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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Re: Die drei Stigmata des Palmer Eldritch
BeitragVerfasst: 13.08.2013 06:17 
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Decoder -BRD 1984 - Muscha

Der Cast ist ja schon der Hammer: Bill Rice, William S. Burroughs, Christiane F. Genesis P.Orridge, Ralf Richter und der immernochsuperstar FM Einheit in einer Hauptrolle. Musik dann von Soft Cell, Dave Bell (mit Soft cell ^^) usw.

Der Film: Viele Frösche, viele bunte Lichter. Westberlin oder gleich die ganze Welt wird von irgendeiner totalen Organisation beherrscht. Sie spielen überall (McDonalds) Muzakmusik die die Menschen beruhigt. Einheit findet das selbst raus, durch Denkarbeit und verändert den Muzak zu toller Einheit-Musik, Unterstützung findet er bei Genesis, der ein kirchlicher Führer (?) ist. Sie wollen die Menschen befreien aus ihrem drögen Mitläufertum und der Gehirnwäscherei.
Wenig angetan davon ist die Macht, die wird vertreten von Bill Rice und, und das ist das spektakulärste an diesem Film: Ralf Richter. Ralf Richter trägt in diesem Film nämlich ein weißes Hemd un hat eine Lohnarbeit. Wenn man sich die anderen Filme von ihm aus den 80ern anschaut Verlierer etwa oder Abwärts, wo er einen rassistischen Fahrstuhlmonteur spielt ist das wirklich eine ungewöhnliche und tolle Besetzung.

Nun, die Macht, als Bill Rice wird gleich zu Beginn eingeführt: Er läuft minutenlang durch kalte, leere Bürogänge und gibt immer mal Anweisungen. Dann trinkt Ralf Richter Ketchup aus der Tube.
Auf der Gegenseite dann Einheit, der mich ein wenig an Snake Plissken erinnert hat, also er bekommt seine Quest und nur er kann die Welt retten, er lehnt sich auf. Seine Lady, Christiane F., im Film die Froschfrau, spottet über ihn: Der große Krieger fühlt sich mal wieder unverstanden.

Der Film ist natürlich so simpel wie er nur sein kann, es gibt auch Leibesertüchtigungsübungen der Machtanwärter, da geht es dann um Liegestütze und die maschinisierung des Menschen mit Abfragerei und auswendig gelernten Antworten (Morgens muss man sich rasieren und schön sein ist auch ganz wichtig), das Licht in der Szene ist natürlich auch ein rotes GEFAHRENLICHT.

Der Film war schon doof. Aber immerhin schön bunt.


Ungefähr bis zur Hälfte hab ich den durchgehalten. Immerhin.


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 Betreff des Beitrags: hillbilly, heroin, honey
BeitragVerfasst: 15.08.2013 22:13 
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Ja, es wäre für den Film sicher besser gewesen, in einem Stadium wie Jodorowskys Dune steckenzubleiben. Es liest sich toll auf dem Papier aber es ist eher grauslich zum anschauen.

Katalin Varga -Peter Stikland 2009 -Rumänien/Ungarn/UK

Meine Erwartungen waren ungefähr so groß wie ein Elefant. Ein Rape and Revenge Film in den Karpathen. Ich weiß, dass ich hier oft mit Superlativen um mich werfe und das das ja auch ganz furchtbar abstumpft aber das lass ich mir JETZT auch nicht nehmen: Die Karpathen sind so ungefähr die weltbeste Region der Welt. Und dann noch dieses Genre. Also was war es:

Katalin lebt in irgendeinem Dorf mit ihrem 11 jährigen Sohn und ihrem Mann. Doch dann die Scheiße: Sie erzählt ihrer Freundin, dass der Bub durch ne Vergewaltigung entstand. Die Sache verbreitet sich wie ein Lauffeuer im Dorf. Der Ehemann reagiert wie ein Mann in einer patriarchalischen Welt (Siehe Karl Kaser: Hirten, Helden, Stammeskämpfer) reagieren muss. Er wirft die Frau und den Bastard von Sohn hochkant aus dem Haus.
Die Frau zieht nun mit ihrem Bub' mit der Pferdekutsche los. Sie sagt ihm nicht die Wahrheit, von wegen wahrer Papa-falscher Papa, sie sagt sie müssten die kranke Oma besuchen gehen.

Die Oma sucht sie nicht, sondern die Vergewaltiger von einst. Sie kommen auch an einem dunklen Wald vorbei. Der Bub will rein, spielen oder so. Aber der Zuschauer registriert es: Dark Ambient Musik und der Wald ist as dark as hell. Da drin könnte der Rübezahl leben. In den Wald, das sehen wir später in dem Film, kann man nur mit einer Axt gehen. Sie ruft ihn zurück.
Sie passieren dann das ein oder andere Dorf, leben von der Hand in den Mund, Geld hat sie nicht. Sie nehmen auch an einer Art Maifeuer teil. Es wird wild getanzt um ein Lagerfeuer. Der Ton wird kurz abgedreht und wir sehen sie wie eine wilde hüpfen.

Und schon trifft sie den ersten der Vergewaltiger. Er erkennt sie nicht, will sie verführen, drückt seine eigene Ehefrau am Handy weg, der Strolch. Und die Kleidung: Eine lila Polyestersportjacke und darüber ein Sakko. Die Schuhe sind Anzugschuhe, mit Löchern für die Zehen. Ein Bild für die Götter.
Sie erschlägt ihn mit einem Stein, nachdem sie die Adresse des Mörders bekam.

Mutter und Sohn reisen und kommen an. Der Vergewaltiger lebt kinderlos mit seiner Frau. Er ist ein herzensguter Mann, ein Engel, niemand könnte ihn töten.
Film endet zwangsläufig ganz furchtbar. Also konsequent ist es, es bleibt aber auch offen wer wie überlebt.
Es gibt sogar, also für mich, eine faustdicke Überraschung.

Wie war der Film?
Die Landschaftsaufnahmen sind spektakulär. Ich liebe sie. Jede einzelne. Die Bilder sind trotzdem ab und an ziemlich Arthaus-Bedeutungsschwanger und prätentiös. Es gibt auch viele Close-ups, Aufnahmen der galoppierenden Pferdehufen usw.
Einige Szenen sind auch ziemlich gut gemacht: Katalin ist mit ihrem Vergewaltiger und dessen Frau in einem Boot, niemand kann flüchten. Die Frau erzählt von ihrer Vergewaltigung, die andere Frau weiß nicht, dass es ihr Mann war und diese Beschreibung, dieses zelebrieren und auswälzen des Geschehenen ergeht sich über Minuten.

Ein Film der sicher einige Schwächen hat, der teilweise ein wenig konventionell ist aber den ich sicher noch einige Male sehen werde, nicht nur wegen der Naturaufnahmen - auch die Story war ziemlich gut.
Gibt die DVD von Artificial Eye.

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Die Haare! Die Haare!

Der Vij - Russland 1967 - Regie: Konstantin Yershov und Georgi Kropachyov

So, die zweite Vij-Verfilmung von Gogol. Der Plot steht ja auch auf Seite 1. 3 Seminaristen sind in der Natur. Suchen Schutz vor der Dunkelheit, kommen zu einer alten Dame, die separiert sie und reitet auf einem. Der prügelt sie tot. Sie verwandelt sich in eine junge Schönheit und er wird zu einer 3 tägigen Totenwache zu einem reichen Gutsherren gebracht. Dort muss er 3 Nächte allein mit der Hexe in einer Kirche verbringen. Erste ist gruselig. In der zweiten werden die Haare grau und in der dritten: Aus die Maus.

Der Film hält sich sehr eng an den Gogol-Text. Sie ziehen sogar die schicken Schuhe aus in der Schlammpfütze. Es ist auch mehr Humor dabei als in Sveto Mesto. Der Humor ist auch ziemlich platt. Also während der Ansprache des Chefheiligen melken 3 Seminaristen heimlich eine Ziege, gedeckt vom Pulk der Truppe. Das Anfangstrio ist auch selten dämlich. Um aus dem BFI Screen Guide: 100 European Horror Films (Text von David Kalat Hrsg: Jay Schneider) zu zitieren: Der Beginn erinnert an Spring Break Madness, der Protagnoist sieht aus wie Mickey Dolenz von den Monkees und er versprüht den Geist des frühen Jackie Chan..
Es ist ziemlich uninteressant und langweilig. Zumal er schauspielerisch auch so viel Talent hat wie die eine in Alucarda.

Nun, er kommt dann am Totenhaus an und hat natürlich die Arschkarte: Er ist so religiös wie Tim Wiese. Aber das beten ist das einzige das ihm gegen die okkulte Hexenmacht helfen könnte also stammelt er hilflos die Reste des Vater unser die er grade so beherrscht.
Die Aufnahmen sind, laut Film, um Kiev herum, die Landschaft ist toll, ziemlich russisch auch (hrhr), also bleischwerer, grauer Himmel, es ist trübe und den Sound dominieren Tiergeräusche. Aber der zweiten Hälfte wird es aber schon besser, also ernsthafter, er bemerkt seine Todesgefahr und reagiert auch entsprechend. Die Nebelmaschinen bekommen ihren Einsatz, der Sarg in der Kirche darf an einem Seil hin und her baumeln ("fliegen") und das Ende, also die Kostüme und all das ist wirklich hervorragend gemacht. Die eine Szene erinnert an den vollkommen wahnsinnigen Tanz in Beau Travail.
Nochmal sehen würde ich ihn aber nicht.
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Oktoberfest - Jugoslawien 1987 - Dragan Kresoja

Luka ist Anfang 20 und lebt mit seinen Eltern zusammen in irgendeinem Arbeiterplattenbau bei Beograd. Seine Lebenswelt sind verdrecke Spiegel und Wandteller. Arbeitslos ist er auch: Es ist ziemlich furchtbar. Er würde gerne nach München auf das Oktoberfest. Leider kennt er auch 2 Kleinkriminelle, die ihn dazu überreden ein paar Gramm Drogen über die Grenze zu schmuggeln, was natürlich auch prompt auffliegt. Das heisst, sein Pass wird eingezogen und er lebt ohne Geld und Arbeit und Pass in dieser grässlichen Gegend. Er gammelt im Auto mit seinen Kumpels herum und trinkt Wein aus der Pulle. Ansonsten sind viele Aufnahmen auf Klosetts. Er hat auch eine Freundin aber die ist eher scheiße, sie bumst auch seinen Feind, so einen Scheißkerl in Lederjacke der aussieht wie der Jaenicke in Abwärts (Was nicht positiv gemeint ist).
Die Welt ist wirklich abstoßend, also auch auf den Partys: Jemand fragt, auf die Bierpulle glotzend: Was trinkst du?: Antwort: Bier.
Nächste Szene.
Es sind Szenen die an Kehraus vom/mit Polt erinnern.

Seine Fernwehsehnsucht wird auch von seinem besten Kumpel genährt. Der war nämlich auf dem Oktoberfest und erzählt davon. Eingeblendet werden die tatsächlichen Erlebnisse: Er auf dem Bahnhofsklo mit ner Palette Bier, allein eingeschlossen in der Scheißhauskabine, bis er aufgefordert wird, das Ding zu verlassen. Es ist armselig ohne Ende. Auch der Sex. Eine Fahrstuhlsexszene in Boris-Becker Geschwindigkeit. Die Geschichte des Kumpels wird immer wieder aufgegriffen, während der erzählten Zeit heiratet er auch und wird Straßenbahnfahrer, kommt dann im bürgerlichen Leben an.

Also der Film war ziemlich deprimierend und er soll das Lebensgefühl der damaligen Zeit dort abgebildet haben. Es wundert mich nicht, dass so etwas in einem Krieg münden kann.
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Belgrad 1987

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 Betreff des Beitrags: The mechanics of homosexual intercourse
BeitragVerfasst: 17.08.2013 22:05 
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Un Bellissimo novembre, Italien 1968 -Regie: Mauro Bolognini

Mit dem wunderschönen Jüngling Paolo Turco. Er ist Nino, ältester Sohn einer sizilianischen großbürgerlichen Familie. Anfangs sehen wir ihn mit seinem kleinen Bruder auf einem Straßenfest, später fahren sie und ihre Eltern in eine Prunkvilla. Nino verliebt sich in die Tante und begehrt sie heftig und leidenschaftlich. Die Tante hat ein großes Herz. Was aber auch am sozialen Umfeld liegt, jeder schläft mit jedem, ob Verwandt, verheiratet oder sonstwie in Verbindung. (Auch Ninos Mutti schläft nicht ausschließlich mit ihrem Ehe-Mann!)

Nino ist nun natürlich der glücklichste junge Mann der Welt. Doch dann kommt Sascha, mit einem schönen roten Rennwagen. Die Tante schläft nun mit ihm und Nino ist eifersüchtig und wütet und verdrischt die Tante. Der Film endet mit einer Heirat Ninos mit seiner Cousine.

Der Film: fast Vollständig mit Musik unterlegt. Von Morricone. Die Musik schafft eine ständige Bedrohung. Die Kamera ist fantastisch, er arbeitet wahnsinnig viel und gut mit Spiegeln.
Film: Bravo. Zum verlieben auch wenn die Figuren schon eher widerlich sind. Turco hatte zu der Zeit ja auch nur ein paar Hauptrollen und jedesmal lebte er in diesen großbürgerlichen Familien mit viel, viel Sex. Mein liebster ist sicher Lickerish Quartet (Da ist er nackt und sie haben dieses tolle Buchbumszimmer) dann der nicht weniger gute Quarta Parete dann dieser hier.
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Black Moon -Frankreich 1975 - Louis Malle

Auf den habe ich mich sehr gefreut und dann gemerkt, dass ich ihn schon mal vor einem Jahrzehnt im TV gesehen habe.
Also, Plot: Frankreich im Herbst. Die androgyne Lilly fährt mit dem Automobil und überfährt einen Dachs. Kurz danach wird sie einer Straßenszene Gewahr: Soldatenmänner mit Phantasiekanonen a la die dicke Berta töten Frauen.
Später andersrum.
Sie lebt also in einer Welt, in der die Geschlechter sich bekämpfen, als das Auto nicht mehr fährt macht sie sich zu Fuß weiter, übertritt eine Schlange - und tritt damit in eine Phantasiewelt.

Sie kommt zu einem Anwesen, Tiere, Tiere, Tiere: Nackte Kinder treiben eine Sau durch's Dorf (Habe ich heute auch, angezogen, - war im Streichelzoo - Al Pacas tätscheln!), Insekten auf ihr, dazu ein dickes, fettes Ponyeinhorn. Die Größenverhältnisse stimmen auch nicht so ganz, in einer wunderbaren Einstellung greift sie über einen riesigen Tisch um sich ein eimergroßes Milchglas zu holen.

Nach 25 Minuten fangen sie an zu sprechen. Im Haus: Eine Oma und ihre 2 Kinder: Die inzestuösen Bruder-Schwester: Lilly und Lilly.
Die Realität wird nun mehrfach gebrochen: Es gibt kleinere Kämpfe, im nächsten Schnitt sehen wir aber nur die Darsteller sich winden, ohne Gegner. Auch die Oma spricht in ein Telefon über Lily: She, has no Busen, a stupid little girl, she thinks a war is going on.

So: Viele, viele Symbole, Allegorien, Spiegelungen usw. Dazwischen tautologische Erklärungen des ganzen. Die Oma stirbt, die Kinder singen Wagners Tristan und Isoldes Liebestod.

Lilly säugt das Einhorn und wird zur Frau.
Ende.
Keine Ahnung, bzw. doch: Also motivisch sicher (Ich-sicher nicht Du-sicher): Alice im Wunderland. Ich hab's mit Gombrowicz gesehen, das Einhorn als Vertreter der Form.
jedenfalls sehr Phantasievoll.

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 Betreff des Beitrags: Hubert Fichte is a frozen shithole
BeitragVerfasst: 18.08.2013 21:58 
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Farewell to the Ark- Japan 1984 - Shuji Terayama

Literarische Vorlage: Gabriel Maria Marquez': 100 Jahre Einsamkeit. Extra gelesen für den Film und es war stellenweise ein hervorragendes Buch, also einige sehr phantasievolle Stellen. Insgesamt aber war es eher so, wie ich mir Nobelpreisliteratur vorgestellt habe: Dröge, verquarzt, geil und irgendwie kacke. Also: Statt Film erstmal das Buch: Ehepaar, Cousin/Cousine. Werden ausgelacht. Mann tötet anderen Mann und flüchtet mit Frau. Die hat Angst vor Kindern mit Schweineschwanz (KA ob hinten oder vorne). Gründen ein Dorf, andere machen mit. Ehepaar bekommt Kinder. Der eine Sohn hat einen Penis wie ein Elefantenrüssel. Dann wieder Kinder der Kinder. Das problematische: Die meisten heißen einfach gleich. Seinen Höhepunkt findet das irgendwo auf der 200. Seite, da kommt heraus, das der eine beim kriegspielen 18 Kinder zeugte. Die bekommen nun alle seinen Namen. Dann auch viel Geschnacksel. Auch innerhalb der Familie natürlich. 12-13 jährige Buben, denen frisch der Flaum sprießt werden in aller Regelmäßigkeit von Tanten verführt. Die eine hat sich grade wieder so einen Bengel gegrapscht und, und an dem Punkt fand ich Marquez so scheiße wie den Grass:

Sie streichelte die Algen seines Sehnens!

Gut, also der Film. Terayama hatte das Buch ja gefallen. Es gibt einige Motivüberschneidungen. Cousin/Cousine leben wieder beieinander. Die Lady hat aber einen nicht zu öffnenden Jungferngürtel vom Vati bekommen. Der Vati ist tot, das Ding geht nie, nie ab. Im Dorf wird der Mann schon verlacht, als Schwuchtel, als Impotentling. Das wird dem einen zum Verhängnis. Es gab einen Hahnenkampf (+Marquez), der Impotente (hrhr) gewann, der Verlierer lachte ihn aus und wird prompt getötet. Die Kamera zoomt in die Sonne: weiß.
Der Mann flüchtet Heim, packt eilig die Sachen mit seiner Frau, reißt die Zimmerwand ein: schwarz; und sie verlassen bei Nacht und Nebel das Heim und flüchten. Das dann auch in S/W und sie rennen ins Dunkel. 3 Tage rennen sie, dann kommen irgendwo an. Sie sind froh.
Dann sind sie nicht mehr froh. Es ist ihr Haus, sie rannten wohl im Kreise.
Dem Dorf ist das egal, sie interessieren sich nicht mehr sonderlich für den Mord.

Das Dorf ist von der Zeit mehr oder minder abgeschnitten. Zu Beginn des Filmes wurden alle tickenden Uhren am Strand verbuddelt. Es gibt nur noch eine Uhr, der Besitzer ist nun Herrscher der Zeit (Laloux). Mehr Uhren sollten auch nicht mehr im Ort sein, es ist dann etwas traditionelles. Von wegen, wenn im Dorf 2 Uhren sind, die nicht gleich sind, gibt es ja dann auch zwei Zeiten und folglich zwei Sonnenuntergänge. Die Uhr hat eh eine unglaubliche Macht. Jemand dreht die Uhrzeiger, es wird auf die Sonne geblendet, die bringt den Tag nun so schnell zu Ende, wie an der Uhr gedreht wird.

Es ist nun ja auch Terayama, also gibt es ja nicht nur, wie von mir die ganze Zeit plump beschriebene Profanereien sondern auch überwirkliches: Etwa ein Loch im Dorf (Terayama führte das gleiche Stück auch im Theater auf, auf 5 Bühnen, der Zuschauer musste sich entscheiden, was er sehen mag - dort war das Loch ein Turm). Das Loch wird vermessen, stilecht von einem anzugtragenden Liliputaner. Es ist ein tiefes Loch und eine Verbindung zum Totenreich. Der Postbote wird hinabgelassen, mit Briefen an die Toten. Das Loch weitet sich im Verlaufe des Films. Irgendwann spaziert eine Mutter mit ihrem jungen Sohn ins Dorf. Der Junge fällt in das Loch und kehrt prompt zurück als kräftiger Jüngling der den Namen des getöteten trägt und dessen Funktion im Film die des Vergewaltigers wird (Ich bin wirklich nicht in der Stimmung dafür, nein ---- Das ist unwichtig!).

Andere Momente: Wenn der Film grün eingefärbt wird sind wir an einem See mit einer Waldnymphe. Eine wunderschöne Frau, bei der die Männer sterben, wenn sie sie nackt sehen (+ Marquez). Einer stirbt. Der Zirkus ist auch in der Stadt (+Pastoral - to die in the country).

Eine Schlüsselszene dann wieder beim Mörder: Die Frau hat ihren Gürtel noch aber es interessiert ihn nicht so sehr, denn er vergisst die Namen des Seins (oho!). Notiert sich alles: Kuh, Milch usw. + Die Funktionen. Um sich selbst hängt er auch ein Schild: Ich. Das ist dann, nach Steve Clark, ein metaphysischer Fingerzeig: Gibt es ein Selbst, wenn das Ich sich nicht durch Sprache erkennen lässt? Wenn alle festgelegten Axiome der eigenen Identität, das Geschlecht, Familienstand, Nationalität ausgelöscht werden und man von Neuem beginnen muss und man sein Ich von Grund auf neu generieren muss.

Ja, zum Ende hin, noch viel mehr Zeit und Uhren, das Totenreich, eine Libellenanklage, Selbstmorde usw. Die Toten antworten auf die Briefe:
Ich habe mich gut gemacht, nach meinem Tode.

Der Film: Ich habe ihn in der falschen Stimmung gesehen, bin grad voll im Arbeits- und Alltagstrott, es war schwer für mich, habe auch nicht weiter darüber nachgedacht - also er hat mich jetzt nicht überwältigt der Film, werde ihn aber noch mal schauen, irgendwann.

Nordtstadt - Deutschland 2004 -Michael Kupczyk

Statt Pressezitat ala: Ein Meistwerk steht da ein Zitat der Frau des Regisseurs (?) auf dem Cover: Zwischendurch habe ich ganz vergessen, dass der Film von dir ist.
Das spielt in Nordstadt, was ein Dortmunder Stadtteil und Brennpunkt ist (Nachgelesen - bin Süddeutscher wir haben unsere Radwege mit Bodenbeleuchtung statt Brennpunkten).
Ja, also es geht um Maik. Der bricht in eine Tankstelle ein und klaut Gummibärchen und wird prompt erwischt. Er sitzt im Knast, er kommt aus dem Knast.
Draußen ist die Welt nicht die leichteste: Job finden (Er verwurstet - und das als Vegetarier), die Mutter krank und ziemlich fies, die Schwester eine Prostituierte (ja, weniger verwerflich) und eine Tochter hat er auch. Die Mutter hat aber einen erfolgreichen Mann mit Pferdezopf.

Er lebt nun also in der verlassenen Wohnung seiner Mutter, fällt in diesen Arbeitstrott, Wursten, heim und Glotze+Kippe. Es ist desaströs uninteressant also heuert er bei so einem Arschloch an und macht Lieferungen. Halbkriminell natürlich. Eine wird ihm von der Polizei abgeluchst und prompt hat er 40 Tausend Euro Schulden.
Kein leicht aufzutreibendes Geld.

