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 Betreff des Beitrags: HOMICYCLE - Brett Kelly
BeitragVerfasst: 08.04.2017 11:37 
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Homicycle
Kanada 2014 - Directed by Brett Kelly
Starring: Candice Lidstone, Peter Whittaker, Ian Quick, John Migliore, Veronika D'Arc, Christina Roman...


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Den Trailer zu Brett Kellys My Fair Zombie (2013) habe ich bestimmt schon zehn Mal gesehen (der ist bei jeder zweiten Trailershow von Camp Motion Pictures mit dabei), und mit jedem Mal Ansehen gefällt er mir besser, sodaß es mich in den Fingern juckt, dieses skurrile Zombie-Musical endlich mal in den Warenkorb zu klicken, obwohl ich den wandelnden Toten längst überdrüssig geworden bin und sich meine Begeisterung für Musicals in Grenzen hält. Gekauft habe ich mir stattdessen spontan Homicycle, einen anderen Film von Mr. Kelly, einfach aufgrund des coolen Titels und des geilen Covers. Homicycle rattert auf dem Retro-Train dahin, welchen Quentin Tarantino und Robert Rodriguez mit ihrem Grindhouse-Projekt 2007 ins Rollen gebracht haben. Der billig produzierte Film, dessen Look künstlich auf alt getrimmt wurde (inkl. Kratzern, Schmutz und Laufstreifen; an einer Stelle brennt das Zelluloid sogar durch), ist eine Hommage an die Direct-to-Video-Rache-Action-Streifen der 1980er-Jahre. Erzählt wird die Geschichte der Polizistin Julia (Candice Lidstone), deren Ehemann Eddie (Mac Dale), ebenfalls ein fähiger Polizist, vom lokalen Gangsterboß Brock (Peter Whittaker) ermordet wurde. Julia sinnt auf Rache und will Brock auf eigene Faust zur Strecke bringen, da ihre Vorgesetzten den Fall mangels Beweisen ("He's greasier than an eel!") erstmal ad acta gelegt haben. Da taucht plötzlich ein mysteriöser, schwarzgewandeter Motorradfahrer auf, der Jagd auf Brocks Leute macht und sie einen nach dem anderen auf einfallsreiche Weise ins Jenseits befördert.

Der am 29. Oktober 1972 geborene Kanadier Brett Kelly scheint ein glühender Genrefan zu sein, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat und seit 2002 unermüdlich einen Film nach dem anderen herunterkurbelt (einige davon, wie Iron Soldier, Avenging Force: The Scarab, Thunderstorm: The Return of Thor, Jurassic Shark oder Agent Beetle haben es sogar nach Deutschland geschafft). Aktuell spuckt die Internet Movie Database (inklusive seiner Kurzfilme) einunddreißig Regiearbeiten aus. Damit nicht genug, mischt er (manchmal) auch in anderen Bereichen des Filmemachens fröhlich mit. Er ist Schauspieler, Drehbuchautor, Produzent, Sound Mixer, Sänger, Kampfchoreograph, Cutter und Kameramann, macht Spezial- und Make-Up-Effekte sowie Animationen und führt sogar Castings durch. Ein echter Hansdampf-in-allen-Gassen also. Das, was dann am Ende dabei herauskommt, trifft jedoch eher selten auf Gegenliebe. Das Gros seiner Filme dümpelt bei den Publikumsbewertungen zwischen äußerst mageren zwei und nicht sonderlich berauschenden vier Punkten dahin, wobei es sein Jurassic Shark sogar in die "Bottom 100" der IMDb geschafft hat (er belegt derzeit den eindrucksvollen Platz # 22). Sind Kellys Filme also alle für die Tonne, sind sie sämtlich für die Katz'? Da ich von ihm bis dato nur Homicycle kenne, kann ich diese Frage natürlich nicht beantworten. Gehe ich aber von dem eben Gesehenen aus, dann fällt das Resümee in der Tat leider ziemlich zwiespältig aus.

