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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 19.12.2014 20:26 
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Wie tollwütige Hunde (D)
Come cani arrabbiati (IT)


IT 1976

R: Mario Imperoli
D: Jean-Pierre Sabagh, Annarita Grapputo, Paola Senatore, Cesare Barro, Luis La Torre, Paolo Carlini u.a.


Score: Mario Molino #2 #3

OFDb



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- Gewalt? Gewalt hat damit nichts zu tun. Das leben ist ein langer, gnadenloser Kampf. Gefühle sind bedeutungslos. Oftmals ist es nötig, die Kadaver unserer Vorgänger niederzutrampeln oder die derer, die uns im Weg stehen. Ohne Gnade.

- Danke. Deine Lehren werden mir sicher nützlich sein
.


Zwei maskierte Täter begehen während eines Heimspiels von Lazio Rom einen brutalen Raubüberfall und können mit den erbeuteten Einnahmen unerkannt entkommen. Als Hinterlassenschaft wird ein getöteter Wachmann zurück gelassen, der von den beiden gnadenlosen Gangstern mit 2 Schüssen ins bloße Antlitz eiskalt aus dem Leben geblasen wurde.

Verantwortlich für die grausame Tat sind insgesamt 3 jugendliche Sprösslinge aus reichen Elternhäusern der "besseren" Gesellschaftsschicht. Angewidert von seinem stinkreichen Vater (ein eiskalter und menschenverachtender Vorzeige-Kapitalist) startet das verwöhnte und gleichfalls gewissenlose Söhnchen Tony Ardenghi (Cesare Barro) eine zügellose Rebellion gegen diesen.
Gemeinsam mit seinen beiden "Partners in Crime" - der in jeglicher Hinsicht völlig enthemmten Silvia (Annarita Grapputo) und dem leicht psychisch labil wirkenden Rico (Luis La Torre) - mischt das maskierte und bewaffnete Trio im nächsten Akt eine Geschäftsabwicklung des Vaters Enrico Ardenghi (Paolo Carlini) auf und können mit einer hohen Summe an Bargeld erneut unerkannt entkommen. Zwar werden sie bim Verlassen des Tatorts bereits von der Polizei erwartet, aber durch eine spontane Geißelnahme einer unbeteiligten Passantin gelingt dem Trio nach einer wilden Verfolgungsjagd mit den römischen Gesetzeshütern erneut die erfolgreiche Flucht.

Als kleines Zwischenspiel der zügel- und sinnlosen Gewaltorgie wird die hilflos ausgelieferte Geißel dann zunächst auf perfideste Art und Weise seelisch und körperlich mißhandelt, bevor sie in einem gefühlskalten Rausch menschlicher Verachtung durch einen beispiellosen Akt der Gewalt ohne Umwege ins Jenseits befördert wird.
Als Nächstes knüpft sich das gewissenlose Trio eine der beiden Stammprostituierten des verhassten Vaters vor und schenken auch dieser nach einem kleinen Martyrium das "One-Way Ticket" für den direkten Weg zur Himmelspforte.


"Hallo? Polizei? Sagen Sie Kommissar Muzi, dass in der Via Bennati 8 ein Mädchen ist, das ein bisschen tot ist. Nun ja, sehr tot."


Der etwas verstimmt und unbedarft wirkende Kommissar Paolo Muzi (Jean-Pierre Sabagh) beginnt seine Ermittlungen nach den Tätern zunächst in den kriminellen Kreisen des eher sozial-schwachen Bevölkerungsmilieus, doch nachdem diese erfolglos bleiben kommt der Chefermittler anhand verschiedener Indizien ziemlich schnell zu der persönlichen Überzeugung, dass der Sohn des mächtigen und einflussreichen Industriellen Enrico Ardenghi hinter diesen grausamen Taten stecken könnte. Da ihm aber die benötigten Beweise für die Justiz weiterhin fehlen, verdonnert er seine Arbeitskollegin und Teilzeit-Geliebte Germania (Paola Senatore) auf eine weitere beispiellose Art und Weise zum Undercoverdienst als "Hure". Germania soll sich am Straßenstrich als die zweite Stammprostituierte Marisa ausgeben, um somit das mörderische Trio ködern und im Anschluss mit heruntergelassenen Hosen überführen zu können.


- Hast Du am Freitag Zeit? Irgendwelche Pläne für Freitag Nacht?

- Ich habe zu tun. Ein außergewöhnlicher Abend: Um 20:30 Dinner mit Aga Khan, dann fliegen wir nach London um ein wichtiges Konzert meines Lieblingssängers zu besuchen...

- Sag alles ab, am Freitag bist Du mit mir verabredet!

- Wirklich? Wohin führst Du mich denn Schönes aus?

