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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 28.03.2016 19:55 
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Die grünen Teufel – John Wayne, Mervyn LeRoy, Ray Kellogg

(USA 1968)

Januar 2014 (DVD / Warner; 2,35:1); 27.3.2016 (DVD / DeAgostini; 2,35:1)



Filminhalt:

Der Journalist George Beckworth begleitet Colonel Mike Kirby und dessen neu zusammengestelltes Team nach Dodge City in Vietnam, einem halbfertigen Vorposten, der unter ständigen Angriffen des Vietcong leidet. Unterstützt werden sie von Nim, einem südvietnamesischen Kommandanten. Der ursprünglich kriegskritische Beckworth kann sich davon überzeugen, dass die US-Soldaten nur im Rahmen einer „Präzisionsarbeit“ feindliche Soldaten töten, während der Vietcong wie eine „Bestie“ tötet und der Krieg somit gerechtfertigt ist. In der Schlusseinstellung erfahren wir, dass in Vietnam die Sonne im Osten untergeht, was in etwa so falsch ist, wie die politische Einstellung, die der Film vertritt.


Die politische Einstellung des Films:

Wortgetreu hier die Pressekonferenz, die zu Beginn des Films einer Reihe von Journalisten, darunter Beckworth, und der Zivilbevölkerung auf Militärgelände gegeben wird (Auslassungszeichen beziehen sich nur auf Personenanreden):

F1: „Warum führen die Vereinigten Staaten diesen erbarmungslosen Krieg?“
A1: „Außenpolitische Entscheidungen sind nicht Sache des Militärs. Dem Soldaten wird befohlen, wohin er zu gehen hat und gegen wen er zu kämpfen hat.

F2: „Wird nur einfach auf den Knopf gedrückt? Tun Sie einfach, was man Ihnen befiehlt, ohne eigene Meinung, ganz ohne persönliche Gefühle?“
A2: „Doch, wir haben sehr wohl Gefühle und eine Meinung. Es ist dort unmöglich, sich keine Meinung zu bilden.“

F3: „Gewiss, auch bei uns hier ist man der Meinung, dass die Südvietnamesen für ihre Sache kämpfen und sterben.“
A3: „Als Soldaten […] können wir es verstehen, dass man auf Soldaten schießt. Aber die bestialische Ausrottung der zivilen Führungskräfte, die Folterung und Ermordung von unschuldigen Frauen und Kindern...“

F4: „Ja sicher gehen im Krieg grauenhafte Dinge vor. Aber das besagt nicht, dass sie uns da unten wollen oder gar brauchen!“
A4: „[…] Wenn dasselbe hier bei uns in den Vereinigten Staaten passieren würde, wenn unsere sämtlichen Bürgermeister ermordet, sämtliche Lehrer, die Ihnen bekannt sind gefoltert und getötet würden, jeden Professor, den Sie gehört haben, jeden Gouverneur, jeden Senator, jedes Mitglied des Repräsentantenhauses sowie deren gesamte Familie – alle würde man foltern und töten und ebenso viele verschleppen. Trotzdem […] wird es hier wie dort Namenlose geben, die bereit sind, aufzustehen und den Platz derer einzunehmen, die vernichtet wurden. Ja, dort unten brauchen sie uns. Und sie wollen uns.“

F5: „[…] Merkwürdig, dass wir darüber etwas anderes in den Zeitungen gelesen haben.“
A5: „Ja, so sind die Zeitungen nun mal […]. Man könnte Bände damit füllen, was nicht darin zu lesen ist.“ (Gelächter)

F6: „Das stimmt in vielen Fällen […]. Aber wieso sollten wir für das dortige Regime kämpfen? Sie haben keine freien Wahlen und sie haben keine Verfassung. Vor 6 Monaten wurde ein Ausschuss gebildet, um eine Verfassung zu schaffen, aber sie haben immer noch keine.“
A6: „In der Schule, die ich besuchte […] hab´ ich gelernt, dass die 13 Kolonien, trotz befähigter Männer, die alle dasselbe Ziel im Auge hatten und obwohl der Unabhängigkeitskrieg schon vorüber war, nicht weniger als volle 11 Jahre brauchten, von 1776 bis ´87, bis sie endlich ein Papier fertig hatten, das alle 13 Kolonien unterschrieben: Die Verfassung der Vereinigten Staaten!“ (Klatschen)

F7: „[…] Trotzdem gibt es eine sehr verbreitete Meinung, der Krieg in Vietnam wäre nur ein Krieg zwischen Vietnamesen. Sollen sie doch ihren Krieg alleine führen!“
A7: „So, sollen sie das […]? Hier, erbeutetes Kriegsmaterial. Chikom K 50. Chinesische Kommunisten. SKS der neueste sowjetische Karabiner. Russische Kommunisten. Und hier Munition. Aus der Tschechei importiert. Tschechische Kommunisten. Oh nein […]. Unsereiner, das dürfen Sie mir glauben, braucht sich nicht erst ein Ding von diesen Waffen verpassen zu lassen, um zu kapieren, um was es da unten geht: Nämlich um die Kommunistische Weltherrschaft!“


In den Fragen und Antworten Nr. 1 und 2 wird dem Zuschauer nahegelegt, dass Militär und Politik verschiedene Bereiche sind und ein Soldat nur Befehle befolgt. Das Manipulative hier bereits ist, dass der Zivilist als Zuschauer kein Soldat ist, aber nun und im weiteren Verlauf des Films eine soldatische Perspektive einnimmt, die seine politische Meinung ändern soll.
Die Fragen und Antworten 3 und 4 sollen den Zuschauer nun davon überzeugen, dass der Krieg gerechtfertigt ist, indem der Film an dessen Mitleid appelliert: Wer kann schließlich nicht mit mit unschuldig Ermordeten, Gefolterten und Verschleppten mitfühlen, gerade wenn es sich auch noch um Respektspersonen wie Kommunalpolitiker und Lehrer handelt; die Antworten suggerieren sogar ein persönliches Umfeld! Was die Antworten verschweigen und der Film im Folgenden nicht darstellt, ist, dass auch die US-Soldaten in Vietnam unschuldige Männer, Frauen und Kinder ermordeten, folterten, vergewaltigten und verschleppten. Ein weiteres Zeichen dafür, dass der Film eine einseitige politische Sichtweise einnimmt, und nur vorgibt, unpolitisches heroisches Soldatentum zu zeigen.
Frage und Antwort Nr. 5 zeigt uns heute noch, dass sich der Film in der Gesellschaft der Pegidisten und anderer Schlechtmenschen begeben hat, deren größte Leidenschaft es ist, „Lügenpresse“ zu brüllen.
Frage und Antwort Nr. 6 mahnt vorgeblich den historischen Sachverstand an, dass auch demokratische Staaten wie die USA nicht sofort eine Verfassung hatten und Vietnam die gleiche Zeit und Chance haben soll, wie die USA früher. Man versucht damit den Einwand zu entkräften, dass man mit Vietnam eben keinem demokratischen Staat hilft, sondern einem Land, das in den Jahren unmittelbar vor und bis zu den Dreharbeiten des Films von Militärdiktatoren beherrscht wurden. Was wiederum die Antworten 3 und 4 entlarvt, denn es stellt sich die Frage, wie sehr die ermordeten und gefolterten Kommunalpolitiker, mit denen man Mitleid haben soll, sich aus jenem militärdiktaturtreuen Kader zusammensetzten.
Die letzte Frage mit Antwort schließlich räumt mit allem bisher gesagten auf, indem es in Bedeutungslosigkeit versinkt angesichts der Gefahr der kommunistischen Weltherrschaft. Der gutgläubige Zuschauer soll nun akzeptieren, dass der Krieg in Vietnam den weltweiten Kommunismus verhindern könne, obwohl auch damals schon eben jene kritischen Journalisten und Politikwissenschaftler erklärt hatten, dass der Vietnamkrieg nicht zu gewinnen sei, es sei denn man weite den Krieg aus. Auf China, Osteuropa und die Sowjetunion selbst. Beckworth, der gutgläubige Journalist und idealisierte Zuschauer jedenfalls wendet sich am Ende des Films „dorthin, wo der Krieg ist“, nämlich nach rechts und marschiert mit den Soldaten für die Freiheit, einen antikommunistischen Propagandafilm drehen zu dürfen.


Die Produktion des Films:

John Wayne wollte, seitdem er erlebt hatte, wie Studenten gegen versehrte Rückkehrer aus dem Vietnamkrieg protestierten, einen Film gegen die Antivietnamstimmung drehen, die sich in Presse und Bevölkerung immer mehr verbreitete. Wayne fand bald darauf Robin Moores Bestseller „The Green Berets“, das Geschichten von echten Frontsoldaten in Vietnam nacherzählt, aber trotz einer Nennung im Vorspann des Films hat er das Drehbuch nur minimal beeinflusst. Viel mehr wäre auch kaum möglich gewesen, da das US-Militär, der wichtigste finanzielle Unterstützer des Films, die Verfilmung des Buches nicht gestattete, da es zu viele Insiderinformationen enthielt, die man nicht filmisch aufbereitet wissen wollte. Um den Stoff eines Provietnamkriegsfilms auf die Leinwand bringen zu dürfen, schrieb Wayne zuerst Lyndon B. Johnson, damals US-Präsident, an und wies ihn auf die Wichtigkeit des Films hin: „Die ganze Welt“ solle wissen „warum es wichtig war, da unten zu sein“, und er (Wayne) hoffe, dass der Film eine patriotische Stimmung erzeuge. Er beauftragte James Lee Barrett (5 Andrew V. McLaglen-Filme: „Der Mann vom großen Fluß“, 1965; „Bandolero“, 1968; „Die Unbesiegten“, 1969; „Die Gnadenlosen“, 1971; „El Capitano“, 1971), ein Drehbuch zu schreiben, wirkte jedoch im kreativen Prozess selbst mit. Obwohl „Die grünen Teufel“ eine Independentfilmproduktion ist (Waynes eigene Produktionsgesellschaft Batjac produzierte den Film; Waynes Sohn Michael war Produzent) und Hollywood in Form von Warner Bros. nur den den Vertrieb übernahm, bestand Warner darauf, dass das Drehbuch nicht zu sehr die Charaktere in den Vordergrund rücken solle, wie es bei Waynes vorheriger Regiearbeit zu „Alamo“ der Fall war, der deswegen als zu geschwätzig betrachtet wurde und beim Publikum durchfiel; und dass Wayne nicht alleine Regie führen solle; so kam es, dass ihm Ray Kellogg zur Seite gestellt wurde, der vor allem Spezialeffektkünstler war; und später Mervyn LeRoy („Keine Zeit für Heldentum“, John Ford 1955), der im Gegensatz zu Kellog großen Einfluss auf die Regie hatte. Doch auch das US-Militär, das den Film mit militärischen Fahrzeugen, Gerätschaften und authentischen Uniformen ausstattete und der Drehcrew Orte auf 2 Militärbasen zur Verfügung stellte, wo neben den Studios der Warner Bros. der Film überwiegend gedreht wurde, behielt sich vor, auf das Drehbuch einzuwirken und es zu zensieren. Der Drehort Fort Benning ist hier noch besonders hervorzuheben: Abgesehen davon, dass es bis heute in der Geschichte der Vereinigten Staaten nur 4 Kinoproduktionen möglich war, dort zu drehen („Schrecken der Division“, Norman Taurog 1952; „Die grünen Teufel“; „Der Tank“, Marvin J. Chomsky 1984; „Wir waren Helden“, Randell Wallace 2002), befindet sich dort seit 1984 die berüchtigte „School of the Americas“, 1946 im Fort Gulik gegründet und Ausbildungsstätte für insbesondere südamerikanische Putschisten, Terroristen und Militärdiktatoren, auf deren „Lehrplan“ unter anderem „Folter“ steht, deren Arbeitsweise Martin Cohen in seinem Buch „99 moralische Zwickmühlen“ (1) beschreibt und dort auch Absolventen wie Gambetta Hyppolite, Garzi Meza Tejeda u.a. mitsamt ihren „Aktivitäten“ nennt (2). Die geschilderten Methoden und Aktivitäten unterscheiden sich kaum von denen, die „Die grünen Teufel“ dem Vietcong bzw. den Kommunisten unterstellt und sind schon gar nicht demokratisch gerechtfertigt! Aufgrund ihres verständlicherweise schlechten Rufes wurde die Schule 2001 umbenannt in „Western Hemisphere Institute of Security Cooperation“.


Der Film aus künstlerischer Perspektive:

Eingeleitet wird „Die grünen Teufel“ von einem äußerst schmissigen Soldatensong, „The Ballad of the Green Barets“, geschrieben von Robin Moore (dem Autor des gleichnamigen Buches) und Barry Sadler; Musik von Ken Darby, der auch für die Songs von „Das war der Wilde Westen“ (1963) mitverantwortlich war. Miklos Rosza komponierte die Filmmusik, nachdem Elmer Bernstein aus politischen Gründen ablehnte, an dem Film mitzuwirken, und unterstreicht die Filmhandlung effekt- und qualitätvoll. Winston C. Hoch (mehrere John-Ford-Filme, z. B. „Der schwarze Falke“, 1956) kleidet den Film in packende und überzeugende Bilder, die zumindest dem Zuschauer, der noch nicht vor Ort war, meist vergessen lassen, dass der Film nicht in Vietnam selbst entstanden ist. Weniger gelungen ist Barretts Drehbuch, das mit seinem Heroismus und Soldatenhumor oft zu naiv wirkt, Westernelemente zu offensichtlich ins „heutige“ Vietnamkriegsszenario überträgt, die ständige Bedrohung des Lagers durch den Vietcong nicht spannend erzählt und nur zum Höhepunkt des Films an Tempo und Spannung Fahrt aufnimmt. Schauspielerisch in Ordnung, John Wayne spielt wie immer, David Janssen in der Rolle des Journalisten Beckworth überzeugt als von seinem Gewissen hin- und hergerissener Augenzeuge und George Takei (Mr. Sulu aus „Star Trek“, 1966-1969) spielt ebenso überzeugend einen verbitterten südvietnamesischen Verbindungsoffizier (3).


Die zeitgenössische Reaktion auf den Film:

Erwartungsgemäß wurde der Film von der Filmkritik sehr negativ beurteilt, die offenkundig-platte Propaganda war natürlich der Hauptgrund, jedoch auch die teils wirr empfundene Dramaturgie und die zu penetranten Parallelen zu Westernfilmen, was auch Waynes Darstellungsweise zu verantworten hatte. So bedachte die New York Times den Film mit den Attributen „unspektakulär“, „blöd“, „mies“, „falsch“, „widerwärtig“ (4), der Hollywood-Reporter kritisierte ihn als „klischeebeladenen Rückfall in die Gulaschkanonen des Zweiten Weltkriegs (4)“ und das Glamour Magazine wertete ihn als „einfach gestrickten Lobgesang aufs Töten, auf Brutalität und amerikanische Überlegenheit“ ab (4). In Deutschland, wo der Film um etwa 3 Minuten gekürzt und mit einer FSK 18 (heute FSK 16 und ungekürzt) mit nicht wesentlich mehr als 16 Kopien startete, bildeten sich teils von der APO organisierte Proteste vor den Kinos, teils wurde der Film deswegen wieder abgesetzt und in Westberlin sah man ganz von einem Filmstart ab. Die deutsche Presse ging mit dem Film mit ähnlichen Worten wie die amerikanische ins Gericht: Die Zeit nannte ihn „ekelhaft“ (5), der Evangelische Filmbeobachter als „einseitigen Kriegspropagandafilm“ und „ungenießbar“ (5). Zumindest das amerikanische Publikum urteilte nicht so und bescherte den Produzenten einen gewaltigen Erfolg; der Film spielte bei Produktionskosten von 7 Millionen Dollar über 21 Millionen wieder ein und begeisterte das Publikum so sehr, dass, als John Pilger, ein echter Journalist, der, nachdem er in Vietnam Kriegsberichterstatter war und nach Amerika zurückkehrte, beim Ansehen dieses Films aufgrund seines fehlenden Realismus immer wieder laut lachte, das Publikum auf sein Lachen mit solcher Kälte und Aggressivität reagierte, dass sein Begleiter ihn zum Verlassen des Kinos drängte und ihm vorschlug, draußen „so schnell wie der Teufel davonzulaufen“ (6). So etwas ähnliches habe ich mal in einem Bericht eines Juden gelesen, der sich unerkannt im Zweiten Weltkrieg „Jud Süß“ angesehen hat.


Fazit:

Losgelöst seiner propagandistischen Absicht ein durchschnittlich unterhaltsamer Film mit gelungen Actionszenen, die penetrant verlogene Absicht verursacht jedoch Brechreize im Magen jedes humanistisch denkenden Menschen.


Wertung:

Bei Propagandafilmen halte ich ab jetzt 2 Wertungen für sinnvoll: Eine, die die Verlogenheit des Films zum Ausdruck bringt, und eine, die ihn unter künstlerischen Aspekten und nach seinem Unterhaltungswert beurteilt.

1 / 10
5 / 10


Bibliographie:


(1) Martin Cohen: 99 moralische Zwickmühlen, München 2005.

(2) Rufina Amaya, die einzige Überlebende des Massakers von El Mozote in El Salvador, an dem mindestens neun Absolventen dieser Schule beteiligt waren: „Wir waren insgesamt hundert. Die Kinder waren bei den Frauen. Sie zwangen uns, den ganzen Vormittag in unseren Häusern zu bleiben. Um 10 Uhr begannen die Soldaten, die Männer zu töten, die in der Kirche waren. Zuerst beschossen sie sie mit Maschinengewehren, dann schlitzten sie ihnen die Kehle durch. Um 14 Uhr waren alle Männer tot, und die Soldaten begannen mit der Ermordung der Frauen. Die Kinder blieben eingesperrt. Sie trennten mich von meiner acht Monate alten Tochter und meinem ältesten Sohn. Man brachte uns fort, um uns zu töten. Als wir an den Ort kamen, wo sie uns töten wollten, gelang es mir, mich unter einem Strauch zu verstecken. Ich beobachtete, wie die Soldaten zwanzig Frauen in einer Reihe aufstellten und mit Maschinengewehren erschossen. Dann brachten sie eine weitere Gruppe. Wieder Maschinengewehrfeuer. Dann noch eine und noch eine.“ (Cohen 2005, S. 132f.)

(3) Takeis Mitwirken hat vielleicht das einzig Gute des Films bewirkt: Sein Fehlen wegen der gleichzeitig stattfindenden Dreharbeiten bei 13 Star-Trek-Episoden führte zur Erschaffung des Charakters Pavel Chekov. Ohne „Die grünen Teufel“ kein Chekov!

(4) DeAgostini: Die grünen Teufel, Hamburg 2011, S. 7.

(5) *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***, Zeit: 28.3.2016, 18:54 Uhr.

(6) *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***, Zeit: 28.3.2016, 1911 Uhr.


Zuletzt geändert von Pacific Nil am 06.09.2016 18:04, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 06.09.2016 18:03 
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Ratsy – Francisco Lara Polop

(Spanien 1981)

2.9.2016 (Kino / …; 1,66:1)



Ratsy (im Original „El Rata“) hat im Untergrund gegen das spanische Francoregime gekämpft und wird nach dessen Tod vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, wo er eigentlich 20 Jahre hätte einsitzen sollen. Arbeitslos, findet er sich nur schwer zurecht und versucht nun, erst bei der kommunistischen Partei, dann bei der sozialistischen Partei Anschluss zu finden, jedoch vergeblich, da diese keine Terroristen in ihren Reihen wollen. Aus seinem sozialen Elend heraus fasst Ratsy den Plan, einen Überfall zu begehen, dieser scheitert, doch gelingt ihm die Flucht in ein Haus, wo er sich verschanzt. Hier lebt ein gehbehindertes Mädchen zusammen mit seiner Mutter, die gerade außer Haus ist und die später auf die Polizisten trifft, die ihr Anwesen belagern.

Mit dem Mädchen, das zudem noch alle 12 Stunden Insulin benötigt, flüchtet Ratsy abermals, vergisst jedoch, Insulin mitzunehmen. Erst, als sich die Krankheitssymptome bemerkbar machen, bemerkt Ratsy sein Versäumnis und trägt das Mädchen aus dem Auto, um es von einer Decke zugedeckt an den Straßenrand zu legen, wo er annimmt, dass seine Verfolger es sehen werden. Auf der Weiterfahrt plagt ihn jedoch das schlechte Gewissen und sucht eine Apotheke auf, holt Insulin, fährt zurück, injiziert dem Mädchen das Medikament und stirbt im Kugelhagel der Polizisten, die sich im Wald versteckt hatten.


Der Mitte 1981 uraufgeführte Film führt ein überzeugendes Portrait der Postfrancozeit ab 1975 vor Augen, voller dreckiger Straßenszenen und Elendspanoramen. Den Regisseur Polop, der auch das Drehbuch zusammen mit Manuel Summers schrieb und mit diesem sowie seinem Kameramann Àngel Luis Fernàndez noch mehrmals zusammenarbeitete, interessiert dabei vor allem die psychologische Ebene der Geschichte, die Beziehung zwischen einem gegen sein gescheitertes Leben kämpfenden Exterroristen zu einem hilflosen Mädchen, das er erst als Ballast wahrnimmt, dann aber zunehmend Verantwortung und väterliche Liebe empfindet.

Obwohl Fernàndez, der Chefkameramann, schon im Jahr nach dem Kinostart von „Ratsy“ Pedro Almodóvars Hauskameramenn wurde (in direkter Folge alle 5 Almodóvarfilme von 1982 bis 1987), ist sein Stil oder zumindest der Stil, zu dem ihn Polop hier veranlasst hat, gewöhnungsbedürftig:
Besonders die Schlussszene wirkt, als hätte Polop den die Polizisten darstellenden Schauspielern angeordnet, sich „einfach mal wie beim Cowboy-und-Indianer-Spiel im Wald zu verstecken“ und Fernàndez, das Geschenen aus der Totalen abzufilmen. Das Ganze grenzt bei der Ernsthaftigkeit des Themas ans Inadäquate, stört jedoch noch nicht völlig, wäre aber bei mehr Nahaufnahmen dynamischer, spannender und glaubwürdiger gewesen.


Völlig ungenießbar ist schließlich die Synchronisation, die Gunter Otto besorgte. Otto, der es schafft, als Regisseur von Pornofilmen seine Darsteller ohne Unterlass dumm anzumachen und herabzuwürdigen (siehe den Kameraton von „Heidi Heida Teil 4-6“), hat es geschafft, seinen charakteristischen Humor auch in „Ratsy“ zu verewigen. Kostproben:

„Hast du schon mal auf dem Straßenstrich gearbeitet?“
„Ja“
„Naja, man muss alles mal probiert haben!“


Und:

„Wenn der sein Wort hält, vernasch ich glatt nen Schwulen.“

„Ratsy“ ist einer von 3 nichtpornographischen und nichterotischen Filmen, die die Herzogfilm seit den 1970er Jahren veröffentlichte. Die anderen sind „Die Mondschein-Killer“ (1976) und „Samtpfötchen – Die Kung-Fu-Katze von China-Town“ (1978).


Fazit:

Stimmiger Sozialkrimi mit typisch spanischem Flair, dem die rotzige Synchronisation sehr schadet.

Wertung:

7 / 10 (in OV sicherlich mindestens 8 / 10)


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BeitragVerfasst: 13.10.2016 18:49 
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Don´t Breathe – Fede Alvarez

(USA 2016)

10.10.2016, Kino (Cinecitta Nürnberg, 2:35:1)



Drei junge Einbrecher, die mit professioneller Technik Alarmanlagen ausschalten können, beabsichtigen in einer verlassenen Vorortgegend einen Blinden Mann, dessen Tochter aufgrund eines Unfalls gestorben ist und der eine hohe Entschädigung von der Unfallverursacherin bekommen hat, auszurauben. Doch der Blinde ist bewaffnet, Irakkriegsveteran und als solcher trotz seiner Behinderung ausgesprochen verteidigungsfähig, nicht zuletzt wegen seines bissigen Hundes…

Fede Alvarez als Regisseur, Sam Raimi als Produzent, Roque Baños als Komponist und Jane Levy als Hauptdarstellerin fungierten in jeweils selbiger Position auch in „Evil Dead“ (2013). Wie dieser ist auch „Don´t Breathe“ auf permanente Hochspannung hin konzipiert, die jedoch durch die mangelhafte und in ihrer Art streitige Charakterisierung der Protagonisten, sowie von eigentlich zur Komödie gehörenden grotesken Effekten gebrochen wird. So erfahren wir einzig von Rocky, der von Jane Levy großartig dargestellten Einbrecherin, ein wenig von ihrer Motivation – sie möchte ihren prekären Lebensverhältnissen entkommen und ihrer kleinen Schwester eine bessere Zukunft in Kalifornien bieten – trotzdem erweisen sich die drei Mehrfachstraftäter bis zuletzt in ihrer Geldgier konsequent als zu dumm, Gelegenheiten zum Fliehen zu nutzen und in ihrer bewussten Opferauswahl als geradezu abscheulich niederträchtig; der Film jedoch erzählt dies so beiläufig und behält seine Standarddramaturgie so bei, dass dies dem Durchschnittszuschauer gar nicht auffallend dürfte und er den Einbrechern, zielgruppengemäß jugendlich, stets Erfolg wünscht. Der von Stephen Lang ebenfalls hervorragend animalisch gespielte blinde Mann hingegen wird von Beginn an als bösartige Bedrohung inszeniert, was in den ersten Minuten der Konfrontation (exakt nach Syd Fields Drehbuchhandbuch an der Schwelle des ersten zum zweiten Filmviertel placiert) in seiner Täter-Opfer-Umkehrung noch interessant wirkt, aufgrund des unvermittelt bestialisch brutal agierenden Blinden jedoch verpufft. Interessanter wäre hier vielleicht gewesen, den Blinden zuerst noch sympathisch darzustellen und den Zuschauer nach und nach in dessen dunkle Seiten einzuweihen. Nun ist jedoch schnell konventionelles, wenn auch höchstspannend inszeniertes Terrorkino angesagt, das es häufig schafft, die Klaustrophobie erzeugenden engen Gänge im Haus des Blinden, die Bedrohung, die von ihm, der sich in seiner gewohnten und teils völlig dunklen Umgebung sicherer bewegen kann als die ortsfremden Einbrecher, sowie die Gefahr des Sichverratens durch auch nur leise Geräusche wie erschöpftes Ausatmen, dem Zuschauer nachvollziehbar und nachfühlbar zu machen.

Doch je näher der Film seinem Höhepunkt kommt, desto groteskere Formen nimmt das Drehbuch an:
So hat der Blinde die junge Frau, die seine kleine Tochter fahrlässig getötet hat, gefesselt in seinem Keller gefangen genommen und sie geschwängert, damit sie ihm eine Ersatztochter gebärt, als sie im Laufe der Flucht stirbt, nimmt er Rocky gefangen, die ihm nun ihrerseits ein Kind gebären soll; der Blinde Mann sagt jedoch von sich selbst, er sei kein Vergewaltiger, deswegen nimmt er bereits vorpräparierte Spermaproben, die er ihr in die Vagina einführen will, ihm aber zuvor selbst im letzten Moment bei einer Befreiungsaktion in den Mund gerammt wird.
Groteske Erzählmuster können in Horrorfilmen gut funktionieren, in der Mutter aller Backwoodhorrorfilme, „Texas Chansaw Massacre“, hat das großartig gewirkt, doch in „Don´t Breathe“ wird dieses Szenario zudem durch AfterFX, konzentrische Kreise, die sich passend zum Pochen des Basses des Filmscores über die ganze Leinwand ausbreiten, also durch Synästhesien, in seiner potentiell durchaus hohen Spannung so massiv gebrochen, dass der Zuschauer aus dem Filmgeschehen geradezu herausgerissen wird, Kinosaal und Leinwand wieder bewusst wahrnimmt und dann Mühe hat, wieder in den Film zurückzufinden.


Fazit:

Teils hervorragend inszeniertes Terrorkino, das an entscheidenden Spannungshöhepunkten zu verspielte Effekte einsetzt und so die Spannung für einige Zuschauer sogar gänzlich zerstören dürfte.


Wertung:

6,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 23.11.2016 20:25 
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Star Trek – Der Film – Robert Wise

(USA 1979)

Buch: Dezember 1992; Roddenberry, Gene: Star Trek; München 1980
Kinofassung: 5.8.1994; TV (Sat 1, 1,85:1); 18.11.2016; Kino (Kommkino; 2,35:1)
TV-Fassung: 1998; Video (CIC; 1,33:1)
Director´s Cut: 2005; DVD (Paramount; 2,35:1)



Zum 50. Jubiläumsjahr.


Inhalt:

Eine 82 Astronomische Einheiten durchmessende Wolke nähert sich dem irdischen Sonnensystem und wird von einem Außenposten bemerkt, als sie mehrere Schiffe der Klingonen zerstört. Die Enterprise, deren Kommando der zum Admiral beförderte James T. Kirk, der seit vielen Jahren zur Schreibtischarbeit befördert worden ist, erneut übernimmt, wird ausgesandt, um mit der fremden Intelligenz, die in einem Raumschiff im Inneren der Wolke vermutet wird, Kontakt aufzunehmen.