Daß Homicycle kein guter Film ist, sollte nicht überraschen. Das war von den Machern ja auch so beabsichtigt, als Verbeugung vor den billigen Videotheken-Flicks der Achtziger mit Rachethematik, wobei besonders die Parallelen zu The Nail Gun Massacre (1985) ins Auge fallen. Und das kriegt Kelly auch erstaunlich gut hin. In seinen besten Momenten wirkt Homicycle glatt, als wäre er Mitte der 1980er-Jahre entstanden. Die Kamera, die Ausleuchtung, der Szenenaufbau, der schrille Schurke, die Dialoge, das alles in Kombination mit der herrlichen Synthesizer-Musik, da kommt bisweilen ein sehr stimmiges 80er-Flair auf. Leider wird diese nette Stimmung durch die ironische Herangehensweise von Kelly & Co getrübt. Im Gegensatz zu den (meisten) Vorbildern nimmt sich Homicycle nämlich nicht ernst, das Augenzwinkern ist stets präsent. Dazu kommen die vielen Schwächen (sowohl technischer und schauspielerischer als auch inhaltlicher Natur), die so eine niedrig budgetierte Produktion mit sich bringt. Immerhin begeht Kelly nicht den Fehler, die Geduld der Zuschauerschaft überzustrapazieren. Homicycle schafft es mit Ach und Krach auf siebzig Minuten Laufzeit; zieht man den Vorspann, den Abspann sowie die Intermission (*) ab, kommt man nur auf achtundfünfzig Minuten Film. Aber selbst über diese kurze Strecke entwickelt der Streifen keinen richtigen Fluß, da die Geschichte nicht viel hergibt und weil zwei, drei Szenen (wie der Auftritt einer Rockgruppe oder ein Bikini-Contest) bloßes Füllmaterial sind, um das Movie annähernd auf Spielfilmlänge zu strecken.

So sind es die einzelnen Set-Pieces, die weit mehr zu überzeugen wissen als der Film als gesamtes. Wie der coole erste Auftritt des Bikers bei Nacht, Nebel und Gegenlicht, oder der bleihaltige Shootout im Gangsterhauptquartier. Ebenfalls erwähnenswert sind die kreativen Methoden, mit welchen der Rächer sein blutiges Handwerk erledigt. Einen von Brocks Handlangern schlägt er die Faust durch den Leib, einem anderen schnetzelt er die Pfote am rotierenden Vorderrad seines Bikes ab, einem dritten reißt er das Bein aus und prügelt damit eine weitere Schurkin zu Tode. Ein Gangster wird mit Nägeln aus einer Nagelpistole perforiert, und ein Übeltäter schließt unangenehme Bekanntschaft mit einem Klopömpel, den unser Antiheld mal eben zweckentfremdet. Die überwiegend praktischen Spezialeffekte sind überaus cheesy und überzeugen kein bißchen, wobei CGI-Blut nur bei einigen Schußwunden zum Einsatz kommt. Ein paar Worte möchte ich noch über die dürftig bis gar nicht charakterisierten Hauptfiguren verlieren. Brock ist ein völlig lächerlicher Bösewicht und wirkt in seinem Piraten-Outfit wie eine häßliche Hafentranse, Julia ist dumm wie Brot, beeindruckt aber mit ihrem dick aufgetragenen blauen Lidschatten, und der mordende Biker spricht kein Wort und scheint unverwundbar zu sein. Wenn man keine Berührungsängste mit spottbilligen B-Movies hat und einem die sogenannten Grindhouse-Filme noch nicht zum Halse raushängen, dann kann man Homicycle also trotz aller Schwächen gut goutieren, sofern man die Ansprüche ein Stück weit nach unten schraubt.

(*) Nach dem hübsch gestalteten "Filmriß" laufen plötzlich einige Werbespots (für Popcorn, Würstel, Kaffee, Eiscreme) und Benimmregeln (Herummachen in der Öffentlichkeit verboten) ab, wie sie üblicherweise in Drive-Ins zu sehen waren. Diese Idee mag zwar nett sein, ist aber hier ausgesprochen fehl am Platze. Die Werbefilmchen (geil: das animierte Hot Dog-Würstchen) machen auf mich einen sehr authentischen Eindruck, weshalb ich denke, daß es sich dabei um echte, zeitgenössische Spots handelt und nicht um neu gedrehte Fakes.

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