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 Betreff des Beitrags: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 17.01.2015 14:47 
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COUNTESS DRACULA

GB 1971
Regie: Peter Sasdy
DarstellerInnen: Ingrid Pitt, Nigel Green, Lesley-Anne Down, Maurice Denham, Patience Collier, Sandot Elès, Peter Jeffrey u.a.


Inhalt:
Ungarn im 16. Jahrhundert. Die Comtesse Elisabeth Bathory regiert mit Härte und Grausamkeit. Ihr jüngst verstorbener Ehegatte hinterlässt ein Testament, das sie nicht gerade glücklich macht. Darin werden nämlich nicht nur die gemeinsame Tochter Ilona, sondern auch diverse Hausangestellte und Imre, der erwachsene Sohn eines einstigen Kriegsgefährten, bedacht.
Die bereits stark gealterte Comtesse fühlt sich zu dem jungen Imre hingezogen, was General Dobi (ihren einstigen Liebhaber) gar nicht gut heißt.
Als die Gräfin durch Zufall entdeckt, dass sie durch Blut von Jungfrauen eine (zeitlich begrenzte) Verjüngungskur erfährt, lässt sie ihre Tochter Ilona entführen und gibt sich selbst als diese aus.
Imre freut sich (vorerst) über die Avancen der vermeintlichen Ilona. Der Blutkonsum der Gräfin steigt unterdessen zunehmend und der Preis, den sie für ihre vorübergehende Jugend bezahlt ist, dass sie jedes Mal, wenn sie sich zurückverwandelt, hässlicher und älter aussieht.
Wird Imre das wahre Gesicht von Elisabeth Bathory erkennen?



"Comtesse des Grauens" hat unlängst eine würdige Veröffentlichung in der Anolis Hammer Collection erhalten.
Für mich zählt er zu den sehenswerteren Hammer Filmen. Die Kulissen und DarstellerInnen sind wirklich exquisit ausgesucht und bei manchen Einstellungen kommt fast schon ein bisschen Bava-Flair auf.
Für mich kein Meisterwerk, aber auf jeden Fall ein schöner Film, der einen eigenen Thread verdient hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 17.01.2015 18:29 
Was wäre aus dem Film geworden, wenn ihn Sasdy als Horrorfilm inszeniert hätte und er nicht diesen leichten Touch einer TV-Produktion hätte. Eine Ingrid Pitt als blutrünstiges Monster in einer Geschichte, die sich detaillierter an die (höchstwahrscheinlich auch nur erstunken und erlogenen) historischen Vorgaben hält, wäre mir lieber gewesen, als dieser Kostümfilm. Aber!: er gefällt mir dennoch sehr. Vllt. liegt es an Ingrid, vllt. an den Kulissen, Kostümen oder dem hammer'schen Flair. Comtesse des Grauens weiß zu überzeugen, ist aber nicht die Speerspitze des Hammers. Huh? Lol. Egal.

Achso. Sasdy is the one and only Vollpfosten. Hat er doch tatsächlich Frau Pitt synchronisieren lassen. :( Gnampf.


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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 17.01.2015 18:55 
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requiescat.in.pace hat geschrieben:
Achso. Sasdy is the one and only Vollpfosten. Hat er doch tatsächlich Frau Pitt synchronisieren lassen. :( Gnampf.


Absolut... sie soll im Original ja richtig klasse mit polnischem Akzent, der auch halbwegs gepasst hätte, gesprochen haben.

Ich mag die Comtesse ja irgendwie sehr. Hat fast etwas von einem düsteren Märchenfilm =)

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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 17.01.2015 20:00 
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archenemydomi hat geschrieben:
Ich mag die Comtesse ja irgendwie sehr. Hat fast etwas von einem düsteren Märchenfilm =)


Märchen für Erwachsene... Genau das hab ich mir auch gedacht. Und Frau Pitt fand ich ebenfalls große Klasse.

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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 17.01.2015 20:55 
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Für mich ein kleiner und feiner Schläfer. Früher hielt ich "Countess Dracula" für einen soliden Streifen, der vor allem von Ingrid Pitt lebt, egal in welchem Aggregatzustand sich dieses faszinierdende Naturereignis befindet. Doch mit jeder Sichtung wächst das Werk, inzwischen habe ich sogar mit Sandor Elès meinen Frieden gemacht. Seine Darbietung als Imre Toth ist genau richtig wie sie ist, auch stärkere Figuren wie Captain Dobi (Nigel Green) können der Comtesse nicht die Stirn bieten.