Beim vorsichtigen Einflug in die Wolke und bei der Erkundung der Oberfläche des Zentrums im langsamen Überflug, sowie beim Eindringen in das Objekt stellt sich Folgendes heraus: Das Wolkenzentrum mitsamt des gasförmigen „wolkigen“ Stoffes, das es umgibt, ist eine gigantische lebende Maschine. Diese Maschine ist auf der Suche nach ihrem Schöpfer, den sie auf der Erde vermutet. Mit diesem Schöpfer will sie sich vereinigen. Bis jedoch die Besatzung der Enterprise zu diesem Wissen gelangt, verlieren sie die Bordnavigatorin Ilia, als die Maschinenintelligenz eine Sonde an Bord schickt, im Rahmen einer Auseinandersetzung mit dieser sich als weiße Lichtsäule darstellenden Sonde. Ilia wird als maschinelle Nachahmung zurückgeschickt um die nach Auffassung der Maschinenintelligenz die Enterprise verseuchenden Menschen zu erforschen. Dabei stellen die Offiziere der Enterprise jedoch fest, dass die Kopie von Ilia so perfekt ist, dass die Ilia-Sonde teilweise auf Erinnerungsfragmente der echten Ilia zurückgreifen kann und ab und zu sogar eine gewisse und für sie verwirrende Emotionalität entwickelt.

Die Wolke erreicht die Erde, noch immer mit der Enterprise und deren Besatzung in ihrem Inneren. Sie sendet einen Code aus, um Kontakt mit ihrem Schöpfer aufzunehmen, der aber vom Sternenflottenhauptquartier nicht verstanden wird. Um ihrem Willen Nachdruck zu verleihen, schickt sie mehrere Kugeln grüner Plasmaenergie aus, die die Erde umkreisen und diese auf die selbe Weise zu vernichten droht, wie es zu Beginn mit den Klingonenschiffen geschehen ist. Kirk gelingt es, dass die Ilia-Sonde ihn, Spock und einige andere Offiziere der Enterprise direkt zu V´Ger, wie sich die Maschinenintelligenz nennt, führt. Dort stellt sich heraus, dass V´Ger die im 20. Jahrhundert von den Menschen abgeschickte Forschungssonde Voyager 6 ist, die zu einem Maschinenplaneten voller intelligenter Maschinen gelangt ist und dort repariert wurde. Ihren Auftrag erfüllend, zu forschen, Daten zu sammeln und diese zurück an ihren Ursprungsort zu senden, führt die nun intelligente Sonde weiter aus, ohne jedoch zu erkennen, dass die „verseuchenden Kohlenstoffeinheiten“, die Menschen, sie vor 300 Jahren gebaut und programmiert haben. Kirk lässt im Archiv der NASA nachforschen wie der Kontaktcode zu Voyager 6 damals lautete und lässt ihn absenden. In genau diesem Moment setzt V´Ger seine eigene Antennenanlage zum Empfangen des Codes außer Gefecht, da die durch Ilia in den Genuss von Emotionalität gekommene Maschinenintelligenz nun auf einer physischen Vereinigung mit dem Schöpfer besteht. Captain Decker, einer der Offiziere unter Admiral Kirk, der zuvor eine Beziehung mit Ilia geführt hatte, stellt sich bereitwillig zur Verfügung; in einer Umarmung, die in einem Verschmelzen in eine sich immer weiter ausdehnende Lichtsäule und dem anschließenden Verschwinden der Wolke in eine höhere, transzendente Ebene endet, vereinigen sich V´Ger/Ilia und Decker, die Enterprise fliegt wieder frei im Weltraum und die Gefahr, in der sich die Erde befunden hatte, ist abgewendet.


Produktionsgeschichte:

Die 79 Episoden der originalen Star-Trek-Serie wurden 1966 bist 1969 ausgestrahlt, kurz vor der Mondlandung wurde die Serie abgesetzt, doch gerade die Mondlandung sorgte für ein größeres Interesse beim Publikum am Weltraum- und SF-Stoffen – und auch an Star Trek, das in den Wiederholungen ausgesprochen erfolgreich lief. Eine kurzlebige Zeichentrickserie konnte die Ansprüche des vorwiegend erwachsenen Publikums nicht befriedigen, und so entschloss man sich Mitte der Siebziger Jahre, einen preisgünstigen TV-Film zu produzieren, woraus schnell Pläne für eine neue Serie wurden. Als die immer wieder verschobenen Dreharbeiten schließlich im Winter 1977/78 beginnen sollten, wurde Paramount, das produzierende Studio, erst vom Erfolg von Star Wars, dann von dem von „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ erschüttert; und obwohl bereits Schauspieler unter Vertrag standen und Kulissen gebaut worden waren, die Serie eingestellt. Man beschloss, das Drehbuch für den Pilotfilm der Serie umzuschreiben und das Produktionsdesign in allen Belangen so abzuändern, dass man mit genannten Filmen mithalten konnte. Obwohl die Dreharbeiten nach 5 Monaten bereits im Januar 1979 beendet waren, gab es noch Nachdrehs bis zum 23. November 1979, also bis 2 Wochen vor der Premiere am 6. Dezember. Die Kinofassung des Films gilt nicht als „fertig“, weil sie m Eiltempo 2 Wochen lang geschnitten wurde und es sich um einen Rohschnitt handelte, der ohne Testvorführungen zum Kinostart gelangte. Der Grund für die Hauruckaktionen zum Produktionsschluss lag an den Spezialeffekten: Die Firma Abel & Associates, die beauftragt war, für 4 Millionen Dollar die Spezialeffekte zu fertigen, lag massiv hinter dem Zeitplan, lieferte teils unbrauchbare Ergebnisse; so drohten die Kosten von 4 auf 16 Millionen Dollar zu steigen. Douglas Trumbull („2001 – Odyssee im Weltraum“) und John Dykastra („Star Wars“) wurden infolgedessen hauptverantwortlich für neue Effekte engagiert und lieferten die meisten Effekte des Films. Dass „Star Trek – Der Film“ mit 45 Millionen Dollar Produktionskosten der damals nach dem sowjetischen „Krieg und Frieden“ und „Cleopatra“ der 20th Century Fox der drittteuerste Film wurde, liegt jedoch nicht nur an den Spezialeffekten und dem Überschreiten des Drehplanes, sondern vor allem daran, dass die Kosten, die seit 1975 für die Entwicklung des TV-Spielfilms und der nicht verwirklichten Serie mit eingerechnet wurden. Tatsächlich dürfte sich der Etat nur für den Film auf etwa 25 – 35 Millionen Dollar belaufen.


Filmanalyse:

In der Tradition von…:

„Star Trek – Der Film“ entstand zu einer Zeit, als Star Trek noch nicht Star Trek war. Als SF-Abenteuerserie mit Bonanzacharme war „Star Trek“ 1966 bis 1969 Kind seiner Zeit, speziell in der letzten der 3 Staffeln sieht man nur zu deutlich, wie sehr die Hippiebewegung Einfluss auf die Gestaltung der Kulissen und Kostüme, ja sogar der Drehbücher hatte. Gene Roddenberry, dem man allgemein zu großen Einfluss an „Star Trek“ zumisst, wurde bereits nach der ersten Hälfte der 1. Staffel in seiner Funktion als Executive Producer ersetzt durch Gene Coon, der die Abenteueraspekte betonte, dieser in der 3. Staffel durch Fred Freiberger, der einen gewissen Trash-Charme in die Serie brachte. Roddenberry jedoch befeuerte nach Absetzung der Serie das Verlangen des Publikums nach einer Fortsetzung und es gelang ihm, im Star-Trek-Filmprojekt, zu dem das ursprüngliche Serienfortsetzungsprojekt geworden war, die Rolle des Produzenten zu erhalten, sowie auf das Drehbuch maßgeblich einzuwirken. Großen Wert legte er darauf, eine Geschichte mit philosophischer Botschaft zu erzählen, die, das muss man auch beifügen, in der Star-Trek-Serie bereits vorhanden war, wenn auch nicht in dieser Deutlichkeit. In der Episode „The Changeling“ (1967) nimmt die Besatzung der Enterprise eine intelligente Sonde namens „Nomad“ an Bord, die sich für perfekt hält und alles Nichtperfekte zerstört. Kirk überzeugt Nomad schließlich davon, selbst nicht perfekt zu sein, daraufhin zerstört er sich selbst. In „Metamorphosis“ (1967) entdeckt die Enterprisecrew Zefram Cochrane, den Erfinder des Warpantriebs, der von einem außerirdischen Energiewesen vor mehreren hundert Jahren schwerverletzt aufgefunden, geheilt und verjüngt wurde. Mit dem Companion, wie er das Energiewesen nennt, und das, wie sich später herausstellt, weiblich ist, vereinigt er sich zu bestimmten Gelegenheiten. Als eine totkranke Passagierin im sterben liegt, übernimmt der Companion deren Körper, um in dieser Form weiter mit Cochrane zusammenzuleben. Diese beiden Erzählungen werden in „Star Trek – Der Film“ verflochten und erweitert, indem die intelligente Maschine nicht mehr zur Selbstzerstörung getrieben wird, sondern zur Weiterentwicklung erst ins Emotionale, dann ins Sexuell-Transzendente; damit steigert sich auch die Aussage der Episode „Metamorphosis“ die mit der Erkenntnis des Zuschauers, Cochranes etc. endet, dass der Companion bei der Verschmelzung auch sexuelle Hintergedanken hat und welche Probleme sich daraus ergeben, z. B. das des sexuellen Missbrauchs.


Entwicklungs-Philosophie:

„Star Trek – Der Film“ zeigt nun eine Maschinenintelligenz, für die einfachste Emotionalität nicht nachvollziehbar ist. Aufgrund der Reproduktion von Lt. Ilia, die im Film als eine auf Männer außerordentlich anziehend wirkende schöne und sinnliche Frau eingeführt wird, während im von Roddenberry verfassten Buch zum Film, wie auch in der 1983 erstausgestrahlten TV-Langfassung wesentlich detaillierter beschrieben wird, dass Ilia als Deltanerin stets Pheromone aussendet, die ihr männliches Umfeld in den Zustand einer Erektion versetzt, zumindest, wenn man(n) sich nicht gut genug beherrschen kann (Sulu, der Steuermann am Pult neben der Navigatorin Ilia benimmt sich in der TV-Fassung ausgesprochen tolpatschig, woraufhin Ilia nochmals auf ihr Zölibat hinweist und darauf, dass sie sexuell unterlegene Spezies nicht ausnutzen würde), wird V´Ger erstmals mit Gefühlen konfrontiert, die ihn jedoch verwirren. Mit erhöhtem Nachdruck will das auch von der Interaktion mit emotionalen menschlichen Wesen zusätzlich verwirrte Maschinenwesen nun eine physische Verschmelzung mit dem Schöpfer, also dem Konstrukteur, zu erwirken. Captain Decker, der mit Ilia eine Liebesbeziehung hatte, gibt V´Ger gegenüber vor, der Schöpfer zu sein und gibt den Aktivierungscode für das Antwortsignal der NASA an Voyager 6 selbst ein, um sich mit V´Ger/Ilia zu vereinigen, was zur Geburt eines neuen „transzendenten“ Wesens führt.

Gegenübergestellt wird dieser Entwicklung Spock, der halb Mensch, halb Vulkanier ist. Vulkanier sind in Star Trek außerirdische Wesen, deren kulturelle Errungenschaft es ist, vor mehreren tausend Jahren sämtliche Emotionalität durch bewusste Kontrolle des eigenen Willens abgelegt zu haben. Spock, hin und hergerissen zwischen seinen beiden kulturellen Einflussgrößen, versucht stets, sich an der vulkanischen Lebensweise zu orientieren und versucht nun, vier Jahre nach dem Zeitpunkt, an dem die letzte Episode der originalen Star-Trek-Serie stattfand, im Rahmen des Kolinahr-Rituals, auf das er sich lange vorbereitet hatte, sämtliche emotionalen Reste seines Charakters abzustreifen. Das Ritual bricht er jedoch vorzeitig ab, als er die Bedrohung durch die herannahende Wolke bemerkt. Nachdem er später im Film mit V´Ger/Ilia seine Gedanken verschmilzt – die Gedankenverschmelzung ist eine Fähigkeit aller Vulkanier – gerät er, auch aufgrund der Verschmelzung schockiert und traumatisiert, selbst in Zweifel, ob das völlige Fehlen von Emotionen, das Nichtnachvollziehenkönnen von einfachen Gefühlen, ein erstrebenswerter Zustand ist. Er bricht in Gelächter darüber aus, später (nur in der TV-Fassung und im Director´s Cut) in Tränen, da er in V´Ger sich selbst, wie er war, als er zur Filmmitte auf die Enterprise kam, erkennt: nur nach Logik und Wissen strebend. Spock handelt und spricht im weiteren Verlauf des Films – und auch in den Fortsetzungen – so, als hätte er seine menschliche Seite als Teil seines Wesens akzeptiert. Der Slogan „Sie suchten das Unbekannte und fanden sich selbst“, unter dem der Film 1980 in Deutschland gestartet wurde, erweist sich so als durchaus passend, wie auch der Schlusstext des Films: „Das menschliche Abenteuer hat gerade erst begonnen“.


Dramaturgie:

Was an der Geschichte auf inhaltlich-philosophischer Ebene überzeugt, überzeugt auf dramatischer Ebene leider weniger. Das Drehbuch „In Thy Image“, das auf einer 30-Seiten-Geschichte von SF-Romanautor Alan Dean Foster basierte, wurde von Harold Livingston und Gene Roddenberry permanent umgeschrieben, Livingston kündigte mehrmals aufgrund der schwierigen Zusammenarbeit mit Roddenberry und wurde von Paramount und Robert Wise immer wieder zurückgeholt. Das führte dazu, dass die Dreharbeiten ohne ein fertiges Drehbuch stattfanden und während der Dreharbeiten eine überarbeitete Drehbuchseite „Überarbeitungsstand 11:30 Uhr – Livingston“ dem Regisseur und den Schauspielern überreicht wurde und wenig später der gleiche Stoff mit einem „Überarbeitungsstand 14:45 – Roddenberry“ aufs Set kam. Diese Störungen führten einerseits zu extrem langsamen Fortschritten beim Drehen und zu einer massiven Drehzeitverlängerung, sondern auch zu Frustrationen unter den Schauspielern, wenn an einem Tag z. B. nur gedreht werden konnte, wie Chekov mal von links, und dann von rechts über seine Schulter blickt. Das Problem auf menschlicher wie auf technischer Seite bei der Drehbuchkonstruktion ist vor allem bei Roddenberry auszumachen, dessen Entwürfe von den Studioverantwortlichen von Paramount (u.a. Michael Eisner, später ab 1984 Leitung der Disney-Studios) stets mit „nur TV-Niveau“ bewertet wurden. Erst spät gelang es Robert Wise im Rahmen einer schon als Intrige zu bezeichnenden Aktion, dass Roddenberry sein problematisches Verhalten abstellen musste. Paramount sorgte dafür, dass bei den zukünftigen Star-Trek-Filmen Roddenberry nur noch eine beratende Tätigkeit wahrnehmen durfte.

Diese schwierige Drehbuchgeburt präsentiert dem Zuschauer leider Protagonisten, die sich kaum dazu eignen, Identifikationsfiguren zu sein. Obwohl Trekkies in aller Herren Länder ihre Helden aus der Serie in ihr Herz geschlossen hatten, werden sie zwar plausibel, aber anders in den Film eingeführt, als in der Serie bekannt: Kirk, von seinem Schreibtischjob frustriert, verhält sich Decker gegenüber äußerst rücksichtslos, als er ihm das Kommando über die Enterprise wegnimmt und jede von Deckers weiteren Handlungen als mit ihm konkurrierend wahrnimmt, woraufhin er ihn jedes mal maßregelt. Auch visuell wird dieser düstere Charakterzug in den Film transportiert, indem z. B. nach so einer Maßregelung Kirk durch eine stark schwarzgetönte Glastür gefilmt wird. Spock, trotz seines teils nur vorgegebenen Fehlens an Gefühlen in der Serie durchaus eine sympathische Figur, da er die Gefühle der Menschen respektiert und somit also „Einfühlungsvermögen“ beweist, handelt nach dem nicht vollendeten Kolinahr zu Beginn des Films völlig kalt und reagiert nicht einmal mehr auf Begrüßungen. Bis auf den vertraut sympathisch agierenden Schiffsarzt Dr. McCoy, der aufgrund Kirks obig geschildertem problematischen Verhaltens auch als Psychologe gefordert ist, haben die übrigen bekannten Gesichter auf der Enterprise kaum Text, der über das Melden und Bestätigen von Informationen hinausgeht. Ilia und Decker werden schlecht eingeführt und die Liebesbeziehung, die sie früher einmal hatten, nur behauptet, nicht gezeigt. In der Kinofassung des Films wird zudem nicht deutlich genug gemacht, dass Ilia von einer sexuell überlegenen außerirdischen Spezies kommt und aufgrund ihrer Körperchemie Männer in ihrer Nähe sexuell erregt werden – bis hin zur Erektion. So, wie die Szene in der Kinofassung gezeigt wird, ist auch folgende Interpretation möglich: Eine hübsche Frau betritt die Kommandozentrale der Enterprise, alle männlichen Offiziere grinsen sie auf einmal ungeniert machohaft an, und um ihre Unnahbarkeit zu beweisen, oder weil des die männlich-chauvinistische Sternenflotte von allen Frauen so verlangt, muss Ilia auf ihren Zölibatseid hinweisen. Auch der Director´s Cut des Films korrigiert diesen narrativen Fehler nicht, das geschieht nur in der TV-Version!


Interstellare Romantik:

Das Drehbuch war von Anfang an so gestaltet, dass den Spezialeffekten großer Raum gegeben wurde. Dies war dem Erfolg von „Star Wars“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ geschuldet, den man mit mindestens ebenbürtigen Effekten wiederholen wollte. Die Firma „Abel & Associates“, die mit den Spezialeffekten beauftragt war, zeigte sich überfordert und nicht imstande, ihre Arbeit fristgerecht und zum vereinbarten Budget fertigzustellen, daher beauftragte man Douglas Trumbull („2001 – Odyssee im Weltraum“) und John Dykastra („Star Wars“) mit der Fortführung der Arbeit an den Effekten. Die beiden bildeten Teams zu je ca. 150 Mitarbeitern, und so erstellte Trumbull die Effekte rund um die Enterprise und das Innenleben der Wolke, während Dykastra die Raumstation Epsilon 9 und die Wolkenschleiereffekte schuf. Einzelne Effekte wie das Wurmloch – nicht aber die verzerrt gefilmten Szenen auf der Brücke der Enterpise während dieser Sequenz – stammen möglicherweise noch von Abel & Associates, dazu gibt es jedoch widersprüchliche Angaben. Trumbull sorgte dafür, dass wie bei „2001 – Odyssee im Weltraum“ der Dokumentarfilm „Universe“ (Roman Kroitor, Colin Low, 1960) als Inspirationsquelle gesichtet wurde und sorgte auch als Second-Unit-Regisseur dafür, dass die Weltraumaufnahmen durch bei Kamerafahrten sich zunehmend verlangsamende Geschwindigkeiten bei Annäherungen an die gezeigten Objekte dem Zuschauer ein Gefühl von Größe und Realismus vermitteln. Das Gleiche gilt für den Durchflug der Wolke: Dabei starrt minutenlang die Brückenbesatzung der Enterprise auf Lichtkaskaden und Wolkenschleier. So wird dem Zuschauer einerseits verdeutlicht wie groß die Wolke, die sich über 82 AE erstreckt, also die gesamte Umlaufbahn des Pluto, abdecken würde, wirklich ist, andererseits auch bedingt durch den langsamen und schwelgerischen Score Jerry Goldsmiths beginnt hier, also ab der Mitte des Films, der Teil, der den Betrachter auf wunderschöne, psychedelische Bildertrips einlädt. Nur selten in anderen Filmen hat ein Filmzuschauer die Möglichkeit, über so viel Filmzeit hinweg seinen Blick schweifen zu lassen über Bilder, die zwar langsam inszeniert, aber nicht langweilig sind. Im Gegenteil: Ungemein interessant ist, was gezeigt wird, denn die Oberfläche V´Gers ist ausgesprochen hässlich, sie wirkt teils ölig, zerfranst, halbfertig und improvisiert und erinnert mitunter an Höllenbildnisse. Aufgrund eines symmetrischen Bildarrangements und den Blautönen der Wolke am Horizont, sowie der weiterhin elegischen Filmmusik wirken die Bilder gleichzeitig schön und interessant. Trumbull meint sinngemäß zu dieser Inszenierungsart, dass so der Filmzuschauer in den Mittelpunkt rückt, sie ihm schmeichelt und Freiheiten lässt, während die moderne Inszenierungsart mit ihren schnellen Stakkatoschnitten den Zuschauer benutzt und er eingeengt wird, da er gar nicht das betrachten kann, was er möchte, denn die Kamera fokussiert schließlich durch den Filmschnitt schon wieder Anderes.

Wissenschaftlich ließ man sich von Isaak Asimov, einem berühmten Autor von wissenschaftlichen Büchern und SF, sowie von Jesco von Puttkamer, damals bereits in einer leitenden Position bei der NASA und auch Übersetzer des Star-Trek-Romans ins Deutsche, beraten. Die wissenschaftliche Genauigkeit wie auch die Durchdachtheit des Geschehens im All lässt den Zuschauer sich so fühlen, als sei er selbst als Astronaut im Weltraum. Dieses Gefühl, Forscher zu sein, wird durch zwei weitere Aspekte verstärkt: Zum einen setzen Robert Wise und Kameramann Richard H. Kline ein subtiles Konzept der subjektiven Kamera (First Person Cinema) ein: Es gibt relativ wenige „Over-the-Shoulder“-Aufnahmen, in denen also die betrachtenden Protagonisten noch in einem Bildausschnitt, z. B. Schulter und Hinterkopf, zu sehen wären, stattdessen nimmt die Kamera meist direkt deren Blickwinkel – oder sogar den der Enterprise – ein und betrachtet den Bildschirm, der V´Ger zeigt und dessen Erkundung. Darüber hinaus haben sich Wise und Kline darüber beraten, wie in „Andromeda“ (1971), wo sie bereits zusammenarbeiteten, „Split Focus Diopters“ zu verwenden, das ist eine Aufnahmeart, bei der die halbe Kameralinse mit einer zusätzlichen Linse verdeckt wird, die auf einen anderen Teil des Bildvorder- oder Hintergrundes hin scharfgestellt ist. Das auf zwei Tiefenebenen klare Bild, das dadurch entsteht, eignet sich perfekt für kühl-präzise Inszenierungen und wurde in Brian DePalmas bevorzugt eingesetzt (z. B. „Carrie“, 1976; „Blow Out“, 1981) oder neuerdings in „The Hateful Eight“ (Quentin Tarantino, 2015). Der Einsatz dieses Tiefenschärfeverfahrens allein sorgt schon dafür, dass sich „Star Trek – Der Film“ und „Andromeda“ vom Look her ähneln.

Die wie erwähnt schwelgerische Filmmusik, eine der beliebtesten und schönsten, die Jerry Goldsmith je geschrieben hat, wie auch die zutiefst menschliche, ins Esoterische führende Philosophie des Films sorgen zusammen dafür, dass das Suchen des Fremden und Unbekannten fasziniert und schön ist. Wenn aber zum Schluss des Films, als deutlich wird, dass V´Ger/Ilia sich physisch mit seinem Schöpfer verschmelzen möchte, sich das stets dunkel oder bläulich gehaltene Bild pink und daraufhin rot verfärbt, zeigt sich in filmische Bilder umgesetzt, dass die Liebe die Lösung herbeiführen wird. Dass Liebe bei aller wissenschaftlichen Forschung, die Liebe ja auch auf das bloße Vorhandensein von chemischen Prozessen im menschlichen Körper herabwerten kann, wenn sie psychologische und theologische Aspekte als unwissenschaftlich verwirft, ein stets menschliches Ziel bleibt und sein muss, ist die wichtigste Aussage des Films und reiht ihn wohl eher zufällig in die damals beginnende „Neue romantische Welle“ ein. Erst 35 Jahre später gelangte Christopher Nolan mit „Interstellar“ in einem Science-Fiction-Film zu einer gleichen Aussage.


Fazit:

Eklatant unterbewerteter SF-Film, mehr ein „2001“ im Star-Trek-Gewand als typisches Star Trek und deshalb bei Trekkies eher unbeliebt.


Wertung:

10 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 02.12.2016 17:22 
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Opfergang – Veit Harlan

(Deutschland 1944)

Novelle: Juli 2015; Binding, Rudolf G.: Opfergang, in: Binding, Rudolf G.: Gesammeltes Werk I, Potsdam 1937.
Film: 17.11.2016; DVD (Concorde; 1,33:1)


Inhaltsbeschreibung der Novelle:

Nach 10 Jahren kehrt Albrecht nach Hamburg zurück und begegnet seiner Cousine zum ersten Mal seit seiner Jugend wieder, der 27jährigen Octavia, „eines der vollkommensten Frauenwesen, die damals mit Anstand über den Jungfernsteg gehen konnten.“ Sofort gelingt es Albrecht, „auf diesem Ankerplatz, der vor der tiefen Bucht ihres Herzens lag“, anzulegen. Als er tags darauf um ihre Hand anhält, zögert Octavia anfangs, da sie weiß, dass Albrecht „Meeresstille und gedämpftes Licht“ sucht, „Wind und Wellen, Sonnenglut und Sonnenlust“ aber seine Elemente sind. Als er ihr aber seine Liebe erklärt, „verzischt der kühle Tau“, der sie umgibt.