Ja, der Film hat, das Spoiler ich jetzt mal, ein Happy-End. Der Film ist ne Abschlussarbeit und sieht stellenweise natürlich nicht soo teuer aus. Aber der Film hat mir viel Freude bereitet, also er ist abwechslungsreich -minutenlange Rennszenen, Humor usw. Es gibt viele Schauplätze und einige Charaktere. Maik ist natürlich auch supersüß, also, wirklich ansehnlich, habe mich auch gefreut, als er endlich mal oberkörperfrei rumlief.
Was mir wirklich gut gefiel, war die fehlende Moral am Schluss.
Also, ein lohnenswerter Film. Habe ja auch einige Tage vorher diesen Gisela gesehen, den Silvia Szymanski anpries und da musste ich oft aufstehen und Bücher sortieren, da ich das unangenehme nicht so aushielt.

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 Betreff des Beitrags: Das Regime und die Dandys
BeitragVerfasst: 19.08.2013 17:53 
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Adéla ještě nevečeřela/Adela hat noch nicht zu Abend gegessen - Tschechien 1977 Regie: Oldřich Lipský , Musik: Lubos Fiser/ Tricktechnik: Jan Svankmajer

Mit: Michal Dočolomanský, Rudolf Hrušínský ( U.a. Der Leichenverbrenner, Lärchen am Faden und er ist der Svejk), Miloš Kopecký, Ladislav Pešek, Nadja Konvalinková, Květa Fialová, Martin Růžek, Olga Schoberová (siehe Limonaden-Joe, Who will kill jessi? und Ernst Hofbauers: Die schwarzen Adler von Santa Fe).

So, die zweite Komödie für mich, in der Lipsky ein amerikanisches Genre parodiert. Diesmal ist der amerikanische Detektiv Nick Carter an der Reihe.
Wir sehen Nick Carter in seinem New Yorker Büro, er trinkt Kaffee und raucht eine Zigarre. Es werden Fotos mit Widmung eingeblendet, es sind Dankesschreiben, u.a. von Sherlock Holmes. Im Büro sitzend wird er öfter fast Opfer von Mordanschlägen. Ein Mann klettert zum Fenster, legt eine Holzrampe und rollt eine Kugelbombe herunter. Der nächste versucht es mit einer riesigen Axt. Dann kommt Fantomas (!!!) und versucht ihn zu erschießen.
Aber Carter hat alles im Griff. Den Axtmord etwa vereitelt er durch einen riesigen Deckenmagneten.
Carter bekommt einen Brief, darin ist ein Auftrag der ihn in das Prag zum Ende des 19. Jahrhunderts führt. (Es ist auch ein Kostümfilm, in allen Straßenaufnahmen stolzieren Damen in den schönsten Kostümen umher.)

Er reist an. Liest das Buch: Tschechien schnell und leicht und steigt dann in böhmischer Tracht aus dem Zug und wird gleich von seinem Auftraggeber erwartet. Carters Handlanger (Hrusinsky) wird auch gleich mit eingeführt, ein Prager Ermittler der äußerst trinkfest ist.
Also was ist das Problem? Eine Adlige vermisst ihren Riesenhund (Dessen Halsband würde um Rummelsnuffs Hals passen!). Sie spielte Klavier und von einer auf die andere Sekunde war der Hund weg.
Wir merken schnell, was dahintersteckt:

Baron von Kratzmar. Ein Bilderbuch Mad Scientist. Wir sehen ihn in seinem Arbeitslabor, Burgwände, riesige Dschungelpflanzen, Einmachgläser mit Augen drin. Er spielt Geige und eine Pflanze erwacht zum Leben. Es ist Adele, eine fleischfressende Pflanze (Gemacht von Jan Svankmajer!). Er will nicht, dass Carter ihm in die Quere kommt und hat sein Personal. U.a. einen Liliputaner in Spirou-Pagenuniform müssen versuchen Carter zur Strecke zu bringen.


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Der Film hat einen Wahnwitz an phantastischen Einfällen: Eine Kutsche mit U-Boot Periskop, Wurstringketten, In Handschellen gelegte Pflanzen, eingespielte Zeichentrickfilme, Steam Punk (Es ist das falsche Wort, sicher), Schnurbartschutzschlafmasken.
Der Film ist durchzogen mit Slapstick, Carter erfährt, das man den Schaum von der Bierkrone pusten muss, bläst zu fest und verscheucht damit einen Spion, der sich recht witzig versuchte zu verbergen.
Dann die Mordanschläge auf Carter die oft, oft vom Liliputaner ausgeführt werden: Der Liliputaner in Edelmannoutfit mit Bart, bittet um Feuer. Carter (Gut, dessen Doppelgänger) bückt sich, und aus einem hinter ihm stehenden Fass kommt eine Pferdebetäubungsspritze direkt in den Arsch Carters. Das Vorhaben klappt, Carter kippt um, der Liliputaner wird vor Freude in die Luft geworfen.
Später: Der Liliputaner versucht den durch ein Schlüsselloch schauenden Polizisten mit einem Riesenhammer (So groß wie er) zu erschlagen. Der Polizist tritt ausversehen, einen Schritt zurück und stößt den Liliputaner mit seinem Arsch die Treppe hinab.


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Auch die futuristischen Erfindungen nehmen viel Platz ein, Helikopterhüte, Flugfahrräder.
Am Ende ist die Verfolgungsjagd. Der Liliputaner muss den Motor des Automobils ankurbeln. Der Mad Scientist fährt über ihn.. Der Liliputaner schüttelt vor Wut die Faust hinter dem abfahrenden Auto hinterher. Ein Polizist nimmt den Liliputaner fest in dem er ihn unter die Achseln klemmt wie eine Zeitung und einfach aus dem Bild spaziert.
Der Ermittler sucht ein Verfolgungsmittel und zeigt erst auf einen Bernhardiner der einen Karren zieht, wie ein Pony. Carter lehnt ab. Der Ermittler muss Fahrrad fahren, Carter im menschengroßen Korb auf der hinteren Fläche.

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So, habe ja nun fast nur aufgezählt statt erzählt. Aber es waren so viele tolle Stellen in dem Film, es war sehr witzig und auch die Animation hat wunderbar reingespielt, vor allem in den letzten 40 Minuten kommt Svankmajers Können voll zum Einsatz. Hat mir wirklich gut gefallen, der Film auch wenn ich nicht alles verstanden habe, leider gibt es den Film, soweit ich weiß, nur auf DVD mit Originalton - nicht einmal tschechische Untertitel.

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Zuletzt geändert von ultrastruktur am 21.08.2013 17:48, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Coto de Caza -1983
BeitragVerfasst: 20.08.2013 09:09 
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Coto de Caza/ Code of Hunt -Spanien 1983 -Jorge Grau

Mit: Assumpta Serna, Víctor Valverde, Luis Hostalot

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Adela ist eine Verteidigerin, wir sehen sie im Gerichtssaal ein leidenschaftliches Plädoyer für einen mutmaßlichen Mörder halten, sie erklärt, dass es die Umstände, die Gesellschaft, gewesen wären, die ihn dazu geführt hätten, jemanden für ein Brötchen zu töten. Aus dem Saal kommen von einem verlodderten Duo die offensichtlich zum Mörder gehören blöde, witzig-gemeinte Kommentare. Der Richter schließt sich dem Plädoyer Adelas an und spricht frei. Der Gerichtssaal leert sich, nach einiger Zeit blicken wir auf einen verlassenen Saal, die Anklage ist vom Tisch, der Raum sieht nicht aus, als hätte es dort noch vor einigen Minuten irgendwelche Emotionen gegeben.

Die Verteidigerin kann zufrieden sein, sie geht noch schnell in eine Mall für die Familie einkaufen. Was sie nicht weiß: Die zwei Lederjackenkriminellen aus dem Gerichtssaal folgten ihr und stehlen prompt ihr Auto vom Parkplatz. Und sie sind wirklich böse, als sie fahren und an einer Ampel stehen bleiben müssen, kommt ein Obdachloser (?) an ihre Scheibe, möchte Kleingeld oder ne Kippe und der Fahrer hält ihm ein Messer an die Gurgel und raubt ihn aus!
Im Auto waren auch die Papiere der Verteidigerin, samt Anschrift. Das gefällt dem einen Kriminellen, denn: She makes me horny.

Nun sind wir voll im Familienleben. Es ist Vorweihnachtszeit, vom Flughafen wird die Mutter für das Fest abgeholt, der Ehemann ist mit seinen 2 Kindern noch auf einem Boot in einem Fluß, sie schießen einen Vogel, wohl der Weihnachtsbraten. Der Sohn ist vielleicht 12 und sehr angetan von seinem coolen Dad, der mit Schrotflinten schießt. Er mag die Waffen, holt sie auch heimlich aus dem Schrank und zeigt sie seinen Freunden. Er ist eh nicht wie die Mutter, liest auch Superheldencomics, die ja nun nicht so viel geben auf Verbrecherrechte sondern lieber erst bestrafen und dann fragen.
Der Bootsausflug wird auf Video festgehalten und wird im Haus öfter abgespielt. Der Film spielt eh zu großen Teilen in dem Haus der Familie, wir sehen sie Auto fahren, in die Einfahrt rein und hinter sich das eiserne Gartentor schließen und das einige Male. Das signalisiert ja schon eine gewisse Geborgenheit.


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Zur Polizei muss dann Adela, wegen ihrem Auto. Aber Madrid ist wie eine Stadt in der Bronson aufräumen müsste: Es ist allein das 24. gestohlene Auto an dem Tag in diesem Bezirk. Der Polizist sagt, es wäre besser, die Verbrecher wären im Knast, statt sie immer nur frei zu sprechen. Sie solle doch bitte bei ihren Klienten nachfragen, er könne nichts tun.
Die Bande um den Verbrecher überfällt nun das Anwesen der Familie. Das geht ziemlich schief. Der Hauptverbrecher begrapscht den Busen von Adela und ihr Ehemann hat da natürlich Ehrgefühle, es entsteht eine Rangelei, ein Schuss löst sich und das Gehirn des Ehemanns klebt an der Wand. Das war unbeabsichtigt und die Verbrecher flüchten. Nur einer nicht, der Bruder des Anführers, der hatte vor dem Gartentor ein epileptischen Anfall und wird prompt festgenommen.
Er wird festgenommen und verantworlich gemacht, ist aber eigentlich ein ganz zarter, bei ihm sind es wirklich die Umstände. Er mag heiße Schokolade.

Eine der wunderbaren Szenen des Filmes: Die Mutter des Epileptikers geht zu Adela, verlangt einen Freispruch ihres Sohnes spricht über ihre soziale Rolle, das wenige Geld, die Umstände. Adela zeigt Verständnis, bleibt aber hart. Es kommt zu einem Wortgefecht, ein Kollege kommt Adela zu Hilfe sagt: Lady, please leave the room. Sie: I'm not a lady, I'm a prostitute.

Der Bruder des Epileptikers und Bandenanführer, nun untergetaucht, und statt Planet der Affen Koteletten jetzt mit blauen Haaren und grüner Jacke schwört Rache für den Fall, dass der Bruder stirbt im Knast. Der Bruder stirbt im Knast und es beginnt ein unvorstellbares Martyrium.


Der Film ist die ganze Zeit über recht ruhig, 5 Minuten für die Gerichtsszene, dann wird eine halbe Stunde das Familienleben eingeführt, der liebe Ehemann usw. auch die Verbrecherseite wird beleuchtet, wie sie in ihrem Milieu herumlaufen und nach 40 Minuten erst kommt es zur Home invasion. Es gibt 3 Gewalthöhepunkte bei der der Schnitt dann auch wirklich schnell geht, ansonsten sind es alles eher längere Aufnahmen. Wir haben also 40 Minuten normales Familienleben und dann noch mal eine Stunde, in der wir die Familie sehen, wie sie das verarbeitet, wie die Familie der Gangster reagiert usw. Und es ist schwer für die Mutter, der Sohn, er ist eher so ein Law and Order Vertreter, er macht der Mutter dann Vorwürfe und sie ist natürlich verzweifelt, hat den Mann verloren und ihr vorpubertärer Sohn macht sie fast dafür verantwortlich, nennt sie eine Lügnerin und verlangt, den Mörder seines Vaters zu töten, auch die Mutter schreit sie an.
Und nach 90 Minuten Exposition, Retardation dann die Katastrophe und die war so grausam wie ich es mir nicht hätte erträumen lassen. Es war unvorstellbar. Der Film hat mich schon mitgenommen.

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Zuletzt geändert von ultrastruktur am 21.08.2013 17:47, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 21.08.2013 17:47 
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Bara no soretsu/
Funeral parade of roses/
Pfahl in meinem Fleische
– Japan 1969 – Toshio Matsumoto

Wir sind im Tokyoter Distrikt Shinjuku und leben inmitten des dortigen Schwulenmilieus, bzw. im Milieu derer, die sich gern als Frauen verkleiden. Dort gibt es eine Dreiecksbeziehung: Der wunder-, wunderschöne Eddi, in chicer zeitgenössischer 60er Jahre Kleidung, dessen Gegenspieler[in] Leda, Bardame im Genet, konservativer gekleidet in einen Kimono und beider Liebhaber, der ältere Gonda (Yoshio Tsuchiya).

Das Ganze ist dann ein Film mit Ödipus Motiv. Leda wird von Gonda in den Tod getrieben: Deine Zeit ist um, du bist nicht mehr schön. Und zum Schluss kommt heraus, dass Gonda der Vater von Eddi ist. Gonda begeht sofort Selbstmord. Eddi bemerkt es, erkennt es, sticht sich die Augen aus und geht auf die Straßen, zu den Passanten. Ödipus auch: Er ist schwul: Also ersticht Eddi die Mutter.Die Beziehung zwischen Kindheits-Eddi und dessen Mutter war schwierig: Der Vater lief davon, beim einzigen Foto des Vaters war der Kopf mit einer Zigarette ausgeklimmt, er solle ihn vergessen, lachte die Mutter. Wenn wir Eddi später den Spiegeln knutschen sehen, sehen wir auch Hinweise zu Narcissus. Leda finden wir auch noch irgendwo in der gr. Mythologie.



Was ist zum Film zu sagen?
Es ist ein Film der Art Theater Guild, wichtig für die Rollenvergabe war es, schwul zu sein, nicht Schauspieler zu sein. Der Film ist, laut Regisseur, mosaikartig, wie ein zerbrochener Spiegel. Die vorige Szene passt selten auf die folgende. Es gibt mehrere Parallel verlaufende Zeitstränge,es ist labyrinthartig, also auch Rückblenden in die Kindheit. Ein Clou ist sicher, dass einige Szenen auch einfach wiederholt werden, während des Filmes. Das Ende und der Anfang doppeln sich auch. Wobei der Anfang, einer der schönsten der Filmgeschichte: - Ein Liebespaar Eddi+Gonda machen liebe, in close-ups, es ist milchweiß und wunderschön und heterosexuell, später merken wir, dass es zwei Männer sind, - am Ende noch einmal so ähnlich gibt, nur dass die Szene dann dunkel ist, nihilistisch und von grässlichen Videoaufnahmen zerstückelt.


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Der Film löst auch die Grenze zwischen Realität und Fiktion auf: Es gibt Interviews im Film mit den Darstellern über ihr richtiges Leben, einige Szenen spielen auf den Straßen, es gibt einen Straßenkampf mit einer Sukeban+Frauenbande aus den Toei-Studios (Habe ich von Jim O'Rourke - kenne mich da selbst nicht aus), zwischen sich wundernden Passanten.Es ist toll: Die femininen Männer und die maskulinen Frauen. Wir sehen auch öfter die Kamera in den Aufnahmen, etwa während einer Liebesszene wird cut gerufen und rausgezoomt auf den Regisseur und über die Szene geredet.

“Let the day perish on which I was to be born,
And the night which said, ‘A boy is conceived.’

“May that day be darkness;
Let not God above care for it,
Nor light shine on it.


Auf den Straßen auch Happenings: U.a. Die Zero Dimension theater Group durch die Straßen stolzierend mit Urnen und Gasmasken.
Es ist 1968, eine Studentenprotestzeit, es werden Filmaufnahmen davon reingeschnitten, Eddi muss einen der Verletzten versorgen, zu dieser Zeit nimmt die Bevölkerung Abstand von den Studenten, sie sind Outlaws, die sich verstecken müssen.
Der Zeitgeist wird mit jeder Aufnahme eingefangen: Pasolini (Ödipus-re!) und Terayama und Beatles Poster, Joint-runden (Die sehr speziell aussahen), Genet-Zitate, Mekas-Zitate:

All definitions of cinema have been erased.

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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land? =>Kusszenen mit dem Spiegel.
Auch Slapstick gibt es, Zirkusmusik im Stakkato zum Sex, Cowboyduellaufnahmen zwischen Leda und Eddi, Mangasprechblasen, und, und dafür liebe ich den Film über alle Maße: Jump-cuts. Überall, in fast jeder Szene, Fotos reingeschnitten, Realitätssprengendes und Solarisation.

Oh, the empire oft he roses.
The end of the world is coming, no matter what we are doing.



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Also, der Film hat mich wirklich an dein Eiern gepackt, ich kann es nicht anders sagen: Ich verehre ihn. Ich weiß nicht, ob ich einen New Wave Film eines anderen Landes kenne der besser sein könnte als dieser hier. Diese obskure Mischung aus Doumentation, Fiktion, diese Verschmelzung aus allem Vorstellbaren und seien es nur die Geschlechter ist phänomenal. Es gibt sogar Bibel-Zitate (s.o.) und eine morbide Beerdigungsszene, der Friedhof versinkt im Grundwasser. So, ich mit meiner Aufzähleritis: Es ist ein wahnsinnig schneller Film, aufregend, mit super-supersexy Drag-queens. Mit einigen hätte ich sicher auch gern Sex, was auch in meine Bewertung mit einfließt:
Ich mach jetzt mal den Italo: 9,5/10.

[Masters of Cinema hat ne tolle DVD zu: Mit Audiokommentar von Matsumoto und 40 seitigem Booklet mit Texten u.a. von Jim O'rourke.
Dazu: Die Publikation zur Viennale 2003: Art Theatre Guild. Unabhängiges japanisches Kino 1962-1984 ->176 Seiten für 12 Euro]

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 Betreff des Beitrags: Gonorrhoe + Gate of flesh
BeitragVerfasst: 22.08.2013 13:14 
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Blue Spring/Aoi Haru –Japan 2001 –Toshiaki Toyoda

Mit: Ryûhei Matsuda, Hirofumi Arai, Sôsuke Takaoka

Es ist ein High-School Film. Gleich zu Beginn sehen wir einen Lehrer der von Schülern vom Gelände gejagt wird, in ein Taxi springt und nie wieder gesehen wird. Also, die Machtverhältnisse an dieser Schule sind sicher unüblich.
Der Schulboss ist derjenige, der am öftesten in die Hände klatschen kann. Das mag nicht schwer klingen, aber das Duell findet auf dem Schuldach statt, am Außengeländer, wer sich zu viel vornimmt stirbt.
If you’re happy and you know it clap your hands.
Am Leben bleibt Kujo, er ist der Boss. Schaut auch immer gleichgültig. Nachdem er gerade mal wieder gewann sehen wir ihn und seine Clique an Gefolgsleuten durch die Schulgänge schreiten, ziemlich COOL in slo-mo, sie gehen der Kamera entgegen und ich glaube, da ist auch ein wenig Wind in ihren Haaren.
Whoever claps most rules.

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Wer sich Kujo entgegenstellt, dem geht es schlecht. Er zertrümmert – eher beiläufig – Nasen. Er ist was das angeht eh asozial. Also, er ist schlimmer als Eric Cartman, und das will etwas heißen. Cartman war mal echt sauer, weil der eine anderen immer auf den Pimmel schoss: Das macht man nicht. usw. Sagte Eric. Und Kujo? Zertrümmert Pimmel mit Baseballschlägerspitzen .In den Unterricht kommt er immer zu spät und fordert dann auch andere Schüler auf, den Platz für ihn zu räumen. Der Unterricht ist eh ne Sache für sich. Die Lehrer sind betont Langweilig, die Schüler schlafen oder essen.
Ja, es ist ihr Abschlussjahr und sie haben ihre Zukunftssorgen, was soll ich werden usw. Viele Träume zerplatzen auch schon während des Schuljahres. Einer wollte im Baseballfinale teilnehmen und packte es nicht.
People change when they change.
Die Schule ist also ein ziemlich geschlossener Ort, wo die Schüler in ihrer Parallelwelt leben und eigentlich keinerlei Impulse von außen bekommen. Das wird aber nach einem Mord gestört, was die Polizei auf den Plan rief, was nicht so sehr in diese Geschlossenheit passte. Toll war der Gartenlehrer, er war ein Liliputaner, der Kujo dann auch ein paar Zukunftstipps gab. Die Überschneidungen zwischen Teenagern und Blumen waren eh offensichtlich, von wegen: Blumen sind zum Blühen da Metaphern.

Ende: Kujos Kumpel Aoki will die Macht übernehmen. Stellt ne Terrorherrschaft. Kujo spielt Ball und lacht endlich mal. Dann: Nochmal Finale.

War ziemlich langweilig, das. Dieses ganze Teenagergehabe war eher spießig, also nicht die schweren Körperverletzungen, die Kacke in den Händen und so. Aber, wenn sie da ihr Mutprobenspiel abzogen, wurde auch auf Lehrer geblendet usw. wie sie hochschauen, und es war dieses: Hui, sind die aber anders und crazy. Ich denke, wenn die Buben mal bei meinem Benutzerbild in die Lehre gegangen wären, hätte er ihnen dieses Slackertum schon ausgepeitscht.

Apropos Peitschen:

Gate of Flesh / Nikutai no mon– Japan 1964 – Seijun Suzuki
Mit: Yumiko Nogawa, Jô Shishido, Kayo Matsuo

RAZZIA!
Damit beginnt der Film, das ist das erste Wort. Wir sind im Tokyo der Nachkriegsstunden. Die US-Militärpolizei ist noch präsent und Geld verdienen bzw. nicht Hungern müssen ist ziemlich schwer. Wir folgen 4 Frauen, es sind Prostituierte, die in ihrem eigenen Reich in irgendeinem ausgebombten Keller leben. Sie bilden eine totale Institution. Wer die Regeln bricht (Freifick) wird geschändet.
Die 4 Frauen haben jede ihre Farbe: Eine rot (Steht für Schock, Angst), Gelb (Sanftmut), Lila (Innere Revolte) und Grün (Frieden, Ruhe). Die Grüne ist dann auch die wichtigste. Sie ist total verloren, lernt die Ladys kennen und hängt mit ihnen herum. Einige haben auch irgendjemanden verloren, Brüder, Ehemänner usw. Später tritt noch ein Ex-Soldat in die Gruppe dazu, der Ibuki. Er hat einen G.I. schwer verletzt, wurde selbst verletzt und muss untertauchen. Jede der Frauen mag ihn. Er ist auch süß, hat ganz dicke Bäckchen und er taucht irgendwann mit einer Kuh auf, im Keller. Und schlachtet sie. Die Frauen wissen: Fleisch ist 40 Yen Wert, so viel wie wir. Sein Weltbild hat sich auch geändert: Statt Worten (Also Ideologien) lebe ich nur noch für’s fressen und ficken. Er wird auch der Gruppenanführer, glaube ich: In einer primitiven Gesellschaft ist der stärkste der Anführer. In der Armee war er Affentrainerexperte.

Disease and babies are our enemies.

