Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
Aktuelle Zeit: 19.10.2017 10:44

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: GUT-PILE - Jerry O'Sullivan
BeitragVerfasst: 14.04.2017 16:29 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 05.2011
Beiträge: 1071
Wohnort: Arkham
Geschlecht: männlich
Gut-Pile
(Gut Pile)
USA 1997 - Written & Directed by Jerry O'Sullivan
Starring: Jeffrey Forsyth, Ron Bonk, Edward Mastin, Bob Licata, Sasha Graham, Jerry O'Sullivan.


Bild

Wenn ein Film auf den deliziösen Titel Gut-Pile hört, stehen die Chancen nicht schlecht, daß es sich hierbei weder um einen verschollenen Thriller von Alfred Hitchcock, noch um ein vor kurzem wiederentdecktes skandinavisches Drama von Ingmar Bergman handelt. Eine beschwingte romantische Komödie mit Jennifer Aniston kann man wohl ebenso ausschließen wie ein neues Superheldenspektakel der Marvel Studios oder den aktuellen Weihnachtsfilm aus dem Hause Walt Disney Pictures. Nein, Gut-Pile ist, wie ihr bestimmt erraten habt, ein Horror-Movie weit abseits von Hollywood, in welchem es nicht gerade zimperlich zugeht. Gut-Pile ist das Baby von Jerry O'Sullivan (seine einzige Regiearbeit), der das Ding nicht nur inszenierte, sondern auch das Drehbuch schrieb, am Schnitt mitwirkte und sogar einen stimmlichen Cameo-Auftritt (als Sheriff) absolvierte. Unterstützt wurde O'Sullivan von Ron Bonk (das "Mastermind" hinter Filmen wie City of the Vampires, Strawberry Estates und Ms. Cannibal Holocaust), der den Streifen produzierte, beim Schnitt mithalf und auch eine der Hauptrollen übernahm.

Der (hauchdünne) Plot dreht sich um Dan (Jeffrey Forsyth), einen Jäger, der im Wald geduldig auf seine Beute lauert. Als es in der Nähe vielversprechend raschelt, visiert er mit seinem Gewehr kurz an und schickt die Kugel sogleich auf die Reise. Wenig später staunt er nicht schlecht. Er hat mit dem bleiernen Geschoß keinen stattlichen Hirschen, sondern einen anderen Jäger (Bob Licata) erlegt, der gerade durchs Dickicht geschlichen ist. Was tun? Da niemand, abgesehen von einer einsam und verlassen mitten auf einem angrenzenden Feld stehenden Vogelscheuche, den dummen Unfall beobachtet hat, entschließt sich Dan kurzerhand, die Leiche im Wald zu verbuddeln. Ein Jahr später. Mit seinen beiden Freunden Mike (Ron Bonk) und Bob (Edward Mastin) kehrt Dan an den Ort des Unglücks zurück. In einer nahegelegenen Holzhütte quartiert sich das Trio für ein entspanntes, feuchtfröhliches Wochenende ein, nicht ahnend, daß eine unheimliche Macht nach Rache dürstet und es mit der Schuldfrage nicht sonderlich genau nimmt.

Gut-Pile ist ein amerikanischer Wald-und-Wiesen-Splatterfilm, mit viel Wald und Wiesen, aber eher wenig Splatter. Das Besondere dabei ist, daß Jerry O'Sullivan und sein Director of Photography Whit Blanc versuchten, den Stil von Sam Raimis Kultklassiker The Evil Dead (Tanz der Teufel, 1981) zu imitieren. Und, Ehre wem Ehre gebührt, das ist ihnen durchaus beachtlich gelungen! Da wirbelt die Kamera schwindelerregend durch den Wald, saust rasant zwischen den Bäumen auf die Holzhütte zu, oder schwebt, ausgehend von der Vogelperspektive, vor Dan sanft zu Boden. Ein gekonnter 360-Grad-Kameraschwenk darf ebenso wenig fehlen wie zahlreiche extreme Close-Ups sowie ein paar ungewöhnliche Kamerapositionen (z. B. aus einem Plumpsklo heraus). Keine Frage, Blanc versteht sein Handwerk. Leider nimmt dieses penetrante Nachahmen von Raimis dynamischen Regiestil dermaßen überhand, daß es nicht mehr als bloße Hommage durchgeht, sondern wie die dreiste Kopie eines Fanboys erscheint, der seinem großen Vorbild nacheifert.

Und das ist eines der vielen Probleme von Gut-Pile. Eine gewisse Eigenständigkeit wird schmerzlich vermißt, es mangelt dem Film an eigenen Ideen, was bleibt ist ein billiges, unoriginelles, mitunter immerhin recht launiges Rip-Off. Abgesehen von der Kameraarbeit bewegt sich der SOV-Streifen überwiegend auf gehobenem Amateur-Movie-Niveau. Die schauspielerischen Darbietungen, der Schnitt, die Dramaturgie, die Musik, die Continuity, die Spezialeffekte... das alles ist für eine Zero-Budget-Amateur-Produktion mehr als akzeptabel, für einen "richtigen" Film ist es dennoch nicht genügend. Ein wenig verwunderlich ist es außerdem, daß man in Punkto Gore nicht mehr auf den Putz gehauen hat, zumal die paar Effekte recht ansehnlich geraten sind und man gerne mehr davon gesehen hätte. Gut-Pile läuft nur gute fünfzig Minuten, fühlt sich jedoch deutlich länger an. Das liegt daran, daß sich der Kamera-Gimmick rasch abnutzt und daß die Story mit einigen unnötigen Füllszenen gestreckt wurde. Schade, daß O'Sullivan um all die Kameraspielereien herum keinen vernünftigen Plot gebastelt hat. Dann wäre aus Gut-Pile womöglich ein kleiner geiler Kracher geworden.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker