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 Betreff des Beitrags: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 26.03.2010 14:17 
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VON ANGESICHT ZU ANGESICHT („Faccia a Faccia“, I 1967) R: Sergio Sollima

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Der lungenkranke und dem Tode nahe Geschichtsprofessor Brad Fletcher (Gian Maria Volonté) verlässt seinen Lehrstuhl in Boston, um im warmen Klima von Texas Linderung für seine Atemwege zu finden. Dort gerät er durch eine Fügung des Schicksals in die Hände des berüchtigten Banditen Beauregard „Beau“ Bennett (Tomas Milian), dem es Dank des gutmütigen und naiven Fletcher gelingt, der Verhaftung zu entkommen. Zunächst benutzt Bennett ihn als Geisel bei einer Flucht vor Gesetzeshütern, doch schon bald geraten sie in eine Situation, in der beide aufeinander angewiesen sind, um zu überleben. Unter dem Bennetts Einfluss wird der bedingungslos pazifistische Intellektuelle mit den Reizen und Vorteilen des Verbrecherdaseins konfrontiert – und beginnt, peu a peu, Gefallen daran zu finden. Was für ihn als akademisches Studienobjekt begann, folgt bald begeisterte Hingabe an ein gesetzloses Leben ohne gesellschaftliche Zwänge und Fesseln. Er schließt sich Bennets Banditenbande an. Als Bennett durch Verrat erneut in Gefangenschaft gerät, ergreift Fletcher seine Chance und übernimmt das Ruder. Anders als der impulsiv handelnde Bennet, plant der Kopfmensch Fletcher die Raubzüge jedoch mit scharfsinniger Präzision und entwickelt sich immer mehr zum totalitären Machthaber. Gleichzeitig vollzieht sich bei dem gefangenen Bennet eine moralische Wertewandlung. Eine blutige Begegnung zwischen den Kontrahenten scheint unausweichlich…

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Was diesen exquisiten Western von Sergio Sollima so außergewöhnlich macht, ist vor allem das Figurengespann Volonté/Milian: Ein todkranker Geschichtsprofessor trifft auf einen skrupellosen Verbrecher – eine Konstellation, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte. Dementsprechend sind die Shoot-Outs, die hier geführt werden nicht physischer sondern psychologischer Natur. Die Protagonisten liefern sich ein andauerndes Duell, bei dem Ansichten und Weltanschauungen über die Natur des Menschen aufeinanderprallen – und das sich in Variationen über die gesamte Filmhandlung erstreckt.
Bei allen philosophisch-humanistischen Aspekten ist Sollimas Film aber keineswegs als soziologische Wesenstudie zu deuten, die sich als Wildwestfilm tarnt. FACCIA A FACCIA ist ein reinrassiger Italowestern, der geschickt mit sämtlichen Versatzstücken und Mechanismen des Genres jongliert.

Milian und Volonté verkörpern hochkomplexe Charaktere, deren schleichende Wesensveränderung sich in fein schattierten Nuancen vollzieht. Aber es ist vor allem Sollimas feinfühliger und geschickter Inszenierung (und nicht zuletzt dem hervorragenden Drehbuch) zu verdanken, daß dieser Diskurs niemals zum prätentiösen Selbstläufer wird, sondern stets geschickt in die Handlung eingebettet ist. „Show, don´t tell!“ – dieses erzählerische Grundprinzip wurde selten besser auf den Punkt gebracht, als hier.
Sollima zeigt anschaulich, was passiert, wenn ein humanistischer Denker durch die Umstände gezwungen wird, seine Lebensphilosophie an der rauen Realität zu messen. Kann er das theoretische Konstrukt seiner Ideale aufrechterhalten oder wird es an den nackten Tatsachen zerbrechen? Diese Frage beantwortet der linksgerichtete Existentialist Sollima auf deutliche Weise: Das Handeln des Individuums wird nicht durch sein Wünschen bestimmt, sondern durch Umstände und Umwelt.
Während der Bandit Bennet jedoch aus dem Bauch heraus handelt und von seinem Willen zum Überleben angetrieben wird, vermag der intellektuell überlegene Fletcher zwischen Gut und Böse zu differenzieren – und trifft bewusst seine Entscheidung.
Es ist Sollima hoch anzurechnen, daß er in FACCIA A FACCIA jedoch kein durchweg pessimistisches oder nihilistisches Menschenbild vertritt, denn der Wandlung von Fletcher zum faschistoiden Führertyp stellt er die Veränderung Bennets gegenüber: Mit gesteigertem Unbehagen beobachtet er Fletchers Wertewandel und kommt letztendlich zu dem Schluss, daß ehrenvolle Ideale und humanistisches Handeln obsiegen müssen, wenn die Freiheit erhalten werden will.