Jedenfalls: Die Buntheit der Mädchen ist toll. Sie laufen wie Bonbons durch die Ruinen während die anderen einfach gebeugt und Kartoffelsackfarben sind.

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Amerika ist in dem Film echt scheiße: Wir sehen es: Maya (Grün) fragt Rot nach einem Job. Rot antwortet: Prostitution. Überblende auf eine US-Flagge. Später: Grün: Ich bin eine Aussätzige, selbst wenn es mich direkt in die Hölle führt. Blende auf Amerika-Flagge. Mit G.I.‘s schlafen sie auch aus Prinzip nicht. Das Essen das verteilt wird, darin finden sich teilweise auch benutzte Kondome. Es wird ein Mann gezeigt, der es sich aus den Zähnen puhlt beim Reisessen.
Ein ziemlich grauslicher Film, es wird auch viel bestraft und ausgepeitscht, also nackte junge Frauen. Tolle Musik. Und die Kulissen haben mir zugesagt. Der Plot ist natürlich eher unangenehm, das Ende auch. Aber schon ein interessanter Film.

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 Betreff des Beitrags: In Stahlgewittern in Mondomanila
BeitragVerfasst: 23.08.2013 11:56 
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Nightmare Beach/Spring Break /USA 1988 - Umberto Lenzi

Lenzi versucht sich am Teenie-Slasher. Die erste Szene findet im Todestrakt statt, ein Rocker brutzelt auf dem elektrischen Stuhl und schwört bittere Rache.
Dann beginnt der Film der fast vollständig mit 80er US-Rock unterlegt ist, WASP, Dio usw. Am Anfang kristallisieren sich auch noch keine Protagonisten raus. Es gibt den Creep, den Jerk, der immer seinen Tod vortäuscht und deswegen von allen gehasst wird, einen Kleptomanen, viele geile Whores und Männernutten. Die eine: Running Gag holt sich in ihr Zimmer tatsächlich immer olle Männer, die ihr aus einer finanziellen Klemme helfen. Der eine ist so dick, dass das Shirt vorne n halben Meter höher endet, der andre trägt Cowboy.

Ansonsten: Viele Wet-T-Shirt Contests und Spaß und Sexualität und Party.
Auf der Seite der Obrigkeit haben wir einen Pfarrer, den Bürgermeister und Striker(!), der Oberbulle, für den Selbstjustiz und Folter so normal sind wie pinkeln.
Später kristallisiert sich ein Protagonistenpaar raus. 2 junge Männer, Touristen. Einer stirbt, der andere macht sich auf die Suche.
Die dritte Gruppe und dritte Handlungsebene sind dann die Rocker. Ein fieser Kerl namens Diablo (Ausländer) und seine Punkrocker die allen das Leben schwer macht.

Aber es reicht ja noch nicht. Die 4. Ebene -und damit ja schon sehr, sehr viel für einen Biertrinkfilm: Der Oberslasher. Der Tod trägt schwarzes Leder. Ein Biker in schwarzer Lederkluft der ein Spezialbike hat mit elektrischem Stuhl hinten drauf. Der aber auch mit Schürhaken (Wie Wittgenstein, ich denke darauf zielte es auch ab) und Feuer Teenies mit ihren Teenietitten vernichtet.

Das auf den üblichen 90 Minuten. Toll ist die Entwicklung vom Protagonistenboy. Erst ganz unbedarft und ein mieser Schauspieler. Als er den Leichnam seines Freundes entdeckt heult er nicht sondern stammelt schrott (Lottozahlen oder so). Der dreht dann aber auf, hält dem Gerichtsmediziner das Messer an die Kehle, bricht in Häuser ein.
Der Film endet irgendwann, bemerkenswert fand ich, dass die Biker nicht bestraft wurden, da wurden meine Erwartungen unterlaufen. Sie haben irgendwann Bullen abgemurkst und mit ihnen das gemacht was afrikanische Rebellen in den 90ern mit US-Elitesoldaten machten: Foltern, ans Auto hängen und durch den Dreck schleifen.

Jedenfalls ein gut anzuschauender Film, die jungen Männer beteiligen sich zwar an modischen Verbrechern aber sonst hat es alles, Dickenwitze, Walkie-Talkie Polizeiarbeit von Teenagern (Naja, sie sind sicher schon 30) und eine durchgängige Lockerheit, was sicher auch an der Strandkulisse liegt.

Six Bullets / 2012 USA -Ernie Barbarash

Jean Claude Van Damme ist ein alkoholkranker Fleischer. Und Ex-supereliteSöldner, spezialisiert darauf Kinder von Kinderschänderringen in Moldawien zu befreien.
Bei seinem ersten Einsatz ist er Undercover mit Kinderschänderbart.Er schauspielert auch einen Kinderschänder. Er erledigt sein Auftrag, Kinderhändler töten, reiches Kind befreien, setzt sich mit dem Kid auf sein Motobike und drückt die Fernbedienung. Alles und Alle explodieren, wie in einem der alten Van Dammes wo er immer noch ne Doppelrolle gespielt hat.
Blöd nur, dass da noch 13 jährige Mädchen drin waren, in dem Villenkomplex, die dann erstickt sind.

Der Kommisar ist ein bisschen wütend und Van Damme trinkt noch mehr, will nur noch als Metzger und Trinker arbeiten, nicht mehr als Elitesöldner.
Bis der nächste Anruf kommt: Die Tochter eines WMF-Fighters verschwindet.
Er will's nicht lösen und tut es doch.
Ein kniffliger Fall, reicht bis in die höchsten Regierungskreise. Zum Schluss macht er sich auf. Zusammen mit den Eltern und 200 Kilo Waffen stürmt er ein ehemaliges Sowjetgefängnis voller jogginghosentragender Kinderschänder.
Er hat für jeden die richtige Waffe: Panzerfäuste, Messer, Rauchgranaten, Granaten und seine stahlharten Fäuste.
Van Damme räumt auf. Aber auch die Eltern töten was das Zeug hält.

Toller Selbstjustizstreifen.

Dragon Eyes /USA 2011 -Regie John Hyams

Mit Jean.Claude Van Damme und Cung Le.
Wir haben mehrere Zeitebenen, mag sein, dass es an der Flasche Wein lag aber Analepse und Prolepse konnte ich erst nach 70 von 90 Minuten auseinanderhalten.
Jedenfalls ist Cung Le ein Einzelkämpfer mit Nordkoreadiktatorhemd. Er sitzt im Knast mit JCVD. Der büßt lebenslänglich für den Mord an seinem Sohnemann. Damit erfahren wir auch all das Leid das mit Verbrechen auf der Opferseite zusammenhängt. Niemand tötet gerne seinen Sohn.
Cung wird von JCVD in einen Ort bei St. Louis geschickt, er soll die Verbrecherbanden gegeneinander ausspielen. Die ganze Stadt steht Kopf. Es gibt die Russen (Blumenkohlohren und Jogging), die Mexikaner (Zugedröhnt), die schwarzen (Der eine ist zuckersüß) und die Bullen. Das sind die schlimmsten von allen. Der Anführer ist Robocop (Also der Schauspieler). Und die ganze Stadt ist im Würgegriff dieser Banden.

Die Figuren stehen fest. Niemand kann aus seiner Haut, jeder handelt wie er handeln muss. Mitleid oder Menschlichkeit gibt es keine. Nicht mal Frauen, nur eine. Es ist ein Männerfilm mit Männern mit ihren Stahlkörpern die gegeneinander kämpfen wobei die Grenzen fließend sind.Jeder gegen Jeden. Cung will sie alle beseitigen und die Stadt befrieden. Er hat auch ein Auge geworfen auf die Frau.
Das Ende ist 8-)

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 Betreff des Beitrags: Freedom fuck experimental group
BeitragVerfasst: 24.08.2013 18:30 
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Dogura Magura -Japan 1988 - Toshio Matsumoto

Der letzte Film von Matsumoto den ich gesehen habe: Pfahl in meinem Fleische war ja schon eher brillant. Und es ist ganz angenehm: Er hat nur 3 Langfilme gedreht an die es sich auch alle recht leicht herankommen lässt. Also konnte ich heute gleich den zweiten sehen. Dogura Magura

Wasser. Baby(leiche). Würgen. Uhrenticken. Junger Mann in gelbem Zimmer. Die Wanduhr am Ende des Ganges.
So beginnt der Film.
Wir sind wieder beim jungen Mann, es ist das Jahr 1926. Er ist in einem Zimmer eingeschlossen und kommt nicht heraus. Aus dem Nachbarzimmer hört er das wimmern einer Frau: Bitte vergib mir.
Ein Mann betritt das Zimmer. Er hat eine extreme Machtposition. Der junge Mann liegt/steht auf dem Boden, der Mann schaut auf ihn herab. Klärt ihn auf: Du hattest ein Amnesiac Trauma. Er soll wohl in einer Psychiatrie sein - und das als Mörder!

Der Arzt führt ihn mit sich und zeigt dem jungen eine Diashow mit japanischen Puppen. Es geht um eine wahre Begebenheit vor 1100 Jahren. Ein Mann tötete seine Frau und zeichnete in Abständen ihren Verwesungszustand. Dieser Mann war sein Vorfahre und er, der Doktor, geht davon aus, dass es eine genetische Erinnerung gibt. Das heißt der junge tat das selbe wie sein Vorfahre. Auch er tötete. Der Junge lacht. Kann nicht sein.
Kann sein.
Das Büro des Arztes ist das eines Mad Scientist. Babyleichen in Behältern, Abgehackte Hände in Vitrinen neben verwesenden Katzenköpfen.

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Ein anderer Arzt kommt. Es sind zwei Ärzte, der Glatzköpfige Dr. Masaki und der bärtige Dr. Wakabayashi. Sie sind beide seine Väter. Sie hassen sich anscheinend. Der Bärtige sagt, der Glatzköpfige sei schon einen Monat Tot. Doch dann kommt der Glatzköpfige, er sei nicht tot, es ist ja noch einen Monat davor. Der Bärtige sei ein Hund, ein Verbrecher. Der wahre Mörder seiner Muttertantebraut.

Ihr merkt: Es gibt nichts voran man sich halten kann. Dies geht den ganzen Film so. Mal ist die Mutter des Buben seine Tante. Mal wird sie erhängt, mal erschlagen. Mal sind die Morde 4 Monate her mal 2 Jahre. Auch in den Dialogen: Der Bub erzählt mit Masaki. Schuss Gegenschuss. Die Welt des Buben: Er ist am Meer. Masaki im Büro. Die örtliche Differenz ist egal.


Masaki baut einen Plot im Plot. Erzählt von einer Detektivstory mit dem jungen in der Hauptrolle. Der Film scheint von vorne zu Beginnen. Diesmal betritt jedoch der andere Arzt die Zelle.

Brains which exiled god from the world have taken the throne of the gods.

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Die Doktoren scheinen noch viel Verrückter als der Junge. Ich hatte Mitleid mit ihm. Er konnte sich an nichts erinnern, wird in diese Welt geworfen wo ihm jeder andere Wahrheiten vorgaukelt, andere Vergangenheiten. Und er, der Bub, kann sich nicht einmal an sein Gesicht erinnern.

Es ist sehr experimentell das alles. Ich konnte mich an nichts halten. Der Film wird kurzzeitig auch ein Stummfilm mit Textblöcken. Zum Ende färbt sich die Welt blutrot und wird definitiv Absurd. Auch die Uhr vom Beginn: Wir sehen die gleiche Einstellung, den gleichen Flur. Doch nun ist die Uhr teil eines Gemäldes wird also selbst fiktiv in der Fiktion.
War ein tolles Erlebnis das. Auch die Musik: Klaviermusik von Haruna Miyake die an Schönberg erinnerte.

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 Betreff des Beitrags: Tall Dwarfs
BeitragVerfasst: 25.08.2013 22:15 
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Die Tiefseetaucher mit Steve Zizou USA 2004

Von Wes Anderson, mit den üblichen: Owen Wilson, Bill Murray, Jeff Goldblum, Willem Dafoe usw.

Eine Komödie, angelehnt an Jacques Cousteau. Bill Murray ist ein abgehalfterter Filmemacher, der Meeresdokus dreht. Ahnung davon hat er nicht, genauso wenig wie seine Crew, die die einzigen sind, die noch zu ihm halten. (Herrlich: Der ihm fanatisch ergebene deutsche Willem Dafoe).
Die einzigen Dinge die noch an die glorreichen Zeiten erinnern, sind Äußerlichkeiten, rote Mütze, blauer Trainingsanzug, Sneakers.

Und worum geht's: Murrays Mentor wurde gefressen von einer unbekannten Haibestie. Murray will sich aufmachen, eine letzte Expedition, das Vieh töten. Aus Rache. Kommt nicht so gut an in der Öffentlichkeit. Von wegen bedrohte Tierart.
Mit dabei: Sein vermutlicher Sohn, Wilson. Und eine schwangere Reporterin.

Die Handlung ist weitläufig, es passiert soviel, alles ist so erwähnenswert, wie auslassenswert, etwa sein halbschwuler Konkurrent, Goldblum.
Die Piraten, der Aufpasser der Versicherung (Hinter meinem Beruf steckt auch ein Mensch).
Das Schiff ist wie ein Puppenhaus, als Kulisse aufgebaut, sieht man auch, die Kamera schwenkt durch die Kulissen beim verfolgen der Figuren.
Die Kritiken zum Film waren ja nicht die allerbesten, von wegen der Film führe ins nichts, die Figuren sind nicht ausgearbeitet.
Ich fand ihn sehr gut, all die, im Grunde unwichtigen, Nebenstränge, die Mützen, ihre Unfähigkeiten, die Actionszenen, diesen eigensinnigen Psychopathen Murray.
Jede Einstellung hatte ihre kleinen Details, sei es die gelbe Riesenschlange, bei der Geiselbefreiung, die Delfine, ach, es war soviel, die 2 Stunden waren fantastisch.

American Fighter. USA 1985 - Sam Firstenberg
Mit Michael Dudikoff

Dudikoff ist Joe. Ein lonely stranger der wortlos seinen Dienst in einem US-Militärcamp auf den Philippinen aufnimmt. Er hatte einen Gedächtnisverlust und kann sich somit nicht mehr an seine Kindheit erinnern.
Im Militärcamp liegt etwas im argen: Die 2 Chefs kooperieren mit Brusthaar-Ortega, einem Mann in weißem Anzug und 2 Goldketten. Ortega will Raketen verkaufen und Geld scheffeln. Der Campboss will die kommunistische Gefahr eindämmen.
Sie fädeln Überfälle ein: Black Star Ninja (Der allerbeste Nijakämpfer aller Zeiten-samt Laser und Superschwert) überfallen Militärkonvois mit Waffenlieferungen.

Wäre da nur nicht der neue: Joe!
Der kriegt sie dran, denn eigentlich ist er der allerbeste Kämpfer der Erde. In seiner Jugend wurde er gelehrt von einem geheimnisvollen japanischen Weltkriegssoldaten.

Dazwischen: Saxophon, eine reizende Tochter und Liebesplänkeleien.
Aber hauptsächlich: American Soldier vs. Ninjas!
Eine wahnsinnig tolle Idee.
Klappt auch gut.
Am besten gefällt mir der Farbige. Er ist immer eingeölt und verliert öfters sein Hemd beim kämpfen. Zum Schluss wurde das Budget verpulvert. Panzer, ringende Männer, beherzte Griffe an Penise, Granaten, und viele Explosionen.
Die komplette Camp-Armee gegen blutrünstige Superninjas!

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 Betreff des Beitrags: Ein Männerleben geht blutig zu Ende
BeitragVerfasst: 02.09.2013 19:57 
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Tokyo Drifter - Seijun Suzuki - Japan 1966

Ein Yakuza-Trupp hat sich aufgelöst. Der Chef ist nun pazifistisch und will sich sein Geld ehrlich verdienen. Ihm treu ergeben ist sein Ziehsohn Tetsu. Der wird derweil von einer rivalisierenden noch existenten Yakuza-Trupp verdroschen. Aber Tetsu wehrt sich nicht. Da die illegalen Geldquellen versiegt sind muss er es irgendwie legal generieren und pumpt sich Geld bei einem ehemaligen Bekannten. Doch der wird mit der Pistole auf der Brust gezwungen den Schuldschein der rivalisierenden Gang umzuschreiben. Mit dem wollen sie an ein lang ersehntes Grundstück von Tetus Boss gelangen.
Die Situation ist ziemlich verzwickt. Es sterben 2 Menschen und Tetsu muss aus Tokyo weg, damit sich der Konflikt nicht weiter aufheizt. Auf seinem Weg durch Japan wird er von anderen Gangstern verfolgt die ihm ans Leder wollen, er tut sich mit einem anderen einsamen Wolf in grüner Jacke zusammen.

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Muss ja zugeben, dass ich da Stellenweise nicht ganz folgen konnte. Aber das wichtigste an dem Film sind eh die Kulissen. Sie sind eher psychedelisch. Wobei diese knallbunten Wände und Kleidungen, denkt an das 10. Opfer, konterkariert werden von den lächerlich altmodischen Sofas von Tetsuos Boss, die sogar mit Häkeldeckchen bekleidet sind.
Liebe kennt Tetsu nicht, also eine ist in ihn verliebt aber da kommt ein Song ins Spiel der im Film leitmotivisch benutzt wird. Es geht in etwa: Ich bin ein Vagabund, Irgendwann habe ich Tokyo verlassen - aber ich kann Tokyo nicht entkommen. Ich sterbe in der Blüte meines Lebens also brauche ich auch keine Liebe. (o.Ä.). Tokyo können wir auch als Synonym zur Yakuza begreifen.
War insgesamt jetzt nicht superspannend aber die Farben und Kulissen rechtfertigen viele Sichtungen.

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Quarta Parete -Adriano Bolzoni -Italien 1968

Marco kommt nach 4 Jahren Auslandsaufenthalt zurück in seine Heimatstadt in die elterliche Villa. Er hat seinen Schulabschluss in England gemacht, im Internat. Marco ist ein idealistischer junger Mann, ziemlich homophob und interessiert an einem Architekturstudium.
Italien hat sich in seiner Abwesenheit jedoch gewandelt. Die Universität wird von supergeilen Kommunistenlümmeln beherrscht, sie hängen dort herum in Versammlungsräumen, schlimmer als in Bressons le diable probalement, wollen die Uni niederbrennen und schon werden die ersten Rufe laut nach Bumswünschen, das wächst sich zu einem Chor aus: "We want sex, we want sex". Marco schaut eher düster und verlässt das Gebäude. Die Uni wird ihn nicht wiedersehen. Er geht in Begleitung einer jungen Dame. Sie lernen sich kennen, trinken einen Kaffee gemeinsam und spazieren am Strand. Sie erzählt von ihrem Freund und will plötzlich einen Love-Inn, also Sex am Strand. Marco ist entsetzt.
Er sucht Rat bei seinem Pfarrer, doch er will mit seiner Kirche Teil einer dynamischen Welt sein, er hängt in Jogging am Telefon herum und veräußert Kircheneigentum.

Ist die Familie besser? Der Vater ist reich. Er hat eine florierende Plastikfabrik. Leider nimmt sich wegen ihm der väterliche Freund Marcos das Leben, da er ihn ruinierte. Aber der Papa kauft Marco einen Sportwagen. Wir sehen ihn einmal auf Arbeit, da will er gerade Sex mit der Sekretärin machen. Er ist ein Berserker. Die Sekräterin fragt ihn, ob er keine Angst um seine Reputation habe, wegen seines Verhaltens. Er verneint. Er ist nur am Geld interessiert. Mit Moral verdient man ja eh kein Geld.
Die Mutter tat mir während des Filmes leid. Natürlich befummelt sie auch andere Männer und hängt einem maßlosen Alkoholkonsum nach. Aber sie will mit dem Vater ein neues Leben anfangen, bittet ihn Abends heulend nicht zu seiner Stute zu gehen, doch er verneint. Sie hat auch überhaupt keine Mittel ihn davon abzubringen. Es waren grausliche Szenen.
Die schlimmste ist die Schwester. Sie hängt mit einer Lesbe herum die ihr Männerhass (was sonst) aufzwängen will. Die Schwester hängt einem infernialischen Antiintellektualismus nach. Sind doch alle unglücklich, sagt sie, Bruder, Mutter, Vater. Sie nicht. Weil sie eben nicht denkt.

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Marco kann sich daran nicht anpassen, was sagte Bourdieu?
“Aber es gibt Fälle von Diskrepanz, in denen die Verhaltensweise unverständlich bleibt.(…)Ich denke an historische Situationen vom evolutionären Typus, in denen die Veränderung der objektiven Strukturen so schnell vor sich geht, dass die Akteure, deren mentale Strukturen von eben diesen Strukturen geformt wurden, sozusagen überholt werden und unzeitgemäß und unsinnig handeln und in einem Vakuum denken, wie alte Leute, von denen es ganz richtig heißt, sie seien desorientiert"
Marco IST alt in dieser Gesellschaft.
Einen Freund findet er nur irgendwann Nachts im Wald, -zufällig. Marco rennt gerade davon, vor einer Situation mit der Schwester und vor all dem anderen. Er wird von seinem alten Schulkameraden aufgespürt. Sie haben einen ähnlichen Habitus. Der Kumpel will sich absetzen, nach Indien. Er beschreibt die Gesellschaft eher pessimistisch. Von wegen wir seien alle in einem schwarzen Kubus gefangen und versuchten an die Wände zu klopfen und auszubrechen aus ALLDEM. Marco nennt ihn den einzig wahren Freund, den er habe und kehrt zurück zum Elternhaus. Doch dort ist Schluss mit Lustig. Die Schwester schmeißt eine wilde Cracksexparty mit rudelbumsenden Schwulen unter Hakenkreuzflaggen, Marco wirft dann alle Vernunft über Bord.
...Und das Leben geht weiter.

Toller Film.

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 Betreff des Beitrags: Auslöschung
BeitragVerfasst: 03.09.2013 19:40 
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Shura - Pandemonium -Toshia Matsumoto -Japan 1971

Even if there is sunlight,
this maggot can abide only in deepest darkness.


Das ist einer der letzten Sätze des Films der mit dem Anfang korreliert. Der Anfang ist eine im Zeitraffer untergehende höllenrote Sonne, wir schauen zu bis es finsterste Nacht ist. Farbe bekommen wir den ganzen Film nicht mehr zu sehen, Sonnenlicht auch nicht. Der Film ist finsterste Nacht.

Was passiert?
Gengobei ist ein Ronin. Sein Herr wurde getötet. Er ist arm wie eine Kirchmaus, musste alles Eigentum seines Hauses verkaufen und lebt Möbellos. Sein Diener Hachiemon treibt 100 Ryo zusammen von Freunden und Mitstreitern. Dieses Geld soll Gengobei für die Rache am Tod seines Meisters nutzen.
Doch da gibt es noch Koman. Eine Geisha die sich in Gengobei verliebt. Diese soll an einen anderen Samurai verkauft werden, die Verhandlungen laufen hart. Koman würde lieber sterben als den Samurai zu ehelichen. Sie will nur Gengobei. Die anderen Teilnehmer lachen über Gengobei, von wegen, er sei arm, ein Idiot und all das. Gengobei lauscht von außen. Er hat Ehrgefühl und stürmt in das Haus. Er zahlt das Geld um sie zu kaufen (?), eben jene 100 Ryo, die ihm sein Diener gab.
Es ist wahre Liebe.
Es ist eine List.
Koman ist schon verheiratet, hat einen Sohn. Gengobeis Geld ist weg. Er wollte die Rache aufgeben für die wahre Liebe und wurde betrogen. Seine schwarze Galle schießt ihm ins Hirn. Koman flüchtet mit ihrem Mann zu dessen Vater. Der Ehemann braucht das Geld, damit sein Vater ihn wieder als seinen Sohn betrachtet.