Nach 5 Jahren Ehe hat sich Octavia kaum verändert, ihre Schönheit ist noch immer „die eines lebenden schönen Bildes.“ Allerdings lebt sie, als schliefe sie einen „Zauberschlaf, der vielleicht von Leidenschaft und Schmerz träumen lässt, aber ihr das Erleben erspart.“ Wenn Albrecht sie küsst, scheint es, als wäre „eines Armes Länge zwischen ihren Leibern.“ An einem Maiabend fährt Albrecht mit einem Boot auf die Alster hinaus und bemerkt, dass sich plötzlich ein „schlankes Fischwesen“ an seinem Boot festhält und sich ziehen lässt: „Wenn Sie übrigens das Rudern einstellen, wird mein Wellenkleid zu durchsichtig und ich muß sie Sie verlassen!“ ruft es ihm zu, und diese und weitere Worte, die sie zu ihm spricht, spielen sich „in sein Herz hinein wie die Zärtlichkeit und Kraft einer sonnigen tändelnden Meereswelle in die Höhlung eines Gesteins.“ Am nächsten Tag erklärt Octavia Albrecht, dass die „Nixe“ Joie heißt und „die prächtigste freudestrotzende Weibsperson welche die Sonne bescheint“ ist. Octavia gesteht aber: „Nur vermochte ich ihr nie nahe zu kommen; ich konnte, wie man zu sagen pflegt, nie ganz mit ihr mit.“ Erneut begegnet er Joie: „Sie haben recht, Herr Froben, sich den unterlassenen Dank für Ihre Schleppdienste einzuholen, oder wollen Sie auch noch einen Lohn?“, dabei „blitzte sie ihn unbefangen seltsam zärtlich an.“ Beide beschließen einen Ausritt, den sie täglich wiederholen. Dabei stellt er fest, dass alles an ihr „ungemacht, unbewußt, unbeabsichtigt“ wirkt, „wie ein Vorgang in der Natur: ein Regen, ein Sonnenschein, eine Quelle, ein Erdsturz – und doch auch wieder von derselben Bewußtheit, von derselben geheimnisvollen Absicht, wie etwa ein Regen, ein Sonnenschein, eine Quelle.“ Albrecht spürt, wie die „ganze glückliche Herrlichkeit“ wieder aus ihm herausbricht, und er fühlt sich Joie verfallen. Und schließlich, als Joie ihn in ihren Pferdestallt ruft und er sieht, wie ein Pferd „Nase und Stirn in einem unaufhörlichen Bohren und Auf und Nieder an Brust und Schoß seiner Herrin schabte“ und sie dabei zu Fall kommt, springt der Funke von Körper zu Körper über, doch ihre Kraft, der sie sich „mit aller der selbstbewußten Wehrhaftigkeit ihres Frauentums“ hingibt, gibt ihr Selbstbeherrschung: „Wir lieben uns, mein Freund (…) und es wird schlimm.“ Und Albrecht, weiß, dass er „Wind und Welle, Sonnenglut und Sonnenlust verfallen war.“

Octavia weiß von den Ausflügen Albrechts mit Joie und von seiner Begeisterung für sie. Sie mag Joie, aber findet keinen Zugang zu ihr aufgrund ihres völlig anderen Temperaments, obwohl sie „eine prächtige Person, so recht geschaffen die Freude eines Mannes zu sein“ ist. Dass Albrecht Joie liebt, ahnt sie und will ihm beim Widerstreit seiner Gefühle beistehen. Sie bemerkt aber, dass Albrecht ihr trotzdem immer mehr entgleitet und versucht zu erkunden, was der geheime Zauber Joies ist: sie verfolgt sie, als sie zum Hafen geht und bemerkt dabei, dass Joie von Kindern an denen sie vorbeigeht, angelächelt wird, sie aber nicht, ihr die Möwen einfaches Backwerk aus der Hand picken, die Vögel sich ihr, Octavia, nur nähern, aber ihre Hand meiden – daraufhin „war nun ein schwerer stummer Stein in das klare Brünnlein ihres Herzens gefallen.“

Im Spätsommer reitet Albrecht weiter mit Joie aus und als sie sich in einem Kornfeld auf die Ähren niederlässt, sieht sie aus „wie die leibhaftige Fruchtbarkeit, (…) strotzend von Kraft und Farbigkeit.“ Doch „wie ein fallendes Blatt im Hauch des Herbstes“ klingt, was sie Albrecht sagt: „…die Wünsche meines Schoßes sollen dir nicht mehr sein…“, denn „einst wurden sie verschenkt, ach!.“ Joie versinkt dabei in Tränen und Albrecht tröstet sie, „in einer Wolke von Leid“ reiten sie weiter, dabei verschwindet die Wolke und sie umarmen und küssen sich, der Kuss schmeckt „nach Salz und Blut und war mit einem Wenig von Bitterkeit gewürzt.“ – So entgleitet er Octavia doch, und er ist ihr nicht viel mehr „als eine märchenhafte Gestalt.“

Als die Cholera in Hamburg ausbricht, verfällt Joie in ein Scharlachfieber, die gemeinsamen Ausritte hören auf. Ihr Arzt verbietet ihr ein Treffen mit Albrecht, aber abends lässt sie sich in ihrem Liegestuhl ans Fenster tragen, um Albrecht, der vorbeireitet und ihr dann zuwinkt, zu sehen. Sie erfährt von der Cholera, und ein Kind in Doventleth, das sie liebt, ist in Gefahr. Sie schreibt einen Brief an Albrecht, in dem sie ihn bittet, das Kind zu retten. Albrecht organisiert einen Desinfektionstrupp, um das Kind von den Keimen der Krankheit befreien zu lassen. Er findet ein vierjähriges Mädchen vor, das er vom Boden hebt, dabei küsst er versehentlich „die leichte Hand, als sie an seinen Lippen vorbeistreifte.“ Am gleichen Abend reitet Albrecht wieder an Joies Fenster vorbei und grüßt, um ihr zu zeigen, dass alles gut gegangen ist, erkrankt aber noch in der gleichen Nacht und stirbt „an der Cholera, bevor der Tag graute.“ Seine letzten Worte, die er zu Octavia spricht, sind: „Nun wird auch Joie sterben (…) wenn ich meine Pflicht versäume. Keiner wird die Hand grüßend zu ihr erheben wenn der Abend kommt.“

Den ganzen Tag bringt Octavia in einem hohen Sessel zu und starrt „trockenen Auges in die Ferne.“ Am Abend zieht sie sich Albrechts Reitkleidung an und reitet selbst an Joies Fenster vorbei, um ihr in der Art Albrechts zuzuwinken, Joie lässt sich täuschen. Octavia kostet es große Überwindung, so zu handeln und sinkt „unter der männlich-freien Haltung die sie nachahmte fast zusammen“, wiederholt ihren Opfergang aber noch an zwei weiteren Abenden. Am vierten Tag erholt sich Joie und erfährt, dass Albrecht bereits seit vier Tagen tot und seit zwei begraben ist. „Da wurde Joie ganz still. Es war als ob eine rätselhafte Macht ihr ganzes Denken ablenkte von ihrem Schmerz und ein kühler Strom sich zwischen ihm und ihrem Fühlen hindurch ergösse (…) Wer sie gegrüßt hatte, sie wußte es. (…) Und da hat Joie etwas wie eine Pflicht gefühlt, gesund zu werden, und hat sich Ruhe und Überwinden erkämpft, damit der Opfergang einer edeln Frau nicht vergebens gewesen sei.“


Inhaltsbeschreibung des Films:

Albrecht Froben, ein Senatorensohn, kehrt nach 3 Jahren Weltreise im Auftrag des Deutschen Kolonialbundes nach Hamburg zurück. Seinem Freund Matthias schenkt er eine elfgesichtige japanische Kwannon, die Gottheit der Barmherzigkeit. An dessen Wand hängt auch ein gemaltes Bild von Octavia, an der Albrecht als Frauenheld sofort Interesse zeigt, und auch gleich im Haus ihrer gutbürgerlichen Senatorenfamilie mit einem Strauß Blumen vorstellig wird. Während er darauf wartet, empfangen zu werden, fällt ihm eine Standuhr auf, auf die der Spruch eingeprägt ist: „Eine dieser Stunden wird deine letzte sein.“ Ein Butler erscheint und verweist darauf, dass ohnehin gerade nur Octavia zu Hause ist; so kommt es, dass sie Albrecht sofort zu sich nach oben bittet, wo sie ihre alte Freundschaft – sie sind über ein paar Ecken miteinander verwandt – auffrischen. Octavia verliebt sich in ihn, da Albrecht „Wind und Wellen, Sonnenglut und Sonnenlust“ braucht, und Albrecht erwidert ihre Liebe; er beichtet Matthias: „Ich wollte nur (…) für eine Stunde an Land gehen und nun sitz´ ich fest.“ Später hält Albrecht um Octavias Hand an und mahnt scherzhaft: „Keines Armes Länge darf mehr zwischen uns sein“, während er sie an sich heranzieht. Bei einem weiteren Besuch an einem Sonntagvormittag offenbart sich nun aber, wie wenig Albrecht in diese Familie passt: Zu Nachtstücken von Chopin werden philosophische Gespräche geführt und als Höhepunkt der geistreichen Unterhaltung Nietzsches Dionysos-Dithyrambe „Die Sonne sinkt“ vorgetragen (siehe Anhang). „Siehst du Albrecht, so sitzen wir hier jeden Sonntagvormittag. Es ist gewissermaßen die geistige Vorspeise für unseren Sonntagsbraten.“ Albrecht findet es schrecklich, dass man sich mit soviel geistvollem Schwermut bei geschlossenen Fensterläden den sonnigen Sonntagvormittag verdüstert.

Während Albrecht wenig später auf dem nahegelegenen See rudert, bemerkt er, wie eine junge nackte Frau sich an seinem Boot festhält und sich schleppen lässt: „Wenn Sie das Rudern einstellen, wird mein Wellenkleid zu durchsichtig und ich muss Sie verlassen. Das Wasser streichelt mich auch besser, wenn Sie schneller rudern.“ Am nächsten Tag meint Octavia, das wäre Aels, wohl eine Finnin mit ungebundener Lebensweise: „Ich kann nicht viel mit ihr anfangen. Ich konnte nie ganz mit ihr mit. Schade eigentlich! Ich glaube, sie ist ein nettes Wesen.“ Aels ist ein Zugvogel, mal in Finnland, mal in Deutschland, und im Winter in Afrika. Einen weiteren Tag später begegnet er Aels erneut: „Guten Morgen! (…) Ich schulde Ihnen noch Dank für Ihre Schleppdienste! (…) Oder verlangen Sie auch einen Lohn?“ fragt sie verführerisch flirtend, und als Lohn erbittet sich Albrecht einen gemeinsamen Ausritt aus. Sie reiten nun regelmäßig am frühen morgen aus und kommen sich näher, allerdings ist Aels in ständiger ärztlicher Behandlung. Als ihr Arzt sie auffordert, sich mehr zu schonen erwidert sie: „Ich will leben. Ich will nicht vegetieren! Ich will mir nicht bei allem überlegen, ob ich nun darf oder ich es nicht darf. Lieber will ich kürzer leben. (…) Von diesen 25 Jahren will ich wenigstens was haben!“ Aels sieht sich als barmherzig an, da sie einem Hund, der todkrank war, den Gnadentod gegeben hat. Der Arzt meint daraufhin, wenn sie sich schone, wäre es besser, denn dann sei sie „barmherzig mit sich selbst.“ Bei einem weiteren Ausritt erfährt Albrecht, dass sich Aels mit Tropenfieber angesteckt hat, dass immer wieder zurückkehrt. Ihre Gedanken werden immer schwermütiger und düsterer, als sie gemeinsam am Strand in der Nähe eines Leuchtturms sitzen: „Es passt doch gar nicht, dass Sie hier bei Wind und Wellen und Sonnenglut an den Tod denken.“ Aels erwidert: „(…) Woran soll ich denn denken? An Sie?“ Ihrem Pferd gesteht sie später, dass sie tatsächlich unentwegt an Albrecht denkt.

Matthias fürchtet um das Wohl der Ehe, da ihm Albrecht anvertraut, dass er Octavia himmlisch und Aels irdisch findet, und der Mensch ja den irdischen Freuden oft mehr zugeneigt ist. „Es hat doch was zu besagen, dass du deiner Segelleidenschaft untreu – entschuldige das Wort Untreu – geworden und plötzlich ein passionierter Reiter geworden bist.“ Seine Worte führen zu keinem Erfolg, also versucht er es bei Aels, die ihm verärgert erwidert: „Sie haben etwas ausgesprochen, was zwischen Herrn Froben und mir behutsam verschwiegen wurde! Man sollte nicht alles aussprechen!“ Schließlich rät er Albrecht, mit seiner Gattin nach Düsseldorf zu ziehen, wo er Abstand gewinnen kann.

Dort besucht Matthias nach einiger Zeit Octavia, die ihm erklärt, dass sie hier jeden Abend mit Albrecht eine Veranstaltung besuchen könnte, sie aber aufgrund ihres Temperaments selten ausgeht. Diesen Abend wird sie jedoch mit Albrecht ausgehen: „Die Rutschbahn“, eine Faschingsfeier, für die sie sich eine goldene Maske und ein weißes Kleid besorgt hat. Das bunte Treiben vor infernalisch roter Kulisse sorgt für erotische Verwicklungen, denn Albrecht und Octavia wissen beide nicht, wie der andere maskiert ist und suchen sich. Albrecht gerät an zwei blonde Frauen in Zylinder, Hutschleier und schwarzer Maske, die eine mit weißer, die andere mit roter Rose an der Brust; sie blicken ihn lange verführerisch an und tasten seine Hände ab, um herauszufinden, ob er noch zu haben sei. Beide könnten sie unter der Maske Octavia sein, aber auch Aels. In genau diesem Moment schreibt Aels einen Tagebucheintrag:
„Am 25. Februar II Uhr nachts.
Ich fühle, dass Du an mich denkst.
In der Nacht sind die Seelen verbundener
als am Tage. Oder ist es meine
Sehnsucht, die mich belügt?“

Ebenfalls im gleichen Moment erkennt Albrecht die etwas weiter entfernte Octavia unter der Maske und eilt zu ihr, was die „Zwillinge“ sichtlich frustriert. Er will Octavia küssen, doch sie wehrt ab, da sie sich vor diesem unschicklichen Verhalten in der Öffentlichkeit trotz Maske scheut. Geradezu panisch reagiert sie, als sie zur Faschingsprinzessin erkoren wird, entsetzt schreiend wehrt sie sich und flüchtet, während der Büttenredner im Weinrausch weiter über die Freuden des Rebensaftes und den auf die Welt niederkommenden Narren schwadroniert. Wieder daheim schlägt Albrecht Octavia vor, zurück nach Hamburg zu ziehen, Octavia ist einverstanden und glücklich, wieder nach Hause zu kommen.

Dort stellen sie fest, dass Aels diesen Winter gar nicht nach Afrika verreist, sondern noch hier ist. Totenbleich betrachtet sie Blumen, die Octavia ihr geschickt hat, und am Fenster Albrecht, der vorbeireitet und winkt. Dass Albrecht wieder da ist verhilft ihr zu neuer Lebensfrische und bald reiten sie wieder gemeinsam aus. Beinahe kommt es dabei zu einem ersten Kuss: „Wir lieben uns mein Freund. Und es wird schlimm. Schlimm.“ Albrecht fühlt sich mittlerweile in Aels´ Gegenwart glücklicher, obwohl in Octavias Blut Adel fließt. Noch immer fühlt er wie bei ihrer Verlobung im vergangenen Jahr, dass eines Armes Länge zwischen ihnen ist. Matthias verurteilt ihn deswegen und Albrecht will daraufhin in Zukunft „die Dinge alleine mit sich abmachen.“ Während er das sagt, zieht er den Ehering an seinem Finger hin und her. Im Gespräch mit Octavia, die inzwischen auch im Bilde ist, zeigt sich, wie tolerant sie ist: „Es kann doch nichts Schlechtes sein, wenn es dir eine Kraft und eine Freude und einen Flug gibt, den ich nie an dir gesehen hab´. Soll ich dich deshalb weniger Lieben?“ Als sie dazu noch sagt, dass es nicht um sie, sondern um ihn ginge, meint er hingerissen, das sei „übermenschlich“. In dem Moment tritt Aels im weißen Kleid aus ihrem Haus, umringt von einer Vielzahl ihrer Doggen. Beide starren sie an. Octavia bemerkt, das Albrecht seinen Blick nicht von Aels lösen kann und flieht. Auf der Straße versetzt Aels die Natur in Schwingung, indem sie z. B. mit einem Stock gegen die Zweige der Bäume schlägt. Octavia, die sich in einer großen seelischen Krise befindet, nimmt die Verfolgung auf, der sich Matthias zugesellt. „Wenn du wüsstest, was ich in den letzten Tagen durchlitten hab´. (…) Sieh doch! Wie sich die Männer nach ihr umdrehen. Mir schaut keiner nach auf der Straße. Obwohl mir doch alle sagen, dass ich schön bin. Du hast es mir doch oft gesagt. Albrecht hat es mir doch oft gesagt. Woran liegt das? Sie ist ja wie ein Magnet! (…) Sie ist mir überlegen. Es nützt doch gar nicht, sich da was vorzumachen (…)“ In Dovenfleet im Hamburger Hafenviertel endet Aels Spaziergang und Octavia und Matthias beobachten, wie sie ein Haus aufsucht und ein kleines Mädchen, ihre Tochter, von der sie bisher nichts wussten, besucht.

Bei einem erneuten Ausritt küssen sich Albrecht und Aels zum ersten Mal, Aels meint: „ Du bist Aels. (…) So sterben – das wär´ der glücklichste Tod!“ Sie möchte, dass ihre Asche nach ihrem Tod ins Meer gestreut wird. Wenn die Wellen Albrechts Fuß streicheln, soll er wissen, dass sie es ist, seine Aels. Und sie philosophiert weiter: „Es heißt, in der Trennung gehen wir ein, wie die Blumen ohne Sonne.“

Aels erfährt wenig später, wieder bettlägerig, dass in Dovenfleet eine Seuche ausgebrochen ist und schreibt Albrecht einen Brief, in dem sie ihn darum bittet, ihr Kind zu retten. Er holt es, die Ärzte meinen, es sei gesund. Dass alles in Ordnung ist, signalisiert er Aels, indem er um 18 Uhr an ihrem Fenster vorbeireitet und ihr ein vereinbartes Zeichen gibt. Dies beobachtet Octavia mit gequältem Blick. Albrecht erkrankt in der selben Nacht noch an Typhus, Octavia besucht ihn im Krankenhaus. Sie meint, ein Licht über Albrecht und über ihrer Liebe zu sehen: „Wo du hingehst, um glücklich zu sein, wird sie dich immer begleiten.“ Albrecht sieht aus dem Fenster in den Regen: „In diesem Regen habe ich Aels das erste Mal gegrüßt. Und jetzt wird sie warten. Und – sterben. (…) Sie sagte einmal zu mir: In der Trennung gehen wir ein. Wie die Blumen ohne Sonne.“

Aels verfasst ein Testament und setzt ihre Tochter als Universalerbin ein. Zum Notar meint sie: „Er ist noch nicht im Zimmer, aber ich glaube, er schleicht schon ums Haus (…) der Freund, (…) Freund Hein.“ Um 18 Uhr erwartet sie wieder Albrecht, der aber noch im Krankenbett liegt und der dort über Octavia sinniert: „Für sie ist unsere Ehe ein Opfergang, ein einziger Opfergang gewesen.“ Sein Arzt, der auch Aels behandelnder Arzt ist, erwidert: „Ja, solche Naturen gibt es, Herr Froben. Und darum braucht auch Aels nicht vergeblich auf Sie und auf Ihren Gruß zu warten. Es steht ein Reiter am Tor. An Aels´ Gartentor, der ihr den Liebesgruß spendet, auf den sie täglich wartet.“ Und tatsächlich, Octavia reitet in Albrechts Kleidung an Aels´ Fenster vorbei und grüßt, Aels erwidert das Winken mit einer Rose in der Hand.

Albrecht, tief beeindruckt von Octavias Barmherzigkeit, meint auf dem Krankenbett „Aels, ich muss dir sehr wehtun, Aels“, und wie telepathisch über Zeit und Raum hinweg verbunden, antwortet Aels: „Ich weiß es ja, Albrecht, ich weiß, ich weiß ja alles, ich bin so traurig, Albrecht. Wenn ich auch am Fenster dein Gesicht sehe, aber du bist so weit weg von mir. Deine Liebe ist so weit weg von mir. Ich fühl´ es gar nicht mehr.“ (…) Albrecht: „Für Octavias Liebe muss alles aus und vergangen sein, verstehst du das? (…) Verzeih mir Aels, dass ich so grausam bin, aber ich muss es dir sagen: Ich liebe Octavia.“ Vor Aels´ innerem Auge verschwindet das Bild Albrechts und ihr Gartentor öffnet sich wie von Geisterhand, dahinter wogt der Ozean, während Aels´ Gesicht leblos erstarrt.

Ihre Asche wird nach ihrem Tod ins Meer gestreut. Die mit Albrecht am Strand entlangreitende Octavia wirft eine Rose in die Wellen: „Wind und Welle waren ihr Temperament. Und Wind und Welle ist sie.“ Die Rose wird von den Wellen umschmeichelt und schließlich aus dem sich verdunkelnden Leinwandbild gespült.


Produktionsgeschichte:

„Opfergang“ ist eine Verfilmung der 46-Seiten-Novelle „Der Opfergang von Rudolf G. Binding aus dem Jahr 1911. Veit Harlan, der „Starregisseur“ des 3. Reiches und wegen diverser propagandistischer Filme heute hochumstritten, verfilmte den nicht für die NS-Propaganda tauglichen Stoff in teuren Agfacolorfarben; es war der dritte von vier Farbfilmen Harlans und einer von nur 13 Agfacolorfilmen, die bis zum Ende des 3. Reiches entstanden. Mit den Dreharbeiten wurde bereits im Sommer 1942 begonnen, zeitgleich mit dem ebenfalls farbigen Harlanfilm „Immensee“. Während dieser aber schon 1943 in den Kinos lief, dauerte es bei „Opfergang“ bis 1944. Premiere hatte er Ende August in Schweden, erfuhr allerdings erst Ende Dezember seinen deutschen Kinostart, da Propagandaminister Goebbels den Film aufgrund seiner Todesromantik und Untergangsstimmung für verfehlt hielt, ihn aber trotzdem mochte und ihn sich immer wieder privat vorführen ließ. Da der Film jedoch mit dem ursprünglich geplanten Ende, das näher an der Bindingnovelle gewesen wäre, die Folgen des Ehebruchs nicht ausreichend bestrafte, setzte Goebbels ein anderes Ende durch: Die für den Ehebruch Verantwortliche Aels, wie die Figur der Joie aus der Novelle im Film heißt, musste sterben. Der Film wurde bereits im Februar 1944 geprüft und dem umgeschriebenen Filmende zum Trotz mit einem Jugendverbot belegt. Er erfuhr seit 1950 mehrere FSK-Prüfungen ab 16 und 2016 für die ungekürzte Veröffentlichung auf BluRay und DVD eine FSK 6. Von den 17 Filmen, die Kristina Söderbaum unter der Regie ihres Ehemannes Harlan drehte, war „Opfergang“ ihr Lieblingsfilm, da sie sich am meisten mit ihm identifizieren konnte. 1994 landete der Film zudem auf Platz 6 der hundert besten Filme aller Zeiten, die 4 Filmwissenschaftler und –journalisten für den Spiegel erstellten.


Filmanalyse:

Symbolismus und Neuromantik, Kunst oder Kitsch?

Rudolf G. Binding schrieb die Novelle „Der Opfergang“ 1911, einer Zeit vieler literarischer Stilrichtungen, die sich häufig innerhalb eines Werkes überschneiden. Bindings Werk ist generell besonders vom Symbolismus und der Neuromantik geprägt, beide Richtungen definieren sich unter anderem durch einen Schönheitskult, dem Binding besonders mit einer Wortpoesie huldigt, sowie der Kunst der Andeutungen, beides zeigt sich unter vielen Beispielen im Text an der Stelle, in der Octavia merkt, dass Joie eine geradezu magische Anziehung auf Mensch und Tier besitzt. Hier gibt es nur Andeutung, es wird nicht aufgeklärt, warum auch die Möwen sich an Joie, bedingt durch ihre geradezu magische Anziehungskraft, heranwagen, ihr aus der Hand fressen und sie zu lieben scheinen, während sie bei Octavia Abstand wahren. Die von ihr empfundene Demütigung wird märchenhaft-poetisch und so gegensätzlich zu ihrer ganz und gar nicht märchenhaften Empfindung formuliert: Ein stummer schwerer Stein fällt in das klare Brünnlein ihres Herzens.

In der Verfilmung stellen sich dem Zuschauer neben einem wesentlich komplexeren Gefüge aus Symbolismus und dramatischen Inhalten auch die Frage nach Kunst und Kitsch. Typisch symbolistisch ist die Inszenierung der beiden Frauen, die auch im modernen Kino des Film noir und Neonoir besonders offensichtlich wird und die David Lynch in den meisten seiner Filme auf die Spitze treibt: Die Zuordnung von Tugend und Laster auf zwei Frauentypen, die für ein Spannungsfeld sorgen, dem der männliche Protagonist ausgesetzt ist. Im Sinne Marquis de Sades sorgt für zusätzliche Spannung, wenn das Laster in der dramatischen Darstellung auf irgend eine Weise belohnt, die Tugend bestraft wird (Negatives Filmende, der Schuldige entkommt, oder der Unschuldige wird verhaftet und angeklagt). Während bei Lynch und im Film noir meist Frauen negativer Charakterisierung zigarettenrauchend, dunkelhaarig, mit schwarz lackierten Fingernägeln und ungebundener oder verbrecherischer Lebensweise auftreten, erscheinen tugendhafte, hilfreiche, gute Frauen meist blond und in helle elegante Farben gekleidet. In „Opfergang“ wirken die beiden Frauen Aels (Kristina Söderbaum) und Octavia (Irene von Meyenforff) auf den ersten Blick gleich in ihrem Äußeren, beide sind blond und elegant gekleidet, nach und nach offenbart sich jedoch eine ausgeklügelte Farbdramaturgie: Die verführerische Aels, die ein Kind aus erster Beziehung hat, ist meist in äußerst „irdischen“ Farben gekleidet. Sie trägt ein flammendrotes Kleid in der Szene, in der sie mit Pfeil und Bogen schießt, wenn sie im Krankenbett liegt, ist ihr Nachthemd und die Bettwäsche zartrosa. Farben der Liebe und der Leidenschaft also. Bildlich werden ihr zudem rote Rosen und Orchideen zugeordnet, Symbole der Liebe. Indem sie beim Derby reiten möchte, macht sie den Männern ihren Rang streitig (Albrecht: „Das ist ja Gott sei Dank noch Männersache“), sie erobert sich Männlichkeit. Octavia hingegen kleidet sich meist in weiße, fliederfarbene oder blaue Kleider, Farben, die in der christlichen Ikonographie der Jungfrau Maria zugeordnet werden. In der Faschingsszene tragen die beiden „Zwillinge“ im schwarzen Zylinder, Maske, Hutschleier und schwarzem Anzug eine weiße Rose, die andere eine rote und verweisen so auf Octavia (anwesend) und Aels (in diesem Moment den in der Inhaltsangabe angeführten Tagebucheintrag schreibend). - - - Der Symbolismus ist eine Kunst, die ihren Reiz aus der Vielzahl komplexer Andeutungen zieht.

Auch die Musik Hans-Otto Borgmanns (viele Harlan-Filme, darunter auch „Hanna Amon“, 1951) versteht sich in der Tradition Spät- bzw. Neuromatischer Musik und erinnert in der Szene der Nietzschelesung stark an Richard Wagner, sonst zumeist an Richard Strauss, insbesondere an „Von den Freuden und Leidenschaften“ aus „Also sprach Zarathustra“ (1896) und nimmt phasenweise Wojciech Kilars Komposition für „Die neun Pforten“ (Roman Polanski, 1999) vorweg. Im Film sorgt sie wie die Bilddramaturgie in ihrem Einsatz für Spannung. Wenn nach der Szene, in der Aels im roten Kleid mit dem Bogen schießt, Aels gleich ein weiteres Mal, diesmal „vom Pferd aus, im Galopp“ und im weißen Badeanzug zweimal auf die Zielscheibe zureitet, schießt und trifft, galoppiert die Musik in bester Hornbläserkonzerttradition mit. In dem Moment, in dem sie ihr Pferd ins Meer lenkt, setzten unheilvolle Chöre ein, die sie geradezu in die Fluten hineintreiben. Der Zuschauer wird so in ein bizarres Wechselbad der Gefühle gesetzt, denn der Bruch der Stimmungen erfolgt abrupt und massiv, er weiß zudem seit kurzem, dass sich Aels schonen muss und sich diesen Lebensstil nach Meinung ihres Arztes nicht leisten darf.

Ungerecht ist es, dem Film „Kitsch“ vorzuhalten. Natürlich endet der Film traurig, das Leiden aller drei Hauptfiguren steht im Vordergrund und Stimmungen werden in Inszenierung (Schauspielerführung, Kameraeinstellungen und Musikeinsatz) überhöht, Kitsch darf aber nicht mit „Rührseligkeit“ verwechselt werden, sondern ist in erster Linie ein Werk, das sich massiv an Vorbildern orientiert und sie wiederholt; und Gefühle nur stimulieren will, aber nicht zum Denken anregt (nach Umberto Eco: Geschichte der Hässlichkeit, 2007). Eine Definition, die auf Schnulze, Horrorfilm wie auch ganz besonders auf einen Regisseur, der vor kurzem einen hochgelobten, aber überbewerteten Western gedreht hat, gleichermaßen zutreffen kann, auf den Film „Opfergang“ jedoch keineswegs, da er sich zu sehr von zeitgenössischen Filmen abhebt, und die Filmkunst in Deutschland auf ein völlig neues, aber nach wie vor seltenes Niveau gehoben hat. Der Film ist ein Autorenfilm und vielleicht typischer Harlanfilm, aber gleichzeitig kann er als Höhepunkt seines Schaffens gewertet werden, etwa so wie der äußerst komplexe und künstlerisch vollendete „Vertigo“ ein typischer Hitchcockfilm ist und gleichzeitig als Höhepunkt dessen Filmschaffens gilt.

Überhaupt sind einige Vorwegnahmen von „Vertigo“ (1958) und Hitchcockfilmen allgemein augenfällig: Bei einer Einstellung, die Aels krank im Bett zeigt, ist die Kameraposition und ein paar Takte lang auch die Musik identisch mit der Szene, in der Scotties (James Stewart) Alptraum beginnt. Auch behandelt „Vertigo“ das Thema Todessehnsucht und stellt seine männliche Hauptfigur zwischen zwei blonde Frauen – mit dem Unterschied, dass die Hauptfigur in „Vertigo“ nicht in beide verliebt ist, sondern beide Frauen in die Hauptfigur. Wie Hitchcock allgemein in seinen Filmen inszeniert Harlan in „Opfergang“ die beiden Hauptdarstellerinnen ausgesprochen modisch-elegant, selbst heute könnte eine Frau auf festlichen Veranstaltungen das tragen, was der Film zeigt. Und zu guter Letzt würde die Szene, in der Octavia Aels verfolgt, in jeden Thriller von Hitchcock passen, so perfekt ist sie hinsichtlich Kameraführung, psychologischem Spannungsaufbau und wiederum der Kleidungsmode inszeniert. Man vermisst beinahe James Stewart in diesem Film!
Die Faschingsszene erinnert nebenbei an einen Höhepunkt des Films „Eyes Wide Shut“ (Stanley Kubrick, 1999).


Dramaturgie der Barmherzigkeit

Der Film nimmt Drehbuchprinzipien, wie sie später Christopher Vogler und Syd Field niedergeschrieben haben vorweg, indem er die die Dreiakttheaterdramaturgie kunstvoll übernimmt. Nach einem Drittel der Filmzeit ist der Zuschauer im Bilde, dass Aels krank ist, aber sich nicht genug schont, sowie dass sich eine Romanze zwischen dem jungverheirateten Albrecht und Aels entwickelt. Nach zwei Dritteln ist nach einer örtlichen Trennung, die etwa ein halbes Jahr gedauert haben dürfte, die Liebe nicht erloschen, sondern erstarkt sogar noch, als sich Albrecht und Aels zum ersten Mal küssen.

