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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 30.06.2016 17:55 
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Film Nr. 30

DIE WELT OHNE MASKE
(Ein Film vom Fernsehen)
(Deutschland 1934)

EA: Deutschland 9. März 1934

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Inhalt:
Der arbeitslose Elekrotechniker Harry Palmer ist neu in ein Mietshaus eingezogen. Nebenan hört er erheblichen Krach und er stellt sich dem Nachbarn vor. Der Nachbar ist der Physiker Dr. Tobias Bern und er arbeitet derzeit an einer Erfindung, um am internationalen Wettbewerb für die beste drahtlose Bildübertragung teilzunehmen. Harry, der selbst vier Semester Physik studiert hatte, aber auch durchfiel, findet Gefallen an dieser Erfindung und will fortan Dr. Bern dabei helfen. Aber auch die großen Elektrokonzerne schlafen nicht und sind Konkurrenten, wie z.B. der arrogante Industrielle Mr. Costa. Harry und Tobias benötigen Geld, um ihre Experimente weiterführen zu können. Harry will ein Patent anmelden, kann sich aber mit dem Patentanwalt Dr. Niemann nicht einigen. Später taucht Merker, ein zwielichtiger Gauner in der Dachwohnung von Dr. Bern auf. Der will die gesammte Erfindung mit allen Apparaturen für 2000 Mark aufkaufen. Harry lehnt ab, weil er diesen Gauner durchschaut hat und schmeißt diesen kurzerhand raus. Harry stattet nun Mr. Costa einen Besuch ab und bietet ihm eine Teilhabe an, wenn er sie mit Geld unterstütze. Costa lehnt auf herab lassende Art ab, weil er selbst Techniker habe. Als Harry später die Dachwohnung wieder betritt, stolpert er über die ganzen Kabel und bringt diese durcheinander. Da Dr. Bern nicht anwesend ist, verbindet Harry die Kabel eher wahllos miteinander. Als Dr. Bern später die Apparaturen einschaltet, traut er seinen Augen nicht. Plötzlich können sie Bilder sehen. Tobias und Harry haben nun das richtige Fernsehen erfunden, aber sie sehen nicht nur fern, sondern können durch und durch sehen. Das heißt, ihre Erfindung ist in der Lage, durch alles hindurch zusehen. Durch andere Häuser, durch Wände, in andere Wohungen und somit können sie Leute beobachten. So auch Mr. Costa, den Harry per Telefon kontaktiert und diesen mitteilt, was er gerade tut. Costa ist fassungslos und sein Interesse ist geweckt, aber Harry erteilt diesem nun seinerseits eine Abfuhr. Daraufhin schickt Costa den Gauner Merker und andere zwielichtige Gestalten los, um die Erfindung zu bekommen.

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Dr. Bern und Harry mit ihren Apparaturen

Nach EIN UNSICHTBARER GEHT DURCH DIE STADT (siehe Film Nr. 23), ist dies ein weiterer phantastischer Film von und mit Harry Piel. Das Thema Fernsehen mag heutzutage völlig überholt sein, aber damals war es der Film erstens nicht und zweitens weist er nach wievor phantastische Elemente auf, was z.B. das hindurchsehen durch Wände betrifft. Diesbezüglich ist der Film auch spannend anzusehen, hat teilweise sogar voyeuristische Züge, da Harry u.a. die Damen eines Balletts beim umziehen betrachtet. Solche Themen wie -Voyeurismus aus der Ferne- traten in späteren Filmen, wie z.B. FENSTER ZUM HOF von A. Hitchcock verstärkt auf. Interessant mal wieder, das man es schon vorher in diesem alten deutschen Film hier zusehen bekommt. Genial auch die Szenerien, wo sich einige Ganoven nebenan in Wohnungen einnisten, um von dort in die Dachwohnung von Dr. Bern zukommen. Dank ihrer Erfindung sehen Harry und Tobias, was die Ganoven vorhaben und ergreifen ihrerseits Gegenmaßnahmen. Auch das ist spannend, aber keinesfalls übertrieben inszeniert. Trotz seiner Thematik bleibt der Film bodenständig. Später befinden sich die ganzen Apparaturen in einem Transportwagen. Dadurch sind Harry und Dr. Bern beweglicher und können während des Fahrens Bilder empfangen. Im Grunde zusätzlich eine Art Überwachungswagen, denn mit ihrer Fernsehapparatur sehen sie das Auto vom Ganoven Merker und wo es hinfährt ect. Auch hier war der Film diesbezüglich seinerzeit voraus, wenn man bedenkt was in späteren Agentenfilmen (Überwachung, Bildübertragungen etc.) ala Bond & Co so alles vorkam. Spinnt man den Faden weiter, so haben wir heute durch Handys, I-Phones und wie der ganze Kram sich nennt, eine drahtlose Bild- und zusätzliche Tonübertragung. Damals Utopie, heute Wirklichkeit. Nur durch Wände schauen funktioniert noch nicht. Aber wer weiß,.. vielleicht kommt das auch noch oder ist bereits in der Entwicklung :mrgreen:

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Die Außenaufnahmen entstanden in Berlin, die Innenaufnahmen im Atelier Berlin-Johannisthal. Der Film wurde Anfang Februar 1934 fertig gestellt und ging im gleichen Monat durch die Filmprüfstelle. Film wurde freigegeben, bekam aber ein Jugendverbot verpasst. Warum das nun wieder der Fall war, ist natürlich heutzutage wenig nachvollziehbar. Mir lag der Film zumindest in einer knapp 100 minütigen TV-Aufnahme vor. Dieser hätte allerdings so ca. 107 min gehen müßen, wenn man die alte Laufzeit in Betracht zieht. Die Kinofassung war nämlich seinerzeit 3038 Meter lang, was = ca. 111 min ist. Es fehlen somit ca. 7 Minuten. Es wäre durchaus möglich, das es noch ein wenig mehr an voyeuristischen Beobachtungsszenerien gibt. Aber bei Sichtung fiel mir auf, das eine weitere Szenerie mit dieser Gaunerbande irgendwie abbrach. Diese erkennt Harry aus einem Lokal heraus draußen am Lastwagen wieder. Harry hatte sie bei Nacht mit seiner Kampfsporttechnik außer Gefecht gesetzt. Die Bande will sich rächen und alle rennen nach draußen. Dann ist Harry im Wagen und fährt los. Ob da vorher noch eine Auseinandersetzung stattgefunden hat oder ob es hier noch eine zusätzliche wilde Verfolgungjagd gegeben hat...? Sollte dem so sein, so wäre dies schade, denn Action konnte sich damals in einem Harry Piel Film durchaus sehen lassen. Neben Harry Piel sind u.a. noch Kurt Vespermann (Dr. Bern), Hubert von Meyerinck (Mr. Costa), Olga Tschechowa (Betty) und Rudolf Klein-Rogge (Merker) dabei. Letzterer war dem deutschen Publikum u.a. bestens bekannt, als Dr. Mabuse in den Filmen von Fritz Lang. WELT OHNE MASKE ist und bleibt sehenwert, allein schon aus historischen fernsehgeschichtlichen Gründen. Leider blieb auch diesem alten deutschen Film bisher eine digitale Auswertung verwehrt. Eine Änderung diesbezüglich würde ich begrüßen. Und weil es zur Thematik passt, folgt hier noch ein kurzer historischer Abriss zur Entwicklung des Fernsehens.


KLEINE GESCHICHTE DES FERNSEHENS
Mit diesem Film war Harry Piel auch irgendwie damals aktuell am Puls der Zeit. Das Thema Fernsehen war relativ neu und nur sehr wenige Leute hatten ein Fernsehgerät. Wie jede Technik, so hat auch das Fernsehen seine Entwicklungs-Geschichte. Diese begann mit verschiedenen Physikern und Elektroingenieuren zu unterschiedlichen Zeiten, die jeweils eine Erfindung machten, die später eine Einheit bilden sollten. So erfand der deutsche Physiker Paul Nipkow 1883 eine Spirallochscheibe, die zumindest bis 1943 zur Bildabtastung benutzt wurde. Ein weiterer deutscher Physiker, Karl Ferdinand Braun erfand 1897 eine Elektronenstrahlröhre, die sogenannte Braun'sche Röhre. Noch ein deutscher Physiker, Otto von Bronk erfand 1900 einen Hochfrequenzverstärker. Im Jahre 1902 bekamm Otto von Bronk das erste Patent für Farbfernsehverfahren. Im Jahre 1923 gelang es dem russischen Elektroingenieur Wladimir Zworykin eine Ikonoskop-Röhre, eine weitere Elektronenstrahlröhre zu erfinden, mit der ihm eine elektronische Fernsehübertragung gelang. Ebenfalls im Jahr 1923 entwickelte wieder ein deutscher Physiker, August Karolus seine sogenannte Karolus-Zelle zur trägheitslosen Lichtmodulation und präsentierte darauf beruhend 1925 erstmals ein Fernsehgerät. Manfred Baron von Ardenne, wieder ein deutscher Physiker und zugleich ein Pionier der Fernsehtechnik, entwickelte ab 1925 den Breitbandverstärker und 1931 stellte er auf einer Berliner Funkausstellung das erste vollelektronische Fernsehbild vor. Ein weiterer Pionier der Bildübertragung war der Schotte John Logie Baird, dem es gelang Fernseher zu erfinden, die mit Infrarotstrahlen arbeiten konnten. 1928 gelingt ihm somit die allererste transatlantische Fernsehübertragung von London nach New York. Ab August des Jahres 1932 startet die 1922 gegründete BBC = British Broadcasting Corporation offiziell ihr erstes Fernsehprogramm. Die von John Logie Baird entwickelte Bildqualität ist wegen seiner niedrigen Auflösung von nur 48 Zeilen noch nicht so gut, aber zumindest konnten Zuschauer im postkartenformat in unregelmäßigen Abständen Fernsehspiele, Informationen und musikalische Darbietungen sehen. Allgemein betrachtet steckte das Fernsehen noch in den Kinderschuhen und der Besitz eines solchen Gerätes ist für die meisten damals unerreichbar. Aber die Entwicklung dieses speziellen Massenmediums nimmt seinen Lauf. Durch die Erfindung von Manfred von Ardennen, der 1931 einen elektronischen Leuchtschirmabtaster zur Aufnahme und Wiedergabe der Bilder verwendete, wurde der Weg zu größeren Zeilenzahlen und Übertragungsgeschwindigkeiten geebnet. In Berlin wird im März 1935 vom Reichs-Sendeleiter Eugen Hadamovsky das erste regelmäßig ausgestrahlte Fernsehprogramm der Welt eröffnet. Ein 10-KW-Sender überträgt nun zukünftig 3 mal die Woche Sendungen, die auch in öffentlichen Fernsehstuben gezeigt werden. Somit konnten es auch Leute sehen, die sich keinen Fernseher leisten konnten. Sehr viel später wurde in den USA 1954 zuerst das Farbfernsehen eingeführt. Frankreich und die Ostblockstaaten zogen ab 1957 mit ihrem SECAM-Farbsystem nach. Der deutsche Fernsehpionier Walter Bruch entwickelte 1963 das Farbsystem PAL, was = Phase Alternative Line bedeutet. Am 25. August 1967 bei der 25. Funkauststellung in Berlin, war es auch für Deutschland soweit, das man Farbfernsehen hatte. Natürlich nicht gleich jeder, denn die meisten hatten noch Schwarzweiß-Fernsehgeräte. Aber so nach und nach etablierte sich das Farbfernsehen in nahezu jedem Haushalt.
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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 06.07.2016 18:08 
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Film Nr. 31

GOLD
(Deutschland 1934)

EA: Deutschland 29. März 1934

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: DDR 12. Oktober 1958 TV DFF 1
WA: BR Deutschland 27. August 1972 TV ZDF


Inhalt:
Professor Achenbach, ein deutscher Wissenschaftler entwickelt einen Apparat mit dem man aus Blei Gold herstellen kann. Der schottische industrielle Bleibergwerksbesitzer John Wills hat eigene Interessen. Er besticht Becker, einen Mitarbeiter von Achenbach. Dieser platziert heimlich eine Bombe. Der Professor und sein Ingenieur Werner Holk merken dies zuspät und die Bombe geht hoch. Achenbach, aber auch Becker kommen zu Tode und die Apparaturen werden zerstört. Nur Werner überlebt verletzt. Der bekommt später heraus, wer hinter diesen Anschlag steckt, als ihn nämlich zwei zwielichtige Gestalten aufsuchen. Diese unterbreiten ihm ein lukratives Angebot, zukünftig für John Wills zu arbeiten. Der Industrielle will, das der Ingenieur Holk einen weiteren Apparat konstruiert mit dem man Gold herstellen kann. Da Werner sich rächen will, tritt er zum Schein in die Dienste von Wills. Dabei lernt er dessen Tochter Florence kennen, die die Methoden ihres Vaters wenig gutheißt. Werner gelingt es später tatsächlich eine neue Apparatur zu erschaffen, die aus Blei Gold macht. Um nun global eine Wirtschafts- und Finanzkatastrophe auszulösen, ordnet Wills eine Massenproduktion von Gold an, mit der er den Markt überschwemmen will. Prompt kommt es in einigen Staaten zu Inflationen und Wirtschaftskatastrophen. Zeitungsmeldungen aus aller Welt
künden davon, wo es u.a. heißt: Grossbanken warnen vor Goldinflation, Das Geld verliert an Wert, Gesetzliche Gegenmaßnahmen gefordert etc. usw. Werner muß diesen Industriellen stoppen, um noch größeres Unheil verhindern.

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Die riesige technische Apparatur

Dieser alte Film ist mit seiner Thematik nach wievor interessant anzusehen. Das globale Währungssystem ist u.a. auf Gold aufgebaut. Würde nun jemand selbst in der Lage sein Gold herstellen, so wäre dies doch eine ungeheure Kapitalmacht in den Händen eines einzelnen. Es ist nach wievor Science Fiction, aber eine interessante Fiction. Rückblickend versuchte später auch ein gewisser Goldfinger in etwa das Gleiche. Im gleichnamigen James Bond Film konnte dieser zwar kein Gold herstellen, aber er verschaffte sich ziemlich große Goldmengen, versuchte dann auch noch den ganzen Goldvorrat in Fort Knox radioaktiv zu verseuchen, damit er das alleinige weltumspannende kapitalistische Machtmonopol besitzt und somit ebenfalls das ganze Währungssystem durcheinander und in Gefahr bringt. In diesem alten deutschen Film hier, will der Monopolkapitalist John Wills die alleinige Kapitalmacht und bringt nicht nur einige Staaten in arge Bedrängnis, sondern er verstößt damit auch gegen die Gewinninteressen anderer Monopolkapitalisten. Der Film von Karl Hartl ist mit einem gewissen Aufwand inszeniert worden. Allein schon die große Gold-Apparatur (siehe obiges Bild), dann die übrigen Inneneinrichtungen, Bauten und die ganzen Tricks mit den vielen Lichteffekten. Das kann sich für damalige Verhältnisse auch heute noch sehen lassen, auch wenn auf manchen Zuschauer heutzutage vieles altmodisch wirken mag. Aber das macht auch wieder den Reiz dieser alten Filme aus.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Hans Albers ist Werner Holk und Brigitte Helm ist Florence und Michael Bohnen ist John Wills. Das Drehbuch verfasste Rolf E. Vanloo, ein deutscher Drehbuchautor, der u.a. ein Mitbegründer der Drehbuchfirma EUROPEAN SCENARIO COMPANY GmBH war und dieser als Geschäftsführer vorstand. Sein Manuskript zum Film Gold, soll eines seiner bedeutensden sein. Gedreht wurde in den UfA-Ateliers bei Neubabelsberg und Umgebung. Gold wurde ca. Anfang März 1934 fertig gestellt. Ende März ging er durch die Filmprüfstelle, wurde freigegeben und war für Jugendliche ab 14 Jahren zugelassen. Somit hätten wir den ersten deutschen Phantastik-Film, der diesmal kein Jugendverbot verpasst bekam :mrgreen: Gold hatte seine Premiere im Berliner UfA-Palast am Zoo. Der Film lag mir zumindest in einer alten Tv-Aufnahme vor. Die Laufzeit beträgt ca. 103 min. Wenn man mal wieder ältere Laufzeiten in Betracht zieht, so war der Film früher erheblich länger. Die alte damalige Kinofassung betrug 3297 Meter, was = ca. 120 min ist. Der Schnitt kam mir bei dieser TV-Version auch teilweise ein wenig holperig vor, da Szenerien plötzlich abbrachen. Was da alles gefehlt haben mag, läßt sich schwer beurteilen. Vom Film wurde auch eine Fassung für Frankreich inszeniert. Diese beläuft sich auf 3226 Meter, was = ca. 118 min Laufzeit ist. Bleibt also knapp unter der deutschen Version. Neben Karl Hartl führte zusätzlich Regie Serge de Poligny. Brigitte Helm blieb auch hier wieder in der französischen Fassung, während alle anderen durch französische Schauspieler ersetzt wurden. Den Part von H. Albers übernahm Pierre Blanchar und ferner Roger Karl, Rosine Dereau, Louis Gautier etc. Das Drehbuch verfasste Jacques Thierry und wurde sehr wahrscheinlich aus dem deutschen ins französische übertragen.


Titel in Frankreich:
L'OR

HISTORISCHE FILMLEGENDE
Sämtliche Kopien des Films sollen nach dem zweiten Weltkrieg von den Siegermächten erstmal eingesammelt und als streng geheim eingestuft worden sein. Die alliierte Zensurbehörde kam bei Sichtung des Films der Verdacht, das man in Deutschland schon viel früher einen Atomreaktor zur Herstellung von Atomwaffen entwickelt haben könnte. Dieser Wahn soll sogar soweit gegangen sein, das angeblich eine Kopie extra in die USA geschafft wurde, damit irgendwelche Atomwissenschaftler dies näher untersuchen sollten. Später sollen sie erkannt haben, das dies ein filmarchitektonisches Phantasieprodukt ist.
Graf von Karnstein Bild

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 10.07.2016 18:45 
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Film Nr. 32

DIE SCHWARZE MAJESTÄT
(Ot: Death Takes A Holiday)
(USA 1934)

EA: Österreich Juni 1934

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Inhalt:
Duke Lambert ist wohlhabend und besitzt ein luxuriöses Anwesen. Aber er hat ein gewisses Alter erreicht und seine Zeit ist gekommen. Der Tod kommt zu ihm als dunkler Schatten, der aber müde ist und drei Tage Urlaub machen will. Dadurch gewährt der Tod Duke Lambert einen Aufschub von drei Tagen. Duke willigt ein. Während dieser Zeit will der Tod heraus finden, warum die Menschen sich vor ihm fürchten, ihn missverstehen und was sie über ihn denken usw. Als Prinz Sirki verbringt der Tod nun diese drei Tage als Gast bei Duke und als solchen stellt er ihn seinen Gästen vor. Prinz Sirki kann aufgrund seiner Ausstrahlung und seinem Auftreten die meisten Leute für sich vereinnahmen und macht Eindruck auf sie. Darunter auch Grazia, die angehende Schwiegertochter von Duke, die bald seinen Sohn Corrado heiraten soll. Obwohl die meisten Leute trotz des Eindrucks den Prinz Sirki auf ihnen macht, eher aus unerfindlichen Gründen vor diesem Distanz wahren, so fühlt sich Grazia zu ihm hingezogen. Sie entwickelt Gefühle für den Prinzen, verliebt sich sogar in ihn. Und das, obwohl sie später erfährt, wer er wirklich ist. Der Tod steht nun vor einem Dilemma, denn auch er scheint mehr für Grazia zu empfinden. Als Duke dies erfährt, bittet er den Tod Grazia nicht mitzunehmen und sie bei den Sterblichen zu lassen. Der Tod muß sich nun entscheiden. Gibt er seiner Liebe zu Grazia nach, muß er sie mitnehmen und wenn er verzichtet, muß er sie unter den Lebenden lassen.

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Werbemotiv aus USA

Wem diese Geschichte irgendwie bekannt vorkommen sollte und der Meinung ist, er hätte sie schon mal in einem Film gesehen, so wär dies gut möglich. Dabei würde es sich vermutlich eher um das Remake RENDEZVOUS MIT JOE BLACK gehandelt haben. In dieser Verfilmung von 1998 stellte Brad Pitt den Tod dar und war ferner mit Anthony Hopkins und Claire Forlani sehr gut besetzt. Martin Brest führte Regie und nach eigenen Angaben hatte dieser schon seit ca. 20 Jahren den Wunsch gehabt, diese Geschichte neu zu verfilmen. Brest wollte jedoch nur die Aspekte der Geschichte, die ihn am meisten berührt hatten, um diese dann in seiner Neuverfilmung auszubauen. Somit unterscheidet sich das Remake vom Original deutlich. Während der alte Film im Grunde laut Laufzeit kurzweiliger war, so ist Joe Black erheblich länger, aber keineswegs langweilig. Aber gut, dazu möglicherweise an anderer Stelle innerhalb dieses Forums mehr, denn hier soll es um den alten Film gehen.

DIE SCHWARZE MAJESTÄT lief bis heute leider nicht in Deutschland und ich kenne ihn nicht. Lief damals nur in Österreich. Ob synchronisiert oder nur im OmDU, konnte nicht ermittelt werden. Unter der Regie von Mitchell Leisen spielten damals Frederic March (der Tod), Evelyn Venable (Grazia), Guy Standing (Duke) und Kent Taylor (Corrado). Da mir diese Geschichte gut gefällt, würd ich mir wünschen, das der Film im deutschsprachigen Raum wiederentdeckt wird, aber vielleicht läuft der mal im TV. Arte wäre eine gute Option, denn die hatten schon öfters alte Filme ausgestrahlt.

Zwischen der Schwarzen Majestät und Joe Black soll es noch eine weitere Verfilmung aus dem Jahre 1971 gegeben haben. Dort sollen Yvette Mimieux, Myrna Loy und Monte Markham unter der Regie von Robert Butler mitgewirkt haben. Der Originaltitel ist identisch mit diesem alten Film hier.

Graf von Karnstein Bild

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 19.07.2016 18:15 
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Film Nr. 33

DER SCHATTEN DES MR. STANFIELD
(Ot: The Vanishing Shadow)
(USA 1934)

EA: Österreich ca. Juli 1934

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Inhalt:
In der Stadt New York arbeitet der Radioingenieur Carl van Dorn in seinem Laboratorium an einer wissenschaftlichen Idee, die er verwirklichen will. Unerwartet erhält er dabei die Hilfe eines jungen Mannes namens Stanley Stanfield. Dieser hatte wohl die gleiche Idee und präsentiert ihm diverse Planskizzen davon. Es geht darum, eine technische Gürtel-Weste zu konstruieren, der seinen Besitzer unsichtbar macht. Carl ist begeistert und mit seinem schon vorhandenen Model, kann er dies nun technisch zuende bringen. Er erschafft solch einen Gürtel. Stanley will diese Erfindung geheim halten, weil er die Gürtel-Weste im Kampf gegen eine Verbrecherorganisation einsetzen will, deren Boß Ward Barnett ist. Stanley will sich u.a. an Barnett rächen, da dieser für den Tod seines Vaters verantwortlich ist. Der Vater hatte seinerzeit mit seiner Zeitung "Tribune" die Öffentlichkeit über die Machenschaften dieser Organisation informiert. Stanley besitzt durch Erbschaft die Hälfte der Aktien an dieser Zeitung, die andere sein Chefredakteur MacDonald. Barnett ist jedes Mittel recht, um an die Aktien dieser beiden zukommen. Es entbrennt ein Kampf zwischen Stanley und Barnett, wobei Stanley durch Carl unterstützt wird, der sein unsichtbarer Schatten ist. Ferner kommt ein Gerät zum Einsatz, das zerstörerische Strahlen abfeuert. Gloria, Barnetts Tochter, die die Geschäfte ihres Vaters nicht gutheißt, versucht ebenfalls diesen von seinem Vorhaben abzubringen.

Hier haben wir einen weiteren Film, der sich der Unsichtbaren-Thematik widmete, der allerdings in deutschen Publikationen nicht erwähnt wird. In sogenannten Unsichtbar-Filmographien taucht der anscheinend auch kaum bis gar nicht auf. Dabei handelt es sich um ein Serial, das damals in den USA lief und aus 12 Episoden bestand. In Österreich wird damals sehr wahrscheinlich nur ein Zusammenschnitt dieser mehrteiligen Reihe im Kino gezeigt worden sein, was auch gängige Praxis war. Ca. Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre liefen in Deutschland ebenfalls alte Serials aus den USA der 30er Jahre, wie z.B. PHANTOM-REITER oder UNGA KHAN und waren auch Zusammenschnitte. Letzt genannter erscheint demnächst hierzulande auf DVD oder ist schon veröffentlicht worden. THE VANISHING SHADOW lief damals nur in Österreich. Ob OmDU oder synchronisiert konnte nicht ermittelt werden.

Szenen-Montage aus dem Film
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Vom Inhalt her könnte es nicht uninteressant sein, obwohl die Unsichtbaren-Thematik nach den Filmen von Harry Piel und James Whale EIN UNSICHTBARER GEHT DURCH DIE STADT & DER UNSICHTBARE (siehe Filme Nr. 23 & 27) nicht bis kaum mehr zu variieren waren. Hier kommt aber offensichtlich noch zusätzlich eine Strahlenwaffe und anscheinend eine Art Roboter zum Einsatz (siehe obiges Filmprogramm). Wenn ich mir das Foto (siehe Bildmontage) so ansehe, so erinnert mich die Konstruktion der Weste oder Gürtelweste ein wenig an das, was Harry Piel in seinem Film vorführte. Dort war/ist es technisch ähnlich.

DER SCHATTEN DES MR. STANFIELD ist mit Onslow Stevens (Stanfield), Ada Ince (Gloria), Walter Miller (Barnett), James Durkin (Carl) usw. Regie führte Louis Friedländer, auch Lew Landers genannt. Dieser Serien-Zusammenschnitt ist wohl danach nie wieder im deutschsprachigen Raum aufgetaucht und gezeigt worden. Dürfte somit eine weitere Filmrarität sein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 26.07.2016 17:33 
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Film Nr. 34

TSCHU TSCHIN TSCHAU
(Ot: Chu Chin Chow)
(Frankreich / Grossbritannien 1934)

EA: Österreich Juli 1934

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Inhalt:
Zu Ehren des reichen chinesischen Kaufmanns Tschu Tschin Tschaus, wird im Hause der Kasims ein Gastmahl vorbereitet. Währendessen erzählt Kasim seiner Frau Alkolom vom Reichtum dieses Kaufmanns. Ihre chinesische Sklavin Zahrat hört alles mit an und durch eine Brieftaube, die sie versteckt hält, benachrichtigt sie ihren Geliebten Abu Hassan. Der ist Anführer einer Räuberbande und verläßt mit seinem Reitertrupp eine Höhle, die als Geheimversteck dient. Dabei werden sie von Ali Baba beobachtet, der gerade im Wald Holz sammelt. Er sieht, wie die Bande vermeintlich plötzlich aus einem Felsen zu kommen scheint und hört den Ruf "Sesam schließe Dich!" Ali Baba ist neugierig, geht zum Felsen und spricht die Worte "Sesam öffne Dich!" Der Felsen öffnet sich und Ali findet in der Höhle kostbare Reichtümer, mit denen er sich erstmal die Taschen vollstopft. So kann er kurze Zeit später u.a. in kostbarer Kleidung beim Festmahl seines Bruders erscheinen, verrät jedoch nicht, woher er dies alles hat. Tschu Tschin Tschau trifft ein und das Fest beginnt. Aber es ist nicht der Kaufmann, sondern hinter dem vermeintlichen Tschu Tschin Tschau verbirgt sich nun der Räuber Abu Hassan, der den echten Kaufmann inzwischen ermordet hat und nun dessen Identität angenommen hat. Später schleicht die Sklavin Zahrat zu Abu Hassan in dessen Gästezimmer und gemeinsam planen sie einen Überfall auf alle Händler in der Stadt, wenn der Sklavenmarkt stattfindet. Marjanah, eine andere Sklavin hatte Zahrat mit ihrer Brieftaube beobachtet und ist seitdem mißtraurisch. Sie sieht, wie Zahrat zu Hassan ins Zimmer geht und hört, was die beiden vorhaben. Nur-Al-Din, der Sohn von Kasim ist in Marjanah verliebt. Ihm erzählt sie von dem Plan und gemeinsam will man den Überfall verhindern, aber es gibt weiteren Ärger und Tote.

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Altes Motiv aus England

Wenn man diesen Filmtitel liest und sich das Frontmotiv des Filmprogramms betrachtet, so ist man eher geneigt zu glauben, das es sich hierbei um einen fernöstlichen Film, einem Drama aus China handeln könnte, als um ein Märchen und somit phantastischen Film. Aber ihr habt es anhand des Inhalts schon gemerkt, das man es hier mit einer Variation des Märchens ALI BABA UND DIE 40 RÄUBER zu tun hat. Der britische Film ist aber zusätzlich auch noch eine Art Musical, denn es wird offenbar im Film gesungen. Der Film lief damals nur in Österreich und ob OmDU oder gar synchronisiert, konnte nicht ermittelt werden. Der Film lief seitdem nicht wieder und in Deutschland war er nie zu sehen. Anna May Wong spielt die Sklavin Zahrat und ziert u.a. das Titelbild des Programms. In den USA bekam sie kaum noch lukrative Rollenangebote, also ging sie nach England und versuchte es dort. Heraus kam u.a. dieser coproduzierte Film hier. Ferner stellt hier der österreichische Schauspieler Fritz Kortner den Räuber Abu Hassan dar. Ali Baba wird von George Robey gespielt. Das ganze basiert auf dem Drehbuch von Edward Knoblock, Sidney Gilliat und L. Du Garde Peach. Regie führte Walter Forde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 04.08.2016 18:01 
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Film Nr. 35

DER HERR DER WELT
(Deutschland 1934)

EA: Deutschland 11. August 1934

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

"Achtung, Achtung,... Wir leben im Zeitalter der Maschinen.
Motoren, Traktoren, Kompressoren,... die Erde ist geschüttelt
vom brausenden Atem der Technik!"

