle werden massakriert. Sein Bruder zeigt noch einen Rest von Menschlichkeit und zögert, die Mutter mit dem Säugling zu erschießen. Duncan beweist weniger Skrupel und erledigt den Job eigenhändig: „Keine Zeugen, habe ich gesagt!“

Zunächst wusste ich nicht recht, wie ich den Film einordnen sollte. Zugegeben, das Drehbuch hat Platz auf einem Bierdeckel, die Geschichte besteht im Großen und Ganzen aus einer Aneinanderreihung von Bluttaten. Aber der Film lebt nicht aus einer komplexen Storyline, sondern aus seiner alttestamentarischen Schlagkraft, mit der er vorgetragen wird. Die Figuren – allen voran Navajo Joe – sind eher Ikonen, als ausgefeilte Charaktere. Der Indianer taucht auf wie ein Racheengel, tötet und verschwindet wieder. Der soziopathische Duncan (brillant gespielt vom großartigen Aldo Sambrell) weist da schon mehr Tiefe auf. In einer Szene erklärt er sein gnadenloses Handeln: „Meine Mutter war eine Indianerin, daher hasse ich alle Rothäute. Mein Vater war Amerikaner, deshalb hasse ich auch die Weißen.“ Als der Priester des Ortes (Fernando Rey) sich bei ihm bedankt, daß er einige Geiseln am Leben gelassen hat, ist seine Reaktion nur konsequent: Er schießt ihn über den Haufen.
Duncans Bande erinnert an die entmenschten Skalpjäger aus Cormac McCarthys ultrabrutalem Wildwestroman BLOOD MERIDIAN („Die Abendröte im Westen“), eine multiplizierte Ausgabe der vier apokalyptischen Reiter. Die Skalps der friedlich in Reservaten lebenden Indianer werden für 1 Dollar pro Stück verhökert.

Corbuccis Film entstand 1966, im selben Jahr wie sein wegweisender DJANGO. An diesen filmischen Dampfhammer reicht NAVAJO JOE freilich nicht heran, trotzdem bereitet er dem Zuschauer eine Menge Spaß. Für die damalige Zeit war es auch äußerst gewagt und einzigartig, einen Indianer als (positive) Hauptfigur einzusetzen und die Verbrechen der weißen Einwanderer an den Ureinwohnern anzuprangern. In dieser Hinsicht war Corbucci den Amerikanern um einige Nasenlängen voraus – SOLDIER BLUE („Das Wiegenlied vom Totschlag“) kam erst drei Jahre später.
In einer besonders eindrucksvollen Szene stellt Joe dann auch klar, wer die wahren Amerikaner sind – und lässt sich kurzerhand zum Sheriff des Ortes ernennen.
Ungewöhnlich ist auch das Ende und nimmt bereits einige Elemente von Corbuccis Meisterwerk IL GRANDE SILENZIO vorweg.
Der Film geizt nicht gerade mit Brutalitäten, dennoch halte ich eine AB 18-Freigabe für maßlos überzogen. In den bisherigen deutschen Fassungen (vor allem im TV) wurden einige Szenen sogar entschärft oder ganz herausgeschnitten. Die Koch-Scheibe ist natürlich ungekürzt.

Die Schauspieler machen ihre Sache allesamt gut. Sambrell ragt, wie bereits erwähnt, heraus. Reynolds wirkt etwas hölzern in den Dialogpassagen, bei den Actionsequenzen macht er dafür nichts falsch – der Mann war damals topfit und hat auch sämtliche Stunts eigenhändig bestritten.

Erwähnenswert ist vor allem auch der geniale Score von Altmeister Ennio Morricone. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, die Musik bereits zu kennen – später stellte sich dann heraus, daß mehrere Stücke für den KILL BILL-Soundtrack geklaut worden sind, der sich ja ähnlich unverfroren bei FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR oder LADY SNOWBLOOD bediente.
Mit Sicherheit eine von Morricones schönsten Arbeiten.

