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 Betreff des Beitrags: DAS GEHEIMNIS VOM BERGSEE - Jean Dréville
BeitragVerfasst: 06.05.2017 18:21 
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DAS GEHEIMNIS VOM BERGSEE

● DAS GEHEIMNIS VOM BERGSEE / DAS MÄDCHEN MIT DER PEITSCHE (D|CH|F|1952)
mit Lil Dagover, Harriet Gessner, Fredy Scheim, Marcelle Géniat, Ann Berger, Michel Barbey und Howard Vernon
eine Produktion der Aidal Beaujon-Film | Films Monopole | Karpat-Film | Tempo-Film | im Verleih der Donau Film
ein Film von Jean Dréville


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»Ich hab das Leben satt hier!«

In einem idyllischen Schweizer Bergdorf lebt die junge Angelina (Harriet Gessner), von der niemand weiß, dass sie ein dunkles Geheimnis mit sich herumzutragen hat. Aufgrund einer komplizierten Erbschaftsgeschichte ist sie nämlich gezwungen, den Leuten eine falsche Identität vorzuspielen, da ihre Mutter Lamberta (Lil Dagover) die Weichen so gestellt hat, dass jeder das Mädchen nur als den Jungen namens Pietro kennt. Auf Angelina liegt daher eine schwere Last und eines Tages kommt der Zeitpunkt, an dem die gesamte Maskerade aufzufliegen droht, da sie in berüchtigte Schmugglerkreise hineingerät. Um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen, soll sie schließlich auf ein Internat gehen, doch alles ändert sich schlagartig, als sie einen jungen Mann kennenlernt...

In jenen Jahren konnten Geschichten rund um düstere Geheimnisse in einer idyllischen Bergkulisse noch viele Zuschauer ansprechen, allerdings bekommt man mit Jean Drévilles Drama keinen konventionellen Heimatfilm geboten, wie er vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Für das Produktionsjahr 1952 zeigen sich eine Reihe von ungewöhnlich deutlichen Aufnahmen rund um Nacktheit und Freizügigkeit, außerdem durften Intrigen und zwielichtige Personen nicht fehlen, um dem Film ein unkonventionelles Profil zu verleihen, das sich im weiteren Verlauf allerdings beinahe vollkommen verliert. Die Literaturverfilmung entstand in Co-Produktion dreier Länder und für den französischen Markt wurde eine separate Version mit einigen, vor allem bei den Hauptrollen, unterschiedlichen Darstellern abgedreht. Die Atmosphäre bildet sich durch herrliche Aufnahmen in den Schweizer Bergen, der Integration von besonderen Charakteren und der Tatsache, dass bedrohliche Elemente einige Phasen dominieren. Ein Geflecht aus Lügen sorgt für Dramatik und Spannung, wenngleich derartige Anflüge natürlich relativ gewertet werden müssen, um den empfindlichen Zuschauer nicht zu sehr zu strapazieren. Konventionen und Traditionen verschärfen die Situation der Hauptperson, die aufgrund ihres Fluchttriebes in Schmugglerkreise gerät, sodass sich über diesen Inhalt eine ganz herkömmliche Haupthandlung entfalten kann, die bekannt aus diversen Heimatfilmen ist. Das ganz große Plus dieser Produktion sind bestimmt die vielen charakteristischen Aufnahmen vor der Bergkulisse und in diesem Zusammenhang entsteht nicht nur die erwähnte atmosphärische Dichte, sondern auch eine auffällige und geradezu imposante Bildgewalt.

Auf den ersten Blick erscheint der Film nicht so besetzungsstark zu sein, wie man es vielleicht aus ähnlichen Beiträgen gewöhnt ist, allerdings ist mit UFA-Legende Lil Dagover ein ganz großer Star in den Hauptrollen zu sehen. Dagover war es stets möglich, besondere Eindrücke über ihre bloße Präsenz aufzubauen, was hier nicht anders ist. Die erste Begegnung mit Lamberta findet in einer relativ spartanisch eingerichteten Berghütte statt und ihr Erscheinungsbild beißt sich doch sehr mit dem des Ambientes, da Lil Dagover wie gewöhnlich eher wie eine Königin aussieht und sich auch dementsprechend hoheitsvoll und gebieterisch verhält. Erneut findet ein starker Distanzaufbau über ihre Person statt, was sich nicht nur in ihren Gebärden widerspiegelt, sondern vor allem in der Tatsache, dass sie die Protagonistin in einem jahrelangen Würgegriff hält, dessen Basis eine designierte Erbschaft sein soll. Die große darstellerische Überraschung ist sicherlich Harriet Gessner, deren unverbrauchtes und glaubhaft wirkendes Schauspiel dem Film einen besonderen Stempel aufdrücken kann. In ihren Augen spiegelt sich die notwendige Dramatik genauso wie die immer wieder aufblitzende Lebensfreude, jedoch muss der Verlauf das Schicksal erst einmal ordnen. Erwähnenswert ist noch der Auftritt von Howard Vernon in der Nebenrolle des zwielichtigen Schmugglerwirts, außerdem sind die Leistungen der restlichen Darsteller durch die Bank überdurchschnittlich gut gelungen. Jean Dréville stattet seinen inszenatorisch einwandfreien Film unterm Strich mit zahlreichen progressiven Untertönen aus, die in Heimatfilmen vielleicht nicht alle Tage zu finden waren, jedoch grenzt sich "Das Geheimnis vom Bergsee" insgesamt gesehen nicht grundlegend von der Konkurrenz ab. Für Nostalgiker.