(Prolog des Films)

"Wir werden aus Mensch und Maschine eine ideale Synthese schaffen, den Maschinenmenschen. Seine Aufgabe wird es sein, den Wesen aus Fleisch und Blut das Joch gefahr- und todbringender Arbeit abzunehmen!", so der Maschinenfabrikant Dr. Heller zu dem Bergwerksingenieur Werner Baumann, während einer Unterhaltung im Flugzeug. Werner findet es gut und fantastisch, äußert aber auch bedenken, weil er sich fragt, ob man dadurch das Unglück der Menschen herauf beschwört. Dr. Heller widerspricht dem, denn seiner Ansicht nach muß das Problem einfach nur richtig angepackt werden, so das alle davon profitieren. Die beiden trennen sich nach dem Flug. Werner begibt sich zum Kohlebergwerk. Dort angekommen, kommt es im Stollen Nr. 6 zur Katastrophe. Feuer bricht aus, Rauch bildet sich, Explosionen folgen und alles stürzt ein. Es sind mehrere Tote und Verletzte zu beklagen.

Dr. Heller will indessen eine ruhige Zeit mit seiner Frau Vilma auf dem Landsitz verbringen. Er erhält aber einen Anruf aus seiner Fabrik, wo ihm mitgeteilt wird, das sich sein Mitarbeiter, Professor Wolf in den technischen Laboratorien eingeschlossen hat und niemanden einläßt. Dr. Heller eilt zur Fabrik und als Chef des Unternehmens verlangt er Einlaß. Wolf hat inzwischen nicht nur technische Roboter entwickelt, sondern auch eine übergroße Kampfmaschine, mit der er nach Weltherrschaft strebt. Dr. Heller ist
entsetzt darüber und verlangt die sofortige Verschrottung dieses Roboters. Wolf schaltet daraufhin den Kampfroboter ein, der Dr. Heller mit Stromschlägen tötet. Wolf stellt dies hinterher als "bedauerlichen Unfall" hin. Er will nun die ganze Maschinenfabrik für sich und schickt später diverse Anwälte aus, um Vilma die Fabrik abzunehmen. Werner Baumann, der inzwischen Vilma kennen gelernt hatte, kommt hinzu und verhindert dies. Wolf gibt aber nicht auf und setzt nun alles daran, Hindernisse aus dem Wege zu räumen, die seine Pläne durchkreuzen wollen.

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Altes deutsches Filmplakat

Nach seinen Filmen EIN UNSICHTBARER GEHT DURCH DIE STADT & DIE WELT OHNE MASKE (siehe Filme Nr. 23 & 30) ist dies der dritte und letzte phantastische Film von Harry Piel in den 30er Jahren, wobei er diesmal nur Regie führte. Es dürfte meines erachtens auch der erste phantastische Tonfilm sein, der sich mit der Thematik Mensch und Maschine beschäftigt, wo der Roboter auch zur Bedrohung werden kann. Nach einem Drehbuch von Georg Mühlen-Schulte beschwor Harry Piel den Segen und gleichzeitig den Schrecken der Technik herauf. Dabei zeigte er noch eine zusätzliche Problematik, nämlich das die Maschinen/Roboter den Menschen ersetzen und dieser überflüßig geworden ist. Dies zeigt sich besonders in der Szenerie, als die Kohlearbeiter nun plötzlich arbeitslos sind, weil die Roboter ihnen nun diese gefährliche Arbeit abgenommen haben. Die Menschen stehen vor für sie geschlossenen Toren. Für die Chefs und Inhaber dieser Bergwerke sind die Roboter auch dahingehend sehr nützlich, weil das Arbeitskräfte sind, die sie nicht bezahlen müßen. Werner Baumann will diese Entwicklung keineswegs akzeptieren und setzt sich nun für die Arbeiter ein. Ferner wird der Roboter/Kampfroboter dem Menschen gefährlich und todbringend. Schon in diesem alten deutschen Film hier zeigte sich, das der Mensch im Grunde positiv gegenüber technologischer Entwicklungen steht/stehen muß, denn schließlich sind es seine eigenen Erfindungen. Aber diese werden u.a. besonders gefährlich, wenn sie mißbraucht werden. Dies zeigt sich am Beispiel von Professor Wolf, der hier im Grunde zum wahnsinnigen technischen Wissenschaftler wird, der mit seinen Robotern die Welt erobern und beherrschen will. Dieser Kampfroboter mag aus heutiger Sicht altmodisch erscheinen, ist aber dem damaligen technischen Stand und filmischer Entwicklung geschuldet. Das gleiche gilt auch für die Arbeits-Roboter in den Bergwerken. Eine eher einfache Konstruktion, aber sie erfüllen durchaus ihren Zweck.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Gedreht wurde der Film in der Umgebung von Berlin, ferner in einem Steinkohlenbergwerk bei Hannover und in den Ateliers Berlin-Johannisthal. Anfang August 1934 ging der Film durch die Filmprüfstelle und wurde, auch für die Jugend freigegeben. Es spielen u.a. mit: Sybille Schmitz (Vilma), Siegfried Schürenberg (W. Baumann), Walter Franck (Prof. Wolf), Aribert Wäscher (Geheimrat Ehrenberg) Siegfried Schürenberg war später auch als Synchronsprecher tätig und wurde in den 60er Jahren populär, als Sir John in den Edgar Wallace-Filmen. DER HERR DER WELT hatte seine Premiere im Berliner UfA Palast am Zoo. Mir lag zur Sichtung zumindest eine 90 minütige Fassung vor. Leider handelt es sich hierbei auch mal wieder um eine kürzere Version. Ursprünglich hatte der Film im Kino eine Länge von 3026 Meter, was = 110 min sind. Es fehlen somit ca. 16 Minuten. Mir kamen auch einige Szenerien etwas zu abgeschnitten vor, wie z.B. am Ende der Katastrophe im Bergwerk. Ferner kamen mir die Roboter im Film irgendwie zu kurz und ich vermute einfach mal, das möglicherweise einige Roboter-Szenen fehlen. Denn als ich den Film sah, bedauerte ich es, das davon nicht mehr zu sehen war. Bei solch alten Filmen ist es schwer zu beurteilen, aber so erstmal mein Eindruck. Der Film ist offenbar nicht mehr nach dem 2. Weltkrieg im Kino oder TV gezeigt worden, denn er steht beispielsweise auch nicht im Lexikon des internationalen Films drin. Dürfte, wie beim Film WELT OHNE MASKE nicht ganz einfach sein, die Filme vollständig digital zu veröffentlichen, sofern dies jemals ein Label überhaupt in Erwägung ziehen würde.


Zum Begriff/zur Bezeichnung ROBOTER:
Das Wort ROBOTER stammt keinesfalls aus der Wissenschaft, sondern kam aus der Science Fiction und zusätzlich aus der tschechischen Sprache. Der tschechische Autor KAREL CAPEK (1890-1938) verfasste im Jahre 1920 ein utopisches Theaterstück, das er R.U.R. nannte. Die Abkürzung bedeutete = ROSSUMS UNIVERSAL ROBOTS und dort schuf er den Begriff Roboter, das er widerum dem tschechischen Wort ROBOTA entnahm, was sowas wie (Fron)Arbeit bedeutete. Roboter ist = Arbeiter. Weltweit hielt die Bezeichnung Roboter überall in den Sprachen Einzug und wird nicht nur in der Science Fiction seitdem angewandt, sondern auch in der Wissenschaft. Die Geschichte von Karel Capek gab damals schon vieles vor, was man später u.a. in so etlichen Filmen zu sehen bekam. In der Geschichte R.U.R. geht es um einen Wissenschaftler namens Old Rossum, der die Roboter erfindet. Damit will er beweisen, das die ganze Existenz der Welt, der Menschen und Tiere ohne Gott erklärbar ist. Sein Sohn und Nachfolger beginnt später mit der Massenproduktion von Robotern, die von nun an schwere und lebensgefähliche Arbeiten für die Menschen verrichten. Die Zahl der Roboter steigt massiv an und gehen mittlerweile in die Millionen. Je mehr Roboter, je weniger werden die Menschen gebraucht, da die ganze Arbeit von Robotern erledigt wird. Zwecks Vermehrung sind die Menschen auch noch reproduktionsunwillig geworden und die Zahl der Roboter übersteigt die der Menschen. Die Roboter, nun in der Überzahl rebellieren gegen den Menschen und es kommt zum Aufstand.

Rückblickend ist es sehr interessant zu bemerken, was Karel Capek hier in seinem Stück alles vorgab, was später in Science Fiction Filmen häufig variiert und verarbeitet wurde. Ihnen, lieber Leser und Filmfan dürfte somit einiges doch sehr bekannt vorkommen. Wie oft gab es schon Filme, in denen genau DAS die Grundbasis darstellte, wo eine Maschine plötzlich ihren eigenen Willen hatte und sich gegen ihren Erfinder/Schöpfer stellte. Für mich eine schon seit etlichen Jahren sehr interessante Thematik innerhalb der Science Fiction. Die Thematik Mensch und Maschine ist ein sehr komplexes und tiefschürfendes Thema und würde hier den absoluten Rahmen sprengen, deswegen dazu an anderer Stelle, zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 07.08.2016 18:10 
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Film Nr. 36

LIEBE, TOD UND TEUFEL
(Deutschland 1934)

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EA: Deutschland 21. Dezember 1934

WA: DDR 10. November 1958 im TV DFF 1
BR Deutschland 22. März 1981 im TV BR


Inhalt:
Die "Tropic Bird", ein Handelsschiff legt im Hafen von Kona (Hawai) an. Die Seeleute, darunter auch der Seemann Kiwe sind froh, mal wieder Land unter ihren Füßen zu haben. Man kehrt in die berühmte Hafenkneipe "Captain Cook" ein, um ein wenig ausgelassen zu feiern. Kiwe lernt dort die hübsche Sängerin Rubby kennen, die sich in ihn verliebt. Kiwe ist irgendwie mit sich und der Welt unzufrieden und will nicht bleiben. Stattdessen begibt er sich zum Markt, einem Basar, wo alles mögliche an exotischem angeboten wird. Als er sieht, das ein Händler seinen Esel misshandelt, weil dieser ihm zuviel auflastet, greift Kiwe ein und stößt den Händler weg. Dabei verliert er seine Korallenkette, die er selbst angefertigt hatte. Diese wird von Kokua gefunden, einer Frau die für den Händler arbeitet. Kiwe schlendert weiter durch die Marktgassen und findet einen alten Kolonialwarenhändler, bei dem er sich umschaut. Beide kommen ins Gespräch über den Segen und Fluch des Reichtums. Kiwe wäre gerne reicher, der Händler meint, das kein Segen darin liege. Kiwe glaubt ihm nicht, das es ja leicht wäre so daher zureden, wenn man selbst reich ist, wie der Händler. Der Alte zeigt ihm eine alte kleine Flasche, die er für 50 Dollar kaufen kann und diese ihm jeden Wunsch erfüllen werde. Man kann diese auch nicht zerstören. Kiwe will dies zuerst nicht glauben, aber so sehr er sich auch anstrengt, die Flasche bleibt unversehrt. Der Alte meint noch, das man als Besitzer dieser Flasche, diese weder verschenken, noch sonst irgendwie entsorgen kann, da sie beim Besitzer bleibt. Man kann sie nur an jemanden weiter verkaufen, allerdings immer nur unter einem niedrigeren Preis, als vorher. Hält man sich nicht an die Regel, so drohen einem Höllenquallen. Kiwe kauft die Flasche für 50 Dollar und die Flasche wechselt den Besitzer. Als erstes wünscht er sich seine 50 Dollar wieder. Er findet sie in seiner Jacke und ist erstaunt. Aber ihm wird allmählich unheimlich zumute und läßt die Flasche einfach auf einer Strassentreppe zurück. Nach dem Erlebten, will er von Rubby immer noch nichts wissen. Als er in seiner Kajüte zurückkehrt, steht die Flasche auf seinem Tisch. Er versucht diese kaputt zu schiessen, aber sie zerspringt nicht. Später erbt er, wie durch ein Wunder die reichen Hinterlassenschaften seines Vaters plus 9000 Dollar. Dann lernt er Kokua näher kennen, verliebt sich in sie und beide wollen heiraten. Um ihr gemeinsames Glück nicht zu gefährden, verkauft Kiwe die Flasche für 49 Dollar an Lopaka, einen Seemannskameraden, der sich damit widerum den Wunsch eines eigenen Schiffes erfüllt. Kiwe wird aber krank und zeigt erste Anzeichen von Lepra. Voller Entsetzen versucht er nun die Flasche wieder zubekommen, was aber gar nicht einfach ist, da diese inzwischen öfters die Besitzer gewechselt hatte, da diese denen kein Glück gebracht hatte. Eine aberwitzige Jagd auf die Flasche beginnt.

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Nach der Novelle DAS FLASCHENTEUFELCHEN vom berühmten Schriftsteller Robert Louis Stevenson, entstand dieser alte deutsche Fantasy-Film. Es ist ein dicht inszeniertes Fantasy-Drama, das mich überrascht hatte. Dabei hätte die tolle Geschichte und der Film ein wenig mehr Aufwand verdient gehabt, was die Jagd nach der Flasche an exotischen Schauplätzen anbelangt. Aber anstatt Außenaufnahmen zu realisieren, wurde der Film komplett in den UfA-Ateliers Neubabelsberg gedreht. Man merkt zwar, das der Film so in Szene gesetzt wurde, vergisst es aber irgendwie, was widerum an der geschickten Inszenierung, den Dekors, den Kamera(Einstellungen), der ganzen Dramatik und an den guten Schauspielern liegt. Herausragend möchte ich Brigitte Horney, als Rubby bezeichnen, die mir hier sehr gut gefallen hat. Ihr exzellentes Spiel bringt den Film auch immer irgendwie dramatisch zusätzlich voran. Wegen verschmähter Liebe seitens von Kiwe, wandelt sich Rubby und denkt gar nicht daran, Kiwe bei seiner Suche zu helfen. Später heiratet Rubby deswegen einen reichen Gouverneur, den sie erst gar nicht wollte und aufgrund ihrer Hassliebe, will sie sich an Kiwe und Kokua rächen. B. Horney singt hier auch das Lied "So oder so ist
das Leben"
, was ihr mit ihrer etwas aufgerauhten Stimme ebenso gelingt. Obwohl sie schon ab 1930 beim Film war, so war dieser hier ihr großer Durchbruch, was mich bei dieser tollen Darbietung keinesfalls wundert. Brigitte Horney war zum damaligen Zeitpunkt 23 Jahre alt und ich empfand sie immer, als eine der schönsten Frauen im alten deutschen Film und hab sie gern gesehen.

Aber auch Albin Skoda, als Kiwe ist sehenswert. Sein Spiel trägt ebenfalls zum gelingen des Films bei. Mit seiner Verzweiflung und der Jagd nach der Flasche, ist man als Zuschauer voll mit dabei. Überhaupt nimmt einen die ganze Dramatik gefangen. Auch Käthe von Nagy, als Kokua ist gut, auch wenn sie mit der Horney nicht so mithalten kann. Regie führte Reinhart Steinbicker, der auch R. L. Stevensons Vorlage fürs Drehbuch bearbeitete. Der Filmtitel sollte sich ursprünglich DER GLÄSERNE FLUCH nennen, was meiner Meinung nach der bessere und passendere Titel gewesen wäre. Falls ein Label diesen tollen Film in Erwägung zieht, dann bitte mit diesem Ursprungstitel :)

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Der Film ging ca. Mitte Dezember 1934 durch die Filmprüfstelle und wurde freigegeben. Er wurde zusätzlich als Künstlerisch Wertvoll eingestuft, bekam aber seltsamerweise ein Jugendverbot verpasst. Warum das nun wieder der Fall war, ist schwer nach vollziehbar. Der Film hatte seine Premiere im Berliner Gloria Palast. Zur Sichtung dieses tollen Films lag mir zumindest eine Fassung von immerhin ca. 97 min vor. Leider läßt auch dieser deutsche Film einige Minuten vermissen, denn im Kino hatte er damals eine Laufzeit von 2854 Metern, was = ca. 104 min sind. Es fehlen somit ca. 3 oder 4 Minuten. Hier haben wir wieder einen Fall, wo man gleichzeitig eine französische Version anfertigte. Diese war mit 2681 Meter gegenüber der deutschen Version etwas kürzer, was = ca. 97 min sind. Die Regie übernahm auch wieder Reinhart Steinbicker, aber zusammen mit Heinz Hilpert. Käthe von Nagy blieb in der Frankreich-Fassung, während alle anderen durch Franzosen ersetzt wurden. So waren hier z.B. Pierre Blanchar, als Kiwe und Gina Manés, als Rubby zu sehen. Diese französische Version startete später, ca. Mitte Februar 1935 auch in Deutschland. Sehr wahrscheinlich mit deutschen Untertiteln.


Titel in Frankreich: LE DIABLE EN BOUTEILLE

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 17.08.2016 17:58 
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Film Nr. 37

LILIOM
(Frankreich 1934)

EA: Österreich Februar 1935

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Altes Filmprogramm aus Österreich

EA: BR Deutschland 17. März 1973 TV NDR III

Inhalt:
Liliom ist in Paris auf einem Jahrmarkt ein sogenannter Rummelplatzausrufer und leichtlebiger Casanova, der sich in das Dienstmädchen Julie verliebt hat. Wegen ihr gibt er seinen Arbeitsplatz auf, weil sie auch ein Kind erwartet. Liliom ist darüber erfreut, aber auch so faul, so das Julie für das gemeinsame Wohl arbeitet. Um den gemeinsamen Lebensunterhalt aufzubessern, begeht er zusammen mit einem Bekannten einen Raubüberfall, der aber völlig mißlingt. Auf der Flucht vor der Polizei, sieht Liliom keinen anderen Ausweg mehr als Selbstmord zu begehen. Liliom steht daraufhin vor einem Himmelskomitee, wo ihm der Prozeß gemacht wird. Anhand von Beweismaterial, werden ihm all seine Missetaten per Film vorgeführt, wo er u.a. auch seine Frau Julie grundlos geschlagen hatte. Für all das muß er nun büßen. Vom Himmelskommissariat bekommt er später aber nochmal eine Chance und darf für einen Tag auf die Erde zurück, um sich zu beweisen und einiges wieder gut zumachen. Seine Tochter ist inzwischen in einem jugendlichen Alter und als Fremder kontaktiert er sie nun. Wird Liliom beweisen, das er gutes tun kann oder bleibt er der Unverbesserliche?

Nach seinem Film DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (siehe Film Nr. 22), der leider im März 1933 verboten wurde, verblieb Fritz Lang noch bis zum Sommer gleichen Jahres in Deutschland. Schließlich begab er sich dann nach Frankreich, wo er diesen Film hier für den Produzenten Erich Pommer inszenierte, der schon Metropolis produziert hatte. Liliom kam damals nur in Österreich in die Kinos. Ob der Film nur im OmDU oder synchronisiert wurde, konnte nicht ermittelt werden. Nach einem Bühnenstück des Ungaren Ferenc Molnar, verfasste Fritz Lang zusammen mit Robert Liebmann das Drehbuch und verlegte die Handlung von Ungarn nach Frankreich (Paris). Charles Boyer ist Liliom, Madeleine Ozeray ist Julie.

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80er Jahre Plakat aus Deutschland

Angeblich soll der Film Ende 1984 oder Anfang 1985 in Deutschland in den (Programm)Kinos gelaufen sein, wofür ich leider keinen Beleg bzw. auch ein Aufführungsdatum dafür gefunden habe. Es existiert zumindest ein Plakat aus der Zeit (siehe oben). Ob der tatsächlich mal im Kino lief oder doch nur angekündigt war?,... die Frage stellt sich mir zumindest. Auf dem Plakat ist zusätzlich vermerkt, das der Film nur im OmDU gezeigt wurde. Ob die damalige TV-Sendung synchronisiert war, ließ sich auch nicht ermitteln, da kein Vermerk dazu gemacht wurde. Überraschend mußte ich vor kurzem feststellen, das Liliom sogar auf DVD erschien. Da ich den Film nicht kenne, werde ich versuchen, mir diesen später anzusehen. Von dem Film gibt es ein Remake, das aber ein Musical ist. KARUSSELL (USA 1956), so der Titel erschien bei 20th Fox auf DVD in einer 2er Disk Edition. Und als Bonus ist u.a. auch der Film Liliom enthalten.

Diese Thematik, wo jemand durch Unfall, Selbstmord oder Mord zu Tode kommt und später nochmal wiederkehrt, ist ein z.T. nicht unbeliebtes Thema im phantastischen Filmbereich. So wurde dies Thema in späteren Filmen variiert, wie z.B. im Film URLAUB VOM HIMMEL (USA 1941) und dessen USA-Remake aus dem Jahre 1977, dessen Titel DER HIMMEL SOLL WARTEN ist. Auch Filme wie GHOST - NACHRICHT VON SAM weisen solche Handlungsmuster auf. Andere Filmvarianten entstanden auch schon in diesem neuen Filmjahrtausend, wie beispielsweise IN MEINEM HIMMEL (USA 2009), um nur einige Beispiele genannt zu haben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 18.08.2016 18:39 
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Film Nr. 38

BÖSE BUBEN IM WUNDERLAND
(Babes in Toyland)
(USA 1934)

EA: Deutschland 25. Februar 1935

Titel in Österreich:
LAND DES LACHENS

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Inhalt:
Der böse Barnaby hat es auf der jungen Frau Bo-Peep abgesehen, die aber ihre Verlobung mit dem jungen Tom-Tom bereits eingegangen ist. Daraufhin erpresst Barnaby Bo-Peep mit einer Hypothek auf dem Wohnsitz ihrer Mutter. Die Untermieter der Mutter sind Stannie und Ollie. Sie versuchen zu helfen, indem sie Geld auftreiben wollen. Stannie & Ollie arbeiten in einer Spielzeugfabrik und verwechseln die Größe der Nikoläuse, die nun kleiner sind, als gedacht. Die Nikoläuse laufen Amok, woraufhin beide gefeuert werden. Die beiden stellen nun einiges an, um zu helfen, was aber auch schiefgeht. Sogar wegen Einbuchs sollen die beiden nun ins finstere Bogeyland verbannt werden. Tom-Tom erwischt es auch, nachdem er grundlos beschuldigt worden ist, ein Schwein umgebracht zu haben. Barnaby hetzt zudem noch eine Horde Bogeymänner aufs Spielzeugland, worauf Stannie & Ollie mit übergroßen Spielzeugsoldaten reagieren und am Ende regieren chaotische Zustände.

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Altes Plakat aus Österreich

Als ich anfing mich mit dieser speziellen Thematik näher zu befassen, ahnte ich nicht, das dieses berühmte Komikergespann Stan Laurel & Oliver Hardy hier ebenfalls vertreten sein würden. Aber da der Film definitiv phantastisch ist und damals sogar auch in den Deutschen Kinos lief, gehört der hier dazu. Dadurch das Deutschland damals weniger Probleme mit den USA hatte, als z.B. bedauerlicher Weise mit Frankreich (der 1. Weltkrieg, Vertrag von Versailles, seine Nachwirkungen, galt als Erzfeind), hätten im Grunde zumindest mehr Phantastik-Filme aus Amerika in den Kinos gezeigt werden können. Das dem leider nicht so war, erstaunt ein wenig. Aber seit dem Zensurdebakel um King Kong am Ende des Jahres 1933 (siehe Film Nr. 25), kam kein einziger ausländischer Film dieses Genres im Jahr 1934 durch die Zensur, um im Kino zu laufen. Alles wurde von vorn herein verboten. 1935 sollte sich zumindest (wenn auch kaum im phantastischen Bereich) etwas ändern, wie man anhand dieses Films sehen konnte.

Über diese beiden Komiker muß man nun wirklich nicht mehr viele Worte verlieren. Jeder, der sich auch nur annährend mit Filmen beschäftigt, hat bestimmt schon ein oder mehr Filme mit ihnen gesehen. Dieser hier, gilt als einer der aufwendigsten und besten Stan & Ollie Filme. Nach einer Bühnenvorlage von Victor Herbert, das u.a. eine Operette ist, entstand diese Spielfilmparodie mit z.T. Musiknummern. Diese Musikszenen sollen damals bei einer TV ZDF-Sendung rausgeschnitten worden sein. Ferner sollen auch einige Szenen mit den Bogeymännern gefehlt haben. Auf den DVDs, z.B. von Kinowelt ist der Film vollständig.


Weitere Titel zu Kino-Wiederaufführungen und DVDs:

DICK UND DOOF - RACHE IST SÜSS
WA: BR Deutschland 13. Januar 1961
(auch DVD-Titel des Labels Kinowelt)

DICK UND DOOF - EINE SUPERSCHAU DES LACHENS
nochmalige WA: BR Deutschland im Jahre 1966
(Hierbei handelt es sich um diverse Ausschnitte aus drei verschiedenen Laurel & Hardy Langfilmen, die mit einem Kommentar versehen wurden. Darunter auch der hier erwähnte Film.)

ABENTEUER IM SPIELZEUGLAND
vermutlicher BRD TV-Titel des ZDF, Sendedatum unbekannt

IM LAND DES LACHENS
DVD-Titel des Labels Legend Films

RACHE IM WUNDERLAND
DVD-Titel des Labels Great Movies

Remakes:

AUFRUHR IM SPIELZEUGLAND (USA 1961)
von Walt Disney Halb Zeichentrick-, halb Realfilm

ABENTEUER IM SPIELZEUGLAND (USA/BR Deutschland 1986)

PHANTASTISCHE REISE INS SPIELZEUGLAND (USA 1997)
Zeichentrickfilm

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Zuletzt geändert von Graf von Karnstein am 18.08.2016 22:33, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 23.08.2016 18:45 
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Film Nr. 39

DIE SCHWARZE KATZE
(Ot: The Black Cat)
(USA 1934)

EA: Österreich ca. Juni 1935

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Altes Filmprogramm aus Österreich

EA: BR Deutschland Oktober 1967 im TV NDR

Inhalt:
Die Eheleute, Peter und Joan Allison befinden sich in einem Zug, der durch Ungarn fährt. Ihr Abteil müßen sie kurz darauf mit einem Fremden teilen, der eine Zugkarte dafür hat. Der Fremde ist Dr. Vitus Verdegast, der in Ungarn seinen alten Freund Hjalmar Poelzig aufsuchen will. Da man gemeinsam zur gleichen Ortschaft will, steigt man vom Zug in das nächste Taxi. Aber durch Unwetter kommt es zum Autounfall, wobei der Fahrer zu Tode kommt und Joan verletzt wird. Gemeinsam begibt man sich zum Wohnsitz des Hjalmar Poelzig. Joan wird in ihrem Zimmer von Dr. Verdegast behandelt. Der Hausherr Hjalmar, der sich zurückhaltend gibt und rätselhaft ist, tritt in Erscheinung. Schnell wird klar, das sich Verdegast und Poelzig nicht gerade freundlich gesinnt sind. Verdegast will von Poelzig wissen, wo seine Frau Karen und ihre gemeinsame Tochter abgeblieben sind, denn für deren verschwinden macht der Dr. den Hausherrn verantwortlich, weil diese damals vor 15 Jahren Unterschlupf bei ihm gefunden hatten. Ferner dafür, das er 15 Jahre im Gefängnis verbringen mußte und er beschuldigt Poelzig ebenfalls, den Tod von ca. 10.000 Soldaten verursacht zu haben. Der Wohnsitz Poelzigs soll u.a. auf solch einem Massengrab aufgebaut worden sein. Hjalmar will von all dem nichts wissen. Später führt Poelzig den Dr. in einen Raum, in dem sich mehrere Glasvitrinen befinden. In den Vitrinen befinden sich jeweils stehend Frauen, die gestorben sind, darunter auch Karen, die Frau vom Doktor. Verdegast ist außer sich und will Hjalmar erschiessen, aber durch eine schwarze Katze daran gehindert. Dr. Verdegast leidet massiv unter Katzenphobie und bricht vor lauter Angst zusammen. Verdegast gibt aber nicht auf und will sich an Poelzig rächen. Das zwischen dem Dr. und dem Hausherrn offene Feindschaft besteht, hat das Ehepaar Allison längst bemerkt und geraten nun unfreiwillig zwischen die Fronten, wobei es der Hausherr nun auch auf Joan abgesehen hat.