Die DVD von Koch präsentiert sich in umwerfender Qualität und ist bis zum Rand gefüllt mit tollen Extras. Ein Featurette bietet hochinteressante Interviews mit dem damaligen Regieassistenten Ruggero Deodato (der amüsante Anekdoten darüber erzählt, wie Burt Reynolds damals etwas pikiert war, weil man ihn nicht wie den Star behandelte, für den er sich hielt), der Ehegattin von Sergio (die man peinlicherweise zu Beginn als die Frau von BRUNO Corbucci vorstellt), sowie der sehr sympathischen Nicoletta Machiavelli, die im Film eine Indianerin im Dienst der Weißen spielt.

Resummé: NAVAJO JOE ist ein actionbetonter, harter Italowestern, der zwar mit einigen Schwächen zu hadern hat und nicht an die Glanzstücke in Corbuccis Schaffen heranreicht, aber bestens unterhält und mit einer politischen Note gewürzt wurde.

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 18:10 
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In der Zeit ist Corbucci ja gerade so richtig warm geworden. Am besten gefällt mir hier Anfang und Ende und die Szenen des Arztes.

Die DVD muss ich zu meiner Schande gestehen, fehlt mir noch.

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 18:30 
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Leider ist die KOCH -DVD TONZENSIERT!!!!! Ein ganz wesentlicher Satz in der Schlußszene wurde entfernt, wodurch diese meiner Meinung nach keinen Sinn mehr macht. Laut Koch eine Auflage des Lizenzgebers, da in der englischen Synchro ebenfalls nichts gesagt wird. In der italienischen Fassung kommt der Dialog jedoch vor!!!! Sehr bedauerlich, womit die VÖ stark verliert. Hoffe bei Mercenario gibt es nicht wieder so eine unangenehme Überraschung (Hoff).


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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 18:36 
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Ein ganz wesentlicher Satz in der Schlußszene wurde entfernt


:o Und zwar welcher??

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 19:39 
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OMG.
Der Film war echt nicht meine Marke....fand den total langweilig...Corbucci inallen Ehren, eine Meisterleistung is der nicht.
Da schau ich lieber MERCENARIO, da weiss ich was ich hab !

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 20:20 
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Diabolik! hat geschrieben:
:o Und zwar welcher??


Am Ende des Films teilt Burt Aldo Sambrell mit: "Ich werde Dich töten wie einen Indianer". Der Satz fehlt auf der Koch-Scheibe. Finde nicht das die VÖ dadurch stark verliert...


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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 20:35 
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Diabolik! hat geschrieben:
Für die damalige Zeit war es auch äußerst gewagt und einzigartig, einen Indianer als (positive) Hauptfigur einzusetzen und die Verbrechen der weißen Einwanderer an den Ureinwohnern anzuprangern. In dieser Hinsicht war Corbucci den Amerikanern um einige Nasenlängen voraus – SOLDIER BLUE („Das Wiegenlied vom Totschlag“) kam erst drei Jahre später.



Stimmt nicht. Solche Filme gab es schon haufenweise in den 50gern. Seit Broken Arrow (1950) wurden Indianerfreundliche Western im Dutzend gedreht.

Natürlich nicht so drastisch wie Soldier Blue. Dafür oft intelligenter.


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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 21:29 
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Ich finde den Film großartig.


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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 22:38 
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Stanton hat geschrieben:
Stimmt nicht. Solche Filme gab es schon haufenweise in den 50gern. Seit Broken Arrow (1950) wurden Indianerfreundliche Western im Dutzend gedreht.

Natürlich nicht so drastisch wie Soldier Blue. Dafür oft intelligenter.


Stimmt schon. Broken Arrow war einer der ersten Filme der den Indianern keine negative Rolle zuwies und ein differenzierteres Bild ablieferte. In seinem Fahrwasser folgten dann noch weitere. Die Tendenz der Filme war aber, dass sie die Indianer meist als edle Wilde (ähnlich wie bei den Karl May Filmen) darstellten, sich mit Kritik an den Verursachern aber weitestgehend zurückhielten. Insofern blieben die Filme stark in Stereotypen verhaftet und lieferten mal wieder viel amerikanischen Pathos.