Der Film steht und fällt natürlich durch das Paar Milian/Volonte, die hier ihre definitive Meisterleistung abliefern. Besonders Volonté spielt göttlich, dessen Verwandlung vom kränklichen, hustenden Bildungsbürger zum kalt kalkuliernden Anführer, der vor düsterer Vitalität strotzt, sich glaubhaft entwickelt. Milian verkörpert hier, anders als in den anderen beiden Sollima-Western, mal nicht den typischen Cuchillo-Charakter, ist aber zumindest optisch an die Figur angelehnt. Er ist wie üblich eine Bank und verleiht seiner Figur die Milian-typischen Eigenheiten.
In einer Nebenrolle sehen wir den unvergesslichen William Berger, der sich als verschlagener Pinkerton-Detektiv Sirringo bei Bennet einschleicht und seine Bande infiltriert.

Der Film legt bei aller Tiefe ein flottes Tempo an den Tag – sowohl bei den (sparsam aber gezielt eingesetzten) Actionszenen als auch bei den großartig geschriebenen Dialogszenen kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf. Auch Ennio Morricones atmosphärische Musik trägt hierzu angenehm bei.

Ein herausragender und unverzichtbarer Italowestern mit einer ungewöhnlichen Botschaft, der in keiner Sammlung fehlen sollte!

Die DVD ist Bestandteil der wundervollen Sergio Sollima Italowestern-Box von KOCH. Als Einzel-DVD ist der Film leider nicht erhältlich, was mir bis heute nicht einleuchtend erscheint, immerhin sind die anderen beiden Western DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE und LAUF UM DEIN LEBEN im Zuge der Koch Italowestern("Regenbogen")-Reihe erschienen.
Die Frage, ob es sich rentiert, für diese Box einen Haufen Geld auszugeben, kann ich nur mit donnerndem „JA!“ beantworten. Zum ersten ist sie wunderschön aufgemacht und stellt ein Prachtstück im Regal dar, zum zweiten beinhaltet sie eine fette Extra-DVD mit Bonusmaterial zu allen drei Filmen und das 256 Seiten dicke Hardcover-Büchlein „Leichen pflastern ihren Weg“ von Ulrich P. Bruckner, eine abgespeckte Version seines Italowestern-Lexikons („Für ein paar Leichen mehr“), das sich schon aufgrund der vielen schönen Poster-Reproduktionen lohnt. Zusätzlich wird noch ein 32seitiges Booklet mit Begleittexten mitgeliefert.
Verkauft eure Autos, Häuser, Frauen und anderes sinnloses Zeug, damit ihr diese Box eurer eigen nennen könnt, aber hört bloß auf, euch zu fragen, ob ihr sie braucht oder nicht – ihr braucht sie.


„Wir tun beide dasselbe. Das ist richtig. Es gibt aber einen Unterschied. Ich weiß, was ich tue!“
- Fletcher zu Bennett

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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 26.03.2010 14:41 
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Diabolik! hat geschrieben:
1. Ein herausragender und unverzichtbarer Italowestern mit einer ungewöhnlichen Botschaft, der in keiner Sammlung fehlen sollte!
2.Verkauft eure Autos, Häuser, Frauen und anderen sinnloses Zeug, damit ihr diese Box eurer eigen nennen könnt, aber hört bloß auf, euch zu fragen, ob ihr sie braucht oder nicht – ihr braucht sie.