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Plakat aus USA

Nach den damaligen sensationellen Erfolgen der beiden Filme Dracula mit Bela Lugosi und Frankenstein mit Boris Karloff, wurden diese beiden Darsteller zu den Filmstars des Horrorfilms der 30er und 40er Jahre. Beide traten nun erstmals gemeinsam in diesem Film hier auf und war damals eine kleine Sensation. Lugosi gab hier den Dr. Verdegast, der anfangs sympathisch, hilfsbereit wirkt, aber später so nach und nach wegen massiver Rachegelüste immer wahnsinniger zu werden droht. Karloff mimt den undurchsichtigen und finster drein blickenden Hausherrn Hjalmar, der nicht so gastfreundlich ist, wie er nach außen hin erscheint. Karloffs Spiel fiel minimalistischer aus, was der Rolle geschuldet ist, aber mit seiner Erscheinung macht Karloff aus seinem Charakter mit wenig Aufwand großes Auftreten und muß sich hinter Lugosi nicht verstecken. Lugosis Spiel fiel vielseitiger aus, was einfach dem Charakter des Doktors geschuldet ist und als solcher macht er ebenso eine gute Figur. Beide machen den Film sehenswert, bringen ihn voran, wobei auch die Dialoge ihren Teil dazu beitragen. Ferner ist es auch der geschickten Inszenierungskunst Edgar G. Ulmers zu verdanken, das der Film bis heute sehenswert bleibt. Obwohl zusätzlich groß mit dem Namen Edgar Allan Poe geworben wurde, so haben der Film und der Autor nur eines gemein, den Titel. Alles andere basiert auf einem Drehbuch von Edgar G. Ulmer und Peter Ruric. Die Katze selbst, kommt im Film nur kurz vor und erscheint auch als großer Schatten. Die Kamera mit ihren Einstellungen, Bildkompositionen und dem Einsatz von Licht und Schatten sind vom düsteren Expressionismus des deutschen Films der 20er Jahre beeinflußt. Auch die Innendekors orientierten sich am sogenannten Caligarismus. Ulmer selbst war Österreicher und stammt aus Wien. Bei F. W. Murnau war Ulmer von 1922 - 1929 Regieassistent und wirkte hinter der Kamera an so einigen Filmen mit. Auch als Murnau nach Amerika ging, war Ulmer dabei. Erst 1934 konnte Ulmer in Eigenverantwortung bei seinem ersten Film allein Regie führen. Es war DIE SCHWARZE KATZE. Ulmer sollte sich später als Spezialist für preiswerte B-Filme einen Namen machen, der mit wenigen Geldmitteln imstande war, erstaunlich gute atmosphärische und spannende Filme zu machen. UMLEITUNG & DIE STIMME AUS DEM JENSEITS sollen zwei gute Beispiele dafür sein. Die Schwarze Katze lief damals nur in Österreich und auch nur im OmDU. Der Film erschien vor einigen Jahren auf DVD, aber nicht synchronisiert, dafür im OmDU. Das Label Concorde brachte im Jahre 2008 eine Bela Lugosi & Boris Karloff Edition heraus. Diese DVD-Box enthält 5 Filme, wo Lugosi und Karloff gemeinsam auftraten. Diese sind folgende:

DIE SCHWARZE KATZE, DER UNSICHTBARE STRAHL, DER HENKER VON LONDON (alle 3 nur im OmDU), DER RABE, DER SCHWARZE FREITAG (beide im OmDU und deutsch synchronisiert). Die schwarze Katze gilt laut Filmkennern, Filmhistorikern und Fans als der beste, den Lugosi und Karloff gemeinsam gemacht haben. Wer die Box hat oder diese sich noch zulegen will, kann sich zumindest einen guten Eindruck verschaffen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 26.08.2016 18:10 
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Film Nr. 40

FRANKENSTEINS RÜCKKEHR
(Ot: Bride of Frankenstein)
(USA 1935)

EA: Österreich April 1935

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Altes Filmprogramm aus Österreich

BR Deutschland-Titel:
FRANKENSTEINS BRAUT

EA: BR Deutschland Juni 1970 im TV Hessen

Inhalt:
Man erinnere sich: Am Ende des Vorfilms FRANKENSTEIN 1931 (siehe Film Nr. 9) flüchtete die Kreatur in eine alte Mühle, verfolgt von aufgebrachten Stadtbewohnern. Es kam zum Kampf zwischen ihr und Baron Henry Frankenstein, in dessen Verlauf die Mühle in Brand geriet, der Baron von oben herab stürzte und seine Schöpfung den Tod fand. An dieser Stelle geht es nun weiter. Nachdem die Mühle abbrannte und z.T. einstürzte, gehen die Stadtbewohner nach Hause. Aber einige bleiben, wollen sicher gehen, das der "Unhold" tatsächlich tot ist und einer schaut nach. Er stürzt aber in ein Loch, das unter der Mühle ist und fällt ins Wasser. Im Wasser befindet sich auch die Kreatur und sie ertränkt den Neugierigen. Oben angekommen, schmeißt der Erschaffene eine alte Frau in den Abgrund. Die wenigen, die noch am Ort des Geschehens verweilt haben, suchen ihr Heil in der Flucht. Währendessen erwacht der vermeintlich tote Baron in seinem Schloß aus seiner Ohnmacht und muß sich erholen. Seine Frau Elizabeth ist froh darüber, das nun alles vorbei ist. Aber es ist nicht vorbei, denn die Schöpfung Frankensteins durchstreift die Gegend. Ferner erhält Henry zu später Stunde unerwarteten Besuch. Dr. Pretorius bittet ihn seine Arbeit wieder aufzunehmen und ihm zu helfen, eine Frau zu erschaffen. Pretorius zeigt ihm seine Schöpfungen, die aus mehreren kleinen Menschen bestehen, die tatsächlich ein Eigenleben führen. Pretorius braucht Frankensteins Hilfe, um einen richtigen Menschen zu erschaffen, eine Frau. Inzwischen streift die Kreatur durchs Land, trifft auf eine Schafshirtin, die vor lauter Angst in den See fällt. Die Kreatur rettet sie, aber die Frau schreit wieder. Er hält ihr den Mund zu, aber durch ihr schreien werden die Stadtbewohner aufmerksam. Nach einer wilden Hetzjagd gelingt es ihnen, die Kreatur einzufangen, zu fesseln und einzusperren. Da die Kreatur äußerst kräftig ist, zerbricht es seine Fesseln und bahnt sich den Weg nach draußen und entkommt. Unterschlupf findet diese später bei einem alten blinden Mann und beide freunden sich an, wobei die Kreatur das Sprechen lernt. Nichts ist mehr so wie vorher, aber es bleibt keineswegs idyllisch und friedlich.

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Werbe-Bildmontage aus USA

Der überaus große sensationelle Erfolg des Vorfilms Frankenstein kam für die Universal doch etwas überraschend. Eine Fortsetzung war so gar nicht geplant, aber das Publikum war dermaßen begeistert und wollte mehr Horrorfilme sehen. Universal mußte umdenken und begann mit den Vorbereitungen des zweiten Teils. Der erste Teil endete mit einer positiven Schlußsequenz, indem man den alten Baron und Vater Frankensteins sieht, wie er aus dem Zimmer seines Sohnes Henry kommt, der im Bett liegt und der Vater auf seine Genesung trinkt. Diese Schlußszene soll Universal damals aus allen Kopien, die sich im Verleih befanden im nach hinein heraus geschnitten haben, um somit einen besseren Übergang zur Fortsetzung zu haben. Ob das stimmt, weiß ich leider nicht mehr so genau, würde aber irgendwie schon Sinn machen. Meiner Erinnerung zufolge, bilde ich mir ein, das ich damals im TV am Ende des Films die brennende Mühle sah und nur die. Es ist einfach viel zulange her. Heutzutage ist diese Schlußszene wegen Vollständigkeit wieder enthalten.

Frankensteins Braut beginnt anders, als man erwartet, nämlich mit einem Prolog. Mary Wollstonecraft Shelley, ihr Mann und Lord Byron sitzen Abends im Schloß beisammen und diskutieren über Monster, Wissenschaft und natürlich über die Geschichte Frankenstein, die Mary Shelley geschrieben, aber ihr Buch noch nicht veröffentlicht hatte. Byron findet es schade, das es so endete. Mary überrascht den Lord damit, das diese Geschichte keineswegs zuende gewesen sei. Der Lord ist nun begierig zu hören, wie es weitergeht. Mary beginnt erst mit einer Einleitung, wobei man dazu erstmal noch wenige Ausschnitte des ersten Films zu sehen bekommt und dann mit ihrer weiteren Erzählung. Erst hier beginnt der zweite Film mit der brennenden Mühle. Ein genialer einfallsreicher Schachzug, die Fortsetzung so beginnen zulassen. Ebenso genial wie der ganze 2. Teil, der voller ideenreicher Szenerien und atmosphärischer Spannung ist. Langeweile ist hier ein absolutes Fremdwort. Ständig ist hier irgendwas los, sei es die Szenerien, in denen es häufige gewalttätige Konfrontationen zwischen Kreatur und den Menschen gibt oder Dr. Pretorius dem Baron Frankenstein seine kleinen Homunkuli (winzige Menschen) präsentiert oder die tolle Szenerie, wo die Kreatur sich heimisch bei dem alten Mann fühlt. Diese Szenen, wo die Kreatur sprechen lernt, bilden u.a. das Herzstück dieses Films. Es zeigt, das die Kreatur, nicht der Unhold ist, für die es allgemein gehalten wird. Aber diese stößt immer wieder bei den Menschen auf Feindschaft, Ablehnung, Angst und Gewalt. Erst bei einem blinden alten Mann findet sie Verständnis und lernt durch den Alten ein Mensch zu sein. Es lernt am Tisch zu speisen, Wein zu trinken, sogar zu rauchen und das wichtigste, zu sprechen. Das ganze wirkt weder unfreiwillig komisch oder gar lächerlich, noch sonst irgendwie daneben. Boris Karloffs geniale Darbietungskunst verleiht der Kreatur eine weitere gewisse Tiefe, die man schon im Vorfilm sehen konnte, aber hier mehr ausgebaut worden ist. Mit Blicken, Mimiken, Gesten und Verständigungen vollbrachte Karloff hier wahrlich meisterhaftes. Fast schien es so, er spiele die Kreatur nicht nur, sondern verkörperte sie, er war sie. Einfach nur beeindruckend und brillant!

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Plakat aus Frankreich

Weitere Höhepunkte dürften die vielen Tricks (u.a. die kleinen Homunkuli), Karloffs Masken Make-up, die im Labor technischen Apparaturen und natürlich die Erschaffung der Frau sein. Elsa Lanchester hat hier eine Doppelrolle, einmal als Mary Shelley und als künstliches weibliches Gegenstück. Wie schon beim ersten Film, so schuf John P. Fulton wieder die ganzen Spezialeffekte und Jack Pierce sorgte wieder fürs Make-up. Und das alles kann sich zweifelsfrei auch heute noch sehen lassen. Ferner weist der Film eine durchgehend starke Atmosphäre auf, wie z.B. in der Sequenz, wo die Kreatur sich auf einen Friedhof flüchtet und durch ein offenes Grab in die Gruft hinunter steigt. Der Regisseur des ersten Teils, James Whale, nahm auch hier wieder auf dem Regiestuhl platz. Dabei wollte er anfangs gar nicht, weil er der Ansicht war, das Frankenstein keiner Fortsetzung bedurfte. Schließlich überzeugte man ihn vom Konzept des 2. Teils, zumal sich das Drehbuchautoren-Team John L. Balderston & William Hurlbut wirklich Mühe gab und sich etliches einfielen ließen. Dabei lösten sie ein Problem im Grunde auf einfache Weise, was den vermeintlichen Flammentod der Kreatur betraf. Die Kreatur brach im oberen Bereich der Mühle zusammen, da das Feuer sich auch dort durchfras. Dadurch das die Mühle auch im oberen Bereich teilweise einstürzte, so ist es nachvollziehbar, das die Kreatur zusammen mit dem Holzboden etc. in die Tiefe und ins Wasser stürzte und so überlebte. Mit Mary Shellys Roman hat das ganze, bis auf einige Namen eher nichts gemein, was dem Film aber keineswegs schadet. Für die Doppelrolle von Mary Shelley/weibliche Kreatur wollte James Whale zuerst die deutsche Schauspielerin Brigitte Helm haben, die aber seltsamerweise ablehnte. Aber Elsa Lanchester war eine gute Wahl und sie gab eine hübsche Mary Shelley ab. Ferner ist Colin Clive wieder als Baron Henry Frankenstein zusehen und desweiteren Ernest Thesiger (Dr. Pretorius), Valerie Hobson (Elizabeth). John Carradine, ein späterer B-Film Horrorstar, ist hier in einer Nebenrolle als Jäger zu sehen.

Die meisten Filmhistoriker und Kritiker sind der Ansicht, das diese Fortsetzung den ersten Film noch übertraf und der bessere sei. Ich bin der Ansicht, das BRIDE OF FRANKENSTEIN ohne den ersten Film gar nicht funktionieren würde und tue mich etwas schwer damit, welcher Teil der bessere ist. Mir gefallen beide sehr sehr gut. Zweifellos gehört FRANKENSTEINS RÜCKKEHR/FRANKENSTEINS BRAUT zu den Klassikern des Horrorfilms der 30er Jahre und ist ein absoluter Meilenstein des Genres!

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 01.09.2016 16:59 
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Film Nr. 41

DER WERWOLF VON LONDON
(The Werewolf of London)
(USA 1935)

EA: Österreich Mai 1935

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Inhalt:
TIBET
Der Botaniker Dr. Wilfred Glendon ist mit einer Expeditionmannschaft in den hohen Bergregionen Tibets unterwegs, um eine seltene Pflanze zu finden. Die MARIPHASA LUPINA LUMINA = Wolfspflanze/Wolfsblume genannt, befindet sich in einem geheimnisvollen Tal. Menschen, die es betraten, sind nie wieder aufgetaucht, so heißt es. Ein Mönch warnt den Dr. davor, ins Tal zu gehen. Die einheimischen Expeditionsteilnehmer, fürchten sich davor und weigern sich. Dr. Glendon geht allein ins Tal und findet tatsächlich die Wolfsblume, die nur bei Mondschein aufblüht. Dabei wird er von einem tierartigen Wesen beobachtet, das ihn plötzlich angreift. Im Kampf mit diesem Wesen, wird der Dr. am Arm verletzt und das Wesen entkommt.

LONDON
Dr. Glendon ist mit der Wolfsblume nach London zurück gekehrt und versucht diese in seinem Labor artgerecht am Leben zu erhalten, indem er u.a. mondähnliches Licht verwendet. Für seine Frau Lisa hat er immer weniger Zeit und er fühlt sich zunehmend irgendwie anders. Dann taucht ein Mann beim Ehepaar Glendon auf, der sich Dr. Yogami nennt und der behauptet, das er den Dr. in Tibet getroffen habe. Wilfred erinnert sich nicht daran, aber Yogami bekundet großes Interesse an der Wolfsblume und scheint genau zu wissen, was dem Dr. im Tal von Tibet widerfahren ist. Yogami setzt den Dr. davon in Kenntnis, das er sich aufgrund seiner Armverletzung in einen Werwolf verwandeln wird, wenn es Vollmond wird. Das einzige was die Verwandlung aufhält, ist ein Extrakt der Wolfsblume. Glendon will zunächst nichts von diesem Aberglauben wissen und wimmelt Yogami ab. Mit Entsetzen muß er später feststellen, das sich seine Hand verändert und er schafft es rechtzeitig etwas Pflanzenextrakt von der Wolfblume zu nehmen. Die Verwandlung ist gestoppt und seine Hand sieht wieder normal aus. Aber das Extrakt wirkt nur zeitbegrenzt und der Fluch eines Werwolfs ist, das er das töten muß, was er im Grunde liebt. Sein Tötungsdrang macht auch vor anderen Leuten keinen halt und wie sich herausstellt, ist Glendon nicht der einzige Werwolf in der Stadt.

Die Mythologie des Werwolfs ist genauso alt, wie die des Vampirs und reicht bis zur griechischen Geschichts- und Sagenwelt zurück. LYKAON war ein früher König Arkadiens und hatte von mehreren Frauen 50 Söhne. Es war Sitte den Göttern zu opfern, um ihre Gunst zu erlangen. Als Zeus und Hermes nach Arkadien kamen, soll Lykaon den beiden Menschenfleisch als Speise vorgesetzt haben. Zeus merkte dies und in seinem Zorn erschlug er fast alle Söhne des Königs, bis auf den jüngsten Sohn Nyktimos. Den König selbst, verwandelte Zeus in einen Wolf (griechisch = LYKOS). Einer anderen Überlieferung zufolge soll Zeus dem König einst einen Altar geschenkt haben. Als Lykaon später am Altar ein Kind opferte, verwandelte Zeus den König in einen Wolf. Ab diesem Zeitpunkt wurde in einem bestimmten Zyklus immer ein Mensch in einen Wolf verwandelt, wenn am Altar geopfert wurde. Diese zweite Geschichte gehört bis heute zur Tradition der Werwolfgeschichten. Vom Namen des Königs Lykaon leitet sich die Bezeichnung LYKANTHROPIE ab, was = WOLFSMENSCHENTUM bedeutet. Folglich ist die eigentlich richtige urtümliche Bezeichnung für einen Wolfsmenschen = LYKANTHROPUS. Das diese Bezeichnung trotz allem bis heute kaum verwendet wird und man stattdessen den Begriff WERWOLF verwendet, haben wir der späteren mittelalterlichen volkstümlichen angelosächsischen Mythologie zu verdanken. Werwolf ist = MENSCH-WOLF. Die alten englischen Geschichten und Sagen berichten u.a. das ein Mensch, der ein Werwolf gewesen ist, nach seinem Tode zu einem Vampir wird. In der späteren Horrorliteratur hat das Werwolf-Motiv eine ebenso lange Tradition, wie die Vampirgeschichten. Im 18. und 19. Jahrhundert erschienen die verschiedensten Romane und sonstige Publikationen. Mit der Erfindung des Mediums Film, feierte auch der Werwolf seine Premiere auf der Leinwand.

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Motiv aus USA

Das Werwolf-Motiv tauchte u.a. auch in den unterschiedlichsten Kulturkreisen auf, wie das folgende Filmbeispiel zeigt. In dem einzigen Werwolf-Film, der in der Stummfilmzeit entstand, griff man eine alte indianische Legende des Navajo-Stammes auf. Im Film THE WEREWOLF aus dem Jahre 1913, will eine Indianerin ihren getöten Mann rächen, indem sie ihre Tochter zum Hass auf Männer erzieht und diese später mit magischen Fähigkeiten in einen Werwolf verwandelt. Der Film gilt als verschollen und ihm soll damals kein großer Erfolg zuteil gekommen sein, weswegen die Firma Universal das Thema 22 Jahre ruhen ließ. Erst durch die großen Erfolge der Filme Dracula und Frankenstein anfang der 30er Jahre, griff man die Werwolf-Thematik im Film erneut auf. Das Ergebnis war nun dieser Film hier. Meiner Meinung nach wird Der Werwolf von London ungerechterweise immer schlechter beurteilt, als der 1941 produzierte Film The Wolf Man/Der Wolfsmensch. Konzentrierte man sich ab diesem Film von der Grundbasis her, meistens auf den Zwiespalt/gespaltene Persönlichkeit und die damit verbundene Charakterisierung eines Halbwesens das der Werwolf nun mal ist (er ist halb Mensch, halb Wolf), so lag der Fokus des alten 1935er Films eher auf die Spannungsmechanismen des Horrorfilms. Interessant am alten Film ist, das man hier eine Pflanze hat, dessen Saft den Verwandlungsprozess stoppen kann und ferner einen zweiten Werwolf. Desweiteren agiert der Werwolf (Dr. Glendon) hier auch nicht als wilde Bestie, die alles zerstört und anfällt, was ihr über den Weg läuft, sondern dieser Werwolf denkt noch, indem er sich beispielsweise noch einen Mantel, Hut etc. anzieht, um auf den Strassen weniger aufzufallen. Das fand ich bei meiner Erstsichtung des Films interessant. In vielen anderen Werwolf-Filmen, die ich sah, war der Werwolf eher eine blindwütige zerstörerische Bestie, die sich nicht kontrollieren konnte, da eben das Tier die Oberhand hatte. Zwar kommt auch beim Werwolf von London das Tier durch, indem es eine ahnungslose Frau anfällt und tötet, aber dennoch unterscheidet sich dieser Film von anderen Werwolf-Filmen. Was fast allen Filmen gemein ist, ist der Fluch der auf den jeweiligen Menschen lastet, der sich in Abständen in einen Werwolf verwandeln muß. Diesen Fluch gilt es wieder los zuwerden, was den Wolfsmenschen ansich zu einer eher tragischen Gestalt werden läßt, besonders wenn die Liebe zu einer Frau mit im Spiel ist. Das wurde z.B. besonders deutlich im späteren Hammerfilm DER FLUCH VON SINIESTRO (1960). Oliver Reeds sehr gute Darstellung des Werwolfs zeigte, in welchem verhängnisvollen Dilemma jemand steckt auf dem ein Fluch lastet, zumal dieser Hammerfilm eher auf die Interpretation eines solchen Mischwesens ausgerichtet war. Auch hier schien es so, als gewinne das Tier/die Bestie nicht vollständig die Kontrolle über das andere Ich. Ein Rest menschlicher Regungen und Empfindungen war noch vorhanden. Was die Ursachen der Lycanthropie anbelangt, so gingen die Erklärungen einzelner Filme manchmal auseinander. In den meisten Filmen reicht eine Kratz- oder Bisswunde durch einen Werwolf aus, um denjenigen ebenfalls bei Vollmond zu verwandeln. Im besagten Hammerfilm ist es die Vergewaltigung eines Zigeunermädchens durch einen völlig verwahrlosten Landstreicher in einer Gefängniszelle. Durch diese Notzucht geht ein Kind hervor, das später als Erwachsener zum Werwolf wird. Im spanischen Film DIE TODESKRALLE DES GRAUSAMEN WOLFES (1973) genügt der Fluch einer Zigeunerin, um einen Adligen zum Werwolf zu machen. Soweit einige Beispiele. Anders als der Vampir, ist der Werwolf keine charismatische Erscheinung und auch kein erotischer Verführer, wie beispielsweise Dracula, der auf Frauen eine besonders starke Anziehungskraft ausübt. Gleiches gilt für Mircalla, dem weiblichen Vampir, die sowohl auf Männer, als auch auf Frauen sehr anziehend wirkt. Ein Vampir geht anders vor, raffinierter und ist als solcher auf den ersten Blick häufig nicht zu erkennen. Sein Biss in den Hals hat in der Regel etwas sexuell erotisches ansich. Beim Werwolf regiert eher die Furcht vor dem reissenden Tier, das anders zubeißt und seine Opfer z.T. regelrecht zerfleischt. Ein Werwolf agiert brutaler und zerstörerischer. Wie erlöst man einen Werwolf von seinem Dasein und befreit ihn vom Fluch? Häufig geht solch eine Erlösung mit dem Tode des Werwolfs einher, nur dann wird er menschlich und bleibt ein Mensch, allerdings ein toter Mensch. Eine sehr weit verbreitete Darstellung/Interpretation der meisten Werwolf-Filme. Ebenso, das ein Werwolf durch Silber getötet werden kann (Silberkugel, Messer aus Silber etc.). Das ein Werwolf nur durch Silber verletzt oder getötet werden kann, geht auf eine Erfindung des Drehbuchautors Curt Siodmak zurück und wurde erstmals im Film Der Wolfsmensch (1941) gezeigt. In der Mythologie der Werwölfe ist davon meines erachtens nichts zufinden. Silber ist allerdings bekannt dafür, das es laut altem Volksglauben, Dämonen und Krankheiten abwehrt. In der griechischen Mythologie widerum, kann ein Lycanthropus von seinem Fluch erlöst werden, wenn er es schafft 8 Jahre lang kein Menschenfleisch zu fressen. Erst dann wird er wieder ein Mensch. Ein etwas langjähriger Prozess, aber sehr interessant, das hierbei nicht der Tod als Erlösungsmittel im Vordergrund steht. Wäre auch mal eine Idee für eine Art Werwolf-Drama.

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Motiv aus USA

Das Der Werwolf von London bis heute eine Art Schattendasein führt und nach wievor kaum beachtet wird (ganz im Gegensatz zu Der Wolfsmensch), mag daran liegen, das der Film auch in den Transformationssequenzen weniger spektakulär daher kommt, als spätere Werwolf-Filme. Das lag u.a. daran, weil sich der Hauptdarsteller Henry Hull weigerte sich der stundenlangen Prozedur des Maskenbildners Jack Pierce zu unterwerfen. Bela Lugosi lehnte die Rolle des Wolfsmenschen aus eben diesen Gründen ab, wie er auch schon vorher seine Mitwirkung bei Frankenstein ablehnte. Hätte sich Universal daraufhin jemand anderen gesucht, der das gemacht hätte, so wäre dieser alte Werwolf-Film mit Sicherheit einer der Klassiker schlechthin. Stattdessen mußte Jack Pierce das Masken Make-up minimieren, weshalb der Werwolf hier nun weniger haarig ausschaut, als seine späteren filmischen Artgenossen. Was die Verwandlung anbelangt, so machten die Filmemacher aus der Not eine Tugend und griffen in die Trickkiste. Als Dr. Glendon zu Fuß unterwegs ist, setzt die Transformation ein. Dabei bewegt er sich an Mauerpfeilern vorbei und jedesmal wenn er gerade hinter einem Pfeiler ist und wieder hervor kommt, sieht man eine Veränderung. Das mag billig wirken, aber dennoch ist das ganze ansprechend inszeniert. Der Film ist zwar kein Meisterwerk, aber aufgrund seines Inhalts, seiner Ideen, der Geschichte ansich, ist er dennoch ein guter Vertreter der Werwolf-Filme. Ferner wirken mit, Valerie Hobson (Lisa) und Warner Oland (Dr. Yogami). Regie führte Stuart Walker.

Der Werwolf von London lief damals nur in Österreich. Ob im OmDU oder synchronisiert, konnte nicht ermittelt werden. In Deutschland war der Film bis zum digitalen Zeitalter anscheinend überhaupt nie zu sehen, jedenfalls war diesbezüglich keine Aufführung ausfindig zu machen. Erst im Jahre 2004 erschien der Film beim Label Universal in einer Monster Legacy Box, zusammen mit anderen alten Horrorfilmen. Dort ist er im OmDU, aber auch synchronisiert zu hören. Eine einzelne DVD-Veröffentlichung existiert meines erachtens nicht.

Obwohl die Werwolf-Filme innerhalb des Horrorfilms eine etwas weniger umfangreiche Filmographie aufweisen, als beispielsweise die Vampirfilme, so ist und bleibt es dennoch ein immer wiederkehrendes beliebtes Thema des phantastischen Filmgenres.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 04.09.2016 15:01 
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Film Nr. 42

AMPHITRYON
(Deutschland 1935)

EA: Deutschland 18. Juli 1935

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: DDR 28. September 1970 TV DFF 1

THEBEN
Theben befindet sich im bewaffneten Konflikt mit Sparta zur Zeit des korinthischen Krieges. Die Frauen von Theben hoffen auf baldige Rückkehr ihrer Männer. Darunter auch Alkmene, der Frau des mächtigsten Feldherrn Amphitryon. Alkmene betet zum Gott Jupiter. Auch ihre Dienerin Andria hofft auf die Rückkehr ihres Mannes Sosias. Vom Olymp aus, wirft Jupiter ein Auge auf Alkmene, denn ihn gelüstet es nach dieser Erdenfrau. Zusammen mit Merkur begibt er sich in die irdischen Gefilde von Theben. Um Erfolg bei den weiblichen Eroberungen zu haben, nimmt Jupiter die Gestalt von Amphitryon und Merkur die Gestalt von Sosias an. Aber ganz so einfach wie es sich die beiden vorgestellt haben, ist es nicht, zumal der echte Amphitryon und der echte Sosias zurückkehren. Auch die Göttin Juno begibt sich nach Theben, um ihren Mann Jupiter zur Rede zur stellen. So sind aufgrund der Doppelgänger, chaotische Verwechslungen und Ärger vorprogrammiert.

Dieser Film ist ein Lustspiel, eine Art Historien-Fantasy-Komödie und basiert auf klassische Vorbilder. Einmal auf dem Stück Amphitryon von Heinrich von Kleist, dem widerum die gleichnamige Lustspielvorlage von Moliére dienlich war. Der Regisseur Reinhold Schünzel verfasste hierzu auch das Drehbuch. Um überhaupt das ganze realisieren zu können, mußte die Produktionsfirma UfA technisch völlig umrüsten, denn vieles war überholt und zudem veraltet. Vor allem wurde die Ton- und Tricktechnick modernisiert und sollte ab diesen Film zukünftig neue Maßstäbe setzen. Das alles kann sich im Grunde bis heute sehen und hören lassen. Gedreht wurde in den UfA Ateliers in Neubabelsberg und Außenumgebung. Bauten, Inneneinrichtungen und Kostüme wissen zu gefallen. Ca. Anfang Juli 1935 ging der Film durch die Filmprüftselle und wurde freigegeben. Ferner wurde er als künstlerisch wertvoll eingestuft, bekam aber ein Jugendverbot verpasst. Die Premiere fand in Berlin im Gloria Palast statt. Es spielen mit: Willy Fritsch (Jupiter/Amphitryon), Käthe Gold (Alkmene), Paul Kemp (Merkur/Sosias), Fita Benkhoff (Andria) usw. Der Film erschien beim Label UfA Universum auf DVD. Ist aber auch nur was Leute, die an sowas gefallen finden.

Von diesem Film wurde auch gleichzeitig eine Fassung für Frankreich hergestellt. Reinhold Schünzel blieb hier als Regisseur, während die deutschen Schauspieler durch französische Darsteller ersetzt wurden. Hier sind es Jeanne Boitel, Henry Garat, Odette Florette, Armand Bernard etc.

Titel in Frankreich:

LES DIEUX S'AMUSENT
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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 29.09.2016 16:20 
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Film Nr. 43

EIN SOMMERNACHTSTRAUM
(Ot: A Midsummer Night's Dream)
(USA 1935)

EA: Österreich November 1935

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EA: BR Deutschland 1. Oktober 1962 im TV ARD

Inhalt:
In Athen laufen die Vorbereitungen zur Hochzeit zwischen dem Herzog Theseus und der Amazonenkönigin Hippolyta. Ein Bürger Athens, Egeus wendet sich währendessen an Theseus, denn er ist verzweifelt. Seine Tochter Hermia weigert sich Demetrius zu heiraten, den sie nicht wolle, den er aber für sie bestimmt habe, zumal Demetrius sie liebe. Hermia ist vielmehr in Lysander verliebt und er in sie. Der Vater Egeus will aber keineswegs dieser Liebschaft zustimmen und wenn seine Tochter weiterhin stur bleibt, droht ihr entweder der Tod oder das Kloster. Hermia zieht allerdings noch eine dritte Möglichkeit in Betracht, indem sie und Lysander sich einfach davon machen. Die beiden gehen zu Helena, einer Freundin von Hermia und berichten ihr von ihrem Vorhaben. Helena gesteht ihrerseits, das sie sich in Demetrius verliebt habe, der aber widerum von Helena nichts wissen will. Im Wald bei Athen treffen einige Zeit später alle Verliebten aufeinander. Hermia, Lysander, Helena und Demetrius. Der Wald wird aber von Elfen und Kobolden bewohnt und beherrscht, dessen König und Königin Oberon und Titania sind. Bei diesen beiden Herrschern herrscht derweil ein Eifersuchtsstreit und droht beide zu entzweien. Oberon läßt durch seinen Diener Puck den Saft einer besonderen Blume heran schaffen. Dieser Saft hat eine besondere Wirkung, wenn man diesen in die Augen einer ausgesuchten schlafenden Person tröpfelt. Wacht diese dann auf, so ist sie unweigerlich in denjenigen verliebt, den sie beim Erwachen zuerst sieht. Oberon will damit Titania strafen. Puck macht sich aber nun seinerseits einen Spaß daraus, und verabreicht den Liebespaaren aus Athen ebenfalls diesen Saft. Das Liebes-Durcheinander ist perfekt. Aber damit nicht genug, denn im Wald finden sich noch Handwerker ein und Puck treibt seine Zauberspäße auch mit denen.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Diese Geschichte stammt von WILLIAM SHAKESPEARE (1564-1616), der in der Zeit des goldenen Zeitalters unter der Regierungszeit von Königin ELIZABETH I in England lebte und bis heute als einer der größten Dramatiker und Bühnendichter der Weltliteratur gilt. Shakespeare verfasste Komödien, Tragödien, Historien und poetische Werke. Die Aufführungen seiner Werke blieben aber nicht nur dem Theater vorbehalten. Mit der späteren Entwicklung des Films, fanden so etliche Shakespeare-Verfilmungen statt, was bei den Filmemachern offenbar sich großer Beliebtheit erfreut. Bis heute wurde auch vieles immer wieder neu verfilmt, so auch die Shakespeare-Komödie Ein Sommernachtstraum. Das Stück wurde erstmalig in der Stummfilmzeit im Jahre 1909 und bis zum Jahr 1998 immer wieder verfilmt. Insgesamt existieren 23 Verfilmungen, 5 Stummfilme und 18 Tonfilme. Diese 1935er Verfilmung hier stammt von Max Reinhardt, der in Deutschland/Österreich von ca. 1901 bis zum Jahre 1933, als der bedeutendste und einflußreichste Theaterregisseur und Produzent galt. Aufgrund der politischen Veränderungen in Deutschland und den leider damals überhasteten Handlungen und Verordnungen der national sozialistischen deutschen Regierung, war Reinhardt gezwungen Deutschland zu verlassen und ging nach Amerika. Maximilian Goldmann, so sein richtiger Name, war jüdischer Abstammung und stammte aus Wien. Seine Liebe zum Theater begann früh. Shakespeare hatte es ihm bei seinen Theaterprojekten besonders angetan und laut Biographie vornehmlich Ein Sommernachtstraum. Dieses Stück wurde von Reinhardt bevorzugt aufgeführt. Aber Theater ist nicht Film und so stieß er bei diesen Medium schnell an seine Grenzen. Da Warner den Film für damalige Verhältnisse teuer produzierte (ca. 1,4 Mio Dollar) und ihre Investition gefährdet sah, bekam Reinhardt Unterstützung vom deutschen tonfilmerfahrenden William Dieterle. Zusätzlich wurde der Kameramann Ernest Haller von Warner kurzerhand aus dem Filmprojekt geschmissen, weil man nicht zufrieden mit dessen Aufnahmen war. Er wurde durch Hal Mohr ersetzt. Die Spezialeffekte wurden von Byron Haskin und Fred Jackmann gemacht. Immer wieder interessant, welche Leute an und in alten Film mitwirkten, deren Namen man eher mit späteren Filmen verbindet. Hier fällt der eben erwähnte BYRON HASKIN auf, der später selbst bei Filmen Regie führen sollte. Vor allen Dingen hat er sich allein schon durch seinen 50er Jahre Science Fiction Klassiker KAMPF DER WELTEN unvergesslich gemacht. Da Mr. Haskin vorher selbst Spezialeffekte kreierte, kam ihm diese Erfahrung bei diesem Klassiker wohl sehr zugute.