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS GEHEIMNIS VOM BERGSEE - Jean Dréville
BeitragVerfasst: 10.05.2017 18:53 
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Hier noch der Trailer und ein paar bewegte Eindrücke zum Film:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS GEHEIMNIS VOM BERGSEE - Jean Dréville
BeitragVerfasst: 10.05.2017 22:07 
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Was Howard Vernon so alles gemacht hat.

Meine Eltern und Großeltern waren einst den Heimatfilmen verfallen. Vielleicht auch einer der Gründe warum ich dem Genre niemals eine Chance geben wollte. Mittlerweile interessieren diese Filme nur noch eine kleine Randgruppe, was dieses Genre schon fast rebellisch erscheinen lässt. Ich glaube ich werde mir demnächst mal ein wenig vom Heimatstoff der 1960er geben.

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 Betreff des Beitrags: Re: DAS GEHEIMNIS VOM BERGSEE - Jean Dréville
BeitragVerfasst: 11.05.2017 16:42 
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sid.vicious hat geschrieben:
Ich glaube ich werde mir demnächst mal ein wenig vom Heimatstoff der 1960er geben.

VIA MALA, mit u.a. Gert Fröbe und Christine Kaufmann. Stellenweise böse, über lange Strecken sehr düster, ein Gert Fröbe in absoluter Hochform - Der dürfte was für Dich sein. Schwere Empfehlung meinerseits!

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS GEHEIMNIS VOM BERGSEE - Jean Dréville
BeitragVerfasst: 11.05.2017 19:33 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
sid.vicious hat geschrieben:
Ich glaube ich werde mir demnächst mal ein wenig vom Heimatstoff der 1960er geben.

VIA MALA, mit u.a. Gert Fröbe und Christine Kaufmann. Stellenweise böse, über lange Strecken sehr düster, ein Gert Fröbe in absoluter Hochform - Der dürfte was für Dich sein. Schwere Empfehlung meinerseits!


Davon kenne ich bisher nur das gute Remake (den Dreiteiler). Ich danke dir.

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 Betreff des Beitrags: Re: DAS GEHEIMNIS VOM BERGSEE - Jean Dréville
BeitragVerfasst: 12.05.2017 11:43 
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sid.vicious hat geschrieben:
Was Howard Vernon so alles gemacht hat.

Howard Vernon hatte ja schon recht früh ein Abonnement für düstere Charaktere, aber ich finde, dass es ihm meistens gut möglich war, Variationen und Finessen anzubieten. Vielleicht ging das in späteren Produktionsjahren doch ein bisschen verloren, insbesondere unter Jess Franco. Howard Vernon habe ich tatsächlich erstmals in einem deutschen Film gesehen, und zwar in Fritz Langs "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse", als Killer und perfides Werkzeug der Titelfigur. Deswegen dachte ich mir damals schon, was er alles so gemacht hat, eben nur in die umgekehrte Richtung. Wie dem auch sei, er ist jedenfalls immer gerne gesehen!



sid.vicious hat geschrieben:
Meine Eltern und Großeltern waren einst den Heimatfilmen verfallen. Vielleicht auch einer der Gründe warum ich dem Genre niemals eine Chance geben wollte.

Ich kenne auch zahlreiche Heimatfilme wegen meiner Großmutter. Für sie habe ich die immer im laufenden Programm herausgesucht und Bescheid gegeben, wenn etwas in dieser Richtung kam. Die habe ich dann auch ziemlich oft mit geschaut, vielleicht weniger wegen der Filme an sich, obwohl es da wirklich gute Vertreter gibt, sondern weil ich durch sie immer sehr viel über Filme und Schauspieler dieser Dekaden und insgesamt berichtet bekam. Naja, bestimmt waren Klatsch und Tratsch, Märchen und Legenden mitunter auch dabei. Mit Zeitzeugen unterhalte ich mich auch heute noch sehr gerne, falls mir denn welche in die Hände fallen. :mrgreen:



Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
VIA MALA [...] Schwere Empfehlung meinerseits!

Da schließe ich mich natürlich an. Womöglich einer der Besten seiner Gattung.


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