Von Beginn an ergänzt der Film sein Thema der großen Liebe und der Größe der Liebe mit den Fragen: Was ist Barmherzigkeit und wie zeigt sie sich? Albrecht schenkt seinem Freund Matthias nach seiner Rückkehr nach mehrjähriger Geschäftsreise eine elfgesichtige Kwannon, die er fälschlich für einen Buddha hält. Matthias klärt ihn darüber auf, dass die Kwannon die Göttin der Barmherzigkeit ist. Nachdem Aels als „Nixe“ in den Film eingeführt wurde, offenbart sie im Gespräch mit ihrem Arzt, dass sie nicht meint, noch lange zu leben, aber den Rest ihres Lebens nicht vegetieren will, sie will es auskosten. Gleichzeitig erzählt sie von einem verletzten Hund, den sie selbst umgebracht hat, aus Barmherzigkeit, wie sie meint, da sie ihm damit ein Leben in Qual erspart hat. Diese Aussage wird dem Film teils vorgeworfen, da er mit ihr Propaganda für Euthanasie im Sinne der NS-Ideologie betreibe. Tatsächlich ist das aber nicht so einfach-einseitig, denn der Arzt erwidert darauf, sie solle lieber barmherzig mit sich selbst sein und sich schonen. Allein in diesem kurzen Dialog erweist sich schon, dass, wenn überhaupt, der Film Euthanasie diskutiert, aber nicht propagiert! Zudem ist die Aussage einer hochgestellten Person wie die eines Arztes in der Entstehungszeit des Films bedeutender zu werten als die einer Frau. Wenn man zusätzlich in Betracht zieht, dass das Filmende sich deswegen von Bindings Novelle unterscheidet, weil Goebbels den Film an die Front schicken wollte und befürchtet hatte, dass die Soldaten aus Angst vor den Taten ihrer Frauen desertierten, wenn sie sähen, dass Ehebruch nichts verwerfliches sei, da die am Ehebruch Schuldige (Aels) nicht bestraft würde. Goebbels setzte nun durch, dass Albrecht überlebt und sich, überzeugt von der Größe Octavias, ihrer Liebe wieder zuwendet. Man versuchte also mit dem neuen Filmende, Aels nachträglich für einen negativen Charakterzug zu bestrafen, der unmittelbar mit ihrer Auffassung von Barmherzigkeit zu tun hat. Es muss betont werden, dass diese Intention speziell für den heutigen Zuschauer, der Aels gar nicht aufgrund etwaiger amoralischen Einstellungen bestraft wissen möchte, ganz ins Leere geht, da über den ganzen Film hinweg alle Figuren durchweg positiv charakterisiert sind.

Die Kwannon wird neben ihrer Eigenschaft, barmherzig zu sein, auch als mütterlich charakterisiert. Dies verweist wiederum auf Aels, die selbst erkrankt, sofort an ihre Tochter denkt, als sie erfährt, dass Typhus (in der Vorlage Cholera) in Dovenfleet, wo ihre Tochter wohnt, ausgebrochen ist. Sie bittet Albrecht ihre Tochter zu retten, nachdem das gelungen ist, diktiert sie ihr Testament und setzt Susanne, ihre kleine Tochter, als Universalerbin ein.

Das Thema „Barmherzigkeit“ erschöpft sich jedoch nicht bereits bei der Einführung der Figuren, und in dem vielleicht zufälligen Verweis auf Mütterlichkeit, sondern wird mit der Filmhandlung weiterentwickelt. So handelt auch Octavia selbstlos-barmherzig, indem sie sich sogar dafür freut, dass die Leidenschaft Albrechts für Aels ihm „eine Kraft und eine Freude und einen Flug“ gibt und ihm nicht eine Szene macht. Der Höhepunkt des Films zeigt, dass Octavia nicht nur Albrecht gegenüber, sondern auch Aels gegenüber barmherzig handelt, indem sie sich in Albrechts Reitkleidung hüllt und an ihrem Fenster zur vereinbarten Zeit vorbeireitet, im ihr neue Kraft, neue Freunde und einen neuen Flug zu schenken. Und auch wenn anders als in der literarischen Vorlage ihr Opfergang aus Barmherzigkeit nicht auch noch an den beiden folgenden Abenden wiederholt wird und er nicht mit der Gesundung Joies/Aels´ endet, schmälert das nicht die Größe ihrer Liebe, ihres Charakters und ihrer Tat.

Bleibt noch die letzte offensichtliche und dafür desto verstecktere Eigenschaft der Kwannon aufzudecken: Ihre Elfgesichtigkeit, die auf ihre Fähigkeit, allsehend zu sein, verweist – damit sind wir auch wieder zurück beim Symbolismus. Denn der rätselhafte Schluss des Films, in dem die Figuren Albrecht und Aels wie telepathisch miteinander kommunizieren, ließe sich auch so erklären, dass die Kwannon eine transzendentale Kommunikation ermöglicht. Natürlich ließe sich das auch viel profaner und einfacher erklären: Eine der beiden Kranken, wahrscheinlich Aels, hat einen Fiebertraum. Symbolismus neigt aber nicht zur einfachsten Erklärung hin, sondern schöpft seinen Gehalt insbesondere aus der Vielfältigkeit der Interpretationsmöglichkeiten des Verweissystems oder Symbols.


Fazit:

Meisterwerk! Ansehen! Ein Neueintritt in meine persönliche Top 10!


Wertung:

10 / 10



Anhang:

Friedrich Nietzsche: Dionysos-Dithyramben. Fettgedruckt sind die Stellen, die im Film zu hören sind.

Die Sonne sinkt.
I.

Nicht lange durstest du noch,
verbranntes Herz!
Verheissung ist in der Luft,
aus unbekannten Mündern bläst mich's an
- die grosse Kühle kommt ...


Meine Sonne stand heiss über mir im Mittage:
seid mir gegrüsst, dass ihr kommt
ihr plötzlichen Winde
ihr kühlen Geister des Nachmittags!


Die Luft geht fremd und rein.
Schielt nicht mit schiefem
Verführerblick
die Nacht mich an?...
Bleib stark, mein tapfres Herz!
Frag nicht: warum? -


2.

Tag meines Lebens!
die Sonne sinkt.
Schon steht die glatte
Fluth vergüldet.
Warm athmet der Fels:
schlief wohl zu Mittag
das Glück auf ihm seinen Mittagsschlaf?
In grünen Lichtern
spielt Glück noch der braune Abgrund herauf.

Tag meines Lebens!
gen Abend gehts!
Schon glüht dein Auge
halbgebrochen,
schon quillt deines Thaus
Thränengeträufel,
schon läuft still über weisse Meere
deiner Liebe Purpur,
deine letzte zögernde Seligkeit...

3.

Heiterkeit, güldene, komm!
du des Todes
heimlichster süssester Vorgenuss!
- Lief ich zu rasch meines Wegs?
Jetzt erst, wo der Fuss müde ward,
holt dein Blick mich noch ein,
holt dein G l ü c k mich noch ein.


Rings nur Welle und Spiel.
Was je schwer war,
sank in blaue Vergessenheit,
müssig steht nun mein Kahn.
Sturm und Fahrt - wie verlernt er das!
Wunsch und Hoffnung ertrank,
glatt liegt Seele und Meer.

Siebente Einsamkeit!
Nie empfand ich
näher mir süsse Sicherheit,
wärmer der Sonne Blick.
- Glüht nicht das Eis meiner Gipfel noch?
Silbern, leicht, ein Fisch
schwimmt nun mein Nachen hinaus...


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 07.12.2016 20:34 
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Marquis De Sade: Justine – Jess Franco

(Deutschland / England / Italien / Liechtenstein / USA 1969)

Buch: Juni 2003 (Erstfassung, Marquis De Sade: Gesammelte Werke, Flensburg 1992)
Film: 2.11.2016; DVD (X.Cess, 1,66:1)
Buch: November 2016 (Zweitfassung, Marquis de Sade: Justine, Hamburg 1968)



Die literarischen Vorlagen:

„Justine“ existiert in 3 Romanfassungen, die 1787 (170 Seiten) , 1791 (450 Seiten) und 1797 (ca. 3000 Seiten) geschrieben wurden. Am verbreitetsten und bekanntesten ist die zweite Fassung. Während sich die Erstfassung noch wie ein amoralischer Abenteuerroman mit wenigen leicht sadoerotischen Momenten liest, wird bereits in der Bearbeitung von 1791 Sex mit teils detaillierten Beschreibungen und eine Philosophie der Amoralität stärker in den Vordergrund gebracht. In der mir unbekannten dritten Version wird beides noch drastischer und ausführlicher geschildert und mit den Erlebnissen Justines Schwester Juliette verschränkt. In den vorherigen Fassungen schlossen sich Justines Erlebnisse in Form eines zweiten Teils oder zweiten Buches an.


Inhalt der Bücher:

Die Schwestern Justine und Juliette verlieren im Alter von 12 und 14 Jahren ihre Eltern, während Juliette es sofort im Bordell zu einer Erfolgskarriere bringt, die sie letztlich in den Adelsstand erhebt und reich macht, folgt Justine dem Weg der Tugend. Dieser Weg führt sie unter anderem zu einem Wucherer, der sie zum Diebstahl aufstacheln will, ins Gefängnis, aus dem sie von Räubern befreit wird, die sie vergewaltigen wollen und zu einem homosexuellen Marquis, der sie zum Mord an seiner Mutter zu überreden versucht und sie, als sie den Plan verrät, auspeitschen bzw. in der zweiten Fassung von seinen Hunden zerfleischen lässt. Danach, mittlerweile 20 Jahre alt, heilt ein Arzt ihre Wunden, der jedoch an einer 12jährigen tödliche Menschenversuche unternehmen will – in der Zweitfassung seine eigene 15jährige Tochter; als Justine ihr zur Flucht verhelfen will, wird sie gebrandmarkt und verprügelt. Bis zu ihrem 26. Lebensjahr fristet Justine ihr Dasein gefangen in einem Kloster, in dem vier Mönche sexuelle Orgien veranstalten, hier verliert sie in der Erstfassung auch ihre Jungfräulichkeit. Nachdem sie entlassen wird – in der Zweitfassung: fliehen kann – lockt sie ein Falschmünzer auf sein Schloss, wo sie mit anderen Frauen Sklavenarbeit verrichten und in der Zweitfassung dem Schlossherrn auch sexuell zu Diensten sein muss. Justine wird zusammen mit den anderen Falschmünzern festgenommen, kann aber den Richter von ihrer Unschuld überzeugen und gerät wiederum an die Dubois, die Anführerin der Räuberbande, die ihr schon vor 10 Jahren zur Flucht aus einem Gefängnis verholfen hat. Sie will Justine benutzen, einen jungen Mann auszurauben, in den sich Justine verliebt, der aber von der Dubois vergiftet wird und stirbt. Justine wandert weiter durch Frankreich, bis sie eine Anstellung als Dienstmädchen findet, dort aber bei einem Hausbrand das Baby der Hausherrin versehentlich tötet, als sie beim Rettungsversuch stolpert. Erneut angeklagt, bittet sie einen der Mönche, die sie mehrere Jahre als Sexsklavin missbrauchten, um Hilfe, der jedoch vergewaltigt sie erneut und hilft ihr nicht aus ihrer misslichen Lage. Als sie hingerichtet werden soll, erkennt die 30jährige Juliette ihre Schwester und da ihr Mann ein einflussreicher Politiker ist, kann sie Justine zu sich nehmen. Juliette will nun ihr Leben ändern und tugendhafter werden, Justine aber wird grundlos immer trauriger, bis sie von einem Blitz erschlagen wird.

In der Zweitfassung gibt es kleinere Ergänzungen: Saint-Florent, ein Kaufmann, taucht dreimal im Verlauf der Handlung auf und wird so zum Hauptgegner Justines. Er entjungfert sie, als er sie auf der Flucht vor den Räubern der Dubois vergewaltigt; bevor sie Jahre später bei den Falschmünzern landet, wird er auf sie aufmerksam und bittet sie, ihm dabei zu helfen, ihm Kinder zu besorgen, die er vergewaltigen und danach über die Rhone nach Südfrankreich in Kinderbordelle verkaufen kann; und vor Justines Begegnung mit Juliette stellt er fest, dass die gefangene Justine mittlerweile so stark geweitet ist, dass er ihre Öffnungen zunähen muss, damit sie ihm noch Lust bereiten kann. Zudem gibt es noch eine Episode, in der Justine an einen Mann gerät, der Frauen via Aderlass schwächt, damit er sich ihnen überlegen fühlen kann, sowie mehr Raum für die Machenschaften der Dubois, die Justine hier zudem noch entführt und einem Geistlichen zuführt, dessen Fetisch es ist, Frauen zu köpfen, und die den Brand legt, bei dem Justine das Unglück mit dem Baby passiert.


Die Philosophie der Romane:

In teils mehrseitigen Einlassungen stellt De Sade dem Leser die philosophischen Ansichten der Verbrecher vor, denen Justine begegnet, dabei muten die Ausführungen teils jedoch wie Fortführungen derer an, die der vorherige Verbrecher zuvor geäußert hat. Im Speziellen sind das:
-sexueller Utilitarismus (Hedonismus): Frauen sind nur nützlich, wenn sie dem Mann Lust bereiten, aber nicht, wenn sie tugendhaft leben.
-politischer und wirtschaftlicher Utilitarismus: Ausrottung aller unnützen Menschen, da sie dem Staat nur Kosten verursachen (siehe Todesstrafenbefürworter in aktuellen politischen, insbesondere rechten Positionen).
-Rechtfertigungsrhetorik: Die Verbrechen der Reichen rechtfertigen die Verbrechen der Armen. Die Reichen sind nur reich, weil sie Verbrecher sind, die Armen können nur überleben oder reich werden, wenn sie Verbrechen begehen.
-„Gut“ und „Böse“ als natürliches Gleichgewicht der Kräfte. Wer Böses tut, stellt nur das natürliche Gleichgewicht wieder her.
-Gott hat den Menschen und den Wurm geschaffen, wenn man einen Menschen tötet, nährt man den Wurm und verändert nur die Form eines Lebewesens. Gleichwertigkeit der Existenzformen.
-Gewissenlosigkeit: Wenn es Gott nicht gibt, gibt es auch keine immateriellen Güter wie das „Gewissen“.
-Naturphilosophie: Weil die Natur den Menschen dazu anregen will, sich zu vermehren, gibt es Liebe, wenn der Mensch sich rächen will, dann weil die Natur als Verantwortliche ihm eingibt zu töten.
-Der Mensch ist des Menschen Wolf, und weil Gott den Menschen so geschaffen hat ist das richtig so.
-Nur der Starke kann den Schwächeren zu etwas verpflichten, der Schwache den Starken aber nicht z. B. zur Dankbarkeit – dadurch versucht der Schwache nur, den Starken schwach zu machen.
-Verbrechen ist Ansichtssache: Im einen Staat gilt eine bestimmte Tat als Verbrechen, im nächsten schon nicht mehr und wird geduldet (vgl. Auslandsgesetzgebungen zu Cannabiskonsum, Schutzaltergrenzen und Geschwindigkeitsübertretungen im Straßenverkehr).

Die Positionen, die De Sade in Form von Äußerungen Justines diesen Hauptthesen entgegenhält, sind ungleich schwächer, kaum philosophisch begründet, sondern religiös:
-Die Schwächung des Starken durch die Gesetze der Tugend führt zu mehr Sicherheit aller Bürger.
-Die Tugend ist das wahre Glück
-Unrecht und Unglück geschieht nur, um dem Tugendhaften im Himmel eine größere Belohnung zukommen zu lassen.
-Ein sündhaftes Leben ist nicht gottgefällig.

Tatsächlich fordert De Sade den Leser dazu auf, selbst Stellung gegen die vielfach vorgetragene Propaganda für das Verbrechen zu beziehen, und sie nicht einfach nur hinzunehmen – damit ist De Sade Philosoph ganz im Geiste der Spätaufklärung. Trotz der bestialischen physischen Grausamkeiten, die Justine über sich ergehen lassen muss und des ebenso grausamen Weltbildes der Verbrecher eignet sich „Justine“ somit auch zur Lektüre für Humanisten, die an De Sade ihre Argumente schärfen können. Der Lebens- und Leidensweg der Justine findet eine Parallele im Alten Testament, im Buch „Hiob“, in dem Gott dem Teufel erlaubt, Hiobs Glaubensfestigkeit zu prüfen, indem dem Teufel gestattet wird, Hiob immer stärker leiden zu lassen. Aufgrund seiner Standfestigkeit erfährt Hiob nach jahrelanger Prüfung die Gnade Gottes. Philosophisch weist „Justine“ den Leser darauf hin, dass in einer atheistisch-aufgeklärten Zeit der Mensch Argumente braucht, um dem Bösen zu widerstehen. Diese Waffen muss er sich jedoch selbst erarbeiten, um nicht dem Bösen zu erliegen.


Inhalt des Films:

Die Schwestern Justine und Juliette verlieren im Jugendalter ihre Eltern; um Geld zu verdienen nimmt Juliette Justine sofort mit in ein Bordell, das diese jedoch aus Scham wieder verlässt. Die 100 Taler, die Justine vererbt wurden, gibt sie leichtgläubig einem Pfarrer zur Aufbewahrung, der sie zu Du Harpin schickt, da Justine eine Unterkunft sucht. Der ist jedoch geizig und versucht Justine zu einem Diebstahl zu überreden, als sie sich weigert, versohlt er ihr den Hintern. Kurz darauf wird die Brosche, die Justine stehlen sollte, bei ihr gefunden und Justine verhaftet. Im Gefängnis lernt Justine die Dubois kennen, die ihr mit vier Räubern zur Flucht verhilft. Obwohl sie Justine die Wahl lässt, vergewaltigt zu werden oder sich ihrer Bande anzuschließen und sich Justine für letzteres entscheidet, wollen die vier sie trotzdem vergewaltigen, doch Justine kann fliehen und findet sich in einem Maleratelier wieder, sie war 5 tagelang bewusstlos. Sie verliebt sich in Raymond, den Maler, doch bald wird ihr Unterschlupf von der Polizei entdeckt, die Justine als Ausbrecherin sucht. Sie kann erneut fliehen und überrascht den homosexuellen Chevalier De Bressac inflagranti. De Bressac schüchtert Justine ein wenig ein und bietet ihr schließlich eine Stellung als Dienerin seiner Gattin in seinem Schloss an. Dort versucht er Justine zum Mord an seiner Gattin zu überreden, Justine willigt zum Schein ein, warnt jedoch die Madame. De Bressac vergiftet seine Gattin selbst und brennt der gefesselten Justine ein „M“ für „Mörderin“ auf die Brust. Nach einem Hinweis einer Hirtin begibt sich Justine zum Kloster De Bois, um dort Trost und Unterkunft zu finden. Dort stellt sie jedoch fest, dass die vier dort lebenden Mönche Frauen gefangen halten, die ihnen für ihre sexuellen Ausschweifungen zur Verfügung stehen müssen. Ihre tatsächlichen Meditationen und Studien gelten nur dem Thema, wie man die Lust steigern kann! Als Justine schließlich barbrüstig aufgehängt und geopfert werden soll, schlägt ein Blitz ein und das Deckengewölbe des Klosters stürzt ein. Justine kann entkommen und findet Raymond wieder; die Dubois wiederum findet Justine und zwingt sie, nackt in einem Theaterstück aufzutreten. Dort wird sie aufgrund ihres Brandmals vom Publikum sofort als Mörderin erkannt und von der Polizei verhaftet. Auf dem Weg zu Hinrichtung erkennt Juliette ihre Schwester und da ihr Mann ein einflussreicher Politiker ist, kann sie Justine zu sich nehmen. Juliette erklärt Justine, wie reich sie mittlerweile geworden ist und Justine überlegt sich, ob nicht sie selbst ihr Leben ändern sollte. Juliette wehrt ab und meint, dass sie trotz ihres Reichtums eine innere Leere verspürt und stattdessen sie sich ändern will. In Zukunft will sie Justine ein glückliches Leben bieten.


Filmanalyse:

Werktreue und Freiheiten

„Justine“ ist der vierte von neun Filmen, die Jess Franco Ende der 60er Jahre für den Produzenten Harry Alan Towers drehte. Wie bei den meisten Towersproduktionen spielt dessen Ehefrau Maria Rohm mit, hier in der Rolle der Juliette. „Justine“ ist zusammen mit „Der Hexentöter von Blackmoor“ mit 1 Million Dollar Produktionskosten der teuerste Film, den Franco gedreht hat.

Francos „Justine“ ist eine weitgehend werkgetreue Verfilmung der ersten Hälfte von De Sades Werk, die jedoch das Ende etwas positiver zeichnet, da Justine im Film nicht vom Blitz getroffen stirbt – allerdings schließt der Film dieses Ende nicht aus, man könnte als Kenner einer Justine-Buchfassung auch annehmen, dass der Film kein Happy-End, sondern ein offenes Ende zeigt, und Justine später doch noch wie im Buch endet. Der Film behält die stilistische Leichtigkeit der ersten Fassung De Sades bei und ist wie diese um philosophische Inhalte reduziert und konzentriert sich dadurch auf die Geschichte selbst. Diese Leichtigkeit erzeugt der Film eher aus Versehen: Die 16jährige Romina Power, deren Darstellung Franco, wie er in Interviews bezeugte, nicht gefiel, konnte sich in ihren Charakter wohl aufgrund jugendlicher Unreife kaum einfühlen und musste sich ständig beherrschen, um bei ihren Szenen nicht in Lachen auszubrechen. Man merkt Power den ganzen Film über ihre Beherrschtheit an, da sie sehr unbeteiligt und unbeeindruckt von einer Situation in die andere gleitet. Genau dies ist es aber auch, was die Romanfassungen bieten: Justine hält 15 Jahre lang – über diese Zeitspanne erstreckt sich die Handlung – an ihrer Tugend fest, entwickelt sich charakterlich überhaupt nicht und glaubt auch von Schurken, die sie mehrere Jahre lang jeden Tag vergewaltigt haben (Antonin, Mönch aus dem Kloster De Bois), dass sie ihre früheren Taten jetzt bereuen und ihr nun helfen würden. Neben dieser Leichtigkeit, mit der Justine in Buch und Film ihr Leid zu verkraften scheint, ist im Film ähnlich der Erstfassung des Romans Sex und Gewalt reduziert und wird zwar gezeigt bzw. benannt, jedoch nicht in der Ausführlichkeit eines Splatterfilms und Pornos, was eine werkgetreue Verfilmung der Zweitfassung und noch mehr der „Nouvelle Justine“ müsste, der Film als Produktion aus dem Jahr 1968 aufgrund gesetzlicher Bestimmungen aber gar nicht konnte. Das Fehlen des Charakters Saint-Florent, der mehrmals wiederkehrende Hauptschurke aus der Zweitfassung, deutet ebenfalls darauf hin, dass die Erstfassung die Hauptquelle Francos und des Drehbuchautors Towers war.

Die an einem halben Tag abgedrehten Szenen mit Klaus Kinski als Marquis De Sade nutzt Franco, um auf die Philosophie des Werkes hinzuweisen und schneidet in den Film immer wieder zurück auf den inhaftierten De Sade, um den Gehalt der Geschichte zu intensivieren. Der Marquis wird dabei als Verzweifelter und Getriebener portraitiert, der ergründen möchte, ob es immer so sein muss, dass die Tugend ein Opfer der Gewalt und des Verbrechens ist, und ob die Grausamkeit in der Natur des Menschen verwurzelt ist. Während er diesen Gedanken nachhängt, erscheinen vor seinen Augen Abbilder von Justine und Juliette, die reglos wie Puppen posieren, schließlich beginnt der eigentliche Film als Fiktion des schreibenden De Sade. Mit Hilfe dieses Kunstgriffs, De Sade selbst den Film erzählen zu lassen, erspart Franco dem Zuschauer Schurken, die ihm bzw. Justine in aller Ausführlichkeit ihre verbrecherischen Grundsätze erklären.


Surrealismus und Avantgarde

Künstlerisch ist Francos Stil in Justine ausgesprochen deutlich und intelligent eingesetzt. Schon zu Beginn, wenn De Sade Justine und Juliette im Gefängnis halluziniert, öffnet sich ganz im Sinne des Surrealistischen Manifests (André Breton, 1924) in einer Traumsituation ein Spalt ins Unbewusste De Sades, den der Zuschauer nachvollziehen soll und kann. Dieser Spalt soll ihm einen Zugang zum erwähnten Grundproblem der Justine-Geschichte ermöglichen: kann man es sich in der materiell-materialistischen Welt leisten, konsequent tugendhaft zu leben? Auch im Laufe des Films gelingt es Franco immer wieder, Stilelemente des Surrealismus einfließen zu lassen: Das Haus Du Harpins ist von einer bizarren Enge, gefilmt aus der Oberperspektive und mit Fischaugenobjektiv, es gibt grelle Ausleuchtungen in den Farben grün, orange und pink mehrerer Bildausschnitte gleichzeitig – eine Bebilderung, unmittelbar und jenseits aller ethischen und ästhetischen Überlegung – und ein grotesk überzeichnetes Spiel Jack Palances als Bruder Antonin. Den Wahnsinn De Sades bebildert Franco mit seiner typischen, in „Justine“ aber sinnvoll wie selten eingesetzten rasend hin- und her zoomenden, fixierenden und sich wieder in der Unschärfe verlierenden Kamera – ein grandioses Mittel, die Perspektive eines haltsuchenden ruhelosen Menschen einzunehmen. Diese Herangehensweise an die Bildinszenierung ist nicht allein surrealistisch, sondern auch zeitgemäß avantgardistisch, indem sie vom Zuschauer fordert, das filmische Geschehen nicht konventionell, sondern mit anderen Augen wahrzunehmen. So beschönigt Franco nicht das Hässliche, sondern zeigt es naturgetreu bis hin ins grotesk-überzeichnete und stellt nicht etwa Schönes hässlich dar, wie Fehlinterpreten der avantgardistischen Kunst und auch Francos oft annehmen..


Kritik der Kritik: Stephen Throwers Buch „Murderous Passions“

2015 ist ein ausgesprochen informatives Buch über Jess Francos Filme bis 1974 erschienen. Der Autor wertet dabei in mühevoller Arbeit alle Fakten zu Francos Filmen aus, deren er habhaft werden konnte und bespricht die Filme in ausführlichen Reviews. Eben jene zu „Justine“ halte ich für ausgesprochen unfair. So missdeutet er De Sades „Justine“ als ironisch (lediglich der Stil ist leichtfüßig, jedoch nicht ironisch! – und beklagt sich, dass Francos Film nicht ironisch, sondern zu heiter ist. Er kritisiert, dass nach Justines Flucht von den Räubern eigentlich die Rodin-Episode gezeigt werden müsste, also der pädophile Arzt, der seine Tochter für tödliche Experimente missbrauchen will und meint in mehreren Seitenhieben, dass der nicht im Buch auftauchende Maler Raymond eigentlich ein Pädophiler sein müsste. Das ist eine wissenschaftlich unzulässige Vermengung zweier Werke, bei denen das eine lediglich auf dem anderen basiert! Und dass ein Film nie exakt ein literarisches Werk abbilden, sondern es in filmische Bilder und Dramaturgie übersetzen sollte und damit Änderungen und Auslassungen fast immer nötig sind, sollte jedem, der sich mit Film wissenschaftlich oder kritisch befasst, klar sein. Ärgerlich ist zudem die Missdeutung De Sades hinsichtlich sexueller Orientierungen in seinem Werk. Thrower meint, dadurch, dass De Sade Sex und sexuelle Gewalt sowohl von Männern als auch von Frauen ausgehen lässt, sowohl Männer als auch Frauen sexuelle Gewalt erfahren lässt, sowohl homosexuellen Sex als auch heterosexuellen Sex und sexuelle Gewalt schildert, De Sade Heterosexualität und Homosexualität moralisch als gleichwertig achtet. Tatsächlich aber bezeichnet De Sade in der Bressac-Episode der Erstfassung der „Justine“ Homosexualität mehrmals als „abscheuliche Ausschweifung“ und reiht sie damit in die zahlreichen Verbrechen ein, die er schildert. Berücksichtigen muss man natürlich, dass die Geschichte aus der Sicht Justines erzählt wird und Homosexualität damit in erster Linie für Justine eine abscheuliche Ausschweifung darstellt; dass Thrower aber etwas von einer Gleichwertigkeit faselt und sich dann bezüglich der Darstellung dieser Szenie in Francos Film beschwert, dass auch sie wieder nicht werkgetreu sei und Justines Charakter ins Gegenteil verkehrt wird, weil sie amüsiert reagiert, als sie Bressac inflagranti beobachtet, halte ich für maßlos überzogen. Es passt zu ihrem Charakter und es passt zu einer sexuell unreifen 16jährigen, in einer solchen Situation amüsiert zu reagieren!


Fazit:

Vorläufig mein Favorit unter meinen 33 bisher gesichteten Filmen Jess Francos. Weitgehend werkgetreu und intelligent in kunstvoll gestaltete Bilder übersetzt.


