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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: WALHALLA RISING - Nicolas Winding Refn
BeitragVerfasst: 03.08.2014 09:55 
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Walhalla Rising
Valhalla rising
Dänemark/Großbritannien 2009
Regie: Nicolas Winding Refn
Mads Mikkelsen, Jamie Sives, Gary Lewis, Alexander Morton, Ewan Stewart, Andrew Flanagan, Gary McCormack, Gordon Brown, Callum Mitchell


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Irgendwann in einer barbarischen Zeit, irgendwo in einem rauem Land, sitzen Männer zusammen und schauen zum Zeitvertreib zu, wie ein stummer einäugiger Krieger (Mads Mikkelsen) in gnadenlosen Kämpfen andere Krieger zu Matsch zerschlägt. Zwischen den Kämpfen sitzt der Einäugige in einem Käfig, er wird wie ein Tier gehalten und wie ein Tier gefüttert. Außerhalb des Käfigs wird er an Stöcken auf Distanz gehalten, wie eine gefährliche Bestie. Wenn er den Käfig verlassen kann, dann nur um zu töten oder sich gelegentlich zu waschen.
Bei einem Bad in einem Teich findet er eine abgebrochene Pfeilspitze. Beim nächsten Transport in ein anderes Dorf, sein Besitzer hat ihn verkauft, kann sich der Einäugige befreien. Zusammen mit einem Jungen schließt er sich einer Gruppe christlicher Wikinger auf ihrem Weg nach Jerusalem an, das Heilige Land zu befreien. Ihre tagelange Fahrt durch dicken Nebel wirkt wie ein bewegungsloses Gleiten durch eine sargassische See, bis sie nach Tagen oder Wochen der Irrfahrt im gelobten Land ankommen. Doch das gelobte Land entpuppt sich als alles andere als gelobt, vielmehr ist es die Hölle, und es scheint als ob der Einäugige nach Hause zurückgekehrt ist.

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Ein roher, ein mythischer Film. Kein Film für den gängigen Sehgeschmack (wie so oft bei Refn), und kein Film zum „Mal-eben-schnell-konsumieren“. Zum einen setzen sich die Bilder fest – sowohl die krassen Bilder der harten Gewaltdarstellung, wie auch die überwältigenden Bilder der gigantisch schönen Landschaft Schottlands. Zum anderen ist die Handlung, wenn man sie so überhaupt nennen darf, sehr rudimentär. Da der Einäugige nicht spricht und sich somit auch nicht erklärt, sondern seine Handlungen von seinem jugendlichen Begleiter interpretiert werden, ist auch für den Zuschauer nicht immer alles vorgekaut. Wie man in einen Teich hineintaucht und die Oberfläche über sich zusammenschlagen lässt, so sollte man sich auch in WALHALLA RISING hineinfallen und treiben lassen und wachen Sinnes aufnehmen was einem entgegen treibt.

Und dann ergibt dieses grob strukturierte Handlungsgerüst auch einen Sinn. Aufgeteilt in die einzelnen Kapitel des Films, Zorn – Der stille Krieger – Männer Gottes – Das Heilige Land – Hölle – Das Opfer, wird der Einäugige sukzessive menschlicher in seiner Darstellung und seiner Handlungsweise. Wird uns der Kämpfer zu Beginn als Gott des Krieges und des Todes vorgestellt, für den Blut und Gewalt Alltag sind, so sehen wir im weiteren Verlauf seinen Weg zum Menschsein, zur eigenen Sterblichkeit, und wieder zurück zur Gottheit. Und wenn er diese Metamorphose durchlaufen hat, dann ist er kein quasi unsterblicher und mythischer Todesgott mehr, sondern vielmehr einer, der sein Leben für seinen Begleiter hingibt und sich somit als Gott der Liebe zeigt. Und damit erzählt Refn sehr wohl eine Geschichte nach dem klassischen Erzählmuster Beginn – Veränderung – Ende, nur vielleicht ein wenig versteckter als heute üblich.

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Natürlich polarisiert WALHALLA RISING das Publikum. Die einen langweilen sich gnadenlos und schreien nach mehr Action, die anderen goutieren die wunderschönen Landschaftsaufnahmen und sind abgestoßen von der Gewalt. Ich vermute mal, dass die Gruppe derjenigen, die hier eine Einheit zwischen Tarkowksi und VIKINGS, zwischen Arthouse und Slasher wiederfinden, dass diese Gruppe recht klein ist. Und allein dafür, dass Refn den Mut hat solche sperrigen Filme zu drehen, allein dafür gehört er belohnt. Wie gesagt, in den Film eintauchen wie in einen Teich und ihn über sich zusammenschlagen. Alle Grenzen hinter sich lassen, in eine andere Welt tauchen, sich treiben lassen, und mit Eindrücken belohnt werden die das (moderne) Durchschnittskino schon lange nicht mehr bieten kann.

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9/10

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: WALHALLA RISING - Nicolas Winding Refn
BeitragVerfasst: 03.08.2014 10:16 
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Keine Ahnung was ich von diesem Film halten soll, ich gehöre zu denen sie sich mehr Action wünschen, fühlte mich aber dennoch nie gelangweilt. Bewertung spar ich mir

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 Betreff des Beitrags: Re: WALHALLA RISING - Nicolas Winding Refn
BeitragVerfasst: 05.09.2016 21:07 
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Ein Fest für die Sinne. Ich habe grandiose Bilder gesehen. Wer weiß wie viele Drogen man sich einpfeiffen muss um so etwas zu sehen. Grandiose und erschlagende Bildkompositionen. Geiler Film.

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 Betreff des Beitrags: Re: WALHALLA RISING - Nicolas Winding Refn
BeitragVerfasst: 05.09.2016 21:11 
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Seit DRIVE und ONLY GOD FORGIVES sehe ich Nicolas Winding Refn als Regie Gott. NEON DEMON setzt dem noch die Krone auf.
Wenn ich nun ganz ehrlich bin, habe ich WALHALLA RISING damals bei Erscheinen auf Blu-ray gekauft, mir ungefähr 10 Minuten angesehen und wieder abgeschaltet. Danach habe ich die Disc verkauft.
Nun haben wir 2016 und ich kenne 3 Filme des Regisseurs, die ich als Meisterwerke empfinde und glaube ich sollte WALHALLA eine weitere Chance geben.
Danke für die Erinnerung!


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 Betreff des Beitrags: Re: WALHALLA RISING - Nicolas Winding Refn
BeitragVerfasst: 06.09.2016 00:53 
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italo hat geschrieben:
Seit DRIVE und ONLY GOD FORGIVES sehe ich Nicolas Winding Refn als Regie Gott. NEON DEMON setzt dem noch die Krone auf.
Wenn ich nun ganz ehrlich bin, habe ich WALHALLA RISING damals bei Erscheinen auf Blu-ray gekauft, mir ungefähr 10 Minuten angesehen und wieder abgeschaltet. Danach habe ich die Disc verkauft.
Nun haben wir 2016 und ich kenne 3 Filme des Regisseurs, die ich als Meisterwerke empfinde und glaube ich sollte WALHALLA eine weitere Chance geben.
Danke für die Erinnerung!


Defenetiv. Habe mir letzt die Aufnahme auf ZDF.Kultur angeschaut. Bei dem wirklich imposanten, bildgewaltigen Werk fand ich nur das riesige "ZDF.Kultur HD" etwas störend. Dabei stören mich Senderlogos sonst kaum.

Ein Atmosphäre-Hammer. Definitiv was ganz anderes als der übliche Wikinger-Film. Eher ein italo-western/kunst-film im Wikinger-Gewand.

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 Betreff des Beitrags: Re: WALHALLA RISING - Nicolas Winding Refn
BeitragVerfasst: 28.09.2017 21:02 
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Nach zwei TV-Sichtungen erfolgte heute meine erste Bluray-Sichtung von Nicolas Winding Refns großartigen „Walhalla rising“.

Ein, in die Etappen „Zorn“, „Stummer Krieger“, „Männer Gottes“, „Das Heilige Land“, „Hölle“ und „Das Opfer“ gegliedertes und von archaischer Brachialgewalt begleitetes Wikingerepos, dessen Bildkompositionen den Rezipienten verschlingen, ihn in eine andere Welt entführen und dabei kontinuierlich konsequent an dessen sechsten Sinn appellieren.

Die Hauptfigur, Einauge, wirkt als ein irdischer Vertreter des Gottes Odin, der sein Auge opferte, um Weisheit zu erlangen. Als ein unverwundbarer Kämpfer seiner eigenen Religion tritt Einauge den emotionslosen Kampf gegen das Christentum an, um letztendlich einer anderen Kultur und Glaubenswelt zu unterliegen.

Das ist ganz großes Kino.

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