Ein Sommernachtstraum lief damals nur in Österreich, in Deutschland hingegen mal wieder Jahrzehnte später, wenn auch nur im TV. Für die Kamera und den Schnitt bekam er sogar jeweils einen Oscar. Es spielen u.a. mit: Dick Powell, Olivia de Havilland (ihre erste Filmrolle), James Cagney, Mickey Rooney, Ian Hunter, Anita Louise u.a.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 06.10.2016 17:42 
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Film Nr. 44

DER RABE
(Ot: The Raven)
(USA 1935)

EA: Österreich November 1935

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Altes Filmprogramm aus Österreich

EA: BR Deutschland März 1970 im TV NDR

Inhalt:
Janet, die Tochter des Richters Thatcher hat einen Autounfall und liegt im Krankenhaus. Ihr Verlobter, Dr. Jerry Halden hält eine anstehende Operation für kompliziert, so das er lieber Dr. Vollin um diese OP ersucht. Der Spezialist für Chirugie lehnt dies ab, da er nicht mehr praktiziere und sich nur der Forschung widmet. Richter Thatcher, der Vollin persönlich aufsucht gibt keine Ruhe und er kann Vollin doch zu dieser OP überreden. Einige Zeit später ist Janet wieder genesen und wohlauf. Vollin hat sich den Werken von Edgar Allan Poe verschrieben und ist nahezu besessen davon, aber seitdem auch von Janet. Sie weist seine Annährungsversuche zurück, da sie in Jerry verliebt ist. Auch Richter Thatcher duldet es nicht mehr und verbietet Vollin seine Tochter weiterhin zu sehen. Einige Zeit später sucht der Verbrecher Edmond Bateman Dr. Vollin auf und bittet ihn sein Gesicht zu verändern, da er hässlich sei und keine hässlichen Taten mehr tun möchte. Vollin verlangt dafür gewisse Gegenleistungen von ihm, denn er soll für ihn foltern und morden. Bateman will dies nicht und Vollin operiert ihn trotzdem, aber er macht ihn noch hässlicher. Wenn Bateman nun einwilligt, für Vollin gewisse Dinge zu tun, so würde er die OP rückgängig machen. Vollin verfolgt ein bestimmtes Ziel. Er lädt Janet, ihren Vater, sowie Jerry und andere Gäste übers Wochenende zusich ins Haus ein. Vollins Haus ist technisch raffiniert ausgestattet. So verbirgt sich innerhalb seiner Bücherreagalwand eine Stahldrehtür und dahinter eine Treppe, die nach unten führt. Nach Poes Vorbild, hat Vollin sich dort unten eine Art Folterkeller eingerichtet, darunter auch ein Pendel mit scharfer Klinge. Vollin sieht sich wegen verschmähter Liebe als Folteropfer, weil er gelitten hat. Liebe ist Folter und er muß es loswerden, indem er nun foltert und seinen Geist/seine Gedanken davon befreit. Für die eintreffenden Gäste wird das Haus zur Todesfalle.

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Plakat aus USA

Nach DIE SCHWARZE KATZE (siehe Film Nr. 39), war dies der zweite Film, in dem Bela Lugosi als Dr. Vollin und Boris Karloff als Edmond Bateman gemeinsam auftraten. Lugosi zog hier darstellerisch alle Register und gab mit seinen diabolischen Mimiken und teils teuflischen Grinsen einen vom Wahn besessenen Doktor ab. Auch wenn er seinen Gästen von Poe und seinen Werken erzählt, merkt man diesen Wahn. Lugosi ist hier der Dreh- und Angelpunkt dieses Films. Karloff hingegen gab hier eine schicksalshafte Gestalt ab, dem der Doktor durch eine OP übel mitspielte. Karloffs Darbietung erinnert nicht von ungefähr ein wenig an die beiden vorigen Frankenstein-Filme. Dort war er die erschaffende Kreatur, die u.a. dem Arzt und Wissenschaftler gehorchte und sich nicht so richtig artikulieren konnte. Hier ist es ähnlich, nur das Karloff/Bateman schon immer ein Mensch war, aber nun entstellt ist und dadurch nur mühsam sprechen kann und der Diener von Dr. Vollin ist. Der Film ist einfallsreich inszeniert, was u.a. die technischen Fallen im Haus anbelangt. Mit Edgar Allan Poe hat das Ganze im Grunde eher nichts zu tun. Ein Rabe kommt vor, aber nur als ausgestopfte Zierde auf Vollins Schreibtisch und das erwähnte Pendel. Der Film fiel leider damals beispielsweise bei der New York Times in Ungnade, die ihn als schlechten Horrorfilm und als Missgriff bezeichnete, der mit Poe nichts zu tun hatte. Man war damals offenbar enttäuscht. Der spätere B-Film-König der USA, Roger Corman verfilmte auch so einige Geschichten nach Motiven von Edgar Allan Poe, darunter auch ein Film mit dem Titel DER RABE. Im Grunde ist dies weder ein Remake dieses alten Films hier, noch einer der sich an Poes Vorlage hielt. Während der alte Film sich durchgehend und weitaus ernsthafter gab, so inszenierte Corman u.a. eine Art spaßige Fantasy-Komödie, die mit Vincent Price, Boris Karloff und Peter Lorre gut besetzt war. Ich persönlich finde den alten Film mit seiner Schwarzweiß-Photographie gut inszeniert und gespielt. Die Idee, das jemand von Poe sowas von besessen ist, so das dieser etliches an technischen Folterinstrumenten nachbaut, hat schon was. Regie führte Louis Friedlander und ferner wirken mit: Irene Ware (Janet), Lester Matthews (Jerry), Samuel S. Hinds (Richter) usw.

Der Rabe lief damals nur in Österreich und vermutlich nur im OmDU, was sich aber nicht 100%ig ermitteln ließ. In Deutschland bekam er später eine gute TV-Synchro verpasst. So lieh beispielsweise Wolfgang Kieling seine Stimme Bela Lugosi, die ich zumindest sehr passend finde. Überhaupt hört sich die Synchro gut an. Der Film erschien vor einigen Jahren auf DVD. Er enthält die TV-Synchro, aber man kann ihn sich auch im OmDU ansehen. Das Label Concorde brachte im Jahre 2008 eine Bela Lugosi & Boris Karloff Edition heraus. Diese DVD-Box enthält 5 Filme, wo Lugosi und Karloff gemeinsam auftraten. DIE SCHWARZE KATZE, DER UNSICHTBARE STRAHL, DER HENKER VON LONDON (alle 3 nur im OmDU), DER RABE, DER SCHWARZE FREITAG (beide im OmDU und deutsch synchronisiert).

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 03.11.2016 18:38 
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Film Nr. 45

DER STUDENT VON PRAG
(Deutschland 1935)

EA: Deutschland 10. Dezember 1935

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: DDR 26. November 1957 TV DFF 1
WA: BRD 30. Juli 1971 TV ZDF


Inhalt:
Schauplatz Prag, in den 1860er Jahren
Der junge Student Balduin feiert mit anderen Studenten im Partykeller des Studentenheims den Geburtstag von Lydia. Lydia ist die Nichte der Wirtin und die Freundin von Balduin. Zur Feier erscheint die berühmte Sängerin Julia, in Begleitung von Baron Waldis, der sie sehr verehrt. Sie singt allen ein schönes Lied vor und ladet Balduin, Lydia und die anderen Studenten zur Vorstellung in der Oper ein. Balduin ist von Julia fasziniert, aber auch sie empfindet einiges für diesen jungen Mann, der von ihr schwärmt. Während der Vorstellung in der Oper verliebt sich Balduin in Julia. Aber der Student ist arm, hat wenig Geld und auch nicht die gesellschaftliche Stellung, wie der reiche Baron Waldis. Wie soll er Julia für sich gewinnen können, zumal der Baron ihr den Hof macht und keine nähere Verbindung zwischen Julia und Balduin duldet. Jemand, der das ganze beobachtet hat, tritt später an Julia heran. Die eher unheimliche Gestalt nennt sich Dr. Capris und ist der Sängerin wohl bekannt. Capris duldet keine Liaison zwischen ihr und anderen Männern und verfolgt sie schon lange mit seiner seltsamen Eifersucht. Capris erinnert Julia daran und warnt sie davor, wie ihre bisherigen Liebschaften endeten bzw. welches Schicksal allen ihren Liebhabern widerfuhr. Julia sorgt sich nun um Balduin, denn sie weiß wozu Dr. Capris fähig ist. Dieser tritt nun an Balduin heran und unterbreitet ihm ein Angebot. Capris verspricht ihm fortan nur noch Glück im Spiel zuhaben, wenn er sich etwas von Balduin nehmen darf. Balduin schlägt in den Handel sofort ein, denn nur zu gut weiß er um seine Armut den Reichen, aber auch Julia gegenüber. Capris will nun, das sich Balduin vor seinen großen Spiegel stellt. Plötzlich tritt sein Spiegelbild heraus und verschwindet. Balduin hat nun kein Spiegelbild mehr, aber er steigt nun in der Gesellschaft auf, weil er durchs Spielen ständig als großer Gewinner hervorgeht. Seinem Rivalen, dem Baron Waldis gewinnt er ein Vermögen ab. Später, als der Baron dem Balduin mit seinem Handschuh ins Gesicht schlägt, kommt es zum Duell zwischen den beiden. Balduin, der vorher schon bewiesen hatte, das er ein sehr guter Fechter ist, wird von Julia gebeten, den Baron zu schonen. Aber Dr. Capris hat anderes vorgesehen. Und auch das Spiegelbild Balduins taucht vermehrt auf und verfolgt nun den jungen Studenten auf Schritt und Tritt. So langsam dämmert es dem nun verzweifelten Balduin, das er verflucht ist, sich alle von ihm abwenden und er nach einem Ausweg sucht.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Nach den beiden Stummfilmen aus den Jahren 1913 (mit Paul Wegener) und 1926 (mit Conrad Veidt) gleichen Titels, war dies die dritte und bisherige letzte Verfilmung der Romanvorlage von Hanns Heinz Ewers. Zugleich war es natürlich auch die erste Tonfilmversion dieses Stoffes. War der Autor damals noch der alleinige Verfasser des Drehbuchs, so waren es hier diesmal Hans Kyser und der Regisseur Arthur Robison nach dem Roman von Ewers. Hanns Heinz Ewers war damals berüchtigt für seine Geschichten und galt/gilt als Erfinder eines vulgärexpressionistischen Romanstils der gespickt war mit Sex, Sadismus und Dekadenz (siehe auch Film Nr. 04 Alraune). Während der Teufel in den beiden Stummfilmen als Figur Scapinelli auftrat, so nennt er sich hier Dr. Capris. Die Hauptkontrahenten Balduin und Baron Waldis blieben identisch. Im wesentlichen unterscheiden sich alle drei Filme vom Inhalt her, kaum voneinander. Nur der Stil der Inszenierungen unterscheidet sich in ihrer Ausdruckssprache. So soll im ersten Stummfilm Paul Wegeners Darbietung des Balduin und die Architektur im Film am realistischsten sein. Im zweiten Stummfilm sollen die Ängste von Balduin (hier von Conrad Veidt dargeboten) und die inneren Anspannungen in ihm, Ausdruck in bildlich dargestellten expressionistischen düsteren unheimlichen Landschaften gefunden haben. Dadurch wurde die innere Stimmung Balduins für die Zuschauer bildlich sichtbar gemacht. In dem Tonfilm hier stellt Adolf Wohlbrück den Balduin dar. Dank der Inszenierungskunst Arthur Robisons und der guten Darbietung von A. Wohlbrück, merkt man sehr deutlich den innerlichen Konflikt/Kampf mit Balduins anderem Ich inkl. seiner Angst und seine Zerrissenheit. Für manche ist der erste Stummfilm der beste, für andere widerum ist die dritte Verfilmung die effektvollste, weil diese in einer unheilschwangeren Umgebung spielt. Das kommt nicht von ungefähr, denn für die Bauten zeichnete sich Hermann Warm verantwortlich, der schon im zweiten Stummfilm die düsteren Landschaften bildlich veranschaulichte. Der Tonfilm weist somit auch einen düsteren expressionistischen Stil auf. Ferner hat meiner Meinung nach, der Tonfilm auch einen gewissen Vorteil gegenüber den Stummfilmen, besonders was die ganze Endszenerie betrifft. Im zweiten Stummfilm ließ man z.B. das Ende völlig weg und inszenierte es anders. Was den Tonfilm anbelangt; Selten in einem alten und auch noch deutschen Film ein Ende gesehen, das so massiv mit einer tragischen Melancholie inkl. der starken Musik durchzogen ist, wie hier. Dabei wirkt das weder aufgesetzt und schon gar nicht übertrieben, sondern sehr sehr passend zum vorigen Geschehen, was das ganze wunderbar zum Ende bringt. Das finde ich stark gemacht!

Der erste Stummfilm wurde noch an den Original Schauplätzen in Prag gedreht. Der zweite verzichtete darauf und leider auch der Tonfilm. Gedreht wurde im Jofa-Atelier bei Berlin-Johannisthal und dem Efa-Atelier direkt in Berlin. Der Film ging Ende November 1935 durch die Filmprüfstelle und wurde freigegeben, bekam aber ein Jugendverbot verpasst. Am 10. Dezember hatte der Student von Prag im Berliner Gloria Palast seine Premiere. Film hatte eine Länge von 2328 Meter, was umgerechnet = 85 min sind. Die Fassung, die mir vorliegt, hätte demnach ca. 81 min lang sein können/müßen. Zumindest habe ich nun eine ca. 77minütige Version gesehen. Es fehlt mal wieder was, nämlich ca. 4 Minuten. Aber immerhin besser, als gar nichts. Ist leider alles kompliziert und schwierig. Es wirken mit: Adolf Wohlbrück (Balduin), Theodor Loos (Dr. Capris), Dorothea Wieck (Julia), Erich Fiedler (Baron Waldis), Edna Greyff (Lydia) u.a.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 14.11.2016 21:42 
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Film Nr. 46

FÄHRMANN MARIA
(Deutschland 1935)

EA: Deutschland 7. Januar 1936

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: DDR 22. Dezember 1987 TV DFF 2
WA: BRD 22. Januar 1991 TV S 3


Inhalt:
In einer ländlichen Gegend stellt am einsamen stillen Fluß eine alte Kastenfähre die einzige Verbindung zwischen beiden Ufern her. Wer auch immer übergesetzt werden will, muß mit einem Klöppel gegen die Pflugschar schlagen, damit der Fährmann weiß, das ein Fahrgast anwesend ist. Diesmal ist es ein Musiker/Geiger, den der alte Fährmann vom gegenüberliegenden Ufer abholt und ihn übersetzt. Vom Geiger bekommt der Alte einen Groschen und er meint noch, das dies der letzte Groschen sei. Was unbeabsichtigt wie eine Prophezeiung klingt, sollte sich dennoch erfüllen. Während der alte Fährmann am frühen Abend in seinem kleinen Diensthäuschen sitzt und offenbar nachdenkt, erklingt der Pflugschar, der den ähnlichen Klang einer alten Glocke hat. Der Fährmann setzt über, um den Fahrgast abzuholen. Er erkennt die schwarz gekleidete Gestalt zunächst nicht, die da in Entfernung scheinbar zwischen den Bäumen steht. Beim näherkommen erblickt er sie besser. Es ist ein Fremder, der ihm ohne Worte zu verstehen gibt, das er ans andere Ufer will. Der Fremde ist dem Alten unheimlich und während der Überfahrt, dreht er sich öfters nach ihm um. Stumm steht er auf dem Kahn. Plötzlich verlassen dem Alten die Kräfte und in den Armen des Fremden, sinkt er zusammen und verläßt die diesseitige Welt. Der Fremde ist der Tod und er kam, um den Alten ins Jenseits zu begleiten, weil seine Zeit gekommen war.

Einige Wochen oder Monate später
Seit diesem Ereignis gehen seltsame Gerüchte im nahe gelegenen Dorfe um. Das Böse würde am Fluß und Umgebung umgehen. Keiner der Dorfbewohner will den Dienst eines Fährmanns tun. In einer Scheune nahe dem Dorf, erwacht eine heimatlose junge Frau und begibt sich ins Dorf. Dort gelangt sie zum Dorfschulzen-Amt und fragt den Dorfvorsteher nach Arbeit. Maria, so ihr Name, kann sofort den Posten des Fährmanns übernehmen. Maria willigt ein und muß erstmal den inneren Wohnraum des Diensthäuschens entstauben. Sie erkundet zuerst das ländliche Gebiet, das u.a. auch aus einem größeren Sumpf besteht. Geschickt geht sie durchs Sumpfgebiet, ohne einzusinken. Da läutet es und der erste Fahrgast ist ein Gutsherr. Später am Abend schellt der Pflugschar, der Maria ans andere Ufer ruft. Sie sieht den vermeintlichen Fahrgast erst gar nicht, entdeckt dann aber einen im Kampf verwundeten Mann. Dieser bittet Maria, ihn schnell ans andere Ufer zu bringen. Schon tauchen die Verfolger auf und schellen gegen den Pflugschar, aber zuspät. Maria hat das Ufer erreicht und bringt den Verwundeten ins Haus. Die feindseligen Verfolger ziehen unverrichteter Dinge wieder ab. Ruhe kehrt ein und der folgende Tag ist für Maria und dem Mann, ein schöner Tag und beide verlieben sich ineinander. Der Mann will eigentlich wieder fort, um weiter zukämpfen, aber ein erneutes Fieber macht ihn weiter kampfunfähig und er muß das Bett hüten. Abends erklingt wieder der Pflugschar vom jenseitigen Ufer herüber. Ihrer Pflicht nachkommend, setzt Maria hinüber. Am jenseitigen Steg erkennt sie eine dunkle Gestalt, die dort steht. Es ist der Fremde/der Tod und er will übergesetzt werden. Während der Überfahrt, fragt der Fremde Maria, ob sie einen verwundeten Mann gesehen hat? Maria erkennt in der schwarz gekleideten Person den Tod, der gekommen ist, sich ihren Erwählten zu holen. Maria setzt nun alles daran dies zu verhindern und versucht den Tod von seinem Vorhaben abzubringen.

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Schöne Fotomontage: Landschaft und die Hauptpersonen

Dies ist ein Heimatfilm, aber einer der wenigen mysthischen Heimatfilme und anscheinend genau der richtige Stoff für den deutschen Regisseur Frank Wisbar. So interessierte er sich vorzugsweise für mythische Geschichten und inszenierte im Jahre 1933 den Film ANNA UND ELISABETH (siehe Film Nr. 21). 1934 wollte er seinen Film DER WEREWOLF fertig stellen, aber leider blieb dieser Phantastikfilm unvollendet. Über die Gründe kann man nur mutmaßen, aber sehr wahrscheinlich machte ihm die damalige deutsch national sozialistische Regierung einen Strich durch die Rechnung, die es in jenen Zeiten eh nicht so mit Horrorfilmen gehabt hatten und allein schon vieles aus dem Ausland verbot. Es hätte im Grunde der allererste Werewolf-Tonfilm sein können und wäre bestimmt interessant gewesen. Mit Fährmann Maria stellte Wisbar zumindest einen weiteren mystischen Film fertig und bewies allein schon in den ersten ca. 10 min ein Gespür für starke Atmosphärische Szenerien, die eine gewisse Melancholie mit Düsternis vermischt. Da sitzt anfangs der alte Fährmann in seinem Diensthaus, dann ertönt vom anderen Ufer her der Pflugschar, der sich wie eine Totenglocke anhört, die für den Fährmann erklungen ist. Und alles mit einer eher düsteren Hintergrundmusik durchzogen. Das ist stark gemacht und entfaltet ein Szenario, das seine Wirkung keinesfalls verfehlt. Auch später wußte der Filmemacher die Lüneburger Heide atmosphärisch zu nutzen, denn dort wurden die Außenaufnahmen gedreht. Die Landschaft war/ist wie geschaffen für diese Geschichte und somit ist Wisbars Film mit so einigen tollen atmosphärischen Sequenzen durchzogen. Unnötig war für meine Begriffe die Figur des Geigers. Ich meine, am Anfang passt der noch, nur im weiteren Verlauf des Films nicht mehr so recht. Offenbar sollte oder wollte man den Film nicht zu extrem düster gestalten und baute den Geiger mit Gesang ein. Gut,... es sind nur zwei Szenerien und im Grunde stört das nun nicht so sehr, aber der Eindruck entstand bei mir, dadurch den Film etwas, sagen wir mal,...."abmildern" zu wollen. Man hätte es auch lassen können, aber zum Glück wirkt sich das zumindest nicht negativ auf das Gesamtergebnis aus. Der Film vereint die Themen Liebe, Tod, Sterben und das Jenseits. Man kann in diesem Sinne auch von einem romantischen Phantastikfilm sprechen, der sich zusätzlich an griechische Mythen anlehnt und ein wenig von Fritz Langs Film DER MÜDE TOD leicht beeinflußt ist (siehe in diesem Zusammenhang, einige Zusatzanmerkungen unten).

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Sybille Schmitz, als Maria erwies sich als die richtige Wahl. Wie die Landschaft im Film, so hatte auch sie eine sanfte, schöne aber gleichzeitig herbe Ausstrahlung. Als Maria durch das ländliche Sumpfgebiet geht und dieses erkundet, scheint es fast so, als würde sie sehr mit dem Land verbunden sein, da sie genau weiß, wo sie hintreten muß. Selbstbewußt und ohne Fragen zustellen, hilft sie einem Verwundeten und verliebt sich in diesen. Mutig stellt sie sich später dem Tod entgegen und selbstaufopfernd ringt sie mit diesem für ihre Liebe. Peter Voß ist der Tod, der mit seiner Gestalt, Kleidung und eher wortkargen Erscheinung ebenso die richtige Wahl war. Und Aribert Mog stellt den Verwundeten dar. Das Drehbuch schrieben Hans-Jürgen Nierentz und Regisseur Frank Wisbar. Der Film entstand in Tütsberg (Lüneburger Heide), in den Efa-Ateliers bei Berlin und im Terra-Glashaus in Berlin-Marienfelde. Der Film ging Anfang Januar 1936 durch die Filmprüfstelle und wurde, auch für Jugendliche freigegeben und zusätzlich als künstlerisch wertvoll eingestuft. Damals im Kino hatte der Film eine Laufzeit von 2285 Meter, was = ca. 83 min sind. Zur Sichtung lag mit nun eine Sendung aus dem Sender Arte vor, die knapp über 77 min geht. Demnach fehlen in etwa ca. 3 min. Schwer zu sagen, was möglicherweise fehlt. Aber ich bin froh, den Film nun auch endlich mal gesehen zu haben. Frank Wisbar sah sich im November 1938 genötigt, Deutschland mit seiner jüdischen Ehefrau zu verlassen und begab sich nach Amerika. Dort soll er später, im Jahre 1945 eine Art Remake von Fährmann Maria inszeniert haben. STRANGLER OF THE SWAMP, so der Titel lief meines erachtens bis heute nicht im deutschsprachigen Raum. Fährmann Maria gilt bis heute, als ein schöner Legenden-Film und Tonfilmklassiker
.

ZUSATZANMERKUNGEN ZUM TOD
In der griechischen Mythologie ist THANATOS der Tod. Er war der Sohn der Göttin NYX, was griech. = Nacht bedeutet und sie gehörte zu den ersten Gottheiten, die es gegeben hatte und aus dem Urchaos stammte. Nyx gebar einige der mächtigsten personifizierten Wesen, die es in der Mythologie gibt, darunter auch Thanatos. In der Mythologie ist er der Todesengel, der die Sterblichen immer dann aufsucht, wenn deren Zeit gekommen war und führte sie dann fort. Thanatos war auch der Bruder von HYPNOS, dem Gott des Schlafes. Die Griechen stellten sich Thanatos u.a. freundlich vor, der zusammen mit Hypnos einen Palast am Eingang der Unterwelt bewohnt. Sie bildeten ihn als schönen Jüngling ab, mit ernsten Blick und der in seiner rechten Hand eine umgekehrte erlöschende Fackel trägt und in der Linken einen Kranz mit Schmetterling. Man stellte ihn sich auch mit Flügeln vor. Thanatos schnitt den Toten eine Haarlocke ab und übergab diese dem Hades (Herrscher über das Totenreich). Charon war der Fährmann und ebenso ein Sohn der Göttin NYX. Er setzte die Toten über den Fluß STYX und bekam von diesen jeweils eine Münze. Das war auch der Grund, weshalb die Griechen ihren Toten eine Münze in den Mund legten, damit diese den Fährmann bezahlen konnten. Euripides, einer der größten Tragödiendichter der griechischen Antike verfasste im Jahre 438 v. Chr. das Stück ALKESTIS. In diesem Stück geht es um ein Opfer, indem die Königin Alkestis bereit war für ihren Mann zu sterben. Zu Beginn dieser Geschichte taucht Thanatos mit schwarzem Umhang vor dem Palast in Pherai auf. Dort herrscht wegen des bevorstehenden Todes der Königin bereits Trauer. Der Gott Apollon ist ebenfalls anwesend und zwischen ihm und Thanatos kommt es zu einem Dialog. Apollon bittet ihn, Alkestis weiterleben zu lassen und sie nicht fort zuführen. Thanatos entgegnet, das es nun mal seine Aufgabe sei und ihn nichts daran hindern könne. Daraufhin meint Apollon, das jemand kommen und Alkestis dem Tode entreissen würde. Thanatos betritt die Gemächer der Königin und nimmt sie mit. Apollon sollte recht behalten, denn HERAKLES (Sohn des Zeus) kämpft später mit Thanatos um das Leben der Königin und geht als Sieger daraus hervor. Herakles bringt Alkestis zu ihrem Gatten zurück. In den anderen späteren Kulturen, wurde der Tod ebenfalls als personifizierte Gestalt dargestellt. Im Zeitalter des Mittelalters stellte man sich den Tod als sogenannten Sensenmann vor. Ein Skelett mit Kutte, das auf seiner Schulter eine Sense mit sich führt. Diese Vor- und Darstellung findet sich nicht in der Antike, sondern kam erst im Mittelalter auf.

Auf der Grundlage des Stücks von Euripides, entstanden in der Literatur etliche Variationen und Geschichten, in der der Tod als personifizierte Gestalt zugegen war. Mit dem Aufkommen des Films, tauchte der Tod ebenso in menschlicher Gestalt auf. Einer der ersten Filme war der deutsche Stummfilm DER MÜDE TOD (1921) von Fritz Lang. Dort sucht ein Mädchen den Tod auf und bittet ihn um das Leben ihres gestorbenen Geliebten. Vom Tod erhält sie nun drei Möglichkeiten ihren Mann gegen das Leben eines anderen Menschen zu retten. Diese drei Möglichkeiten werden in drei Episoden dargeboten, die in verschiedenen Epochen und Zeiten angesiedelt sind. Der erste Tonfilm, in dem der Tod als menschliche Gestalt auftrat war DIE SCHWARZE MAJESTÄT (1934) aus den USA (siehe Film Nr. 32). Mit FÄHRMANN MARIA leisteten die deutschen Filmemacher einen weiteren Beitrag. Hier kann man beispielsweise zusätzlich den Fluss im Film, als Metapher für den Fluss STYX in der griechischen Mythologie sehen. Ingmar Bergmann inszenierte 1956 den Film DAS SIEBENTE SIEGEL und dieser spielt im Mittelalter. Ein Kreuzritter findet bei seiner Rückkehr in die Heimat diese von der Pest verwüstet vor. Auf seinem weitere Wege begegnet ihm der Tod, der ihn mitnehmen will. Der Kreuzritter ist dafür noch nicht bereit, da er eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens will. Für die Dauer eines Schachspiels, gewährt ihm der Tod eine Frist. Im fürs Fernsehen produzierten DDR-Film, GEVATTER TOD (1980) von Wolfgang Hübner, überläßt ein armer Bauer zur Zeit des Mittelalters seinen Sohn dem Tod, da vor diesem alle Menschen gleich sind. Der Tod wird zum Gevatter seines Sohnes. Der Tod macht aus Jörg, so sein Name später einen guten Arzt, der Ansehen genießt und gutes Geld verdient. Aber mit der Zeit wird Jörg überheblich und glaubt den Tod überlisten zu können. Er soll eine bittere Lehre erfahren.