- Zu den Huren!
:shock:


Das riskante Unterfangen geht aber gehörig daneben und Germania musste dabei sogar mit den durch ihre Reize angeheizten Mörderbestien aus gutem Haus auf ungewollte Tuchfühlung gehen, da Murzi die Aktion zum Selbstzweck bis aufs Äußerste eskalieren ließ, bevor er dann letzt endlich seinen längst überfälligen Eingriff verübte und die tollgeschockte Germania aus den Fängen der grausamen Bestien befreite.

Ungeachtet dieser gescheiterten Intervention von Seiten Murzis setzt das Mördertrio ihren sinnlosen und todesbringenden Rebellionsfeldzug fort und nach weiteren gewissenlosen und eiskalten Morden an einem Geldboten und an mehreren Freunde des Großkapitalisten Enrico Ardenghi kommt es zum blutigen Höhepunkt der anhaltenden Gewaltorgie.
Kann der nicht gerade souverän wirkende Murzi die völlig enthemmten, unberechenbaren und menschenverachtenden Kinder der reichen Oberschicht in ihrem grausamen Handeln stoppen und letzt endlich überführen?


"Das ultimative Ziel im Leben, wie auch im Spiel, ist der Sieg. Weißt Du, der ganze andere Unfug wie Moral, Kultur, soziales Bewußtsein oder Religion sind nützliche Werkzeuge die man bei denen einsetzen muss, die man kontrollieren will.
Wenn Du gewinnst, stehst Du über jeglichen Prinzipien. Wenn Du verlierst, werden Dich dieselben Prinzipien fertig machen
"


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Diese gnadenlose Filmperle des it. Polizei- bzw. Terror-Films zählt für mich nach mehreren Betrachtungen mit zu den absoluten Highlights des aktuellen Jahres 2014 :good:
Nach der erneuten Betrachtung der BD fielen mir auch zahlreiche Nuancen auf, die bei der Kinopremiere Anfang Oktober im Kölner Filmhaus aufgrund der überwältigenden Gesamtwirkung wohl irgendwie untergingen. :unknown:

Dieser in den "Jahren des Bleis" entstandene Exploitationfilm spielt mit den Ängsten und dem allseits vorherrschenden Unsicherheitsgefühl der it. Gesellschaft und lässt darüberhinaus die heiße Thematik eines zu der damaligen Zeit real geschehenen und allseits präsenten Vergewaltigungsfalls enthemmter Jugendlicher miteinfließen.

Mario Imperoli zeigt in seiner Orgie der Gewalt ein grausames Portrait gelangweilter, überheblicher, unberechenbarer und rebellierender Jugendliche aus der reichen Bevölkerungsschicht, die aufgrund ihrer kranken Allmachtsgefühle und ihres menschenverachtenden Weltbilds auf brutalste Weise eine ganze Reihe eiskalte und absolut sinnlose Morde begeht. Der Motor dieser abgestumpften Tötungsmaschinerie ist der unendliche Hass von Tony gegenüber seinem eigentlich gleichgelagerten Vaters, der seinen Sohn durch seine unmenschlichen Lebensweisheiten zu dem erzogen hat, was sich gerade an ihm und seinem gesamten Umfeld rächen möchte.

Die etwas unsicher und unbedarft wirkende Schauspielkunst von Jean-Pierre Sabagh stört bei seiner Rolle als der erfolglose und rückgratlose Murzi in keinster Weise. Das Gegenteil ist hier sogar der Fall, da der Rolle somit überhaupt erst die richtige Authentizität verliehen wird.
Am unglaublichsten ist die Aktion, bei der er seine Teilzeit-Geliebte Germana undercover auf den Strich schickt und somit das Risiko einer Vergewaltigung ohne jegliches Wimpernzucken eingeht. Nach dem Misslingen der verwerflichen Aktion redet er sich die schäbige Aktion wieder einigermaßen schön und stößt der bereits verletzten Germania erneut vor den Kopf. Kurz darauf hat er dann auch schon ein nächstes Stell-Dich-ein mit dem sexuell enthemmten "Engel der Hölle" Silvia, ihres Zeichens Sexualpartnerin jeglicher männlicher Darsteller aus diesem Film.
Gegen Ende schickt er dann Germania erneut zu einer nicht gerade ungefährlichen Personenüberwachung in den Ring und setzt seine Partnerin ein weiteres Mal einem nicht abschätzbaren Risiko aus....

Der Charakter der reizenden Germana ist aber auch ausgesprochen undurchschaubar und in seinen Handlungen meist nicht nachvollziehbar. Trotz der zahlreichen Kränkungen, Hintergehungen und Erniedrigungen, hält sie weiterhin an ihrem geliebten Luftikus Murzi fest und nach dem Undercovereinsatz mit der Beinahe-Vergewaltigung kam sogar der Eindruck auf, dass Germania an diesem Vorfall obendrein einen gewissen Gefallen gefunden hatte....

