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 Betreff des Beitrags: IMMER WENN ES NACHT WIRD - Hans-Dieter Bove
BeitragVerfasst: 18.01.2018 19:11 
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Immer wenn es Nacht wird – Hans-Dieter Bove

(Deutschland 1961)

4.1.2017, Kino (Kommkino Nürnberg, DF, 1,66:1)



Inhalt:

Der leichtfüßige Arztsohn Bobby steckt sich bei der Prostituierten Kitty mit Syphilis an, was er genauso wenig ernst nimmt, wie Kitty, die ihn loswerden will: „Jeder 20jährige, der einigermaßen Grips im Kopf hat, hat mehr Geld als du“, meint sie als sie ihn verlassen will, da er nie mit ihr ausgeht. Das kränkt ihn keineswegs, und als sie ihn wenige Sekunden später bittet, sie nach Hause zu fahren antwortet er gönnerhaft „Aber natürlich, Kitty“.

Bobby verkehrt mit weiteren jungen „Fräuleinchen“ – „Liebst du mich?“ – „Aber natürlich!“ – und steckt auch diese mit seiner Krankheit an, die bei Elke schnell ausbricht. In der Psychiatrie muss nun Elke lernen, dass die Ärzte und Krankenschwestern nach dem Prinzip „Mit Güte können Sie bei diesen Mädchen nichts erreichen, ich kenn´ das!“ verfahren, und als Bobby um sie kämpft, kämpf er gleichzeitig gegen das in der Gesellschaft fest verankerte „Mit so einem Mädchen ist man doch nicht befreundet!“ Bobby stirbt schließlich, indem er sich zu Tode fährt
.


Review:

Hans-Dieter Boves Debut als Regisseur ist gleichzeitig seine vorletzte Arbeit, es sollte nur noch „Der Partyfotograph“ (1968) folgen. Diese Produktion J. A. Veselys bietet mit Hannelore Elsner und Elisabeth Volkmann zwei Schauspielerinnen, die es zu großem Rang und Namen im deutschen Kino bringen sollten, hier aber noch ganz am Anfang ihrer Karriere standen. Besonders hervorzuheben sind jedoch der Kameramann Erich Küchler, der überwiegend Heimatlustspiele in Szene setzte und dem es trotzdem gelingt, in „Immer wenn es Nacht wird“ fiebrig-hysterische Straßenlandschaften zu schaffen, die der Komponist Wolfram Röhrig schuf – der einzige Film, für den der bedeutende Jazzpianist Zeit seines Lebens arbeitete. Damit kann der Film mit den frühen Produktionen Erwin C. Dietrichs mithalten, denn inszenatorisch und inhaltlich ist „Immer wenn es Nacht wird“ durchaus mit „Schwarzer Markt der Liebe“ (1966) und „St. Pauli zwischen Nacht und Morgen“ (1967) mithalten, ist aber seiner Zeit durch das frühe Entstehungsdatum noch mehr voraus.

…und seiner Zeit dennoch verhaftet, denn wie viele Sittenfilme und Roughies der ersten Hälfte der 60erjahre nutzt auch dieser Film die dem Zeit- und Zensurgeist entsprechende Moralkeule – Die Hauptperson stirbt, die „leichten“ Mädchen werden moralisch verurteilt und stecken sich mit Geschlechtskrankheiten an – um freizügige Bilder zu zeigen, die ihrer Zeit voraus sind. Aber diesen Kniff beherrschte bereits De Sade und vor ihm Ovid und ist in repressiven Zensurstaaten immer nötig!


In Erinnerung bleiben einige Szenen, die die Handlung zwar nicht voran bringen, aber die Atmosphäre intensivieren: Die Erstuntersuchung in der Psychiatrie, in die Elke eingewiesen wird, ist wie eine Vergewaltigung inszeniert, das Gemälde eines Malers, der gerade eine junge Frau bittet, das „Oberding“ auszuziehen, und dessen Bild sich schließlich als abstrakte Kunst entpuppt, und die Trinkmoral: „Sie sind doch völlig mit den Nerven runter. Sie sollten was trinken!“ Wohl bekomm´s!

Der Film wurde auf dem 17. auswärtigen Filmkongress des Hofbauerkommandos gezeigt und wurde vom Publikum positiv aufgenommen.


Fazit:

Dicht inszenierter Film mit starken Bildern, aber zeitgemäß verlogener Moral.


Wertung:

6,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: IMMER WENN ES NACHT WIRD - Hans-Dieter Bove
BeitragVerfasst: 21.01.2018 13:19 
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Hört sich nicht uninteressant an. Scheint eine echte Rarität zu sein.
Ich selbst lege bei den Filmvorstellungen immer Wert auf Bildmaterial. Da es anderen vielleicht auch so geht, möchte ich hier mal etwas beisteuern:

Bild

Bild

Außer den genannten Darstellern sind auch Jan Hendriks, Walter Wilz, Peter Parten und Edith Mill dabei.

Dieses deutsche "Sittendrama" wurde damals sogar nach Mexico exportiert und lief dort unter dem Titel "CUANDO ACABA LA NOCHE".
Der US-Titel lautet "THE LOVE FEAST". Dort wurde der Film reißerisch beworben:

"Pleasure parties like there´s no tomorrow!
"The reckless "Sweet Life" of todays free Swinging Generation."


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