Wertung:

9 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 08.12.2016 21:18 
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Justine – Lustschreie hinter Klostermauern – Claude Pierson

(Frankreich / Italien / Kanada 1972)

7.12.2016; DVD (X-NK, 1,85:1)



Hinweis:

Zu Marquis De Sades „Justine“ finden sich im vorigen Eintrag meines Filmtagebuches oder im Thread zu folgendem Film mehr Informationen:

http://dirtypictures.phpbb8.de/sonstiges-aus-europa-f34/marquis-sade-justine-jess-franco-t9528.html

Der Inhalt des Films entspricht weitgehend der zweiten Fassung der „Justine“, daher siehe ebenfalls dort.


Filmanalyse:

Triste Werktreue

Drei Jahre nach Jess Francos „Marquis De Sade: Justine“ folgte unter der Regie Claude Piersons bereits die nächste Verfilmung. Die Hauptrolle spielte Alice Arno, die in den folgenden Jahren unter der Regie Francos in mindestens 12 Filmen mitwirkte.

Im Gegensatz zu Jess Francos Adaption verfilmte man diesmal man die Zweitfassung, und zwar weitgehend komplett. Bei knapp 105 Minuten Laufzeit führt das jedoch dazu, dass die meisten der Episoden viel zu schnell abgehakt werden und das typische Problem werkgetreuer Verfilmungen offenbaren, indem der Film gerade zu Beginn an ein mit Bildern unterlegtes Hörbuch erinnert. Angesichts der episodenhaften Handlung der Romanfassungen würde sich eine Miniserie meines Erachtens am Besten für eine werkgetreue Verfilmung eignen…

Dass es sich bei „Justine – Lustschreie hinter Klostermauern“ um eine Verfilmung der Zweitfassung des De Sadschen Werkes handelt, zeigt sich in erster Linie durch viele wörtliche Übernahmen aus dem Buch, aber auch daraus, dass Saint-Florent auftaucht und Justine Juliette gegenüber erst das Pseudonym „Therese“ wählt, in der Erstfassung noch „Sophie“.

Dem Kameramann Jean-Jacques Tarbès („Der Swimmingpool“ mit Alain Delon und Romy Schneider) gelingen zwar authentische Bilder und das Dekor überzeugt, allerdings kann bedingt durch die zu zügige Erzählweise, aber auch durch die oft zu distanzierte Kameraarbeit – in der Regel Totalen und Halbtotalen – sich der Zuschauer kaum auf den Film einlassen. Das extrem emotionslose Schauspiel Alice Arnos verstärkt das leider nur. Obwohl ja bereits Romina Power in Jess Francos Film sehr unbeeindruckt spielte, wurde sie anscheinend in entscheidenden Szenen gut vom Regisseur geführt; als Zuschauer kann man ihre Emotionen nachvollziehen, w e n n sie spielt. Arno hingegen spielt selbst die Wiedererkennungsszene am Ende, wenn Juliette sie fragt, ob sie ihre Schwester Justine sei, völlig kalt, ein leichtes unsicheres Lächeln, das wars. Kurz darauf bittet Juliette sie, das Fenster zu schließen, Justine kommt der Bitte nach, es blitzt, Justine fällt um, Film aus – ein kleines Beispiel dafür, dass nicht nur das Spiel Arnos emotionslos ist.

Was die Darstellung von Sex angeht, ist Piersons Film wesentlich detaillierter als der Francos, allerdings noch nicht im Grenzbereich zur Pornographie. Trotzdem ist bereits zu Beginn zu sehen, wie Sperma auf Justines Gesicht spritzt, und speziell bei den impotenten Gegnern Justines wird immer wieder gezeigt, wie diverse Frauen eifrig aber vergeblich versuchen müssen, den Mann zu erregen. In der Falschmünzerepisode sehen wir zudem das Beispiel eines Erstickungsspiels (siehe David Carradines Ableben 2009), mit dem sich der impotente Falschmünzer Roland Delville zu stimulieren sucht. Für 1972 alles in allem sehr gewagt und grenzwertig, aber trotzdem ohne besondere dramatische Qualitäten filmisch aufbereitet.


Typologie des Horrors

An einer Stelle zeigt der Film jedoch tatsächlich etwas Interessantes: Nach ihrer Flucht aus dem Kloster De Bois landet Justine beim Grafen de Gernande. Der 50jährige Graf wird in dem Roman folgendermaßen beschrieben: „…fast zwei Meter lang und von ungeheuerlicher Beleibtheit. Nichts ist so erschreckend wie sein Gesicht, die Länge seiner Nase, die buschige Schwärze seiner Augenbrauen, seine dunklen, bösen Augen, sein großer, häßlicher Mund, seine finstere kahle Stirn, der Klang seiner furchterregenden und rauhen Stimme und seine riesigen Arme und Hände; alles zusammen machte ihn zu einem riesenhaften Wesen, dessen Zugänglichkeit weit mehr Furcht als Vertrauen einflößt.“ Der Film ändert die Gestalt des bisexuellen Grafen, der Frauen via Aderlass schwächt, indem er passenderweise den Grafen als einen Bela-Lugosi-Dracula zeigt: Mit der entsprechenden Perücke wirkt der bleich geschminkte Darsteller Christian Devreuse ausgesprochen vampirhaft!

Die folgende Episode ist die, die Justine zu dem 35jährigen Roland, dem Falschmünzer verschlägt. Hier wieder die Beschreibung aus dem Buch: „ein kleiner, fülliger Mann (…) unvorstellbar stark, behaart wie ein Bär, mit düsteren Zügen und wild dreinblickenden Augen, sehr dunkelhäutig, männlich, mit einer langen Nase, einem bis zu den Augen reichenden Bart und dunklen, dichten Augenbrauen (…)“. Hier erinnert die Beschreibung zwar im Buch etwas mehr, im Film jedoch auch in Grundzügen – an einen Werwolf. So ist diese Justine-Verfilmung zumindest die, die eine Typologie des Horrorfilms erstmals und absichtsvoll zeigt, denn natürlich werden „Vampir“ und „Werwolf“ noch ergänzt durch den verrückten Arzt (Rodin) und satanistische Mönche (Bruder Antonin und Mitbrüder); den Frauenköpfer lässt sie weg.

Sigmund Freud erklärt das Unheimliche damit, dass es die Wiederkehr des Verdrängten darstellt, Vergessenes wieder ans Licht kommt. Dieses Verdrängte und Vergessene führt er auf Sexualängste zurück, besonders auf die Katrationsangst, abgehauene Glieder, abgehauene Köpfe oder Füße. De Sade unterbricht eine Seite vor der Beschreibung des „Werwolfs“ Roland die Handlung und lässt de Corville, den Mann Juliettes zu Justine sprechen: „(…) ja, diese Einzelheiten verlangen wir von Ihnen (…). Es ist unvorstellbar, wie nützlich derlei Beschreibungen für unsere seelische Entwicklung sind; vielleicht sind wir nur deshalb so unwissend auf diesem Gebiet, weil die Berichterstatter törichterweise soviel Zurückhaltung üben. Von absurden Ängsten zurückgehalten, schreiben sie nur über die Kindereien, die jeder Dummkopf schon kennt, und wagen es nicht, kühner in die Herzensangelegenheiten einzudringen und die gewaltigen Verirrungen zu läutern.“ Eine interessante Vorwegnahme der Psychoanalyse, die Piersons Film in Grundzügen bewusst wiedergibt – oder hat Freud De Sade gelesen?


Fazit:

Sehr werkgetreue Verfilmung der „Justine“, realistisch in authentische, allerdings meist langweilige Bilder umgesetzt und an einer sehr untalentierten Hauptdarstellerin leidend.


Wertung:

5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 13.01.2017 16:52 
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Dirty Love – Joe D´Amato

6.1.2017 (Zweitsichtung; Erstsichtung irgendwann Ende der 90er, TV)
Kino (Kommkino; DF; 35mm; 1,66:1)



Inhalt:

Terry Jones macht sich auf in die große Stadt, um dort ihre Fähigkeiten als Tänzerin zu verbessern. Obwohl ihr Freund sie anfleht, ihn nicht zu betrügen, wehrt sie sich nur auf der Fahrt in die Stadt als Anhalterin gegen die verführerische Männermacht: Nachdem sie nachts auf dunkler Straße beinahe von zwei Männern vergewaltigt und von Robert gerettet wird, der sie beruhigt: „Die wollten nur ein bisschen Spaß“, zeigt sie sich zwar zuerst noch spröde und auch Robert meint, dass er nicht mit ihr schlafen wolle, schließlich würde er sich dann in sie verlieben und das könne er im Moment gar nicht brauchen, doch dann trifft sie ihn zufällig auf der Bowlingbahn wieder und beginnt nun doch eine Beziehung mit ihm, wodurch sie nach und nach in den Dschungel der Prostitution gerät. Gleichzeitig freundet sie sich mit einem schwarzen Tänzer an, mit dem sie vorzugsweise im Hausflur zu Musik aus dem Kassettenrekorder tanzt und der ihr, weil das so super ist, zum Dank sein Fahrrad schenkt, lernt ihre Mitbewohnerin näher kennen, die „ganz verträglich“ ist, sich aber bald auch prostituiert; von Terry darauf und auf ihren Amphetaminkonsum hingewiesen keilt sie zurück: „Im Gegensatz zu dir werde ich wenigstens bezahlt!“, Terry findet ihre gemeinsame Wohnung daraufhin als zu klein für sie beide. Während sie Tanzstunden bei Roseannes Zwillingsschwester nimmt, deren lesbischen Avancen sie sich erwehrt, wird sie von Robert in Erpressungsversuche gegen Politiker verwickelt, der sexuelle Missbrauch, der damit verbunden ist, hat Terry aber nach Roberts Meinung sicher gefallen, womit ein Bogen zum Bowlingbahnschmier zu Beginn des Films geschlossen wird, wo sie von einem Unbekannten Hilfestellung erhält, der sie aber aus der Hilfestellung heraus am Po begrapscht und mit Terrys schmerzhafter Verteidigung zurechtkommen muss: Sie wirft die Bowlingkugel nicht auf die Bahn, sondern gegen sein Gemächt. Nun aber hat sich Terry weiterentwickelt, und als Robert meint, dass sexueller Missbrauch ja gar nicht so schlimm ist, wehrt sie sich nicht mehr, sondern schläft weiter mit ihm. Irgendwann, ohne dass sich aber etwas geändert hätte, hat sie dann doch genug und wendet sich an ihre Mutter mit der Bitte um Geld, um von Robert nicht erpresst werden zu können, gewinnt beim Vortanzen und könnte nun eine Karriere als Tänzerin starten, will das dann aber doch nicht und gibt dem freundlichen schwarzen Tänzer das Fahrrad zurück. Gemeinsam tanzen sie ein letztes Mal vor der Villa Kunterbunt.


Review:

Wie aus der Inhaltsangabe hervorgeht, Schmier over-the-Top und als solcher unbedingt sehenswert, stößt der Film wie meistens bei D´Amatos in den späten 80ern gedrehten Erotikdramen mit zu sprunghafter Erzählweise und unmotivierten Charakteränderungen vor den Kopf bzw. ab. Wie ein Jahr später bei „Blue Angel Cafe“ (1989) erzählt der Regisseur ein melodramatisches Charakterdrama, ohne die Figuren nachvollziehbar zu zeichnen, stattdessen handeln sie stets realitätsfern, angepasst an ein schlechtgeschriebenes, aber überaus dominantes Drehbuch. Entschädigt wird mancher Zuschauer jedoch von überaus bizarren Szenen, z. B. wenn sie zu Beginn mit dem schwarzen Tänzer im Flur tanzt und ein Hoteldiener im Hintergrund mit Tablett und einem Eisbecher begeistert mittanzt und der kurz darauffolgenden Dankesgeste mit dem Fahrrad als Geschenk. Was die Kameraführung angeht (D´Amato höchstpersönlich) ist sie ähnlich typisch wie das Drehbuch: Elegante stimmungsvolle Bilder wechseln sich mit Sleaze und extremen Unterperspektiven zwischen die Beine z. B. der Tänzerinnen ab, seit den Anfangsjahren in D´Amatos Filmschaffen also nichts Neues, aber auch nichts, das man ihm zum Nachteil auslegen müsste… Und Valentine Demy sieht in „Dirty Love“ noch wirklich schnucklig aus, bevor sie nur 2 Jahre später („Valentine – Ihr letzter Einsatz“, 1990), für mich nur durch starken Drogenmissbrauch erklärlich, um Jahrzehnte gealtert wirkte.

Der Film wurde auf dem 16. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt und wurde vom Publikum überwiegend positiv aufgenommen.


Fazit:

Bizarrer Spaß, Sleaze und Schmier, der vom Herzen kommt, wechseln sich mit über weite Strecken drehbuchbedingter großer Langeweile ab.

Wertung:

4,5 / 10


Zuletzt geändert von Pacific Nil am 23.02.2017 16:38, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 13.01.2017 17:42 
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Der Liebe auf der Spur – Mietek Lewandowski

(Deutschland 1988)

6.1.2017 (4 Episoden) und 8.1.2017 (4 Episoden); Kino (Kommkino Nürnberg; OV; 16mm; 1,33:1)



Review:

„Der Liebe auf der Spur“ ist eine Miniserie, die aus 8 halbstündigen Episoden besteht und sich als Ganzes gesehen in 3 Teile gliedert: die ersten 3 Folgen beschäftigen sich insbesondere um die Gefühle, den Beziehungsaufbau und die erwachende Sexualität von jüngeren Jugendlichen um 12-15, die Episoden 4 – 7 um die Beziehungsgestaltung und Sexualität älterer Jugendlicher und die letzte Episode um die Gefahr durch AIDS. Die Serie wurde und wird anscheinend auch heute noch im Sexualkundeunterricht und im Religionsunterricht eingesetzt, ist aber ab 1988 auch in diversen dritten Programmen im Fernsehen gelaufen.

Die Serie ist bedauerlicherweise von einem deutlich wahrnehmbaren Qualitätsabfall geprägt: Die ersten 3 Episoden sind noch geradezu meisterlich inszeniert, indem sie sowohl die Jugendlichen und ihre Sexualität weder mit erhobenem Zeigefinger, noch mit allzu gutmeinender Pädagogik darstellen, die Geschichte stets interessant erzählen und man so mit den Protagonisten mitfiebert und sogar eine ganze Palette von Andeutungen und Symbolismen aufgefahren wird, wodurch die uneindeutige sexuelle Verwirrung von Jugendlichen eine außerordentlich passende Visualisierung erhält. Die 4 daran anschließenden Episoden schildern die Sexualität älterer Jugendlicher ähnlich realistisch und einfühlsam, jedoch nun ohne die reizvolle Mehrdeutigkeit, die den Anfang der Serie auszeichnete. Auch das Scheitern von Beziehungen, das teilweise in sehr triste Bilder getaucht wird, lässt die beschwingte Begeisterung der ersten Folgen nicht mehr aufkommen. Die abschließende AIDS-Folge, die nun nicht mehr nur vom Familienministerium, sondern auch vom Gesundheitsministerium gefördert wurde und auch über einen neuen Vorspann verfügt, sinkt nun qualitativ gewaltig ab, indem die Jugendlichen viel zu erwachsen um die richtige Vorgehensweise in der AIDS-Problematik diskutieren, vergleichbar mit den „Expertenrunden“ in diversen „Report“-Filmen. Dass auch die letzte Folge zwar mit einem Happy-End aufwartet, stilistisch aber Tristesse im Extrem bietet, unterstreicht den nun doch zum Vorschein kommenden pädagogischen erhobenen Zeigefinger.

Aufgepeppt wird die Serie von diversen Songs im Nena-Stil der 80er Jahre, deren Sängerin leider nicht ermittelbar ist; sie wird jedoch von Claudia Balko dargestellt. Die Darsteller, darunter auch Sebastian Koch und einige andere professionelle, aber eher unbekannte Schauspieler aus Film und Fernsehen liefern Glaubhaftigkeit und das Drehbuch auch Mut zu häufig gezeigter nackter Haut. Insgesamt und speziell wegen der ersten 3 Episoden eine unbedingte Empfehlung!

Die Serie wurde auf dem 16. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt, die ersten 4 Episoden wurden mit Begeisterung, die letzten 4 Episoden eher verhalten aufgenommen.


Fazit:

Überraschend ehrliche und künstlerisch vor allem in den ersten Folgen gelungene Serie um die Sexualität Jugendlicher.

Wertung:

Episode 1 – 3: 10 / 10
Episode 4 – 7: 7 / 10
Episode 8: 4 / 10

Ergibt, da aufgrund der meisterlich inszenierten ersten Folgen die Gesamtwertung „knapp am Meisterwerk vorbei“:

9 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 13.01.2017 18:52 
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Heubodengeflüster – Rolf Olsen

(Deutschland 1967)

6.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; OV; 35mm; 1,66:1)



Inhalt:

Drei Kommunalpolitiker in Oberbayern im Machtkampf ums Amt wollen den „Wählern wieder alles versprechen und nichts davon einhalten“. Kein Wunder, dass bei den vielen politischen und amourösen Verwicklungen sich der ein oder andere Beteiligte wie auf einem „Geflügelkongress“, ja sogar auf einem „Kongress für die Aufgabe des Hahnes für die europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ fühlt. Doch „Kongress hin, Kongress her“, als der Automechaniker Andreas seiner Jugendliebe Hannerl begegnet, denkt er sich sofort: „Sapperdifix, is´ des ein süßer Fratz g´worden“. Da platzt so mancher Reisverschluss, den man dann noch weiter aufmachen möchte; und auch wenn die dafür verantwortliche Dame davonläuft lässt sich die bayerische Landbevölkerung kaum beirren: Ich glaub, die fliegt auf mich!“. Nicht nur Andreas und Hannerl sehen bald: „willst du, oder willst du nicht, das ist hier die Frage“.


Review:

Rolf Olsen („Blutiger Freitag“, 1972; „Unsere Tante ist das Letzte“, 1973) inszenierte „Heubodengeflüster“ mit sich selbst in der „Großer Macher“-Rolle eines der konkurrierenden Politiker und ist vor allem aufgrund seiner Darstellungsweise neben einigen netten Kalauern, die der Film bietet, der einzige Lichtblick. Obwohl der Film durchaus Tempo besitzt und teils mit ausgefallenen Kameraperspektiven überrascht, nervt er doch mit seiner pausenlosen Darstellung grenzenloser Debilität nach einer Weile gewaltig. Immerhin besitzt der Film eine gewisse Selbstironie und weiß zu jeder Sekunde, was er tut: „Alle Gerüchte, nach denen dieser Film preisgekrönt sein soll, weisen wir empört zurück“, heißt es auf einer Tafel zu Beginn des Films.

Der Film wurde auf dem 16. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos als „Stählerner Überraschungsfilm“ gezeigt und teils positiv, teils negativ vom Publikum aufgenommen.


Fazit:

„Beim Kongress ist die Hühnerpest ausgebrochen“

Wertung:

3 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 13.01.2017 19:30 
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Delizia – Joe D´Amato

(Italien 1986)

6.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; OmeU; digitalisierter VHS-Beam; 1,33:1)



Inhalt:

Delight ist ein Erotikmagazinstar in den USA und besucht ihre Verwandten in der italienischen Provinz. Claudio, begeisterter Erotikmagazinkonsument, freut sich besonders, als er entdeckt, wer seine Cousine tatsächlich ist. Bei den Versuchen ihr näherzukommen fällt es ihm schwer, die Countenance zu wahren, besonders, wenn er beobachtet, wie Delight ein Ei aussaugt, oder wenn er ihr hinterherfährt, während sie sich im Rahmen eines Shootings bei voller Fahrt entkleidet, ihr dabei der Wind durch die Haare und über die perfekt geformten Silikonbrüste weht. Da kriegt man schon mal den in die Luft geworfenen BH direkt auf die lustvoll geöffneten Augen…


Review:

„Delizia“ ist am ehesten vergleichbar mit einem Tinto-Brass-Film aus der Spätphase, die ich mit „Miranda“ (1985) beginnen lassen würde, da er Voyeurismus und voyeuristische Andeutungen in den Vordergrund stellt. Sonst gibt es, wie meistens bei D´Amato, eine schwer nachvollziehbare Figurenzeichnung und ein mäßiges Drehbuch, allerdings auch einige schöne Aufnahmen der italienischen Provinz. Und überraschenderweise besitzt Tiní Cansino, die Darstellerin der „Delight“ trotz ihres nach meinem Geschmack völlig kaputtschönheitsoperierten Körpers einen gewissen Charme und schauspielerisches Ausdrucksvermögen.

Der Film wurde auf dem 16. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt und vom Publikum weitgehend positiv aufgenommen.


Fazit:

Viel zu selten amüsante Erotikkomödie, aber wenn amüsant, dann immerhin wirklich amüsant.

Wertung:

3,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 16.01.2017 16:55 
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Verbotene Spiele auf der Schulbank – Jürgen Enz

(Deutschland 1980)

7.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; OV; 35mm; 1,66:1)



Inhalt:

Nora Engels, eine junge Frau aus schwierigen Familienverhältnissen, wechselt das Gymnasium – ihre neue Schule besteht jedoch anscheinend nur aus 2 Klassen und und sehr wenig Lehrpersonal. Bei einem eigentlich für ihren Lehrer gedachten Streich wird sie von einem Eimer Wasser übergossen, der auf der Tür plaziert wurde. Zum Abtrocknen bittet sie der sie gierig anstarrende Lehrer sofort ins Lehrerzimmer, wo dieser über die willige Nora herfällt. Eine Affäre entwickelt sich zwischen den Beiden, und auch beim anfänglich wortlosen gemeinsamen Kaffeetrinken gibt es sogleich wieder Sex. Doch bald dringen Gerüchte an des gestrengen Direktors Ohr, der den Lehrer ermahnt, was dieser wiederum als „Einmischung in seine private Atmosphäre“ betrachtet. Doch nicht nur die Lehrer sind hinter Nora her, auch ihre Mitschüler greifen zum Äußersten ihrer Verführungskunst: „Wenn ich zuschlage, dann richtig!“ meint Schüler Ulf über sein Talent und wendet sich sogleich an Nora: „Wie wär´s denn mit uns beiden, Schätzchen?“ Nun tischt der Film dem Zuschauer eine seiner größten Überraschungen auf: Nicht nur die Lehrer ficken mit den Schülern und die Schüler miteinander, sondern auch die Lehrer die einzige Lehrerin! Bei Entdeckung inflagranti im Lehrerzimmer äußert der Direktor resigniert: „In dieser Situation kann Ihnen selbst Freud nicht mehr helfen!“ Elke, die Nora nicht leiden kann und ihr es mal so richtig zeigen will, veranstaltet bei sich zu Hause eine Orgie, schließlich hat sie ja ausnahmsweise mal sturmfrei. Dort freut sich auch Ulf, dass er Nora doch noch ficken darf, nachdem seine Versuche, Nora in der Klasse anzubaggern, kläglich scheiterten. Beim wenige Tage später stattfindenden Schulausflug bittet Elke Nora, es zu vergessen und nimmt sie nun beim wandern an der Hand. Doch diese zärtlichen Gesten weiß der Film noch zu steigern, als die Klasse am See rast macht und der Filmzuschauer zum tristen Rudelbums geladen wird…


Review:

Die Pornofassung „Highschool Girls“ des auch in einer Softcorefassung gedrehten „Verbotene Spiele auf der Schulbank“ glänzt trotz einiger Szenen, die es nahelegen, dass die softe Fassung die eigentlich Beabsichtigte ist, mit einem Potpourri bekannter Enzianismen. So treffen Akteure, die es an keiner Stelle des Films zu verheimlichen suchen, wie anstrengend es war, die Drehbuchtexte auswendig zu lernen auf unendliche Melodien, die selbst bei Szenenwechseln unverändert weiterdudeln, tristeste Kleinbürgerwohnzimmer auf ebensolche Lehrerzimmer und Privatpools mit Abdeckvorrichtungen, die ins Bild ragen. Und eingetrübter Humor der Marke: „Nehmen Sie reichlich, es kostet ja nichts!“, während der Lehrer abspritzt, trifft auf Weisheiten wie: „Wenn man nicht raucht, stirbt man gesünder“.

Die Schulausflugsszene muss man gesehen haben, besonders in der Pornofassung, denn hier trifft Enz mit seiner Bildeinteilung im Stil auf Romero und Leone, das Setting auf Terrence Malick und die Musik auf Martin Böttcher und Morricone.

Der Film wurde auf dem 16. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt und vom vorbereiteten Publikum positiv aufgenommen.


Fazit:

Meisterlich inszenierter Sex, der an den Untergang der Titanic und gleichzeitig an den Eisberg erinnert.

Wertung:

8 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 16.01.2017 18:08 
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Syrtaki – Erotik ohne Maske – Giorgos Papakostas

(Griechenland 1966)

7.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; DF; 35mm; 1,85:1)



Inhalt:

Maro wohnt in einem kleinen griechischen Dorf und lenkt den begehrlichen Blick der Männer besonders beim Tanz auf sich. Doch nicht lange bleibt es nur bei Blicken wenn selbst ihr Schwager sie sich mit Gewalt nimmt. Als sie verschleppt wird, rettet sie ein Arzt und sie erfährt erstmals, was es heißt, wirklich geliebt zu werden. Ihren Eltern macht sie nun klar, dass sie sich gebessert hat und bald heiraten werde, doch der nächste Schicksalsschlag lässt nicht lange auf sich warten: Alexis, der Arzt, ist schon verheiratet und treibt nur ein schäbiges Spiel mit der armen Maro. Bei einer Autofahrt mit ihm, während der Alexis seinen wahren Charakter enthüllt, beschleunigt Maro den Wagen so stark, dass er aus der Fahrbahn schießt und beide tödlich verunglücken.


Review:

„Syrtaki“ ist ein Drama zwischen Sittenfilm und Roughie, wie er auch in anderen Ländern wie Deutschland oder USA existiert, jedoch mit typischer griechischer Atmosphäre, was insbesondere der mediterranen Landschaft und dem Pseudovolkstanz „Syrtaki“, der erst 2 Jahre zuvor für den Film „Alexis Sorbas“ erfunden wurde, geschuldet ist. Wie meistens bei Sittenfilmen wird der sympathischen weiblichen Hauptfigur auch hier eine Mitschuld an ihrem Schicksal gegeben, da sie schließlich nicht stets den von katholischen oder zumindest fundamentalchristlichen Traditionen geprägten Lebensweg beschritten hatte, sondern sich von der Leidenschaft mitreißen hat lassen. Das Motiv der Leidenschaft führt zum Titelgebenden Syrtaki hin; mehrmals kulminiert die Filmmusik nicht nur zu Tanzszenen in rauschhafter Tanzmusik – auch zum Höhepunkt, wenn Maro, der „Nachtfalter der Liebe“, aufs Gas drückt und damit ihren Todestanz einleitet. Gestreng der damaligen Auffassung von Sittlichkeit und Ordnung kommentiert die Witwe des nun verunglückten Arztes Alexis, der mit ihr und Maro sein Doppelspiel getrieben hatte, Maros Eltern gegenüber das Schicksal der beiden: „Sie waren schon tot, bevor sie gestorben sind!“ – Moral und Anstand sind wieder hergestellt. Diese natürlich ärgerliche Aussage des Films wie auch anderer Sittenfilme muss man im historischen Zusammenhang sehen, konnte natürlich nur dann dem Zuschauer Nacktheit, Sex und Gewalt präsentiert werden, wenn man sie gleichzeitig moralisch verurteilte.

Der Film wurde auf dem 16. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt und wurde vom Publikum als einer der Höhepunkte des Festivals aufgenommen.


Fazit:

Mitreißendes Drama um Liebe, Tanz und Tod mit ärgerlicher, nur aus dem historischen Kontext nachvollziehbarer moralisierender Aussage.

Wertung:

7,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 16.01.2017 18:47 
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Lustvoll eine Schlange streicheln – Hiroshi Mukai

(Japan 1968)

7.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; DF; 35mm; 2,35:1)



Inhalt:

Eine Jugendliche aus armen Verhältnissen erkennt ihre Wirkung auf Männer und beschließt, ihren Körper zu verkaufen. Mit ihrer Mutter, die sich darüber empört gerät sie in Streit verlässt ihre armselige Behausung und beginnt eine erfolgreiche Bordellkarriere, wird reich und einflussreich. Trotzdem leidet sie an ihrem eigenen Schicksal: „Du bist ein Ungeheuer geworden!“, meint nach Jahren des Erfolgs ein Freund von ihr, und so eilt ihr verderbtes Leben einem tödlichen Ende entgegen.