1. Das kann -nein, muss!- ich mit allem Nachdruck unterstreichen. Für mich ist "Faccia a faccia" einer DER besten Beiträge zum fünftbesten Genre des Italokinos. Der Film zeigt IMHO eindrucksvoll den Unterschied, zwischen einem guten bis sehr guten Werk (wie z.B. "Mercenario") und einem tatsächlichen Meisterstück auf! Milian ist Weltklasse, Volonté ist Gott! Punkt, Ausrufezeichen, keine weitere Diskussion!!!! ;)

2. So ist es. In diesem Fall bin ich wirklich sehr, sehr froh, die Sollima Box nicht verpennt zu haben. Wenn ich an die unendlichen Qualen denke, die mir noch heute der verpasste "Feinde aus dem Nichts" aus der Anolis Hammer Edition bereitet. Für ein weiteres Trauma diesen Ausmaßes würde mir die Kraft fehlen!

Natürlich sind alle drei Sollima Western sehr gelungen, selbst wenn man bei "Lauf um dein Leben" leichte Abstriche machen muss. Dass aber ausgerechnet der Stärkste der drei Filme, keine erneute Veröffentlichung im Rahmen der "Regenbogen Collection" erfahren hat, ist an Tragik gewissermaßen kaum noch zu überbieten! Ein verdammter Jammer, all die zerstörten Leben... :(

Zitat:
Auch Ennio Morricones atmosphärische Musik trägt hierzu angenehm bei.


Dieser psychedelisch angehauchte Score hat sein Ohr ganz nah am Puls der damaligen Zeit, für mich eine der schönsten mir bekannten Arbeiten von Meister Ennio.

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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 26.03.2010 15:55 
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Diabolik! hat geschrieben:
Verkauft eure Autos, Häuser, Frauen und anderen sinnloses Zeug, damit ihr diese Box eurer eigen nennen könnt, aber hört bloß auf, euch zu fragen, ob ihr sie braucht oder nicht – ihr braucht sie.


Auch ich kann da nur zustimmen. Faccia a faccia ist definitiv der beste der Sollima-Western. Ich hatte den Film sehr lange nur auf VHS und habe mir erst vor wenigen Monaten die Sollima Box zugelegt: Sie ist jeden Cent wert...


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 26.03.2010 16:06 
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@Blap:
Was sind denn die vier besseren Italo-Genre ? Da kenn ich kein Einziges.

Leider kann ich nicht so in den Jubel um den Film einstimmen. Liegt evtl. an der deutschen Fassung, wo die Sprecherauswahl - bis auf Petruo - mir überhaupt nicht gefällt. Zwar ist die Wandlung Volontes durchaus glaubhaft, aber Milians dafür umso weniger. Von Milians Perücke mal ganz abgesehen...


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 26.03.2010 16:09 
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El Indio hat geschrieben:
Diabolik! hat geschrieben:
Verkauft eure Autos, Häuser, Frauen und anderen sinnloses Zeug, damit ihr diese Box eurer eigen nennen könnt, aber hört bloß auf, euch zu fragen, ob ihr sie braucht oder nicht – ihr braucht sie.


Auch ich kann da nur zustimmen. Faccia a faccia ist definitiv der beste der Sollima-Western. Ich hatte den Film sehr lange nur auf VHS und habe mir erst vor wenigen Monaten die Sollima Box zugelegt: Sie ist jeden Cent wert...