Wenn ich zurückblicke, so erscheinen mir die Erfahrungen der letzten zwanzig Jahre wie eine anhaltende Hölle. Sehr oft tobe ich vor Wut, und ich hatte mit vielen Menschen blutige Zusammenstöße. Ich erinnere mich schmerzlich, wie Missverständnisse immer neue Missverständnisse hervorbrachten, bis die Situation nicht mehr umkehrbar war.(Der Regisseur Matsumoto zu Shura)


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Ja, es reicht an Plot. Gengobei ist natürlich außer sich vor Hass und er tötet die am Betrug beteiligten, außer die Familie um Koman, sie konnten rechtzeitig flüchten.Der Film nimmt immer weiter an Fahrt auf, die Situationen werden schlimmer und schlimmer.Die beiden letzten Kapitel heißen Hölle und This world is a sea of blood. Der Film ist ein nihilistischer Alptraum der mich fast zum heulen gebracht hat, es ist von seiner Wucht vergleichbar mit idi i smotri.
Die Story basiert auf "Kamikakete sango taisetsu" von Tsuruya Nanboku.
Die Realität im Film wird öfter gebrochen, also manche Szenen die passieren, finden wenig später so ähnlich aber doch mit eklatanten Unterschieden statt. Ein Massaker-Alptraum Genkobes zu beginn variiert nur geringfügig mit einem realen Massaker in der Mitte des Films. Anfangs haben wir natürlich Mitleid mit Gengobe. Sein Herz wurde gebrochen aber er verwandelt sich in einen infernialischen Dämonen. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind nicht zu ziehen.
Es ist auch das Geld: Der Bruder vom Ehemann ist ein stilechter Vertreter der Todsünde: Gier. Als er seinen Bruder trifft, redet er sofort vom Geld und die Gier danach durchzieht all seine Handlungen.Es ist das einzige das ihm Seelenfrieden gibt.Sein Bruder spricht Komono gegenüber dessen Depressionen an, die nur mit Geld zu lindern seien. Der Vater redet erst mit seinem Sohn und nimmt seinen Enkel in Empfang, als dieser ihm die, gestohlenen, 100 Goldstücke aushändigt. Der einzige Lichtblick im Film ist Hachiemon, der Diener. Er suhlt sich immer im Dreck, scheuert seine Knie wund und versucht stotternd seinen Meister zu beeinflussen, er gibt ihm das Ultimative Geschenk und Ehre und Treue (mh) sind für ihn wichtige Begriffe. Aber es bringt ja alles nichts.

Der Titel Shura spielt auf den Buddhismus an. Shura ist eine der wichtigsten höllischen Sphären in der dem Sünder der Eintritt in das Paradies verneint wird, weil er noch einige blutige Kämpfe austragen muss. Das ist kein Film, den man zwischendurch mit einem Bier trinken sollte. Er geht ja auch 135 Minuten. Und das Ende, also die letzten 40 Minuten waren ein Todestrieb. Die Schöpfung als nihilistisches Todeswerk. Ein Prinzip Hoffnung ist unvorstellbar.


I have lived a useless life.

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Nur ein Satz zum Ende, lest es nicht, es ist ein BRUTALER, ein fast alles verratender, Spoiler:
Gengobe hat die Ehefrau geköpft und spricht mit dem Kopf. der Vater des Ehemanns kommt um eine Schuld bei ihm zu begleichen.Gengobe versteckt schnell den Kopf.Das Gespräch beginnt, der Vater erfährt vom Tod der Schwiegertochter. Der Ehemann, befindet sich im selben Raum in einem Fass,in dem er sich vor Gengobe verstecken wollte. Er springt heraus und sticht sich das Messer in den Bauch, weil er vom Tod der Frau erfährt. Er will sich das Leben nehmen und liegt mit zerfetzten Gedärmen da, es hat nicht sofort geklappt. Er will in seinen letzten Todeszuckungen nochmal seine Frau sehen. Der Vater vom Sterbenden, drückt ihm den geköpften Frauenkopf neben den Kopf seines sterbenden Sohnes. Gengobe schaut zu

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 Betreff des Beitrags: Ehebruch, Unzucht, Lüsternheit und Geilheit
BeitragVerfasst: 04.09.2013 16:57 
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Jigoku - Das Tor zu Hölle - Japan 1960 Nobuo Nakagawa

Am Anfang lauschen wir der Vorlesung eines Professors über Höllenvorstellungen. Das ist ganz praktisch, da muss der Filmschauer gar nicht auf Mionois Kleine Kulturgeschichte der Unterwelt zurückgreifen. Der Anfang ist geprägt von vielen verschiedenen Szenen die jede für sich mit passender Musik unterlegt werden, also folgt da im Bruchteil einer Sekunde der Übergang von DoomJazz zu Big Band Musik.
Aber das ist ja nicht der Film:

Shiro fährt mit seinem Kumpel Auto. Der Kumpel überfährt einen besoffenen Yakuza. Die Mutter des besoffenen Yakuzas sieht das und merkt sich das Nummernschild. Das erwähne ich, weil die anderen beiden Fahrerflucht begehen. Rachemord begehen will die Mutter des Toten und dessen Frau.
Shiro ist ängstlich und traurig. Er wollte anhalten. Er weint ein wenig, beichtet es seiner Verlobten und will mit ihr zur Polizei, die Schuld eingestehen (Der andere fuhr). Sie fahren im Taxi. Das Taxi fährt gegen einen Baum. Die Verlobte stirbt. Shiro ist traurig. Und bumst in der Folgenacht die Witwe des Yakuzas. Die verliebt sich erst in ihn und merkt dann, wer er ist. Sie ist stinkig und macht sich mit der Mutter auf den Arsch töten.
Shiro hat sich aber schon aus dem Staub gemacht. Seine Mutter wird bald zu Staub, todsterbenskrank auf dem Lande. Ihr Mann, sein Vater, ist keine Stütze, er bumst seine Mätresse eine Papierwand neben ihrem Sterbebett.
Da ist nun auch unser neuer Handlungsort. Altenheim/Krankenhaus. Alle fies, alle Dreck am stecken. Jeder schon einen Toten auf dem Gewissen.
Die Uhr steht still. Alle sterben.


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Nachdem die Figuren nun zweckmäßig eingeführt wurden, kann sich der Betrachter nun 50 Minuten zurücklehnen und Bestrafungsphantasien in der Hölle zu schauen. Da kommen sie ALLE hin, die wir grade im Film gesehen haben.
Die Symbole des Übergangs sind den ganzen Film zu sehen. Uhren, stehenbleibende Uhren. Fahrende Züge, mehr fahrende Züge. Brücken. Todeskämpfe auf Brücken.
Keine Katzen.
Musik teilweise wunderbar. Also auch Feldmusik die nach Noise klingt (1960!), Doomjazz ala Bohren (1960!). Die Hölle slbst ist ziemlich kreativ. Also, es wiederholt sich auch teilweise. Ich glaube, da waren ein paar Minuten am Stück nur Gesichter eingeblendet worden die geschrien haben.
Die erste Höllensequenz ist sinnigerweise (Neubauten) am Todesfluss, dem Sanzu. Das ist der Übergang vom Lebenden- ins Totenreich.
Nun haben wir auch viel Geisterbahnmusik.
Die Kulissen erinnern stark an Fulcis Beyond-Höllenszenen. Die sind wirklich toll gemacht. Weniger toll ist das moralische. Also diese reaktionären Bestrafungen, diese Gut-Böse und das normative.

Wenn ihr durstig seid, dann trinkt soviel ihr wollt.
Dies ist die Untiefe des Eiters und der stinkenden Säfte eurer verwesenden Körper.


Dazwischen dann auch Sätze wie: Nein, das dürft ihr nicht.
Und: Rettet das Baby!
Das Baby ist ziemlich scheiße im Film. Das Ungeborene von Shiru. Er muss es retten auf dem Rad des Lebens oder so. War eher lächerlich.
So aber ein ganz ansehnlicher Film.
Mit Baby 5/10
Ohne Baby 7/10





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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 07.09.2013 13:31 
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Happy End -Tschechoslowakei 1967 -Oldrich Lipsky
Mit: Vladimír Mensík, Jaroslava Obermaierová (U.a. Hexenjagd, Der Scherz und Vergewaltigt- Per Anhalter in den Tod), Josef Abrhám u.a.


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So als Einstieg ein Zitat aus der imdb
Have you seen Gaspar Noe's ""Irreversible"? How about Cristopher Nolan's "Memento"? Do you know of "Benjamin Button"? Well, this movie is about thirty years older and, in terms of concept, way more "outside the box" than any of the above. Plus, it's really FUNNY!

Der Film beginnt mit einem Konec [Das Ende]. Das heißt, der Film läuft von hinten nach vorn, rückwärts. Die Vergangenheit ist die Zukunft und die Zukunft die Vergangenheit. Dinge passieren und sind im nächsten Moment nicht passiert. Sie sprechen teilweise rückwärts und handeln rückwärts. Auf Reaktion folgt Aktion.
Aber der Plot:

Uns rollt ein Kopf entgegen. Der Ich-Erzähler aus dem Off erklärt, er wurde gerade geboren (!). Während andere schreien zur Geburt und mit den Füßen strampeln, hat er zur Geburt nur einen Kopf. Aber warum? Er wurde geköpft? Weswegen? Weil er seine Frau und deren Liebhaber ermordete. Wir sehen ihn an der Guillotine. Dann im Gefängnis.
Er hat auch seinen Kinderwunsch: Wenn ich groß bin, lern ich Trompete oder piesacke Katzen.
Nach/Vor der Guillotine sind wir im Knast. Sein Kindergarten. Die Knastis werden später bedeutende Generäle oder Minister, sagt er.
Es ist teilweise irre schwer zu folgen, da die Dialoge auch rückwärts abgespielt werden. Also im Gerichtssaal gibt er erst alles zu, und die Antworten kommen vor den Fragen. Und er streitet ...er stritt das ja vorher alles ab.

Aber wie wurde er erwischt? Und das ist das krasse, auch für diese Zeit. Er zerstückelte seine Frau, er zersägte sie (Wir sehen es!) zu Beethovens 9. Genau die Stelle aus Uhrwerk Orange 4 Jahre später.
Später erwischt er den Liebhaber im Zimmer seiner Frau. Wir sehen ein Zimmer, zerstörte Möbel, überall umherfliegende Daunen, ein Mann der rückwärts in das Bett rollt. Es ist unfassbar!

Im Wald mit dem Cousin.
Wo warst du?


Wir sehen den Mörder beim Arbeiten: Er ist Pferde- und Kuhmetzger. Ich war so glücklich die Kühe beim zusammenwachsen zu beobachten (Beim ausweiden!).
Sie haben auch eine Tochter. Sie saugt grade Milch. 700 Liter Milch gibt sie im Jahr, sagt Bedrich.Es ist alles umgekehrt. Bei der Hochzeitsnacht:
Es war nicht leicht für mich zur Jungfräulichkeit zurückzukehren.


Ja:
Also. Der Plot, vorwärts gespielt wäre es sicher nicht so interessant gewesen aber so, es war der Wahnsinn. Es waren so viele Idee und skurile Situationen, es war sehr, sehr witzig.
Es gibt, soweit ich es sehe nur die Tschechische DVD ohne engl. Untertitel aber versucht ihn aufzutreiben, Fansubs gibt's zur Genüge im Internet.
Es ist ein Heidenspaß.
Und die Obermaierova ist sehr hübsch. :lol:

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Das Schweigen /Tystnaden -Schweden 1963 - Ingmar Bergman
Darsteller: Ingrid Thullin, Gunnel Lindblom, Jörgen Lindström, Birger Malmsten, Håkan Jahnberg u.a


Die Schwestern Anna und Ester fahren vermutlich Zug. In ihrem Abteil sitzt auch Annas Kindersohn Johan. Es sieht aus als würde Ester Blut spucken, sie ist so krank, dass das Trio den nächsten Halt nimmt und in Timukan [Estnisch für Der Henker?] aussteigt. Die Sprache dort ist eine Fremde, es gibt nicht die geringsten Überschneidungen und niemand scheint sie verstehen zu können. Sie steigen in einem Hotel ab. Wobei, das ist untertrieben, sie logieren in einem GrandHotel, einem dieser wunderschönen, die andere (ich) nur aus Filmen kennen.
Viele Personen sind dort auch nicht, ein alternder Etagenjunge, der in einer Besenkammer lebt, mit seinen Würstchen spielt und am Flachmann nippt und eine Gruppe Liliputaner.
Das Verhältnis zwischen Ester und Anna ist eher gespannt. Die Lungenkranke Ester scheint Anna zu lieben aber Anna im Umkehrschluss hasst Ester eher. Es ist keine leichte Situation. Auch für den Jungen nicht, er verlässt das Hotel ja auch nie und tingelt deswegen nur durch die Gänge des Hotels, pinkelt in Ecken, lässt sich von den Liliputanern in Frauenkleider stecken und versteckt sich vor dem Etagenmann. Dieser hat offensichtlich Freude am kleinen Mann, die dieser aber nicht so ganz einordnen kann. Also er läuft immer weg vor ihm.Was auch verständlich ist, der Alte hat einen riesigen Mund, und wenn wir den Flachmannkonsum sehen, wird er auch ein wenig aus dem Mund riechen. Außerdem zeigt er ihm Bilder seiner toten Mutter (?) im Sarg.
Anna treibt sich in der Stadt herum und lümmelt mit fremden Männern (Also mit einem). Ester hat niemanden, sie muss masturbieren.


Es war mein erster Film von Bergman, ich habe mir diese 10 DVD Box geholt und eigentlich wollte ich mit etwas anderem Anfang, als dem 3. Teil einer Glaubenstrilogie. Aber dieser Film hatte als unschlagbares Argument die Liliputaner. Ich kann Filmen mit ihnen einfach nicht widerstehen.
Habe mir auch gedacht: Gut, Bergman = Arthouse. Ich selbst kann ja nix deuten oder verstehen also habe ich mir einige der unzähligen Bergman-Bücher besorgt. Die Deutungen waren teilweise aber eher anstrengend: "Gerade weil der Film keinerlei Hinweise zur Religion aufweist, ist er ein religiöser Film (WTF? Von I. Fernengel).
Im Film dann auch viel Krieg. Pappmacheepanzer beim Ausdemzuggucken. Echte Panzer in den Straßen in den Abendstunden.
Soldaten lungern auch herum. Insgesamt ein eher naturalistischer Film. Filmmusik gibt's nur, wenn die Ester den Bach einschaltet (Sonst nur 2-3 Stellen mit Musik wahrgenommen, die die Filmweltler nicht wahrnehmen konnten).
Die Beziehung zwischen den beiden Schwestern war ziemlich furchteinflößend. Die eine Intellektuell, die andere leicht (Siehe Quarta Parate). Der Bub' liest Lermontov. Wichtig wohl der Vater, in irgendeinem Buch habe ich gelesen, dass er der Gott war, der, der patriarchalisch bestimmte als er noch lebte und verstarb. Von dem dann nur ein 200 Kilo Leib zum verbuddeln über blieb.

Alle Haltung ist sinnlos, die Kräfte sind zu stark.

Ja, der Film hat ja sicher viel mehr zu bieten als ich es jetzt hier runterstammel. Jedenfalls ein interessantes Stück. Tolle Kamera.
Ich versuche dem Forum ja immer ein paar Busenbilder zu geben aber es ist schwer für mich diesmal,weil es auch viele tolle Liliputaufnahmen gab. Aber ich versuche mich zusammenzureißen.

So, noch 1 Schlagzeile aus den 60ern:
Obermedizinalrat warnt
Berman-Film ist gefährlich
Nach dem Kino gingen viele Frauen zum Arzt


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Dazu ein Brief eines Berliner Journalisten:
"Leider muss ich ihnen mitteilen, das ich meine Frau (32) in die geschlossene Abteilung der Waldhaus-Klinik bringen musste, der Ausbruch der Schizophrenie wurde mittelbar durch den Besuch des Films DAS SCHWEIGEN ausgelöst, den sie, als moralisch denkender Mensch, wohl nicht verkraften konnte...."
Zitat aus Ingmar Bergman -Von Lüge und Wahrheit


Der Rattengott /Izbavitelj -Kristo Papic -Jugoslawien 1976
Darsteller:Ivica Vidović, Mirjana Majurec, Relja Bašić, Fabijan Šovagović, Ilija Ivezić


Möchte da auch mit einem Kommentar von einem anderen, veröffentlicht auf seinem Templeofghouls Blog einsteigen:

"We are people of the East. And we have a deeper sense and yearning for the metaphysical dimension of things than men in the West."(Zitat Kadijevc)

This is something as a "westerner" I have particularly noticed in Eastern European and Russian cinema. The premise of many western horror/sci-fi/fantasy films is the invasion of the "Other" into normal consensus reality, the eruption of the irrational and supernatural as a rupture of the normal scheme of things...

Eastern European and Russian films tend to frame the uncanny 'Other' as part of a continuum with consensus reality, not as a "break" from it..the sense of the phantasmal, the mystical and the 'supernatural' seems to be more accepted than it is in western cinema...but maybe that is my western belief system imposing meaning on a narrative I do not fully understand (I see this in western "readings" of communist era cinema where everything is either "propaganda" or "subversive" as though they are the only two lenses one can look through when examining these films)...


So, und zu Pauken und Trompetenmusik noch mein Senf zum Film:

Also. 1920er Jahre und Weltwirtschaftskrise. Wer hat nichts zu fressen? Genau die Kreativen. So geht es Ivan Gajstvi. Er hat einen spektakulär gutes Buch geschrieben. Und da wird es auch gleich witzig: Ein Buch über eine Pandemie, die aber eine Allegorie auf die Bürokratie ist. Das ist ja auch das Thema des Films: Also eine Pandemie die wir, wenn wir denn wollen, als Allegorie auf irgendetwas verstehen.
Jedenfalls, er geht zum Verleger der auch gleichzeitig der Oberklempner der Stadt ist (Es muss so sein, er diktiert seiner Sekräterin Probleme der Scheiße in der Kanalisation). Dem gefiel das Buch ja, aber er konnte sich nicht durchsetzen gegen die anderen Funktionäre. Das Buch wird nicht veröffentlicht.
Und, wenn wir schon bei einer Abwärtsspirale sind, ziehen wir die Zügel auch gleich an: Ivan wird danach auch vor die Tür gesetzt und lebt mit 3 Büchern Eigentum auf der Straße. Die 3 Bücher will er dann auf dem Flohmarkt verkaufen um sich noch ein wenig Essen kaufen zu können.
Aber Bücher sind nicht so gefragt momentan. Es sind komische Szenen auf dem Flohmarkt, auf einmal rennt eine Horde durch das Bild, wirft einige Sachen zu Boden, auch Ivans Bücher, da er umgerempelt wurde. Aber niemand kreischt oder schimpft. Die Situation scheint normal. Sie kramen ihr Zeug zusammen und machen weiter, als wäre nichts gewesen. Ich kann mir auf die Szene noch immer keinen Reim machen.

Ivan übernachtet ab sofort in einer leerstehenden Bank, ein Prunkbau vor dem Herrn. Dort wird er Zeuge eines recht opulenten Festes. Es wird geschnackselt, Käse geknabbert und Musik gehört. Und dann spricht ein Rattengott, von wegen, sie wollen die Menschheit ersetzen und müssten jetzt noch ihren Widersacher, den Professor töten. Ivan ist verdutzt und flüchtet.
Zum Professor. Eine Tochter hat er auch, an ihr vollzieht der Ivan dann auch gleich Beischlaf als der Professor mal nicht guckt.

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Ja, also sind wir jetzt beim Problem des Films: Der Gesellschaft geht es scheiße und da kam irgendein Heilsbringer der ein besseres Leben im Kollektiv verspricht. Und das sind Ratten die sich in Menschen verwandeln können. Geht natürlich nicht. Ivan will sie mit dem Professor stoppen, der Professor modelt zuhause auch an Giftgas rum. Die Story mit dem Rattengott gab es auch schon mal vor 400 Jahren in Bremen. Der Professor hat da ein Buch rumliegen, 400 Jahre alt und auf Deutsch. Ivan beginnt kurz zu lesen, es wird auf den Massenmordstoffproduzierenden Prof. geblendet, dann zurück auf Ivan der dann grade auf der letzten Seite ist.
Ivan selbst bleibt während des Films nicht so sympathisch, wie er es als Obdachloser vielleicht war, also er wird ziemlich paranoid und auch ein bisschen unfair. Und es ist eine Ironie des Schicksals, das Ivan am Schluss um sein Leben kämpft inmitten von Aktenbergen (Siehe sein Bürokratieroman am Anfang). :mrgreen:

Ja, dann natürlich Kämpfe und Verfolgungsjagden.
Ganz spannender Film, also schön ruhig, ein tolles Intro, hörbare Musik.

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 09.09.2013 11:50 
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Hatsukoi Jigokuhen / The Inferno of First Love - Regie: Hani Susumu -Japan 1968
Mit: Haruo Asanu, Kazuko Fukuda, Kuniko Ishii Drehbuch: Hani und Terayama


Wir wandern durch einen dunklen Tunnel direkt ins Stundenhotel. Shun und Nanami sind ins Zimmer gegangen und wollen ihr ersten Mal. Er ist Goldschmied sie ist ein Nacktfotomodell. Er ist schüchtern und hat Beine wie ein Felltier. Sie wird auf ihre schönen Brüste angesprochen.
Aber es liegt etwas in der Luft:
Sie liegt nackt vor ihm, sagt: Du kannst tun was du willst.
Was für eine Einladung, der Traum eines jeden pubertierenden, was antwortet er? : Ich schließe die Vorhänge.
Er druckst weiter herum, liest Feuerwarnhinweise. Es läuft einfach nicht, er ist so impotent wie möglich. Sie einigen sich darauf, den Termin zu verschieben, sie werden sich erst einmal besser kennen lernen. Shun erzählt aus seiner Kindheit, der Vater starb mit 7, die Mutter ehelichte einen Boxer und brannte mit ihm durch. Shun kam in eine andere Familie zu einem kinderlosen Goldschmiedpaar. Seine Kindheitsgeschichte klingt deprimierend, er ist auch deprimiert, also schickten ihn die Eltern zum Gruppenlachtraining. Es sind gruselige Bilder.


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Shuns Lichtblick ist Momo (?). Sie hängen viel auf dem Friedhof herum und albern gemeinsam. Er hilft ihr auch beim pinkeln. Jedenfalls, Momo ist 5 Jahre alt. Er wird angeschrien, als Kinderschänder und verfolgt und geprügelt.
Das führt ihn mit seiner Mutter zur Therapie. Assoziationshypnosetherapie. Heraus kommt nur, dass sein Stiefvater sich an ihm vergeht.

Die Taube ist tot.