Review:

Das von Hiroshi Mukai („Unersättliche Triebe“, 1966) inszenierte Erotikdrama zwischen Biographie-, Sittenfilm und Roughie verurteilt seine Protagonistin erfreulicherweise weniger stark wie es in zeitgenössischen Sittenfilmen üblich war und spielt teils geschickt mit Kampfbegriffen seiner Zeit: „Mein Körper gehört mir!“ ruft sie im Streit mit ihrer Mutter, dabei geht es allerdings nicht um Abtreibung, sondern um Prostitution. Davon abgesehen beeindruckt „Lustvoll eine Schlange streicheln“ mit unglaublich stilvollen Bildern, gerade der Beginn, wo ein Kampf am Strand in kontrastreichem Schwarz-Weiß zu ekstatischen Klängen, die den Zuschauer geradezu in Trance versetzen, gezeigt wird, begeistert schon. Kontrastierend wie das Schwarz-Weiß folgt eine völlig stille Titelsequenz, erneut folgt ein Kontrast, indem die zu Beginn stilvolle Bilder zeigende Kamera nun erschütternde Barackenpanoramen zeigt. Wenn der Film mit der Schlussszene zu seinem Anfang zurückkehrt und den Kampf am Strand zu Ende erzählt, geschieht dies nun ohne Musik, aber mit donnerndem Meeresrauschen – und das Messer, das nun geschwungen wird, ist wie in einem Giallo der besten Sorte in Szene gesetzt…

Der Film lief auf dem 16. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos und wurde vom Publikum weitgehend positiv aufgenommen.


Fazit:

Ein Rausch aus wundervollen Bildern und Klängen mit einer im Mittelteil leider wenig fesselnden Handlung.

Wertung:

8 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 16.01.2017 20:03 
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Zauberstab zur Selbstmassage – Doris Wishman

(USA 1968)

7.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; DF; 1,33:1)



Inhalt:

Mike Torson ist ein über alle Maßen eitler Mann, der den Traum hat, nach oben zu kommen, sich keiner Schandtat dafür zu tun zu schade ist, sich deswegen z. B. auch prostituiert, aber gleichzeitig Affären unterhält, die jedoch einer harten Prüfung unterzogen werden, denn wenn ihm eine seiner Affären beichtet, von ihm schwanger zu sein, erwidert er: „Natürlich habe ich dich geliebt. Aber das war gestern, und heute ist heute!“ Schlechte Zeiten für das gemeinsame Glück…


Kurzreview:

„Zauberstab zur Selbstmassage“ ist ein Roughie, den Doris Wishman („Teuflische Brüste“, 1973; „Ein superheißes Ding“, 1974) drehte. Einige bizarre Szenen, in denen Eitelkeit inszeniert wird, wenn Mike als Running Gag sich vor dem Spiegel ständig zurechtmacht, oder wenn eine Frau ihre Selbstbefriedigung damit beginnt, sich selbst die Schulter zu küssen, zusammen mit einigen netten Kaulauern und Sprüchen, die sicher des einen oder anderen Lebensmotto trefflich bezeichnen: („Ich bin mehr für harte Getränke und für weiche Frauen“), trösten leider nicht über die Langeweile hinweg, die den Film durchwegs definiert.


Fazit:

Öder Roughie mit wenigen zündenden Kalauern, die zudem sicherlich teilweise nur in der deutschen Synchro existieren.

Wertung:

4 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 19.01.2017 18:03 
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Hospital der sexy Schwestern – Joe D´Amato

(Italien 1977)

7.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; DF; 35mm; 1,85:1)



Inhalt:

Der mit einer lesbischen Frau geplagte Arzt Dr. Giovannaldi übernimmt eine neue Frauenarztpraxis und sieht sich bald einer Schar williger Patientinnen gegenüber, die nur das eine wollen: ihn!


Review:

„Hospital der sexy Schwestern“ ist eine Commedia sexy all´italiana und ganz gegen D´Amatos üblichen langsamen Stil extrem temporeich. Der Film bietet eine gehörige Portion nackte Haut und viel Klamauk, meist gleichzeitig und ist bei der Vernachlässigung von diversen Handlungssträngen, die teilweise sogar im Nichts enden zwar etwas verwirrend, aber sehr spaßig. Bekannter ist er unter dem Titel „Mit der Pille umso toller“ und zeigt mit dem Motiv der Pille hier schon, wie unzusammenhängend der Film erzählt wird: Zu Beginn sehen wir eine Demonstration von „Her mit der Pille – Kinder gibt’s so viele – Mein Körper gehört mir“ – Frauenrechtlerinnen und später erhält eine Familie mit vielen Kindern den Rat, sich die Pille verschreiben zu lassen („Ja, aber sie hat alle auf einmal geschluckt“), doch Frauen, die die Pille nehmen und deswegen sexhungrig sind, wie auch ein „Hospital“ oder „sexy Krankenschwestern“ fehlen. Der Originaltitel ist zwar inhaltlich passender, dafür aber unendlich dröge: „Der Kassengynäkologe“. Trotzdem einer der Filme dieses Genres, die ich am unterhaltsamsten finde.

Der Film wurde auf dem 16. außerordentlichen Ärztekongress Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt und wurde vom Publikum teils positiv, teils negativ aufgenommen.


Fazit:

„Da springt ja der Hund aus der Bratröhre!“

Wertung:

7 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 19.01.2017 18:41 
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Verflixt nochmal… Wer hat? Der hat! – José Miziara

(Brasilien 1979)

8.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; DF; 35mm; 1,66:1)



Inhalt:

Lírio ist ein vom Dorfpfarrer christlich erzogenes Landei, der sich stets den Avancen der Damenwelt zur wehr zu setzen weiß, wenn eine Frau ihn um einen Kuss bittet, antwortet er brav: „Nein, das will ich nicht, ich will in den Himmel kommen“. Doch als ihn einige begüterte Damen in die Stadt mitnehmen und ihn dort das Stubenmädchen verführt, macht er eine alles verändernde Entdeckung: „Meine Hose wurde plötzlich zu eng“, da sein Gemächt so gut gewachsen ist, dass selbst die Hunde und die Tauben ohnmächtig werden, und wird nun von einer Vielzahl von Frauen begehrt. Trotzdem hat er noch mit den ihm anerzogenen christlichen Werten zu kämpfen, wenn er die Initiative bei Frauen ergreifen soll: „Ja, aber wo greift man da hin? Und wo ist dieses Initia-Dings überhaupt?“ Doch getreu dem Prinzip „Glück und Glas, wie leicht bricht das“ muss sich Lírio bald einer beinahe ebenso großen Schar von eifersüchtigen Ehemännern erwehren, darunter auch ein Samurai, der ihm „seinen Unterschied“ abschneiden will und einen Pistolenverkäufer, der seine Waffe nicht mehr benutzt. Da hilft dem Mann aus Stahl nur eine schützende Ritterrüstung…


Review:

José Miziara brennt mit „Verflixt nochmal…“ ein echtes Feuerwerk der guten Laune ab, das zu unterhalten weiß, obwohl man dem Film jederzeit ansieht, wie gering das Produktionsbudget gewesen sein muss. Garniert mit Seitenhieben auf Christentum, Prüderie und Frauenbewegung, und Sex, der mit Wackelkamera, schnellen Schnitten, der Geräuschkulisse und bebender Erde wie bei einem Raketenstart inszeniert ist, kann der Film ohne jemals langweilig zu werden das Publikum an sich fesseln. Und es gibt auch etwas zu lernen: „Wer auf sich hält, der badet ohne!“

Der Film wurde auf dem 16. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt und wurde vom Publikum positiv aufgenommen.


Fazit:

„In jeder Überraschung steckt der Keim der Freude oder große Enttäuschung“. Diese hier erfreut!

Wertung:

7,5 / 10


Zuletzt geändert von Pacific Nil am 23.01.2017 15:00, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 19.01.2017 20:30 
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Das Bad auf der Tenne – Volker von Collande

(Deutschland 1943)

8.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; OV; 35mm; 1,33:1)



Inhalt:

In dem kleinen Dorf Terbrügg in Flandern lässt der Handelsreisende Sartorius seine mobile Badewanne bei der Bürgermeistersgattin Antje zurück, was bald für muntere Turbulenzen sorgt, denn Antje ist auf den Geschmack des duftenden Bades gekommen – die männliche Dorfbevölkerung andererseits auf den Geschmack, sie durch Astlöcher und Spalten zwischen den Holzlatten dabei zu beobachten, wie sie unter dem Muhen der Kühe badet. Dies führt wiederum zu Unmut bei den Ehefrauen, die so manchen Astlochgucker deswegen mit dem Besen verdreschen: „Hast du ihren Blanken gesehen?“ – „Ja“ – „Dafür hast du doch mich!“ Antje, die von ihrem Gatten zur Rede gestellt wird, kontert selbstbewusst auf den Vorwurf, jeder im Dorf habe sie jetzt nackt gesehen: „Dann wissen sie eben jetzt, was du an mir hast“.

Für weitere Verwicklungen sorgt noch des Bürgermeisters Magd Nina, von der so mancher denkt, dass sie „viel schöner als die Bürgermeisterin“ sei und der ihr Liebhaber bald beizubringen Lust hat, „wie das Küken ins Ei kommt“, denn schließlich ist „der Hahn nicht nur zum krähen da“. Auch Nina hält nun viel vom Baden und der Bürgermeister wiederum von Nina, der von seiner Frau in ihrem Bett, jedoch alleine, erwischt wird und die sogleich Verdacht ob der faulen Ausreden ihres Gatten schöpft: „Um die Unschuld der Magd zu hüten schläft der Bürgermeister gleich in ihrem Bett“.

Die Wanne indessen wird vom aufgebrachten Mob zerstört, gerichtlich wird jedoch veranlasst, dass eine neue gebaut werde. Als die Badewanne jedoch feierlich eingeweiht wird, gerät sie ins Rollen und geht vor den Augen der interessierten Dorfbevölkerung zu Bruch. Doch der Bürgermeister verspricht Antje versöhnlich: „Ich lasse eine Neue bauen und dann baden wir zusammen“.


Review:

Volker von Collande („Hochzeit auf Immenhof“, 1956) drehte mit „Das Bad auf der Tenne“ den 4. deutschen Farbfilm, der sich trotz seines hohen Budgets von 1,5 Millionen Reichsmark (inflationsbereinigt heute etwa 9 - 10 Millionen Euro) zu einem großen Publikumserfolg entwickelte, was wohl nicht zuletzt an dem pikanten Thema und seiner Ausgestaltung liegt. So fängt die Kamera zwar die wunderschönen für den Film erbauten Dorfkulissen zwischen holländischen Windmühlen und deutschen Eichen ein und schafft so Bilder, die an die Gemälde Brueghels erinnern; die Hauptattraktionen waren aber sicherlich zahlreiche unbekleidete Darstellerinnen. Brüste gibt’s zwar nur als Schattenriss in einer langen Einstellung zu sehen und nochmal bei genauem Hinsehen, wenn die neue Badewanne, in der Antje (Heli Finkenzeller) sitzt, ins Rollen gerät, doch von zahlreichen Frauen sieht man „den Blanken“, also den Hintern, was im Kontext der zeitlichen Entstehung in Verbindung mit dem Thema doch überrascht. In der Szene, in der Antje zum ersten mal badet und sie von zahlreichen Männern beobachtet wird, halten die Herren zudem ihre Hände bemerkenswerterweise vor ihren Unterkörper, machen hastige vibrierende Bewegungen und starren mit stierenden Blicken auf die nackte Frau – deutlicher konnte man Selbstbefriedigung damals kaum darstellen! Härtere Zensurmaßnahmen umging man jedoch mit der Ausgestaltung des Drehbuchs, das sich zwar in der ersten Hälfte etliche frivole Provokationen wie die beschriebene erlaubt, dann aber aus strategischen Gründen zunehmend brav wird und ein Loblied auf die Ehe mit ihren traditionellen Rollenbildern anstimmt.

Befremdlich für heutige Sehgewohnheiten wirkt an dem Film die Rolle von Sartorius´ Diener Pombolo, ein „lebendiger Mohr“, der in Kleidung und Alter an den 1918 kreierten Sarottimohr erinnert. Eine damals populärer Comicdarstellung findet ebenfalls Einzug in den Film, wenn mehrere Kinder den sich erfrischenden Pombolo umkreisen, ihn anfassen und damit prüfen, ob er abfärbt. Bei Pombolo als Sympathiefigur stört dieser Alltagsrassismus trotzdem nur wenig und ist in meinen Augen kaum als schlimmer zu bewerten als die zahlreichen sexistisch-scherzhaften Phrasen in ähnlich gelagerten, auch modernen Filmen.

1955 drehte Paul Martin („Die Goldsucher von Arkansas“, 1964) ein Remake des Films.

„Das Bad auf der Tenne“ wurde auf dem 16. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt und vom Publikum weitgehend positiv aufgenommen. Zur Einstimmung gab es von mir vor dem Film eine kurze Lesung aus dem Buch „Die Sittengeschichte der Badewanne“.


Fazit:

Toll bebilderter heiterer Spaß für Herz und Hose.

Wertung:

9 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 20.01.2017 17:45 
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Nackte Eva – Joe D´Amato

(Italien 1977)

8.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; DF; 35mm; 1,85:1)



Inhalt:

Eva, eine Schlangentänzerin, lernt Judas, einen Schlangenliebhaber mit einer Unmenge an Schlangen in Terrarien in dessen Wohnung kennen und zieht bei ihm ein. Jules, Judas´ Bruder, reagiert eifersüchtig, und als sich Eva in die Blondine Gerri verliebt, steigert das seine Eifersucht so stark, dass er in deren gemeinsamen Schlafzimmer eine grüne Mamba aussetzt, die er aus Judas´ Terrarien entnimmt.

Gerri stirbt durch den Biss der Mamba, ein Polizist, der anschließend den Todesfall aufnimmt, meint gönnerhaft, dass er über den Tod dem Inspektor zwar einen Bericht schreiben müsse, ihn aber als Unfall deklarieren werde. Eva nimmt daraufhin das Gesetzt selbst in die Hand und tötet Jules, indem sie ihm getreu dem Brauch ihrer Vorfahren, schließlich ist sie ja Exotin, eine Schlange in den Anus einführt.



Review:

„Nackte Eva“ ist der zweite Film, den Joe D´Amato mit Laura Gemser gedreht hat und gleichzeitig der einzige, den er für den Produzenten Harry Alan Towers drehte. Wie bei vielen Towers-Produktionen hat Jack Palance in „Nackte Eva“ eine Hauptrolle und spielt den Charakter des Judas Carmichael. Michele Starck als Gerri spielte vor ihrer Zusammenarbeit mit D´Amato in „Laure“ (1976) unter der Regie von Emmanuelle Arsan und in „Salon Kitty“ (1976) von Tinto Brass; und Gabriele Tinti, der Jules spielt, sollte noch in zahlreichen weiteren Filmen D´Amatos bis in die späten 80er Jahre eine Rolle spielen.

„Nackte Eva“ ist meines Erachtens das Schlüsselwerk Joe D´Amatos, also jenes, das am deutlichsten zeigt, was der Regisseur zu zeigen beabsichtigt, und in dem er seine Themen am klarsten darlegt; und das gleichzeitig das Verständnis seiner weiteren Filme verbessert. Dies zeigt sich insbesondere in einem kurzen Monolog, den Eva in einem luftigen Korbsessel hält:

„Das schönste an dieser aufregenden, herrlichen Stadt sind die Nächte. Sie sind so warm und entspannt. Wir sollten sie in uns aufnehmen, jede Sekunde bewusst genießen. Sich in einer Nacht wie dieser zu lieben wäre wunderbar, nicht wahr? In meinen Träumen stelle ich mir solche Situationen oft vor…“

Dies lässt sich ohne weiteres auf den filmischen Stil D´Amatos und seine Erzähltechnik ausweiten. In „Nackte Eva“ zeigt er in vielen langen Sequenzen die Stadt Hongkong und wie Eva alleine oder mit Gerri Hongkong erkundet. Ausgespielte Stadt- oder Dorferkundungen finden sich auch in den meisten anderen Filmen D´Amatos, teils auch passend unheimlich eingefärbt, wie z. B. in „Papaya“ (1978). Spaziergänge, besonders wenn dabei kaum etwas geschieht, sorgen im filmischen Fluss für eine Verlangsamung, teils sogar für einen Stop der Narrative und bewirken, dass der Zuschauer sich dabei entspannt und die zahlreichen exotischen Schauplätze wie einen Urlaub auf sich wirken lassen kann – oder sich aber langweilt. Geschickt sorgt D´Amato auch meist dafür, dass man die entspannend gezeigte Schönheit der Städte oder Landschaften in sich aufnehmen kann, indem eine passende, in „Nackte Eva“ sogar in einigen Szenen geradezu hypnotische Musik dazu gespielt wird – für den Soundtrack zeigte sich hier Piero Umiliani verantwortlich und er gehört zu den hörenswertesten der Filmgeschichte! Auch kontrapunktischen Einsatz des Scores gibt es in „Nackte Eva“, wenn in einer Szene, in der ein chinesischer Straßenkoch vor den Augen von Eva und Gerri eine Schlange tötet, dann häutet, sie in Stücke hackt, anbrät und die beiden sie dann essen, und dabei langsame Bässe eine schöne Melodie, die man schon öfter in dem Film gehört hat, das Geschehen begleitet. Mit einem Gefühl der Entspannung und Wärme, das die Schauplätze und die schönen Menschen, die sie besichtigen, sowie die Musik erzeugen, schließt der Regisseur häufig erotische oder pornographische Szenen an – in „Nackte Eva“ sehr zahmen Sex, aber trotzdem viel nackte Haut – was der in Evas Monolog geforderten Konsequenz entspricht, dass es wunderbar wäre, sich in einer solchen Nacht (Situation) zu lieben.

Obwohl man somit keineswegs behaupten kann, Joe D´Amato wisse nicht, was er tut oder sei einfach untalentiert, stört trotzdem wieder einmal massiv das fürchterliche Drehbuch. Ein Beispiel sind die Dialoge zwischen Eva und Judas, wenn sie sich kennenlernen und nach dem Kennenlernen. Judas hat zu Beginn Eva seine Sammlung von Schlangen gezeigt und sich dabei von ihnen so fasziniert gezeigt, dass Eva jetzt verängstigt ist:

„Ich fürchte mich, nicht vor den Schlangen, sondern vor Ihnen.“
„Wollen wir nicht noch etwas trinken?“

(Eva bleibt und lässt sich ein Getränk reichen)

„Wollen wir nicht zusammenziehen?“
„Warum?“
„Es ist sehr einsam hier, manchmal. Außerdem mag ich Ihren Duft.“
„Leben Sie wohl.“


So sehr D´Amato also Talent hat, eine wohlige Atmosphäre in seinen Filmen zu schaffen, so sehr verärgert er doch seine Zuschauer mit einem völligen Desinteresse daran, ihm folgerichtig handelnde Figuren zu präsentieren. Wenn ich jemandem gegenüber artikuliere, dass ich vor ihm Angst habe, dann lasse ich mich daraufhin nicht auf einen Drink und zum Bleiben einladen.

Eine ähnlich verärgernde Handlungsweise gibt später der Polizist zu erkennen, der den Mord an Gerri durch Jules anscheinend nur deswegen als Unfall protokolliert, weil er glaubt, Eva könnte für den Mord verantwortlich sein, sich ihr aber gnädig verhält, weil sie so hübsch ist. Das ist voll und ganz unverständliches Verhalten und damit ein Drehbuch, dass den Zuschauer für ganz und gar dumm verkaufen will!


Der Film wurde auf dem 16. zoologischen außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt und wurde vom Publikum positiv aufgenommen.


Fazit:

D´Amatos Schlüsselwerk mit tollen Bildern, grandioser Musik und völlig misslungenen Figurenzeichnungen

Wertung:

6,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 20.01.2017 18:45 
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Der zynische Körper – Heinz Emigholz

(Deutschland 1991)

8.1.2017; Kino (Kommkino Nürnberg; DF; 35mm; 1,33:1)



Review:

„Der zynische Köper“ ist ein Experimentalfilm, der über mehrere Jahre hinweg in den späten 80er Jahren entstand. Er thematisiert im Homosexuellenmilieu die Endlichkeit des menschlichen Lebens und dessen Verkürzung durch AIDS mit den bekannten körperlichen Verfallserscheinungen und kontrastiert dies mit der gotischen Architektur von Sakralbauten aus dem Mittelalter, die, für die Unendlichkeit gebaut, bis heute existieren und auch in Zukunft weiterexistieren werden. Dass als Kontrastmittel Sakralbauten ausgewählt wurden, liegt einerseits daran, dass sich Heinz Emigholz von Beginn seiner künstlerischen Karriere an, die nicht nur Filme umfasst, von geometrischen Figuren fasziniert zeigt und die Architektur generell eines Maximums an Geometrie und Technik bedarf, aber auch, dass das Christentum seine Homosexuellenfeindlichkeit mit Bibelstellen zu belegen weiß. Dagegen wiederum stellen sich die Figuren der Geschichte, die zutiefst menschlich geschildert werden und zum Leben erwachende Romanfiguren eines Sterbenskranken inkludieren. Der Film endet versöhnlich-surreal in einem Paradies der Sakralbauten.

Der Film wurde auf dem 16. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt und wurde vom überwiegenden Teil des Publikums verschlafen, da er als sehr anstrengender Film zu später Nachtzeit und als Ersatzfilm angesetzt war und das Publikum überforderte…

Fazit:

…da auch ich noch mindestens eine Zweitsichtung brauche und einige Teile des Films verschlafen habe, entfällt eine Bewertung, die sich jedoch im mittleren bis stark positiven Bereich bewegen wird.


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 16.03.2017 16:08 
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Der unmoralische Mr. Teas – Russ Meyer

(USA 1959)

Dezember 2002, VHS (Warner Vision, 1,33:1);
2.3.2017, Kino (Kommkino, digitaler Beam der Arrow DVD, 1,33:1)



„Der unmoralische Mr. Teas änderte den Look der Nudie-Filme für immer und ewig.“
Ed Wood jr.



Inhalt:

Mr. Teas ist Vertreter für Zahn- und Gebissprothesen und wenn er mit seinem Fahrrad unterwegs ist, um seine Waren an den Arzt zu bringen, lässt er keine Gelegenheit aus, seine Blicke in die tiefen Ausschnitte der Vorzimmerdamen wandern zu lassen und leicht- oder unbekleidete Frauen zu beobachten. Besonders interessieren ihn dabei die Frauen, die mit Brüsten ausgestattet sind, die so groß sind wie die Melonen, die er zum Vergleich abschätzend im Supermarkt in seinen Händen wiegt.


Review:

„Der unmoralische Mr. Teas“ ist mit 62 Minuten Laufzeit Russ Meyers erster längerer Film und wurde 1958 an einem verlängerten Wochenende gedreht. Bill Teas in der Haupt- und Titelrolle gleichen Nachnamens war ein alter Freund von Meyer aus den Tagen des Zweiten Weltkrieges, verärgerte den Regisseur jedoch damit, dass er während der Drehzeit zu sehr dem Alkohol frönte. Die selbstverständlich ausgesprochen attraktiven Darstellerinnen wurden teils auf der Straße angesprochen, waren aber zum größten Teil Models für Magazine oder Tänzerinnen.

Der Film fällt bereits mit seiner sehr hochwertigen Kameraarbeit auf, die sowohl sehr farbenfrohe Bilder schafft, als auch durch originelle Perspektiven, z. B. in die Schräge, überzeugt. Der weitgehend „stumme“ Film – Dialoge gibt es keine, nur einen Erzähler, Geräusche und eine nach einiger Zeit ziemlich nervtötende, weil sich ständig widerholende Filmmusik – nutzt dabei seinen erzählerischen Inhalt auch für einige surreale Traum- oder Vorstellungssequenzen vor dem inneren Auge der Hauptfigur, und garniert ihn mit Humor, wenn beispielsweise eine leichtbekleidete Frau am See in einem großen Lkw-Reifen schaukelt, und es aus dem Erzähler plötzlich begeistert ausbricht, wie wichtig doch der US-amerikanische Gummiexport seit dem 19 Jahrhundert für das Land ist.

Ja, richtig gelesen: Erzählerische Inhalte! Denn neben seinem Thema Voyeurismus, das den Film definiert und seiner leichten, humorvollen Herangehensweise, dieses Thema zu erzählen, gibt es auch eine bedeutende Szene, die Russ Meyers Frauen-, aber vor allem sein Männerbild in diesem und nahezu allen seiner folgenden Filme erklärt: Eine Szene, in der Teas angelt und sich wieder einmal so plaziert, dass er auch einige nackt im See badende Frauen dabei beobachten kann, endet auf einmal ausgesprochen bedrohlich für den Herrn. Die Damen nähern sich ihm nämlich, und immer noch nackt, beginnen sie sich wenige Meter entfernt vor ihm auf den großen Ästen eines Baumes und auf dem felsigen Boden zu sonnen. Anstatt dass nun Teas mit den Damen einen Flirt beginnt, wird er unruhig und flüchtet. Was hier noch als eine typische Reaktion eines Voyeurs gedeutet werden kann, wird in den folgen Filmen Russ Meyers Programm: Der unsichere Mann, der sowohl mit der Schönheit als auch dem Selbstbewusstsein von sexuell selbstbestimmten Frauen nicht zurechtkommt und sich in Enthaltsamkeit, Anbetung oder Gewalt flüchtet. – Und etwas weiter gedacht, hält Meyer seinem Publikum mit dieser Charakterisierung einen bitterbös-sarkastischen Spiegel vor.


Fazit:

Bereits gelungener Einstieg des Königs des Sexfilms, der aber von den meisten seiner nachfolgenden Filme übertroffen wird.

Wertung:

6,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 16.03.2017 17:34 
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Eva und der Mann für alles – Russ Meyer

(USA 1961)

Dezember 2002, VHS (Warner Vision, 1,33:1)
2.3.2017, Kino (Kommkino Nürnberg, Beam der Arrow-DVD, 1,33:1)



Inhalt:

In einem Trenchcoat, und mit Mütze und rotem Schal beschattet Eve einen Tag lang einen attraktiven Handwerker, während er seine Arbeit verrichtet, Eve aber nicht zu bemerken scheint. Dabei kreuzt so manche attraktive Frau seinen Weg, unter anderem eine laszive Anhalterin, die von ihm mitgenommen werden möchte, doch auch sie werden von ihm kaum beachtet. Doch schließlich naht der Abend, an dem Eve ihren Mantel vor ihm in Exhibitionistenmanier öffnet…


Review:

Nachdem Russ Meyer mit seinem Langfilmdebut „Der unmoralische Mr. Teas“ 1959 große Gewinne einfahren konnte, setzte er wie zuvor mit einer Minimalcrew „Eve and the Handyman“ mit seiner Ehefrau Eve Meyer in Szene, die in den folgenden Filmen Meyers bis 1971 leider nur noch hinter der Kamera mitwirkte. Eve spielt hier nicht nur die Dame im Trenchcoat, die den Handwerker beschattet, sondern auch andere kleinere Nebenrollen, wie die Anhalterin, die sich nach und nach entblättert, um mitgenommen zu werden, dabei aber scheitert; das Fluchtverhalten des Handwerkers lässt die die Anhalterin Eve beobachtende „Detektivin“ Eve in einen Lachanfall ausbrechen.

Damit sind wir bereits bei der Fortführung und dem Kontrapunkt, den „Eve and the Handyman“ zu „Mr. Teas“ setzt: Der Handwerker ist nicht etwa wie Mr. Teas ein Voyeur; und wenn er auf attraktive Frauen trifft, Meyer-typisch mit großen Brüsten ausgestattet und tiefem Ausschnitt, riskiert er zwar mal einen unsicheren Blick, lässt sich aber kaum beeindrucken. Seine Fluchtreaktion gegenüber der Anhalterin lässt sich nicht wie die Mr. Teas´ erklären, der sich wohl aufgrund seines Voyeurismus beschämt gefühlt hatte, als mehrere attraktive Damen nackt diesem auf die Pelle rückten oder den die nun fehlende Distanz zum beobachteten Objekt der Begierde und das damit verbundene Gefühl der Sicherheit zu einer Panikreaktion verleitete, sondern eher mit moralischer Empörung. Der Handwerker ist ganz der Typus des schüchternen, sexuell unausgereiften, obwohl attraktiven Mannes, der seinen Sexualtrieb in ein anderes Verhalten sublimiert, hier in Pflicht und Arbeitseifer. Im Ergebnis endet aber eine Kontaktanbahnung seitens der Frauen ähnlich, wie beim Voyeurtypus: Sobald der Handyman auf eine sexuell selbstbestimmte Frau, die ihn zu verführen sucht oder sich ihm gar anbietet, trifft, flüchtet er.

Mit der Rolle der Eve finden wir zudem einen Rollentausch im Vergleich zum Vorgängerfilm vor, indem der verfolgende Part diesmal nicht von einem Mann ausgeht, sondern von einer Frau. Dass sie einen Trenchcoat trägt lässt den Zuschauer zudem vermuten, dass sie darunter nackt sei; tatsächlich öffnet sie ihren Mantel gegen Ende des Films wie ein Exhibitionist, enthüllt dabei jedoch nicht ihre Nacktheit, sondern eine Vielzahl von Bürsten und Besen und ein Verkaufsschild. Der Handwerker, der zuvor in einer bizarren Szenerie in einem Maleratelier auf einen Künstler getroffen war, der mehrere Farben zu einer häßlichen Pampe vermischte, diese Mischung vertikal mit einem breiten Pinsel auf die Wand brachte und auf der sich daraufhin ein perfekt gestaltetes Landschaftsgemälde im Stile des 19.Jahrhunderts zeigte, dann selbst mit der Pampe einen horizontalen Pinselstrich ausführte, der jedoch kein Bild, sondern nur das Wort „Mother“ zum Vorschein brachte, lässt sich nun von Eve verführen und schläft mit ihr. Sex wird dabei nicht inszeniert, stattdessen bekommt der Zuschauer ein immer schneller zusammengeschnittenes Crescendo von gigantischen Ölpumpen, Maschinen und Raketenstarts zu sehen. Für den Handwerker, einen „Absolute Beginner“, könnte Eve somit so etwas wie eine Heilung von seinen Mutterkomplexen bedeuten und ihm in Zukunft ein normales Sexualleben ermöglichen.