Okay! Also ich habe jetzt mal mein Auto mein Haus und eine Frau verkauft für die Box ;) - Und ich habe den Film gesehen. Und ich muss sagen, dafür das er als Sollima-Film irgendwie immer nur an fünfter bis sechster Stelle genannt wird, finde ich ich wirklich atemberaubend. Ich hätte ihn nicht für so stark gehalten. Die Story ist gut, die Schauspieler klasse und der Score auch töfte! Ich bin froh, dass ich dieses rare Stück (also die Sollima Box) endlich habe! Ich würde sie auch nicht mehr (schon wegen den Filmen alleine!) hergeben.


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 26.03.2010 16:21 
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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 26.03.2010 17:10 
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Mailman hat geschrieben:
@Blap:
Was sind denn die vier besseren Italo-Genre ? Da kenn ich kein Einziges.


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 26.03.2010 17:25 
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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 26.03.2010 17:48 
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Mailman hat geschrieben:
Liegt evtl. an der deutschen Fassung, wo die Sprecherauswahl - bis auf Petruo - mir überhaupt nicht gefällt. Zwar ist die Wandlung Volontes durchaus glaubhaft, aber Milians dafür umso weniger. Von Milians Perücke mal ganz abgesehen...


Das stimmt, die Synchro (speziell Milians Stimme) ist unterste Kajüte - das konnte ich mir nicht geben, habe sofort aufs italienische Original umgeschaltet.
Die Perücke finde ich allerdings super, so eine hätte ich auch gern. Am Besten inklusive der herausguckenden Ohren.

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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 27.03.2010 05:00 
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der film ist ohne frage technisch gesehen großes kino, aber leider find ich den film also die thematik und die umsetzung alles in allem eher langweilig, bis auf den anfang
als die kutsche kommt das ist noch gute unterhaltung ok ich sag wies ist der film ist der 3. beste sollima für mich.

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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 27.03.2010 09:11 
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Bongo hat geschrieben:
der film ist ohne frage technisch gesehen großes kino, aber leider find ich den film also die thematik und die umsetzung alles in allem eher langweilig, bis auf den anfang
als die kutsche kommt das ist noch gute unterhaltung ok ich sag wies ist der film ist der 3. beste sollima für mich.



Ich habe den Film sehr sehr lange nicht mehr gesehen aber habe es glaube ich ziemlich ähnlich gesehen.
Trotzdem mag ich ANGESICHT mehr als LAUF UM DEIN LEBEN und der beste Sollima ist DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE.


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 27.03.2010 09:59 
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kann mich der allgmeinen Lobhudelei für Angesicht zu Angesicht nur anschliessen. Ist mein Lieblings-Italo-Western.

Wenn man sich mit den Horrorhaaren von Milian einmal angefreudet hat, gibts keinen Halt mehr diesen Film nicht ins Herz zu schliessen.


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 27.03.2010 22:33 
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Blap hat geschrieben:


1. Das kann -nein, muss!- ich mit allem Nachdruck unterstreichen. Für mich ist "Faccia a faccia" einer DER besten Beiträge zum fünftbesten Genre des Italokinos. Der Film zeigt IMHO eindrucksvoll den Unterschied, zwischen einem guten bis sehr guten Werk (wie z.B. "Mercenario") und einem tatsächlichen Meisterstück auf! Milian ist Weltklasse, Volonté ist Gott! Punkt, Ausrufezeichen, keine weitere Diskussion!!!! ;)



Das sehe ich genau umgekehrt. Sollima war ein guter Regisseur, aber niemals brillant, während Corbucci brillant sein konnte, wenn er wollte. Un in Il mercenario wollte er.
Mercenario und Silenzio spielen sowohl inhaltlich wie auch formal in einer ganz anderen Liga als Sollima.

Für mich ist VAZA Sollimas schwächster Western. Er hat nicht wenige Schwächen, und ist oft eher undurchdacht.
Was ist eigenlich aus Fletchers Lungenkrankheit geworden? Schwupp, einfach weg. Und Milians Wandlung ist kaum überzeugend, und außerdem versäumt der Film es die wirklich brutale Seite Milians zu zeigen. Wie überhaupt die Banditensiedlung eher von einem Haufen lieber Kerle bevölkert ist, als von wirklich gefährlichen Leuten.
Auch Bergers Rolle ist unterentwickelt, und nach meiner Meinung auch noch schwach gespielt.