Wie sieht es bei Nanami aus? Scheint keine Eltern zu haben. Hat einen väterlichen, bärtigen Freund. Das Geld verdient sie mit Nacktfotografien, die sind ziemlich bizarr. S-M, Bondage, exploitative Frauenkämpfe in slow-mo zu Chromusik, Die Fotografen reden über ILSE KOCH (DIE ILSA! HEXE VON BUCHENWALD!), wie sie Leute in Leder hüllte, Wasser drüberkippte, das Leder schrumpfte und den opfern die Augäpfel raussprangen, dass sie Peitschen hatte aus Stierpimmeln. Andere Fototermine an einem Steinhang, zu Rachmaninoff.

Der väterliche bärtige Freund und das Pärchen treffen später aufeinander. Shun will cool sein, redet cool, lässt sich ne Kippe geben, will sich Feuer geben lassen. Doch Die Kippe steckt falschrum im Mund, er wird drauf hingewiesen. Ein Debakel. Es ist so peinlich. Aber Shun wahrt die Contenance, er fragt lapidar: Warum lachen sie?


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Später sehen wir Terayama noch als kleinkriminellen Zuhälter. Der Film: Interessant.
Entstand 2 Jahre vor Terayamas anderem Film mit Kindern/sex: Kaiser Tomatenketchup. Wobei es ein wenig schwer ist mit dem Film: Es ist die Frage, wie ernst Susumu mit dem Thema Kindesmissbrauch sein wollte. Ich glaube, es war ihm schon ernst, aber das exploitative passte auch nicht so gut da rein.
Aber der Film ist schon empfehlenswert.
Andere Motive sicher auch Die Einsamkeit. Wird auch explizit mit eingebaut, als Nanami Schallplatten für Einsame verkauft, auf der der Sprecher Smalltalkantworten geben: Das ist interessant, Ja. usw. mit genügend Pause für den Käufer zum Gesprächstextfüllen. Andere Motive Tauben, Messer als Vergeltungsmöglichkeit, die Parallelwelt gutbürgerlicher gleichaltriger Studenten die über Nanamis Nuttenoutfit lästern usw.




PER ANHALTER IN DEN TOD -Smrt stopařek -Jindrich Polak -Tschechoslowakei 1979
Mit: Marek Perepeczko, Zdenek Buchvaldek, Jana Válková, Jaroslava Obermaierová, Dagmar Patrasová
Musik: Karel Svoboda



Charvát saß im Knast. Wir erleben ihn aber erst in Freiheit. Er fährt einen Truck, ein ziemlich wackeliges Ding, dessen Führerhaus immerhin voll verglast ist. Sein Lohn bessert er sich auf, indem er gelegentlich anderen beim Möbelfahren hilft. Sein Chef und er verstehen sich nicht so gut, es wird viel gemeckert, und Charvat knallt einem Kollegen auch schon mal eine. Die Bleibe von Charvat ist auch kein Traum. Er hat ein einzelnes Zimmer zur Untermiete samt Kochnische im selben Zimmer. Immerhin seine Vermieterin ist ganz nett, sie hat auch einen vllt. 10 jährigen Sohn, Charvat ist der Mann im Haus, seine Unzufriedenheit kann er aber nicht so verbergen, also, nicht nur, dass ihm auch gegenüber seinen Kollegen die Hand ausrutscht, er wirft auch schon mal seine Teller gegen die Wand. Ein impulsiver, riesiger Mann mit einer bärigen Brust und haarigem Rücken.
Wenn er seinen Truck fährt, nimmt er auch Anhalterinnen mit. Eine ist die Obermaierova. Er fragt: Hast du keine Angst per Anhalter? Sie zieht sich den Ausschnitt ihrer Bluse zu und schiebt ihren Rock über die Knie und verneint. Aber der Entschluss steht schon, er hält in einem Waldstück, zerrt sie aus der Fahrerkabine und vergewaltigt sie. Aber er nimmt sie noch mit zurück in die Stadt, sie scheint relativ gefasst zu reagieren.

Die Spannung die in ihm herrscht ist zum Greifen nahe. Die Kamera umkreist ihn, die Musik ist oft ein wenig schmuddelig und steigert die Spannung, er ist ein haariges Ungetüm. Später nimmt er wieder Anhalterinnen mit. 2 Schülerinnen. Eine muss Pinkeln, er lässt sie aussteigen und braust mit der anderen davon. Die wehrt sich beim vergewaltigt werden. Er erwürgt sie, die andere stößt dazu und wird ebenfalls erdrosselt.
Das wollte er wohl nicht. Aber er bleibt gefasst, er verscharrt sie auf einer Müllkippe. Wenn schon Leben und Würde genommen, dann reicht auch der Müllplatz.

Nun kommt die Polizei ins Spiel. Sie untersucht, es ist ein KRIMINALFALL. Charvat wird in die Enge getrieben und, es kommt eine bemerkenswerte Szene.
Er trifft die Obermaierova wieder. Sie begrüßt ihn, sie kommen ins Gespräch und er willigt ein ihr beim Umzug zu helfen. Er bringt die Möbel zu ihr in den 5.-10. Stock, sie putzt die Außenfenster. Eine Schrecksekunde: Er packt sie.
Aber er zerrt sie rein, lässt sie am Leben, sie trinken ein Bier, rauchen.
Und es ist eine Szene die ich noch immer nicht ganz begriffen habe: Die Morde waren publik, sie wird sich denken können, dass er es war. Sie hat etwas gegen ihn in der Hand, er vergewaltigte sie. Trotzdem arbeiten sie zusammen als wären sie Kumpels.
Um sie wieder außen vor zu lassen, es ist ein Film des Männerverbrechers: Er steht unter Strom, er kidnappt später sogar auf der Flucht den kleinen Sohn seiner Vermieterin, er ist wie ein in die Ecke getriebenes Raubtier.

Das Ende war Nervenzehrend. Sozialistische Tankstellengrenzübergänge im Winterschnee sind ja in den 70ern eh kein Zuckerschlecken gewesen, aber als finaler Pistolenblutshowdown war das ein Höllenschauplatz, die gewollte Unfreundlichkeit und farblosigkeit dieses Ortes hat sich noch potenziert.

Und die Frage am Schluss: Wieso tragen Parkwächter dort Schusswaffen?

Insgesamt ein toller Film, sehr atmosphärisch, auch durch die Musik und die hervorragende Kamera. Charvat nimmt man den Vergewaltiger ab.
Als italienischer Film wäre es sicher Kult. So ist es leider nur Tschechen-Kult.
Gibt aber ne deutsche VHS.



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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 11.09.2013 17:01 
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Marketa Lazarová -Tschechoslowakei 1967 - Regie: František Vláčil
Darsteller: Magda Vášáryová, Josef Kemr, František Velecký, Naďa Hejná, Jaroslav Moučka
Musik: Zdeněk Liška
Nach Motiven von Vladislav Vančura


So, ich wollte eigentlich Bergmans Jungfrauenquelle sehen aber ich wollte erst einmal mit dem Superlativ beginnen: Marketa Lazarova. Ein 160 Minütiges S/W Monument das den zeitgenössischen tschechischen Filmen wie ein Monolith entgegenstand. Der beste tschechische Film aller Zeiten, offiziell. Und einer der besten Filme der Welt, inoffiziell. Vergleiche, wenn sie denn gezogen werden orientieren sich an Kurosawas 7 Samurai, Pardjanovs Shadow of forgotten Ancestors und eben Bergman.
Der Film basiert auf einem Roman von Vlacil, einer der Wortführer der Devetsil und Drehbuchautor des supergeilen Marijka nevernice [den ich hoffentlich noch bald vorstellen kann]. Von ihm auf Deutsch leider nur der Roman: Der Bäcker Jan Marhoul.

Aber es ist ja wieder nicht der Film:
Was ist passiert? Warum ist er so gut. Es steht ja die Vermutung im Raume, das Vlacil einfach in der Zeit zurückreiste, ins 13. Jahrhundert um die Szenen einfach abzufilmen. (Regisseur: Ich wollte Zeugnis ablegen, wie die Menschen vor 700 Jahren lebten, als wären sie unsere/als wären wir ihre Zeitgenossen. Ich wollte sie verstehen, mit ihren Augen sehen, ihre Sehnsüchte erleben, ihre Fehler.). Das bekamen auch die Schauspieler zu spüren. Der Dreh dauerte 2 Jahre, sie lebten 2 Jahre in den Wäldern Sumavas.
Erst einmal die Grundzüge:Ein Konflikt besteht zwischen den beiden Familien/stämmen: Kozlik und Lazar. Dazu noch eine Gruppe um einen sächsischen König. Liebe zwischen Marketa (Lazar[ova]) und ihrem Vergewaltiger Mikolas (Kozlik).
Dazu die Polaritäten: Christen/Heiden.

Aber der Plot: Es geht nicht von hinten nach vorn, Hauptteilung in der Mitte, also insgesamt 2: Straba und das heilige Lamm (Das von einem Mönch begattet wird). Dazu viele Texttafeln, die die Geschichten versuchen zu gliedern.
Es fängt an mit einer deutschen, reitenden Delegation. Sie kommen an einem Einarmigen vorbei, der Adam Kozlik.Den Arm verlor er durch einen Schlangebiss nach Sex mit seiner Schwester). Die deutschen werden getötet, der Sohn eines Kirchlichen (Christian der Junge: wunder-schön) am Leben gelassen und entführt. Der sächsische König ist wütend und lässt Pivo mit einer Horde Kriegern anreisen. Kozlik kann den Krieg nicht allein gewinnen und versucht die Lazars auf seine Seite zu ziehen.
Es...klappt alles nicht wie vorgestellt.
Das heilige Lamm beginnt mit einem umherwandernden Mönch, er war auch schon im ersten Teil kurz zu sehen. Er spricht mit dem Sprecher im Off. Der Sprecher spricht ihn auf sein Liebesverhältnis zu dessen Lamm an.
Sonst: Mitleid gibt es keines. Im Kampf wird getötet, es wird fies getötet.
Das Christentum ist die Form, nach Vlacil sind Analogien zum dogmatischen Sozialismus zu ziehen.
Insgesamt ist es alles nicht so klar, also ich glaube, es ist leichter zu verstehen, wenn der Film öfter gesehen wird, es ist nichts lineares.

Wunderbar die Musik: Wunderbar die Landschaften. Wunderbar die Kamera. Jedes Standbild wäre es wert hier online gestellt zu werden.

Was sagt Peter Hames:
The castle gives the sense of a lived enviroment with women, children and dogs moving around in the snow like a Breughel painting.

Wer den Film nicht sieht, verpasst WAS.
Toll.


Texte zum Film eigentlich nur von Peter Hames:
IN
-Cinema of central europe (Wallflower)
-czech and slovak cinema - theme and traditiond (Edinburgh)


Pafnucio Santo -Regie: Rafael Corkidi - Mexiko 1977
Darsteller: Juan Barrón, Pablo Corkidi, Susana Kamini u.a.



Rafael Corkidi: Kameramann bei El Topo und Fando y Lis und Holy Mountain.
Also, was ist es für ein Film in dem Frida Kahlo in einem Rollstuhl sitzend eine Arie singt neben einem Stalin-Gemälde? Ein Film in dem sowohl der Ku Klux Klan aufmarschiert als auch ein Trupp augenverbundener Judenkinder die in der Wüste Mexiko unter DEM Arbeit macht frei Tor marschieren?

Der Film ist unterteilt in mehrere Kapitel, Revolution, The Journey, Visitations usw.
Im ersten ist da dieser schwarze Ledermann, er hat einen brennenden Helm auf und betrachtet äääh Adam und Eva. Sie sind nackt, auch die Kinder drum rum. Sie wollen ihre Scham bedecken. Aber der Ledermann geifert: Sie sollen gefälligst nackt bleiben.
Er fährt Fahrrad im Wüstensand. Er steht neben einem Klappstuhl. Er sitzt auf einem Klappstuhl. Jesus Christus wird gekreuzigt.
Footballspieler spielen ihr Spiel in einem Kirchenskelett.

So, aber das wichtige im Film ist der vorpubertäre Sohn des Regisseurs. Er trägt ein Footballoutfit, lässt sich im Wüstensand von einer nackten Frau minutenlang betanzen und ist auf einer Reise. Er muss die gebärfreudige (?) Mutter des neuen Messias finden der Mexiko befreien wird. Er reitet (Also er geht als würde er reiten, er hat kein Pferd unter sich, es gibt nur Pferdewiehern das aus dem off eingespielt wird) aus der Wüste in den Dschungel zur Empress. Panflötenmusik wird mit einer Arie vermischt.
Ja, das ist die Frida Kahlo Stelle, nachdem sie aus dem Rollstuhl aufstand, sich von den Ketten (leitmotivisch) befreit, schwenkt sie die revolutionäre Fahne und fordert das Erwachen der Mexikaner, Heimatland, Stahl, Patrioten und die vereinte Arbeiterschaft.
Prompt wird sie erschossen.
Pafnucio Santos Reise geht weiter.

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Don Hernando Cortes tritt auf. Er singt im Schweinestall. Aber singt er dort weil er ein Schwein ist oder weil er das schweinehafte Südamerika betrat?
Geschlechter werden, soweit ich es sah auch geswitcht. Also eine Frau singt mit Männerstimme. Eine andere trägt einen Mexikanerschnurbart, SIE spielt Emiliano Zapata.


Also, was haben wir da?
Ein Mann der viel mit Jodorowsky arbeitete und 7 Jahre nach El Topo einen Film in der Wüste drehte. Die Vergleiche liegen nahe. Der Film hat surrealistische Tendenzen. Der Film ist aber auch eindeutig Politisch, gegen die Amerikanisierung (Der Junge trug die ganze Zeit diesen Footballdress + Mickymouseshirt). Die Darsteller spielen teilweise mehrere, verschiedene Rollen.
Das interessante am Film sind sicher die Gesangseinlagen, sie durchziehen den Film fast komplett. Die Bilder sind gelungen, der Plot, der ja auch keiner sein will eher nicht so. Also, es ist glaube ich, nicht so viel zu interpretieren, es sieht ziemlich straight aus. Aber mit der Einschätzung kann ich mich auch spektakulär blamieren. :lol:


Und noch ein zeitgenössisches Zitat aus der New York Times:
It's not every day that the opportunity arrives to see Patricia Hearst (a.k.a. Kane), Hernando Cortez, Juliet, Adam, Jesus Christ and a team of football players cavorting under one roof to the music of Anton Dvorak, Edvard Grieg, Antonio Vivaldi, Richard Wagner and Giaccomo Puccini, among others. [...]
But his ambitious movie is a bit like a homemade backyard shrine, admirable for what it says about the builder's capacity for compassion, regrettable in its confusion of prettiness for high art.
So, der erste und der letzte Satz. ^^
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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 15.09.2013 21:52 
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Rane /Wounds - Regie: Srdjan Dragojevic -Jugoslawien 1998
Darsteller: Dusan Pekic, Milan Maric, Dragan Bjelogrlic, Miki Manojlović u.a.


Die Jugo-slawen haben in dem Forum ja noch kaum Threads, nicht einmal der Kusturica. Es ist sehr schade, neben den Tschechen haben sie sicher eines der besten Film-länder in Mittel-Ost Europa.
Dragojevic ist einer der allerbekanntesten Regisseure, letztes Jahr lief u.a. in Deutschland auch sehr berühmt (Vielleicht auch nur unter uns Tunten) Parada.
Rane ist in meinen Augen unter allen großartigen Filmen Jugoslawiens einer der besten, zumindest in den 90ern.

Also, was ist es?
Wir leben im Milosevic-Land. Das Land ist, mit Verlaub, degeneriert. Es gibt diese TV-Show: Pulse Asphalt (Angeblich soll es sie tatsächlich gegeben haben?!), dort sitzen schmierige Gangster, die ihre Storys erzählen. Sie sitzen in diesem Studio in Handgranatensitzen, die Moderatorin auf einem Dynamitstangenthron und sie erzählen, wie sie anderen Knarren in die Münder steckten, diese bibberten und sie ihnen ne Sprachtherapie empfahlen.

Im Mittelpunkt steht Pinki. Er ist der Erzähler und Supermasturbator und sein bester Kumpel Svaba, beide 13 irgendwo in Beograd. Sie leben in irgendeinem Mehrfamilienhaus. Krieg gibt es im TV, die Szenen der Brotverteilung sind aufgenommen als wäre es die Zombieapokalypse. Ihr Held ist der Gangster von nebenan. Er trägt furchtbar abstoßend Proletenkleidung und hat einen BMW. Er kommt grade aus Deutschland geschäftlich, er war überall: München, Köln, Bundesbank, Bonn. Er nimmt sie unter seine Fittiche, will ihnen bumsen beibringen, denn Ficken ist eine Wissenschaft. Seine Bumspartnerin spielt da nicht so mit und rammt ihm ein Messer in den Rücken. Stille, er freut sich: Dich heirate ich, du hast Charakter!
Das mit dem Sex klappt dann doch noch, später. Die Clique schaut zu, die Bumsfrau bietet währenddessen dem 13 jährigen Stieleis an.

Die beiden steigen während des Films auf, also innerhalb ihres Rahmens. Tragen Goldkettchen en masse und coole Jogginganzüge. Sie haben einen BMW, Knarren und töten wie es ihnen gefällt.

Die beste Rolle im Film hat der Vater von Pinki. Er ist ein wenig wie Randy Marsh von South Park, was die Emotionen angeht. Der Krieg beginnt und er nimmt nicht teil. Er wurde nach 30 Jahren Militär verrentet ohne je Krieg geführt gehabt zu haben, ohne seine 5 Minuten gehabt zu haben.
Es ist eine tragische Rolle, er lebt von einer mickrigen Rente und sieht seinen Sohn, der nun sein Geld verdient, er versucht sogar bei ihm mit einzusteigen. Sein Leben ist dröge und arm. Der letzte Satz von Pinky im Film ist sicher nicht nur auf den Zuschauer sondern auch auf den Vater bezogen:
Ich habe den Verdacht, dass ich das bessere Leben hatte.
Es war das aufregendere Leben.


Szenen sind teilweise traumartig. Und was sicher erwähnenswert ist, ist der Witz der den Film durchzieht. Es ist kein Humor, bei dem wir lachen können es ist ein over-the-top Humor, schwarz und tragisch. Auf der Beerdigung eines Gangsters kommt der TV-Wagen, die Reporterin springt raus, bietet den Totengräbern 20 Mark, wenn sie den Sarg nochmal rausziehen und ihn nochmal beerdigen, für die Kamera. Sie tun's.
Der Film ist auch ziemlich cocky (hähä), sehr sexuell. Der Film lebt.
Wer Gangsterfilme mag sollte reinschauen.
Es ist kein Uhrwerk Orange (Ihr Intellekt ist eher der von Beavis und Butthead), eher ein Scarface, nur im Dreck.


Zabil jsem Einsteinova, panove/ Ich tötete Einstein - Regie Oldrich Lipsky - Tschechoslowakei 1970
Darsteller: Jirí Sovák, Jana Brejchová, Lubomír Lipský, Iva Janzurová, Petr Cepek, Radoslav Brzobohatý, Svatopluk Benes

Aka: Ich tötete Einstein (Titel der deutschen VHS)

Der Plot ist recht naheliegend. Wir schreiben die ferne Zukunft (Es müsste 1999 sein). Megaterroristen haben eine Atombombe gezündet und alle Frauen haben nun Bärte und sind unfruchtbar. Natürlich leben die Zukünftler in farbenfrohen Sc-Fi High-Tech-Gebäuden und tragen bizarre Uniformen, natürlich läuft im Hintergrund die beliebten elektronischen soundscapes.
Die Zukünftler probieren viel. Sie stecken 60 Millionen Dollar in eine Enthaarungsmaschinen, damit die Frauen endlich wieder ansehnlich werden. Doch es nutzt nicht viel, es wird nur die Linke Kopfseite des Uno-Präsidenten enthaart. Der Erfinder wird mit Schimpf und Schande mit seiner Maschine hinter den Vorhang geschickt. Sein Part in dem Film ist vorbei.

Doch was gibt es für Lösungen? Was kann man tun, damit die Frauen nicht mehr ihre Barthaare in diese Dauerwellenhaubitzen stecken?
Es ist so naheliegend, ich muss es gar nicht aussprechen: Sie reisen in der Zeit zurück und töten Einstein. Ergo keine Atombombe. Der Zeitpunkt steht: Sein Pragbesuch 1911.

Ein 3 köpfiges Team und eine süße kleine Katze kleiden sich in römische Heeresuniformen (Das ist geraten von mir) und reisen in einer Bleckbüchse zurück und landen auf einer Theaterbühne. Der Regisseur ist außer sich und schickt alle auffindbaren Darsteller auf die Bühne um sich vor die 3 Meter Maschine zu stellen und sie zu verdecken.
Ja, die Reise klappt natürlich nicht so. Die Frau verliebt sich in Einstein: Der eine trifft seinen Vater, der ein 8 jähriger Rotzlöffel ist (Serviert 2 Zukünftlern eine Aquariumfischbowle. Sie trinken daraus, - denken wohl, es wäre so Usus damals, und versuchen dabei möglichst gelassen zu wirken)

Ja, sehr witzig + tolle Zukunftskulissen. Und eine süße Katze.
Top!


Gibt, wie gesagt, eine Deutsche VHS, ist schon älter aber habe sie im Internet auch schon für 10 Euro gesehen. Sonst: Die Tschechische DVD.


Pane, vy jste vdova! /Sie sind eine Witwe, mein Herr Regie Vaclav Vorlicek -Tschechoslowakei 1971
Darsteller: Jirí Hrzán, Eduard Cupák, Iva Janzurová, Olga Schoberová [als Olinka Bérová] , Jirí Sovák, Frantisek Filipovský, Karel Effa



Regie führte Vorlicek, das ist auch der von Kdo chce zabit Jesii?.
Vorlicek hat an einigen Komödien mitgewirkt, die, die ich bisher kenne sind sehr sehr witzig. Auch dieser hier, um das Fazit vorzugreifen: Wer die Zucker-Brüder mag, wird seinen Spaß damit haben. Die Gag-Dichte ist sehr sehr hoch, viele Szenen münden direkt in Gags und das kann in Sekunden passieren, zum Filmfinale wurde mein Kopf lach-rot.

Also:
Wir befinden uns in einem Staat am Flughafen, es gibt eine Parade, der König steht da und seine Militärdelegation. Das Flugzeug landet. Der Obermilitär sagt zum König: Das Flugzeug landet. Der König fragt nach ob er denn denke, er sei blind.
Der Mann aus dem Flugzeug steigt aus, der König und der Flugzeugmann sind verwandt. Die Erklärung ist nur logisch:
Alle Männer sind Brüder und alle Könige Cousins.
Der Flugzeugmann erkennt eine Schauspielerin, geht erregt zu ihr und sagt, dass er sie kenne, sie hatte die titelgebende Hauptrolle in die Badewanne auf der Terrasse. Man fragt nach: Soll sie etwa die Badewanne gespielt haben?

Malheur: Der Militär säbelt dem Flugzeugmann den Arm ab, aus Versehen. Aus dem Arm kommt blaues Blut. Der König hat die Schnauze voll und will das Militär abschaffen.
Das Militär ist nicht glücklich und plant ein Mordkomplott.

