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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Re: Norimberga Violenta - Festival des italienischen Polizeifilms
BeitragVerfasst: 18.09.2017 14:28 
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Der Festival-Sonntag startet mit:

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"Ein Mann geht aufs Ganze"
(L'assassino... è al telefono)
Italien/Belgien 1972 | 90 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:2,35)

Regie: Alberto De Martino
Darsteller: Telly Savalas, Anne Heywood, Osvaldo Ruggieri, Giorgio Piazza, Willeke van Ammelrooy, Rossella Falk
Musik: Stelvio Cipriani

Frisch an der belgischen Nordseeküste angekommen, erlebt die Theaterschauspielerin Eleanor (Anne Heywood) eine traumatische Begegnung mit einem Unbekannten (Telly Savalas) und sinkt nach einem Ohnmachtsanfall zu Boden. Wieder aus der Bewusstlosigkeit erwacht, muss sich der Bühnenstar fortan mit einer hartnäckigen Amnesie herumplagen, welche sämtliche Erinnerungen der letzten fünf Jahre in ihrem Kopf erlöschen ließ. In dem Glauben, ihr verstorbener Liebhaber Peter (Roger Van Hool) sei noch am Leben, misstraut sie ab sofort jeden, der sie vom Gegenteil überzeugen möchte. Dennoch mag so vieles nicht ganz so recht zusammenpassen: Wieso leidet Eleanor plötzlich an Gedächtnisschwund? Gibt es einen Grund für Peters Verschwinden? Sind ihre Freunde und Familie nur darin versucht, sie verrückt zu machen? Und warum scheint der glatzköpfige Fremde ihr unnachgiebig nach dem Leben zu trachten?

Ein paranoider Krimi mit Anne Heywood und Telly Savalas in den Hauptrollen, gedreht im wunderschönen Ostende, verzaubert mit den verträumten Klängen eines Stelvio Cipriani und unter der Fuchtel von Regie-Tausendsassa Alberto De Martino eindrucksvoll vom großartigen Aristide Massaccesi am Objektiv eingefangen – mehr Namedropping geht beim besten Willen nicht mehr!

„Ein Mann geht aufs Ganze“ – ein derartig unpassender Titel aus der deutschen Filmverleih-Schmiede, der die folgenden 90 Minuten zudem ins völlig falsche Licht zu rücken droht – ist ein leckerer Snack aus der breiten Riege des italienischen Thriller-Sujets geworden, der in allererster Linie bei Zuschauern punkten kann, denen ein entschleunigter Story-Aufbau vor keine größeren Überwindungen stellt, denn spektakulär dürfte ein Adjektiv sein, welches in keinster Weise auf De Martinos Werk zutreffen wird. Aber aus diesem vermeintlichen Manko zieht „L'assassino... è al telefono“ letztendlich dennoch seine Stärken und spinnt sein Netz aus Irrungen und Wirrungen gekonnt, währenddessen die gesamte Atmosphäre rund um Brügge zum Schwelgen animiert und man in Verbindung mit Ciprianis eingängiger Klangmuster sofort mit offenen Augen schlafwandeln möchte, sofern man nicht den tückischen Fehler mittels Irritation der eigenen Erwartungshaltung begeht, denn hier wird keinesfalls im Alleingang gegen die Unterwelt rebelliert oder gnadenlos per Dauerfeuer mit etwaigen Schergen abgerechnet, auch wenn freilich hin und wieder ein paar Akteure unfreiwillig ins Gras beißen müssen. Viel mehr bewegt sich De Martinos unüblicher Genrebeitrag auf psychologischer Ebene – getragen vom undurchsichtigen Schauspiel der einstigen Miss Great Britain – anstatt im ständigen Takt auf die Pauke zu hauen.

(Tobias Reitmann)

Sonntag, 05.11., 14:00 Uhr
inkl. Trailershow

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 Betreff des Beitrags: Re: Norimberga Violenta - Festival des italienischen Polizeifilms
BeitragVerfasst: 04.10.2017 15:41 
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Zeit für den Abschlussfilm unserer Festivals:

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"Höllenhunde bellen zum Gebet"
(Con la rabbia agli occhi)
Italien 1976 | 98 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,85)

Regie: Antonio Margheriti
Darsteller: Yul Brynner, Massimo Ranieri, Barbara Bouchet, Martin Balsam, Salvatore Borghese, Luigi Bonos
Musik: Guido & Maurizio De Angelis

Der pensionierte Auftragskiller Peter Marciani (Yul Brynner) schippert nach einem Hinweis auf die Mörder seines Bruders von New York nach Italien um dort furchtbare Rache zu nehmen. Dort trifft er auf den jungen Angelo (Massimo Ranieri) der ihm mit Eifer unter die Arme greifen will und bei der Suche nach den Mördern, welche sich in Kreisen der Mafia befinden, behilflich ist. Der Commissario (Martin Balsam) und seine psychisch bedingten Sehstörungen sind ihm, im Gegensatz zur bezaubernden Anny (Barbara Bouchet), hierbei verständlicherweise keine große Hilfe.

Nach Sichtung der ganz vorzüglichen Doku über das filmische Gesamtwerk von Antonio Margheriti, welche auf der "Im Wendekreis des Söldners" Blu-ray von Ascot Elite zu finden ist, habe ich endlich damit angefangen meine fehlenden Lücken in dessen Filmografie zu schließen. Margheriti hat so gut wie jedem Genre einen Besuch abgestattet, mit "Höllenhunde bellen zum Gebet" (Con la rabbia agli occhi, 1976) also auch dem Action & Crime der 70er Jahre. Die Hauptrolle hat Yul Brynner inne, damals schon im stolzen Alter von 61 Jahren, der wie viele alternde Stars des US-Kinos irgendwann den Schritt über den großen Teich wagte. Höllenhunde ist Brynners letzter Film, 1985 starb er an Lungenkrebs am selben Tage wie sein Schauspielkollege Orson Welles. Den meisten Italophilen wird er als Sabata (eigentlich Indio Black) in "Adios Sabata" (Indio Black, sai che ti dico: Sei un gran figlio di..., 1971) von Gianfranco Parolini bekannt sein. In den weiteren Hauptrollen sind der italienische Schlagerstar Massimo Ranieri, Martin Balsam (bestens bekannt aus zahlreichen Polit-Thrillern, oft unter der Regie von Damiano Damiani) und Barbara Bouchet zu sehen. Ferner geben sich Sal Borgese und Luigi Bonos in kleineren Rollen die Ehre.

Margheriti liefert uns hier einen sehr überzeugenden und dramatischen Mafia-Thriller mit ruhiger Grundstimmung, der sich vor den Großen des Genres nicht verstecken braucht. Die wachsende „Vater/Sohn“-Beziehung zwischen Brynner und Ranieri erinnerte zunehmend an den Italowestern "Der Tod ritt dienstags“ von Tonino Valerii in dem Giuliano Gemma und Lee Van Cleef ein ebenso ungleiches Paar abgeben, wenn auch mit anderem Ausgang. Sehr passend sind die Locations, Neapel als Sündenpfuhl eignet sich hervorragend für jene Art von Filmen wie man auch in "Camorra - Ein Bulle räumt auf" (Napoli Violenta, 1976) von Umberto Lenzi oder in "Sie nannten ihn Plattfuss" (Piedone lo sbirro, 1973) von Steno sehr gut sehen kann. Der ausgezeichnete Soundtrack stammt von den De Angelis Brüdern Guido und Maurizio.

"Höllenhunde bellen zum Gebet" ist eine vergessene Perle die dringend eine deutsche Heimkinoauswertung erfahren muss.

(Andreas Rick)

Sonntag, 05.11., 16:00 Uhr

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 Betreff des Beitrags: Re: Norimberga Violenta - Festival des italienischen Polizeifilms
BeitragVerfasst: 05.10.2017 08:53 
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Das wird ja immer besser :-)


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 Betreff des Beitrags: Re: Norimberga Violenta - Festival des italienischen Polizeifilms
BeitragVerfasst: 11.10.2017 19:22 
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Unverhofft kommt oft, auf den letzten Drücker konnten wir unseren Festival-Sonntag noch um einen Kracher erweitern:

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"Eiskalte Typen auf heißen Öfen"
(Uomini si nasce poliziotti si muore)
Italien 1976 | 89 Min. | deutsche Fassung | 35mm (1:1,85)

Regie: Ruggero Deodato
Darsteller: Marc Porel, Ray Lovelock, Adolfo Celi, Franco Citti, Silvia Dionisio, Marino Masé
Musik: Ubaldo Continiello

Die beiden Polizisten Alfredo (Ray Lovelock) und Antonio (Marc Porel) gehören einer Spezialeinheit an, allerdings gehen ihre Methoden zur Säuberung der römischen Gassen selten mit dem Gesetz konform. Um die jungen Draufgänger etwas auszubremsen, setzt ihr Chef (Adolfo Celi) sie auf die hiesige Unterweltgröße Pasquini (Renato Salvatori) an, damit der Wirbel um die in Notwehr mordenden Gesetzeshüter bei höheren Vorgesetzten und der Presse etwas eingedämmt werden kann. Pasquini hat allerdings überhaupt keine Lust sich ohne Gegenwehr abservieren zu lassen und so häufen sich die Leichensäcke weiter.

