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 Betreff des Beitrags: A VIEW FROM A HILL - Luke Watson
BeitragVerfasst: 02.01.2018 13:39 
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A View from a Hill
(Ghost Story for Christmas: M.R. James - A View from a Hill / M.R. James' A View from a Hill)
Großbritannien 2005 - Directed by Luke Watson
Starring: Mark Letheren, Pip Torrens, David Burke, Simon Linnell...


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Mit The Ice House legte die BBC im Jahre 1978 ihre populäre "A Ghost Story for Christmas"-Reihe auf Eis (irgendwie passend, nicht wahr?), nur um sie mehr als ein Vierteljahrhundert später wieder aufzuwärmen. (*) Mit durchwachsenem Erfolg. Das Motto war einerseits wohl "Back to the Roots" (A View from a Hill ist endlich wieder eine Verfilmung einer Geschichte des britischen Grusel-Maestros M.R. James), andererseits wollte man die Kult-TV-Show ins neue Millennium hieven und den geänderten Sehgewohnheiten anpassen, was meiner Einschätzung nach jedoch nur bedingt gelungen ist. Die genialen Erzählungen von James atmen nun mal den Geist des Alten, des Antiquierten, des Verstaubten; der Zahn der Zeit hat heftig an ihnen genagt, anhaben konnte er ihnen allerdings nichts, im Gegenteil. Sie sind wie guter Wein gereift und bereiten auch heute noch exquisites wenn auch altbackenes Gruselvergnügen deluxe. Und dieses altbackene Flair fällt bei der Modernisierung leider weitgehend unter den Tisch. A View from a Hill ist keineswegs schlecht, aber die ominöse Atmosphäre eines dräuenden, ausweglosen Unheils, die sich um den machtlosen Protagonisten herum langsam manifestiert und welche die entsprechenden Adaptionen aus den 1970er-Jahren so herausragend gemacht haben, wird nun schmerzlich vermißt.

Im Zentrum der Geschichte steht Dr. Fanshawe (Mark Letheren), ein junger Archäologe und ausgewiesener Stadtmensch, der zwecks Prüfung und Schätzung der geerbten Antiquitätensammlung von Squire Richards (Pip Torrens) einen Ausflug aufs Land unternimmt. Als sich die beiden die hügelige Gegend näher ansehen, stellt ihm Richards ein altes, von einem umstrittenen Alchemisten namens Baxter (Simon Linnell) selbst hergestelltes Fernglas zur Verfügung, da sein eigenes die lange Reise nicht unbeschadet überstanden hat. Fanshawes Blick wird sofort von einer prächtigen Kirche - Fulnaker Abbey - angezogen, die nicht weit entfernt zu sein scheint, mit bloßem Auge aber nicht erkennbar ist. Das sei jedoch unmöglich, meint Richards, da Fulnaker Abbey bloß noch eine verfallene Ruine ist. Der Archäologe geht der Sache auf den Grund und sieht sich alsbald mit einem Wunder konfrontiert. Denn der Blick durch das alte Fernglas ist ein Blick in die Vergangenheit, ein Blick durch die Augen eines längst verstorbenen Menschen. Und er ist mitnichten eine Einbahnstraße. Jemand oder Etwas wird auf Dr. Fanshawe aufmerksam und stellt ihm nach. Drehbuchautor Peter Harness hat James' exzellente Vorlage in die frühen 1940er-Jahre verlegt und sie im Spätherbst (anstatt im Sommer) angesiedelt, was für eine recht triste, ungemütliche Stimmung sorgt.

Es ist offensichtlich, daß sich Harness und Regisseur Watson stark an den Klassikern der Reihe orientierten, insbesondere natürlich an A Warning to the Curious (1972). Eine mysteriöse, feindlich gesonnene Macht, die sich auf die Fersen eines rational denkenden Akademikers heftet, welcher mit Dingen spielt, die er nicht versteht, ist ja auch ein nahezu perfektes Motiv, um mit minimalen Mitteln maximalen Schrecken zu erzeugen. Aber leider will der Funke bei A View from a Hill nicht so recht überspringen. Das Bemühen, eine ähnliche Stimmung wie bei den frühen "Ghost Stories for Christmas" zu erzeugen (dazu zählt auch Whistle and I'll Come to You (1968), der ja eine Art Probelauf für die Serie war), kann man den Machern nicht absprechen. Sie bieten so ziemlich alles auf, um dem Publikum das Fürchten zu lehren, hetzen ihren Protagonisten sogar bei Dämmerung durch einen unheimlichen Wald, während es um ihn herum bedrohlich raschelt, aber ein richtig wohliges Gruselgefühl will sich einfach nicht einstellen. Vielleicht, weil der geneigte Fan in Bezug auf Geisterhorror seit Ringu (1998) schon mit wesentlich besseren, intensiveren und verstörenderen Werken verwöhnt worden ist. A View from a Hill bietet sanften Schauer, zwei, drei nette Schockmomente, etwas Mystery und ein diffuses Ende. Für eine gute, solide Gruselmär ist das genug, für mehr leider nicht.

Im äußerst lesenswerten Booklet, welches der britischen DVD-Veröffentlichung der Gesamtausgabe beiliegt, zeigt sich Drehbuchautor Peter Harness hocherfreut über die Mitarbeit an einer "Ghost Story for Christmas" und äußert sich anschließend auf Seite 30 wie folgt: "I loved their sparse, washed-out landscapes; their silence; the eeriness and unobtrusiveness of their music; their dark, ragged menaces; their single moments of corner-of-the-eye, pit-of-the-gut terror." Insofern ist es doppelt schade, daß es ihm und Regisseur Luke Watson nicht ganz gelungen ist, diese so treffend beschriebenen Qualitäten in ihrem Vierzigminüter wieder aufleben zu lassen.

(*) Im Jahre 2000 inszenierte Eleanor Yule im Auftrag der BBC vier Erzählungen von M.R. James, die trotz des beinahe identischen Titels ("Ghost Stories for Christmas") nicht zu der "A Ghost Story for Christmas"-Reihe zählen. Diese sind The Stalls of Barchester, The Ash Tree, Number 13 sowie A Warning to the Curious. Bei diesen Adaptionen handelt es sich nicht um Verfilmungen, sondern vielmehr um verfilmte Lesungen. Christopher Lee trägt die jeweilige Geschichte bei Kerzenschein, in einem bequemen Sessel vor einem Kaminfeuer in einer Bibliothek sitzend, mit seiner sonoren Stimme vor, während eine Handvoll Zuhörer seinen Worten gespannt lauscht. Dies ist natürlich eine wunderbare Hommage an M.R James, der seine Werke ja gerne selbst zur Weihnachtszeit im King's College in heimeliger Atmosphäre vortrug, umringt von Freunden und Studenten.

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