Ja, der Film läuft. Es explodieren Bomben, Gehirne tauschen die Körper, es gibt einen Wahrsager, Schlachthäuser in Mehrfamilienwohnungen (Sie gehen aus einer Wohntür hinaus, in die Nachbartür und dort sind Tonnen an aufgehangenen, geschlachteten Viehchern), die Militärs haben Bilder von Pistolen an den Wänden, die Frauen sind alle totchic, es gibt tolles 70er Jahre Interieur.
Und die Gehirntauscherei führt natürlich auch zu tollen Nebeneffekten: Die Obermaierova spielt erst eine Schauspielerin, dann den Pfeiferauchenden Wahrsager dann eine fette fleischige, männerfressende Proletarerin.

Es ist natürlich viel Handlung auch, die ich nun unter den Tisch fallen lasse, das wichtigste ist es ja nicht. Toll ist das konspirative Treffen zur Mordabsprache, es ist alles genau geplant, ein Militär packt einen Dina4 Zettel aus und erklärt, er habe schon den Zeitplan für die Militärparade zum Tot des Königs. Es war auch möglich, dass ein Mann [seine eigene? :lol: ]Witwe wird, durch die Körpertauscherei. Der Wahrsager erklärt, er werde erst zweifache Witwe und dann mit der Schauspielerin und gleichzeitig mit ihrem Mann verheiratet sein. Und es stimmt. :lol:


Krysař - Regie: Jiří Barta - Tschechoslowakei 1985
Drehbuch: Kamil Pixa Vorlage: Viktor Dyk


Svankmajer hat seinen Thread ebenfalls im Art of Cinema-Abteil, daher presse ich den Thread auch hier rein.
Dieser Film ist sicher eine der besten Animationen der Welt, das ganze Jri Trnka Studio arbeitete daran, ich kann es schlecht einschätzen aber ich schätze, das tausende Tschechen in Kellern jahrelang arbeiteten um dieses Meisterwerk zu formen.

Was ist es? Der Rattenfänger von Hameln. Leicht abgewandelt, es ist eher wie in Papics Rattengott: Menschen (Die ganze Stadt) wandeln sich zum Schluß in Ratten und werden ertränkt.
Damit auch der Spoiler gleich im ersten Satz aber es ist ja auch von der ersten Minute absehbar.
Was sind die häufigsten Vergleiche, bevor ich mit dem Film einsteige: Kubismus und eine tschechische, dreckigere, Form des deutschen Expressionsmus, windschiefe Häuser wie in Dr. Caligari.

Die Uhren ticken, die Sonne geht auf. Ratten hämmern auf einem Wappen. Das wird abgeblendet von Holzfiguren die auf Arbeitsobjekten hämmern. Wir sehen das geschäftige Arbeitsleben in der Stadt. Auch den Handel. Alle Handlung ist auf Geld ausgerichtet, es wird gefeilscht und um letzte Groschen gekrischen, es wird auch betrogen. Aber, das wichtige ist: Im Film gibt es keine Sprache. Es ist ein universelles murmeln und grunzen und schweinen. Wenn gefeilscht wird, kommen aus den Mündern Goldmünzen. Aus den Mündern der Händler kommen mehr gefordete als aus denen der potentiellen Käufer.
Die Stadt ist durchtrieben und morbide und faul und abstoßend. Es gibt alles: Narzissmus, Geiz, Lügereien und maßlose Völlerein,Hurereien , Fressgelage der schlimmsten Sorte. Und der Zorn, ihr seht es in den Bildern.

Diese Durchtriebenheit lockt die Ratten, sie werden öfters zwischengeblendet. Die Ratten fressen den Untergrund der Stadt und belästigen die Einwohner. Sie fressen sich schlussendlich durch Spiegel und schauen der Narziss als Doppelgänger ins Gesicht.
Der Untergrund fault.
Der Rattenfänger trifft ein. Die Städter bieten ihm Geld, er massenmordet die Ratten mit seiner Flöte, er führt sie zielsicher von der Wehrmauer in den Wassergrabentod.
Das Geld wird ihm vorbehalten, seine Liebste, der einzige weiße Lichtblick im Film wird vergewaltigt und getötet (Es ist kein Kinderfilm, wenn ich es anmerken darf).
Was kann ein Mann mit Flöte dann noch tun?
Er wiederholt sein Flötenspiel, die Bürger wandeln sich in Ratten und sterben.

Was ist das hervorragende?
Die Stadtkulisse, es ist ja alles aus Holz geschnitzt, die Figuren sind gehobelt und benehmen sich ungehobelt (höhö).
Diese Stadt ist die Hölle. Kelley Jones (Batman Dracula) hätte seine Freude an dieser grotesk schiefen Holzhorrorversion einer Albtraumstadt. Das ist wie Pateras (Alfred Kubins-Andere Seite) Stadt nach der Apokalpyse. Die Türme schief, das Gewicht der Häuser und Türme lagert, wo es gar nicht lagern kann. Es widerspricht allen Regeln der Natur und des Verstandes. Die Abfolgen auch. Der Schlachter, hackt das Rind. Das Blut spritzt die Kamera rot. Es wird rausgeblendet, das Rot tropft. Diesmal als Wein aus einem Kelch in den Mund eines Mannes.

Die Kamera: Wir sehen den Schlachter aus den Augen der Ratte, seine Proportionen ändern sich, es ist eine Froschaugensicht.
Wir schauen aus der Vogelperspektive auf die Stadt, sie windet sich um ein Loch, die Kamera dreht sich nach unten hinein in diese Stadt, in dieses Arschloch der Stadt an dessen Unter.Ende der Geldhändler steht und nicht die Ratten. Dreidimensionalität wird von Zweidimensionalität abgelöst. Im Hintergrund sind Wege, die die Wände sind, an denen Figuren unterschiedlichster Größen hoch und runter also links und rechts gehen

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 17.10.2013 21:43 
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Tausendschönchen - Kein Märchen /Sedmikrasky -Tschechoslowakei 1966 - Regie Very Chytilova
Darsteller: Jitka Cerhová: Marie 1, Ivana Karbanová: Marie 2, Julius Albert, Jan Klusák, Marie Češková


Ja, kennt ja jeder, den Film. Beginn: Maschinenrattern+Explosionen. Dann 2 Mädchen: Die Welt ist am Arsch - als werden wir es auch sein.
Es folgen viele kleinteilige Episoden in denen wir ihrem asozialen Treiben folgen, Klofrauen beklauen, gestandene Ehebrecher zum heulen bringen und Bratwürste im Bett braten. Ein Kinder- und Hundeleben ist das. Gegen Mitte des Filmes dann das erlösende: Ja, und jetzt? Das treiben schwenkt um - aufs Land. Da wohl Ironie.
Das schöne: Das Bild des Bodybuildermannes in der Milch. Und das Baden der beiden in Milch. Wir können uns vorstellen, was Milch bedeutet, wenn wir den Hrabal nehmen: Das Gesöff der Idioten. Toll war die Orgasmusszene bei Abschlussbankett.
Insgesamt konnte ich mit dem Film wenig anfangen. Ich habe immer noch keine Ahnung, worauf das hinauslaufen sollte, da waren 2 Mädels die ihre Lasterhaftigkeiten anderen zuschieben wollen und doppelt und dreifach sterben und leben.


Valerie - Eine Woche voller Wunder
/Valerie a tyden divu - Jaromir Jires -Tschechoslowakei 1970
Darsteller:Jaroslava Schallerová, Helena Anýzová, Petr Kopriva

Der bessere Film, wenn auch ein Thema, das mir als Homosexualisten jetzt nicht SO sehr zusagt: Die erste Regelblutung eines Görs.
War recht froh, das Buch Vitezslav Nezvals gelesen zu haben, deswegen musste ich den Film nicht SO oft schauen. :lol:
Geschichte, ist ja, wie im oberen Film, hinlänglich bekannt, es ist ausgeschlossen, das jemand an der Bildstörungs-DVD vorbeikam.
Also: Nein, kein Also. Auch hier bin ich ein wenig aufgeschmissen, was es alles zu bedeuten hat. Grundsätzlich positiv erstmal: Ein tschechischer Film der erstmal keine Rückschlüsse auf Politik zulässt, wenn man nicht grade dreht wie ein Berserker.
Also: Erwachende Sexualität, Stinktier, bigotter Priester und ne Omma mit Corpse Paint. Dafür kein Einhorn. Viele, viele Pluspunkte.
Pluspunkt auch die Musik. Weltklasse, auch wenn mich die übergänge etwas störten, bin niemand, der VIEL mit 3 Minutensongs anfangen kann, und hier war abgehaktes Theme auf Theme, ohne größere Versuche von Übergängen.
Aber bitte. Lieblingsstelle, das Ende. Das erwachen aus dem Traum direkt im nächsten Traum.
Sonst: Zirkustreiben in der Stadt. Schausteller, und damit das exotische, halten Einzug. Eines meiner Lieblingsmotive, damit kann niemand etwas verkehrt machen: Damit flogen sowohl Terayama als auch Bradbury usw. die Herzen zu.



Scharf beobachtete Züge/Ostře sledované vlaky - Tschechoslowakei 1966 Regie: Jiří Menzel
Darsteller: Václav Neckár, Josef Somr, Vlastimil Brodský,
Vladimír Valenta

So, wieder Tschechien, wieder bekanntester Film aus dem Land. Diesmal ein Pluspunkt bei Oscars (Nevadi).
Zeit: Nazizeit. Der hübsche, junge Protagonist kommt aus einer Familie bizarrer Taugenichtse und wird Grüßaugust für vorbeifahrende Züge, mit schicker UniFORM. Es herrscht Vollbeschäftigung. Irgendwo müssen die alle unterkommen. 3 Stück allein in seiner kleinen Bahnhofsstation. Der Meister, ein Hühnerzüchter, dr erwähnte Bub und ein Womanizer der bumst und stempelt (Siehe Knoflikari) was das Zeug hält.
Es ist wahnsinnig witzig. Und slawisch, also auch wahnsinnig traurig.
Running-gag die vorzeitigen Samenergüsse des Bubens. Er redet in aller Offenherzigkeit darüber, auch mit dem Ortsnazivorsteher und mit der Milffrau seines Chefs. Sie macht grade Stopfleber und masturbiert den Hals einer Gans (Die arme!) Er fragt an wegen einem Freibums, von wegen, er solle, laut Arzt, erstmal mit einer älteren, weniger scharfen üben und dabei an Fußball denken.

Peng. Film zu Ende.


Une vraie jeune fille/ A real young girl - Frankreich 1976 - Regie: Catherine Breillart
Darsteller: Charlotte Alexandra, Hiram Keller, Rita
Maiden, Bruno Balp


Ein Film der längere Jahre nicht aufgeführt wurde. Auch wieder ein Theme, das mich als Homosexualist, ich wiederhole und wiederhole mich, nicht so sehr anspricht. Eine 20 jährige (Borowczykmaniacs kennen sie) spielt eine 13 jährige die an Ralligkeit kaum zu überbieten ist.
Erste Szene; Ein Wunder von einem Zug fährt im Bahnhof ein. Ein wirklich erwähnenswert schöner Zug, ich wünschte ich hätte Screenshots davon machen können.
Die 13 jährige = Alice. Sie hasst alle. Sie liebt Plasticpop. Ihre Eltern: Abstoßend. Der Vater pummelig mit kleinem Penis (Wir werden ihn oft sehen), ein Bilderbuchbetrüger und Nichtsnutzfabrikant, die Mutter ist das Gegenteil von Glück. Kommt nur ein Funke von Wonne auf zerfetzt sie ihn mit ihren ätzenden, frustrierten Kommentaren. Sie ist der gelebte und geerdete Antitraum.
Die 13 jährige, wir sehen es in Nahaufnahme, ihre haarigen Schamlippen (ICH kenne die Fachworte), pinkelt wie ein alter Mann. Schmiert sich Marmelade in die Vagina (Wer nicht) und baggert einen schönen Mann an, der den ganzen Film nichts als ein Objekt ist, er wird vielleicht 2-3 Worte sagen. Er dominiert offensichtlich, zumindest aus seiner Sicht.
Während des Films: Fliegensummen noch und nöcher. Es sind Töne des Zerfalls. Die Bilder: Denkt an Bresson. Nahaufnahmen von Händen aber von Füßen.
Ein sexueller Film, Bilder, die Gefühle des Ekels auslösen werden bei Teenagern.
Sonst: Schon wieder: Wahnsinnig gute Synthies.
Interessanter Film.

Das typische Leben eines gelangweilten Vorstadtbourgeoisgörs nehme ich an.
+HÜHNERKANNIBALISMUS.
+Hundekadaver

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 18.10.2013 10:34 
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Une vraie jeune fille ist von allen Breillats die ich bislang gesehen habe, der mit Abstand beste. Mit ihrem ersten Film hat sie gleich ihr Meisterstück abgeliefert. Körperflüssigkeiten aller Art kommen in diesem Comming-of-Age Film eines jungen Mädchens ins Spiel. Ohrenschmalz, Erbrochenes, Sperma, Urin, Blut, aber auch andere glitschige, feuchte Dinge, wie ein zerquetschtes, rohes Ei, oder die Eingeweide eines Huhns.
Das Mädchen testet seine erwachende Sexualität aus. Eine Frau im Dorf meint, sie ist eine Gefahr für andere...und für sich selbst.
Charlotte Alexandra spielt fantastisch. Manchmal hat der Film sogar surreale Züge.

Apropos Züge. Der Zug zu Beginn ist wirklich toll. :mrgreen:

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 18.10.2013 21:59 
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Hast du vieles von Braillat gesehen? Mich würde Fat girl interessieren.
Und kannst du den Film irgendwie einordnen? Also gibt es da vergleichbares?
Filme zum sexuellen Erwachen gibt es ja wie Sand am Meer (Meer: Pauline a la plage von Rohmer :mrgreen: ). Gelungen war hier wirklich der Schamlippen und Pimmelfaktor, also auch des Vaterspimmel.
Also, kannte von Breillat bisher nichts und konnte ihren Ansatz bisher nicht nachvollziehen, exploitation-sexyness wird es ja nicht sein, wenn es nicht gerade Ohrenschmalzmasturbatoren sind. Comig-off Filme die versuchen das ein oder andere Tabu zu brechen gibt es ja einige (Malles Herzflimmern) aber diese Mischung aus Ekel und Fuck ist mir, soweit ich mich erinnern kann, nicht untergekommen.
Toll waren auch ihre Busen: Ich konnte mir nicht vorstellen, das Busen, die so groß sind so toll stehen können (Also Brustwarzen sind horizontal gerichtet, nicht Richung Boden).

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 19.10.2013 15:11 
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In homosexueller Hinsicht würde ich Dir Anatomy of Hell empfehlen. Fat Girl hab ich nicht gesehen. Die Story interessiert mich da nicht.
Herflimmern von Malle kommt übrigens Ende November von CMV.

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 18.02.2014 14:46 
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Undisputed III: Redemption
USA 2010 Regie: Isaac Florentine
Mit: Scott Adkins, Mykel Shannon Jenkins, Mark Ivanir, Hristo Shopov, Marko Zaror, Michael Baral, Lateef Crowder u.a.


Der zweite Teil war ja ein Überknaller. Gegen Ende des 2. wurde Scott Adkins (Yuri) das Knie verkrüppelt. Da setzt dann nun auch der 3. Teil an. Yuri ist nicht mehr der weltbeste Kämpfer der Welt sondern der Scheißevombodenaufwischer eines russischen Hochsicherheitsgefängnisses. Macht ihm aber nichts aus, wie es ausschaut. Im Knast finden dann auch bald schon wieder Wettkämpfe statt, es geht darum wer im schönen Georgien an den Knastkämpferweltmeisterschaften teilnehmen darf. Der unbezwingbare Gegner im Russenknast ist ein ein wenig an Steven Seagal erinnernder schwabbeliger Typ mit geflochtenem Rattenschwanz auf dem Hinterkopf. Er ist ein Bilderbuchfiesling. Tritt auf Köpfe und so.

Yuri hat eigentlich mit dem Leben abgeschlossen aber als er diesen Widerling sieht der ja nun auch wirklich wie ein Mistkäfer kämpft, humpelt er zum Ring und schüttet dem Rattenschwanzträger sein scheißegetränktes Wischwasser über den Kopf. Dann geht's in den Ring und er prügelt ihn windelweich.

Yuri hat den Job. Er tritt für Russland bei den Knastkämpfweltmeisterschaften an. Es sind 8 Kämpfer, jeder wird kurz vorgestellt. Alle werden kurz vorgestellt. Der Gefängnischef sagt, er leite die Hölle. Einen harten Hund will er darstellen. Ich nehme an, der nordkoreanische Todeskampfgesandte hat da nur müde gelächelt.

Ja die Kämpfe sind: Gezinkt. Auf dem Bau müssen sie schuften, Abends kämpfen. Gewinnen soll der Kolumbianer. Wäre Yuri ja egal, würde er seine Kette im Bruch nicht mit einem quasselnden schwarzen Amerikaner teilen.
Yuri ist muffig, redet nicht, nur der Amerikaner redet und redet und redet. Es ist sehr witzig, wie in einer dieser 80er Cop-Komödien. Wird auch ein wenig schwul, als der Russe dem Ami später (sie freunden sich irgendwie an) zur Flucht verhelfen will. Der Russe will die Ketten zerschlagen, damit der Ami (ehemaliger Supersoldat, wie der Zuschauer 3 Sekunden früher erfuhr) in den georgischen Wäldern überleben kann. Er drischt auf die Ketten ein. Der Schwarze kniet und schreit: Mach schon, los, härter, härter. Im Gegenschuss der Wärter der seinen Pimmel in der Hand hält, einige Prostataprobleme zu haben scheint und ejakulatsgroße Pisstropfen aus seinem Wicht würgt.

Wer wollte warum gewinnen? Der Gewinn ist die Freiheit. Verlieren=Scheiße. Der Amerikaner will Champ werden um seine beiden Kinder bald wiedersehen zu können. Der Russe, weil Gott nunmal klipp und klar festgestellt hat, dass der Russe der beste Kämpfer aller Zeiten ist.
Film: Hervorragend. Tolle Action auch und tolle Nebendarsteller. Es ist schade, dass ich momentan nicht befähigt bin Screenshots von blöd umherstehenden Statisten zu machen. Hätte da sicher ein gutes Dutzend Brüller präsentieren können. Nun müsst ihr es halt selbst sehen.


The Package - Killer Games
USA 2012 - Regie: Jesse V. Johnson
Mit: Steve Austin, Dolph Lundgren, Darren Shahlavi, Monique Ganderton, Jerry Trimble



Steve Austin again. Mag ihn ja sehr, diesen tumben, doofen uncharismatischen Zwilling von Bruce Willis. Es ist schade für ihn, dass er für seine Filme immer noch einen bekannten Sidekick brauch, sei es Steven Seagal, Danny Trejo oder halt Dolph Lundgren. Das tolle an diesem Film ist eine andere Nebenrolle: Der Raucher aus Akte X trat auf. Habe den schon Ewigkeiten in keinem Film mehr gesehen und mich sehr gefreut.

Worum geht es in diesem Film? Es war ziemlich verzwickt. Also Stone Cold Steve Austin ist Tommy (Mit 50 und dann den Filmnamen!), ehemaliger Soldat und nun Laufbursche für einen Finanzschurken. Die erste Szene sehen wir ihn gleich bei der Arbeit auf der Bowlingbahn. Ein Schmierlappen zahlte seine Schulden nicht, Tommy kommt (Tommy kommt chic im Mantel) und plautzt ihm ne Bowlingkugel auf den Kopf und bittet höflich die Schulden zu bezahlen. Von einer anderen Bahn kommt ein stark Übergewichtiger mit Baseballschläger, der mit keinem der beiden irgendwas am Hut hat, jedenfalls will er Tommy prügeln. Tommy ist jedenfalls ehemaliger Wrestler und nimmt sich ein paar Filmsekunden Zeit den Dicken umherzuwirbeln. Es war sehr witzig. Stone Cold arbeitet ja auch noch mit den Bud Spencer Puff-schlaggeräuschen.

Naja, der Witz ist bald weg. Stone Cold macht kurz liebe mit seiner Frau (Er legt Debussy!!!! auf, der Kamermann weichzeichner und Steve Austin schmust auf einmal). Das hatte dann aber auch nichts mit dem Film zu tun, die Lady kommt nicht mehr vor sie wurde nur kurz von Steve Austin zu Debussy gerattert.

Der nächste Auftrag: Er soll ein Päckchen mit Unbekanntem Inhalt zu dem Deutschen (Dolph Lundgren) bringen. Tommy fährt los mit Sidekick. Der stirbt zügig und eine fiese Killerelitetruppe ballert in einem Dorf umher und will das Päckchen. Eine Frau der Gruppe trägt Leder und ist ne Art SS-Ilsa, also Sadistin, Folterexpertin usw. Ein anderer, mein Liebling, ein Schwarzer, der kurz ein Standmaschinengewehr aus seinem Lieferwagen nimmt, es alleine (!!!) hält und damit, naja, vor seine Füße ballert. Ich meine, kann ja auch niemand alleine heben, das Teil.
Auftrag jedenfalls schwierig. Steve Austin überlebt natürlich, er ist ja der Hauptdarsteller. Die fiesen Killer sind so sehr Elite, dass sie auch ihre einzelnen Schritte laut aufsagen, was sie jetzt vorhaben und warum und wieso das jetzt so Profimäßig ist.

Naja, der Film läuft. Es gibt 3 Gangstertruppen. Den Schweden (alleine), Steve Austins Boss und noch irgendein Typ dem das Killerkommando gehört und der irgendwie sein Büro in einer Autowerkstatt hat, im piekfeinen Zwirn mit Schal rumläuft, während neben ihm geschweißt wird. Erfolgreich wird er ja nicht gewesen sein.
Auch andere Szenen: In einer kämpft Steve Austin gegen einen anderen älteren Herrn. Es fällt Computerschnee und hinter ihnen Schweißen 2 Unbeteiligte auf einem Gerüst herum. Sie schweißen die ganze Zeit weiter und sorgen für Sprühfunkenregen während die beiden sich da in Zeitlupe und puffpuff Geräuschen blaue Flecken verpassen.

Witziger Film.


Ich fühl mich Disco -
Deutschland 2013 - Regie Alex Ranisch
Darsteller:Frithjof Gawenda,Heiko Pinkowski, Christina Große, Robert Alexander Baer

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
Trailer

Lief gerade in Mannheim bei den schwulen Filmtagen.
Pubertierender ist nicht nur dick sondern auch schwul. Singt gern Schlagersänger von Christian Steiffen (Den es wirklich zu geben scheint!) zusammen mit der Mutti. Der Vati ist davon nicht so angetan, er trinkt gerne Bier und schaut gerne Fußball (Ihr seht wir befinden uns nicht in der Ober-Oberschicht sondern im Einbauschrankmilieu). Der Vater steht in der Familie eher im Abseits. Das enge Verhältnis haben diejenigen die auf Männer stehen. Der Vater hat dafür einen Job. Im Schwimmbad arbeitet er und trainiert einen jungen Rumänen im Turmspringen.
Ja: Mutti geht schnell hopps und Sohn und Vater, die ja nun nicht das allerinnigste Verhältnis hatten müssen sich zusammenraufen.
Teuer wird der Film ja nicht gewesen sein, einige Szenen erinnerten an beste Peter Kern Zeiten.
Insgesamt war ich aber positiv überrascht. Der Vater menschelt viel und ist auch ein fantastischer Darsteller. An einigen Stellen habe ich laut, laut gelacht.
Ist schon anschaubar. Ja, die Motive sollten ja auch auf der Hand liegen, Liebe usw. Der Film lohnt allein wegen der Eingangsszene und der Esstischszene.
www.youtube.com Video From : www.youtube.com
Christian Steiffen. Sexualverkehr


Koyaanisqatsi
USA 1982 Regie: Godfrey Reggio
Musik: Philip Glass.


