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 Betreff des Beitrags: DEAD PET - Kevin Cotteleer
BeitragVerfasst: 02.09.2017 12:23 
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Dead Pet
USA 1999 - Written & Directed by Kevin Cotteleer
Starring: Kevin Cotteleer, Gina Doctor, Cliff Curry, Justine Melman, Brian Sostek, Amy Cotteleer...


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Mit Billigproduktionen wie Mega Piranha, Battle of Los Angeles, Abraham Lincoln vs. Zombies, Atlantic Rim, Avengers Grimm und den Sharknado-Filmen hat sich die amerikanische Produktionsfirma The Asylum einen Namen gemacht. Mehr noch, The Asylum ist zu einer Marke geworden. Liest man den Namen in den Credits, so weiß man in der Regel, worauf man sich einläßt. Auf die Schnelle hingerotzte, CGI-lastige Genrefilme, die im Fahrwasser von Big-Budget-Hollywood-Produktionen schwimmen, um die Gunst der Stunde auszunutzen (Fachbegriff: Mockbuster), oder billig heruntergekurbelte, CGI-lastige Genrefilme, die verkrampft versuchen, immer neue Höhen an bizarrer Blödheit zu erklimmen, liebloser Trash um des Trashs willen, in der Hoffnung, auf diese simple Weise nicht nur viel Geld zu scheffeln, sondern auch Kultstatus bei den Fans zu erringen. Nicht zuletzt dank Sharknado ist die Rechnung aufgegangen. Doch das war nicht immer so. Es gab ein The Asylum vor dem The Asylum, wie wir es heute kennen, lieben oder hassen, bewundern oder verachten, fürchten oder belächeln, ignorieren oder... whatever. Ja, in den 1990er-Jahren war The Asylum noch eine mehr oder weniger ambitionierte Filmproduktions- und Vertriebsfirma. Keine durch die Lüfte wirbelnden Haie weit und breit, stattdessen - man mag es kaum glauben - gute, "normale", sympathische Filme.

Einer davon ist Dead Pet, eine schräge Dramödie von und mit dem 1975 geborenen Kevin Cotteleer. Jake Thompson (Cotteleer) ist der Stolz von Suburbia. Der junge Mann ist ungemein beliebt, er ist einer der Besten im Harvard-Junior-College, seine Erfolgslaufbahn scheint vorprogrammiert. Doch als er in den Ferien zu seinen Eltern nach Hause kommt, nimmt das Drama seinen Lauf. Es beginnt damit, daß seine Eltern ihn vom Flughafen nicht abholen und er den weiten Weg zurück autostoppen muß. Damit nicht genug wird er gleich nach seiner Ankunft damit konfrontiert, daß Papa (Larry Dirk) und Mama (Daisy Mullen) sein Collegegeld und seine Wertsachen (zumindest die, die sich zu Geld machen ließen) in ihren geliebten Pudel Miko gesteckt haben. Die Töle hatte nämlich dringend eine komplizierte, nicht gerade billige Operation nötig, was Jake wie folgt kommentiert: "But what do my parents, who love me so much, what do they do? They spend my future, and my money, on a goddamned, piss-everywhere, blind, stinking, thirteen-year-old dog!" Dann geht es Schlag auf Schlag. Bei einer Party segnet der Köter unglücklicherweise das Zeitliche, was sich auch noch wie ein Lauffeuer verbreitet, sodaß Jake von der gesamten Nachbarschaft gehaßt wird. Seine Eltern sind untröstlich, er landet im Knast, mit Freundin April (Gina Doctor) läuft es auch nicht so tolle, und der neue Job als Vertreter von Qualitäts-Messer-Sets ist ein echter Alptraum!

Dead Pet ist ein Schmunzelfilm. Zwar sind drei oder vier echte Brüller dabei, bei denen man ein lautes Lachen kaum unterdrücken kann, aber ansonsten sind die Geschichte und der Film so angelegt, daß zufriedenes, amüsiertes Schmunzeln angesagt ist. Jakes Wandlung von Everybody's Darling zum verhaßten Loser ist köstlich, wobei sich die Situation immer weiter verschlimmert. Jake scheint nichts mehr zu gelingen, alles läuft schief, das Pech klebt an ihm wie Hundescheiße an einer Schuhsohle. Cotteleer verzichtet dabei auf groteske Übertreibungen. Natürlich ist Jakes Leidensweg ein klein wenig überzeichnet, aber nie so weit, daß das Szenario unrealistisch wird. Es mag nicht allzu wahrscheinlich sein, daß einer Person all diese unguten Dinge zustoßen, aber es ist ganz bestimmt nicht unmöglich. Meist sind es sowieso kleine, harmlose Sachen, die sich zu ausgewachsenen Katastrophen hochschaukeln. Da findet Jake zum Beispiel auf der Straße einen Dollar, will damit ein Glückslos kaufen und scheitert an der Verkäuferin, die sich beharrlich weigert, ihm ohne gültiger ID eines zu geben. Der Schlagabtausch artet fast zu einer Rauferei aus, und Jake landet (mal wieder) hinter schwedischen Gardinen. Seine Freunde stehen zwar immer hinter ihm, aber positiv wirkt sich das eher selten aus, sind die doch allesamt Säufer, Kiffer und/oder Diebe. Daß einer der Kumpels z. B. eine Prügelei mit einem Clown anzettelt, dafür kann er nun wirklich nichts.

Zu den Highlights des launigen, angenehm schrulligen Independent-Streifens zählen die Szenen rund um die Vertreterfirma Matador. Cotteleer scheint sich in dieser Branche bestens auszukennen, beweist ein gutes Auge für Absurditäten und zieht die fast schon sektenähnlich strukturierte Firma so gekonnt wie genüßlich durch den Kakao. Herrlich, wie unser Antiheld, der keinen Abschluß zustande bringt, einerseits gedemütigt, andererseits mit lächerlichen Slogans motiviert wird ("The phone is your friend!"). Daß Dead Pet funktioniert, liegt vor allem an der sympathischen Hauptfigur, mit der das Publikum mitleiden kann. Jake ist einfach ein netter Typ, der einzige Normale in einer immer chaotischer werdenden Welt. Es sind die schrägen Situationen, mit denen er konfrontiert wird, die diversen Charaktere, die fast alle gewisse Ticks und Spleens haben, sowie die spritzigen Dialoge, die Cotteleer den Figuren in den Mund legt, welche den Film so amüsant und kurzweilig machen. Da es sich bei Dead Pet um eine sehr billige Indie-Produktion handelt, muß man aus technischer und schauspielerischer Sicht einige Abstriche in Kauf nehmen. Das Budget des Filmes war wohl nur unwesentlich über dem Nullpunkt angesiedelt, und dieser Umstand ist auch nicht zu übersehen. Aber wie wir alle wissen gibt es gewisse Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann. Can't Buy Me Love sangen 1964 schon The Beatles. Ebenso wenig sind Leidenschaft, Herzblut und Talent mit Geld aufzuwiegen, wie Kevin Cotteleer mit Dead Pet einmal mehr beweist.

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