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 Betreff des Beitrags: DIE AFFÄRE ALDO MORO - Giuseppe Ferrara
BeitragVerfasst: 23.02.2010 22:06 
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Giuseppe Ferraras Film über die Entführung und spätere Ermordung Aldo Moros durch die Roten Brigaden 1978, die die Frage aufwirft, ob nicht viele Leute insgeheim ganz glücklich waren über das Ausschalten Moros, der ja zu der Zeit am "historischen Kompromiss", der Beteiligung der KPI unter Berlinguer an einer Regierung unter Führung seiner Democrazia Christiana, arbeitete. Für Leute, die auch an den politischen Realitäten Italiens interessiert sind, ist dieser Film ein absolutes Muss, das allerdings vom Zuschauer Vorkenntnisse erwartet, man sollte Namen wie Andreotti, Cossiga, Berlinguer oder die P2-Loge nicht nur kennen, sondern auch zuordnen können.

Hierzulande sind noch zwei weitere "Attentatsfilme" von Ferrara erschienen, nämlich "Die 100 Tage von Palermo" über die Ermordnung des Anti-Mafia-Generals Dalla Chiesa und "Giovanni Falcone" (DVD von Planet Media, nur mit deutschem Ton), die aber dem Moro-Film nicht das Wasser reichen können.

Die Musik stammt von Pino Donaggio. Als Moro brilliert mal wieder Gian Maria Volonté, seinen Sohn Giovanni spielt der spätere Regisseur Sergio Rubini. Außerdem kann man hier Exploitation-erprobte Akteure in ungewohnten Rollen sehen, namentlich Daniele Dublino (wer erinnert sich nicht gerne an Meisterwerke wie "Kidnapping-ein Tag der Gewalt" oder "Lady Sex") als Ministerpräsident Andreotti und Bruno Corazzari (der in "Eiskalte Typen auf heißen Öfen" ein Auge zudrückte) als der DC-Parteisekretär Benigno Zaccagnini.

Das deutsche Tape von RCA/Columbia dürfte zu Spottpreisen abzugreifen sein. Zuschlagen!


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE AFFÄRE ALDO MORO - Giuseppe Ferrara
BeitragVerfasst: 25.02.2010 21:46 
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ugo-piazza hat geschrieben:
Giuseppe Ferraras Film über die Entführung und spätere Ermordung Aldo Moros durch die Roten Brigaden 1978, die die Frage aufwirft, ob nicht viele Leute insgeheim ganz glücklich waren über das Ausschalten Moros, der ja zu der Zeit am "historischen Kompromiss", der Beteiligung der KPI unter Berlinguer an einer Regierung unter Führung seiner Democrazia Christiana, arbeitete. Für Leute, die auch an den politischen Realitäten Italiens interessiert sind, ist dieser Film ein absolutes Muss, das allerdings vom Zuschauer Vorkenntnisse erwartet, man sollte Namen wie Andreotti, Cossiga, Berlinguer oder die P2-Loge nicht nur kennen, sondern auch zuordnen können.

Hierzulande sind noch zwei weitere "Attentatsfilme" von Ferrara erschienen, nämlich "Die 100 Tage von Palermo" über die Ermordnung des Anti-Mafia-Generals Dalla Chiesa und "Giovanni Falcone" (DVD von Planet Media, nur mit deutschem Ton), die aber dem Moro-Film nicht das Wasser reichen können.

Die Musik stammt von Pino Donaggio. Als Moro brilliert mal wieder Gian Maria Volonté, seinen Sohn Giovanni spielt der spätere Regisseur Sergio Rubini. Außerdem kann man hier Exploitation-erprobte Akteure in ungewohnten Rollen sehen, namentlich Daniele Dublino (wer erinnert sich nicht gerne an Meisterwerke wie "Kidnapping-ein Tag der Gewalt" oder "Lady Sex") als Ministerpräsident Andreotti und Bruno Corazzari (der in "Eiskalte Typen auf heißen Öfen" ein Auge zudrückte) als der DC-Parteisekretär Benigno Zaccagnini.

Das deutsche Tape von RCA/Columbia dürfte zu Spottpreisen abzugreifen sein. Zuschlagen!


Hammerfilm, Volonte ist sowieso einer der besten Darsteller aus Italia gewesen, ich muss gestehen ich mag politische filme, speziell aus Italien, egal ob Western, Mafia oder Verschwörungfilm, es gibt soviel gutes von dort unten, so richtig fieses und dann noch ohne happy end und das ist auch gut so, nichts beschönigendes, verklärtes, hollywood scheiss halt, sondern depremierendes, negatives, desillusionierendes & misantrophisches, so wie es halt ist auf unserer "schönen" welt.
auch die beiden anderen Attentatsfilme von Ferrara sind gut, "die 100 tage..." ist auch ne schön verschwörungsgeschichte drin, der korrupte italienische staatsapparat wird da ein bisschen angeprangert, Damiani konnte das zwar immer besser (Ich habe Angst!!!) aber die 100 Tage sind gut. Und auch der Giovanni Falcone kann was, aber das ist alles weiterführendes Material, beginnt wie ugo piazza schon erwähnte mit Aldo Moro!!!

