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 Betreff des Beitrags: THE UGLY - Scott Reynolds
BeitragVerfasst: 10.09.2017 16:45 
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THE UGLY
(Neuseeland 1997)

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Paolo Rotondo - SIMON CARTWRIGHT / Rebecca Hobbs - DR. KAREN SCHUMAKER
Jennifer Ward-Lealand - EVELYN CARTWRIGHT / Roy Ward - DR. MARLOWE
Vanessa Byrnes - JULIE (25 Jahre)

Regie: SCOTT REYNOLDS

Laufzeit ca. 90 min

FSK ab 18 Jahren

Dr. Karen Schuhmaker ist eine erfolgreiche Psychologin, die sich eines Tages in eine private psychiatrische Anstalt begibt, da einer der Insassen ein neues Gutachten für sich anforderte. Dieser jemand ist Simon Cartwright, ein Serienkiller, der ca. 5 Jahre hinter Gittern sitzt. Seine zuständigen Pfleger schikanieren und schlagen ihn des öfteren. Dabei sehen diese Pfleger auch nicht wie Pfleger aus denn sie tragen abgewetzte Kleidung, sehen auch sonst ungepflegt aus und wirken mit ihrem Verhalten gemein und sadistisch. Simon hat Karen um Hilfe gebeten. Er will ein Gutachten, das ihm seine Heilung attestiert. Gegen den Willen des seltsamen Anstaltsleiters Dr. Marlow, beginnen die beiden nun die Gespräche, wobei sie von ihm durch eine Spiegelwand beobachtet werden.

Karen gelingt es rasch zu Simon vorzudringen und sie hofft im laufe ihrer Unterhaltung die Wahrheit herauszufinden. Warum er getötet hat und ob er es wieder tun würde? Karen ist ziemlich hartnäckig und ihre Fragen wecken widerum schlechte Erinnerungen und längst besiegt geglaubte Dämonen in Simons Vergangenheit. Es werden bekanntlich Psychogramme mit Verhaltensmustern von Massenmördern erstellt, doch Simon passt widerum in kein Schema, da er wahllos tötete. Junge Mädchen, reifere Frauen, Männer, kleine Jungs ect. Dabei benutzte er ein Rasiermesser oder Skalpell. Auch behauptet er, das er gerne gemordet hat. Wenn Simon sich im Spiegel wahrnimmt, so sieht er jedesmal, das eine Gesichthälfte von ihm entstellt ist. Er selbst schaut normal und eher angenehm aus, aber der Häßliche im Spiegel nicht. Auf der anderen Seite beteuert Simon gegenüber Karen, das ihm die Tötungen befohlen worden sind und zwar von den Besuchern, deren Stimmen er jedesmal hörte. Dabei sah er auch die Besucher, bei denen es sich um all seine Opfer handelte. Die Stimmen verstummten erst, wenn er es wieder getan hatte. Simon mußte töten. In Karen wachsen bei all dem allmählich Zweifel und so langsam dringen Simons Obsessionen nun auch in ihre Welt ein. Anfangs wurde sie von einer Mitpatientin davor gewarnt, aber Karen ist ehrgeizig und glaubt erfahren genug zu sein. Die Suche nach der Wahrheit und das ganze Gespräch verwandelt sich in ein tödliches Duell, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.

Bild

Dieser Film von Scott Reynolds existiert auf verschiedenen Erzählebenen, nämlich in der Gegenwart und der Vergangenheit. Die Rückblenden nehmen hier auch einen großen Raum ein, wobei die Gegenwart zunehmend mit eingebunden wird und alles sogar zu einer Erzählebene verschmelzt. Wir sehen Karen und Simon am Anfang des gemeinsamen Gesprächs und seine Erinnerungen sind während des Interviews noch stark in der Gegenwart behaftet. Man sieht z.B. wie Siomn sein erstes Opfer in einer Nachtbar kennenlernt, wie er sich später das erste mal in seine frühere Schulkamaradin verliebt usw. und dabei wird Karen direkt in die Erinnerungen des Serientäters integriert. Karen ist als Erscheinung somit nur für Simon bzw. in dessen Erinnerungen sichtbar. Karen steht oder sitzt neben ihn, während er seine Vergangenheit durchlebt und sie weiter ihre nüchternen hartnäckigen Fragen stellt. Oder auch später, wenn andere Kinder damals, Simon als Kind ständig schikanierten, sie aus dem Bild rennen und Simon betritt nun als erwachsener Mann eben jenen Ort. Dazu damals, Regisseur Scott Reynolds, Zitat:

"Ich dachte an einen Serienkiller - dieser Typ muß krank sein, er erzählt von seinen heimlichen Verbrechen. Ich wollte etwas, das ihn dazu bringt, das, was er getan hat, während des Erzählens noch einmal zu erleben. Ich entschied mich, Erinnerung und Gegenwart zu vermischen. Mitten in seinen Flashbacks springen Figuren aus der Gegenwart ins Geschehen. Im Film kann so etwas gut funktionieren. Oft sind Filmemacher sehr zurückhaltend, was das angeht, aber ich denke, daß es besser ist, Risiken einzugehen statt ängstlich zu sein. Und was THE UGLY angeht, sind wir eine Menge Risiken eingegangen."

Übermächtig in seinen Erinnerungen erscheint hier die Mutter. Offenbar so übermächtig, das selbst Karen in in seinen Erinnerungen/Rückblenden nicht dabei anwesend ist. Diese war launisch, jähzornig, bekam ihre Wutanfälle und Simon wurde oft geschlagen. Selbst als sie ihn mal liebevoll in den Arm nahm, wurde es in der nächsten Sekunde anders. Sie stieß ihn zu Boden und er solle auf sein Zimmer gehen. Eine gute Kindheit sieht anders aus.

Wie sich die Zeiten hier überschneiden ist visuell einfach großartig gemacht, da fließend und die Wirkung ist dadurch umso intensiver. Auch farblich ist der Film sehr schön gestaltet worden. Hier dominieren u.a. kühles Neonblau und Rot, wobei das viele Blut hier widerum schwarz ist und somit eine gewisse visuelle Symbolik für das Böse im Menschen darstellen könnte. Vielleicht ist aber auch folgende Metapher von Bedeutung:

Schwarz ist die Farbe vom Tod
Rot ist die Farbe vom Blut
wenn es fließt, droht der Tod
und deswegen ist das Blut hier
schwarz und nicht Rot!


Bild Bild
Kann Karen, Simon vertrauen / Karen und Simon im Gespräch

THE UGLY ist außerdem weniger interessiert an Blutrausch und sonstigen Schlitzermotiven, als vielmehr an der Nähe zu diversen psychologischen Wahrheiten und das gibt den sowieso schon hervorragenden Darstellern einen zusätzlichen beweglichen Spielraum, den sie auch alle sehr gut zu nutzen wissen. Die hübsche Rebecca Hobbs gefällt mir und sie ist intensiv und überzeugend. Ebenso Paolo Rotondo, der hier als Massenmörder jugendhaft und sogar angenehm, fast rührend mit seiner Erscheinung wirkt.

Die Gewalt in diesem Film ist trotz allem nicht zurückhaltend und wird konsequent dargestellt. Der Film hat eine gewisse Aura und die Atmosphäre ist hier unterkühlt. Auch seine Bildsprache ist wenig zimperlich, dabei komplexer und man sollte keinen einfachen Streifen erwarten, den man sich einfach mal so zwischendurch ansieht. Ferner ist der Film in sich geschlossen und fordert den Zuschauer definitiv heraus, denn man muß sich hier konzentrieren. Viele Szenen und Dialoge haben einen tieferen Sinn, der sich vielleicht, je nach Zuschauer erst nach mehr als einer Sichtung offenbart. Ratsam erscheint es mir, sich den Film möglichst allein anzusehen, um ihn ganz konzentriert ohne Störungen wahrzunehmen. Man wird mit einem krassen, aber auch wunderbaren und faszinierenden Filmerlebnis belohnt.

