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 Betreff des Beitrags: DAS HANDBUCH DES JUNGEN GIFTMISCHERS - Benjamin Ross
BeitragVerfasst: 12.06.2014 19:42 
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Das Handbuch des jungen Giftmischers (D)
Il manuale del giovane avvelenatore (IT)
The Young Poisoner's Handbook (UK)

UK / D / F 1995

R: Benjamin Ross
D: Hugh O'Conor, Roger Lloyd Pack, Ruth Sheen, u.a.

OFDb

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"Ich hatte mein Metier entdeckt, THALLIUM sollte mein Lebenswerk werden. Geschmacklos, farblos, geruchlos, nicht nachzuweisen... ich würde der größte Giftmischer werden, den es je auf der Welt gegeben hat"



1. Filmabschnitt: Graham, der junge Giftmischer



Anfang der 60er Jahre in England: Der 14 jährige Graham Young (Hugh O'Conor) lebt zusammen mit seinem Vater, seiner Stiefmutter und seiner Schwester (kleinbürgerliche Familie) in einer kleinen Londoner Reihenhaussiedlung. Graham ist ein Einzelgänger, der zudem ein sehr geringes Interesse hinsichtlich der Teilnahme am täglichen Familienlebens zeigt. Er lebt komplett in seiner Scheinwelt, in der er sich selbst als einen der "nächsten, großen und erfolgreichen Wissenschaftler, der mit einer bahnbrechenden Entdeckung die ganze Welt in Erstaunen versetzen wird". In seiner Freizeit beschäftigt sich der junge Tagträumer neben seinem Studium ausschließlich mit wissenschaftlichen Experimenten..


"... und dann, eines Tages fand ich es, ein Experiment dass meine Fantasie wie noch nie zuvor beschäftigte, ANTIMON Sulphid, eine der flüchtigsten Verbindungen die es gibt. Wenn man unsachgemäß damit umgeht, kann ein tödliches Gift entstehen, aber Newton entdeckte auch, dass es umgewandelt werden kann, in einem Glaskolben. Es kann zu einer Kristallblüte von atemberaubender Schönheit werden, strahlend wie ein Diamant. In diesem Moment schwor ich mir, dass der Diamant irgendwann Mal mir gehören würde..."


Gesagt, getan - aber das Experiment misslingt. Anstatt des erhofften Diamanten liegt ihm nun das hochgiftige ANTIMONals Ergebnis seiner fehlgeschlagenen Versuchsanordnung vor und Graham's bis dato sowieso schon etwas "sehr seltsame" Psyche bekommt ab diesem Zeitpunkt einen weiteren und noch viel intensiveren Knacks hinzu.

"Die Auswirkung einer ANTIMON-Vergiftung, d.h. Erbrechen und schwere Bauchkrämpfe, werden leicht mit einer Reihe von Darmerkrankungen verwechselt".


Im Sozialleben zeigt sich Graham auch sehr gehemmt und als er mitbekommt, dass sein Studienkollege ein Date mit seiner (hauptsächlich in seiner Fantasie) angebeteten Bibliothekarhelferin zugesagt bekam, schaltet er diesen durch eine ANTIMON-Beimischung im Sandwich vorübergehend aus dem Rennen und übernimmt die ganze Sache.
Während des Dates zeigt sich dann Graham's Unfähigkeit hinsichtlich eines ganz normalen zwischenmenschlichen Umgangs, denn der junge Soziopath ist weder in der Lage, Gefühle und Empfindungen in einem normalen Maß wahr zunehmen bzw diese wiederzugeben, noch kann er eine Empathie für sein gegenüber entwickeln. Sein Gesprächsstoff während seines ersten Dates bezieht sich ausschließlich auf schreckliche Unfälle und deren grausamen Folgen. Dabei beschreibt er seiner Angebeteten detailliert das Aussehen der zerschmetterten Körperteile, bis diese schließlich entsetzt das Szenario verlässt.


"Mir wurde klar, dass alles zu diesem Augenblick hingeführt hatte. Ich habe mich entschieden, welche Richtung meine wissenschaftliche Laufbahn nehmen sollte.... es gab kein zurück mehr"


Am nächsten Tag liegt seine Stiefmutter mit heftigen Magenbeschwerden fest im Bett und bekommt somit von ihrem Hausarzt die tägliche Einnahme einer bestimmten Magenmedikaments verordnet, welches Graham ihr dann täglich verabreichen soll. :viannen_102: Und diese Aufgabe nimmt Grahan dann auch sehr ernst, wodurch der Krankheitsverlauf rapide verschlechtert. Was folgt, ist Misstrauen, welches sich langsam unter den restlichen Familienmitgliedern ausbreitet...