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE AFFÄRE ALDO MORO - Giuseppe Ferrara
BeitragVerfasst: 16.02.2018 22:21 
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Starker Film, der nichts beschönigt und sehr depressiv daherkommt. Mir fehlt allerdings der Background, um detaillierter auf den Soff einzugehen. Bisher habe ich mich nur mit RAF-Stoff und deutschem Rechtsextremismus auseinandergesetzt. Brigate Rosse lässt sich allerdings aufarbeiten.

Ungeachtet Moro und Brigate wird eine Aufarbeitung vom italienischen Rechtsterrorismus (Nuovo Ordine, Nuclei Armati Rivoluzionari etc.) deutlich schwieriger, da mir kein deutscher Lesestoff bekannt ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE AFFÄRE ALDO MORO - Giuseppe Ferrara
BeitragVerfasst: 16.02.2018 22:57 
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sid.vicious hat geschrieben:
Starker Film, der nichts beschönigt und sehr depressiv daherkommt. Mir fehlt allerdings der Background, um detaillierter auf den Soff einzugehen. Bisher habe ich mich nur mit RAF-Stoff und deutschem Rechtsextremismus auseinandergesetzt. Brigate Rosse lässt sich allerdings aufarbeiten.

Ungeachtet Moro und Brigate wird eine Aufarbeitung vom italienischen Rechtsterrorismus (Nuovo Ordine, Nuclei Armati Rivoluzionari etc.) deutlich schwieriger, da mir kein deutscher Lesestoff bekannt ist.


Ein sehr interessanten Thema - wobei mich wundert, dass es kaum dtsch. Lesestoff dazu gibt.

Es existiert wohl ein Buch in dtsch. Übersetzung dazu, welches ich aber nicht besitze. Auf Ama wird eine ältere Auflage angeboten, während die (überarbeitete) Neuaflage - mit 30 Seiten geringerem Umfang, wenn die Angabe auf Ama stimmt (könnte aber auch am Format o. Ä. liegen) - nirgens mehr zu finden ist. :roll:


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE AFFÄRE ALDO MORO - Giuseppe Ferrara
BeitragVerfasst: 27.02.2018 19:47 
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Ich fand ja schon DIE 100 TAGE VON PALERMO gut bis sehr gut, aber DIE AFFÄRE ALDO MORO ist noch einmal eine ganz andere Klasse.
Damit hat Ferrara wirklich ein (zumindest) kleines Meisterwerk abgeliefert!
Die Länge von fast 2 Stunden merkt man dem Film keine Sekunde an, dazu ist man emotional viel zu sehr in die Handlung eingebunden.
Man kann die Gefühlslage von allen nachvollziehen, ob es die Familie Moro ist, die in permanenter Unsicherheit lebt oder Aldo Moro selbst, der in seinem kleinen, relativ engen, "Gefängnis" von seinen Entführern zwar "gut" behandelt wird, aber auch nicht viel mehr tun kann, als abzuwarten, was passiert.
Die Entführer sind dabei aber ebenfalls nicht sonderlich unsympathisch gezeichnet, auch ihre Position ist für den Zuschauer nachvollziehbar.
Insofern hält Ferrara den Zuschauer immer auf Trab, lässt die Sympathien wandern, dass es immer irgendeine Seite gibt, auf die man sich stellt.
Er lässt den Zuschauer nicht als unparteiischen Beobachter über den Dingen stehen, sondern stellt ihn gefühlsmäßig mitten hinein, dass er sich vorkommt wie in einem Flipper.
Dadurch überträgt sich die Spannung zwischen den Parteien und das ist der große Clou des Films.
Wenn man einmal drin ist, kann man sich dem nicht mehr entziehen, viel mehr wird man, je weiter die Sache voranschreitet, immer tiefer hineingezogen.
Und wenn das ein Film schafft, dann weiß man, dass alles richtig gemacht wurde und Ferrara ist dieses Kunststück hiermit gelungen.
Hintergrundwissen mitzubringen ist natürlich von Vorteil, aber auch wenn nicht, ist dieser Film in meinen Augen ein absolutes must-see für Politfilm- oder Historien-Interessierte.
Mindestens 9/10!

Bravissimo, Signor Ferrara!


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