Fazit:

Spaßig und intelligent, mit einem Schuss Tiefenpsychologie bietet der Film nur für Voyeure eine Enttäuschung: Es gibt kaum nackte Haut zu sehen!


Wertung:

7,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 17.03.2017 17:26 
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Wilde Mädchen des nackten Westens – Russ Meyer

(USA 1962)

Dezember 2002, VHS (Warner Vision, DF, 1,33:1)
3.3.2017, Kino (Kommkino Nürnberg, digitaler Beam der Arrow DVD, OV, 1,33:1)



Inhalt:

Ein alter Westernheld erzählt von den frühen Tagen der Geisterstadt, in der er noch lebt: Einer Stadt ohne Sheriff und ohne Pfarrer, dafür aber mit einem Saloon und vielen Frauen, die das Leben dort lebenswert machten. Doch dann kommt ein Mann in die Stadt geritten, von Westen her, also von da, wohin die Fremden normalerweise die Stadt verlassen – dem Friedhof. Weder von den stets nackten Saloondamen, noch von Revolverhelden lässt er sich aus der Ruhe bringen, und diese Ruhe entwickelt sich zu einer ernsten Gefahr für den Schmutz in diesem lustvoll-wonnigen Sündenbabel.


Review:

Russ Meyers vierter Nudie-Cutie, der nach „Erotica“ (1961) und vor „Europe in the Raw“ (1962) entstand, ist bei weitem weniger psychologisch tiefgründig, als es die beiden ersten waren („The Immoral Mr. Teas“, 1959 und „Eve and the Handyman“, 1961), mit seinen schnellen Schnitten, den offensichtlichen Pappkulissen – die Tasten eines Klaviers im Saloon ist erkennbar nur auf Pappe gemalt und der ständig die Schauplätze ändernden, aber wieder zu ihnen zurückkehrenden Kamera ist es Meyers cartooneskester Film. Auf eine Handlung verzichtet der Film in seiner ersten Hälfte gänzlich und stellt nur das muntere Treiben um auf einander aus nächster Nähe schießender Cowboys, die sich selbst dann noch verfehlen, wenn sie nur noch eine Armlänge trennt und barbrüstiger Frauen, die sich ihren neuen Lover mit einem Lasso fangen und ihn gleich ein Stockwerk damit hochziehen, um ihn zu vernaschen dar. Dem Fremden, der dann in der zweiten Hälfte die Handlung einleitet, ist wohl bedauerlicherweise mit seinem Tun Erfolg vergönnt, finden wir nun doch ein verlassenes Geisterstädtchen vor, das nur noch von einem einzigen Cowboy bewohnt wird, der dem unsichtbaren Erzähler („komische Klamotten hast du an“) seine Geschichte erzählt. Am Ende des Films angelangt, erblickt er plötzlich eine nackte Frau, wie früher, und fragt den unsichtbaren Erzähler / Zuschauer, ob das eine Halluzination sei und was in dem Tabak war, den er bekommen hat – der habe schließlich verdächtig seltsam gerochen. Ohne eine Antwort abzuwarten wirft er seine Krücke weg und läuft der Grazie nach, denn schließlich gibt es keine bessere Mischung: „Ein 80jähriger Mann, 90 prozentiger Whiskey und 100 prozentige pure Weiblichkeit.“

Die Meisten der zahlreichen Darstellerinnen in dem Film spielten bedauerlicherweise in keinem weiteren Film, Trina Lamar aka Donna X ist noch in „Europe in the Raw“ und „Mondo Topless“ (1966) zu sehen und Princess Livingston, die damals als die hässlichste Frau der Welt galt, sollte noch in 3 weiteren Russ-Meyer-Filmen, darunter besonders bemerkenswert ihr Auftritt in „Mudhoney“ (1965), spielen.


Fazit:

Amüsanter Western, betont cartoonesk aufgenommen und mit viel nackter Haut.


Wertung:

6,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 17.03.2017 20:14 
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Lorna – Russ Meyer

(USA 1964)

Dezember 2002, VHS (Warner Vision, DF, 1,33:1)
3.3.2017, Kino (Kommkino Nürnberg, Beam der Arrow-DVD, OV, 1,33:1)



„Lorna“ war der erste dramatische Naked-Lady-Film. Die Filme, die Nacktheit zeigten, waren zuvor eher eine heitere Spielerei, als wirkliches Drama. Meyer erfand mit „Lorna“ einen Film mit der Formel, die ihn reich machte: Filme mit Menschen auf dem Gipfel des Hasses, dem Gipfel der Lust, dem Gipfel der Gewalt.“
William Rotsler



Inhalt:

Lorna ist seit einem Jahr mit Jim verheiratet, den sie zuvor als wenig bemerkenswert, sie jedoch idealisierend wahrgenommen hat. Als er ihr gegenüber jedoch leidenschaftlich wurde und ihr einen Heiratsantrag machte, verliebte sie sich auch in ihn und nahm den Antrag an. Jetzt, ein Jahr später, hat sich die Leidenschaft in ihrem Eheleben verflüchtigt und Lorna befürchtet, dass Jim sogar ihren Hochzeitstag vergessen hat, auf ihre Frage etwas später, welcher Tag heute sei, antwortet er mit „Freitag und Zahltag“.

Jim arbeitet zusammen mit dem gewalttätigen Luther und dem debilen Jonah in einer Baugrube. Diese beiden Kollegen haben zu Beginn des Films Ruthie verfolgt, nachdem Luther sie angesprochen hat. Bei Ruthie zu Hause vergewissert sich Luther, dass Ruthie gut nach Hause gekommen ist, indem er in ihr Haus eindringt, während Jonah sie durch ein Fenster beobachtet. Als Ruthie Luther sexuell nicht zu Willen ist, reißt er ihr die Kleider vom Leib und schlägt ihr mit all seiner Kraft seine Fäuste ins Gesicht, was Jonah anschließend kommentiert mit einem „Die war aber nicht nett zu dir“.

Während Jim nun mit seinen beiden Kollegen in der Baugrube schuftet, geht Lorna am Fluss spazieren und badet sich dort. Da überfällt sie ein flüchtiger Verbrecher und nimmt sie sich mit Gewalt, ihre Abwehr gibt sie schnell auf, sie genießt den harten Sex und lädt den Geflüchteten sogar zu sich nach Hause ein.

Jim gerät derweil mit seinen beiden Kollegen in Streit, da Luther ein anzügliches Lied über Lorna geschrieben hat. Die Auseinandersetzung zwischen Jim und Luther wird erst mit Fäusten, dann mit Schaufeln ausgetragen und endet für beide mit sichtbaren, aber nur oberflächlichen Blessuren und einer Versöhnung. Gemeinsam fahren sie mit ihrem Boot zu Jim nach Hause, da er aufgrund seines Hochzeitstages – an den er doch gedacht hatte – von seinem Chef einen halben Tag frei bekommen hat – wie auch seine Kollegen. Als Lorna nun das Motorboot herannahen hört, warnt sie ihren neuen Bettgenossen, dem sie mittlerweile schon anvertraut hat, wie fade ihr Eheleben für sie ist. Dieser jedoch misstraut Lorna zuerst und meint, sie hätte Hilfe geholt, glaubt ihr dann aber doch, stellt jedoch fest, dass er sich nicht mehr rechtzeitig aus dem Staub machen und das Motorboot stehlen kann. Er schnappt sich eine Axt und wartet im Hinterhalt auf Jim, den Lorna, noch in dem Boot, jetzt aufsucht. Über Jims Verletzungen verwundert, erfindet dieser eine Ausrede von einem Unfall; als sich Jim auf den Weg ins Haus macht, stellt Luther das reumütig richtig. In diesem Moment merkt Lorna, dass sie Jim doch noch liebt und ruft lauthals seinen Namen, um ihn zu warnen das Haus zu betreten. Der Verbrecher bricht daraufhin aus seinem Versteck hervor und greift Jim mit der Axt an, Lorna, die die beiden trennen will, stirbt dabei, ebenso der Geflüchtete, dem Luther ein Wurfmesser in den Rücken jagt.


Review:

„Lorna“ ist Russ Meyers erster Roughie und der erste Film einer Phase, die manchmal als Russ Meyers gotische Periode bezeichnet wird und die mit „Die Satansweiber von Tittfield“ (1965) nach insgesamt 4 s/w-Filmen endete. Althea Currier in der Roller der Ruthie, die nur zu Beginn des Films einen Auftritt hat, spielte bereits unmittelbar zuvor in Russ Meyers „Heavenly Bodies!“ (1963), seinem sechsten und letzem Nudie-Cutie, ebenso sollte Maria Andre, die in dem gleichen Film spielte, die Hauptrolle bekommen. Angeblich entdeckte Russ Meyer jedoch wenige Stunden vor Drehbeginn Lorna Maitland, sagte ihr die Rolle zu und feuerte Andre; Lorna Maitland ist im nachfolgenden Meyer-Film „Mudhoney“ (1965) ebenso wie Hal Hopper, der Luther spielt, zu sehen, und in „Mondo Topless“ (1966) sehen wir einige nichtverwendete Szenen aus „Lorna“ und „Mudhoney“, teilweise in Farbe. Nach den Dreharbeiten ging Russ´ Ehe mit Eve (Hauptrolle in „Eve and the Handyman“, 1961) in die Brüche, trotzdem blieb Eve Russ bis 1971 hinter der Kamera als Mitproduzentin erhalten.

Nach „Der unmoralische Mr. Teas“ (1959) mit einem Voyeur, der keine Beziehung mit Frauen anknüpfen kann und „Eve and the Handyman“ mit einem Handwerker, der so in seiner Arbeit aufgeht, dass er für sexuelle Reize kaum mehr empfänglich ist und vor Frauen aus moralischer Empörung flieht, wenn sie ihm allzu eindeutige Signale geben, führt „Lorna“ einen neuen Typus von männlichen Versagerfiguren ein: Das ist nicht Lornas Mann Jim, der eher eine Wiederholung des „Handyman“ ist, sondern Luther, der, wie er am Schluss Lorna gegenüber gesteht, ihr und Jims Eheglück mit neidischen Augen verfolgt hat. Anstatt sich nun sein eigenes Glück zu schaffen, flüchtet sich Luther in Wut und Gewalt, auch Frauen gegenüber, die er sich nur mit Gewalt nehmen kann.

Hervorzuheben ist die sehr gute Kameraarbeit, die Meyer erneut selbst führte und hier besonders in einer Szene reine Poesie schafft: Wenn Lorna und Jim kurz nach der Einführung der beiden Charaktere miteinander schlafen, sieht man deren Akt nicht, sondern den Vorhang vor geöffnetem Fenster, der Wind weht aus dem Nachthimmel und bewegt den Vorhang, während wir das aufseufzen und Stöhnen des Liebespaares hören.

Abträglich ist dem Film sein moralisierender Überbau, den Russ Meyer jedoch aus taktischen Gründen ins Drehbuch schrieb, um den Film auch im südlichen Bible-Belt verkaufen zu können, trotzdem wurde der Film in 3 Staaten verboten. Letztlich griff Meyer damit jedoch nur zu der gleichen Taktik, wie sie zu der Zeit auch in anderen europäischen und asiatischen Ländern Filmemacher anwandten: Sex und Gewalt zu zeigen, damit gegebenenfalls die aus der Sicht der Sittenwächter zu verdammenden niederen Instinkte des Publikums anzusprechen, sie aber gleichzeitig zu verurteilen. Das hat in der Literatur bereits Marqus De Sade gemacht, wenn er Justine ihrer Schwester und Superverbrecherin Juliette ihre Leidensgeschichte erzählen lässt und diese vor diesem Vorbild an Tugend und Keuschheit ihren bisherigen Lebensweg verlässt und ins Kloster geht. Man lese die Bücher und sehe die Filme grundsätzlich danach gehend an, was sie zeigen, und nicht, was sie abschließend zusammenmoralisieren…


Fazit:

Düster-kraftvoller Film mit einer unglaublich heißen Hauptdarstellerin.


Wertung:

7,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 20.03.2017 17:53 
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Im Garten der Lust – Russ Meyer

(USA 1965)

Dezember 2002, VHS (Warner Vision, DF, 1,33:1)
13.3.2017, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF, 1,33:1, gekürzt)



Meine Hommage an „Früchte des Zorns“.
Russ Meyer



Inhalt:

Die Zeit der Prohibition. Calif McKinney ist nach 5 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und auf der Suche nach Arbeit; weswegen er einsaß, möchte er für sich behalten. Bevor er auf der Farm von Lute Wade angestellt wird, begegnet er Maggie Marie, einer alten Schnapsbrennerin, die ihre beiden Töchter Eula und Clara Belle gegen Bezahlung an die männliche Kundschaft prostituiert. Auf die Avancen der beiden hübschen Töchter reagiert Calif desinteressiert und zurückhaltend, da es ihm wichtiger ist, Arbeit zu finden.

Weniger Zurückhaltung zeigt Sidney Brenshaw ein Alkoholiker und Raufbold, der, als Eula ihn anlächelt und anfängt, ihn zu streicheln, in irres Gelächter ausbricht und sie in den Fluss schubst, wenn er aber zurückgewiesen wird nach Hause fährt und seine Frau Hannah verprügelt. Hannah arbeitet und lebt auf der selben Farm, auf der Calif eine Anstellung findet, und so lernt dieser auch bald Sidney kennen, besonders, als Sidney, wieder einmal verärgert, nachts seine Frau vergewaltigt. Am nächsten morgen erklärt Calif Hannah, dass er sich überlegt habe, etwas dagegen zu unternehmen und zwar nichts gemacht habe; deutet aber an, dass er das nächste Mal einschreiten werde. Kurze Zeit später erklärt Sidney Calif seine wahnhafte und verzerrte Auffassung der Realität, indem er Calif, den er letzte Nacht bemerkt hatte, als er Hannah vergewaltigte, als in Hannah verliebt wähnt und sein Auftauchen als versuchten Betrug und Untreue seiner Frau auffasst.

Sidney erhält mit dem fanatischen Gottesmann Bruder Hansen einen Verbündeten und beide verbreiten in der Stadt, dass Calif eine unzüchtige Affäre mit Hannah pflege. Ebenfalls versuchen sie, das sündige Treiben in Maggie Maries Hütte zu unterbinden, als Hansen bemerkt, dass seine Bibelverse, die den verderbten Seelen Eulas und Clara Belles Tugend und Rettung verschaffen sollen, nichts außer Gelächter bewirken, verlässt er das Sündenbabel. Sidney hat inzwischen erfahren, dass er nicht als Erbe der Farm des alten Lute eingesetzt wurde, sondern Calif, er sucht Lute auf, um ihn mit seiner gewalttätigen Nachdrücklichkeit nach dem Grund zu fragen und muss aber feststellen, dass Lute in seinem Bett gerade entschlafen ist. Auf dessen Begräbnis beginnt er einen Streit, in dessen Verlauf er in Lutes Grab fällt, erneut in das irre Lachen ausbricht, das er zuvor schon zeigte, als Eula ihm nähergekommen war und zündet Lutes Farm an.

Schwester Hansen, die sich mit Sidney angefreundet hatte, hält der Wahnhafte nun für seine Ehefrau Hannah, auch als sie ihm immer wieder zuruft, sie nicht Hannah, schlägt er sie und ertränkt sie schließlich im Fluß. Nun wiegelt Bruder Hansen einen Lynchmob auf, weder der Sheriff, noch Calif und Hannah können die Gewalt der Masse stoppen. Als Sidney gehängt wird und auch Bruder Hansen stirbt, entweicht der um Sidney trauernden taubstummen Eula zum ersten Mal ein Schrei.


Review:

Zwischen „Lorna“ (1964) und „Mudhoney“ drehte Russ Meyer „Fanny Hill“ (1964) für Artur Brauner, ein Film dem man Meyers Regie kaum anmerkt und mit dem er künstlerisch ganz und gar nicht zufrieden war. Aus Deutschland brachte er jedoch Rena Horten mit, die in „Fanny Hill“ eine kleine Rolle als Hure hatte und in „Mudhoney“ die taubstumme Eula spielt – taubstumm, weil Horten kein Englisch sprach. Bevor sie Meyer kennenlernte, war sie in „Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“ (1962) und „Zimmer 13“ (1964) in ebenfalls kleinen Rollen zu sehen, mit Meyer führte sie anschließend etwa ein Jahr lang eine Affäre, die ihn über den finanziellen Mißerfolg „Mudhoneys“ hinwegtröstete. Princess Livingston hatte nach „Wilde Mädchen des nackten Westens“ ihren zweiten Auftritt in einem Russ-Meyer-Film und sollte noch mehrere weitere Male zu sehen sein. Einen zweiten Auftritt hatte ebenfalls Lorna Maitland, die zuvor schon in „Lorna“ (1964) die Hauptrolle spielte und der Meyer eine Mitschuld am Flop des Films gab, da ihre Brüste zu hängen anfingen – bei „Lorna“ war sie schwanger und hatte vollere Brüste.

Wenn auch „Mudhoney“ ein finanzieller Flop war, ist er sicherlich kein künstlerischer, sondern stellt Meyers ersten großen Höhepunkt dar, den er jedoch im selben Jahr mit „Die Satansweiber von Tittfield“ noch übertreffen sollte. Meyer gelingt es hier sowohl, die bestialische Bösartigkeit Sidney Brenshaws wie einen Schlag in die Magengrube des Zuschauers wirken zu lassen, was auch auf das schauspielerische Talent Hal Hoppers zurückzuführen ist, der in „Lorna“ bereits ebenfalls einen unsympathischen Gewalttäter spielte, als auch, die Derbheit und Bösartigkeit mit grotesken Einfällen und etwas Erotik zu brechen. Beeindruckend ist bereits der Beginn des Films, der mit First-Person-Camera erzählt wird und nur die Schritte Sidneys zeigt, der auf dem Weg zu Hannah ist. Ein Schnitt in Hannahs Schlafzimmer und auch hier sehen wir nur Bilder aus ihrer subjektiven Sicht, erst, als sich die Tür öffnet und sich Sidney und Hannah sehen können, sieht auch der Zuschauer ihre Gesichter. Später, wenn der Gottesmann Bruder Hansen eingeführt wird, spricht er mit einem Hall in der Stimme und in einer anderen Szene begleitet jeden seiner Schritte eine mißgestimmte Orgel – bestes, ironisch eingesetztes Mickey-Mousing!

Bereits in „Lorna“ hatte ein Gottesmann zu Beginn ein Auto aufgehalten und die Insassen – das Kinopublikum – gewarnt, den Weg zur Sünde, wohin diese Straße führe, weiter zu beschreiten. Unbeeindruckt, aber vorgewarnt, setzt der Zuschauer daraufhin seinen Weg fort; am Ende des Films erhalten alle aus Sicht des Gottesmanns ihre gerechte Strafe, und Lorna ist wie Lots Frau als zur Salzsäule erstarrt gefilmt, während zuvor, kurz bevor sie in dem Film stirbt, der Sensenmann sein Werkzeug schwingt. Meyer hatte mit diesem religiös-moralischen Überbau noch beabsichtigt, es den Tugendwächtern im Bible-Belt, den US-Südstaaten, recht zu machen, sein Film wurde jedoch trotzdem in 3 Staaten verboten. Diese Zugeständnisse machte er nun nicht mehr, im Gegenteil trägt religiöse Bigotterie einen großen Teil dazu bei, dass in „Mudhoney“ die Gewalt eskaliert, Recht und Gesetz der Hoheit des Staates entrissen und den Händen des religiös fanatisierten Pöbels überantwortet wird. Bruder Hanson gerät so zu einem vierten Typus des schwachen Mannes – nach dem Voyeur, dem ganz in der Arbeit aufgehenden und dem gewalttätigen Mann aus den vorherigen Filmen Meyers, die jedoch auch in „Mudhoney“ teils wieder auftauchen – den des selbstgerechten, moralisierenden religiös-fanatischen Eiferers, dem jeder Anflug von Lust und Erotik Anstoß und Ekel erregt und zu inquisitorischer Gewalt greift, um die menschliche Sexualität zu vernichten.


Fazit:

Großartiges Drama um die Mechanismen religiös motivierter Gewalt, mit grotesken Elementen.


Wertung:

9 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 21.03.2017 19:29 
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Motor Psycho – Russ Meyer

(USA 1965)

Januar 2003, VHS (Warner Vision, DF, 1,33:1)
13.3.2017, Kino (Kommkino Nürnberg, Beam der Arrow-DVD, OV, 1,33:1)



Inhalt:

Frank angelt sehr gerne und lässt sich dabei auch von seiner gutgebauten Freundin nicht ablenken. Als jedoch 3 Motorradrocker auftauchen und ihn und seine Freundin belästigen, nimmt er den aussichtslosen Kampf ritterlich auf, um sie zu verteidigen, zieht jedoch den Kürzeren. Wenig später vergewaltigen die Motorpsychos Gail Maddox, deren Mann Cory, ein Tierarzt, gerade ein Tier von Jessica Fannin versorgt, die zwar äußerst hübsch und gut gebaut ist, an der Cory aber aufgrund seiner Liebe zu Gail nicht interessiert ist. Als er heimkehrt und dort Polizei und Sanitätswagen vorfindet, schwört er seiner Frau Rache, besitzt also weniger Gelassenheit als der Polizist, der meint, Gail wäre nichts passiert, wofür ihr Frauenkörper nicht geschaffen wäre.

Bis Cory auf die Vergewaltiger trifft, treffen diese auf Ruby Bonner, die mit dem wesentlich älteren Harry verheiratet ist, die sich gegenseitig hassen („Du ausgediente Matratze, warum hab ich dich bloß geheiratet?“) und gemeinsam auf dem Weg nach Las Vegas sind. Als Ruby kurz aussteigt, um sich die Füße zu vertreten, greifen die Motorradfahrer Harry an, interessieren sich jedoch schnell viel mehr für die zurückkehrende Ruby; Harry verteidigt anders als Frank zu Beginn seine Frau nicht, sondern bietet ihnen seine Frau sogar zur Vergewaltigung an. Doch während Harry die Auseinandersetzung nicht überlebt, kann Ruby mit einem Streifschuss überleben und trifft wenig später auf Cory, der den Übeltätern, die ebenfalls wie Ruby auf dem Weg nach Las Vegas sind, noch immer auf der Spur ist.

Bald reduziert sich die Zahl der Verbrecher, die nun ihrerseits die Verfolgung aufgenommen haben, erst aufgrund innerer Streitigkeiten, dann nach einer versuchten Vergewaltigung Rubys – Ruby ersticht ihn in Notwehr – auf nur noch einen. Cory ist währenddessen eine Nacht lang außer Gefecht gesetzt, da er von einer Klapperschlange ins Bein gebissen wurde; das Gift musste Ruby zwar aussaugen, das verbliebene Gift in seinem Körper lässt ihn jedoch delirieren, während sich Ruby ihrer Vergewaltigung erfolgreich allein erwehrt. Brahmin, der verbliebene Anführer des Motorradtrios, beschießt nun unter wüsten Beschimpfungen immer näher kommend Ruby und Cory, die sich in einer Mulde verstecken. Als er ihnen Auge in Auge gegenübersteht, explodiert eine Sprengstoffalle, die Cory zuvor ausgelegt hat, und tötet Brahmin. Cory beschließt, Ruby, mit der er sich angefreundet hat, nach Las Vegas zu fahren und dann zu seiner Frau heimzukehren.


Review:

Nach „Mudhoney“ (1965) folgte im gleichen Jahr mit „Motor Psycho“ bereits der nächste Roughie Russ Meyers, der vor „Die Satansweiber von Tittfiled“ (1965) gedreht wurde, aber 6 Tage nach diesem seine Erstaufführung fand. Wie nah sich die beiden Filme inhaltlich sind, erklärt folgender kurzer Dialog zwischen Russ und Eve Meyer:
„Ich habe eine großartige Idee, wir werden das mit drei bösen Mädchen machen.“ – „Bist du sicher, dass das funktioniert?“ – „Absolut.“
Sämtliche Darstellerinnen in „Motor Psycho“ traten zum ersten Mal in einem Film von Meyer auf, und nur Haji, die damals 19jährige Darstellerin der Ruby, sollte in mehreren Meyer Filmen, darunter in „Die Satansweiber von Tittfield“, zurückkehren.

„Motor Psycho“ besitzt weniger psychologische Aspekte und Gesellschaftskritik als die meisten vorhergehenden Filme Russ Meyers, verzichtet jedoch nicht darauf, sondern wendet die bekannten Klischees gekonnt an, um diesmal eine erstmalig sehr geradlinig erzählte Rachegeschichte in den Vordergrund zu stellen. Was auffällt ist, welche Frauen wann Opfer der Motorradgang werden: Frank hat nur Augen für seine Angelei, als sich seine Freundin vor ihm im Bikini in die Fluten wirft, beschwert er sich, dass sie die Fische damit vertrieben hat. Ruby ist für ihren Mann, eine Unglaublichkeit an fleischgewordener Ekelhaftigkeit, nichts anderes als eine ausgediente Matratze, die er fortwährend beschimpft und Corys Frau Gail fällt der Gang zum Opfer, als ihr Mann berufsbedingt gerade fort ist. Opfer werden die Frauen also dann, wenn die Liebe des Mannes oder der liebende Mann gerade abwesend sind, und Opfer werden sie Männern, deren Lebensinhalt nur aus Hedonismus und Gewalt besteht, garniert mit einem Kriegstrauma im Falle Brahmins, des Anführers der Gang.

Während die meisten wichtigen Figuren in „Motor Psycho“ auf dem Weg nach Las Vegas sind, dem gelobten Land, das ihnen Glück verheißt, beginnt „Die Satansweiber von Tittfield“ in einem Las-Vegas-artigen Stripclub, den drei attraktive Frauen auf der Suche nach Hedonismus und Gewalt verlassen…


Fazit:

Spannend erzählter Motorradgang-Thriller, der weniger Voyeurismus als sonst bei Russ Meyer üblich bietet, aber auch etwas weniger Tiefgang.


Wertung:

7 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 23.03.2017 21:30 
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Die Satansweiber von Tittfield – Russ Meyer

(USA 1965)

Januar 2003, VHS (Warner Vision, DF, 1,33:1)
15.3.2017, Kino (Kommkino Nürnberg, DF, 35mm, gekürzt, 1,33:1)
22.3.2017, DVD (Arrow, OV, 1,33:1)



Der Eisenstein des Sexfilms.
John Waters über Russ Meyer



Inhalt:

Die drei Stripperinnen Varla, Rosie und Billie, Erstere dominant, die Zweite unterwürfig, aber aggressiv, Letztere ein Partygirl, beschließen die große Stadt zu verlassen und das Glück in der Mojavewüste zu suchen. Dort treffen sie Tommy und Linda, die sie zu einem Autorennen herausfordern. Als sich herauszustellen droht, dass Tommy der bessere Fahrer ist, wagt Varla ein Maneuver, das Tommy dazu zwingt, seinen Wagen aus der Fahrbahn zu lenken und ihn beinahe verunglücken lässt; sie gibt ihm jedoch die Schuld daran, dass ihr beinahe etwas zugestoßen wäre. Die drei Amazonen geraten mit den Beiden daraufhin in Streit, in dessen Verlauf Varla gegen Tommy Handkantenschläge gegen Genick und Wirbelsäule einsetzt und ihn so schließlich tötet. Damit Linda nichts verrät, fesseln sie sie, nehmen sie mit und wollen noch überlegen, was mit ihr zu tun ist.

An einer Tankstelle begegnet den Vieren der dreckige alte Mann und der Blumenkohl, ein so dummer wie muskulöser und attraktiver junger Mann. Um den Alten auszurauben, folgen sie ihn auf seine Ranch, auf der unzählige Schrottautos vor sich hin rosten. Doch der Alte hat den Satansweibern gegenüber Verdacht geschöpft, da er gesehen hat, dass Linda anfangs noch gefesselt und geknebelt war und will sie danach befragen, während sich sein Sohn, der Blumenkohl, mit Billie vergnügt, die eigentlich auf Linda aufpassen soll. Linda versucht daraufhin zu fliehen, auch, weil der Alte sie anscheinend angegriffen hat. Es stellt sich heraus, dass der Alte in seiner Jugend ein traumatisierendes Erlebnis hatte, als er seiner Freundin beim Einsteigen in einen Zug behilflich sein wollte; er stürzte dabei vor den Zug, wurde überrollt und ist seitdem.an den Rollstuhl gefesselt, während seine Freundin sich darum nicht bekümmerte. Und wenn ein Zug vorüberfährt, wirft er ihm die Zornesworte verbittert entgegen: „Blas ruhig dein Horn! Schick deine Botschaft! Fauch´ und stampf´, wie du´s seit Ewig tust: Töte, zermalme und fahr´ ungestraft weiter!“ Da Linda seiner Jugendliebe ähnlich sieht, hat der Alte beschlossen, sie zu töten – und es ist offensichtlich nicht das erste Mal, dass er mit Hilfe seines Sohnes, des muskelbepackten Idioten, Frauen tötet.