In der Mitte gibt es dann noch eine überflüssige, und auch ziemlich prätentiöse Szene , in der Milian in einer Stadt aufräumt. Die enthält auch noch eine schwach inszenierte Schießerei. Wichtig ist hier eigentlich nur das Volonte einen Grund bekommt Spaß an der Gewalt zu finden, der Rest ist Ballast.

Der Film hat aber auch Stärken mit Volonte, Morricone, einem schönen Anfang und eienm gelungenen Ende. Aber zwischendrin holpert es.
Insgesamt ein unterhaltsames Werk, und dafür gibt es eine 7/10


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 28.03.2010 00:29 
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Stanton hat geschrieben:
1. Das sehe ich genau umgekehrt. Sollima war ein guter Regisseur, aber niemals brillant, während Corbucci brillant sein konnte, wenn er wollte.
2. Mercenario und Silenzio spielen sowohl inhaltlich wie auch formal in einer ganz anderen Liga als Sollima.
3. Was ist eigenlich aus Fletchers Lungenkrankheit geworden? Schwupp, einfach weg.
4. Und Milians Wandlung ist kaum überzeugend, und außerdem versäumt der Film es die wirklich brutale Seite Milians zu zeigen.
5. Wie überhaupt die Banditensiedlung eher von einem Haufen lieber Kerle bevölkert ist, als von wirklich gefährlichen Leuten.
6. Auch Bergers Rolle ist unterentwickelt, und nach meiner Meinung auch noch schwach gespielt.


1. Wie bemisst man "gut" oder "brilliant"? Letztlich sind es subjektive Eindrücke. Die Qualitäten eines Corbucci zweifele ich nicht an. Immerhin schätze ich "Leichen pflastern seinen Weg" noch höher ein, als Sollimas "Von Angesicht zu Angesicht".

2. Stimmt. Während "Mercenario" ein wirklich guter bis sehr guter Beitrag ist, gehört "Faccia..." eindeutig zur Spitze des Genres.

3. Durch den Wechsel in ein anderes Klima geheilt. Das mag sich zwar merkwürdig "anfühlen", vielleicht gar unlogisch, ist es IMHO aber keinesfalls. Es gibt genug Beispiele aus der Realität, in der Lungenerkrankungen durch den Umzug in eine andere Gegend ausgeheilt sind.

4. Da bin ich anderer Ansicht. Milians Figur ist intensiv gezeichnet und gespielt, da muss er nicht gleich das Monster wie z.B. in "Verdammt zu leben..." raushängen lassen. Dies hätte "Faccia..." eher geschadet und unglaubwürdig gemacht. Sicher steht er hier ein wenig im Schatten des überragenden Volonté.

5. Nun ja, zumindest wären es nicht meine Wunschnachbarn. ;)

6. Berger bringt eine gewisse "Sachlichkeit" ins Spiel. Ich finde ihn sehr überzeugend. Der Film braucht keinen dritten Platzhirsch, auch keinen unterschwelligen Versuch in dieser Richtung.

***

Ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich Filme auf Zuschauer wirken. Sogar dann wenn man sie mag, zu doch deutlich anderen Schlüssen kommt! :)

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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 28.03.2010 10:54 
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Blap hat geschrieben:

1. Wie bemisst man "gut" oder "brilliant"? Letztlich sind es subjektive Eindrücke. Die Qualitäten eines Corbucci zweifele ich nicht an. Immerhin schätze ich "Leichen pflastern seinen Weg" noch höher ein, als Sollimas "Von Angesicht zu Angesicht".




***

Ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich Filme auf Zuschauer wirken. Sogar dann wenn man sie mag, zu doch deutlich anderen Schlüssen kommt! :)


Klar,das ist immer subjektiv. Ich finde z.B. das auch Colizzi rein von der Inszenierung her Sollima überlegen ist.