Ja, Frau Pitt ist das wuchernde Pfund. Was also hat sich geändert? Für mich fühlt sich das Gesamtbild inzwischen runder als zuvor gedacht an, Landung in der Wohlfühlzone vollzogen.

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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 18.01.2015 18:12 
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requiescat.in.pace hat geschrieben:
Was wäre aus dem Film geworden, wenn ihn Sasdy als Horrorfilm inszeniert hätte und er nicht diesen leichten Touch einer TV-Produktion hätte. Eine Ingrid Pitt als blutrünstiges Monster in einer Geschichte, die sich detaillierter an die (höchstwahrscheinlich auch nur erstunken und erlogenen) historischen Vorgaben hält, wäre mir lieber gewesen, als dieser Kostümfilm. Aber!: er gefällt mir dennoch sehr. Vllt. liegt es an Ingrid, vllt. an den Kulissen, Kostümen oder dem hammer'schen Flair. Comtesse des Grauens weiß zu überzeugen, ist aber nicht die Speerspitze des Hammers. Huh? Lol. Egal.



So richtig überzeugend hab ich den auch nicht in Erinnerung, vielleicht hatte ich auch zu sehr Blutbad erwartet. Sehr wohl überzeugend war die bloody Pitt of horror. :mrgreen:


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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 13.03.2015 10:24 
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Zuletzt geändert von Mater Videorum am 03.12.2015 18:55, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 13.03.2015 11:22 
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Mater Videorum hat geschrieben:
Sasdy hatte für Hammer ja schon einen Dracula


Der ein ähnlich faszinierender Schläfer vom Format der Comtesse ist! Noch vor einigen Jahren empfand ich "Taste the Blood of Dracula" als einen etwas unrunden Abschluss der Erzählung ("Horror of Dracula", "Dracula – Prince of Darkness", "Dracula has risen from the Grave" & "Taste the Blood of Dracula" bilden gewissermaßen eine Art erste Staffel im "Hammer-Dracula-Kosmos"), aber inzwischen liebe ich den Streifen sehr! Wenn ich nur an die schaurig schöne Zeremonie zur Wiederbelebung des Meistes denke, Gothic Horror allerbester Sorte!

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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 09.05.2015 17:56 
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Kann es sein, dass die Blue von Anolis nicht auf einem HD-Master beruht???? Bin doch ein wenig enttäuscht, denn das Bild der blue fällt im Vergleich zur Mumie und den Nächten des Grauens mE doch sehr ab, ist auch viel grobkörniger und die Details im Hintergrund sind nicht so klar zu erkennen wie bei den anderen beiden Filmen der Reihe!


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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 09.05.2015 19:27 
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dr.freudenstein hat geschrieben:
Kann es sein, dass die Blue von Anolis nicht auf einem HD-Master beruht???? Bin doch ein wenig enttäuscht, denn das Bild der blue fällt im Vergleich zur Mumie und den Nächten des Grauens mE doch sehr ab, ist auch viel grobkörniger und die Details im Hintergrund sind nicht so klar zu erkennen wie bei den anderen beiden Filmen der Reihe!

Wie bitte? Meiner Meinung nach alles im grünen Bereich...erkannt auf ca. 4m Diagonale :roll:


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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 09.05.2015 21:25 
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Nun, ich finde halt, dass das Bild im Verglich zu den anderen Hammer-blues deutlich abfällt. Weniger Brillianz, Bild deutlich grobkörniger. Am Player oder dem TV-Gerät dürfte es nicht liegen, denn auf dem selben Equipment spilete ich auch die anderen Blue's ab. Aber ich kann mich ja auch irren...

Das mit der 4m-Diagonale verstehe ich nicht: Hast du ein TV-Gerät mit einer 4m-Diagonalen??? :shock: Oder saßt du diagonal 4m von der Glotze entfernt???