Corbucci übt dagegen eine klare (polemische) Kritik an den USA. U.a. thematisiert er die Feigheit und Besitzgier der Stadtbürger und zeigt mit Navajo Joe eine Figur, die sich ohne Wichtigtuerei für die Freiheit einsetzt. Zudem wird das Thema Rassismus durch die von Sambrell dargestellte Figur angerissen. Alles in allem war Corbucci m.E. mit seiner Kritik schon weit vorne. Hollywood hatte sich zu der Zeit immer noch nicht von seinen ideologischen Mythen lösen können oder wollen. Soldier Blue oder auch Little Big Man setzten die Kritik dann fort, indem sie die Entmythologisierung des Westens vorantrieben oder Paralellen zwischen Vietnam und den Kriegen gegen die Indianer zogen...


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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 23:47 
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Konnte mich nicht wirklich begeistern der Film, nicht mal Morricones Musik hab ich besonders positiv in Erinnerung. :?

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 23:51 
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Huch!? Die Musik finde ich wirklich absolut phantastisch, ich hab die Scheibe heute sogar nochmals eingelegt, nur um dem Score zu lauschen...

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 10.01.2010 23:53 
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Die Musik ist schon verdammt gut. Hat auch Kill Bill II aufgewertet

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BeitragVerfasst: 11.01.2010 00:00 
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Zitat:
Hat auch Kill Bill II aufgewertet


Naja, so kann man´s auch nennen... :|
Ich finde das schon ziemlich dreist, was Herr Tarantino sich da geleistet hat. Es ist EINE Sache, sich von einer Filmmusik inspirieren zu lassen und ein Derivat oder eine Variante herzustellen, das wäre wenigstens ein eigenständiger kreativer Prozess gewesen. Aber er hat die Musik (und etliche andere Scores) schlicht und ergreifend geklaut. Das ist schon recht unverschämt - und unoriginell. Ich mag zwar Tarantinos Filme (speziell auch KILL BILL), aber je mehr ich erfahre, woher er überall geräubert hat, desto mehr sinkt er in meiner Achtung.

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 11.01.2010 00:05 
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Diabolik! hat geschrieben:
Naja, so kann man´s auch nennen... :|
Ich finde das schon ziemlich dreist, was Herr Tarantino sich da geleistet hat. Es ist EINE Sache, sich von einer Filmmusik inspirieren zu lassen und ein Derivat oder eine Variante herzustellen, das wäre wenigstens ein eigenständiger kreativer Prozess gewesen. Aber er hat die Musik (und etliche andere Scores) schlicht und ergreifend geklaut.


Dieser erbärmliche Plagiateur klaut nicht nur Musik, sondern übernimmt auch 1:1 Dialoge und ganze Szenen (incl. Kameraführung)!
An den Pranger mit ihm :mrgreen:

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BeitragVerfasst: 11.01.2010 00:13 
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Diabolik! hat geschrieben:
Zitat:
Hat auch Kill Bill II aufgewertet


Naja, so kann man´s auch nennen... :|
Ich finde das schon ziemlich dreist, was Herr Tarantino sich da geleistet hat. Es ist EINE Sache, sich von einer Filmmusik inspirieren zu lassen und ein Derivat oder eine Variante herzustellen, das wäre wenigstens ein eigenständiger kreativer Prozess gewesen. Aber er hat die Musik (und etliche andere Scores) schlicht und ergreifend geklaut. Das ist schon recht unverschämt - und unoriginell. Ich mag zwar Tarantinos Filme (speziell auch KILL BILL), aber je mehr ich erfahre, woher er überall geräubert hat, desto mehr sinkt er in meiner Achtung.



Tarantinos Ambition ist dir offenbar entgangen.

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 11.01.2010 00:17 
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Diabolik! hat geschrieben:
...Ich mag zwar Tarantinos Filme (speziell auch KILL BILL), aber je mehr ich erfahre, woher er überall geräubert hat, desto mehr sinkt er in meiner Achtung.

Genau aus diesem Grund wundere ich mich immer, dass selbst viele Fans, die auch die Klassiker, bei denen er sich bedient hat, kennen, so auf Tarantino abfahren.