Bei Corbucci finde ich wirklich außergewöhnliche Ideen, seine Filme können mich überraschen. Sollimas Filme kaum. Ich habe mich deshalb auch nie gewundert das Sollima außerhalb der Fans des italienischen Genrekinos kaum einer kennt.

Und ich würde mal sagen ein Lungenkranker kann zwar Besserung in einem geeigneten Klima erfahren, aber geheilt ist er davon noch lange nicht. Aber ok, ich bin auch bereit andere Dinge in Filmen zu schlucken


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 28.03.2010 11:37 
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Der Gehetzte war auf jedenfall sehr Brilliant! ;) Und zwar in allen gesichtspunkten!!!!! :!:

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BeitragVerfasst: 28.03.2010 12:38 
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"Facia a Facia" ist für mich mit "Der Gehetzte der Sierra Madre" der beste Vertretter des Italo Western Genre überhaupt, trotz das ich die Werke von Sergio Corbbuci teiweiße auch stärker einschätze als die von Sergio Leone.

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Blu Ray und DVD Holzkistenverpackungen sind Sondermüll....
und echte Filmfans brauchen sowas nicht !!!


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 28.03.2010 14:25 
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Ich mag den Film auch sehr gerne! Ich finde aber die Einwände vom Stanton auch recht interessant. Da hat er in diversen Punkten schon recht, trotzdem ein Erstliga-Film!

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Zensor, der - Beamter gewisser Regierungen, dessen Aufgabe es ist, geniale Werke zu unterdrücken. In Rom war der Zensor
ein Inspektor der öffentlichen Moral; die öffentliche Moral moderner Nationen verträgt jedoch keinerlei Inspektion.
(Ambrose Bierce - Des Teufels Wörterbuch, 1911)


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 29.03.2010 20:58 
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Stanton hat geschrieben:
Blap hat geschrieben:

1. Wie bemisst man "gut" oder "brilliant"? Letztlich sind es subjektive Eindrücke. Die Qualitäten eines Corbucci zweifele ich nicht an. Immerhin schätze ich "Leichen pflastern seinen Weg" noch höher ein, als Sollimas "Von Angesicht zu Angesicht".




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Ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich Filme auf Zuschauer wirken. Sogar dann wenn man sie mag, zu doch deutlich anderen Schlüssen kommt! :)


Klar,das ist immer subjektiv. Ich finde z.B. das auch Colizzi rein von der Inszenierung her Sollima überlegen ist.

Bei Corbucci finde ich wirklich außergewöhnliche Ideen, seine Filme können mich überraschen. Sollimas Filme kaum. Ich habe mich deshalb auch nie gewundert das Sollima außerhalb der Fans des italienischen Genrekinos kaum einer kennt.

Und ich würde mal sagen ein Lungenkranker kann zwar Besserung in einem geeigneten Klima erfahren, aber geheilt ist er davon noch lange nicht. Aber ok, ich bin auch bereit andere Dinge in Filmen zu schlucken


Ist vllt wirklich etwas spät, Logiklücken in Italowestern anzuprangern. :mrgreen: Dein Einwand stimmt natürlich. Ein Schwindsüchtiger kann zwar in gemäßigterem Klima (in Texas herrscht zwar auch nicht unbedingt troische Witteurng, aber angenehmer als in den New England Staaten ist es allemal) Linderung finden, die Krankheit aber nicht völlig besiegen. John Henry "Dc" Holliday hat's ja auf dem gleichen Weg versucht. 8-)


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 27.09.2010 09:37 
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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 19.11.2010 18:27 
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D'OH! :( Blu-ray ist gestrichen. Faccia a Faccia kommt als DVD only gem. Meldung im Lovelock&Load Forum. Sch....