Ruggero Deodatos einziger Beitrag zum Poliziottesco-Genre startet mit einer furiosen Verfolgungsjagd durch die Innenstadt Roms und macht sofort klar, dass die zwei Hauptakteure die restliche Spielzeit über – bei der Bekämpfung des aufkeimenden Gesindels – keine Gnade an den Tag legen werden. Diese Selbstjustiz unter dem Deckmantel des Gesetzes ist zur Entstehungszeit von „Uomini si nasce poliziotti si muore“ keinesfalls neu beim Poliziotteschi, allerdings überzeichnet Deodato das gesamte Geschehen derartig, dass man ihm durchaus eine gewollte Provokation unterstellen darf, sofern man das Gezeigte nicht doch lieber als Satire interpretieren mag. Denn völlig konträr zur hemmungslosen Vorgehensweise des Duos, welche von ihrem Vorgesetzten in gewisser Weise sogar billigend bei den tolldreisten Aufräumaktionen in Kauf genommen wird, driftet der Zuschauer dank andauernder Besänftigung mittels Lifestyle, sympathischer Kameradschaft, heftigen Damenflirts oder Ray Lovelocks schmalziger Dudelei nicht auf die Seite des verärgerten Moralapostels, vor allem da die deutsche Synchronisation mit einer gewaltigen Überdosis asozialer Coolness auftrumpft und den beiden Haudegen unentwegt kesse Sprüche in den Mund legt. Dabei ist das Handlungsgerüst unwiderlegbar nicht das stabilste, zudem müssen bis zum Finale immer wieder nebensächliche Verbrechen herhalten, um mit äußerst viel Krawall unterbunden zu werden, bis es den eigentlichen Lumpenhunden endlich an den Kragen gehen kann. Deodato löst dieses Defizit dennoch ziemlich geschickt, indem er die Spannung vehement minimalisiert und dafür umso öfter das Gaspedal bis zum Anschlag tritt.

(Tobias Reitmann)

Damit sieht der finale Timetable folgendermaßen aus:

Freitag, 03.11.

21:15 Uhr "Der Mafiaboss - Sie töten wie Schakale" (La mala ordina, 1972)
23:15 Uhr "Testament in Blei" (Crazy Joe, 1974)

Samstag, 04.11.

14:00 Uhr "Gangster sterben zweimal" (Gangsters '70, 1968)
16:00 Uhr "Die Klette" (Un detective, 1969)
21:15 Uhr "Tote Zeugen singen nicht" (La polizia incrimina la legge assolve, 1973)
23:15 Uhr "Feuerstoß" (Una Magnum Special per Tony Saitta, 1976)

Sonntag, 05.11.

13:00 Uhr "Ein Mann geht aufs Ganze" (L'assassino... è al telefono, 1972)
15:00 Uhr "Höllenhunde bellen zum Gebet" (Con la rabbia agli occhi, 1976)
17:00 Uhr "Eiskalte Typen auf heißen Öfen" (Uomini si nasce poliziotti si muore, 1976)

Wir freuen uns auf euch!

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 Betreff des Beitrags: Re: Norimberga Violenta - Festival des italienischen Polizeifilms
BeitragVerfasst: 12.10.2017 00:40 
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Alles olle Kammellen, die ich schon x-mal auf 35mm gesehen habe! Laaaangweilig!

Fickt doch euer kack Filmfestival!


:mrgreen: :P ;)


(...um mal etwas gegen diese ewige Lobhuddelei hier anzustinken... :P )

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"Ein Tittchen hier, ein Fötzchen da, und die Welt sähe wieder rosiger aus." anti
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 Betreff des Beitrags: Re: Norimberga Violenta - Festival des italienischen Polizeifilms
BeitragVerfasst: 12.10.2017 11:54 
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TRAXX hat geschrieben:
Alles olle Kammellen, die ich schon x-mal auf 35mm gesehen habe!


Gib nicht so an! :lol:

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 Betreff des Beitrags: Re: Norimberga Violenta - Festival des italienischen Polizeifilms
BeitragVerfasst: 12.10.2017 13:24 
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Sehr geiles Programm, auf die eiskalten Typen freu ich mich besonders. :burns:

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 Betreff des Beitrags: Re: Norimberga Violenta - Festival des italienischen Polizeifilms
BeitragVerfasst: 12.10.2017 19:07 
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andeh hat geschrieben:
Unverhofft kommt oft, auf den letzten Drücker konnten wir unseren Festival-Sonntag noch um einen Kracher erweitern: "Eiskalte Typen auf heißen Öfen"

Wow, diese Ankündigung rundet das sowieso schon sehr pralle Wochenendprogramm nun vollends ab :dh:


Insgesamt ein sehr abwechslungsreiches Filmprogramm, das dann glücklicherweise auch einige Filme enthält, an deren Inhalt ich mich überhaupt nicht mehr erinnern kann :D

So beispielsweise "Testament in Blei", den ich zwar vor Jahren mal gesehen habe, mich aber heutzutage an keinerlei inhaltliche Details mehr erinnern kann. Oder auch "Gangster sterben zweimal", den ich zwar als sehr gut in Erinnerung habe, aber kein einziges Bild mehr davon vor Augen habe. Und "Ein Mann geht aufs Ganze" kenne ich nur in einer recht düster geratenen VHS Fassung, bei der dann auch ein Großteil der Handlung entsprechend im Dunkeln blieb.

Ach, es wird einfach nur herrlich werden, wenn diese ganzen tollen Filme in drei Wochen auf der großen Leinwand erstrahlen :P




Zur adäquaten Einstimmung:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


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