Sicher kann man da nicht von "klauen" sprechen, denn die rechtliche Situation wird er ja geklärt haben.
Im Prinzip finde ich es ja auch gar nicht so schlimm, mal etwas wiederzuverwenden, wenn es passt. Das gabs ja auch früher im Italo-Kino schon, dass z.B. die gleiche Musik in verschiedenen Filmen aufgetaucht ist.
Nur wirkt es bei Tarantino meist so lieblos, so als ob er mal schnell alles, was er für besonders cool hält, zusammenschustert, damit die Masse dann mal wieder was Kultiges ( :roll: ) im Kino sehen kann.

Sorry, dass ich mich nicht von der allseits beliebten Tarantino-Diskussion fernhalten konnte... ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 11.01.2010 00:29 
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Zitat:
Tarantinos Ambition ist dir offenbar entgangen.


Welche Ambition? Es gibt durchaus einen ganzen Haufen talentierter Regisseure, die "unsere" Art von Filmen lieben oder mit ihnen aufgewachsen sind, und trotzdem äußern sie ihre Hingabe nicht im hemmungslosen Drang zum Plagiat. Tarantino hat einige gute bis hervorragende Filme gemacht (zuallererst JACKY BROWN, aber auch RESERVOIR DOGS), ich denke also gewiss nicht, dass mir da irgendetwas "entgangen" ist. Ich gehör(t)e sogar immer zu den vehementesten Verteidigern dieses Megalomanen, aber je mehr ich mich in den Filmen der 60er und 70er tummle, desto mehr wird mir bewusst, daß Tarantinos angebliches "Genie" nichts weiter als ein lexikalisch gespeichertes Wissen über Filme ist, das er abruft und neu bzw. anders montiert. (Auch daran kann man durchaus seinen Spaß haben. Man sollte es nur nicht überbewerten.)
Aber vielleicht kannst du mich ja aufklären, welche Ambition mir entgangen sein soll, ich lerne immer gern dazu. ;)

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BeitragVerfasst: 11.01.2010 09:31 
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Diabolik! hat geschrieben:
Ich mag zwar Tarantinos Filme (speziell auch KILL BILL), aber je mehr ich erfahre, woher er überall geräubert hat, desto mehr sinkt er in meiner Achtung.


Ist bei mir genau das Gegenteil, je mehr ich selbst wieder erkenne, oder später im Netz heraus finde, umso mehr freue ich mich. Was meinste was bei uns die Party abging als bei INGLOURIOUS BASTERDS Til Schweiger als Hugo Stiglitz vorgestellt wurde, oder sich Eli Roth mit dem Namen Antonio Margheriti tarnt.

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BeitragVerfasst: 11.01.2010 10:51 
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Bonpensiero hat geschrieben:
Diabolik! hat geschrieben:
:o Und zwar welcher??


Am Ende des Films teilt Burt Aldo Sambrell mit: "Ich werde Dich töten wie einen Indianer". Der Satz fehlt auf der Koch-Scheibe. Finde nicht das die VÖ dadurch stark verliert...


Er sagt "Ich werde dich auf indianische Art töten" - das ist nicht das selbe ;)
Ausserdem macht es ohne den Satz keinen Sinn, daß er sich wegdreht und damit Sambrell die Chance für den Plattschuß gibt :o - für mich zumindest. Er hätte ihn ja weiter zu tode prügeln können. Und der Satz ist auch echt cool 8-)


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BeitragVerfasst: 11.01.2010 11:23 
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Tarantino ist selbst großer filmfan, genauso ein Freak wie wir hier ;) Nur er konnte sich seinen Traum verwirklichen, seinen liebgewonnenen Filmen zu huldigen! Er macht ja keinen hel daraus zu klauen, er macht das ja absichtlich! Eben um seinen Lieblinswerken tribut zu zollen!
Hey und so lange ein Film gut ist und unterhält kann da ruhig geklaut sein! Bei welchem film ist denn nicht irgendwas irgendwo abgeschaut! Und solch geniale Filme , wie Reservoir Dogs und Pulp soll erstmal einer nachmachen!