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 19.11.2010 19:00 
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Ach mööönsch! Da freut man sich ohne Ende, und dann..., wobei der ja vorher schon mal terminmäßig nach hinten verschoben wurde. Sind das alles nur Testballons von den Labels? :evil:
Wundert mich eigentlich, da Eureka sonst auf jeden Fall seriöse Veröffentlichungspolitik betreibt. Wahrscheinlich auch der Grund, dass man ewig auf der Website nichts finden konnte zur Ankündigung.

Gruß, G.


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 25.12.2010 18:41 
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Kommt die Blue-Ray noch :villafrage:


@ Michael,
bringt Koch vielleicht doch mal eine Einzel DVD?????

Danke


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 25.12.2010 18:48 
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Django-Hill hat geschrieben:
bringt Koch vielleicht doch mal eine Einzel DVD?????

Danke


Da muss man dich entäuschen. Da kommt nix mehr. Die hat Michael schon lange abgesagt. Leider.
Hab die Box leider nich und muss mich nun mit ner ollen TV Fassung zufreiden geben.

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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 27.12.2010 15:30 
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Italo-West-Fan hat geschrieben:
Django-Hill hat geschrieben:
bringt Koch vielleicht doch mal eine Einzel DVD?????

Danke


Da muss man dich entäuschen. Da kommt nix mehr. Die hat Michael schon lange abgesagt. Leider.
Hab die Box leider nich und muss mich nun mit ner ollen TV Fassung zufreiden geben.



danke.....
Habe die Box........ :D
War für einen Freund..... :oops:


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 31.08.2012 10:30 
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Sind jemandem mal die Übersetzungsfehler in der deutschen Fassung aufgefallen?

"Er reitet herum, ohne zu lachen (sorridere)" - hier heißt es in der Synchro und in den Untertiteln "ohne zu laden".

"Sie sind gegen Telegraphen und Züge (treni)" - hier wurde übersetzt "gegen Telegraphen und gegen Lüge".

Hört sich so an, als hätten die Sprecher von einem unordentlich mit der Hand geschriebenen Manuskript abgelesen :|

Jemandem, der richtig Italienisch kann, würden da sicher noch viel mehr Sachen auffallen.

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Higurashi no Naku Koro ni


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 31.08.2012 16:37 
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Adalmar hat geschrieben:
Jemandem, der richtig Italienisch kann, würden da sicher noch viel mehr Sachen auffallen.
Wäre bestimmt lustig.
Ganz so schlimm ist es ja nicht,die dt. Synchros hatten meistens eh nicht viel mit dem O-Ton zu tun :lol:


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 31.08.2012 16:52 
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Finde ich jetzt nicht sehr spektakulär :lol:

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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 31.08.2012 21:01 
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Faccia a Faccia - Von Angesicht zu Angesicht (Sergio Sollima) Italien 1967

Viele Westernfilme sind in der Konzeption ihrer Figuren berechenbar, wenn nicht durchgängig festgelegt. Aber in Sollimas tragischer Geschichte zweier gegensätzlicher Männer sieht es anders aus. Wenn dann auch noch hochklassige Darsteller dazukommen, dann verfliegen gewohnte Westernklischees wie Wüstenstaub. Gian Maria Volonté als todkranker, humanistisch eingestellter Gelehrter Brad Fletcher trifft auf den Gauner "Beauregard" Bennett, der von Tomas Milian gespielt wird. Milians Figur ist letztlich doch nicht ganz klischeefrei und eine typische Milian-Rolle. Der charmante Verbrecher, der zwar Menschen zum eigenen Vorteil tötet, aber letztlich immer wieder als vermeintlich sympathisches Schlitzohr durchgeht.

Die eigentliche Überraschung ist somit auch weniger Bennett als vielmehr Professor Fletcher, der unter dem Eindruck eines freien gesetzlosen Lebens auf einmal seine Kenntnisse der Menschheitsgeschichte auspackt und in ihr die Vorlage zu einem neuen Leben als Bandenchef findet, der im Gegensatz zu Bennett laut eigener Aussage "weiß, was er tut". Schon am Anfang wirkt er bei der Verkündung seiner menschenfreundlichen Botschaften an seine Schüler enttäuscht und man kann aus seinem Verhalten ablesen, dass er sich nicht damit abfinden kann, trotz seines Wirkens im Interesse der Versöhnung und einer besseren Welt nunmehr mit einer tödlichen Lungenkrankheit gestraft zu sein.