In einem Abstand von 4m kann ich auf meinem TV die Krisselunterschiede auch nicht mehr so erkennen, aber wenn ich näher an das Gerät herangehe...
(Ich habe meinen DNR allerdings ausgeschaltet, der ist (und war schon immer) fürchterlich, das Bild arbeitet bei feinen Unterschieden, z. B. bei Nebel, ständig nach und es bilden sich Schleier. Der DNR ist das erste, das ich bei allen Neugeräten abschalte. Das zweite, was abgeschaltet wurde, war der Bildhintergrundaufheller, bzw. Verdunkler oder wie das Teil auch heißt, damit das Schwarz auch richtig schön schwarz wird! Da wird das Bild dauernd mal heller und dann wieder dunkler. Ist aber wohl eine Krankheit von Toshiba, welche die "Leinwand" in zu wenige Bildsektoren eingeteilt haben.)


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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 10.05.2015 07:25 
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... er meint 4m Diagonale.... bei ner Leinwand ( also mit Beamer ) überhaupt kein Problem ;) ..... und das mit dem Bild erklärt sich durch das halt nicht optimale Master. Das "gute" Korn zeigt ja schon, das es echtes HD ist..... nur ist halt das negativ bzw. Interpositiv hier suboptimal. Da kann man Schärfe nunmal nicht erzwingen. Eine Steigerung zur DVD gibt`s aber schon sichtbar..... von den weiteren BD-typischen Vorteilen, wie bessere Kompression, weniger "Videolook" etcc. mal ganz abgesehen ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: COMTESSE DES GRAUENS - Peter Sasdy
BeitragVerfasst: 12.12.2017 18:32 
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Ein kleiner Einordnungsversuch des Films:

COUNTESS DRACULA (1970) ist weniger ein typischer Hammer-Horrorfilm im gotischen Gewand geworden, so wie ihn Regisseur Peter Sasdy ein Jahr vorher noch in TASTE THE BLOOD OF DRACULA inszeniert hat. Vielmehr zeigt der Film sich als ein historisches Drama, das sich am Bathory-Mythos orientiert, weshalb es dann auch keinen metaphysischen Einschlag gibt – lassen wir hier einmal den pseudowissenschaftlichen Effekt beiseite, dass jungfräuliches Blut die verlorene Jugend wiederbringen könnte. Sasdys Bathory-Bearbeitung entstand noch vor Graus CEREMONIA SANGRIENTE (1972) und Borowczyks Episode der „Blutgräfin“ in seinem IMMORAL TALES (1974), gleichwie aber auch in Kümels Vampirfilm BLUT AN DEN LIPPEN (1971) der weibliche Hauptcharakter Bathory heißt. Innerhalb des Hammer-Systems könnte man COUNTESS DRACULA wohl zu Sharps RASPUTIN – THE MAD MONK (1965) reihen, der ebenfalls keine literarische, sondern eine historische „Horrorfigur“ bearbeitet, indem deren Wahnsinn dargestellt wird – und dies in einem szenisch blutigen Rahmen.

Während vor allem in Borowczyks Bathory-Fassung das Sadistisch-Erotische der Gräfin im Vordergrund steht, ist es in Sasdys Version eine klassische Liebesgeschichte, aus der sich die Handlung entwickelt. Dabei entsteht eine Dreierkonstellation, die Pitts Bathory in den Mittelpunkt rückt, wobei diese einerseits von ihrem Vertrauten und ehemaligen Liebhaber begehrt wird, wohingegen sie andererseits einen jungen Soldaten begehrt. Und gerade diese Hingezogenheit der Gräfin zu ihrem Angebeteten, was sie zu den Morden an den Frauen motiviert, um wieder ihre Schönheit zu erhalten, zeigt eine erstaunliche narrative Analogie zu Fredas I VAMPIRI (1956), wo gleichsam Blut die gealterte Adlige verjüngt. Doch zur Entstehungszeit von COUNTESS DRACULA wurde von Hammer wohl auch darauf geachtet – und dies ganz feministisch zeitgemäß –, mehr auch weibliche Charaktere als dämonische Antagonistinnen zu inszenieren, was 1970 dann zudem noch in Sangsters LUST FOR A VAMPIRE und in Bakers THE VAMPIRE LOVERS mit der vampirischen Carmilla-Figur gelingen sollte.

