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 Betreff des Beitrags: CARMEN BABY - Radley Metzger
BeitragVerfasst: 14.02.2018 18:05 
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Carmen Baby – Radley Metzger

(Deutschland / Jugoslawien / USA 1967)

Buch: ca. 1999
Film: 6.1.2018, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF, 2,35:1)



Inhalt:

Der junge Polizist José lernt die temperamentvolle Carmen kennen, die sich gerade mit einer anderen Frau auf offener Straße eine Prügelei geliefert hatte und die er nun verhaften muss. Weil er Carmen aber gleich im Anschluss zur Flucht verhilft, muss er für 1 Monat ins Gefängnis, danach darf er seinen Polizeidienst wieder antreten. Da begegnet er seiner „Schönen Helena“ auf einer Party, wo sie den „Flaschentanz“ darbietet: „Mediziner staunen, Ehemänner kriegen Komplexe“, kündigt sie der Moderator an und er hat recht – „Owei, owei, da würden selbst die alten Römer erblassen“…

Carmen zeigt sich für Josés Hilfe erkenntlich und verbringt eine Nacht mit ihm. Eine Liebesbeziehung entspinnt sich zwischen den Beiden und Carmen ist von José beeindruckt, als er einen aufdringlichen Jugendlichen beim Flanieren niederschlägt: „Ich hab´ Männer gern, die zuschlagen können“. Als jedoch der Sänger und Gangster Baby Lucas in Carmens Leben tritt, wird José eifersüchtig, die Eifersucht kulminiert in Wut, als er erkennt, dass die beiden verheiratet sind und er nur manipuliert wurde. Er bittet Carmen, Baby zu verlassen, was sie ihm zum Schein bestätigt, als er sie aber auf einem Konzert, auf dem Lucas als Sänger auftritt und wo sie ihm zujubelt, entdeckt, führt er sie nach draußen und ersticht sie auf offener Straße. „(…) bevor ich zur Polizei ging, vergrub ich ihre Leiche. Aber ich werde niemandem sagen, wo ich die Leiche vergraben habe (…)“.



Review:

„Carmen Baby“ ist er erste Film Radley Metzgers, in dem der Regisseur zu seinem eigenen Stil gefunden hatte: Ausgeprägtes Modebewusstsein – deswegen wirkt der Film auch sehr camp – was sich teils ins surrealistische steigert, wenn Räume ganz in schwarz-weiß ausgestattet sind und sogar die darin so gekleidet sind, rauschhafte Musik, die exzessiv ausgespielt wird, ein hervorragendes Gefühl für die Bildaufteilung im Scopeformat und philosophische Untertöne. Letztere werden 2 Jahre später in „Kameliendame 2000“ wiederholt: Die Bedrohung der Liebe durch den Tod und den Zusammenhang von Sex und Tod. Indem er bei einer wunderschön und harmlos gefilmten Sexszene immer wieder ein rotes gläsernes Stundenglas, der Chronometer des Sensenmannes, in den Vordergrund rückt und teils das Liebespaar auch durch das farbige Glas filmt, kündigt er das tragische Ende Carmens bereits an. Auch die Farbe Rot unterstreicht das, da sie sowohl für die Liebe, die Heißblütigkeit, steht, als auch für den Tod, das vergossene Blut. In „Kameliendame 2000“ sehen wir ein gefülltes Champagnerglas, die Titelfigur erklärt das kurze Leben eines Luftbläschens von seiner Geburt im Glas bis zu seinem Tod an der Luft und setzt dies mit der Kürze des Lebens und dem carpe-diem-Prinzip gleich.

Auf dieser Grundlage entwickelt Metzger seine Filme, auch bereits „Carmen Baby“ und zeigt in ihnen die lebensbejahenden Konsequenzen: Da „Ja“ zum Tanz, zur Liebe, zum Sex und auch zum schnellebigen Wandel wider die Erstarrung der Gesellschaft, wie sie konservatives Denken mit sich bringt. Zielpunkt dieser Entwicklung sollte „The Opening of Misty Beethoven“ (1976) werden, wo Sex und Pornographie bereits tief in der Gesellschaft verwurzelt sind und niemanden mehr empören.


„Carmen Baby“ ist in Deutschland mit einer noch erträglichen Kalauersynchronisation versehen („Haben Sie auch einen Namen?“ – „Aber nur Donnerstags.“); an bekannten Sprechern hören wir G. G. Hoffmann. Nachteil der englischen Fassung ist anscheinend aber, dass die überwiegend deutschen Schauspieler nicht synchronisiert wurden und allesamt englisch mit starkem deutschen Akzent sprechen, obwohl die Szenerie nicht Deutschland, sondern Italien ist…

Der Film wurde auf dem 17. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos gezeigt und hat das Publikum besonders durch seinen Soundtrack und die edle Kameraarbeit begeistert.


Fazit:

Empfehlenswerte Carmen-Version mit philosophischer Tiefe und tollen Bildern.


Wertung:

7,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: CARMEN BABY - Radley Metzger
BeitragVerfasst: 14.02.2018 22:08 
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Deutsche Erstaufführung: 24.5.1968
Kamera: Hans Jura
Darsteller: Uta Levka (Carmen), Claus Ringer (José), Walter Wilz (Baby Lucas)
Barbara Valentin, Michael Münzner, Carl Möhner, Christiane Rücker, Artur Brauss

Radley Metzger galt damals als "Aristokrat" unter den Erotikfilmern. Seine Werke hatten Stil, waren elegant und sinnlich, ohne vulgär zu wirken.
"Carmen Baby" sorgte in den USA für sensationelle Kassen und soll mehr als 3 Millionen Dollar eingespielt haben. In Deutschland fand er dagegen kaum Beachtung. Das gilt auch für die anderen Radley-Metzger-Filme, sofern sie überhaupt einen deutschen Verleih fanden. Einzig seine Lesben-Lovestory "Therese & Isabelle" lief bei uns mit zufriedenstellendem Erfolg. In Italien wurde "Carmen Baby" erst 1970 nach zweijährigem Verbot freigegeben.


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