Das sollten nur einige Filmbeispiele sein, aber wie man sieht, war/ist der Tod als personifizierte Gestalt keine filmische Eintagsfliege und tauchte in verschiedenen Filmen in Abständen immer wieder auf. Auch die Geschichten, die in den jeweiligen Filmen erzählt werden, sind sehr interessant.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 08.12.2016 15:13 
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Film Nr. 47

DAS LAND DES GRAUENS
(Ot: She)
(USA 1935)

EA: Österreich ca. Februar 1936

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BRD-Titel:
She - Herrscherin einer versunkenen Welt

EA: BR Deutschland Dezember 1989 im TV ARD

Inhalt:
Der dem Tode nahe alte Physiker John Vincey läßt nach seinem Neffen Leo schicken. Als dieser erscheint berichtet ihm der Alte von einem Familiengeheimnis und Ereignis, das sich vor 500 Jahren im 15. Jahrhundert zugetragen hatte. Nur der alte John und sein Gehilfe Holly kennen es. Gestützt auf einen alten Brief, der von der Frau eines seiner Vorfahren verfasst wurde, erfährt Leo, das eben jene Frau und ihr Gatte im Land des hohen Nordens die Flamme des ewigen Lebens gesehen haben. Diese Flamme erzeugt ewige Jugend und Unsterblichkeit. Die Herrscherin dieses Landes verliebte sich einst in Leos Vorfahre, aber sie tötete ihn, da Vincey widerum seine Angetraute nicht verlassen wollte. Der Frau gelang es aus dem Land zu fliehen. Der alte Vincey erklärt Leo weiter, das er durch Versuche davon überzeugt ist, das die Flamme des ewigen Lebens existiert. Er ersucht Leo zusammen mit Holly die Flamme zu suchen. Nach dieser Bitte, stirbt der alte Mann.

Einige Wochen später
Leo und Holly sind bereits auf ihrer Expeditionsreise durch Sibirien und gelangen nach Sugul. Dort begegnen sie dem Händler Dugamore und seiner Tochter Tanya. Da sich beide in der Umgebung gut auskennen und auch die Einheimischen besser verstehen, schließen sich beide dem Unternehmen an. Sie gelangen später zu einem eisigen Hochplateau. Als sie dort hinauf steigen, bemerken sie, das sich in der leicht durchsichtigen Eiswand ein längst vor Jahrtausenden ausgestorbenes Raubtier befindet, einen Säbelzahntiger. Dazu einen toten Mann. Beide sind konserviert worden. Leo merkt, das er auf dem richtigen Weg ist. Dugamore, der eh nur annimmt, das es bei dem ganzen nur um Gold geht, fängt an nach diesem zu hacken, was durch die Erschütterung eine Lawine auslöst und er unter dieser begraben wird. Dadurch wird eine Höhle freigelegt und Leo, Tanya und Holly gehen hinein. Sie befinden sich nun auf vulkanischen Gebiet, denn es ist dort warm. Die drei werden von einem wilden Stamm, der dort lebt gefangen genommen und sollen geopfert werden. Sie werden aber durch einheimische Krieger des Landes Kor gerettet und werden dorthin gebracht. Die Königin und Herrscherin dieses Landes ist Ayesha/She. Sie erkennt in Leo den Mann, in den sie sich vor 500 Jahren verliebt hatte, da dieser seinem Vorfahren gleicht. Sie hat immer gewußt, das er zu ihr zurückkehren würde. Ayesha/She, der man gehorchen muß, hat es auf Leo abgesehen, denn auch er soll unsterblich werden und sie duldet die Nebenbuhlerin Tanya nicht, die in einer Zeremonie geopfert werden soll.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Der bekannte Buchautor Henry Rider Haggart verfasste 4 Romane über die ewig jung gebliebene Ayesha/She, wobei die ersten drei Bände als Trilogie gelten, während Band 4 eine Art Nachzügler darstellt. Die Geschichten spielen im Orient und Tibet. Der erste Roman SHE. A HISTORY OF ADVENTURE dürfte der bekannteste sein, der im Jahre 1886/87 erschien. Die erste deutsche Ausgabe erschien 1911 unter dem Titel SHE. ROMAN AUS DEM DUNKELSTEN AFRIKA. Es wird von der schönen Priester-Königin Ayesha erzählt, die in der Dschungelstadt Kolr in Afrika herrscht. Dadurch das sie in eine lebenspendende Flamme eintauchte, ist sie unsterblich geworden, ewig jung und 2000 Jahre alt. Sie verliebte sich in Kallikrates, einem ägyptischen Priester, der zusammen mit der Prinzessin Amenartes 340 v. Chr. aus Ägypten floh. Mit dem Schiff strandeten sie an der südostafrikanischen Küste, wo sie von Eingeborenen gerettet wurden. Diese brachten sie zu ihrer weißen Königin Ayesha und die Königin verliebte sich in Kallikrates. Er wies ihre Liebe zurück, weil er Amenartes liebte und in ihrer Eifersucht erstach Ayesha Kallikrates. Genau diese Legende/Geschichte, findet Leo Vincent in einem alten Koffer, die u.a. auf einer alten Tonscherbe aufgezeichnet ist. Die Legende berichtet weiter, das die Familie Vincent von Kallikrates abstammt. Seit vielen Generationen versuchten sich die Nachfahren von Kallikrates an Ayesha zu rächen. Keinem ist es je gelungen. Leo will nun wissen, was es mit dieser ganzen Chronik auf sich hat und begibt sich mit seinem Lehrer Holly und dem Diener Job nach Südostafrika. Sie erleiden Schiffbruch, werden vor dem Opfertod des Stammes der Amahagger durch die Krieger von Ayesha gerettet und zu ihr gebracht. In Leo erkennt Ayesha/She in ihm die Reinkarnation ihres einstigen Geliebten Kallikrates. Auch Leo verliebt sich in Ayesha und beide wollen heiraten. Damit er aber ebenso für immer bei ihr bleibt, soll auch er die ewige Jugend erhalten und unsterblich werden. Aber bei dem Versuch ihm zu zeigen, das er vor den Flammen nichts zu befürchten hat, altert sie plötzlich schnell und bricht tot zusammen. Aber Ayesha/She ist dennoch nicht gestorben. Im zweiten Roman AYESHA, SIE KEHRT ZURÜCK, der direkt in Tibet spielt, taucht sie als tibetanische Hohepriesterin, als Reinkarnation Ayesha/She auf. Im dritten Band SIE UND ALLAN trifft Ayesha auf den Abenteurer Allan Quatermain, jene Romanfigur von Haggart, die bis heute ebenso berühmt ist, wie She. Im vierten Roman TOCHTER DER WEISHEIT, wird die Jugendzeit von Ayesha erzählt, spielt also zeitlich vor dem ersten Roman.

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Von She gab es bisher 12 Verfilmungen, 7 Stummfilme und 5 Tonfilme. Die ersten beiden stammen vom französischen Filmpionier Georges Méliés aus den Jahren 1899 LA COLONNE DE FEU/LA DANSE DU FEU und 1903 LA FLAME MERVEILLEUSE. Danach folgten SHE (1908) von Edwin S. Porter, SHE (1911) von George Nichols, SHE (1916) von William G.B. Barker und Horace L. Lucuque, SHE (1917) von Kenean Buel und SHE (1925) von Leander de Cordova und G.B. Samuelson. Mehr oder weniger verwendeten die Filme Motive aus Haggarts Geschichten. Der Stummfilm von 1917 soll sich am zweiten Roman orientiert haben. Bis auf die Kurzfilmwerke von Georges Méliés, gelten die Stummfilme als verschollen. 1935 folgte dann diese erste Tonverfilmung hier. Die Handlung verlegte man von Afrika in den hohen Norden, nahe der Antarktis. Obwohl Afrika keine Rolle spielt, Kallikrates und das antike Ägypten auch nicht erwähnt werden und auch die historischen Umstände hier anders wiedergegeben werden, so folgt der Film mal mehr, mal weniger im wesentlichen den Grundzügen des Romans. Die Tricks mit der Lawine und die teils aufwendigen Bauten und Innenausstattungen des Palastes von Ayesha, können sich auch heute noch sehen lassen. Auch sind so einige sehr schöne Szenerien zu bewundern, wie z.B. die, in der man zuerst nur die Umrisse von Ayesha/She zu sehen bekommt. "Ich bin das Gestern, Heute und Morgen...", hört man sie sagen und dabei steht sie auf einer stufigen Anhöhe im inneren ihres Palastes, wo sie aus einem hellen Nebel spricht, der sie umgibt. Sehr schön in Szene gesetzt. Kein geringerer, als Merian C. Cooper produzierte diesen Film, der vorher schon mit King Kong weltweit Furore machte. Helen Gahagan ist Ayesha und ich finde sie nicht unpassend, da sie ihre Rolle gut ausfüllt. Damalige Kritiken mochten sie nicht und machten sie u.a. für den finanziellen Flop mit verantwortlich, was ich nun nicht so recht nach vollziehen kann. Der Film hat im grunde alles, was ein damaliger Phantastik-Film haben sollte, wenn auch weniger Tricks, was aber die Geschichte ansich eh nicht so hergab. Der spätere B-Western-Star Randolph Scott ist Leo Vincent, Nigel Bruce ist Holly und Helen Mack ist Tanya. Regie führten Irving Pichel und Lansing C. Holden. Der Film lief damals auch nur wieder in Österreich. Ob synchronisiert oder nur im OmDU, war nicht zu ermitteln. Der Film erschien auf DVD und Bluray, in der ursprünglichen Schwarzweiß-Fassung, aber auch in einer colorierten Version. Es sind beide Fassungen enthalten.

Danach sollten 30 Jahre vergehen bis man Ayesha auf den Leinwänden wieder sah. Die britische Produktionsfirma Hammer inszenierte im Jahre 1965 den Film HERRSCHERIN DER WÜSTE, der wieder den Orient als Schauplatz hat und u.a. in Israel gedreht wurde. Hier stellte Ursula Andress She dar und war ferner mit Peter Cushing u.a. gut besetzt. Der Film verwendete Motive aus der Haggart-Geschichte und hielt sich nur vage an die Vorlage. Ist zwar ein B-Film, wie so einiges von Hammer, dennoch ist dieser nicht unaufwendig inszeniert worden und hat einiges an Schauwerten zu bieten. Wäre auch mal an der Zeit, das der eine gute digitale Veröffentlichung spendiert bekommt. Weniger gelungen ist dagegen der Nachzügler THE VENGEANCE OF SHE / JUNG, BLOND UND TÖDLICH aus dem Jahre 1967, der ebenfalls von Hammer produziert wurde. Hier stellte Olinka Berova als Carol die Reinkarnation von Ayesha/She dar. Der Film ist diesmal in der Neuzeit angesiedelt und Carol soll dem unsterblichen Herrscher Kallikrates die Rückkehr ermöglichen. Der Film hat im Grunde nur noch sehr wenig mit Haggarts Geschichten zu tun und kann weder mit Hammers Vorfilm, noch mit der 30er Jahre Verfilmung konkurrieren. Und der deutsche Titel ist mehr wie blöd und wird Ayesha in keinster weise gerecht. Im Jahr 2001 folgte mit SHE - HERRSCHERIN DER WÜSTE eine weitere Verfilmung, die ich aber noch nicht kenne. Ich wußte bisher nicht, das da ein weiterer Film entstand. Bin erst darauf aufmerksam geworden, nachdem ich begann mich mit diesen weiteren Phantastik-Film hier zu beschäftigen. Werde mir diesen neuen Film auch noch ansehen. Viel erwarte ich erstmal nicht, aber mal schauen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 23.12.2016 17:29 
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Film Nr. 48

GESPENST AUF REISEN
(Ot: The Ghost goes West)
(Grossbritannien 1935)

EA: Österreich ca. Februar/März 1936

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EA: Deutschland 25. Januar 1937

Inhalt:
Schottland 1635
Die schottischen Clans der McGlouries und McLaggerens sind verfeindet, aber der gemeinsame Feind ist England und eine Schlacht steht mit den Engländern bevor. Der alte McGlourie zählt auf seinen Sohn Murdoch, bevor er verstirbt. Murdoch wird von den McLaggerens nur verlacht. Murdoch ist eher ein Taugenichts und eine Art -Hans Dampf in allen Gassen-, was die Beziehungen zum weiblichen Geschlecht anbelangt. So bändelt er lieber mit einer hübschen Dorfmaid an, anstatt sich auf dem Schlachtfeld nützlich zu machen. Aber die McLaggerens nerven und stören ihn bei seiner neuen Liebesliaison. In dem ganzen hektischen Durcheinander stolpert Murdoch über ein Pulverfass, das explodiert und findet sich im Himmel wieder. Dort hört er die Stimme seines Vaters und der teilt ihm mit, das er nicht im Himmel bleiben darf, da er Schande über die McGlouries gebracht hat. Als Strafe muß er fortan als Geist im Schloß der McGlouries sein Dasein fristen, solange bis er die Schande an einem der McLaggerens reingewaschen hat.

300 Jahre später
Murdoch muß immer noch jede Nacht von 0:00 - 1:00 Uhr als Geist ruhelos durchs Schloß gehen. Sein Nachfahre Donald, der das Schloß geerbt hat, ist in finanziellen Nöten, hat Schulden bei diversen Gläubigern und will das nun Schloß verkaufen. Der schwerreiche Amerikaner Martin und seine schöne Tochter Peggy kaufen das Schloß, wobei Donald und seine Bediensteten es penibel vermeiden den neuen Besitzern vom Geist zu erzählen. Allerdings will Martin das Schloß nicht dort lassen wo es ist und somit baut man es Stein für Stein ab und baut es haargenau wieder in Amerika auf. Unfreiwillig zieht auch der Schloßgeist nach Amerika, denn der mußte mit. Dort sorgt Murdoch mit seinem erscheinen für viel Verwirrung. Aber in Amerika hat er nun die Gelegenheit, sich an einem der Nachfahren der McLaggerens zu rächen, der auch ein reicher Geschäftsmann und gleichzeitig ein Konkurrent von Martin ist.

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Diese Grusel-Geisterkomödie inszenierte der französische Regisseur RENÉ CLAIR damals für die britische London Films und wurde von Alexander Korda produziert. Es war Clairs erster englischsprachiger Film. Schon in der Stummfilmzeit war Clair in Frankreich kein Unbekannter. Mit seinem Kurzfilm ZWISCHENAKT (1924) und DER FLORENTINER HUT (1927) machte er auf sich aufmerksam und wurde bekannt. Mit seinem ersten französischen Tonfilm UNTER DEN DÄCHERN VON PARIS (1930), drückte er seine Liebe zu dieser/seiner Geburtsstadt aus. Dieser Film muß damals wie eine Bombe bei den Franzosen eingeschlagen haben, denn das Werk wurde vom Publikum gefeiert und die Presse bezeichnete es durchgehend als brillant und wurde als Liebeserklärung an die Stadt Paris verstanden. Alexander Korda (zu ihm, an anderer Stelle mehr) engagierte Clair als Regisseur im Jahre 1935 für diese Gespensterkomödie. Der Film nimmt mit seiner aberwitzigen Handlung sowohl feste britische Gepflogenheiten und Traditionen aufs Korn, als auch die amerikanischen Erfolgs-Gewohnheiten. Somit prallen hier gewisse Dinge aufeinander und für Chaos ist gesorgt. Leider funktioniert die Komödie nicht immer durchgehend gut und der Witz bleibt ein wenig auf der Strecke. Das könnte laut Info. daran gelegen haben, weil es zwischen Korda und Clair zu künstlerischen Auseinandersetzungen kam. Korda, der gerne für alles die Verantwortung für seine Filme übernahm, soll auch einiges aus dem Drehbuch gestrichen und Clair in seiner Regiearbeit herein geredet haben. Der Film wirkt auch ein wenig holprig und ich hatte den Eindruck, das so manche Szenerie doch zusehr abbrach, was schade ist. Dennoch wird einem der Spaß nicht genommen, denn als nostalgisches Amüsement funktioniert der Film immer noch gut. Die Tricks mit dem Geist sind natürlich zeitgemäß und der damaligen Tricktechnik geschuldet. ROBERT DONAT ist hier in der Doppelrolle Murdoch/Donald zusehen. Im Film kommt es somit u.a. auch vor, das man ihn mit dem Geist verwechselt :D Ferner ist der Film mit JEAN PARKER (Peggy), EUGENE PALETTE (Martin), ELSA LANCHESTER (Lady Shepperton) usw. gut besetzt.

Der Film lief damals zuerst in Österreich und ca. ein Jahr später auch in Deutschland.


WA: BR Deutschland 3. Juli 1961 TV ARD

BRD TV-Titel:
Ein Gespenst geht nach Amerika

WA: DDR 15. September 1969 TV DFF 1

DDR TV-Titel:
Ein Gespenst geht auf Reisen

Im Jahre 2006 erschien der sogar mal auf DVD und zwar beim Label McOne. Bild- und Tonqualität gehen für solch einen alten Film völlig in Ordnung. Neben der deutschen, gibt es auch eine englische Tonspur, aber keine durchgehenden Untertitel. Film ist aber nur was für Leute, die solch einer alten Gespenster-Komödie etwas abgewinnen können.
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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 16.01.2017 14:06 
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Film Nr. 49

DIE WELT IN 100 JAHREN
(Ot: Things To Come)
(Grossbritannien 1936)

EA: Österreich März 1936

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BRD-Titel:
Was kommen wird / Things to come

EA: BR Deutschland 22. Februar 1977 im TV NDR
später sogar im Kino am 10. März 1978


Inhalt:

1940
Weihnachten in einer europäischen Stadt namens Everytown (England)
Obwohl Weihnachtsstimmung herrscht, warnen die Presse und etliche Leute auf Transparenten vor einer möglichen Kriegsgefahr. "Warning to Europa" ist u.a. darauf zu lesen. Im Haus des Piloten John Cabal sind derzeit seine Freunde Passworthy und Harding anwesend. John befürchtet ebenfalls Krieg, aber Passworthy hält dies für unmöglich. Dann beginnen die Sirenen zu heulen, Schüsse fallen und Lichtscheinwerfer suchen im Himmel nach feindlichen Flugzeugen. Wer der Feind ist, wird hier nicht erwähnt, aber schon werden die Stadtbewohner gewarnt, das ein Fliegerangriff bevorsteht und alle in Deckung gehen sollen. Da fallen auch schon die ersten Bomben, Chaos bricht auf den Strassen aus, Gebäude werden zerstört, die Leute unter sich begraben. Etliche Menschen werden von Explosionen getroffen und die Toten liegen allesamt verstreut herum. Panzer fahren durch irgendwelche Landschaften, schiessen und zerstören Gebäude und ländliche Gehöfte. Unzählige Fluzeuge, die zusammen wie ein Hornissenschwarm ausschauen, führen im Himmel einen erbitterten Luftkrieg und man beschießt sich gegenseitig. Dann folgt der Einsatz von Giftgas und unzählige Menschen sterben. Ein Pilot muß bruchlanden, der an seinem eigenen Gas zugrunde geht. Dabei rettet er ein kleines Mädchen, indem er ihr seine Atemmaske überläßt.

1945 - 1955
Der Krieg geht weiter und zu Lande wird er mit Panzern geführt. Soldaten, Partisanen und sonstige Zivilpersonen, schiessen aufeinander. Die Zerstörungen durch den Krieg nehmen vehement zu!

1960
Wieder sieht man Panzer durch Landschaften rollen und Zerstörungen anrichten. Tote hängen an Stacheldrahtzäunen. Ein wüstes Bild!

1966
Die Zeitung National Bulletin verkündet im September 1966:
KRIEGSENDE IN SICHT & SIEG IST GREIFBAR,... ferner heißt es, Zitat:

Der Feind ist am Ende. Besiegt zu Lande, wie zur See. Aber er besitzt immer noch einige Flugzeuge, mit denen er die "Wanderne Krankheit" verbreitet. Bleiben Sie bombardierten Orten fern. Trinken Sie nicht aus stehenden Gewässern!

1966
Everytown
Folgende Meldung ist zu lesen:
In den Wirren des Krieges und des sozialen Niedergangs verbreitet sich eine neue, fremdartige Seuche, die "Wanderne Krankheit", unaufhaltsam über die ganze Welt!

Menschen, die infiziert sind, werden nun von anderen radikal erschossen, um die krankhafte Seuche auszurotten. In Everytown hat ein Mann namens Rudolph das Kommando übernommen und führt die Leute als eine Art Diktator an.

1967
Weitere Meldung:
Niemand hätte jemals mit den unglaublichen Verwüstungen gerechnet, die die "Wanderne Krankheit" hinterlassen würde. Wie der "Schwarze Tod" im Mittelalter raffte sie die Hälfte der Menschheit dahin! Niemand, der von ihr befallen wurde, überlebte. Nur langsam begriffen die Menschen, das die Epidemie vorüber war und sich langsam wieder soziale Strukturen entwickelten.

1970
Es wird allgemein proklamiert, das die Pestilenz vorbei ist. Dafür wird Rudolph, auch Anführer/Boss genannt, gedankt. Er hat alle Kranken erschiessen lassen. Das Fliegen hat man aufgegeben bzw. es glaubt keiner mehr daran, da es seit Jahren an Reparaturwerkzeugen und Benzin fehlt. Doch oben in der Luft, sehen sie alle ein neuartiges Flugzeug und der unbekannte Pilot landet. Es ist John Cabal und er kommt aus einem Land, in dem sich technische Zivilisation fortentwickelt hat und dort schon längstens kein Krieg mehr stattfindet. Ferner gehört er einer global agierenden Weltzivilisation und den vereinigten Fliegern an, die nur noch einem Ideal verpflichtet sind, Fortschritt & Zivilisation für die gesamte Menschheit. Somit geraten John und Rudolph aneinander, denn der Boss will seinen souveränen Kleinstaat Everytown nicht aufgeben und stattdessen weiter Krieg gegen die Bergleute führen, dessen Rohstoffe Öl und Kohle er will. Friede herrscht somit immer noch nicht und John weigert sich Rudolph zu helfen, da er und die Weltzivilisation dieses Konkurrenzdenken um Rohstoffe und somit weiteren Krieg nicht mehr billigen. Für John ist Rudolph nichts weiter, als einer von vielen Bandenführern, die sich nach der Kriegskatastrophe gebildet haben, die widerum gegen andere Banden und deren Anführer diverse Kleinkriege führen. Ferner gehören souveräne Staaten weg, da dieses kleinkarierte politische Machstreben ebenfalls der Vergangenheit angehören soll, wie John meint, da auch dadurch eine weitere Kriegsgefahr besteht. John wird eingesperrt, aber er warnt Rudolph vor den Folgen, denn wenn er nicht zurückkehrt, werden andere Fluzeuge kommen. Aber Boss Rudolph will einfach nicht hören. Später tauchen dunkle neumodische große Flugzeuge am Himmel auf. Die vorher hastig reparierten Flugzeuge von Rudolphs Fluggeschwader haben keine Chance. Außerdem setzen Johns Leute ein Friedensgas ein, das alle Bewohner Everytowns in Schlaf versetzt. Außer Rudolph, denn der stirbt daran. Auch andere Banditenhorden sollen ausgeschaltet werden, denn von nun an soll globaler Friede herrschen. Der Rat der Weltzivilisation tagt und man beschließt den Fortschritt und die Entwicklung der Menschheit voranzutreiben, indem man sich der Rohstoffe und sonstiger Ressourcen dieses Planeten bedient. Man sieht technische Gerätschaften, sonstige Maschinen und Menschen unermüdlich forschen und arbeiten. Radikal und konsequent wird alles umgesetzt!

2036
Der Fortschritt der Menschheit hat enorm viel zustande gebracht und längst ein neues Zeitalter eingeläutet. Am Beispiel der Stadt Everytown sieht man, das die Städte futuristisch neu aufgebaut und technisch andere Infrastrukturen aufweisen. Die Menschen leben in einem technologischen Paradies und kennen keine Not mehr, zumal sämtliche Krankheiten scheinbar der Geschichte angehören. Selbst von der Natur scheint der Mensch unabhängig geworden zu sein. Auch Televison gehört zur Selbstverständlichkeit des Alltags. Der Rat der wissenschaftlichen Weltzivilisation, dem auch Oswald Cabal angehört, hat dies alles ermöglicht. Oswald ist der Enkel, des verstorbenen John Cabal. Bei all den erreichten Errungenschaften, soll der Fortschritt keineswegs stillstehen. Man hat eine Art Weltraumkanone gebaut, um Menschen ins Weltall zu befördern. Man will den Erdtrabanten besiedeln, aber dafür müßen Menschen zum Mond gelangen. Dafür auserwählt sind Oswalds Tochter Catherine und Maurice, der ein Nachfahre jenes Passworthy ist, der damals mit John befreundet war. Aber in Gestalt des Künstlers Theotocopulos regt sich Widerstand gegen die Technik. Er wiegelt einige Leute mit seinen Reden auf, die genug vom technischen Fortschritt haben und es kommt zu einer Art Revolte. Doch sie können nichts weiter ausrichten, denn Catherine und Maurice werden mit einer Raumkapsel in den Weltraum geschossen. Der nächste Schritt zur weiteren Entwicklung ist getan. Das ganze Universum oder nichts, meint Oswald zum Schluß.

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Nach dem utopischen Roman THE SHAPE OF THINGS TO COME (1933) von H. G. Wells, entstand dieser Science Fiction Film. Wells, der auch realistische Geschichten geschrieben hatte, wurde vor allen Dingen durch seine Phantastik-Romane bekannt. In diesen mußte sich der Mensch häufig mit dem Ungewöhnlichen auseinandersetzen, sei es durch wissenschaftliche Experimente (z.B. Der Unsichtbare, Die Insel des Dr. Moreau) oder Bedrohungen/Gefahren aus dem Weltall (z.B. Krieg der Welten, Die ersten Menschen auf dem Mond). Aber auch mit globalen Bedrohungen, wie z.B. in The World Set Free/Befreite Welt, wo Wells die Entdeckung der Kernenergie thematisierte und vor einem Atomkrieg und dessen Auswirkungen warnte. Wells war damals auch einer derjenigen, der die Begriffe Atombombe und Atomkrieg mit geprägt hatte. Bei all den Utopien, die Wells verfasst und veröffentlicht hatte, sah er sich nicht nur als Science Fiction Autor, sondern zugleich auch als gesellschaftlicher kämpferischer Sozialreformer. Das kam nicht von ungefähr, denn Wells interessierte sich sehr für die damaligen globalen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Vorrangig schwebte ihm eine sozialistische technische Zukunft vor, die seiner Ansicht nach nicht über irgendwelche Revolutionen zu erreichen ist, da sowas eh nur veränderte, verschobene Herrschaftsverhältnisse hervorrufen und sich dadurch am eigentlichen Problem im Grunde nichts ändern würde. Diesbezüglich kritisierte Wells damals den Film METROPOLIS von Fritz Lang im Mai 1927 in der Frankfurter Zeitung, wo er dem Film wegen seines Inhalts, Dummheiten, Klischees und sonstige Plattheiten vorwarf. Aus besonders heutiger Sicht mag diese Kritik von Wells unverständlich sein, da Metropolis bekannterweise als Stummfilm-Meisterwerk der Science Fiction gilt. Aber um ihn besser zu verstehen muß man sich die damalige Ideologie der Science Fiction vor Augen führen. In ihr wurde die Revolution keinesfalls nur als ein gewaltsamer Umsturz wahrgenommen, sondern eher einfach nur als radikale Veränderung von Herrschaftsverhältnissen. Hinzu kommt noch, das man die fortschreitende Entwicklung der Technologie niemals im Zusammenhang mit einer drohenden Kriegsgefahr gebracht hätte. Das war damals in der Science Fiction undenkbar. Rückblickend und aus heutiger Sicht wissen wir inzwischen, das dies ein Zukunftstraum war und er es leider immer noch ist. Der italienische Physiker Enrico Fermi und der deutsche Chemiker Otto Hahn waren unabhängig voneinander maßgeblich an der Entdeckung der Atomspaltung im Jahre 1938 beteiligt und schufen damit die Grundlage für die Kernenergie, Nukleartechnik der Herstellung von Atomwaffen. Später kamen noch Wasserstoff- und Neutronenbomben hinzu. Nun ist es häfig so, das solche Wissenschaftler jegliche Verantwortung über die weitere Nutzung ihrer Erkenntnisse von sich weisen, denn es sind in der Regel meistens Regierungsverantwortliche und ihre Militärs, die solche Entdeckungen für ihre Zwecke nutzen. Allerdings arbeiten und forschen nach wievor viele Wissenschaftler in verschiedenen Ländern im Auftrage ihrer Regierungen. Wenn man bedenkt wieviele Waffen mit Hilfe forcierter Technologie seitdem entwickelt wurden und vehement zum Einsatz kamen und wieviele Millionen Menschen dadurch umgekommen sind. Aber Wells dachte damals ganz anders, nämlich u.a. das die Technologie, Technokratie und Pazifismus zusammengehören und nur der technologische Fortschritt für alle Menschen gut ist und der Krieg ein für allemal der vergangenen Geschichte angehört. Ihm schwebte somit eine ganz andere Zukunfts-Utopie vor, die ganz stark und besonders in Things to come vertreten ist. Herbert George Wells war ein sehr konsequenter Zukunftsvisionär, der diesbezüglich mit Things to Come/Was kommen wird, ein radikales, aber auch eines seiner besten Werke schuf. Die scheinbar damalige Angst in den 30er Jahren vor einem weiteren Weltkrieg hatte in der Literatur- und Science Fiction viele Anhänger, wurde aber nicht nur von Wells thematisiert. So entstand schon im Jahre 1929 vermutlich der erste britische Tonfilm mit dem Titel HIGH TREASON (in Österreich und Deutschland nicht gezeigt). Nach einem Drehbuch von L'Estrange Fawcett und der Regie von Maurice Elvey, ist dieser Film im Jahre 1940 angesiedelt. Dort existieren auf der Erde nur noch zwei Machtblöcke/Staaten-Organisationen, einem vereinigten Europa und einem vereinigten Amerika. England selbst ist durch einen unterirdischen Tunnel mit dem europäischen Kontinent verbunden. Zwischen Europa und Amerika droht ein weiterer Krieg auszubrechen. Aber es gibt noch eine dritte Organisation, nämlich die Friedensliga und die hat Millionen Anhänger. Um nun einen weiteren zerstörerischen Krieg zu verhindern, sieht die Friedensliga keine andere Wahl, als einen der beiden Staatenführer zu lquidieren um den Frieden zu sichern. Interessant an dieser Zukunftsgeschichte dürfte der Umstand sein, das hier schon ein vereinigtes Europa existiert und kein Europa, das aus mehreren Staaten besteht. Obwohl man den Film laut Kritik als extrem naiv bezeichnete, so wäre er aber zumindest aus filmhistorischer Sicht echt von Interesse. Wells widerum ging in Things to come viel weiter und im Grunde sah er mit seiner Geschichte fast prophetisch einen zerstörerischen Krieg voraus, der für unzählige Menschen äußerst vernichtend sein würde. Man denke da an den 2. Weltkrieg, der 6 Jahre nach erscheinen seines Buches und 3 Jahre nach Fertigstellung dieses Films hier, tatsächlich ausbrach.