Wie aus Interviews – etwa von Pitt – hervorgeht, wollte Hammerfilm einen blutigen, sexualisierten Horrorfilm von Peter Sasdy haben, wohingegen dieser mehr an dem historischen Stoff interessiert war und graphisches Blutvergießen für unnötig gehalten hatte. So ist COUNTESS DRACULA auch nur schwer mit dem Dracula-Mythos in Zusammenhang zu bringen; der Film stellt nur im Titel einen Bezug zur erfolgreichen Hammerfilm-Reihe dar. Was dem Film außerdem abgeht, dies aber ist der atmosphärische Stil, wie ihn die vorausgegangenen phantastischen Filme des Studios wiedergegeben haben. Durch ihre natürliche Beleuchtung wirken die Sets übersichtlich, kaum ein bedrohlicher Schatten kündigt kommenden Schrecken an. Das Doppeldeutige aus der gotischen Schauerliteratur wurde zugunsten einer inszenatorischen Klarheit eingetauscht – und das ist meiner Meinung auch nicht funktionslos. Phil Hardy sieht denn in COUNTESS DRACULA einen Generationskonflikt ausgedrückt, der nach den Studentenunruhen „68“ sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen wäre (1). Aber bereits die erste Sequenz des Films zeigt eine Grausamkeit, welche durch die Oberen an der armen Bevölkerung ausgeübt wird, wenn etwa die Kutsche der „Blutgräfin“ über einen Bauern fährt. So möchte ich in dem Film einen gesellschaftlichen Konflikt zwischen „oben“ und „unten“ erkennen, zwischen einer Machtelite, die ihre hochgestellte Position missbraucht und das Volk „ausbluten“ lässt. Inwieweit dabei auch Sasdys osteuropäische Wurzeln mitgespielt haben und ob hier auch Autobiographisches verarbeitet wurde, darüber kann spekuliert werden. Wenn meine Sichtweise jedoch stimmt, so würde sich COUNTESS DRACULA eher in der Tradition von beispielsweise JONATHAN (1969) wiederfinden, wo ebenfalls das Genrekino für eine politische Metapher genutzt wird.

Die inszenatorische „Übersichtlichkeit“ von COUNTESS DRACULA – was zumeist mit Sasdys Fernsehvergangenheit erklärt wird, mit dem schnell zu produzierenden Fernsehstil (siehe oder besser höre den Audiokommentar auf der Anolis-Blu-Ray) – wird so, nach dieser Lesart, zu einem Darstellungsmuster von Herrschaft. Denn im Film zeigt sich die herrschaftliche Macht eben nicht nur in den Gewaltakten, in der blutigen „Nutzbarmachung“ der jungen Frauen, die dem egozentrischen Verlangen ihrer Herrin dienen. Der Herrschaftsstil entfaltet sich punktuell dann auch im veranschaulichten Gestalten des Hierarchischen, wenn die Gräfin oder ihr adliger Geliebter sich zeigen, wie sie im Bildzentrum symmetrisch von ihren Untergebenen umstellt sind (vergleiche zum Beispiel: die Inszenierung der Gräfin auf der Treppe am Schluss, oder die Gestaltung des Adligen an der Abendtafel, wo er am Kopfende des Tisches von zwei Ritterfresken aus dem Hintergrund flankiert wird). Derartige Inszenierungsformen sollen auf der ästhetischen Ebene beeindrucken und gleichzeitig Macht symbolisieren. In den düsteren Farbverfremdungen des gotischen Hammerfilms wäre dies nur schlecht umzusetzen gewesen. Interessant sind dann aber auch jene zwei Nebenfiguren von Sasdy inszeniert, die sich im direkten Umfeld der Gräfin aufhalten. Da wäre zum einen deren Dienerin, die zwar niederen Standes ist, doch zugleich gerne an der Macht des Hofes partizipiert, während der Wissenschaftler mehr aus Angst seinen Widerstand gegen die Gräfin verweigert. Ist man bereit, COUNTESS DRACULA durch diese mehr sozio-kritische Perspektive wahrzunehmen, dann bekommt man einen recht innovativen Film zu sehen, der zwar nicht mit den besten Vertretern von Hammerfilm mithalten kann, dennoch wesentlich tiefschichtiger ist, als es der erste Eindruck offenlegt…

(1) Phil Hardy (Hg.): HORROR. THE AURUM FILM ENCYCLOPEDIA, VOL. 3. London 1985. S. 219: „Sasdy’s depiction of an older generation prepared to destroy its childeren out of jealousy, […].“


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