Seine folgende Entwicklung hat Züge eines Paktes mit dem Teufel, da er auf wundersame Weise von seiner Krankheit kuriert scheint, aber all seine Ideale verliert und neue, verhängnisvolle Stärken an sich entdeckt. Durch taktische Überlegenheit kann er einen viel stärkeren, aber ungeschickten Gegner besiegen - dessen Freundin Maria (eindrucksvoll: Jolanda Modio) hat er schon zuvor mit Gewalt unter seine Kontrolle gebracht. Der lachende Dritte beim Wandel des Verhältnisses von Bennett und Fletcher ist ein Spitzel der berüchtigten Pinkerton-Detektei, Siringo (William Berger, erneut eine Bereicherung), der ebenso wie Bennett im Lauf der Geschichte über seine Rolle in dieser Welt und seine Verantwortung ins Grübeln gerät.

Dies gedankenreiche und herausfordernde Geschichte wurde von Sergio Donati und Sollima geschrieben und von letzterem mit symbolischen Bildern realisiert. Ein Beispiel: Volonté, noch ganz in seiner Rolle als Humanist, bewirft eine Eidechse mit Steinen und schon bekommt sein Bild einen Sprung. Dass er Bennett rettet, indem er ihn mit Wasser tränkt und so die Aufmerksamkeit der Bewacher unterläuft, kann man unter diesem Aspekt schon fast für so etwas wie Absicht halten. Auch wenn das sein Vorgesetzter, der Schuldirektor (John Karlsen), bestimmt nicht meinte, als er sagte, Fletcher habe sein Leben viel zu passiv verbracht, scheint er ihm damit die Augen für die Möglichkeit eines amoralischen Lebens geöffnet zu haben. Eine Botschaft, die am traurigen Ende von Fletcher noch einmal aufgegriffen wird. Ein tragisches Schicksal: Moralisch unanfechtbar bleiben und dahinsiechen, oder seine Werte über Bord werfen und endlich erfahren, wie man das Leben für sich ausnutzen kann.

Ennio Morricone stiftete dem Film eine Musik, mit der es ihm die Stimmung des Films kongenial zu vermitteln gelang, unter anderem indem sie mit verschiedenen Instrumenten den Rhythmus der Pferdehufe nachahmt. Darüber legt sich eine überirdische Sopran-Vokalise, gesungen von der legendären Edda dell'Orso - ein Traum! Auch mit Emilio Foriscot (Kamera) und Eugenio Alabiso (Schnitt) begegnen Namen, die für künstlerischen Rang im italienischen Genrefilm stehen.

8/10

GunmanStan hat geschrieben:
Adalmar hat geschrieben:
Jemandem, der richtig Italienisch kann, würden da sicher noch viel mehr Sachen auffallen.
Wäre bestimmt lustig.
Ganz so schlimm ist es ja nicht,die dt. Synchros hatten meistens eh nicht viel mit dem O-Ton zu tun :lol:


Wobei diese sich schon weitgehend dran hält. Keine Schnoddersprüche und dergleichen. Die zitierten Sätze sind eben recht auffällig, weil sie keinerlei Sinn ergeben.

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Higurashi no Naku Koro ni


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 Betreff des Beitrags: Re: VON ANGESICHT ZU ANGESICHT - Sergio Sollima
BeitragVerfasst: 01.09.2012 11:37 
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Gute Beschreibung der Hauptcharaktere,Adalmar
Hab seit der Auffrischung vom Lauf um dein Leben vor einigen Tagen das gleiche mit diesem Streifen vor,da die beiden gegenüber Sollimas Meisterwerk meistens zu kurz kamen ;)


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