Linda flüchtet direkt in die Arme von Kirk, der sich als der andere Sohn des dreckigen alten Mannes herausstellt, von dessen Taten weiß, oder sie zumindest ahnt, sie jedoch verdrängt. Er bringt Linda zurück. Dort hat sich nichts weiter verändert und es findet ein Essen statt, das der Blumenkohl zubereitet hat, der Alte meint: „Er kocht besser als seine Mutter“ – woraufhin Varla höhnisch entgegnet: „Sagen Sie bloß, dass er auch nähen kann“ – „Nähen nicht unbedingt, aber Stopfen kann er schon“; dabei bricht er in brüllendes Gelächter aus. Billie vergnügt sich nun mit dem Blumenkohl und Varla mit Kirk, der sich selbst, während es mit Varla zur Sache geht, als schwach und sie so stark bezeichnet, dabei brechen zwischen den Satansweibern jedoch Konflikte hervor, denn Billie will sich als heiteres Partygirl an dem gewalttätigen Spiel, das Varla treibt, nicht mehr beteiligen und gehen. Von hinten tötet Varla Billie mit einem Wurfmesser, das sie sich von Rosie geben lässt. Rosie, die Billie das Messer wieder aus dem Rücken ziehen soll, wird von dem Muskelmann getötet, der zuvor mit dem Alten erneut Linda gejagt hatte, um sie, von seinem Frauenhass angestachelt, umzubringen, Kirk konnte sie jedoch retten. Aus Wut darüber, dass der Blumenkohl Rosie erstochen hat, tötet Varla ihn, indem sie ihn mit ihrem Porsche gegen die Wand drückt und den Alten, indem sie ihn überfährt, dabei erkennt sie, dass er sein Geld ständig in seinem Rollstuhl versteckt hatte. Im Anschluss verfolgt sie Kirk und Linda, die vor dem Gewaltexzess geflohen sind und setzt insbesondere Kirk mit ihren Karatehieben zu. Linda setzt sich in Panik ins Auto, um sich zu retten, indem sie Varla überfährt; Varla, dies erkennend, rast frontal auf das Auto zu und stirbt neben Kirks Körper liegend, den sie in ihren letzten Atemzügen liegend noch immer, allerdings erfolglos, zu töten sucht.


Review:

Unmittelbar nach „Motor Psycho“ (1965) drehte Russ Meyer sein erstes Meisterwerk, das in Deutschland den poetischen Titel „Die Satansweiber von Tittfield“ bekommen hat. Haji, die in „Motor Psycho“ bereits die weibliche Hauptrolle hatte, sollte ursprünglich die Rolle der Varla bekommen, besetzt wurde schließlich allerdings Tura Satana, die wie ihre Filmrolle im wirklichen Leben Tänzerin und Stripperin war und deren Darstellung bis heute als ikonisch gilt. Haji bekam dennoch eine Hauptrolle, die von Varlas Freundin Rosie und sollte bereits zwei Jahre später in Russ Meyers „Good Morning… and Goodbye“ (1967) wieder auftauchen. Für Lori Williams (Billie) und die erst 16jährige Sue Bernard (Linda) war „Die Satansweiber von Tittfield“ der einzige Film Russ Meyers, in dem sie mitwirkten; Bernard lobte später Meyers Regiestil, den sie als ermutigend und nie demütigend empfand.

Nach den Dreharbeiten von „Motor Psycho“ hatte Russ Meyer die Idee, die gleiche Geschichte nochmal zu verfilmen, mit dem Unterschied, aus den 3 männlichen Motorradfahrern drei Frauen zu machen. Auch von der Konstruktion der Geschichte setzt „Satansweiber“ „Motor Psycho“ fort; so haben die meisten Charaktere in „Motor Psycho“ das Ziel nach Las Vegas zu gelangen, wo sie sich Glück erhoffen, in diesem Film jedoch verlassen drei Stripperinnen zwar nicht Las Vegas, aber ihren Club in der großen Stadt, in dem sie tanzen, um in der Wüste das Glück zu finden, das sie beim wenig überzeugenden männlichen Publikum der Stripclubs nicht finden können: nach dem Geschwindigkeitsrausch der Autorennen, Macht, Sex, Gewalt und Reichtum.

Nun wird zwar der Riege Meyerscher männlicher Verlierertypen mit dem Blumenkohl (im Original: Vegetable) ein weiterer hinzugefügt, dem des überaus dummen Mannes, der einer Frau nicht die Aufmerksamkeit zukommen lassen kann, die sie Wert ist und sich allenfalls nimmt, was ihm aufgrund seines guten Aussehens in den Schoß fällt, mehr jedoch will „Die Satansweiber von Tittfield“ offenbaren, dass die meist männlichen Schurken in Filmen – wie auch besonders die in „Motor Psycho“ – eine Metapher für Gewalt sind, und die Gewalt sich auch unter einer schönen Oberfläche verbergen kann: attraktiven Frauen. „Sie hatte nichts Menschliches. Sie war ein Jeckyll und Hyde“ meint Kirk am Ende des Films, als Varla gestorben ist…

Auch hier in diesem Film sind die Frauen den Männern überlegen - attraktiv sind schon mal nur zwei aller im Film auftauchenden Männer, der Blumenkohl und Tommy, Lindas früh im Film verstorbener Freund. Sympathisch sind mit Einschränkungen allenfalls der farblose Tommy und Kirk, der allerdings von den Morden, die sein Vater mit dem Blumenkohl zusammen unternimmt, etwas ahnt und erst dann etwas dagegen unternimmt, als die Gewalt nach dem Auftauchen der Satansweiber eskaliert. Überaus hässlich ist der dreckige alte Mann und der Tankstellenbetreiber. Wenig selbstbewusst handelt zudem Kirk, wenn er sich mit Varla vergnügt und meint, er sei doch so schwach und sie so stark. Unsympathische hässliche, dumme Weicheier stehen nun vier Frauen gegenüber, drei davon die „Satansweiber“, attraktiv, selbstbewusst und zielstrebig, unter deren „zarter Hülle“ sich „die Gewalt verbirgt“, wie ein Sprecher im Vorspann prophezeit. Und Linda, die den halben Film über gefesselt und teils geknebelt zu sehen ist, muss am Ende des Films die Initiative ergreifen und tödliche Gewalt gegen Varla anwenden, um sich und damit auch Kirk zu retten. „Die Satansweiber von Tittfield“ zeigt Nietzsche folgend neue Gegensatzpaare: Nicht mehr „Gut und Böse“ alleine, sondern „Gut und Böse“ und „Gut und Schlecht“. Dabei repräsentiert Linda das Gute, die Männer das Schlechte und die Satansweiber das Böse. – Während die Sichtweise, dass die drei Verbrecherinnen in dem Film mit ihrem Selbstbewusstsein und ihrer zielgerichtet eingesetzten Sexualität Vorläufer des Feminismus darstellen, werden klassische „Emma“-Feministinnen da natürlich widersprechen, denn in deren Welt dürfen Frauen weder Opfer noch Täter sein (man recherchiere den feministischen Aufschrei noch 1995, als der Film „Enthüllung“ startete, Frauen vergewaltigen doch keine Männer!).

Formal ist der Film außerordentlich gelungen und setzt erstmalig nicht nur in einzelnen Szenen, sondern klug über den ganzen Film verteilt Meyers Stakkatoschnittechnik ein. Auffällig ist zudem die Beleuchtung und der Lichteinsatz – der Film wurde insbesondere im Morgen- und Abendlicht gedreht und Scheinwerfer oben angesetzt – die das Schwarz noch schwärzer und das Weiß noch greller wirken lassen. Die schnellen Schnitte und die grellen Bilder fügen sich so perfekt mit dem filmischen Inhalt der Enthüllung und Portraitierung der Gewalt in ein meisterhaft durchdachtes und vielschichtiges Gesamtkonzept ein.


Fazit:

Großartige Studie über den Zusammenhang von Sex und Gewalt.


Wertung:

10 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 25.03.2017 12:58 
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Mondo Topless – Russ Meyer

(USA 1966)

März 2003, VHS (Focus, DF 1,33:1, erweiterte Fassung)
16.3.2017, Kino (Beam der Arrow-DVD, OV, 1,33:1)



Inhalt:

Der Film stellt sieben Frauen, die mit Russ Meyers Idealproportionen ausgestattet sind vor und entführt uns von San Francisco, Amerikas angeblich ältester Stadt mit Toplesstänzerinnen, wo „Touristen und Kongressbesucher von San Franciscos geräumigem Busen“ jedoch auch „fasziniert“ sind, nach Europa, wo wir sieben weitere Frauen in Clips aus „Europe in the Raw“ (1963) tanzen sehen können und wieder zurück in den Staaten von Babette Bardot erfahren, dass „in Europa, wenn ein Mann mit einer Frau schlafen will und auch sie nicht abgeneigt ist, dann tut sie es einfach“.


Review:

Das erste Bild des Films zeigt das Straßenschild „Twin Peaks“, was schon mal sympathisch ist, danach verfolgen wir Babette Bardot, wie sie oben ohne in einem Auto durch die Straßen von San Francisco fährt, was irgendwie an eine Sexfilmversion von „Bullitt“ (1968) erinnert und auch sympathisch ist. Dazu hören wir jedoch, wie John Furlong in marktschreierischer Manier San Francisco und die Damen, die wir im Film nachfolgend sehen werden, anpreist, was schon nach wenigen Sekunden nervig ist – in der deutschen Fassung hören wir hier jedoch stattdessen Herbert Weikers wesentlich sanftere Stimme, was erträglicher ist.

Babette Bardot sollte in Meyers nächstem Film „Die liebestollen Hexen“ (1967) erneut auftauchen und darf in „Mondo Topless“ an den Drehorten tanzen, an denen „Die Satansweiber von Tittfield“ (1965) gedreht wurde, d. h. wir sehen die Ranch des schmutzigen alten Mannes wieder und Babette unter dem Wasserspender und neben den Gleisen eines vorbeifahrenden Zuges strippen, was sich als eine interessante Anspielung auf das Trauma des schmutzigen alten Mannes selbst darstellt.

Davon abgesehen erfahren wir Überflüssiges wie, dass es Stripperinnen gefällt, sich zu Musik zu bewegen und dass sie es nicht unmoralisch finden, oben ohne zu tanzen, Interessantes wie, dass man Auftritte weich beginnen sollte, „weil das eine Sache des Anstands ist“, sowie, dass bei Darlene Grey der Busen zu groß ist und sie deswegen nicht Playmate werden konnte und Pat Barrington auch gerne „Privattanzunterricht“ gibt, „die Typen werden aber erst nach ein paar Drinks selbstbewusster und wollen neue Schritte lernen“.

Neben Titten, Titten und Titten sehen wir zudem eine Unmenge von ins rechte Licht gerückter Transistorradios und Aufnahmegeräte, mit denen die Interviews aufgezeichnet wurden und es dem Zuschauer erstmalig ermöglichen sollten, Frauen strippen und tanzen zu sehen und dabei gleichzeitig etwas über sie von ihnen selbst zu erfahren; und meyertypische knallige Farben und Stakkatoschnitte. Außerdem sehen wir Lorna Maitland in Szenen aus „Lorna“ (1964), ihren Testscreenings und Aufnahmen von Premierenfeiern ihres nach ihr benannten Films, erfahren von ihren Filmkarriereplänen, aus denen leider nichts geworden ist und können ihre Brüste nun erstmalig in Farbe bewundern. Entgegen den Informationen im Internet u. a. bei Filmtipps.at ist „Mondo Topless im Übrigen nicht Meyers erster Farbfilm, das war sein Langfilmdebut „Der unmoralische Mr. Teas“ (1959); Meyers nachfolgende Filme waren meist auch farbig.

In der deutschen Fassung (Focus VHS und Warner Vision DVD) gibt es knapp 2 Minuten zusätzliches Material mit dem bayrischen Busenwunder Tundi, das sich ausführlicher auch in Russ Meyers „Pandora Peaks“ (2001) befindet und sich aufgrund der 80erpornomukke und dem Sprecherwechsel (nicht mehr Herbert Weiker) wenig harmonisch in den Film einfügt, der neben meist attraktiven Frauen vor allem von der Musik von „The Aladdins“ punktet und die teilweise in „Die liebestollen Hexen“ wiederverwendet wurde. Ein musikalischer Hinhörer ist insbesondere die Begleitmusik zur Unterwasserfilmerei.

Im Gegensatz zum künstlerisch formvollendeten „Die Satansweiber von Tittfield“, der ironischerweise zusammen mit „Mudhoney“ (1965) zu Meyers drei größten finanziellen Flops zählt, wurde „Mondo Topless“ ein großer Erfolg in den Drive-In-Kinos.


Fazit:

Insgesamt aufgrund der unterhaltsamen Inszenierungsweise, den meist attraktiven Tänzerinnen und der eingängigen Sixtiesmusik trotz der banalen Interviews unterhaltsam.


Wertung:

7 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 25.03.2017 13:05 
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Die liebestollen Hexen – Russ Meyer

(USA 1967)

Januar 2003, VHS (Warner Vision, DF, 1,33:1)
16.3.2017, Kino (Kommkino Nürnberg, OV, 1,33:1)



Meyer glaubte, dass wenn er mit seinen Darstellerinnen schlief, der Film schlecht werden würde. Er hätte sie dann während des Drehs nicht mehr begehrt. Er musste sie während der Dreharbeiten wollen.
Stan Berkowitz



Inhalt:

Dewey Hoople und der alte Cracker stecken zusammen unter einer Decke: Hoople besitzt am Colorado River eine Hütte, in der Touristen ihre Ferien verbringen können, da sein Heim jedoch ziemlich heruntergekommen ist, preist Cracker in Deweys Auftrag dessen Unterkunft als hochwertig und sehenswert an. Das Ehepaar Sheila und Dr. Martin Ross sowie der korrupte Expolizist Barney Rickert fallen darauf rein, doch auch sie haben ihre fiesen Pläne: Während sich Barney mit Diebesgut, Edelsteine im Wert von 40 Millionen Dollar, nach Mexiko absetzen will, weiß Sheila, dass ihr Mann herzkrank ist und wartet nur auf eine Gelegenheit, dem Zufall nachzuhelfen.

Auf Hoople´s Haven werden sie nun von Dewey, seiner Tochter Coral und Babette, die mit Dewey in wilder Ehe zusammenlebt, empfangen, Cracker macht sich indessen scheinbar grundlos mit dem Motorboot aus dem Staub, sodass Sheila, Martin und Barney festsitzen. Sie werden Zeugen, wie Babette zur Touristenunterhaltung halbnackt einen Indianertanz in freier Wildbahn aufführt und sich zum Höhepunkt der Darbietung von einem hohen Fels in den Colorado stürzt und dass sich Dewey anscheinend mehr für seine Tochter als für Babette interessiert. Doch auch die Touristen zeigen manche Disharmonie, Sheila und Martin hassen sich, und als sie Babette wegen ihres Lebensstils kritisiert und andeutet, sie prostituiere sich, bedroht diese sie mit einem Tranchiermesser. Kurz darauf erklärt Barney Babette, dass ihn Badehosen so sehr beengen, auch hier kann sie sich jedoch erfolgreich seinem Wollen zur Wehr setzen.

Bei einem Catfight, den Sheila und Babette rittlings auf den Schultern der Männer im Colorado austragen – Martin meint zu Babette „Ich würde mich glücklich schätzen, Ihr Hengst sein zu dürfen“ – erfüllt sich Sheilas Traum und Martin stirbt an einem Herzanfall; Babette verdächtigt sofort zurecht Sheila, da sie als Krankenschwester hätte wissen müssen, dass sich Martin nicht überanstrengen durfte. Als nun Barney Sheila unter Druck setzt und sie wegen Mordes erpressen will, überschlagen sich die Ereignisse: Zufällig taucht Laurence Talbot III. auf, in den sich Coral sofort verliebt, was wiederum ihren Vater zur Weißglut treibt, und Barney, der Babette als Geisel genommen hat und Cracker, der gerade mit seinem Motorboot zurückkehrt erschießt und nun statt Babette lieber Laurence und Coral als Geiseln bevorzugt, um mit ihnen nach Mexiko zu fliehen – schließlich würde ja nur nach einem Mann gesucht werden, nicht nach einer Gruppe von dreien – stirbt, nachdem ihn das Motorboot nach einem Kampf mit Laurence und Coral überfährt.


Review:

Nach vier Roughies in schwarz/weiß und seiner kurzen Rückkehr zu den Nudies seiner Frühphase mit „Mondo Topless“ (1966) drehte Russ Meyer „Die liebestollen Hexen“ mit den drei ausgesprochen gut proportionierten Darstellerinnen Babette Bardot („Mondo Topless“), Alaina Capri, die auch im nachfolgenden Meyer-Film „Good Morning… and Goodbye“ (1967) die Hauptrolle spielte und der deutschen Adele Rein, die wie damals Lorna Maitlaind in „Lorna“ (1964) während der Dreharbeiten schwanger war und so von einem größeren Brustumfang profitierte.

„Die liebestollen Hexen“ leitet eine Phase ein, die sich langsam von den Roughies zu den Grotesken Meyers Spätwerk entwickelt. Bereits in „Lorna“ gab es groteske Szenen, wenn kurz vor Lornas Tod ein Sensenmann sein Werkzeug schwingt, und allein das Auftauchen von Princess Livingston, der damals hässlichsten Frau der Welt, in „Mudhoney“ (1965) erinnert an den grotesken Camp späterer John-Waters-Filme. In diesem Film wird nun erstmals eine längere Szene gezeigt, wie sie später bei Meyer in einigen Filmen unentwegt zu sehen sind, wenn nämlich Babette unter wildem Kriegsgeheul einen Indianertanz aufführt. Und auch die Oberweiten aller drei Darstellerinnen sind noch mehr, als bisher bei Meyer gekannt und reichen schon fast an die in „Im tiefen Tal der Superhexen“ (1979) heran – für manche sicher auch grotesk übersteigert…

Dramaturgisch ist „Die liebestollen Hexen“ leider misslungen, da der Film viel zu sprunghaft erzählt wird. So sehen wir gegen Ende eine Szene, in der der korrupte Barney Rickert Babette als Geisel nimmt und sie mit einer Waffe bedroht. Es folgt ein Szenenwechsel und wir sehen Carol und Laurence, auf die nun Barney allein zurennt, um diese als Geiseln zu nehmen, während der Zuschauer sich verwirrt Gedanken darüber macht, was mit Babette geschehen ist und warum er sie anscheinend freigelassen hat. Oder hat er sie umgebracht…? – Dass das Drehbuch des Films wohl noch während der Dreharbeiten umgeschrieben wurde, ist auch insofern naheliegend, als dass Cracker zu Beginn, wenn er Sheila und Martin kennenlernt, nur zu sehen ist, wie er mit ihnen spricht, darunter auch Nahaufnahmen von seinen Lippenbewegungen, einem Barkeeper (dem Zuschauer) aber aus dem Off erklärt, was er zu ihnen sagt – sie nach Hoople´s Haven gelockt hat. Man hat da möglicherweise vergessen zu erzählen, warum überhaupt Sheila, Martin und Barney in Deweys Hütte kommen und Cracker einfach so mit seinem Boot wieder verschwindet und hat, um der völligen Verwirrung des Zuschauers vorzubeugen, nachträglich noch etwas repariert.

Trotzdem besitzt der Film keinen Leerlauf, wird nie langweilig und besitzt dank der schauspielerischen Qualitäten Babette Bardots, Alaina Capris und Adele Reins viele herzerwärmende Momente.


Fazit:

Wirr, aber unterhaltsam und mit überzeugenden Schauwerten.


Wertung:

7 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 27.03.2017 19:13 
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Good Morning… and Goodbye – Russ Meyer

(USA 1967)

Herbst 1993, TV (RTL, DF, 1,33:1)
Januar 2003, VHS (Warner Vision, DF, 1,33:1)
27.3.2017, DVD (Warner Vision, DF, 1,33:1)



„In Meyers Kino ist „guter“ gesunder Sex eine Voraussetzung, um Zufriedenheit zu erlangen und die kosmische Ordnung aufrecht zu halten.“
David K. Frasier



Inhalt:

In der Familie Boland liegt etwas im Argen: Vater Burt ist reich und anerkannt, aber impotent, sodass er seine Frau Angel nicht mehr befriedigen kann. Angel muss sich daher ihre sexuelle Befriedigung von anderen Männern holen, denn sie ist „grausam gequält von ihrer Gier“ – und übt deswegen Grausamkeit aus. Und das 16jährige Töchterchen Lana ist vermögend wie ihr Vater, hemmungslos wie ihre Mutter und auf der Suche nach ersten sexuellen Erfahrungen. Lana tanzt gerne mit ihrem Freund Ray zu Rock´n´Roll-Musik aus dem Transistorradio, dabei kommen sich die Beiden näher; als eine Werbesendung für ein Mundspray die Musik, nicht aber die Tanzenden unterbricht, meint Ray:
„Du benutzt es nicht, das kann ich riechen. Bei jemandem wie dir turnt mich der schlechte Atem an.“
„Aber du riechst auch nicht gerade nach Veilchen. Ich mag es, wenn du so redest, so schön versaut.“
„Ein Buch hast du wohl auch nicht zu Hause, weil du soviel Unsinn redest. Aber vielleicht kaufst du dir auch keins, weil es deinen Vater ruinieren würde. Ich muss nach Hause, du reißt keinen Mann vom Hocker.“
„Was du nicht sagst.“


Zwischen dem Prollpärchen Herb und Lottie funkt es nicht besser, als zwischen Burt und Angel oder Lana und Ray und sie beleidigen sich heftigst wegen ihrer unerträglichen Körpergerüche. Als Herb Lottie bei einem Seitensprung mit seinem Bauarbeiterkollegen, dem Exmasseur und Körperfetischisten Stone, erwischt, ist er dennoch eifersüchtig und wütend und greift Stone an, gegen den er jedoch keine Chance hat und der, von Herbs Frau angefeuert („er braucht das!“), ihn ohnmächtig prügelt, nur um Lottie danach weiter zu ficken („wie lang bleibt er – so schön bewusslos?“). Stone, dar auch einer von Angels Sexualpartnern ist, bekommt schließlich jedoch auch, was er verdient, als sich Burt, von einer Hexe von seiner Impotenz geheilt, an ihm mit brutaler Gewalt rächt – diesmal unter den anfeuernden Rufen und der Mithilfe Herbs.


Review:

„Good Morning... and Goodbye“ ist nach „Motorpsycho“ (1965) und „Die Satansweiber von Tittfield“ (1965) der dritte Film, den Russ Meyer mit Haji drehte, die hier die Hexe spielt und sein zweiter Film mit Alaina Capri, die unmittelbar zuvor in „Die liebestollen Hexen“ (1967) eine Hauptrolle hatte und sich danach von der Schauspielerei verabschiedete, Lehrerin wurde und hoffte, dass ihre Schüler nicht entdeckten in welchen Filmen sie früher einmal spielte. Anders als Alaina Capri sollte Haji noch in zwei weiteren Filmen Meyers auftreten und ist damit die Schauspielerin mit den meisten Rollen in Russ-Meyer-Filmen.

Der Film ist wohl das Schlüsselwerk Russ Meyers, wenn auch nicht sein Vollkommenstes und zeigt die wichtigsten Elemente seiner früheren Filme nochmals auf, indem er schwache Männer darstellt, die entweder impotent sind wie Burt, schmutzig und hässlich wie Herb, brutal und bösartig wie Stone oder einfach noch nicht wissen, wie man Charme einsetzt wie Ray. Gleichzeitig sind die Frauen an Intelligenz, Charme und Schönheit wieder einmal überlegen, sind jedoch wie in „Die Satansweiber von Tittfield“ skrupellos und grausam, wenn auch nicht in gleichem Ausmaß. Deutlicher als in den bisherigen Filmen zeigt „Good Morning... and Goodbye“ jedoch die psychologischen Gründe auf, die für die Grausamkeit der Frauen verantwortlich sind und weißt den unfähigen, impotenten und brutalen Männern die Schuld zu. Dabei endet der Film nicht so düster, wie die Roughies zuvor, sondern bietet dem Zuschauer eine Hoffnung und seinen Protagonisten eine Lösung des Problems: Magie! Oder vielleicht besser: Natur. Die Hexe, die besonders Burt in dem Film erst verfolgt, dann einfängt und ihm rituell Zauberkräuter, einen Kelch mit Blut zu trinken gibt und mit ihm schläft, heilt ihn so von seiner Impotenz und ermöglicht es ihm seine Frau zu befriedigen, sodass Angel von nun an keine anderen Liebhaber mehr braucht. Dies führt gleichzeitig zu einem neuen Selbstbewusstsein und da Besitz nicht automatisch heißt „es zu besitzen, man muss es sich erkämpfen“ wagt es Burt auch, gegen Stone, seinen sexuellen Rivalen, anzutreten.

Die Natur wird in „Good Morning... and Goodbye“ magisch überhöht bewertet und setzt fort, was in „Die liebestollen Hexen“ bereits angedeutet wurde. Dort wird der Colorado River als „aus der Erde sprudelnd, ungezähmt und wild“ beschrieben, mit „alles vernichtenden Fluten“ und „friedlichen Gewässern, die Freude und Leben spenden“. Und noch deutlicher: „Der Colorado räkelt sich in seinem Bett wie eine Frau“. So wie der Fluss Symbol für eine Frau sein kann, ist die Hexe nun ein Symbol für die Natur, ja die personifizierte Natur selbst. „Sie sieht zu – warum? Sie ist hier und überall“ meint der Erzähler zu beginn und tatsächlich sehen wir später, wie Burt im Wald immer wieder an der Hexe vorbeiläuft, die an verschiedenen Orten auf ihn wartet und die er nicht bemerkt. Als „eine konstante Zeugin, die Erscheinung eines Zuschauers bei menschlichen Ereignissen, immer beobachtend, wartend, manipulierend, aber auch stimulierend“ rettet sie nun Burt mit Hilfe eines magischen Rituals und Sex, sodass er in einer „Welt, die keinen Platz mehr für Zauberinnen hat“ sich sein Glück wieder selbst schmieden kann.

Weiterhin ist die Hexe nicht nur die personifizierte Natur, die in die Geschichte eingreift, sondern auch eine Weiterentwicklung der Rolle der Eve in „Eve and the Handyman“ (1961), in der Eve wie eine Privatdetektivin in einen Trenchcoat gehüllt, einen sexuell desinteressierten Handwerker beschattet und in dem es zu bizarren Situationen kommt, wie die, in der eine Anhalterin, die sich von den sexy Posen, die sie einnimmt erhofft, von einem vorbeifahrenden Auto mitgenommen zu werden, von Eve Meyer gespielt wird und dabei von Eve Meyer, die die Privatdetektivin spielt, beobachtet wird. Eve schafft es schließlich, den Handwerker ins Bett zu bekommen, als sie ihm zeigt, dass sie Bürsten und Besen unter dem Mantel zum Verkauf anbietet, und führt ihn so zu „gesundem“ Sex hin. Die Hexe ist wie Eve, indem sie „immer beobachtend“ auf leidgeplagte Menschen wartet, ein idealisierter Zuschauer, der aus der filmischen Handlung, die er beobachtet seine Schlüsse ziehen soll und sich durch Selbsterkenntnis von einem Zuschauer zu einem Spieler wandeln soll. Russ Meyer sollte 9 Jahre später in „Up – Drüber, drunter und drauf“ (1976) das Thema um einen weiteren interessanten Aspekt erweitern (und wird demnächst hier in diesem Theater natürlich besprochen).

Schön an dem Film sind nicht nur die Frauen, sondern auch die Inszenierung; besonders hervorzuheben sind hier wiederum die Szenen mit der „Hexe“ Haji und der magischen Rituale, die Bildpoesie aus „Lorna“ (1964) wieder aufnehmen und für die in den Roughies, die „Lorna“ folgten, zu wenig Platz war. Obwohl in einem taghellen kalifornischen Wald gedreht, begleitet Hajis Szenen eine Tonspur, die eher einen nächtlichen Tropendschungel untermalen müsste, und in das Quaken der Frösche und das aufheulen der Nachttiere mischt sich ein „Miau“, das dem Mund der Hexe mit den exotischen Gesichtszügen entlieht, wenn sie spricht; was eine überzeugende Stimmung erzeugt – nicht nur, wenn zu den Ritualen Musik ertönt, für die Maurice Ravels „Bolero“ die Vorlage gewesen sein müsste.


Fazit:

Der intelligenteste unter den Filmen Russ Meyers mit einigen perfekt gelungenen poetischen Szenen.


Wertung:

9 / 10


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