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H. G. Wells war das erste mal selbst direkt an der Entstehung eines Films beteiligt, da der Produzent Alexander Korda ihm u.a. anbot das Drehbuch zu schreiben. Das war für Wells leichter gesagt, als getan, da er vorher noch nie an einem Film mitgearbeitet hatte. Ferner gehörte Wells zu jenen Leuten die damals eine technokratische sozialistische Utopie im positiven Sinne vertraten und die Literatur auch für politische Botschaften nutzten. Wells sah dies für das Medium Film genauso und da er nicht bereit war die Kontrolle über sein Roman aus der Hand zugeben, gab es Schwierigkeiten beim verfassen des Drehbuchs, das erstmal mehrere male umgeschrieben wurde. Auch später, während der Dreharbeiten wies er die Schauspieler und Techniker an, sich an seine Vorstellungen zuhalten. Aber Wells mußte einsehen, das ein Buch zu schreiben und beim Film zu arbeiten, zwei verschiedene paar Schuhe sind. So stieß er beim Film an seine Grenzen, denn nicht alles konnte verwirklicht werden, da für diese zwar sehr aufwendige Produktion nur eine bestimmte Summe von 1,5 Millionen zur Verfügung stand, was damals viel Geld war. Man brachte für damalige Zeiten erstaunliches zustande. Der Regisseur William Cameron Menzies war ein amerikanischer Filmarchitekt und als solcher war er für so etliche Filme in Sachen Ausstattung, Architektur, Dekorationen, Kostüme und für die visuelle Gestaltung verantwortlich. Nach Meinung vieler Kritiker gelang Menzies diesbezüglich mit Things to come seine stärkste und beste Arbeit. Ferner waren auch einige der besten Trickspezialisten Amerikas (u.a. Ned Mann, Harry Zech, Wally Veevers) beteiligt und schufen die ganzen Spezialeffekte. Die aufwendigen futuristischen Bauten, Innenräume, Kostüme wurden zwar von
Menzies entworfen, aber da er auch Regie führte, überließ er es den Technikern alles fertig zustellen. Das alles und die vielen Effekte können sich auch heutzutage immer noch sehen lassen und verfehlen ihre Wirkung nicht.

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Der Film ist in drei Kategorien aufgeteilt.
1. Der Krieg von 1940 - 1970
2. Die Zeit danach bzw. nach der Katastrophe
3. Die technologische und zivilisatorische Zukunft.

In Sachen Science Fiction und sonstiger Zukunftsfilme nahm Things to come vieles vorweg, was in späteren Filmproduktionen immer wieder aufgeriffen wurde, besonders was Kategorie 2 anbelangt. Beispiele: Es wird ein Krieg gezeigt, der massive zerstörerische Auswirkungen hat und es wird auf die Zeit danach eingegangen, in der Menschen nach dem ganzen Disaster versuchen weiter zu leben. In späteren 50er und 60er Jahre Filmen wird das auch thematisiert und man ging dabei noch einen Schritt weiter, weil hier zusätzlich alles vernichtene Atomwaffen hinzu kamen, die damals bei Things to come noch kein Thema waren. Nachdem aber die USA im 2. Weltkrieg gegen Japan im August 1945 auf die Städte Hiroshima und Nagasaki zwei Atombomben warfen, wurde der Krieg um ein weiteres schlechtes Kapitel der Menschheitsgeschichte bereichert. Die extremen fatalen Auswirkungen dieser Atomschläge wurde in der Science Fiction aufgegriffen. Die Angst vor der Bombe und dem nuklearen Holocaust wurde in verschiedenen Filmen thematisiert. US-Filme wie DAS LETZTE UFER (1959), DIE LETZTEN FÜNF (1951), DIE LETZTEN SIEBEN (1956), LAST WOMAN ON EARTH (1960), PANIK IM JAHRE NULL (1962) zeigen Menschen in einer Zeit danach und wie diese miteinander umgehen. Beonders in den 4 letzt genannten Filmen kommt es u.a. zu Konflikten und Gewalt, wo es um Revierkämpfe, Vergewaltigung und dem Besitz ein oder mehrerer Frauen geht. Interessant dürfte sein, das sich dieser Thematik auch ein Film aus der Tschechoslowakei annahm. KONEC SRPNA V HOTELU OZON/THE END OF AUGUST AT THE HOTEL OZONE (1966) von Jan Schmidt. Hier sind es Frauen, die die atomare Katastrophe überlebt haben, zusammen als eine Bande durch die Gegend ziehen und brutal vorgehen, wenn es um Nahrung und sonstiges geht. In den 70er Jahren tat sich beispielsweise DER OMEGA-MANN (1971) hervor, obwohl es diesmal ein bakteriologischer Krieg war, der hier zur Katastrophe führte. STRASSE DER VERDAMMNIS (1974) und ZUM ÜBERLEBEN VERDAMMT (1979) zeigten wieder eine Zeit nach dem Tage X. Besonders in den 80er Jahren, ausgelöst durch die beiden MAD MAX Filme, setzte eine wahre Flut von diversen sogenannten "Endzeitfilmen" ein. Während der erste Mad Max Film noch während eines gesellschaftlichen Verfalls angesiedelt ist, so spielt der zweite Film nach dem großen Knall im postnuklearen Zeitalter. Gerade Mad Max II eiferten viele Produktionen nach (METROPOLIS 2000, ENDGAME, 2020 TEXAS GLADIATORS etc.), die allerdings häufig von geringer inhaltlicher Qualität waren, da man die atomare Katastrophe nur zum Vorwand für Krawallaction nahm und die sogar für den in der Nachkriegszeit spielenden Things to come keine Konkurrenz darstellen. Er gilt als Vorbild für viele spätere Science Fiction- und Endzeitfilme Filme, die diese Themen oft variiert haben. Beim alten 30er Jahre Film haben wir beispielsweise Rudolph, der mit seinen Untergebenen seinen Herrschaftsbereich ausdehnen will, indem er andere Banden weiter bekriegt, um an den Rohstoff Öl zu kommen. Genau an diesen Vorkommnissen, also Bandenkriege und Kampf ums Öl, hängten sich später die meisten Endzeitfilme und spannten darum ihre Actionszenarien. Und während zusätzlich bei Things to come der große Krieg dargestellt wird, so verzichtete der spätere Science Fiction Film häufig darauf und warnte lieber vor den Folgen. Wie es dazu kam, wer gegen wen Krieg führte und wer überhaupt dafür verantwortlich war, wird ebenso häufig nicht erwähnt. Dies trifft auch auf Things to come zu, denn wer der Feind und was der eigentliche Kriegsgrund ist, wird auch nicht thematisiert. Während die späteren Filme stets immer irgendwie in der Zeit danach am Ende hängen bleiben, so geht Things to come auch hier viel weiter und präsentiert eine weitere Zukunft.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Was diese Zukunft angeht, so hatte H.G. Wells und der Film Things to come anderes im Sinn, als diverse spätere andere Filme mit ihren ganz eigenen Zukunftsszenarien. Häufig handeln diese von Zukunftsstaaten mit diktatorischen totalitären Systemen, die die Menschen auf die eine oder andere Art überwachen und unterdrücken. Besonders in George Orwells 1984 (1956 & 1984) überwacht der Diktator bzw. der große Bruder alles. Die Gedankenpolizei ist überall, so das der Mensch als Individum ausgedient hat. In FAHRENHEIT 451 (1966) dürfen die Menschen keine Bücher lesen, da dies verboten ist. Hat jemand welche, so werden diese verbrannt. In LEMMY CAUTION GEGEN ALPHA 60 (1965) ist es diesmal ein Computer, der eine ganze Stadt kontrolliert und steuert. Im Film FLUCHT INS 23. JAHRHUNDERT (1976) ist es ebenso ein Computer, der hinter einem System steht. Häufig wollten diese Filme vor diktatorischen Überwachungsstaaten, Militarismus etc. warnen, und propagierten als Gegenmaßnahme den menschlichen Freiheitswillen bzw. die Freiheit ansich. Selbst in diversen Endzeitfilmen wird u.a. auch um Freiheiten gekämpft, weil dort irgendein dahergelaufener selbsternannter Anführer mit seinen Horden als einfacher Vorwand ausreicht, andere unterwerfen zu wollen und bewaffnete Widerständler bekämpft. Irgendwie absurd sich um solche Ideale nach dem atomaren Weltuntergang noch zu schlagen, wenn man bedenkt, das sich vorher widerum andere die Freiheiten genommen haben Atomwaffen einzusetzen, die letztendlich zum nuklearen Holocaust, dem postapokalyptischen Zeitalter geführt haben und die Menschen, die überlebt haben, nun nichts besseres zu tun haben, als sich weiter wegen dieses und jenem bekriegen, anstatt zusammen zuhalten und versuchen gemeinsam etwas besseres aufzubauen.

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Diese Unvernunft gab es bei H.G. Wells nicht, denn er vertrat die These, das nach einem Kriegschaos etwas besseres enstehen kann. Things to come zeigt dies am Beispiel der Stadt Everytown, die hier fast als ständiger Schauplatz präsent ist und symbolisch für London steht, was man teilweise auch erkennt. Nach dem Krieg und der Zeit danach beteiligten sich alle am technischen Fortschritt, indem man mit technischen Gerätschaften begann sich die Ressourcen des Planeten zu nutze zumachen. Rückblickend betrachtet, geschieht dies offenbar ohne Rücksicht auf Flora und Fauna, was den Film in dieser Hinsicht sehr naiv erscheinen läßt. Aber Ökologie und ein gewisser Naturschutz war damals kein Thema. Im Jahre 2036 hat sich die Stadt Everytown in technologischer, sowie auch in gesellschaftlicher Hinsicht fortentwickelt. Staaten, wie wir sie kennen gehören der Vergangenheit an und gibt es nicht mehr. Hier ist es der Rat der Weltzivilisation, der sich aus verschiedenen Wissenschaftlern zusammensetzt und seinen Sitz in Everytown hat. Dieser Rat tagt und trifft globale Entscheidungen, lenkt die Geschicke der Menschen zum Wohle der Allgemeinenheit. Ferner sieht man hier eine Gesellschaft als Idealzustand, in der jeder seinen Beitrag leisten muß und allzu individuelle Bedürfnisse in den Hintergrund gestellt werden. Die damalige Science Fiction und auch Wells mit seiner technokratischen sozialen Utopie, konnten nur ein positives Zukunftsbild entwerfen, indem man ganz einfach vom Menschen als Individuum und seinen egoistischen Bedürfnissen absah, da nun mal ausschließlich alle mit einbezogen wurden. Rückblickend und auch teilweise aus heutiger Sicht, ergab sich dadurch ein Widerspruch, weil in Things to come der wissenschaftliche Rat der Weltzivilisation nun mal gewisse Entscheidungen trifft/treffen muß, aber eine bestimmte Masse unter der Führung von Theotocopulos, ist nicht mehr bereit dies mitzutragen. Hier haben wir also die Führung des Rates, verkörpert durch den Wissenschaftler Oswald Cabal, der den technischen Fortschritt und die weitere Entwicklung des Menschen propagiert und dort Theotocopulos, der mit seinen Anhängern dagegen ist und vielmehr zu einem alten natürlicheren Leben zurückkehren will. Der allgemein befohlene Fortschritt sollte zukunftsorientiert ohne Widersprüche sein. Hier ergab sich für irgendwelche Kritiker ein gewisses Problem, was Führung und Masse anbelangt. Dadurch kam es hinterher teilweise zum Vorwurf, das diese Art von Science Fiction bzw. Things to come, faschistische Elemente beinhalten würde. Wells widerum sah sein soziales technokratisches Zukunftsmodell u.a. auch als Mittel gegen sowohl rechte faschistische, als auch gegen anarchistische und linksradikale Tendenzen, die mit ihren aufmüpfigen Verhalten überflüßig wären. Nationale Staaten mit ihren jeweiligen Regierungs-Systemen, wie wir sie kennen, sind dort nicht mehr existent. In den Star Trek Serien hat man diesen Zustand auch erreicht und dort ist man noch viel weiter gegangen. Während in Things to come am Ende der erste Schritt ins Weltall getan ist, indem der Mensch zum Mond fliegt, so ist es im 23. und 24. Jahrhundert längstens zur Routine geworden mit Raumschiffen die Galaxie zu durchqueren. Auch in Star Trek gibt es auf der Erde keine unterschiedlichen Regierungstaaten mehr, sondern eine Art Weltgemeinschaft mit ihrer Sternenflotte. Ferner wurden ebenso alle Krankheiten entfernt. Dadurch das man nun in der Lage war, den Weltraum zu bereisen und zu erforschen, traf man auch auf andere intelligente Raumfahrer/Lebewesen. Da gibt es nun die Vulkanier, Klingonen, Andorianer usw.. Später schloßen sich alle zu einer Förderation der vereinigten Planeten zusammen. Dem Star Trek Erfinder Gene Roddenberry ging es auch darum, das hier alle Menschen an einem Strang ziehen und gemeinsam zusammenstehen. Ungeachtet der Nationalität oder gar sonstiger bornierter Rassenkonflikte. Was Star Trek nicht erwähnt ist, wie man vorher sämtliche Nationalstaaten auf der Erde abschaffte, die global agierende Weltgemeinschaft als eine Art Regierungsform einführte und wie der große technologische Fortschritt erreicht wurde. Auch das dürfte nicht ohne Probleme vonstatten gegangen sein, denn es wird immer Leute wie Theotocopulos geben, die gegen irgendetwas sind. Wenn in einer Serienfolge die Vergangenheit der Erde angesprochen wird, so ist von einem dritten vernichtenen Weltkrieg die Rede und die Menschen in der Zeit danach hätten sich mehr und mehr zum besseren entwickelt. Ebenso die ganze Technik und im Grunde sehe ich diesbezüglich wegen all dem hier, so einige Parallelen zu Things to come.

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Alter britischer Zeitungbericht

Der Film lief damals nur in Österreich und vermutlich in einer synchronisierten Fassung, was sich aber nicht genau ermitteln ließ. Dem Film war damals anscheinend nur teilweise ein Erfolg beschert, da viele Leute der Vorhersage eines kommenden weiteren großen Krieges eher ablehnend gegenüberstand. Aber er wuchs mit der Zeit zu einem Klassiker heran und zu einem der wichtigsten Science Fiction Filme überhaupt, der besonders mit seiner futuristischen Ausstattung, seiner Tricktechnik, seinen Raumarchitekturen und seinen ungewöhnlichen Kamera-Aufnahmen des Franzosen Georges Périnal zum Vorbild späterer Science Fiction Filme wurde. Die Darsteller sind durchweg klasse. Raymond Massey ist hier in der Doppelrolle, als John und Oswald Cabal zu sehen. Ebenso Edward Chapman, als Pippa und Raymond Passworthy. Ralph Richardson stellt den Anführer/Boss dar. Ferner mit Margueretta Scott, Cedric Hardwicke, Ann Todd u.a. Der Film erschien auf DVD und Bluray, sowohl in seiner ursprünglichen Schwarzweiß-Fassung, als auch in einer colorierten Version und ist auch deutsch synchronisiert. Da ich keinen Hinweis bei mir ausfindig machen konnte, aus welcher Zeit diese Synchro stammt, vermute ich, das diese aus der Zeit stammt, als der Film damals in Deutschland seine Premiere zuerst im TV und danach im Kino hatte.

Things to come ist seit seiner Entstehung inzwischen von den Ereignissen des 2. Weltkrieg und dem Mondflug überholt worden. Das Jahr 2036 liegt noch in der ferne und solch einen Zustand, wie im Film oder bei Star Trek, hat der Mensch eh noch nicht erreicht. Man ist noch viel zu sehr damit beschäftigt, sich global um politische und wirtschaftliche Interessen, den Ressourcen des Planeten und sonstigem zu streiten und diesbezüglich erstmal weiterhin Kriege zuführen. Und technische Waffen werden weiter entwickelt, die ebenso zum Einsatz kommen werden, wie schon die vorigen. Ob es zu einem weiteren großen globalen Weltkrieg kommen wird und es dann richtig knallt,... ich nehme es an. Was spätere Zukunftaussichten anbelangt, wo und wie sich was auf dem Planeten hier weiterentwickelt, weiß niemand. In diesem Sinne;..... WAS KOMMEN WIRD!

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 31.01.2017 16:15 
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Film Nr. 50

DER UNSICHTBARE STRAHL
(Ot: The Invisible Ray)
(USA 1936)

EA: Österreich April 1936

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BRD-Titel: Tödliche Strahlen

EA: BR Deutschland 6. April 1982 im TV NDR

Inhalt:
Der Wissenschaftler Dr. Janos Rukh hat auf seinem ländlichen Anwesen eine technische Apparatur gebaut, die es ihm ermöglicht weit ins Weltall zu blicken und dabei Lichtstrahlen der Vergangenheit aufzufangen, die längst vergangene kosmische Ereignisse bildlich wiedergeben. Andere Wissenschaftler hatten ihn wegen seiner Forschungen bisher verlacht und nicht ernst genommen. Aber nun will Dr. Rukh es ihnen beweisen, zumal seine Frau Diane ihn dabei unterstützt. Der Wissenschaftler Sir Francis Stevens, der Arzt Dr. Benet und der Assistent Ronald Drake folgten der Einladung von Rukh und werden zu erstaunten Zeugen von Rukhs technischer Demonstration. Rukh beweist damit, das vor einigen Millionen Jahren ein großer Meteorit auf den heutigen Kontinent Afrika einschlug. Die Einschlagstelle kann er dadurch fast genau bestimmen. Ferner vermutet Rukh, das dieser Meteorit aus einer strahlenden Substanz bestanden hat, genannt RADIUM X. Man entschließt sich zu einer Expedition nach Afrika, die von Rukh und Benet geleitet wird, wobei Diane und Ronald ebenfalls mitgehen. Das Team teilt sich später und Rukh findet tatsächlich später bei den Mond-Bergen in einem Vulkankrater das radioaktive Radium X. Aber er berührt diese Substanz, was ungeahnte Folgen hat. Rukh merkt, das sein Gesicht und seine Hände im dunkeln leuchten. Als er seinen Hund berührt, stirbt dieser kurz darauf. Ihm ist unheimlich und hastig eilt er zu Dr. Benet, der imstande ist schnell ein Gegenmittel zu entwickeln, um Rukh vor dem sicheren Tod zu bewahren. Das Mittel wirkt aber immer nur eine begrenzte Zeit von 8 Stunden. Dr. Benet stellt genug Serum her, so das Rukh es regelmäßig einnehmen kann. Seine Frau Diane macht sich Sorgen, aber Janos will sie nicht sehen und schickt sie fort. Am Vulkankrater entwickelt Rukh zusätzlich nun eine Art Strahlenkanone, die in der Lage ist, unsichtbare Radium X Strahlen geräuschlos zu verschießen. Rukh beweist es, indem er die Kanone auf einen großen Felsen richtet und dieser buchstäblich wie aus dem nichts wegschmilzt. Radium X hat auf Rukh weitere Folgen, denn er wird mehr und mehr von Wahnvorstellugen besessen. Er denkt, das jeder ihm seine Entdeckung wegnehmen will und das seine Frau ein Verhältnis mit Ronald hat. Zudem billigt Dr. Benet nicht, das Rukh Radium X als Waffe verwendet. Benet macht sich später Radium X zunutze, indem er es als erfolgreiche Heilmethode einsetzt. Durch wohldosierte Bestrahlungen bei blinden Menschen, werden diese wieder sehend. Rukh wendet diese Technik inzwischen auch an, indem er seine Mutter ebenso von ihrer Blindheit erlöst. In seinem Wahn beschließt Janos später sämtliche Wissenschaftler, auch Dr. Benet und seine Frau durch Berührung umzubringen, da er glaubt, das alle ihn betrogen und um seine Entdeckung und Erfindung gebracht haben.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Nach den Filmen DIE SCHWARZE KATZE und DER RABE (siehe Filme Nr. 39 & 44) war dies der dritte Phantastische Film in dem Boris Karloff und Bela Lugosi gemeinsam zu sehen waren. Es ist auch der letzte Film mit diesen beiden, der zumindest damals in den 30er Jahren in Österreich in den Kinos lief. In Deutschland hingegen, war der Film mal wieder extrem verspätet im TV zu bewundern. Waren die beiden vorigen Filme mit Lugosi/Karloff eher dem Horrorgenre zu zuordnen, so ist dieser hier ein Science Fiction Film. Nicht nur durch seine beiden Hauptdarsteller erlangte der Film seine Berühmtheit, sondern auch durch seine heute noch sehenswerten Spezialeffekte. Diese stammen von John P. Fulton, der u.a. die verblüffenden Effekte zum Film DER UNSICHTBARE schuf (siehe Film Nr. 27). Für damalige Zeiten sind die Tricks mit der Entstehung des Himmels, der Erde, dem Meteoriteneinschlag auf Afrika, die Vulkankrater-Szenen und auch der im dunkeln leuchtende Dr. Rukh gut gelungen. Sie zählen nach wievor zu den Höhepunkten des Films. Auch das finale Ende kann ebenso tricktechnisch überzeugen. Ferner agieren auch hier wieder Karloff und Lugosi gleichberechtigt nebeneinander. Obwohl Lugosi hier einen teilweise zurückhaltenen Doktor Benet abgibt, der eher sachlich und wissenschaftlich den Dingen auf den Grund geht, ist er eine wichtige Figur im Film. Karloff hingegen mimt mal wieder eine im Grunde genommen tragische Figur, aber auch einen gefährlichen Wahnsinnigen, der durch bloße Berührung andere umbringen kann. Beide sind und bleiben auch hier wieder sehenswert. Francis Drake (Diane Rukh), Frank Lawton (Ronald) und Walter Kingsford (Sir Francis Stevens) erfüllen ihre Rollen auch gut. Regie bei dem ganzen führte Lambert Hillyer.

Der Film erschien vor einigen Jahren auf DVD. Das Label Concorde brachte im Jahre 2008 eine Bela Lugosi & Boris Karloff Edition heraus. Diese DVD-Box enthält 5 Filme, wo Lugosi und Karloff gemeinsam auftraten. DIE SCHWARZE KATZE, DER UNSICHTBARE STRAHL, DER HENKER VON LONDON (alle 3 nur im OmDU), DER RABE, DER SCHWARZE FREITAG (beide im OmDU und deutsch synchronisiert).

Graf von Karnstein Bild

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 01.03.2017 20:18 
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Film Nr. 51

DER MANN, DER WUNDER WIRKTE
(Ot: The Man Who Could Work Miracles)
(Grossbritannien 1936)

EA: Österreich Juli 1936

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BRD-Titel:
Der Mann, der die Welt verändern wollte

EA: BR Deutschland 5. Januar 1963 im TV ZDF

Inhalt:
George Fotheringay ist als Assistent bei einem Textilwarenhändler angestellt. Dieser wird nun von drei Göttern auserwählt, die vorher über die Zukunft der Menschheit diskutiert und sich darüber beraten hatten, wen sie übernatürliche Kräfte verleihen sollen. Die Wahl fällt nun auf George. Die Götter wollen wissen und sehen, wie der von ihnen Auserwählte nun handelt und mit seinen übermenschlichen Fähigkeiten umgeht. Einen Polizisten, dem George viel zu kleinkarriert erscheint, schickt er kurzerhand zum Teufel, in die Hölle. Auf irgendwelchen Vergnügungsveranstaltungen zeigt er der staunenden Menge seine Wunder, die er tun kann. Einigen Freunden tut er einen Gefallen, indem er ihnen irgendwelche Wünsche erfüllt. Im Grunde weiß George mit seiner neuen Macht nichts so richtig anzufangen. Dem wollen ein Armeemajor und ein Priester abhelfen, indem sie ihn dazu verleiten wollen, die Welt nun global nach ihren Vorstellungen zu gestalten. George ist aber auch verliebt in Ada Price, die ihn aber zurück weist. Trotz seiner Macht, schafft er es offenbar nicht, Ada für sich zu gewinnen. Irgendwann hat George genug von Ratschlägen anderer und will nun zum Wohle aller Menschen seine Fähigkeiten einsetzen, indem er selbst handelt. Er kreiert einen großen Palast, in dem er nun wohnen will und läßt Politiker, Militärische Führer, Wissenschaftler usw. zu sich kommen und befiehlt ihnen, die Probleme der Welt endlich alle zu lösen. Diese wollen aber Bedenkzeit. Frustiert darüber, das George es anscheinend keinem Recht machen kann und auch Ada ihn abwies, hält er nun die Rotation des Planeten an und es kommt zum stillstand. Dadurch kündigt sich eine globale Katastrophe an.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Dieser Film enstand kurze Zeit später nach Things To Come/Die Welt In 100 Jahren (siehe Film Nr. 49), der wieder von Alexander Korda produziert wurde. Auch hier diente wieder der berühmte Autor H. G. Wells als Ideengeber. Nach seiner Kurzgeschichte DER MANN, DER WUNDER VOLLBRINGEN KONNTE, verfasste Wells auch hier wieder das Drehbuch. Obwohl die Geschichte und der Film sehr interessant war/ist, war dieser an den Kinokassen wenig erfolgreich. Dafür kam er widerum bei den damaligen Kritiken gut weg. So bescheinigte ihm die New York Herald Tribune, eine erstklassige umgesetzte Filmfantasie zu sein und lobte auch die aufwendigen Tricks. Diese wurden von Ned Mann, Laurence Butler und Edward Cohen bewerkstelligt. Wie auch beispielsweise der Filmdienst anmerkte, das diese Geschichte auch konsequent zum nachdenken anrege, so findet hier auch ein interessanter Austausch über gesellschaftliche Theorien statt. Demzufolge kritisierte die Kine Weekly widerum, das der Film trotz seiner brillanten Idee und aufwendiger Umsetzung angeblich zu dialoglastig sei. Der Film ist aber auch eine Art Fantasiekomödie mit Hintergründen und ich denke, das Wells seine Geschichte als Farce auf menschliche und gesellschaftliche Schwächen am Beispiel seiner Figur George sah und wie dieser mit seinen Kräften umgeht und auf seine Umwelt und Mitmenschen wirkt plus deren Reaktionen. Das ist das enorm interessante daran und gerade das wurde auch in ähnlicher weise in späteren Filmen thematisiert, in der Menschen plötzlich über diverse Fähigkeiten verfügen, die sie vorher nicht hatten. Dabei ist es im grunde egal, woher derjenige diese übernatürlichen Fähigkeiten hat bzw. wie er diese erlangt hat. Wells fungierte hier als Ideengeber und wurde mit seiner Geschichte zum Vorbild anderer Filme, die das Thema auf die eine oder andere Art varierten. Im Film CHARLY (USA 1968) z.B. wird ein geistig rückständiger Bäckerverkäufer durch Versuche eines neurologischen Wissenschaftlers mit einem höheren IQ ausgestattet, der dann zum Genie wird. Im Film DER RASENMÄHERMANN (USA 1992) wird ein geistig Behinderter von einem Wissenschaftler mittels Computer, - und virtueller Cypervideospiel Technik zu einer Intelligenzbestie mit telekinetischen Fähigkeiten, der gefährlich für alle wird. In der 1. Staffel der Serie Star Trek - The Next Generation hat Wells in der 10. Folge, Rikers Versuchung eindeutig Pate gestanden. Dort verleiht das seltsame Wesen Q dem ersten Offizier Riker die gleichen Kräfte, wie er sie hat. Riker will seine neuen Fähigkeiten nicht einsetzen, aber er tut es doch, um ein Leben zu retten und anderen Besatzungsmitgliedern ihre Wünsche zu erfüllen. Aber er muß erkennen, das er nun mehr und mehr isoliert von den anderen ist und kommt sich hinterher wie ein Idiot vor, denn er will diese Macht nicht weiter haben. Menschen, die durch zufällige Umstände übernatürliche Kräfte bekommen, kommen auch in vielen Comics vor, von denen inzwischen so etliche Verfilmungen existieren. So wird der junge Student Peter Parker durch den Biss einer radioaktiven kleinen Spinne mit Spinnenkräften ausgestattet und wird bekannt als Spiderman, der seine Fähigkeiten im Kampf für das Gute einsetzt. Ähnlich die Fantastischen Vier, wo vier Astronauten im Weltall durch kosmische Strahlungen plötzlich ein jeder von ihnen diverse Kräfte besitzt.

Dies sollten nur einige filmische Beispiele sein. Der Mann, der Wunder wirkte lief auch damals nur in Österreich. In Deutschland wurde er zumindest ebenfalls im Jahre 1936 vom Verleih der Rota-Film AG angekündigt. Aber er verschwand einfach in der Versenkung, und das ohne der Zensurbehörde vorgelegen zu haben. Die Gründe dafür finden sich im Reichsfilmarchiv wieder, Zitat:

"Durch Tricks und technische Möglichkeiten des Films wird hier ein utopisches, phantastisches Geschehen auf die Leinwand gebracht, das gesellschaftliche Töne anschlägt, ohne die Gedanken zum Ende zu führen!"