Somit enthält dieses fiese Brett an Film keinen einzigen "wahren" Sympathieträger und hinterlässt ein sehr düsteres Gesellschaftsbild. Während des Filmverlaufs blitzt auch so einige Male eine Kritik an den Klassenunterschieden und an den korrupten Verzahnungen des Staatsapparats mit dem Verbrechen im Allgemeinen hervor.

Die Inszenierung des fiesen Mordes an der Prostituierten Lella erinnert dann optisch schwer und atmosphärisch an das Meisterwerk "Uhrwerk Orange" mit seinen einzigartigen Droogs.

Hervorzuheben ist dann natürlich auch noch das großartige Finale, dass nach einer heftigen Explosion der Gewalt mit einem absolut unerwarteten und (zunächst) etwas irritierenden Ende abschließt.

Während seiner finalen Flucht wird Tony mit seinem Wagen plötzlich durch eine Arbeiterdemo ausgebremst und zieht sich bei dem Versuch durch die Menge zu brechen den Hass der arbeitenden Masse zu. In einer unerwarteten und schwer unverhältnismäßigen Reaktion wird das Bürschchen reicher Eltern von den Füßen des arbeitenden Volkes zu Tode getrampelt.
Sein Tod erscheint somit genau so "sinnlos", wie seine zuvor zahlreich verübten Gräueltaten.



Die Inszenierung dieser kostengünstigen Produktion ist durchwegs hervorragend gelungen und wartet mit zahlreichen, sehr schön abfotografierten Bildern auf. Gerade bei diesem Exemplar hätte ich äußerst gerne selbst ein paar Bilder zur Threadbebilderung geschossen, aber leider besitzt mein PC kein BD-Laufwerk und musste somit auf bereits im Netz vorhandenes Bildematerial zurück greifen. :(

Zum Abschluss muss auch noch einmal auf die tolle Filmmusik von Mario Molino hingewiesen werden, die sich bei jeder Betrachtung tiefer ins Mittelohr fräst. Die einzelnen Kompositionen muten im Kontext der jeweiligen Szenen zunächst etwas merkwürdig an, verleihen dem Ganzen dann aber letzt endlich doch eine gewisse Prise an schwarzem Humor...

Ein kurzes Feedback zum Gesamtpaket dieser herausragenden CO-Veröffentlichung gibt es dann im entsprechenden Labelforum

Eine außerordentlicher Genrebeitrag für dessen Veröffentlichung ich unendlich dankbar bin :good:



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Trailer (zensiert):

www.youtube.com Video From : www.youtube.com



Trailer (unzensiert - aber mit Alterssperre)



Score:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com




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Zuletzt geändert von Richie Pistilli am 19.12.2014 23:31, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 19.12.2014 22:35 
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Mal wieder ein vorzügliches Review, Signor Pistilli! 8-)
Freue mich auch schon auf eine Zweitsichtung.

Ach übrigens... Prise (nicht "Brise"). ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 19.12.2014 22:39 
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Danke Dir für den Hinweis :boys_0222: (wie peinlich) :oops: :oops:


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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 19.12.2014 23:28 
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Das ist mir nur ins Auge gestoßen, weil das im alten VHS-Forum (Kompendium) mal n Running Gag war... "Brise". Oder war es "Breise"??? Verdammt, ich werd alt... ähh... bin alt.

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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 19.12.2014 23:32 
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Hatte den Film gestern auch gesehen und bin immer noch ziemlich überwältigt. Ein verdammt harter, jede Moral mit Füßen tretender Streifen. Die Gewaltdarstellung und Härte brachten mich auch schon fast an meine Grenzen. Ein ähnlich flaues Gefühl im Magen hinterließen bei mir lediglich Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (Italien 1975) und Verflucht zum Töten (Italien 1978).

Ein wohliger Schlag in die Magengrube.

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Ivo Scheloske hat geschrieben:
DVD am Aussterben, AM!!!!! ARSCH!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


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BeitragVerfasst: 20.12.2014 01:17 
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Plasmo hat geschrieben:
Hatte den Film gestern auch gesehen und bin immer noch ziemlich überwältigt. Ein verdammt harter, jede Moral mit Füßen tretender Streifen. Die Gewaltdarstellung und Härte brachten mich auch schon fast an meine Grenzen. Ein ähnlich flaues Gefühl im Magen hinterließen bei mir lediglich Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien (Italien 1975) und Verflucht zum Töten (Italien 1978).

Ein wohliger Schlag in die Magengrube.



beide sind mir auch in den sinn gekommen; überhaupt passt da so ziemlich alles an Assoziationen, was die "Last House-Thematik" hat, find ich; selbst die "echten" Cani Arrabiati von Bava kamen mir da in Erinnerung....