Fazit: Dies alles zusammen genommen ergibt einen Serienkillerfilm, der sich von anderen damaligen Streifen mit ebensolcher Thematik wirklich unterscheidet und diese hinter sich läßt. Inhalt, Bildsprache, Kamera, Schnitt, Farben, Musik und die vorzüglichen Darsteller harmonieren aufs beste miteinander. Ich habe den Film seit damals in Abständen oft gesehen. Ein echter Geheimtip!
:good:
10/10 ungewöhnlichen Psycho- und Serienkiller Filmen :jc_doubleup:
Graf von Karnstein Bild


Anmerkung zu den DVD Veröffentlichungen:

Bild / Bild
links, die LP DVD / rechts, Splendid DVD

Sowohl die Splendid als auch Laser Paradise weisen leider den gleichen nicht anamorphen Bildtransfer auf. Bei der im Grunde guten Bildqualität ansich sehe ich keine großartigen Unterschiede, obwohl ich mir zumindest einbilde, das die Splendid ein wenig besser ausschaut :jc_hmmm: Man kann es sich beim Flachbildschirm auf 14:9 heran zoomen und schaut immer noch gut aus. Das Format ist hier bei beiden ca. 1:66/1:78, aber kein 1:85, wie es auf der Coverrückseite angeben ist. Unterschiede sind jedoch beim Ton vorhanden. Die LP will laut Cover Dolby Digital bieten. Ist es aber nicht, sondern sowas wie Monoton, den man auf zwei Kanäle verteilt hat. Die Splendid hingegen bietet guten Stereoton in 2.0 und 5.1 Ton, wobei hier diesmal der 5.1 Kanalton akustisch Sinn macht und der Film dadurch zusätzlich zum besseren Hörgenuss wird. Wird auch mal Zeit, das diese neusseländische Psychothriller-Perle in HD auf Bluray erscheint. :)

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Zuletzt geändert von Graf von Karnstein am 11.09.2017 14:08, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: THE UGLY - Scott Reynolds
BeitragVerfasst: 10.09.2017 16:52 
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Das Fehlen des O-Tons hat mich abgeschreckt die Splendid oder LP Veröffentlichung zu kaufen.


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 Betreff des Beitrags: Re: THE UGLY - Scott Reynolds
BeitragVerfasst: 10.09.2017 17:11 
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Wirklich ein sehr guter Film und ein echter Geheimtipp, da den wirklich kaum jemand kennt. Hat damals auch ganz miese Kritiken bekommen - vollkommen grundlos in meinen Augen.

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 Betreff des Beitrags: Re: THE UGLY - Scott Reynolds
BeitragVerfasst: 10.09.2017 18:15 
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giant_claw hat geschrieben:
Das Fehlen des O-Tons hat mich abgeschreckt die Splendid oder LP Veröffentlichung zu kaufen.

Was die Synchro angeht, kann ich zumindest eine Entwarnung geben. Die ist sehr gut und sorgfältig gemacht
worden. Die Sprecher passen hier wunderbar :dh:

DJANGOdzilla hat geschrieben:
Wirklich ein sehr guter Film und ein echter Geheimtipp, da den wirklich kaum jemand kennt. Hat damals auch ganz miese Kritiken bekommen - vollkommen grundlos in meinen Augen.

Der lief damals sogar mal im Kino. Allerdings hatte den nur ein kleiner Verleih namens NIL FILM verliehen.
Ende November 1997 startete The Ugly im Kino. Allerdings müßen es kleine Kinos gewesen sein und
anscheinend lief der nur in bestimmten Städten bzw. in deren Kleinkinos. Groß raus, kam der jedenfalls nicht. Naja, wenn der nicht mehr bei Splendid liegen sollte, dann kann sich vielleicht mal eines unserer Nischenlabels
dieser Filmperle mal annehmen.

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 Betreff des Beitrags: Re: THE UGLY - Scott Reynolds
BeitragVerfasst: 16.09.2017 12:31 
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Ich habe den zuletzt zu VHS-Zeiten gesehen, aus der Videothek geliehen. Ich weiß zwar keine Einzelheiten mehr, aber ich weiß noch, daß ich den Streifen toll und ziemlich packend fand. Und das dunkle, fast schwarze Blut verlieh ihm ein ungewöhnliches, verstörendes Flair. Danke für die Filmvorstellung, lieber Graf. Den muß ich echt mal wiedersehen!

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