Naja,... wenns danach geht,... aber aufgrund dieser Argumentation, muß den Film irgendein Regierungsverantwortlicher gesehen haben. Die Österreicher sahen das wohl weniger eng und brachten den Film in ihre Kinos. Regie führte Lothar Mendez. Roland Young ist George, Ralph Richardson ist der Major, Joan Gardner ist Ada. Ferner mit dabei George Sanders, Thorin Thatcher und Ivan Brandt, als die drei Götter.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 16.03.2017 20:14 
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Film Nr. 52

DER WANDERNE TOD
(Ot: The Walking Dead)
(USA 1936)

EA: Österreich August 1936

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BRD-Titel:
Der wandelne Leichnam / Die Rache des Toten

EA: BR Deutschland Mai 1979 im TV NDR

Inhalt:
John Ellman hat seine Strafe im Gefängnis verbüßt und ist wieder auf freien Fuß. Der Richter, der ihn damals verurteilte wird derzeit von einer Gangsterbande erpreßt, die nicht wollen, das einige Unterweltbosse ins Gefängnis wandern. Der Richter bleibt weiterhin unbestechlich und daraufhin wird er von der Bande ermordet. Die Gangster verstehen es, sämtliche Spuren zu verwischen und diesen Mord nun dem entlassenen Ellman in die Schuhe zu schieben, der kurz darauf wieder auf der Anklagebank sitzt. Ferner werden noch unliebsame Zeugen der Mordtat von der Bande bedroht. Der Verteidiger, der Ellman vor Gericht vertritt, ist mehr mit der Bande verbunden und so kommt es, das John Ellman zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt wird. Als Ellman gerade hingerichtet wird, stellt sich fast zeitgleich seine Unschuld heraus. Aber es ist zuspät und der unschuldig Verstorbene wird vom Staatsanwalt an den Arzt und Wissenschaftler Dr. Beaumont übergeben. Dieser hat aber, aufgrund seiner Forschungen eine Methode entwickelt, die Tote wieder zum Leben erweckt. Dies glückt ihm bei Ellman, der dadurch wieder am Leben ist. Allerdings hat John anscheinend keine Erinnerungen mehr an sein früheres Leben und bewegt sich eher, wie ein Roboter. Auch kann er sich kaum mit Sprache verständlich machen. Er begegnet später seinen ehemaligen Verteidiger und in John werden schemenhafte Erinnerungen wach. Der korrupte Anwalt scheint etwas zu ahnen und will Ellman in eine Nervenheilanstalt einweisen lassen. Aber John sieht inzwischen so einige Verbrecher, denen er seine Hinrichtung zu verdanken hatte. Dadurch kehren seine Erinnerungen zurück und John beschreitet den Weg der Rache.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Die Firma Warner Brothers hatte in den 30er Jahren so einige Gangsterfilme produziert und Stars wie H. Bogart, J. Cagney und Edward G. Robinson prägten die Leinwände. Unter der Regie von Michael Curtiz (Michael Kertész) und ebenfalls von Warner produziert, entstand nun ein Film der die Gangsterthematik mit der Untotenthematik vermischte, womit man es somit diesmal nicht mit einem reinen Horrorfilm zu tun hatte. Aufgrund seines Inhalts bzw. auch der wissenschaftlichen Experimente von Dr. Beaumont, wird der Film eher dem Science Fiction Genre zugerechnet. Wenn man es genau nimmt, dann hat man hier eine Mischung aus Gangster-, Science Fiction- und Horrorfilm. Und wieder einmal ist Boris Karloff, als John Ellman der tragische Held dieses Films. Aber anders als in seinen vorigen Filmen, besteht dieses mal keine Gefahr für Unschuldige, denn Karloff/Ellman will nur die zur Rechenschaft ziehen, die für seinen Tod verantwortlich sind. Zwar erinnert die Laboratoriumszenerie inkl. Ellmans Wiedererweckung ein wenig an die vorigen Frankensteinfilme, aber man ist hier von Anfang an sowieso auf Johns Seite. Bei der erschaffenen Kreatur von Baron Frankenstein wußte man vorher nie so recht, wie diese agieren und sich verhalten würde. Hier liegt der Fall ein wenig anders, denn Ellman weiß nicht so recht, wie er mit seinem zweiten Leben umgehen soll, zumal er sich anfangs an nichts erinnern kann. Das ist erst der Fall, als er immer mehr diese Verbrecher zu Gesicht bekommt. Und dann will er sich nur noch an denen rächen. Andere Menschen läßt er zufrieden. Auffällig ist auch, das Ellman häufig nichts tun muß, denn sein Erscheinen bei den jeweiligen Gangstern genügt völlig, um diese derartig zu erschrecken und zu ängstigen, so das diese selbst zu tode kommen. Karloff zieht darstellerisch auch hier wieder alle Register. Als John unschuldig vor Gericht steht, wirkt er hilflos und ängstlich, denn Mittel für Gegenbeweise hat er nicht. Als späterer Untoter macht Karloff mit seiner Erscheinung, seinen teils finsteren Gesichtsausdrücken nicht viel und übertreibt auch nicht. Dadurch wirken diese Szenerien nur noch stärker mit ihm, in denen er die Gangster einen nach dem anderen aufsucht. Leider ist es lange her, seit ich diesen Film damals im TV sah, aber ich erinnere mich noch soweit an einiges. Mir hat er gut gefallen, auch was diverse gute atmosphärische Szenerien anbelangt.
Ferner sehe ich den Film immer noch als einer der besten aus der Zeit in denen Karloff mitgewirkt hat.

Innerhalb der 30er Jahre, war dies nun im grunde der fünfte und letzte phantastische Film von Michael Curtiz, wenn man den im Jahre 1932 vertonten Film DIE SKLAVENKÖNIGIN 1924/1932 (siehe Film Nr. 13) dazu zählt, was ich aufgrund dieser Tatsache auch gemacht habe. Zur Erinnerung: Die anderen waren DIE ARCHE NOAH 1929 und WACHSFIGUREN-KABINETT 1933 (siehe Filme Nr. 1 & 29), die damals in den Kinos gezeigt wurden. Der eine Film von Micheal Curtiz, der damals nicht in Österreich und Deutschland lief, war DOCTOR X aus dem Jahre 1932 und bot ebenso eine Mischung aus Kriminal-, Science Fiction- und Horrorfilm. Der lief aber zumindest Jahrzehnte später im TV. Und auch von Boris Karloff müßen wir uns aus dieser speziellen Filmthematik verabschieden, denn es war der letzte phantastische Film mit ihm, der damals im Kino lief. Karloff hatte das phantastische Kino der 30er Jahre definitiv mitgeprägt, was auch für Bela Lugosi gilt, der sich ebenfalls mit dem Film DER UNSICHTBARE STRAHL (siehe Film Nr. 50) hier verabschiedete. DER WANDERNE TOD lief damals nur in Österreich und erst Jahrzehnte später in Deutschland. Leider ist ihm eine digitale Auswertung im deutschsprachigen Raum bis heute verwehrt geblieben. Nur in den USA erschien mal eine DVD von Warner. Neben Karloff sind noch Edmund Gwenn, als Dr. Beaumont dabei und ferner mit Ricardo Cortez, Marguerite Churchill, Barton McLane u.a.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 11.04.2017 14:41 
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Film Nr. 53

DIE TEUFELSPUPPE
(The Devil Doll)
USA 1936

EA: Österreich ca. Dez. 1936 / Januar 1937

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EA: BR Deutschland ... ?

Inhalt:
Als ehemaliger Bankier wurde Paul Lavond von Kollegen hinters Licht geführt und mit fingierten Beweisen belastet, die ihm eine lange Gefängnisstrafe einbrachten. Nach ca. 20 Jahren Haft hat er genug und kann mit seinem Freund und Mithäftling aus dem Gefängnis der Teufelsinsel ausbrechen. Sein Freund ist der Wissenschaftler Marcel und da dessen Partnerin Malita sein Haus solange bewohnte und hütete, kommen beide dort unter und verstecken sich. Im Haus existiert ein wissenschaftliches Labor und Marcel führt Paul seine sensationelle Erfindung vor, die Menschen und Tiere auf Puppengröße verkleinern kann. Besonders Malita ist von dieser Erfindung angetan, aber sie und Marcel haben damit vor alle Menschen zu verkleinern und zu beherrschen. Paul ist entsetzt darüber, aber die Jahre im Gefängnis haben Marcel wohl zu sehr zugesetzt und er stirbt kurze Zeit später. Paul kommt eine Idee und er fasst den Entschluß, diese Erfindung zu nutzen, um sich an all denen zu rächen, die für seine Haftstrafe verantwortlich sind. Gleichzeitig möchte er seiner Tochter helfen, die im Glauben aufgewachsen ist, das ihr Vater ein Krimineller ist. Zum Zwecke der Rache, verkleidet sich Paul nun als alte Frau, die mit Puppen handelt und bekommt Kontakt mit den ehemaligen Partnern. Pauls Racheplan wird aber erschwert, weil Malita vom Hass getrieben und dem Wahnsinn verfallen, Menschen immer noch verkleinern bzw. auch umbringen will.

Regisseur Tod Browning inszenierte schon in der Stummfilmzeit so einige Filme und war u.a. mit dem Gruselfilm DIE UNHEIMLICHEN DREI (1925) erfolgreich. Der Höhepunkt seiner Karriere bildete sicherlich sein Erfolgsfilm DRACULA 1930 (damals nicht im Kino gezeigt), der damals zusammen mit FRANKENSTEIN 1931 eine Horrorwelle auf den Leinwänden auslöste. Ein Jahr später schuf Tod Browning den ziemlich ungewöhnlichen, teils horrormäßigen Film FREAKS 1932, den Kritiker als geschmacklos ansahen. Nach seiner Premiere in den USA wurde er massiv bekämpft, so daß er für ca. 40 Jahre in den "Giftschränken" der Archive verbannt wurde. Danach wurde er wieder entdeckt und gilt seitdem als Klassiker.

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Die Teufelspuppe war der vorletzte Film von Tod Browning, bevor er sich aus dem Filmgeschäft ins Privatleben zurück zog. Der Film lief damals nur in Österreich im Kino. Ich kenne den leider nicht und würde ihn gerne sehen wollen. Die Thematik dürfte durchaus interessant und die Inszenierung gut anzuschauen sein, zumal die Tricksequenzen mit den Puppen für damalige filmtechnische Verhältnisse sehr gut gelungen sein sollen. Am Drehbuch von Tod Browning soll auch der aus Österreich stammende Schauspieler Erich von Stroheim ein wenig mit geschrieben haben. Ob das zutrifft bzw. welchen Anteil er daran gehabt haben soll, ist nicht so recht feststellbar und man kann nur mutmaßen. Mehr Klarheit darüber, würde eine Sichtung des Films möglicherweise ergeben. Die Darsteller dürften ebenso gut im Film sein. Immerhin spielen Lionel Barrymore, Maureen O'Sullivan (bekannt als Jane aus den alten Tarzanfilmen), Rafaela Ottiano, Lucy Beaumont, Henry B. Walthall u.a. mit.

Ob der Film Jahrzehnte später im deutschen TV seine Premiere hatte, war bisher leider nicht zu ermitteln. Ich vermute es zumindest, weshalb ich oben dieses erstmal mit einem Fragezeichen versehen habe. Da bleib ich aber dran und sollte ich ein deutsches EA-Datum heraus bekommen, dann trage ich dies eh nach.

Filme innerhalb des phantastischen Filmgenres, wo Menschen durch plötzliche Umstände klein oder winzig klein werden, finde ich immer wieder sehr interessant. Im Film DR. CYCLOPS (1940) benutzt ein Wissenschaftler ein Gerät, um eine Gruppe von anderen Wissenschaftlern in Puppengröße zu verkleinern. Diese müßen sich nun gegen den Dr. und einer für sie übergroßen Umwelt wehren. Im Film DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C (1957) wird ein Mann durch eine seltsame Wolke so nach und nach immer kleiner. Er muß sich später sogar gegen die eigene Hauskatze und einer Spinne zur Wehr setzen. Menschen, die viel kleiner geworden sind, sehen sich nun einer Umwelt und Gefahren ausgesetzt, die vorher für sie überahupt nicht von Belangen war. Selbst in der Serie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE wurde John Steed in der Folge "Haben sie es nicht ein bißchen kleiner" tatsächlich auf Puppengröße geschrumpft. Später gab es dann noch Filme wie z.B. LIEBLING, ICH HABE DIE KINDER GESCHRUMPFT etc. Man sieht also, das diese Thematik im Phantastischen Film immer wieder aufgegriffen wurde. Dabei funktionierte es auch umgekehrt, wenn Menschen plötzlich weitaus größer und zu Riesen wurden. Beispielsweise im Film DER KOLOSS (1957) und dessen Fortsetzung GIGANT DES GRAUENS (1958) kommt ein Mann mit radioaktiver Strahlung in Berührung, aufgrund einer Atombombenexpolsion und wird riesengroß. Allerdings leidet darunter auch seine geistige Verfassung und wird zur Bedrohung für alle, da er immer agressiver wird und Zerstörungen anrichtet. Im Fim ATTACK OF THE 50 FOOT WOMAN (1958) und dessen Remake ANGRIFF DER 20 METER FRAU (1994) wird diesmal eine Frau durch einen Außerirdischen genetisch so verändert, so das diese riesengroß wird. Sind alles so Filmbeispiele, was es u.a. so für interessante Filme gab/gibt, die das thematisiert haben. Gerade deswegen wäre es mal gut und möglicherweise wichtig, DIE TEUFESPUPPE allen Interessierten durch eine digitale Veröffentlichung mal zugänglich zu machen. Handelt sich immerhin um den ersten Vertreter des Tonfilms, wo Menschen kleiner gemacht werden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 14.04.2017 14:06 
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Film Nr. 54

AUF GRÜNER AUE
(The Green Pastures)
USA 1936

EA: Österreich August 1938

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BRD-Titel:
DIE GRÜNEN WEIDEN

EA: BR Deutschland 24. Dezember 1967 im TV BR

Inhalt:
Im Religionsunterricht für Schwarze in einer Sonntagsschule des Lehrers Mr. Deshee, befindet sich auch ein kleines schwarzes Mädchen. Deshee erklärt allen die Bibelerzählung und währenddessen ist die Phantasie und die Einbildungskraft dieses Mädchens dabei so stark, so das sie die Welt der Bibel erlebt. Dabei vermischt sich ihre Traumwelt mit der Wirklichkeit und die Welt der Bibel wird in ihre Umwelt übertragen. Sie erlebt die Erschaffung der Welt, sieht die ersten Menschen Adam und Eva, deren Vertreibung aus dem Paradies, den Bruderkonflikt zwischen Kain und Abel. Ferner Noah mit seiner Arche, die Sintflut, dann über Abraham bis zu Moses.

Hier hat man es eindeutig mit einer Bibelverfilmung zu tun, die im grunde heutzutage kaum einer kennt und die in den Genrebereich des Fantasyfilms gehört. Aber weder der österreichische, noch der deutsche Titel ließen anfangs bei meinen Recherchen vermuten, das sich dahinter ein Phantastischer Film verbarg. Auf grüner Aue/Die grünen Weiden, da denkt man doch eher an einen Heimatfilm oder Melodram. Wer vermutet dahinter schon einen Fantasyfilm/Bibelfilm. Ich sah den zumindest in englischer Sprache auf DVD.

Ungewöhnlich an dieser Bibelverfilmung ist der Umstand, das sämtliche Rollen nur von schwarzen Darstellern dargeboten werden und zudem das alte Testament aus deren Sichtweise im Film dargestellt wird. Dabei wurde am Ablauf im Grunde nichts geändert, denn der Film folgt dem alten Testament. The Green Pastures basiert auf einem damals sehr erfolgreichen Broadwaystück von Marc Connelly, das sogar mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet und das nun ins filmische übertragen wurde. Das ist sehr wahrscheinlich auch der Grund, warum die technische Seite des Films extrem schwer gewöhnungbedürftig erscheint. Hier gibt es keine großartigen Spezialeffekte oder sonstige Schauwerte zu sehen, wie in anderen Bibelverfilmungen. Die Schwarzen Schauspieler, die hier z.B. die Engel darstellen, tragen einfache weisse Gewänder und haben auf ihrem Rücken angebrachte Pappflügel, denn das sieht man sehr deutlich. Oder beispielsweise die Inszenierung mit Noahs Arche. Die schaut aus, wie ein aus Pappe hergestelltes Hausboot, das man einfach im Wasser hat schwimmen lassen usw. Das kann einem beim sehen schon ein wenig irritieren und gewisse "Sehgewohnheiten" auf die harte Probe stellen. Der Film ist diesbezüglich ziemlich simpel gestrickt.

Auf der anderen Seite, nahm die damalige Kritik und das Publikum den Film positiv auf. Auch befand man, das ihm die guten Darsteller zugute kamen. Am bekanntesten dürfte Rex Ingram sein, der hier als Herrgott, Adam und Hezdrel in drei Rollen zu sehen ist. Ingram dürfte Fantasyliebhabern zumindest als Flaschengeist in dem Märchenklassiker DER DIEB VON BAGDAD (1940) ein Begriff sein. George Reed stellt den Lehrer Deshee und Isaac in einer Doppelrolle dar. Oscar Polk ist der Erzengel Gabriel, Eddie Anderson ist Noah, Frank Wilson ist Moses. Regie führte Marc Connelly selbst und zusätzlich William Keighley.

Der Film schien damals aber auch so seine Probleme in der damaligen amerikanischen Öffentlichkeit gehabt zu haben. So eckte er auch bei diversen Kritiken an, die ihm wegen gewisser "Onkel Tom Attitüden" Rassismus vorwarfen. Wer sich in der Filmgeschichte auskennt, weiß auch, das besonders in den USA so etliche Filme existieren, wo Schwarze eben einfach nur als Beiwerk eingesetzt wurden. Häufig stellten sie irgendwelche Diener, Gepäckträger und ähnliches dar. Eben "irgendwelche Neger", die für etwas anderes eh nicht zu gebrauchen waren, also so zumindest deren Darstellung. Das wurde dann auch oft in Kritiken als offener Rassismus, bzw. Filme mit rassistischen Untertönen gebranntmarkt, wobei man auch öfters übertrieb. Aber darauf soll hier nicht näher eingegangen werden, aber schon seltsam, das man nun damals ausgerechnet Auf grüner Aue eben solchen Rassismus vorgeworfen hat. Dem Ku-Klux Clan hätte dies demnach eigentlich gefallen müßen, aber stattdessen protestierte der widerum gegen diesen Film. Gut,...sehr wahrscheinlich u.a. deshalb, weil es sich hier um eine filmische Bibelinterpretation gehandelt hat in dem Schwarze und nur Schwarze mitgewirkt haben. Aber meiner Ansicht nach ist der Film weder rassistisch, noch schwingen rassistische Untertöne mit. Vielmehr zeigt er die Glaubensansichten einfacher, ungebildeter Menschen, unabhängig von Religion und Hautfarbe. Und wegen all dem ist der Film wegen seiner ganzen Machart irgendwie fast schon wieder liebenswert, auch wenn man ihn aufgrund seiner simplen Inszenierung mit nicht vorhandenen Schauwerten und Spezialeffekten, fast schon als die trashigste Bibelverfilmung bezeichnen könnte. Berücksichtigen muß man auch, das es nun mal in den USA die verschiedensten tief verwurzelten religiösen Gemeinschaften und Kirchen (US-Denominationen,...Anmerkung) gibt, auch für die Schwarzen. Ich denke, das man hier wohl einen religiösen Film von Schwarzen für Schwarze im Sinn gehabt hatte. Der Film wurde von Warner produziert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 01.05.2017 16:00 
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Film Nr. 55

DER VERLORENE HORIZONT
(Ot: Lost Horizon)
(USA 1937)

EA: Österreich Mai 1938

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BRD-Titel:
IN FESSELN VON SHANGRI-LA

EA: BR Deutschland 13. März 1950

Inhalt:
Im inneren Asiens, einem Staat namens Baskul, herrscht Revolution und durch den bewaffneten Konflikt fliehen die Menschen. Mittendrin der Konsul und Berichterstatter Robert Conway aus England, sein Bruder George, der Amerikaner Barnard, der Wissenschaftler Lovett und Gloria, einer jungen kranken verbitterten Frau. Sie alle können im Chaos in ein kleines Flugzeug steigen. Aber die Maschine fliegt nicht nach Shanghai und auch der Pilot ist ein anderer, denn dieser steuert ein anderes Ziel an. Das Flugzeug muß später notlanden und befindet sich nun auf einem der schneebedeckten Plateaus Tibets. Damit sind alle von der Außenwelt total abgeschnitten. Der Pilot hat die Bruchlandung nicht überlebt. Man versucht zu überleben und als alle Hoffnung schwindet, tauchen plötzlich Mönche auf. Diese bringen die Gestrandeten zu einem Ort namens Shangri-La, der irgendwo ziemlich verborgen zwischen den ganzen Plateaus versteckt liegt.

Es ist ein Ort, indem sich die Menschen sehr wohl fühlen und glücklich sind. Robert und die anderen erholen sich bald schnell von den Strapazen. Selbst Gloria, die vorher todkrank gewesen ist, ist es nun nicht mehr. In Shangri-La herrscht auch angenehmeres Wetter, als außerhalb. Chang, ein Obermönch erklärt ihnen die Vorzüge dieses Ortes. Robert macht auch die Bekanntschaft des Hohepriesters, dem Lama von Shangri-La, der schon über 200 Jahre alt ist. Robert kann es fast nicht glauben, aber der Lama erklärt ihm einige Dinge über diesen Ort, der eine fast magische Aura versprüht und sehr mystisch wirkt. Aber der Lama ist dennoch dem Ende nahe und er hat Robert dazu ausersehen, sein Nachfolger zu werden. Ferner offenbart ihm der Lama, das es Absicht war, Robert nach Shangri-La zu holen. Der Lama schätzt ihn als Buchautor sehr und Shangri-La ist ein Ort, indem wichtige Literarische Werke und sonstige Kulturgüter aus aller Welt sicher aufbewahrt werden. Der Lama erklärt ihm weiter, das es in Shangri-La keine Gewalt, Verbrechen usw. gäbe, da hier jeder Bürger glücklich ist. Der Lama warnt Robert vor der Welt da draußen, die sich im Chaos befindet und ein zerstörerischer Krieg bevorsteht. Robert beschließt aufgrund dessen zu bleiben, zumal er sich auch in die hübsche Sondra verliebt hat. Aber sein Bruder George, der sich seinerseits in Maria verliebt hat und auch einige andere wollen weg, denn sie fühlen sich als Gefangene. Einmal in Shangri-La, ist es verboten den Ort wieder zu verlassen. Chang und die Wächter passen auf. Es ist auch so das, wer länger in Shangri-La ist, muß dort bleiben. Verläßt jemand diesen Ort, würde er außerhalb schnell altern und sterben. George hält dies für Unsinn, besticht einige Träger und Führer, um zusammen mit anderen aus Shangri-La zu fliehen. Und während man in der Außenwelt fieberhaft nach dem weltbekannten Publizisten Robert Conway sucht, spielen sich in Shangri-La und Umgebung ganz andere Ereignisse ab.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Für Regisseur Frank Capra, der in seinen sonstigen teils märchenhaften mit Komik durchzogenen Filmen eine sehr lebensbejahende Einstellung und ein idealisiertes menschliches Miteinander innerhalb teils von Gier und Korruptionen durchzogene Gesellschaften vertrat (z.B. MR. DEEDS GEHT IN DIE STADT), indem er immer für die sogenannten kleinen Leute Partei ergriff (z.B. MR. SMITH GEHT NACH WASHINGTON), die sich -gegen die da oben- stellten, stellt dieser Film hier eine Ausnahme dar. Dabei blieb er trotz allem auch hier wieder seinem offenbar Lieblingsthema treu, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Des Menschen Verlangen nach einer friedlichen, gerechten und von Verlogenheiten befreiten Welt, in der man ohne Sorgen leben und zufrieden sein kann. Ferner ist Capras Film hier meines erachtens sein einziger Ausflug ins Phantastische Filmgenre und der ist auch weitaus ernsthafter inszeniert. Basierend auf dem Roman IRGENDWO IN TIBET von James Hilton, verfasste Robert Riskin das Drehbuch. Für Capra, der den Film zusätzlich mit produzierte und der Filmfirma Columbia, war es damals einer der teuersten Filme überhaupt und soll viermal soviel gekostet haben, als sonst. In etwa vergleichbar mit einer heutigen Summe von 30-40 Millionen Dollar. So war der Bau von Shangri-La die bis dahin größte Kulisse die in Hollywood errichtet worden ist und es dauerte 2 Jahre, bis der Film fertig gestellt wurde. Der Film reiht sich im grunde jener Fantasy-Filme ein, die das Thema Versunkene Reiche und die sogenannte Lost World-Thematik zum Inhalt hatten, wie z.B. DIE HERRIN VON ATLANTIS (siehe Film Nr. 15) und SHE/LAND DES GRAUENS (siehe Film Nr. 47). Erstaunlich, das hier im Film auch vor einem globalen Weltkrieg gewarnt wird, der alles zu vernichten droht. Das hat er mit WAS KOMMEN WIRD/THINGS TO COME (siehe Film Nr. 49) gemein. Der alte Lama macht seine Bedenken gegenüber Robert klar, indem er ihm so etliches verdeutlicht. Sehr interessanter Dialog. Der Film hat einen enormen Aufwand, was Bauten, Inneneinrichtungen, Spezialeffekte usw. anbelangt und ist auch heute noch absolut sehenwert.

Der Film war damals ein großer Publikums- und Kassenerfolg und auch viele Kritiken äußerten sich wohlwollend über ihn. So schrieb z.B. damals die New York Times seinerzeit, Zitat: "Ein großartiger Abenteuerfilm, grandios inszeniert, mit wunderschönen Bildern und einzigartigen Schauspielern!" Er wurde in den Kategorien Bester Film, Ton, Musik, Ausstattung, Schnitt und bester Nebendarsteller H.B. Warner für den Oscar nominiert. Er bekam zwei Oscars für Ausstattung und Schnitt. Großartig auch die Musik von Dimitri Tiomkin, der hier wunderbare symphonische Klänge mit teils großem Chorgesang schuf und Shangri-La musikalisch sehr gut unterstützt.

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Der Film erschien auf DVD beim Label Columbia. Bevor der Film auf DVD beginnt, wird man als Zuschauer erstmal über folgendes informiert, Zitat:

"Als Frank Capras DER VERLORENE HORIZONT 1937 erstmals gezeigt wurde, war der Film 132 Minuten lang. Über die Jahre wurden fast 25 Minuten herausgeschnitten und verschiedene kürzere Versionen herausgebracht. Um 1967 war das Originalnegativ des Films unbrauchbar geworden, und man nahm an, daß keine Komplettkopien mehr existierten. Die Restaurierung des Films begann 1973, als das amerikanische Filminstitut umfassende Recherchen in Archiven in aller Welt anstellte, um alle existierenden Filmversionen zu finden. Resultat der Recherchen war der Fund einer 132-Minuten-Tonspur und der gesamte Film bis auf 7 Minuten. Die Qualität der gefundenen Fragmente reichte von sehr gut bis schlecht. Für die Restaurierung verwendeten Sony und das Film- und Fernseharchiv UCLA moderne Labormethoden und Digitaltechnik, um beste Qualität zu erzielen. Da der Film noch immer 7 Minuten kürzer ist als die Tonspur, wurden die fehlenden Szenen durch Standbilder aus dem Film und verschiedene Produktionsfotos ersetzt."

Der Film dürfte damals bei seiner Premiere in Österreich noch seiner ursprünglichen Länge entsprochen haben. In Deutschland lief der Film erst nach dem Weltkriege unter dem neuen Titel IN FESSELN VON SHANGRI-LA im Kino und war schon gekürzt. Der hatte nur noch eine Länge von 2656 Metern, was umgerechnet 97 min ergibt. In etwa zur gleichen Zeit wurde er auch in Österreich unter dem gleichen neuen Titel wieder aufgeführt, wo er dieselbe nun gekürzte Laufzeit aufwies.

Die DVD präsentiert den Film nun so, wie er gedacht und inszeniert worden ist. Es ist nun so, das man bei diesen erwähnten Stand- und Produktionsfotos weitere Dialoge zu hören bekommt, wo die dazu gehörenden Szenen offenbar für immer verloren sind. Handelt sich um die zitierten 7 Minuten, die verstreut sind, aber durchaus Sinn ergeben. Hat mich auch nicht weiter gestört, da man es sehr gut einfügte.

Der Film ist ein Klassiker und stellt im grunde eine Mischung aus Drama und Fantasyfilm dar, das bis heute sehenwert ist und bleibt!

Ps:
Im Jahre 1972 entstand ein Remake mit dem Titel DER VERLORENE HORIZONT, der ebenfalls von Columbia produziert worden ist. Der Film ist ein Musical, das natürlich mit viel Musik (Burt Bacharach) und Liedern (Texte von Hal David) angereichert wurde. Ich kenne dieses Musical nicht und ich bin auch weniger ein Anhänger von Musikfilmen und Musicals, aber der Film wurde von der Kritik so ziemlich verissen. Das Science Fiction Lexikon vermutet, das dem Film sogar die meisten negativen Kritiken der Filmgeschichte zuteil wurde. Die THE FIFTY WORST FILMS OF ALL TIME schrieb sogar, das jede Hitliste mit den 50 schlechtesten Filmen von Columbias Lost Horizon 1972 angeführt werden müße.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 23.05.2017 17:06 
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Film Nr. 56

DAS BLONDE GESPENST
(Ot: Topper)
(USA 1937)

EA: Deutschland 24. Juni 1938

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: BR Deutschland 15. Januar 1963 im TV ARD

TV-Titel: Topper - Das blonde Gespenst
weiterer TV-Titel: Zwei Engel ohne Flügel

Inhalt:
Das gutsituierte Ehepaar George und Marion Kerby führen ein ausgelassenes Eheleben und lassen keine Vergnügungen aus, die ihnen der Alltag bietet. Auch sind sie reiche Aktionäre bei einer Bank, dessen Direktor Cosmo Topper ist. Der widerum führt trotz guten Verdienstes ein eher betuliches Eheleben mit seiner pikierten Frau Henrietta unter dessen Fuchtel er steht. Cosmo kennt die Kerbys nur zu gut und ist des öfteren von den beiden einfach nur entnervt. Aber die Kerbys sollten ihn noch aus seinem gewohnten Lebenstil werfen und das kommt so:

Als die Kerbys mit ihrem Wagen mal wieder ein wenig zu sorglos und angeheitert über die Strasse rasen, kommen sie plözlich von der Fahrbahn ab und krachen gegen einen Baum. Neben ihrem demolierten Auto erheben sie sich wieder, müßen aber nun feststellen, das ihre Körper tot am Boden liegen. Sie sind zu jenseitigen Gestalten, zu Geistern geworden. Dabei können sie sich nun unsichtbar machen, schemenhaft durchsichtig oder in physisch fester Form in Erscheinung treten. In den Himmel dürfen sie, wegen ihres irdischen Lebenswandels noch nicht kommen und müßen zumindest eine gute Tat vollbringen. Ihr Ziel ist es nun, das Eheleben der Toppers aufzufrischen, um dieser neuen Schwung und Inhalt zu geben. Was folgt, ist eine ganze Reihe völlig unkonventioneller Eingriffe in das Eheleben der Toppers, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Auch einige Missverständnisse und Verwechslungen sorgen für tumultartige Situationen, in der u.a. ein Detektiv und die Polizei verwickelt werden.