Der kam in diesem ganz hübschen Prager Kino BioOko. Mi Automobilen zum drinsitzen, Liegestühlen, Hundefreigabe, babyspielplatz und all dem was man in Kinosälen nicht so erwarten würde.
Auf meinem Schoß lag ein Jünglingskopf und ich schlief anfangs immer mal ein. Worum es in der Film/Doku ging ist ja sicher bekannt bzw. nachlesbar. War da ja anfangs ganz unangetan, entwickelte sich aber später zu etwas, dass mir die Augen in die Tränen trieb vor schierer Überwältigung. Ich habe mich dafür nicht leiden können, da das ja nun schon alles sehr kitschig aussah - und anhörte.
Schlußendlich aber eine Kino-Erfahrung die ich nicht missen wollte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 01.03.2014 12:06 
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Homefront
USA 2013 / Regie: Gary Fleder
Darsteller: James Franco, Jason Statham, Rachelle Lefevre, Winona Ryder, Kate Bosworth, Clancy Brown
Drehbuch: Sylvester Stallone


Jason Statham mit langen Haaren.
Jason Statham mit langen Haaren.

Aber keine Angst. Statham ist Undercoveragent und lässt das Drogenlabor einer fiesen Rockerbande hochgehen. Bei der Festnahme wird vor den Augen des Oberschurkenrockers Killer-T oder Bussy-G dessen Sohn von 50 oder auch gleich 200 Polizeikugeln durchsiebt. Der Boss ist erwartungsgemäß wenig erfreut und schwört dem langhaarigen Cop ewige Rache.

Das stört Jason =Broker aber weniger. Seine Haare sind wie-der ab, die Tarnung perfekt und er lebt mit kleiner Tochter (die eigene) aber ohne Frau (Tot) in irgendeiner wunderschö-nen sumpfigen Gegend. Da kann die Tochter gut aufwachsen, es gibt schöne Reitwege und nette Schulpsychologen und all das. Es ist ein angenehmes Leben. Leider bricht die Tochter die Nase des dicken Neffen des örtlichen Drogendealers James Franco (Gator). Dessen Schwester, des dicken Mutter ist wahnsinnig aufgebracht. Die Gegend könnt ihr euch vorstellen wie in "Frozen River".
Also Methsuckende, eher arbeitslose Rednecks mit einigen Problemen was den sozialen Umgang angeht.
Broker ist ja, weil es nun einmal Statham ist, eher starrsinnig und rechthaberisch. Das heißt wenn ihn jemand anpflaumt, haut Broker und damit Statham ihm sofort auf die Fresse, weil er sich halt ungern ungerecht behandeln lässt.
Irgendwann winkt der örtliche donoutfressende Bulle in seinem schlecht sitzenden Anzug jedoch mit dem Zaunpfahl und erklärt mampfend, dass es besser wäre nicht alleine gegen einen ganzen Provinzstamm zu kämpfen. Broker denkt an die kleine Miezekatze, seine Tochter und die Pferde, holt sich Rat bei seinem schwarzen Helferling und geht sich entschuldigen.

Bringt aber nix. Die Dickenmutter (Selbst total dünn) hat sich schon bei ihrem Bruder Franco/Gator/ beschwert. Der brach ins Haus ein und stahl die Katze und zerstach einen Reifen (Ein Bilderbuchfinsterling, so geht es die ganze Zeit, er prügelt auch zugedröhnte Teenagerversager).

Ihr könnt es euch denken: Das Intro mit dem Langhaarbroker hat ein Nachspiel. Er fliegt auf und fiese Rocker starten die Home-invasion. Der schwarze Helferling wird angeschossen und der Film endet. Die Katze überlebt. Die Pferde überleben. Viele Bösewichte sterben an ihrer Garstigkeit.

Ziemlich guter Film. Ich hatte mit dem kleinen dicken Jungen mitgefiebert, der tat mir leid in so einem Haushalt aufwachsen zu müssen mit so einem Vater und dieser Mutter.
Das Statham besser ist als ne Drogenrockerbande versteht sich von selbst. Rocker habe ich schon immer für die schwächsten Kriminellenbanden gehalten.
Wer steigt denn dort ein? Tätowierte Versager die mal Schul-schurken waren und eher doof sind. Wenn's dann auch der Chef nur ein Schmierlappen ist, kann es mit dem Geschäfts-verständnis ja auch nicht weit sein. Rocker ziehen meistens den kürzeren. Sollten Yakuza mal gegen Rocker kämpfen wäre die Sache klar, wenn nicht gerade Road House-Swazye auf Rockerseite stehen würde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 13.03.2014 09:46 
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Ružové sny
aka Pink dreams aka Rose-tinted dreams aka Rosy dreams
Tschechoslowakei 1976
Regie: Dušan Hanák
Darsteller: Juraj Nvota, Iva Bittová, Josef Hlinomaz, Marie Motlová

Bild

Ein Teenager verliebt sich erstmalig und irgendwie entwickelt sich alles in große Scheiße. Kennen wir natürlich aus anderen Filmen, ein paar Jahre früher: Lásky jedné plavovlásky (Loves of a blonde /Milos Forman) oder Ostře sledované vlaky (Closely observed trains /Jiri Menzel).
An den Menzelfilm können wir hier auch gleich die ganze Zeit denken, auch der hiesige Bub' trägt eine dieser wunderschönen Uniformen - diesmal als Briefträger.


Aber die Geschichte? Jakub ist der angesprochene liebestolle Briefträger, ein Tagträumer und umgekehrt kein Wunderwerk erotischer Tagträume anderer.
Aber wer ist die Geliebte? Macht er es sich leicht und nimmt einfach die örtliche Cousine oder Briefträgercheftochter? Nein! Seine Verwandtschaft ist alt und sein Chef hat nicht mal eine Tochter. Also ab zu den lokalen Zigeunern. Seine Hormone wählen Jolanka. Jolanka ist allen bekannt als Iva Bittova! (!!!).
Seine Slowakenkumpels und -Verwandten sind davon naturgemäß nicht sonderlich angetan. Sind ja Diebe und Bummler die anderen.
Die Zigeuner andererseits sind auch nicht die Überzeugtesten dieser Liaison. So ein Weißgesicht ist ja auch unfähig in allen Belangen.
Bild
Das ist Jolanka aber egal. Sie weiß was zu tun ist um sich die Liebe Jakubs zu sichern.
Einfach ein paar Eigenachselhaare abschneiden und ihm in die Manteltasche stecken.
Gesagt getan.
Der Liebe steht nichts mehr im Weg.

Die Vorurteile bleiben jedoch. Jakub fährt mit dem Fahrrad herum auch im Zigeunergebiet, die beiden treffen und küssen und liebkosen sich. Jakub fängt sich (von einem Hund selbstverständlich) Flöhe bzw. einen Floh ein. Zum Ausbruch kommen die Ressentiments dann auf einer Feierei mit Blaskapelle (Siehe alle anderen slawischen Filme). Auf der einen Seite böse zischende Männerzigeuner die nicht wollen, dass die beiden tanzen. Auf der anderen Seite fies grunzende Slowaken, die nicht wollen, dass die beiden tanzen. Aber Jolanka und Jakub haben Eier, sie tun es trotzdem. Da dann auch eine schöne Szene. Einerseits: Gefüllte Tanzfläche und Blasmusik. Gegeneinstellung: Nur die beiden allein im Saal dazu Taubengurren (Leitmotiv auch aber auch egal).

Nun einer von beiden wird kriminell und es ist nicht Jolanka. Sie leben kurz in der Stadt, Jolanka ist die arbeitende. Die Romantik verfliegt in der Stadtbude aber auch schnell. Zumal Jolanka ein wenig verstimmt ist, da Jakub seine Zeit lieber mit Träumereien als mit Arbeiten verbringt.

Jakub hat schon eine tolle Rolle. Er ist ja ganz naiv und sicher auch ein wenig doof. Er grabscht in eine Kassa um an ein wenig Geld zu kommen, damit die beiden dann in die Stadt können. Naürlich ist er so doof und kommt dafür auch für Kurzzeit ins Gefängnis. Jedenfalls ist der Gelddiebstahl in seinen Tagräumen wie ein großes Westernabenteuer in dem er auch verkleidet ist als Westerncartoonfigur. Es ist schade und zwangsläufig diese Beziehung der beiden zerbrechen zu sehen was ja auch an unterschiedlichen kulturellen Werten liegt die leicht demonstriert werden können mit einem Dialog:

Könntest du mich schlagen?
Nein, Nein, natürlich nicht!
Und weißt du auch warum? Weil du nicht Manns genug bist!

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 19.04.2014 10:58 
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Sieht so aus als würde ich das Tagebuch nur noch für Filme nutzen die nicht unbedingt einen eigenen Thread brauchen, also los... :mrgreen:


Lone survivor
USA 2013
Regie: Peter Berg
Musik Steve Jablonsky
Mark Wahlberg, Taylor Kitsch, Emile Hirsch, Ben Foster, Yousuf Azami, Ali Suliman, Eric Bana,, Alexander Ludwig


Der Film steigt ein mit mockumentaryartigen Ausbildungsaufnahmen der US Navy Seals. Ein Sprecher aus dem Off erklärt, wie hart die Prüfungen sind, wie kameradschaftlich das alles ist und gratuliert am Ende der paar Minuten den Absolventen der vermutlich härtesten Ausbildung der Erde.

Der Film: Ein paar derer, die diese Ausbildung überstanden sind nun gestanden - gestandene Elite-Soldaten, die momentan in Afghanistan stationiert sind. Wir schreiben das Jahr 2005. Die Soldaten sind erst einmal im Camp, wir lernen sie näher kennen, sie rennen zusammen, haben Spaß zusammen, essen Müsli zusammen und all das. Auch ihr Privatleben wird mit reingemischt. Die Frau von Luttrell will zur Heirat einen Araber. Luttrell druckt sich das Foto aus und zieht durch das Camp, zeigt es jedem und erklärt tiefernst, wie gut der Geschmack seiner Frau sei aber auch wie teuer so etwas sei (15.000 US-Dollar). Die Beziehung läuft toll, er skypt auch mit ihr, auf ihre Frage, was er denn gerade so tue antwortet er Paying the bills.
Ein anderer Aufhänger im Film ist die baldige Erst-Mission eines neuen, Shane Patton (Alexander Ludwig). Er ist blond, jung, bartlos und superkräftig, ein wenig niedlich also.
Kurz bevor sie einen Einsatz haben, darf der Bub' ein Ritual absolvieren und sagt den Navy Seals Slogan auf: Wir sind haarig und können Sex am längsten und am besten machen auf der Welt, wir haben mit allen Frauen auf der Erde Sex und jede will es und uns. (Das ist jetzt frei aus dem Gedächtnis, aber es ging um Sex und Körperbehaarung).
Der Spruch hat da natürlich weniger gepasst. Die Kerle bei den Seals sind ja alle Mittelklassevorstadtpapas, zeigen Fotos von Kindern, sprechen von Heiraten, ihren Kameradschaften und so weiter. Das sich da nun 5 haarige Seals auf ne Lady stürzen und sie 5 Stunden Rudelbumsen erscheint da abwegig.

Nun jedenfalls, der Auftrag: In den Bergen leben viele Taliban, der Anführer hat keine Ohrläppchen und muss (deswegen) getötet werden. Die Taliban werden auch gleich eingeführt, sie marschieren in ein Dorf, nehmen einen dortigen jungen Papa, vor den Augen seines Sohnes, zerren ihn an den Haaren nach draußen und schlagen ihm mit einer Machete den Kopf ab. Das war's. So sind die Taliban. Während Luttrell seiner Frau einen Araber schenken will und muss, schlagen sie wahllos jungen Vätern die Köpfe ab.
Der Einsatz beginnt. Es sind nur 4 Seals die in den Bergen abgesetzt werden, den Anführer töten sollen und dann wieder abfliegen sollen.
Es klingt einfach. Aber es wurde ja ein Film drauß, nach wahren Begebenheiten, also gab es Komplikationen.
Die Komplikationen sind 3 Ziegenhirten die sie, eher zufällig im Gebüsch entdecken. 2 junge, ein alter. Und die Frage steht im Raum:
Was tun?
Töten?
Von Wölfen fressen lassen?
Laufen lassen?


Es wird diskutiert. Kriegsverbrecher wollen sie natürlich nicht sein, da kommen sie sofort ins CNN (Das denke ich mir nicht aus) also lassen sie sie laufen. Obwohl der eine junge so grimmig schaut und sicher sofort zu den Taliban rennt und petzt.
Tut er auch.

Und der tatsächliche Film beginnt. 4 Navy Seals schusswechseln knapp 80 Minuten mit 200 Taliban. Es ist erstaunlich. Also die Aufnahmen, der Wald, das war toll. Und die 4 Kerle wurden ja auch so oft angeschossen. Dem einen wurde in den Kopf geschossen, in den Bauch, in den Fuß, 3 mal ins Bein, er flog einen Felsabhang hinuter (2x), neben ihm explodierten Granaten und er konnte trotzdem noch weiterrennnen (gut ein wenig hinkte er) und vernichten.
Diese Ausbildung muss eine erstaunliche sein. Das war ja alles nach wahren Begebenheiten, dem wurden wirklich 10 Kugeln in den Pansen geballert und er konnte weitermachen.
Bild

Der Film endet dann irgendwann.
Dazwischen wurde Mark Wahlbergs geschundenes Gesicht im Close-up noch vom Sonnenuntergang überblendet. Sigur Ros artige Musik kam, als dann einer wirklich ganz und vollkommen endgültig gestorben ist und all das.
Ich muss zugeben, dass mir der Film nicht so viel Spaß gemacht hat. Was auch an Mark Wahlberg liegt, er ist kein Schauspieler bei dem ich mir die Finger lecke er weckt überhaupt keine Empathien. Ein Film in den er wirklich toll passte war Pain&Gain. Er könnte 10 davon drehen und es wäre in Ordnung.
Also, es hat mich alles nicht so sehr überzeugt, auch das langatmige Sterben und weinerliche: Sag meiner Frau, dass ich sie liebe... Ich habe in letzter Zeit auch ein paar russische Kriegsfilme gesehen und sie haben es viel besser gelöst. Die Feinde dort waren zwar schlimmer als Ratten aber die russischen Soldaten waren immerhin auch widerlich bis zum erbrechen.
Wer mir gut gefiel war Eric Bana. Der hat Ausstrahlung.




Force of Execution
USA 2013
Regie: Keoni Waxman
Darsteller: Steven Seagal, Ving Rhames, Bren Foster, Danny Trejo, Jenny Gabrielle, Dylan Kenin, Frank Mir

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Im Grunde würde als Kurzkommentar ein einfaches: WTF? reichen.
Also da ist Steven Seagal, er erklärt sich erstmal selbst aus dem off. Er hat bei den besten Regierungen gearbeitet und arbeitet jetzt alleine. Er ist superreich und hat eine Art Armee. Er lebt in einer riesigen Finka im südeuropäischen Stil (Typ Hardcorepornoset). Und er ist so gut in seinem Geschäft, dass es schon 4 Exekutionskommando mit Elitekillern gab, die ihn töten wollten und sollten. Er hat sie aber alle geschafft. Er ist Mr. Alexander und hat einen Zögling, dem er das Geschäft irgendwann überschreiben will.
Der Zögling ist sehr loyal und kann gut kämpfen, jedenfalls wird er ein bisschen reingelegt von Iceman (VING RHAMES!) und Mr. Alexander muss seinem Zögling leider die Hände verkrüppeln.
Der Film dann: Iceman will Mr. Alexanders Geschäft übernehmen. Es gibt noch einen Bordell-Mexikaner, einen Müll-Mexikaner (Trejo), den Zögling als versoffenen Krüppel und eine blonde Dame. Es wird dann viel geschossen und es gibt eine Art Happy End.

Was kann ich über diesen Film sagen? Wo beginnen? Also, Seagal ist neben Stefan Raab der vielleicht schlechtest-angezogene Mann im Show-business. Hier trug er eine Jeans und ein übergroßes schwarzes Sakko, das wohl seinen Bauch kaschieren sollte, was gut gelang, da sein Bauch nur einmal voll eingeblendet wurde und er da ausgerechnet auch seine Hände nicht schützend davor halten konnte. Sonst saß er meistens hinter Tischen oder er stand und es wurde nur sein Gesicht eingeblendet (In diesem Film mit Muschibart). Ving Rhames als iceman gefiel mir toll. Er war total doof und er war als schauspieler auch nicht so gut. Also er spielte diesen schwarzen Trottel, der von seinen Homies sprach und mantraartig: Auf gute Nachbarschaft aufsagte. Er war dieser Typ: Highschoolschläger und er hatte keinen Plan von nichts. Er zog dann auch oft mit 2 Pistolen umher und konnte mit beiden zielen und es sah so furchtbar aus, wie ein 5 jähriger der versucht Gangster zu spielen. Er trampelte dabei auch noch so unbeholfen.
Die Autos im Film hatten nie Nummernschilder, die Außenaufnahmen beschränkten sich auf 3 Gebäude und eine Wüstenaufnahme.
Trejo war ganz in Ordnung, das witzigste im ganzen Film war, als er sagte:Ich bin nur der Koch. :mrgreen:


Das Problem mit Mr. Alexander war, dass er erst einen kryptischen Satz rausposaunte (der trotzdem immer sofort klar war) und hinterher ein: Das heißt dranhängte um alles nochmal zu erklären. Großen Spaß hat der finale Shoot-out gemacht weil Seagal da eine Art Militäruniform trug, also seinen Schal, eine Kappe rückwärts, seine durchsichtige Brille und ne Kugelsichere Weste. Es sah wirklich cool aus.Nicht wie seine Kämpfe, da stand er nur und hat mit seinen Händen das gemacht, was Iceman tat um seine Hoodie-Kumpels mit Geheimzeichen zu grüßen.
Das bizarre an diesen Filmen ist ja, dass Seagal offensichtlich keinerlei Witz hat. Er tut was er tut und ist dabei total ernst, wenn er erklärt, dass er der beste ist, wenn er erklärt, dass er ein Guter ist obwohl er schon ungefähr 100 Menschen ermordet haben muss. Aber es kann ja nicht sein, ich denke Seagal erlaubt sich da auch einen großen Spaß in seinen Filmen. Es gab sogar ein zwei Stellen in denen Witze eingebaut wurden (Der erste natürlich die Koch-referenz; und die zweite als sein Schützling tot im Kofferraum lag und er in der Wüste verbuddelt werden sollte. Jemand ruft nochmal auf dem Handy des Mannes an, der damit beauftragt werden sollte, ihn zu verbuddeln. Die handystimme sagt: Passen sie auf mit ihm, er ist gefährlich und der Verbuddler ist natürlich ein wenig perplex und antwortet: Wieso aufpassen, der ist doch tot? )

Also, der Film war schon ein großer Spaß da er sich kaum Albernheiten erlaubte und da vordergründig überhaupt kein Witz dabei war.
Es ist auch die Stelle mit der Finka. Sie wird ja schwer bewacht, von der Privatarmee. Also da rennen überall Männer mit Maschinenpistolen rum und der erste Gedanke ist da natürlich, dass das irgendwo in Bulgarien oder Albanien oder so sein muss. Kein gangsterboss der ersten Welt würde so offensichtlich sein Haus bewachen lassen aber im Laufe des Films kristallisiert sich raus, dass das irgendwo direkt am Stadtrand einer US-Stadt liegen muss.

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 Betreff des Beitrags: DAVID - Peter Lilienthal
BeitragVerfasst: 14.05.2014 23:04 
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DAVID
Deutschland 1979
Regie: Peter Lilienthal
Darsteller: Mario Fischel, Eva Mattes, Valtr Taub, Hanns Zischler, Dominique Horwitz, Franciszek Pieczka

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David ist der Sohn des Leignitzer Rabbis Singer. Sie leben das Leben der oberen Bildungsbürgermittelschicht. Es wird gelernt und es werden Musikinstrumente gespielt. Es ist ein recht idyllisches Leben. Der Rabbi spielt sogar Tischtennis. Aber mit einem tischtennisspielenden Rabbi ist kein goldener Bär zu gewinnen also schauen wir einen Blick tiefer. Wir sind in Deutschland im Jahre 1933. David ist ein Bub'. Als Sohn des Rabbis können wir auch zirkelschließen, dass er jüdisch ist. Das wissen auch die ortsansässigen Buben und boxen Davids Nase. Durch die Straße zieht, die Familie feiert gerade ein Fest, ein Kinderfackelzug mit JUDEN RAUS rufen.
Und schon sitzen wir 5 Jahre später, es ist 1938, mit dem jungen erwachsenen David in einem Zug nach Berlin. Die Leignitzer Schule darf er nicht mehr besuchen, also lebt er nun bei einem Verwandten zusammen mit seinem Bruder.
Die Zeiten werden nicht besser. David versucht sich durchzuwurschteln. Er arbeitet in einem Kibbuzvorbereitungslager und plant die Diaspora. Die USA stehen im Raum, da haben sie auch schon Wartenummern. Aber wenn es nun ein schäbiger Flussdampfer über Ungarn nach Palästina wird, ist das auch recht.
Die Zeit schreitet voran, die Familie wird deportiert und David bleibt allein in Berlin zurück. Er lebt im Untergrund und plant die Flucht.

Ja, das war der Plot. Spoiler kann man bei der Art Film ja eh nicht verraten, bzw. steht eh schon Anfang und Ende auf der DVD Hülle.
Der Film war Anfangs ein wenig ärgerlich. Den Teufel werde ich tun und mir irgendwann Hollywood-Holocaust ala Spielberg anschauen also probiere ich es mit dem deutschen. Der Film hier läuft unter dem Arthausbanner und bekam seinen goldenen Bären, den er auch gleich in der ersten Bildtafel einblendet. Anfangs ist es kein Film sondern Handlungserklärungen die zu einem B führen, erklärt aus dem Wissen der Zukunft.
Es fallen bedeutungsvolle Sätze schon in den 33er Jahren: Ich spüre ein Unglück, dass nicht in Wort zu fassen ist.
Auch Der Rabbi erzählt keine Geschichten des AT die nicht für den Film genutzt werden könnten. Er zitiert Stellen: "Das man dieses Volk vertilgen...", er zitiert auch früher und später andere Stellen: " Die Rettung auf dem Berge".
Auch in den 1938er Jahren fallen schon aus jüdischer Sicht Fragen wie: Denken, sie, dass die Schlacht schon verloren ist?. Klar, dass ist die Frage eines achtzehnjährigen aber welche Schlacht will er denn da meinen?
Der Film übt sich in Subtilität. Einen Transport will eine zeitgenössische (79) Spiegel-Magazin Kritik etwa kaum als solchen erkannt haben, was aber auch eher auf den Rezensenten schließen lässt. In einer anderen Szene kommt Rabbi Singer aus einem mehrtägigen Aufenthalt zurück. Auf der Stirn brandmarkt nun ein Hakenkreuz. Es wird nur kurz eingeblendet. Aber es wird eingeblendet. Understatement ist auch ein Statement und es ist Subilität mit dem Holzhammer. Das Gezeigte steht im Raum auch wenn es nicht mit Violinenmusik und Erklärungen unterlegt wurde.
Die Dialoge scheinen jeweils ihren Zweck zu haben. Eine andere Kritik spricht davon, dass der Film fair sei. Der Film erinnert in dieser Zeit weniger an Spielfilm als an Schulfernsehen.