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BeitragVerfasst: 20.12.2014 01:55 
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Zuletzt geändert von Mater Videorum am 03.12.2015 19:03, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 20.12.2014 12:47 
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Mater Videorum hat geschrieben:
Wäre der Streifen in den 80ern bei uns auf VHS ausgewertet worden...ungeschnitten und nicht mit Kalauersynchro verschandelt...es hätte ihn wohl sicher mit dem 131er Paragraphen erwischt!

Kennst Du die deutsche Synchro ?


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BeitragVerfasst: 20.12.2014 12:53 
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Mailman hat geschrieben:
Mater Videorum hat geschrieben:
Wäre der Streifen in den 80ern bei uns auf VHS ausgewertet worden...ungeschnitten und nicht mit Kalauersynchro verschandelt...es hätte ihn wohl sicher mit dem 131er Paragraphen erwischt!

Kennst Du die deutsche Synchro ?



:D Die Betonung liegt auf "wenn" (es eine geben "würde" und diese nicht verschandelt "wäre") ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 20.12.2014 13:00 
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Aha, mein Fehler.


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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 20.12.2014 13:09 
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;)


Mater Videorum hat geschrieben:

Ich bin kein allzu großer Fan von Audiokommentaren...lieber schaue ich in der Zeit einen anderen Film, aber hier werde ich definitiv mal eine Ausnahme machen ;)

Ein kleines Juwel wurde von CO mal wieder geborgen, vielen Dank für diese (fast verloren-geglaubte) Sternstunde des italiensichen Crime-Kino's :)


Kleiner Tipp hinsichtlich der Reihenfolge:

1. Audiokommentar
2. die beiden Interviews


Die Featurettes sind wohl vom Entstehungszeitpunkt gegenüber dem AK etwas aktueller und enthalten zahlreiche Zusatzinfos, die den beiden Sprechern wohl noch nicht vorlagen (z.B. Imperolis Todesgrund...).


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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 21.12.2014 21:04 
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Zu Beginn des Films freute ich mich über Parallelen und Ähnlichkeiten zu "Fango Bollente" und "Bewaffnet und Gefährlich", dann driftete "Come Cani Arrabiati" (für mich überraschend) aber im Gegensatz zu den vorher genannten Poliziotteschi mehr in Richtung seichte, sleazige Unterhaltung ab.
Alle Charaktere wirken durchwegs unsympathisch, besonders der Kommissar, der als hässlicher Milian-Verschnitt durchgehen könnte. Dennoch hat der Film unbestritten einen gewissen Unterhaltungswert und wirkt mit seinen nicht ganz ernst zu nehmenden und dezent übertriebenen Szenen wieder irgendwie charmant. Es wird definitiv eine Zweitsichtung mit korrigierter Erwartungshaltung geben (müssen)!

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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 08.01.2015 22:40 
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Originaltitel: Come cani arrabbiati
Produktionsland: Italien
Erscheinungsjahr: 1976
Regie: Mario Imperoli
Drehbuch: Mario Imperoli, Piero Regnoli
Kamera: Romano Albani
Schnitt: Otello Colangeli, Sandro Lena
Musik: Mario Molini
Länge: ca. 94 Min.
Freigabe: ungeprüft
Darsteller: Jean-Pierre Sabagh, Anna Rita Grapputo, Paola Senatore, Cesare Barro, Luis La Torre, Gloria Piedimonte





Die Suche nach einem Trio von Gewaltverbrechern führt Commissario Muzi in die gehobenen Kreise der römischen Gesellschaft. Ein Ermittlungsfeld, das Muzis Vorgesetze nicht so recht akzeptieren wollen. Also handelt der Commissario auf eigene Faust.

“Come cani arrabbiati“ startet an einem typischen “Fußball-Sonntag“ in Italien. Somit wird das Auge erst einmal auf das Spielgeschehen im Stadio Olimpico di Roma gerichtet, der Heimspielstätte von Lazio und AS Rom. An diesem Sonntag ist Lazio Rom aktiv. Die Frage nach dem Gegner ist hingegen schwieriger. Herr Kessler spricht innerhalb des Audiokommentars von einem wichtigen Spiel (in dem es hoch her ging) gegen den Abstieg. Demnach würde das 4:0 am vorletzten Spieltag (09.05.1976) der Saison 75 / 76 gegen den AC Mailand (Endstand 4:0 für Lazio) durchaus in Frage kommen. Auch die weißen Auswärtstrikots der Gastmannschaft sprechen dafür. Egal.

Mario Imperolis Film zeigt sich als ein guter Polizeifilm. Die Ambitionen der Täter und die damit verbundene Gesellschaftsschicht, aus der deren Initiator kommt, lässt dem Film viel Spielraum. Das Thema: Immunität der hohen gesellschaftlichen Kreise, ist eine Komponente mit der Imperoli vorgeht. Das oft verwendete Zwei-Klassen-Thema.

Im Vergleich zu anderen Genrewerken, lässt sich Imperoli viel Zeit um die Gewalttäter der Oberschicht zu beleuchten. Dieses hat zur Folge, dass die Mitglieder der Arbeiterschicht zu einer geringen (sieht man vom sehr gelungenen Ende ab) Erwähnung kommen.

Reiche Schnösel, die die Lust und den Reiz am Töten gefunden haben, stellen den Commissario vor einen schwierigen Fall. Ein Fall bei dem er auf die Unterstützung seiner Vorgesetzten verzichten muss. Also taktiert der Commissario nach seinen Regeln. Kein unbekanntes Vorgehen, aber mit dem kleinen Unterschied, dass hier keine Killer(Commissario)maschine am Werke ist. Paolo Muzi ist ein Vertreter der ruhigen Fraktion.

Die Gewalt dominiert demnach beim Verbrechertrio. Diese wird von Imperoli in unterschiedlichen Formen dargestellt. Verherrlichend, anklagend, mal fast humorvoll und dann wiederum brutal und gemein. “Come cani arrabbiati“ zeigt die Vielschichtigkeit der Gewalt und die zahlreichen Möglichkeiten, wie man diese visuell darstellen und entschärfen kann. Der Mord an einer Prostituierten lässt gar Tendenzen in Richtung: “ Last House on the Left“ erkennen.

Die Suche nach Mördern entfällt für den Zuschauer, da die Verantwortlichen schnell bekannt sind. Trotzdem wird der Zuschauer gut in den Film eingebunden.

Fazit: Ein interessanter Film, den man Polizieschi-Freunden auf jeden Fall empfehlen kann.

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BeitragVerfasst: 10.02.2015 23:30 
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Sehr interessanter Polizeifilm, um einen sehr unkonventionellen Commissario, der ein juveniles Mörder-Trio aus der Upper Class jagt. Das Ende hat mir ausnehmend gefallen! Anfänglich hatte ich etwas Bedenken, ob es funktioniert, einen Poliziesco in OmU zu veröffentlichen, doch die lösten sich rasch (weitgehend) in Wohlgefallen auf. Vielen Dank für dieses Release, CO!


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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 18.02.2015 00:01 
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Ein interessanter Film. Ich habe heute endlich meine Gewinnspiel DVD gesichtet. Imperoli liefert einige bemerkneswerte Szenen ab, streckt den Film aber auch mit vielen zwar gut inszenierten, aber nicht handlungstragenden Sexszenen. Die Kameraarbeit bleibt all zu oft in den B-Movie-Grenzen des genres, liefert dann aber auch wieder grandiose Bilder, wie beim Selbstmord der Frau des Wachmanns gleich am Anfang. Letztendlich fand ich den Film wirklich gut und war besonders froh, dass es nicht zuviele Momente mit italienischen Worttiraden gab, sodass ich in Ruhe die Untertitel lesen und den Film schauen konnte.


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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 23.05.2015 16:04 
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Habe ihn jetzt auch mal gesehen, kann mich aber nicht recht entscheiden, ob es ein absoluter Spitzenklasse-Film ist oder doch eher Bodensatz.
Eines muss man COME CANI ARRABBIATI auf jeden Fall lassen: Der Unterhaltungsgrad ist durchgehend sehr hoch, mit anderen Worten: Wird nie langweilig.
Dann ist da natürlich auch noch die jederzeit wunderbare Musik von Mario Molino, die mit verschiedensten Stilen aufwartet, die man glücklicherweise sehr häufig zu hören bekommt.
Und jetzt kommt schon das große ABER: Der ganze Film besteht größtenteils aus einer Aneinanderreihung verschiedenster Brutalitäten und bietet sonst nur eine sehr dünne Handlung.
Eine ordentliche Portion Sleaze ist zwar grundsätzlich nicht verkehrt, aber in dem Fall war es doch zuviel des Guten, auch wenn, zugegebenermaßen, stellenweise recht ideenreich vorgegangen wird, in Sachen Gewalt.
Ich nenne mal die Szene mit der Ermordung der Geisel im Badezimmer.
Das z.B. ist schon etwas, wo ich sagen muss, da hätte sich Lenzi eine Scheibe abschneiden können.
Ansonsten gibt's zwar einige sehr blutige Szenen und eine Prise nudity dazu, aber außerdem ist da leider nicht viel.
Vielleicht noch ein paar sehr überzeugende Schauspieler, aber das war's dann auch.
Insgesamt sicher keine Glanztat, aber unterhalten kann der Film eben schon und das ist ja auch schon was.
Deshalb gibt's von mir 5/10.