Aber ok vielleicht sollte man mal nen Tarantino thread im kultkino aufmachen!

Zurück zu Navajo, den Finde ich auch grandios! Die Score ist mit der beste im genre!
Und so eine Indianerfigur wie den Burt gab es vorher auch noch nicht, die guten Indianer in den 50er hollywoodstreifen waren ganz anders angelegt....

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BeitragVerfasst: 11.01.2010 12:41 
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Ich habe auch gar keine Lust auf eine Tarantino-Diskussion, schon gar nicht hier in diesem Thread. Ich geb zu, ich hab ja ebenfalls regelmäßig meine Freude, wenn ich irgendetwas wiedererkenne. Schwamm drüber.

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BeitragVerfasst: 11.01.2010 14:33 
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Burt Lancaster in Apache (Robert Aldrich 1954) war eine ähnliche Figur. Und der ist auch eher ein brutaler Wilder als ein Winnetou Typ.

Im Ernst, es gab bereits viele revisionistische Indianerwestern in den 50gern. Broken Arrow war sicherlich noch die eher romantische Version, aber sein großer Erfolg war ein Anfang. Im selben Jahr drehte Anthony Mann auch Devil's Doorway der sich wenig Illusionen über die Ausrottung der Indianer zum Zwecke des Landklaus macht.

Die alten US Western waren generell kritischer und schmutziger und gewalttätiger als viele IW Fans denken.


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BeitragVerfasst: 11.01.2010 14:55 
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Die alten US Western waren generell kritischer und schmutziger und gewalttätiger als viele IW Fans denken.


Ich lasse mich gern eines Besseren belehren. ;) Was alte US-Western angeht, fehlt mir einfach das nötige Fachwissen. Die waren noch nie mein Ding, abgesehen von ein paar Ausnahmen, wie DER SCHWARZE FALKE oder die ganzen klassischen Hawks-Filme. Insofern muss ich meine eingangs aufgestellte Behauptung wohl revidieren. Vielleicht war es zumindest der erste Eurowestern, der sich dieser Thematik angenommen hat.

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BeitragVerfasst: 11.01.2010 16:55 
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Stanton hat geschrieben:
Burt Lancaster in Apache (Robert Aldrich 1954) war eine ähnliche Figur. Und der ist auch eher ein brutaler Wilder als ein Winnetou Typ.

Im Ernst, es gab bereits viele revisionistische Indianerwestern in den 50gern. Broken Arrow war sicherlich noch die eher romantische Version, aber sein großer Erfolg war ein Anfang. Im selben Jahr drehte Anthony Mann auch Devil's Doorway der sich wenig Illusionen über die Ausrottung der Indianer zum Zwecke des Landklaus macht.

Die alten US Western waren generell kritischer und schmutziger und gewalttätiger als viele IW Fans denken.


Würde ich so nicht unterschreiben. Sicherlich aben gerade die Mann-Stewart und Boetticher-Scott Western den Itaos viel vorweggenommen und schlagen sozusagen die Brücke vom klassischen US Western, was Handlung, Settings, Charaktere und Grundmotive betrifft. Aber Leone, Corbucci und Co schlagen dann an Härte doch nochmal einiges drauf.


Zuletzt geändert von Nobody am 12.01.2010 07:05, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 11.01.2010 17:35 
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reggie hat geschrieben:
Tarantino ist selbst großer filmfan, genauso ein Freak wie wir hier ;) Nur er konnte sich seinen Traum verwirklichen, seinen liebgewonnenen Filmen zu huldigen! Er macht ja keinen hel daraus zu klauen, er macht das ja absichtlich! Eben um seinen Lieblinswerken tribut zu zollen!


Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. ;-)

OK, Schluss mit der Tarantino-Diskussion, NAVAJA JOE steht noch auf meiner Einkaufsliste, kenne den Film leider noch nicht.

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BeitragVerfasst: 12.01.2010 00:20 
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Stanton hat geschrieben:
Burt Lancaster in Apache (Robert Aldrich 1954) war eine ähnliche Figur. Und der ist auch eher ein brutaler Wilder als ein Winnetou Typ.