"Misstrauen wurde zum Ausdruck gebracht; es wurde Zeit ihr den Todesstoß zu versetzen... und dann eines Tages bot sich die Lösung an. Sie verbarg sich in einer wahren Geschichte die ich gerade las: Holländische Widerstandskämpfer hatten die Wasservorräte der Nazis mit einer Substanz namens THALLIUM vergiftet. Innerhalb weniger Tage fielen die Nazis tot um, einer nach dem anderen, jeder von ihnen anscheinend aufgrund einer anderen Ursache, nur ein Symptom wiesen sie alle gemeinsam auf: Sämtliche Haare fielen ihnen aus.... Ich beschloss den Stoff gründlicher zu erforschen".


Somit führte er seine bereits mit ANTIMON begonnene Versuchsanordnung an seiner Stiefmutter ungehindert fort, aber ab diesem Zeitpunkt eben mit dem weit potenteren Gift THALLIUM.


"Das THALLIUM war wirkungsvoller als ich es mir in meinen kühnsten Träumen erwartet hatte... und als sie dann endlich tot war, konnten wir uns nicht entscheiden, ob wir sie in einem Sarg aus Walnußholz oder Formosa Teak beerdigen sollten. Schließlich einigten wir uns auf Walnuß... Walnüsse hat sie immer gerne gegessen..." :mrgreen:


Nach der Beerdigung der Stiefmutter zeigt sein Vater plötzlich die gleichen besorgniserregenden Symptome auf. Und als dieser schließlich auch in den letzten Zügen liegt, wird Graham schließlich von der Polizei überführt und von einem Gericht wegen Mordes und Mordversuchs als unheilbarer Psychopath zu lebenslanger Haft in einer Irrenanstalt verurteilt.



2. Filmabschnitt: Die Heilung eines chronisch erkrankten Psychopathen:



Nach 2 Jahren Haft sieht Graham ein winziges Licht am Ende des Tunnels, da eines Tages der renommierte Psychiater und Verhaltensforscher Dr. Zeigler - eine medizinische Koryphäe auf seinem Gebiet - die Haftanstalt besucht. Und tatsächlich erhält unser kleiner Giftmischer den Zuschlag zur Teilnahme an einem neuartigen Therapieprogramm für unheilbare Kriminelle. Grundlage dieser Therapie sind die allnächtlichen Träume der Teilnehmenden Patienten. Grahams Problem besteht aber darin, dass er schon seit einigen Jahren keinen einzigen Traum mehr hatte und als sein Täuschungsversuch bei Dr Zeigler auffällt, muss Graham das Programm beinahe beenden. Doch dann sieht er plötzlich eine sehr "naheliegende" Lösung: Sein Bettnachbar.

Dieser hatte nämlich im Wahn seine Eltern ermordet und lebt seitdem jede Nacht die Qualen seiner grausamen Tat in seinen Träumen aus. Die mitgeteilten (Alb-)Traumerlebnisse wurden somit von Graham mitgeschrieben und am nächsten Tag im Rahmen der Therapiesitzung als seine eigenen ausgegeben. Der Weg der Heilung war beschritten und alle waren über die entsprechende Entwicklung sehr froh, aber wirklich Alle?


"Der arme Barrage (Bettnachbar), ich hatte ihn ein 1/4 Jahr lang pünktlich jede Stunde geweckt, nun war es wohl zu Ende mit seiner Kraft"


Aufgrund der Unfähigkeit zu Träumen scheint das Therapieprogramm zu scheitern, als es dann plötzlich doch noch passierte:

"Ich sah meinen Diamanten, und er sah funkelnder als zuvor aus"

Gemeinsam mit Dr. Zeigler wurde das zuvor gescheiterte Experiment wiederholt, und dieses Mal mit Erfolg!
Der etwas fadenscheinige Lösungsversuch dieser Therapie besagt übrigens, dass Graham damals mit seinem Experiment ursprünglich etwas Schönes erschaffen wollte, aber letztendlich nur das tödliche Gift erhielt. In der erneuten Versuchsdurchführung sollen nämlich die unterdrückten "negativen" Gefühle durch das erreichte Erfolgserlebnis wieder positiviert und Graham somit letztendlich geheilt werden.... Und genau so kommt es dann auch, denn Graham wird bereits kurze Zeit später als vermeintlich geheilt entlassen (?)