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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 24.05.2015 19:00 
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WIE TOLLWÜTIGE HUNDE
[COME CANI ARRABBIATI][ITA][1976]

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Regie: Mario Imperoli
Darsteller: Jean-Pierre Sabagh, Anna Rita Grapputo, Paola Senatore, Cesare Barro, Luis La Torre, Gloria Piedimonte, Paolo Carlini, Mario Novelli, Silvia Spinozzi, Pietro Quinzi, Anna Curti


„Wenn ein Mörder stirbt, ist keine Zeit für Tränen“

Tony [Cesare Barro], Rico [Luis La Torre] und Silvia [Annarita Grapputo] sind Kinder reicher Eltern. Ihr Leben ist finanziell abgesichert, Sorgen um die Zukunft brauchen sie sich nicht zu machen. Ihre Flucht aus dem privilegierten Alltag besteht aus gewalttätigen Raubzügen oder sadistischen Misshandlungen Unschuldiger bis hin zu deren Tötung. Als sie während eines Fußballspiels die Kasse plündern, erschießen sie auf der Flucht einen Polizisten, woraufhin sich dessen Witwe das Leben nimmt. Der frustrierte Kommissar Muzi [Jean-Pierre Sabagh] setzt sich daraufhin auf ihre Fersen, stellt aber bald fest, dass dem Trio mit rechtsstaatlichen Mitteln nicht beizukommen ist. So greift er schließlich zu unkonventionelleren Methoden...

Für die Italienische Republik waren die 70er Jahre ein unruhiges, von Spannungen und Gewalt geprägtes Jahrzehnt. Linke und rechte Terror-Organisationen überzogen, teilweise gar auf Initiative korrupter Staatsbeamter, das Land mit Angst und Schrecken; Überfälle, Entführungen und Attentate beherrschten die Schlagzeilen; das Volk lebte in ständiger Furcht vor dem nächsten Anschlag. Die ansässige Filmindustrie reagierte auf diese katastrophalen Verhältnisse auf ihre Weise, schickte beschnauzbarte Rache-Bullen auf wenig zimperliche Verbrecherjagden und füllte so den Wunsch der Bevölkerung nach mehr Sicherheit aus - und sich selbst die Kassen. In diese Phase gesellschaftlicher Zerrüttung fiel auch Wenigfilmer Mario Imperolis grobschlächtiges Zeitbild WIE TOLLWÜTIGE HUNDE über eine jugendliche Dreierbande, die quasi grundlos und aus keiner zwingenden Motivation heraus eine Serie von Verbrechen begeht und dabei peinigt, quält und mordet. Raubzüge, Vergewaltigungen und in Eiseskälte durchgeführte Erschießungen gehören für sie zum Alltag, menschliches Leben hat für sie keinen Wert mehr.

Die Täter sind jedoch nicht etwa Angehörige einer ungebildeten Unterschicht, sondern entwurzelte Sprösslinge aus reichem Hause, die von ihren Eltern ideologisch verblendet wurden. Exemplarisch dafür steht der Charakter des Tony, der zwar in der Schule nur durchschnittliche Prüfungsleistungen erbringt, dessen volle Punktzahl durch einen Anruf seines einflussreichen Vaters trotzdem regelmäßig gesichert ist – was ihm freilich den Strich geht: „Ich will nur, was ich mir verdient hab.“ Die Erkenntnisse, die ihm sein Vater ansonsten noch mit auf dem Weg gibt, sind auch nicht gerade subtiler Natur: „Das ultimative Ziel im Leben ist der Sieg. Der ganze andere Unfug wie Moral, Kultur, soziales Bewusstsein und Religion sind nützliche Werkzeuge, die man bei denen einsetzen muss, die man kontrollieren will.“ Als Folge dieses weisen Rats entlädt sich Tonys Perspektivlosigkeit und die seiner Freunde, in Kombination mit dem Drang nach Aufbegehren gegen Gesellschaft und Obrigkeit, in sadistischen Machtspielchen, die manch Unbeteiligtem zum furchtbaren Verhängnis wird.