Im Ernst, es gab bereits viele revisionistische Indianerwestern in den 50gern. Broken Arrow war sicherlich noch die eher romantische Version, aber sein großer Erfolg war ein Anfang. Im selben Jahr drehte Anthony Mann auch Devil's Doorway der sich wenig Illusionen über die Ausrottung der Indianer zum Zwecke des Landklaus macht.

Die alten US Western waren generell kritischer und schmutziger und gewalttätiger als viele IW Fans denken.


Na, so viele waren's auch wieder nicht: das gros der "revisionistischen" western kam erst zehn, 20 jahre später im zuge der 60er. vorher taugten indianer doch entweder hauptsächlich als gesichtslose "wilde" zum abschlachten oder mussten den domestizierten onkel tom in rot geben. und auch, was die brutalität oder "dirtyism" angeht, hebst du imo vor allem auf die lobenswerten ausnahmen ab, von denen es zugegebenerweis' gerade im b-sektor wohl einige gab. von "generell" kann man aber eigentlich nicht sprechen, oder ich habe die streifen nicht gesehen ;-).

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BeitragVerfasst: 12.01.2010 10:23 
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Was Gewaltdarstellung betrifft kann man einen Film der 50ger natürlich nicht mit einem Film der späten 60ger vergleichen, in denen die Gewaltdarstellung sich dank eines Wegfalls einer rigiden Zensur so schnell entwickelte wie nie zuvor oder danach. Desgleichen Sex und Erotik.

Aber Western waren bis in die 70ger hinein immer ein Genre in dem die Möglichkeiten der Gewaltdarstellung ausgelotet wurden. Und auch die 50ger Jahre Western waren oftmals für ihre Zeit sehr gewalttätig.

Es gab in den 50gern sehr viele indianerfreunliche Western, viele davon natürlich eher einfach gestrickt mit edlen Wilden. Aber es gab auch die intelligenten Weiterentwicklungen die neben den erwähnten über Filme wie Run of the Arrow, Reprisal, The Searchers, Flaming Star, The Unforgiven, Two Rode Together und etwas später noch Hombre und Tell Them Willy Boy Is Here dann zu den Vietnam Western wie Little Big Man, Chato's Land und Ulzanan'as Raid führten.

Und bei den Eurowestern sollten wir auf keinen Fall unsere Winnetou Filme vergessen, die, wenn auch auf sehr schlichte, romantische und versöhnliche Art, letzlich auch den Freiheitskampf der Indianer im Mittelpunkt hatten. Die Schurken sind hier auch meist weiße Rassisten die sich am Eigentum der Indianer bereichern wollen.

Nee, die Themen von Navajo Joe waren längst etabliert. Und die Gewalttätigkeit in Corbbucci's Filmen entspricht der Zeit in der sie gemacht wurden. Aber Corbucci war durchaus der Pionier, der einiges zuerst machte. (Was natürlich andere etwas später auf jeden Fall auch gemacht hätten.)


Zuletzt geändert von Stanton am 12.01.2010 13:43, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 12.01.2010 13:32 
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Zitat:
Und bei den Eurowestern sollten wir auf keinen Fall unsere Winnetou Filme vergessen


Im Booklet zu NAVAJO JOE ist ein interessantes Interview mit dem deutschen Regisseur Dominik Graf abgedruckt, dort wird er u.a. gefragt, welchen Schauspieler er für den besten Indianerdarsteller hält. Er antwortet darauf: Pierre Brice! :D

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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 12.01.2010 13:44 
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Ich liebe Dominik Graf Filme. Momentan der beste Regiseur Deutschlands.


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 Betreff des Beitrags: Re: NAVAJO JOE - Sergio Corbucci
BeitragVerfasst: 12.01.2010 13:47 
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Mich hat die Tatsache überrascht, daß Graf ein begeisterter Fan und Kenner des italienischen Genrefilms ist. Sowas ist bei Regisseuren dieser Generation (aus Deutschland!) nicht unbedingt die Regel.

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