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Die Kerbys können als Geister überall sein

Irgendwie schon eine herrliche Geister-Komödie, bei der man seinen Spaß haben kann. Nach einer Novelle von Thorne Smith verfassten Jack Jevne, Eric Hatch und Eddie Moran das Drehbuch. Die Kerbys werden von Constance Bennett und Cary Grant dargestellt. Miss Bennett gibt hier einen hübschen Geist ab, die den Bankdirektor in so manche für ihn unangenehme Situationen bringt. Mr. Grant erwies sich schon frühzeitig als Garant in diversen Komödien mit der er auch seine ersten Erfolge hatte. Seinen Durchbruch sollte er aber knapp ein Jahr später mit der herrlichen Komödie LEOPARDEN KÜSST MAN NICHT (1938) von Howard Hawks haben, die bis heute als Klassiker gilt und immer noch so frisch daher kommt, da diese nie zu altern scheint. Roland Young und Billie Burke stellen das Ehepaar Topper dar und sind das genaue Gegenteil der Kerbys, was diese als Geister ändern wollen. Roland Youngs Darstellung des entnervten und auf seinen guten Ruf in der Gesellschaft bedachten Bankdirektors, wurde zumindest mit einer Oscarnominierung bedacht. Regie bei dem Ganzen führte Norman Z. McLeod. Die Tricks mit den Geistern sind für damalige Verhältnisse gut gelungen und verfehlen ihre Wirkung nicht.

Der Film lief damals in Deutschland und Österreich. Am 5. Februar 1938 ging er durch die deutsche Zensurbehörde und wurde freigegeben. Normalerweise wäre der Film danach zeitnah ins Kino gekommen, aber dem war wohl nicht so und so hatte der Film erst im Juni 1938 seinen Kinostart. Es war auch der letzte amerikanische Phantastik-Film, der in den 30er Jahren in Deutschland und Österreich im Kino gezeigt wurde. Aber das war noch nicht das Ende des Phantastischen Films in den 30er Jahren, obwohl sich diverse politische Ereignisse 1938 zuspitzten. Österreich gehörte nun zu Deutschland und in Tschechien zog die Wehrmacht ein, aufgrund der sogenannten Sudetenkrise. Hatte es der Phantastische Film zumindest in Deutschland nicht gerade einfach, obwohl so einiges selbst produziert und auch importiert wurde, so ist es erstaunlich, was dennoch möglich wurde. Vor allen Dingen ab dem Krisen-Jahre 1938, könnte man denken, das es damit vorbei war. Aber nix da und wir werden sehen, das der Phantastik-Film immer noch Bestand hatte, wie sich zeigen wird. Aber zurück zu Topper und den Gespenstern.

Es enstanden zwei weitere Geisterkomödien, um den Bankdirektor Cosmo Topper.


TOPPER GEHT AUF REISEN
(Topper Takes A Trip)
USA 1939

EA: BR Deutschland 16. April 1951
im TV am 19. Oktober 1962 ARD


wieder mit Gary Grant, Constance Bennett, Roland Young, Billie Burke und Regie führte ebenso wieder Norman Z. McLeod.


ICH SUCHE MEINEN MÖRDER
(Topper Returns)
USA 1941

EA: BR Deutschland Juni 1946

TV-Titel: DIE MERKWÜRDIGEN ABENTEUER DES MR. TOPPER
WA: 22. Januar 1963 im TV ARD

WA Kino-Titel: TOPPER 2 / TOPPER 2 - DAS GESPENSTERSCHLOSS
Der Film wurde Jahrzehnte später im Sommer 1985 nochmals im Kino gezeigt.

Warum der Verleih Filmwelt diesen dritten Topper-Film im Titel als 2. Teil bei seiner WA vermarktete, entzieht sich meiner Kenntnis. In diesem dritten Topper-Film sind nur noch Roland Young und Billie Burke wieder als Ehepaar vertreten. Diese drei Topper-Filme erschienen vor Jahren (2010) als Topper-Collection in Deutschland auf DVD vom Label Kinowelt/Studiokanal.

In den 70er Jahren entstanden dann noch zwei TV-Verfilmungen. Einmal TOPPER RETURNS (1973) und TOPPER (1979), die allerdings in Deutschland wohl bisher nicht gezeigt wurden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 28.05.2017 18:11 
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Zum besseren Verständnis, folgt hier zuerst die tschechische Version des Films und danach die deutsch/österreichische Fassung.


Film Nr. 57


ROBOT-GIRL Nr. 1
(Panenka)
CSR Tschechoslowakei 1938


DIE TSCHECHISCHE FILMVERSION

EA: Prag 31. März 1938

Darsteller:
Ferenc Fururista (Bedrich Vrba, Polizist), Milada Campeová (seine Frau), Jirí Dohnal (Kajetan, beider Sohn),
Véra Ferbasová (Véra, Untermieterin bei den Vrbas), Josef Gruss (Antonín Dominik, Fabrikant)

Regie: Robert Land

Inhalt:
Véra, eine junge Frau ist seit längerem arbeitslos und wohnt bei den Vrbas zur Untermiete. Dessen Sohn Kajetan verschafft ihr eine Stellung als Stenotypistin in einer Schaufensterpuppenfabrik, dessen Chef Antonín Dominik ist. Er und sein Konstrukteur haben es geschafft einen weiblichen Androiden zu erbauen. Diese kann sprechen und sich wie ein lebendiger Mensch selbstständig bewegen usw. Antonín ist begeistert und will die Herstellung weiterer mechanischer Frauen finanzieren. Man will den weiblichen Roboter anderen Interessenten vorführen, aber unglücklicherweise erfährt eine Räuberbande von der mechanischen Frau, stiehlt diese und benutzt sie um in Prag eine Serie von Verbrechen zu begehen. Um diese Vorführung dennoch nicht platzen zu lassen, hat Kajetan eine Idee: Bis nun eine weitere Roboterpuppe hergestellt ist, soll nun Véra den weiblichen Androiden einfach mimen.



DIE DEUTSCH/ÖSTERREICHISCHE FILMVERSION

EA: Deutschland/Österreich ? ..... vermutlich ca. September/Oktober 1938

Darsteller:
Wilma Tatzel (Wera, das Robot-Girl), Wichell (Bubi, Fabrikant), M. Bringolf (seine Mutter), Max Böhm (Kajetan), Leo Siedler (Wirr, Mechaniker und Kajetans Chef)

Regie: Josef Medeotti-Bohác

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Inhalt:
Die junge Frau Wera ist ohne Arbeit und wohnt zur Untermiete bei den Eltern ihres Freundes Kajetan. Der verschafft ihr eine Arbeit, als Stenotypistin in der Puppenfabrik. Chef der Fabrik ist Bubi und dessen Mechaniker Wirr, hat einen weiblichen Androiden erschaffen, das er Robot-Girl nennt. Diese kann sich selbstständig bewegen und sprechen. Bubi ist begeistert und will, das mehr Robot-Girls hergestellt werden und verhandelt mit seinem Konstrukteur Wirr, der ihm von seiner mechanischen Kreation berichtet hat. Wirr hat eine Braut namens Hella und die bemerkt, das daß Robot-Girl, so wie sie ausschaut. Aus Eifersucht zerstört sie die Roboterpuppe. Wirr ist verzweifelt, denn er wollte seinem Chef das Robot-Girl vorführen. Kajetan hat nun die Idee, das Wera solange das Robot-Girl spielen soll, bis eine weitere mechanische Frau hergestellt ist. Wera willigt ein und ist dabei so überzeugend, das Chef Bubi Kajetan den Auftrag erteilt, mit Wera auf Reisen zu gehen, um das Robot-Girl anderen Kunden vorzuführen. Da Wera aus Sicht von Kajetans Eltern plötzlich verschwunden ist, erstatten diese Anzeige bei der Polizei. Zwei Polizeibeamte folgen Kajetan und fangen dessen Telegramm an seinem Chef Bubi ab. Dort steht drin, das sich die abwesende Wera in vier Teilen im Koffer befindet. Durch dieses Missverständnis glauben die Beamten nun, ein schreckliches Lustmord-Verbrechen entdeckt zu haben und kurzerhand werden Wirr, seine Braut Hella und Bubis Mutter verhaftet. Währendessen sind amerikanische Geschäftsleute an der vermeintlichen Roboterpuppe sehr interessiert und leisten mit 100.000 Dollar Schecks Anzahlung, die aber widerum nicht gedeckt sind. Zudem versuchen deren Mitarbeiter später im Hotelzimmer, das Robot-Girl auseinander zunehmen, worauf sich Wera erfolgreich zur Wehr setzt und das Hotel verläßt. Die Amerikaner werden später verhaftet und Wirr, Hella und Bubis Mutter werden wieder freigelassen. Missverständnisse klären sich auf, Bubi und Wera werden heiraten und ein neues Robot-Girl wird konstruiert, denn Wera hat die Rolle lange genug gespielt.

Wie man anhand der beiden Inhalte sehen kann, bestehen anscheinend einige Unterschiede. In der deutschen Filmversion findet sich laut Inhaltsangabe des alten Filmprogramms nichts von einer Gangsterbande, die den weiblichen Androiden benutzt, um kriminelle Straftaten zu begehen. Das Robot-Girl wird von einer eifersüchtigen Frau zerstört. In der tschechischen Fassung, ist laut Besetzungsliste widerum keine Rolle zu finden, die den Mechaniker und Erfinder der Roboterpuppe darstellt. Deshalb nehme ich an, das es der Fabrikant Antonín selbst ist, der mit einem seiner Mitarbeiter den weiblichen Roboter gebaut hat. Da in dieser Version ein Polizist die Hautrolle zu haben scheint, nehme ich einfach mal an, das dieser Polizist hinter der Gangsterbande her sein wird, die mit dem Androiden diverse Verbrechen verübt. Beide Filmversionen beinhalten zumindest ein phantastisches Element, was den weiblichen Roboter anbelangt und beide täuschen auch eines vor, indem eine Frau einfach anderen vorspielt, sie sei ein Android. Aus diesen beiden Gründen habe/mußte ich den Film hier in dieser Thematik mit reinnehmen, obwohl es u.a. ein Lustspiel sein soll, in dem auch teilweise gesungen wird. Möglicherweise ist die deutsche Fassung mehr Lustspiel, was die verwechslungsmäßigen komödiantischen Züge anbelangt, wie man anhand der Inhaltsangabe sieht. Inwiefern die tschechische Fassung mehr oder weniger Phantastik und Lustspielaspekte beinhaltet, ließ sich nicht feststellen. Auf der anderen Seite, scheint alles irgendwie nach einer Art Lustspiel-Komödie mit phantastischen Einschlag aus zuschauen. Bei diesem Film war es anfangs ohnehin schwierig festzustellen, was es mit dem aufsich hat. Als ich vor einem Jahr mit meinen Nachforschungen/Recherchen begann, stieß ich auf diesen Film, der allein schon vom Titel her nach einem Phantastischen Film klang. Also nahm ich ihn chronologisch erstmal sofort in die Liste mit auf. Jetzt, da zumindest etwas mehr Klarheit besteht, konnte/kann ich den nicht weglassen.

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Fotomontage aus dem Filmprogramm

Das Interessante am Film ist auch, das es hier noch zu einer Zusammenarbeit zwischen österreichischen-deutschen und tschechischen Filmmachern im Jahre 1938 kam. Und das, obgleich sich diese Sudetenkrise immer mehr zuspitzte, bis dann Anfang Oktober 1938 die Wehrmacht ins Sudetenland einmarschierte. Der Film wurde vorher fertig gestellt. Der Drehstab, also Kamera, Bauten, Musik, Ton etc. bewerkstelligten alles die tschechischen Filmleute, nur das für den deutsch/österreichischen Markt andere Darsteller zu sehen waren und zwei Regisseure eingesetzt wurden. Über die Gründe kann man nur spekulieren, war es doch eine Praxis die man doch eher in den Anfängen des Tonfilms bzw. in den ersten Jahren der 30er Jahre vermutet hätte. Das jedoch Robert Land (Robert Liebmann), Regisseur der tschechischen Version nicht für die deutsche Fassung Regie führen durfte, verwundert nicht. Er war ein tschechisch-österreichischer Filmemacher jüdischer Abstammung und wurde im Juli 1938 von der Reichsfilmkammer ausgeschlossen. Das Drehbuch von Jan Grmela und Robert Land entstand nach einem Entwurf von Jan Grmela selbst. Gedreht wurde in Prag und Karlovy Vary (Karlsbad). In Tschechien hatte der Film vorher, Ende März 1938 seine Premiere. In Deutschland/Österreich ging er am 23. September 1938 durch die Zensurbehörde und wurde vermutlich freigegeben. Für Deutschland direkt, war dennoch kein Uraufführungsdatum zu ermitteln. Möglicherweise könnte auch eine Aufführung wegen der Sudetenkrise von der deutschen Regierung untersagt worden sein. Da Österreich widerum schon seit mitte März 1938 an das deutsche Reich angeschlossen wurde, galten dort vielleicht ähnliche Zensurbestimmungen, wie in Deutschland oder auch weniger. Der Film könnte dennoch in Österreich im Kino gelaufen und vielleicht später aus dem Verkehr gezogen worden sein. Die deutsche Filmfassung soll verloren gegangen sein. In England soll der Film angeblich unter dem Titel THE DOLL gezeigt worden sein, aber wann, war nicht zu ermitteln.

Man merkt hier anhand des ganzen schon, das es für den Phantastischen Film jenes Jahrzehnts in Österreich/Deutschland schwierig wurde, je mehr es sich dem Ende neigte, da geschichtliche und politische Ereignisse stattfanden und ihre Schatten voraus warfen. Und gerade deshalb umso erstaunlicher, was noch kam bzw. auch noch versucht wurde. Dennoch lag der Phantastische Film in den letzten Zügen seines Daseins, aber es geht hier noch wenig weiter.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 04.06.2017 19:07 
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Film Nr. 58

DIE UNHEIMLICHEN WÜNSCHE
(Deutschland 1939)

EA: Deutschland 6. Oktober 1939

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: DDR 27. November 1961 im TV DFF 1

Inhalt:
Eine Stadt in Frankreich im Jahre 1830
Der junge Marquis Rafael von Valentin, der noch am Anfang seines Lebens steht, verliert bei einem Gerichtsprozess gegen seinen Vetter. Dadurch kommt er in eine schwierige Vermögenslage, denn sein Besitz, Hab und Gut wird versteigert das ihn ruiniert. Bei den wenigen Dingen, die ihm nun geblieben sind findet sich ein Stück Leder, das seltsame Schriftzeichen aufweist. Sein älterer Freund und Kunsthändler Pertignac identifiziert diese als chinesische Inschrift und übersetzt sie. Sie lautet:

"Wenn Du mich besitzt,besitzt Du alles.
Wünsche - und Deine Wünsche werden erfüllt.
Aber mit jeder Erfüllung nehme ich ab - wie Deine Tage.
Das ist das Geheimnis der Erfüllung."


Rafael, der inzwischen ein kleines Zimmer im Hause der Silhouettenschneiderin Pauline bewohnt, will die Chancen nutzen, die ihm das Lederstück bietet. So kann er erfolgreich die von ihm bewunderte Schauspielerin Fedora für sich gewinnen. Ebenso wünscht er sich seinen ganzen Besitz zurück, was auch prompt durch eine Revision des Prozesses ebenso erfüllt wird. Aber sein Leben beginnt aus den Fugen zu geraten, da nun sein Landgut vom ganzen Bekannten- und Freundeskreis Fedoras fast schon ständig belagert wird. Diese erweisen sich als falsche Freunde, da Rafael von seinem Freund Pertignac zur rechten Zeit gewarnt wird und die sich von ihren schlechten Seiten zeigen. Rafael wird des Menschen müde und sehnt sich nun eher nach einer einzigen Frau, die ihn aufrichtig liebt, er sie lieben kann und man sich gegenseitig gehört. Aber bei all seiner Lebensgier, seinen Abenteuern und Vergnügungen bekommt er gar nicht mit, das genau solch eine Frau schon längstens in sein Leben getreten war, nämlich Pauline.

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Szenenbilder aus dem Filmprogramm

Der Film entstand in Anlehnung des Romans La Peau De Chagrin (Das Körnerleder oder Das Chagrinleder) von HONORÉ DE BALZAC (20.5.1799 -18.8.1850). Balzac gehört neben z.B. Victor Hugo, Alexandre Dumas, zu den größten Schriftstellern seiner Zeit in Frankreich. Er galt als ein sehr scharfer Beobachter der menschlichen Gesellschaft mit all ihren Erscheinungsformen und wurde mit seinen Werken zum Begründer des sozialen Realismus. Balzacs kritische Betrachtungsweise entsprach nach der großen Revolution, ihrer Entäuschung darüber, dem Kaiserreich unter Napoleon Bonaparte bis hin zur Restauration dem damaligen Zeitgeist. La Peau de Chagrin machte da keine Ausnahme und obwohl es eine teils märchenhafte phantastische Geschichte ist, so geht diese einher mit einer weltschmerzlichen Enttäuschung über die ganzen Entwicklungen, die Frankreich bzw. die Franzosen damals durchlebten und durchmachen mußten. Balzacs Werk schildert hier auch ein weitschweifiges Sittenbild des damaligen Frankreichs, das besonders nach der Juli-Revolution (1830) die gesellschaftlichen Widersprüchlichkeiten und seiner Figuren aufs Korn nahm. Der Werdegang der Figur Rafael im Roman, ist für Balzac eine unaufhaltsame Selbstzerstörung, wegen maßloser Lebensgier, Vergnügungen und Rafael stirbt u.a. an massiver Liebessehnsucht. Der Film widerum soll laut Kritik dies alles weniger vermittelt haben und eher eine verstümmelte Version von Balzacs Werk wiedergeben. Ich kenne den Film nicht und somit war es mir leider nicht möglich ihn zu sehen. Aber ich denke, das Balzacs Schilderungen sowieso nicht in einem deutschen Film damaliger Zeit übertragen worden wäre, zumal der Rafael im Film in den Armen von Pauline überlebt und beide ein sogenanntes Happy End haben. Das Drehbuch wurde also dementsprechend abgemildert und dieses verfassten Kurt Heuser und Heinz Hilpert. Der ursprüngliche Titel DIE TÖDLICHEN WÜNSCHE wurde dadurch nun in Die Unheimlichen Wünsche geändert. Heinz Hilpert übernahm hier auch die Regie und hatte schon mal zusammen mit Reinhart Steinbicker bei einer etwa ähnlichen Geschichte ebenfalls Regie geführt (siehe Film Nr. 36 LIEBE, TOD UND TEUFEL), wo es um eine seltsame Flasche ging, die Wünsche erfüllte.

Der Film ist mit Hans Holt (Rafael), Olga Tschechowa (Fedora), Käthe Gold (Pauline), Ewald Balser (Pertignac), Paul Dahlke (Canais) usw. zumindest gut besetzt. Der Filmdienst urteilte: "Die Vorlage von Balzac ist zwar mit inszenatorischen Geschick, aber allzu realistischer Schwarz-Weiß-Malerei verfilmt." Gedreht wurde der Film im Jofa-Atelier und bei Berlin-Johannisthal. Er wies eine Länge von 2673 Metern auf, was = 98 min sind. Am 28. September 1939 passierte er unbehelligt die Zensurbehörde, wurde freigegeben, bekam jedoch ein Jugendverbot verpasst. Anfang Oktober 1939 hatte der Film in der Stadt Karlsruhe seine Premiere. Einen Monat vorher, also im September begann der eigentliche 2. Weltkrieg.

Thematisch befinden wir uns in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1939 und somit in der Kriegszeit. Trotz dieser Umstände versuchten deutsche Filmemacher einige phantastische Filme auf die Beine zustellen. So plante die Firma Tobis im Sommer 1939 einen weiteren Harry Piel Film mit dem Titel DER UNSICHTBARE, wo Piel wieder selbst Hauptdarsteller und Regisseur sein sollte. Ob dies als eigenständiger Film inszeniert werden sollte oder als eine Art Fortsetzung seines eigenen Films EIN UNSICHTBARER GEHT DURCH DIE STADT (siehe Film Nr. 23) geplant gewesen ist, ließ sich nicht so recht feststellen. Die Meldung über dieses Projekt wurde am 3. November 1939 verkündet. Aber es wurde nicht realisiert. Anfang August 1939 wurde ein Filmprojekt der Bavaria-Filmstudios angekündigt, das den Titel: ZWISCHENFALL IM WELTALL trug, bei dem Robert A. Stemmle die Regie übernehmen sollte. Im geplanten Film sollte es mit technisch vollendeten Mitteln darum gehen, das eine mit einem Stahlmantel versehende Weltraumrakete den Mond erreicht, um diesen zu erforschen und mit Menschen zu besiedeln. Sehr schade, das daß ebenfalls im Sande verlief, denn sowas wäre mit Sicherheit sehr interessant gewesen. Verhindert wurde dies nicht allein durch den Ausbruch des Krieges, denn man hielt seltsamerweise an diesem Filmprojekt weiterhin fest, sondern weil es für Deutschland damals weniger schnell siegreich voranging, als allgemein von der Regierung angenommen wurde. Somit gab man diese teure Produktion auf und es wurde mehr in den Krieg investiert. Nun könnte man sich bei all den Vorgängen langsam zurecht die Frage stellen, ob das Thema hier somit beendet ist? Ich kann und muß dies mit Nein beantworten,... und somit folgt hier noch etwas. Es geht somit weiter!

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 12.06.2017 15:50 
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Film Nr. 59

WELTRAUMSCHIFF 1 STARTET
(Deutschland 1939/40)

EA: Deutschland 27. Juli 1940

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Statt einer Inhaltsangabe, hier nun folgendes:

Im vorigen Filmeintrag erwähnte ich den geplanten Film ZWISCHENFALL IM WELTALL, den das Bavaria-Filmstudio realisieren wollte und dies im August 1939 verkündete. Im Film sollte es um einen Flug zum Mond mittels einer stahlummantelten Weltraumrakete gehen, um den Mond zu erforschen und später Menschen dort anzusiedeln. Das Vorhaben mußte wegen des Kriegsausbruchs aufgegeben werden. Einen Monat vorher, also im Juli 1939 kündigte die UfA-Großfilm den ebenso kostspieligen utopischen Film WELTRAUMSCHIFF 18 an, der nach einem Roman von Hans Dominik verfilmt werden sollte. Die Kosten dafür sollten ca. 1,8 Millionen Reichsmark betragen. Für die Hauptrollen waren Brigitte Horney, Rene Deltgen, Willy Birgel vorgesehen und die Regie sollte Eduard von Borsody übernehmen. Im Film sollte es um große Flugzeuge gehen, die im luftleeren Stratosphärenraum Menschen und Güter befördern können. Die Besatzung eines der Fluzeuge wird Zeuge, wie ein Meteor auf die Erde stürzt, der eine Naturkatastrophe auslöst. Um ein Energieelement, das der Meteor mit sich führte entwickelt sich der Kampf zweier Weltmächte, um dessen Nutzung. So in etwa der Inhalt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Energieelement um eine Art Treibstoff, das als Neotan X bezeichnet wird, das ziemlich explosiv ist und das man für den Flug zum Mond benötigt. Genauer gesagt, dient es dazu, um die nötige Rückstoßwirkung/Geschwindigkeit des zu bewegenden Weltraumschiffes zu entwickeln. Das aus dem Film ebenso wenig wurde, wie beim anderen erwähnten Science Fiction Film, ist leider Tatsache. Schade,...Brigitte Horney in einem SF-Film hätte ich sehr gerne sehen wollen.

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Für die Werbung:
ursprüngliches Vorankündigungs-Plakat


Eine weitere Tatsache ist allerdings, das man schon gewisse Szenerien gedreht und so einige Trickaufnahmen bewerkstelligt hatte. Dieses blieb erhalten und wurde als Kurzfilm unter dem Titel WELTRAUMSCHIFF 1 STARTET damals im Juli 1940 in einem Kino in München uraufgeführt. Das was vom geplanten SF-Großprojekt schon gedreht, übrig und erhalten blieb, sind ca. 22 min, was folgendes beinhaltet:

Reporter aus aller Welt sind vor Ort, um den angekündigten Start des Weltraumschiffes mit zu erleben. Der Commodore des Schiffes, Hardt gibt den Journalisten knapp 5 min, um deren Fragen zu beantworten. Er erklärt ihnen, was die wichtigsten Voraussetzungen für den Flug ins Weltall sind. Es wird angegeben, das der Mond 400.000 km von der Erde entfernt ist. Für den Flug von der Erde zum Mond und von dort wieder zurück werden laut Berechnungen 7 Tage und 16 Stunden benötigt. Dann sind die Presseerklärungen beendet und das Raumschiff rollt über die lange Startbahn. Es ist eine Viaduktbahn, die schräg nach oben verläuft. Auf dieser beschhleunigt das Schiff immer schneller, bis das obere Ende der Bahn erreicht ist, von dieser abhebt und weiter immer höher fliegt.

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Dann befindet sich das Schiff im Weltraum und fliegt Richtung Mond. Als das Ziel erreicht ist, fliegt das Schiff über die Mondoberflächen, auch über den Teil des Mondes, der ständig von der Erde abgewand ist. Danach fliegt das Schiff in Richtung Erde zurück. Nachdem das Raumschiff wieder in die Erdatmosphäre tritt und diese hinter sich läßt, verlangsamt es die Geschwindigkeit, durchfliegt die Wolken und landet sicher wieder auf der Erdoberfläche. Der Mondflug ist ein voller Erfolg.

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Der Flug über den Mond

Dieses 22 minütige Filmmaterial soll aus dem nicht realisierten Film Weltraumschiff 18 stammen. Mir lag dieser Kurzfilm zur Ansicht vor und nachdem ich den nun gesehen habe, hat der vom Inhalt her einiges mit Zwischenfall im Weltall gemein. Auf der anderen Seite, sieht man sich das Vorabplakat zu Weltraumschiff 18 an, so ist das Raumschiff widerum fast identisch mit dem im Kurzfilm. Da hier die Bavaria-Filmkunst München diesen Kurzfilm aus dem vorab gedrehten Material produzierte, wäre es gut möglich, das sie die Idee aus ihrem geplanten Zwischenfall im Weltall wieder aufgriff, einige Szenen mit Darstellern rund um die Tricksequenzen zusätzlich nach drehte, um daraus einen zumindest einheitlich aussehenden SF-Kurzfilm zu machen. Ist aber eine reine Vermutung meinerseits. Als Schauspieler wirken mit: Carl Wery (Commodore), Fritz Reiff (technischer Raumfahrtdirektor) und Rolf Wernicke (Reporter). Die Regie bzw. die Gesamtgestaltung des Kurzfilms übernahm Anton Kutter.

Es ist schon erstaunlich, das man das schon vorhandene Material mit den ganzen Tricksequenzen offenbar nicht als Abfallprodukt verkommen lassen wollte, sondern daraus einen Kurzfilm machte, der dann auch noch im Kino lief. Über die Gründe ließe sich spekulieren. Da es hierbei um technologischen Fortschritt/Entwicklungen ging, sah man den Film wohl nicht nur als Science Fiction, sondern auch als Kulturfilm an. Nach dem damaligen Stand der Wissenschaft wurde die praktische Möglichkeit eines Weltraumflugs bestätigt. Was man als reine Hypothese ansah, war die Sache mit dem Energieelement Neotan X. Wenn man den SF-Kurzfilm sieht, so kann man tatsächlich im nach hinein die damalige Entwicklung deutscher Raumflugprojekte mit einbeziehen. Wäre der blöde Krieg nicht gewesen, so wären bestimmt beide SF-Filmprojekte zu richtigen Spielfilmen verwirklicht worden. Es hätten somit auch die allerersten SF-Tonfilme sein können, wo es um Weltraumfahrten ging. Aber immerhin gab/gibt es nun diesen kurzen SF-Film. Die Tricks kann man für damalige Zeiten einfach nur als gelungen bezeichnen. Besonders die, wo sich das Raumschiff auf der Viaduktbahn bewegt und dann immer weiter nach oben fliegt. Das Ganze ist schon genial gemacht und irgendwie kann man nur, auch aufgrund dieser Thematik hier, öfters nur noch mit dem Kopf schütteln. Was wäre in Sachen Phantastik-Film damals in Deutschland nicht alles möglich gewesen, wenn die damals Verantwortliche Regierung hierbei politisch und auch in der Filmlandschaft anders gehandelt hätten. Viele Filmschaffende wären dageblieben und nicht abgewandert. Weltraumschiff ist u.a. auch ein Beweis dafür, das man schon damals filmtechnisch sehr gute Entwicklungen gemacht hatte. Wären die beiden utopischen SF-Filme wie geplant gemacht worden, wären diese damals eine Sensation gewesen. Davon gehe ich einfach mal aus. Das ein Raumschiff auf einer eigens dafür konstruierten Bahn in den Weltraum befördert wird, scheint wohl auch die Macher des Films DER JÜNGSTE TAG (USA 1951) beeindruckt und inspiriert zu haben. Dort wird ein raketenartiges Raumschiff mit einer bestimmten Anzahl von Menschen an Bord über eine extra dafür gebaute Bahn in den Weltraum befördert. Handlung und Umstände sind natürlich ganz andere, aber es ist die Idee, die zählt.

Dieser nun vorhandene SF/Kulturfilm wurde nach dem Kriege nochmals in irgendwelchen Kinos gezeigt. Die vorhandene mir vorliegende Fassung weist diesbezüglich einen schriftlichen Hinweis der Alliierten vor Beginn des Kurzfilms auf, die er damals verständlicher Weise nicht hatte. Dieser Hinweis lautet, Zitat:

INFORMATION CONTROL FILM SECTION

Es wird hiermit bescheinigt, daß
WELTRAUMSCHIFF
von den Alliierten Behörden zur öffentlichen Vorführung zugelassen ist.

Vlotho, den 1. Juni 1946


So,... das war der letzte Phantastik-Film der 30er Jahre aus Deutschland, aber der letzte Film dieser Thematik?

NEIN,... denn einen habe ich noch,... EINEN habe ich noch
:D
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