Dem gegenüber steht der ermittelnde Kommissar Muzi, der, genervt vom unfähigen System und dessen komplizierten Reglementierungen, den Verbrechen des Mörder-Trios quasi machtlos zusehen muss und infolgedessen schließlich selbst die gesetzlich festgesetzten Limitierungen übertritt. Dabei wird er allerdings nicht etwa zum gnadenlosen Rächer vom Schlage eines Maurizio Merli, der zu dieser Zeit regelmäßig zum italienischen DIRTY HARRY mutierte und den Gaunerbanden mit massivem Schießprügel- und Backpfeifeneinsatz das Fürchten lehrte. Muzi ist kein cooler Killer-Cop, dem man begeistert zujubelt; er bleibt trotz allem eher passiv und will, obwohl er der Einzige ist, der zumindest im Ansatz so etwas wie eine Identifikation ermöglicht, nicht so recht als Heldenfigur taugen. Das geht freilich einher mit dem realistischen Ansatz, den Mario Imperoli und sein Co-Autor Piero Regnoli hier verfolgen: WIE TOLLWÜTIGE HUNDE ist keine überzogene Selbstjustiz-Mär, sondern ein bodenständig-kritischer, manchmal fast schon resignierter Blick auf den zerfahrenen Zustand eines von Terror und Tristesse gebeutelten Landes.

Das zeigt sich bereits zu Beginn, wenn ein paar für die Handlung unwichtige Nebencharaktere beiläufig tadelnde Töne zu politischen und sozialen Missständen erklingen lassen. „Du bist der Einzige in Italien, der sich noch Fleisch leisten kann“, meint ein von Muzi befragter Zoowärter zum gerade gefütterten Raubtier. Und ein Besucher gemerkt beim Anblick einer Giraffe: „Wenn die Regierung uns weiterhin so die Hälse strecken lässt, um was zu essen zu haben, sehen wir bald alle aus wie Giraffen.“ Unterstützt wird das von einer naturalistischen und nur selten filmisch eingesetzten Kamera, die den Akteuren oft sehr nahe auf den Leib rückt und auf diese Weise für eine fast schon dokumentarisch anmutende Stimmung sorgt. Das führt auch dazu, dass die Gewaltakte des Trios einen erschreckend realen Duktus bekommen. Dadurch unterscheidet sich WIE TOLLWÜTIGE HUNDE grundsätzlich von einem Großteil seiner Konkurrenz: Sex und Gewalt wird hier nicht ausschließlich voyeuristisch ausgeschlachtet, sondern wird durch die erzwungene Nähe zu den Protagonisten und den schroffen wirklichkeitsnahen Look auch für das Publikum zur fast schmerzhaften Erfahrung.

Besonders zeigt sich das bei einer Sequenz, die wahrlich unter die Haut geht: Eine junge Frau, die als Geisel dient, versucht aus dem Haus, in welchem sie gefangengehalten wird, zu entkommen, schleicht sich, noch immer geknebelt und mit auf den Rücken gefesselten Händen, die Treppe hinunter, streunt durch die ihr unbekannten Gänge, öffnet leise die Türen, blickt schließlich von einem Fenster hinaus auf die Stadt, auf die Freiheit. Die Kamera beobachtet sie dabei, folgt ihr minutenlang, rückt ihr auf die Pelle, zeigt ihr tränenüberströmtes Gesicht, macht den Zuschauer zum Verbündeten, lässt ihn mit ihr hoffen. Und doch ist es vergebens: Die drei Unholde haben nur darauf gewartet, sie abzufangen, mit ihr gespielt wie die Katze mit der Maus. In abscheulicher Seelenruhe unterziehen sie ihr Opfer einer erniedrigenden Prozedur, rauben ihm erst die Kleidung, dann die Würde, dann das Leben. Die eiskalte Konsequenz dieser Tat und ihrer Präsentation schockiert und verdeutlicht den Unterschied zu den zahlreichen Exploitern, die sich an einem Schauspiel wie diesem in erster Linie ergötzt hätten: WIE TOLLWÜTIGE HUNDE ist nicht frei von spekulativen Elementen, in seiner Gesamtheit jedoch sehr unbequem und dürfte geifernden Gaffern auf der Suche nach misanthropischen Sensationen eher die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Etwas Futter für die Fraktion der Schaulustigen gibt es allerdings dennoch. Das Frauenbild, das hier entworfen wird, ist eher zweifelhaft und dürfte den Härtetest im Club der Dorf-Emanzen wohl kaum bestehen. Keine der hier anwesenden Damen bleibt vollständig bekleidet, Paola Senatore darf als Freundin des Kommissars gar minutenlang im Eva-Kostüm durch die Wohnung wandern. Muzi selbst hat dann auch keine größeren Probleme damit, sie als Lockvöglerin auf den Strich zu schicken, um ihr dann, als die absehbare Vergewaltigung schon so gut wie vollzogen ist, erst in letzter Sekunde und damit eigentlich viel zu spät zur Rettung zu eilen. Als sie sich später nicht ganz zu Unrecht bei ihm darüber beschwert, reagiert er mit: „Sei doch nicht so. Ich fühle mich ja ganz schuldig.“ - als habe sie sich lediglich darüber beschwert, dass er ihre Zahnbürste benutzt hat. Da sie gegen Ende des folgenden Gesprächs jedoch durchblicken lässt, dass ihr die Erfahrung einer beinahen Zwangspenetrierung gar nicht so fürchterlich missfiel, wie sie anfangs behauptete, verzeiht sie ihm am Ende doch und belohnt seinen selbstlosen Einsatz schließlich mit körperlicher Hingabe.