Aber es wird besser. In der Zeit in Berlin, lassen wir den Dichter an der Werkbank weg, der erklärt, dass die Zeit der Poesie endete, entwickelt sich aus dem Stoff ein richtiger Film. Es ist oft ein wenig konfus aber das ist nichts störendes. Die Zeiten, die David nun, ohne Stern und ohne feste Unterkunft durch die Straßen zieht, sind spannend. Davids Schauspieler, Mario Fischel, ist eh ein starkes Element. Er ist gewitzt, hübsch und halbglaubwürdig.
Es fällt mir schwer mit dem Film, es waren 2 Textblöcke Nörgeleien und 3 Zeilen Kopfnickereien. Es ist so nicht, der Film ist ein ansehbarer. Zumindest der Schauspieler Fischel war erfreulich.

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 Betreff des Beitrags: DALEKA CESTA - DISTANT JOURNEY
BeitragVerfasst: 16.05.2014 13:14 
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DALEKA CESTA - DISTANT JOURNEY
Tschechoslowakei 1949
Regie: Alfréd Radok
Kamera: Josef Střecha
Musik: Jiří Sternwald
Darsteller:
Blanka Waleská, Otomar Krejča st., Viktor Očásek, Zdeňka Baldová, Eduard Kohout, J. O. Martin, Josef Chvalina, Anna Vaňková,



Zeitlicher Kontext

Gedreht wurde der Film im Winter 1948. Im Februar kamen die Komunisten an die Macht. Präsident Benes übergab Klement Gottwald die Macht, einem Mann dem Vorlieben zum Alkohol, Geschlechtskrankheiten und Stalin nachgesagt wurden. Die Zeiten waren prokommunistisch. Mit dem Westen, der die Tschechen beim Münchner Abkommen so in Stich ließ, wollten große Teile nichts mehr weiter zu tun haben. Ende der 40er und natürlich stark bis Anfang/Mitte der 50er, bis zu Stalins Tod verfiel das Land zurück in eine albtraumhafte Diktatur, in der Schauprozesse und Exekutionen üblich waren. Das Klima war gegen Religionen. Das heißt antisemitisch und auch antikatholisch. Viele kulturschaffende und Schriftsteller wurden zu Jahrzehnten schwerem Kerker verurteilt . Die, die nicht im Kerker landeten, waren diejenigen, die schon 1948 auswanderten, wie Jan Cep. Zur Literatur, dem Film usw. gab es enge Vorgaben. Gern gesehen waren Helden und Bauern, weniger gern gesehen waren fehlerbehaftete Helden oder künstlerische Verfremdung. Weniger gern gesehen waren im Allgemeinen Künstler, die was drauf hatten. Weniger gern gesehen waren auch Darstellungen, die explizit die Rolle der Juden in der NS-Zeit herausarbeitete. Opfer waren immerhin alle. Die künstlerische Freiheit war, wieder, aufgehoben. In diese Zeit platzt nun noch Radoks Film. Der erste seiner Art und, gleichzeitig auch wieder, der letzte seiner Art für einige Jahre.

Film - Inhalt
In dem Film haben wir eine Liebesgeschichte. Hana Kaufmannova ist Jüdin. Ihr Freund ist der Arzt Antonin Bures. Der ist immerhin kein Jude sondern Vollblutslawe. Er möchte sie heiraten, damit sie keine weiteren Repressionen fürchten muss. Sie tun das auch. Antonin hat es aber so leicht auch nicht. Der Vater ist von der Hochzeit nicht sonderlich begeistert und erscheint nicht. Antonins Bruder ist im Widerstand. Die Optionen zum Transport sind Suizid und Verstecken. Einen Suizid werden wir miterleben. Beide Familien landen jedoch erst in Theresienstadt und werden dann weitertransportiert. Als letzte wird Hana in Theresienstadt landen. Der Plot ist nur ein grober, linearer Anriß und spiegelt den Film nicht wirklich wieder als werde ich kurz auf einige formale Besonderheiten zu sprechen kommen:

Film- Machart
Der Film besteht aus 3 Teilen. Wir haben die Liebesgeschichte, wir haben das Leben sowohl in Prag als auch in Theresienstadt und schlußendlich haben wir dokumentarmaterial (u.a. Leni Riefenstahls Triumph des Willens is reingeschnitten), dass in den Film reingeschnitten wird. Der Film ist expressionistisch, aufwühlend, emotional und eher chaotisch. Radok wird auch viel mit Collagen arbeiten und Bild in Bildaufnahmen. Cieslar schreibt: " This film has a very subjective viewpoint. It is a terrible dream, a nightmare. Terezin is seen as a large, crazy, grotesque railway station, a waiting room for the extermination camp.
Bazin merkt an: Expressionism here exists not in cinema but in history.
Die dokumentaraufnahmen, die der Film immer wieder einschneiden wird sind Aufnahmen Hitlers, Goebbels, Heydrichs usw. Es sind Bilder lachender Arierkinder, von Explosionen, Bombenhageln und auch von ausgemergelten Leichen. Die Montage der Bilder ist beachtlich. Während einem der längeren Blöcke mit echten Aufnahmen, werden Aufnahmen aus dem Spielfilm beigemengt. Die lachenden Arierkinder werden von den Tereziner Kindern abgelöst, auf Reinhards Rede folgt eine Guillotine. Im Spielfilm sebst gibt es oft Bild in Bildaufnahmen. Das heißt den Bildschirm füllt eine Aufnahme mit deutschen Bombern aus, oder marschierenden Soldaten oder Reden eines hohen Politikers, während in einem kleinen Bild dann Bilder aus dem Spielfilm weiterlaufen. Wir haben die Auswirkungen der großen Politik auf die Einzelschicksale. Die handelnden Personen im Film sind nur die dem Schicksal ergebenen, sie haben es nicht selbst in der Hand. Ihre Lebensbahnen werden bestimmt aus der Realität, von den Männern deren wahnsinnige Ansprachen wir hören.
Das expressionistische ist durchgängig. Ist es eine beängstigende Holzpuppe, die eine Treppe heruntersteigt, ein Klavierkadaver der am Strang hängt und aus dem mit einer Eisenstange Töne gedroschen werden usw. Die Tonaufnahmen im Film sind ebenfalls bemerkenswert, die Töne passen oft nicht zum Bild, sie sind laut und schräg. Die Personen sind nicht wirklich ausgearbeitet, sie stehen eher als Symbole. Die wenigen Stellen in denen die Figuren dann doch Individuell sind sind grässlich. Hanas Vater etwa bittet um schwarze Schuhcreme, als er im Lager ankommt. Und die Frage steht im Raum, was er denn damit überhaupt möchte. Es stellt sich heraus, dass er sich damit die Haare schwarz Färben möchte, um jünger zu wirken, da er hörte, dass alte Menschen gleich getötet werden. Es ist wahnsinnig erniedrigend. Später wird auf einen langen Marsch geblendet, es geht zum Weitertransport. Es regnet im Strömen, an der Ecke spielt eine Big Band Kapelle bizarre Töne. Die Schuhcreme wird im Regen aufgelöst und zerläuft über dem Gesicht des Vaters.

Theresienstadt
Hier spielt ein Großteil des Filmes aber wir bekommen kaum etwas mit. Wenn dann sind es nur kleine Stellen, die in einen historischen Kontext gestellt werden können, der Bau der Gasleitungen der abgelehnt wird, das Üben der Kinderoper Brundibar, das Ankommen der Typhusopferzüge aus den Ostgebieten zu Ende des Films oder das Schrubben der Gehsteige für den Besuch des Roten Kreuzes. Im Film sind aber, wie gesagt, keine Führungspersonen sondern nur die Auswirkungen zu sehen, es gibt nur das beengte Leben zu sehen.
Das Ende des Filmes ist das Ende des Krieges. In der letzten Einstellung laufen Hana und ihr Mann über einen Friedhof mit hunderten von Holzkreuzen. Aus dem Off wird gesprochen: Der Mensch hat gesiegt. Dazu werden die Namen der Konzentrationslager aufgezählt. Der gesprochene Text über den Sieg ist nur eine oberflächliche Annäherung an das, was die politischen Vorgaben für die Kunst waren. Der Film zeigt keinen heldenhaften Kampf der Arbeiterschaft, keinen Aufopferungsmythos. Es ist Platz für Trauer und die Opfer werden sichtbar gemacht. Der Film wurde, kaum gesehen, gesperrt und hatte seine erste Aufführung in Tschechien erst wieder 1991.

Radok
War ein begabter Regisseur, aber das hier ist seine einzig wirklich gute Arbeit. Aus ihm hätte etwas hervorragendes werden können. Er selbst kam 1944 ins Internierungslager Klettendorf. Vater und Großvater wurden in der kleinen Festung Theresienstadt ermordet. In diese Teile setzte Radok, es ist nachvollziehbar, keinen Fuß. Der Film wurde eingezogen, weil die Thematik unpassend war. Was an der expliziten Darstellung der Juden lag. Radok selbst wurde schnell als Feind des Sozialismus erkannt und benannt. Drehen konnte er doch noch ab und an, es waren Filme wie: Dedecek automobil (Großvater Auto).

Eine DVD gibt es von Facets. Die ist, was die Untertitel angeht, auch halbwegs brauchbar. Zumindest besser als die von Und der fünfte Reiter ist Angst, dessen UT den Film doch eher grob verfälschen.
Der Film selbst ist sicher nichts für ein Date oder den Feierabend aber interessant ist er in mehrfacher Hinsicht, ich habe es kurz angerissen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 23.05.2014 07:13 
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Transport aus dem Paradies -Transport z ráje
Tschechoslowakei 1962
Regie: Zbyněk Brynych
Regieassistent: Juraj Herz
Drehbuch: Arnošt Lustig, Zbyněk Brynych
Kamera: Jan Čuřík (Valerie, eine Woche voller Wunder, Der Scherz)
Darsteller: Zdeněk Štěpánek (Ikarie XB 1), Ilja Prachař (Die Hexenjagd), Ladislav Pešek, Jindřich Narenta, Vlastimil Brodský, Čestmír Řanda (Sie sind eine Witwe mein Herr) st., Jiří Vršťala, Jaroslav Raušer, Valtr Taub, Martin Gregor, u.a.



Nun, bevor ihr euch wundert, was denn hier tschechische Holocaustfilme aus den 60ern zu suchen haben reicht es mir einfach ein wenig Namen aufzuzählen bzw. stehen ja schon oben. Der Kamermann von Valerie, eine Woche voller Wunder (Bildstörung), Regieassistent Juraj Herz (Der Leichenverbrenner/Bildstörung -der hier ja scheinbar noch nicht mal einen eigenen Thread hat?), Buchvorlage von Arnost Lustig (Auch: Diamanten der Nacht. Brynych hatte 3 Jahre später seinen nächsten, andersgearteten Holocaustfilm gedreht: ...Und der fünfte Reiter ist Angst(Der hier ja nicht mal eine Minirezension hat, hol ich vllt. mal nach - bald).

Arnost Lustig befasste sich hauptsächlich mit dem Holocaust. Was sicher auch naheliegend war: "von den fünfzehn Tausend Kindern, die im Ghetto von Theresienstadt waren, kamen nicht ganz hundert zurück.... ich war eines von diesen Kindern, die überlebt haben"
Nun ist ja auch schon alles verraten: Wir befinden uns nun im Film, das heißt im Theresienstadt der 42er Jahre. Theresienstadt ist die Stadt, "die der Führer den Juden geschenkt hat".Diese Dokumentation wird im Film auch gerade gedreht.
In der Doku im Film sehen wir, wie glücklich die Juden in der Stadt sind, das wird auch aus Stimmen aus dem Off verkundet in mannigfaltigen Sprachen damit es auch jeder versteht. Der Film selbst hat keinen Hauptdarsteller, es ist ein Kaleidoskop verschiedener Insassen und Mitarbeiter. Wobei die Sprachge-wichtung schon zugunsten des Deutschen ist, also es kommen mehr Nazis mit ihrem Deutsch zu Wort als Tschechen.

Wir folgen dem Leben der Theresienstädter, es läuft tanzbare Jazzmusik die sich auch wirklich lebensfroh anhört. Dazu eine Gruppe Jugendlicher Buben die herumzieht, Mädchen hinterherschaut und ihren Spaß hat, hübsche Frauen, ältere Männer, alles ist auf den belebten Straßen und wuselt herum.
Dann reist der SS General Knecht an in seinem Auto. Wir sehen ihn vor einer Schafsherde:
Was sind das für Viecher?
Schafe aus Lidice, mein Herr!

Er redet kurz mit einem Untergebenen, es sind nur sie zu sehen, vor einer jüdischen Sparkasse. Der General tritt in das Gebäude und aus dem Bild. Ein Untergebener brüllt etwas den nicht im Bild stehenden Bewohnern zu, von wegen: Weitermachen und die Kamera schielt wieder auf die Straßen. Wo eben in einer Sekunde noch die Bewohner still standen wie in einem Gemälde und keinen Mucks von sich gaben setzen sie sich nun wieder in Bewegung und murmeln, dazu setzt aus dem Off die Jazz-Musik wieder ein.

In der nächsten Szene werden Zahlen gebrüllt. Mit den Nummern sind Menschen gemeint, die Nummern hören wir fast den ganzen Film durch. Was für Menschen lernen wir nun dort kennen?
Da ist der Vorsitzende der Juden: David Löwenbach, der sich weigert seine Unterschrift unter das Transportformular zu setzen (Sie denken, wir wissen nicht was dort ist? Gaskammern sind dort! - - Schicken sie Herr Löwenstein bitte zur Sonderbehandlung!). Dieser Löwenstein auch mit einem ganz fantastisch gelernten Deutsch.
Löwenbachs Nachfolger ist Marmulstaub, der sich mit Murmelstäubchen anreden lässt und die geforderte Unterschrift gibt. Da ist ein SS-Offizier mit einem ebenso wunderbaren Wiener Dialekt. Da sind einige Theresienstadt-Untergrundarbeiter, die im Verborgenen eine Druckerei betreiben und Antifaschistische Plakate drucken und an die Wände kleben.
Der Film ist recht realistisch also nicht so experimentierfreudig wie Brynychs: ...Und der fünfte Reiter ist Angst.
Wobei es auch hier wieder tolle Kameraeinstellung gibt. Etwa der General in seinem Büro. Die Aufnahme geht in die Höhe, kaum in die Breite, wir sehen ihn in seiner Uniform unten im Eck und er füllt das Bild kaum aus.

Der Film ist vordergründig halbwegs angenehm, mit der Tanzmusik, den gefüllten Straßen, den liebestollen Teenagern. Die Juden haben ihre Selbstverwaltung und die meisten SS-Angehörigen sind, von Ausnahmen abgesehen selbstverständlich, kaum bösartig. Aber es ist wie es ist, und wir wissen wie es ist, zumindest im Nachhinein: Scheiße. Sie müssen den Judenstern tragen, sich später bei der Namensnennung selbst ein Saujud' davorsetzen atd.
Ein sehenswerter Film.

Die DVD von Second Run

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 Betreff des Beitrags: Re: Jungfrauenhatz
BeitragVerfasst: 23.05.2014 07:14 
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Der silberne Planet - Na srebrnym globie
Polen 1988
Regie: Andrzej Zulawski
Musik: Andrzej Korzynski
Darsteller: Andrzej Seweryn, Jerzy Trela, Iwona Bielska, Krystyna Janda, Henryk Talar, Henryk Bista

Bild

Ein Rudel Abenteurer und Weltraumastronauten (3 Stück) landen auf einem fremden Planeten (Laut Buchvorlage der Mond aber das ist bei der Filmflora eher unwahrscheinlich). Man stirbt und über-lebt und ist schwanger.
Ein Mann überlebt länger. Er überlebt Generationen und lebt in der Wüste ab und an lässt er sich Blicken bei dem Stämmen die sich aus den 3 Menschen entwickelt haben, sie haben eine sehr naturverbundene, spirituell-religiöse Seite, die Moden wechseln zwischen Biberfellsamuraioutfit bis Nackt bis Zardoz. Das nimmt ungefähr die erste Stunde des Filmes ein. Gefilmt ist es vom alten Mann aus der Ich-Perspektive, es ist Found Footage Material, eine Art Videotagebuch. Wir sind es die angebrüllt werden und wir sind es auch die geprügelt und zu Boden geprügelt werden. Das Video hat aber eine andere Funktion, es wird zur Erde geschickt, die Erde schickt dafür einen Mann, Marek. Der gilt bei dem schamanistisch angehauchten Stämmen als Messias, der die Menschen vor den Vogelkreaturen schützen soll.

Diese Vogelwesen sind ein großes Problem, die Männer schifften schon einmal über auf Wikingerpiratenschiffen auf die andere Seite des Ufers um die Vogelwesen zu besiegen. Zurück kam nur einer. Marek übernimmt die Führungsposition und kämpft gegen das Fremdvolk.
Die Dinge entwickeln sich, aber zu Mareks ungunsten. Es wird viel gepfählt und viel gebumst. Kanonen schießen, Futuristische Weltraumautos fahren herum und dann reisen wohl einige der Mondeingeborenen zur Erde. Das erzählt uns dann der Regisseur selbst, sich selbst im Kaufhausschaufenster in Polen spiegelnd und filmend.

Gut, was haben wir? Melancholie: Ja. Erdehnsucht: Ja. Doppelgängermotiv im romantischen Sinne mit Auflösung des Ichs und später vielen existentiellen Fragen: Ja. Der Film wurde nicht ganz fertiggestellt, bzw. Stellenweise auch wieder vernichtet, da er einigen polnischen Offiziellen nicht so geheuer war. Deswegen sind statt einiger Stellen im Film einfach Videoaufnahmen aus dem Polen der 80er. Wir schauen polnischen Hausmütterchen in die Augen, während sie die Rolltreppe nach unten fahren erzählt eine Stimme aus dem Off von Orbitraketen und sexualkonflikten mit Vogelkreaturen. Diese Polarität ist eine ganz spannende zwischen den diktaturgeplagten Polen mit Plastikjacken und den trieb- und religionsgeplagten Fantasieuniformträgern auf dem Mond.

Mit Marek kommt auch der Wahnsinn. Vorher wurde nur vereinzelt mal geschrien, mit Marek bricht aber alles aus was im linken Gehirn steckt. Marek schreit. Die anderen schreien. Alle rennen wild von links nach rechts und wedeln mit den Armen und das geht eine knappe Stunde so. Männern wird auf den Kopf gedotzt, sie brechen blutend zusammen, sind vielleicht im Sterben begriffen aber sie reißen ihre Arme in die Höhe wie Basketballer und brüllen sich die Seele aus dem Leib, von wegen die Vogelmenschen reißen die Babys auf. Der Film ist in dieser Stunde ein wahnhafter, hysterischer Albtraum. Die Schreie hören nur auf, wenn statt Faustkampf Sex praktiziert wird. Marek hat viel Sex. Auf einmal ist er in einer dunklen Höhle wo ein riesiges Rudel nackter kopulierend auf dem Boden liegt. Sie sehen aus wie Würmer. Während sie da nun herumrennen und kreischen sind dann auch mal Gruppen mit mit Fahnen tanzenden Menschen. Ab und an gibt es auch Gründe für das brüllen. Über 2-3 Minuten wird einfach überall der Boden gesprengt, als wären dort Minen, die Schauspieler brüllen und stolpern durch das Feuer, den Rauch und die aufsprengende und niederrieselnde Monderde.
Dazu dann improvisierte Dialoge über die eigene Existenz, Zwillingsmotive, wiederspiegelnde Vogelmenschen. Das alles ist nicht sonderlich logikbeladen und erinnert eher an rotzbesoffene Studentenlümmel. "You am I am you am talking to God am talking to me. All is identical. Ich bin der ewige Kampf der Dunkelheit."


Nach der zweiten Stunde habe ich den Faden verloren, obwohl ich mir den Film heute zweimal angesehen habe. Aufeinmal ist dort ein mit Rockmusik untermaltes futuristisches Weltraumauto mit Sirenen in bester New-Barbarians-Castellarimanier. Das Auto fährt in der Wüste umher, die Schottergrubenparallele zu Castellari ist so naheliegend: Zulawski als Polencastellari. Das Auto und die Geschichte um den Fahrer fügen sich nicht so sehr ein wie die Piratenschiffe und Untergrundgolemurmenschen. Ich dachte erst, der Autofahrer wäre vielleicht eine Art Film im Film aber auf einmal kommt er da bei den Steinigungs- und Pfählungsszenen dazu- wenn auch ohne Automobil. Vielleicht hat ja jemand eine Ahnung oder Idee was da passiert sein könnte?
Und hat der Vogelmann die Frau vergewaltigt?


Also, was ist zum Film zu sagen?
Eltopo: „Na Srebrnym Globie“ wirkt dennoch wie eine riesige Tränengasbombe, die direkt im heimischen Viertel hoch geht.
Christian Ade via Filmtipps.at: DER SILBERNE PLANET ist auch in Fragmenten monumentale Science Fiction - verstörend, anstrengend, surreal, deliriös, aber auch ungemein komplex, visionär und visuell einzigartig.
Und ich?
Es ist schwer zu sagen. Also es ist ein sehr auf- und anregender Film. Die Fremdwelten sind die Wüste Gobi, der Kaukasus, das baltische- und kaspische Meer. Die Kostüme sind sagenhaft, sie sind furchteinflößend und grotesk. Aber auf die polnischen Kostümbildner kann eh niemand etwas kommen lassen, denkt nur an Das Sanatorium zur Todesanzeige. Was genau der Film nun zu sagen hat, er hat es sicher, ist erstmal nebensächlich, man kann dem Treiben eh nicht die ganze Zeit aufmerksam folgen, zumal wichtige Plotelemente einfach kurz- und nbensächlich aus dem Off erklärt werden, während wir in polnische U-Bahnschächte starren.
Ich habe ihn jedenfalls in meiner Liste meiner Lieblingsfilme und ich habe ihn nun auch schon eine Weile und auch schon öfter geschaut. Wenn ich an den polnischen Film denke, denke ich daran und an Diabel/Ein Drittel der Nacht. Denke ich an Sc-Fi Filme ist es auch oft mein erster Gedanke. Ein achselnässender Film.

Wie sehen?
Es gib ihn auf Youtube.
Es gibt eine DVD von Facets die aber noch desaströser ist als die restlichen Facets Scheiben.
Es gibt eine von Ostalgica, gebraucht noch. Soll sogar auf Polnisch sein, was ich aber nicht glaube aber auch nicht beurteilen kann, da ich sie nicht kenne.
Meine DVD ist mittlerweile auch oop: Eine polnische von Telewizja Kinopolska, zusammen mit Ein Drittel der Nacht und Diabel. Die Qualität ist wunderbar (wenn man die Facets Scheibe gewöhnt ist :D), ist aber auch nur 4:3. Dafür mit polnischem Booklet.

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