3. Filmabschnitt: Ist eine erfolgreiche Resozialisation möglich?

Diesen 3. Abschnitt lasse ich aus Spoilergründen komplett unkommentiert...... ;)




Der Vorspann dieses grandiosen "tiefschwarzen" Films beginnt direkt mit dem Titel-Theme von Clockwork Orange, welches auch noch mehrfach im weiteren Filmverlauf als musikalische Untermalung auftauchen wird. Weitere Parallelen zu Kubricks Überwerk bestehen in der grundliegenden Thematik "Heilung von Kriminellen durch Einsatz fragwürdiger Mittel". Erzählt wird das Ganze übrigens aus der "Ich-Perspektive", denn je tiefer sich Graham in seiner krankhaften Wahnwelt reitet, um so vordergründiger agiert die "Ich-Stimme". In den gesundheitlich stabileren Phasen tritt diese dann wiederum immer weiter in den Hintergrund.

Die Darsteller legen alle eine sehr solide Leistung an den Tag; vorne weg der Hauptprotagonist und Psychopathendarsteller Hugh O'Conor. Die dt. Synchro ist auch Top! :good:

Grandios sind nicht nur auch die bitterbösen Dialoge, sondern auch die unterlegte Filmmusik, welche stellenweise das Schwarzhumorige erst richtig verstärkt. Der Fall des "Teacup Poisener Graham Young" beruht übrigens teilweise auf einer wahren Begebenheit,

Nachdem ich im Oktober 1997 zufällig Mittags die Vorschau der ARD-Erstausstrahlung gesehen hatte und mich die gezeigten Bilder gleich mitrissen, bat ich einen Bekannten um einen Mitschnitt per VHS. Ergebnis: Das Tape zog jahrelang im Freundeskreis seine Kreise und fast jeder war von dieser kleinen, schwarzen Filmperle vollauf begeistert, wodurch der Giftmischer wiederum zu einem kleinen Kult Film avancierte.

Auch hier bleibt es einfach unverständlich, dass diesem grandiosen Film bis dato eine hiesige DVD / BD VÖ verwehrt blieb :evil: (kam bisher lediglich durch mehrere TV Ausstrahlungen bei den öffentlich rechtlichen und der damaligen VHS VÖ bei Arthaus in den Genuss des Films)

Jeder der auf grandiose, fiese und schwarze Komödien steht, dem sei dieses britische Glanzstück der 90er Jahre wärmstens ans Herz gelegt.


8,5 Pkt. / 10,00 Pkt. :231:


Deutschlandpremiere: 07. Dezember 1995

dt. Synchronsprecher

Engl. Trailer:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com



- "Was hast Du Denn heute dabei?
- Pathologie für Fortgeschrittene und die Tiefkühlkiller
- Nein, ich meinte auf dem Sandwich!
- Ach so, Ei mit Kresse"

:mrgreen:

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Zuletzt geändert von Richie Pistilli am 23.01.2018 08:09, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: DAS HANDBUCH DES JUNGEN GIFTMISCHERS - Benjamin Ross
BeitragVerfasst: 12.06.2014 20:10 
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Zuletzt geändert von Mater Videorum am 03.12.2015 16:51, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: DAS HANDBUCH DES JUNGEN GIFTMISCHERS - Benjamin Ross
BeitragVerfasst: 12.06.2014 20:18 
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Danke für die Blumen und schön zu hören, dass noch weitere Bewunderer dieser unbekannteren Filmperle existieren :good: ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: DAS HANDBUCH DES JUNGEN GIFTMISCHERS - Benjamin Ross
BeitragVerfasst: 22.01.2018 22:18 
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Nicht zuletzt wegen Henry Purcells oftmals angespielter Komposition „Music for the Funeral of Queen Mary“ versprüht der GIFTMISCHER einen derben Hauch von CLOCKWORK ORANGE, denn der Hauptprotagonist hat sie ebenfalls nicht alle beisammen und unterzieht sich einem Resozialisierungsprogramm, um den Mauern einer Klappse zu entfliehen. Natürlich geht die Resozialisierung in die Hose, sowie alles was Graham anpackt. Hugh O'Conor spielt die Rolle dieses emotionslosen Giftmischers exzellent und ist ein wichtiger Bestandteil dessen, was man bissigen, tiefschwarzen, britischen Humor nennen darf.

Ich mag solchen Stoff!

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 Betreff des Beitrags: Re: DAS HANDBUCH DES JUNGEN GIFTMISCHERS - Benjamin Ross
BeitragVerfasst: 23.01.2018 00:03 
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Ach, das war doch damals 'die Zeit', als man aufgrund der neuen britischen Filme wie KLEINE MORDE UNTER FREUNDEN, TRAINSPOTTING, GIFTMISCHER etc. immer wieder gerne ins Kino ging. DocMartens-, und Fred Perry-Army! ;) :D


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