Geschmackliche Entgleisungen wie diese passen so gar nicht zu dem ansonsten doch sehr klugen und durchdachten Skript, das mittig allerdings – so viel sei zugegeben - auch ein paar inhaltliche Hänger hat und zu einer recht banalen Nummernrevue verkommt, welche die Gewaltakte des teuflischen Trios einfach nur wiederkehrend aneinanderreiht. Zwischen ihren Taten – und das darf man nun wiederum ohne Reue als genialen dramaturgischen Kniff bezeichnen - schenkte man der Mörderbande ein paar wunderbar harmonische Szenen, die man von Stimmung und Ästhetik her eher in einem Liebesfilm vermutet hätte. Die ansonsten schändlich agierenden Schwerkriminellen toben ausgelassen am Strand, genießen den Sonnenuntergang und sinnieren darüber, warum es nicht immer so friedlich sein kann. Fast vergisst man in diesem Moment für ein paar Sekunden, mit wem man es hier eigentlich zu tun hat, fühlt sich den Dreien sogar verbunden. Das ändert sich freilich, als die Truppe nachfolgend in eine Privatwohnung eindringt und den Besitzer mit Waffengewalt dazu zwingt, seine eigene Freundin zu vergewaltigen.

Es sind nicht nur solch harte Kontraste wie dieser, mit denen WIE TOLLWÜTIGE HUNDE irritiert, auch generell ist es nicht einfach, das Werk passend einzuordnen, zumal - anders als bei der Mehrheit der Polizeifilme - hier nicht der Ermittler im Mittelpunkt steht, sondern der Fokus auf den Tätern liegt. Zumindest in Teilen erinnert das an Stanley Kubricks Klassiker UHRWERK ORANGE, wenn auch abzüglich dessen ausgeflippter Extravaganz – eine Assoziation, die paradoxerweise an ehesten in einer Szene greift, die völlig gewaltfrei daherkommt: Die Jugendlichen spielen in ihrer Wohnung eine Szene aus OTHELLO nach – ein schön schräger, wie aus dem Zusammenhang gerissener Augenblick, der zudem verdeutlicht, dass die Jungs sich das Mädchen nicht nur auf freundschaftlicher, sondern auch auf sexueller Ebene teilen. Während die Killer aufgrund solcher Szenen trotz ihrer schrecklicher Taten interessant erscheinen, bleibt Kommissar Muzi, eigentlich die positive Figur, konturenlos und aufgrund seiner bis zum Schluss vorherrschenden Ohnmacht sogar weitestgehend unsympathisch. Bezeichnenderweise trägt er am Ende dann auch nichts Nennenswertes dazu bei, die Mörder ans Messer zu liefern. Das übernimmt stattdessen eine höhere Gewalt in einer Pointe, die dermaßen plötzlich hereinbricht, dass man sich von ihrer Schlagkraft erst einmal erholen muss.

Nicht nur, aber auch aufgrund seines knalligen Finales ist WIE TOLLWÜTIGE HUNDE ein unerwartet großartiges Stück Kino, ein süffisanter Kommentar zur prekären Lage einer geplagten Nation im Mantel einer rüpeligen Räuberpistole, die ihre Botschaft jedoch nicht, wie viele zeitgleiche Vertreter, im politisch rechten Spektrum verortet, sondern stattdessen eine deutlich differenziertere Sichtweise offeriert. In Deutschland lief das Werk seinerzeit nicht in den Lichtspielhäusern (daher existiert auch keine entsprechende Synchronfassung), was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass man sich keinen der damals zugkräftigen Namen auf das Plakat schreiben konnte. Tatsächlich sind die Darsteller eher unbekannt, was ihre ausgezeichneten Leistungen jedoch nicht schmälert und der angestrebten Authentizität zudem überaus zugänglich ist. Zwischen rüder Härte und geerdetem Realismus findet Imperolis genuines Gesellschafts-Portrait dabei trotz aller Ruppigkeit auch immer noch Augenblicke großer cineastischer Poesie. Diese Hunde gehören losgelassen.

s. auch: WIE TOLLWÜTIGE HUNDE

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 Betreff des Beitrags: Re: COME CANI ARRABBIATI aka WIE TOLLWÜTIGE HUNDE - Mario Imperoli
BeitragVerfasst: 24.05.2015 19:36 
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Dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen :dh: Sehr schön geschrieben, Herr DJANGOdzilla :hutheben:


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