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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 23.02.2018 18:48 
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Produktionsland/Jahr: USA 1970
Darsteller: John Wayne, Jorge Rivero, Jennifer O’Neill, Jack Elam, Christopher Mitchum, Victor French, Susana Dosamantes, Sherry Lansing, David Huddleston, Mike Henry
Drehbuch: Leigh Brackett & Burton Wohl
Produziert von: Howard Hawks
Musik: Jerry Goldsmith

Nach dem Ende des Bürgerkrieges jagt ein ehemaliger Offizier der Nordstaaten-Armee zwei Verräter, die den Konföderierten einst einen Goldtransport in die Hände spielten. Doch einer der Verräter ist mittlerweile ein angesehener Großfarmer...
(Ofdb)

Hawks' letzter Film gilt ja gemeinhin als einer seiner schwächeren Filme.
Ich selbst zähle demnach eher zu einer Minderheit, nämlich zu der Minderheit, die der Meinung ist, dass RIO LOBO mindestens genauso gut ist, wie die zwei Vorgänger RIO BRAVO und EL DORADO.
Es stimmt zwar, dass RIO LOBO anders ist, als die zwei Vorgänger, aber das muss ja nicht unbedingt heißen, dass er schwächer ist.
RIO LOBO ist auch mehr, als eine weitere bloße Variation (sei es in Punkto Thematik oder Stil).
RIO LOBO ist allgemein eigenständiger, der Film beschränkt sich auch nicht mehr darauf, den Großteil der Geschichte zwischen Sheriff-Büro und Saloon ablaufen zu lassen.
Insofern ist es der "größte", "weitläufigste" Film der Trilogie.
Somit irgendwo auch der abwechslungsreichste und für mich sogar der beste, wenn ich es mir genau überlege.
Er hat zwar auch genauso seine Schwächen, aber auf der anderen Seite immer noch genug Stärken, um nicht hinter den Vorgängern zurückzubleiben und ist anders gewichtet:
Mehr Action, mehr Dreck und Staub, dafür die Love-Story und sonstige Sentimentalitäten auf ein Minimum reduziert.
Reduziert wurde aber auch der Humor, denn es gibt nicht mehr von Anfang an, den "Komiker", wie es in RB Walter Brennan und in ED Arthur Hunnicutt war.
Erst in der Schlussphase kommt eine derartige Figur ins Spiel (diesmal Jack Elam).
Der ist aber ebenfalls sehr gut, ist trotz der späten Einführung noch eine Aufwertung für den Film.
Die gute Synchro (Martin Hirthe) hilft auch noch einmal nach und macht die ungefähr letzte halbe Stunde zu einem Genuss.
Zwar macht auch nichts den Film zu einer wahren Glanztat, aber das sind in meinen Augen sowohl RB als auch ED genauso wenig.
Aber RIO LOBO ist ein schöner Abschluss für die Trilogie und für Hawks' Karriere, den ich, nach allem, was man so liest darüber, ziemlich unterbewertet finde.
7/10


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 23.02.2018 19:34 
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Hawks oder den Film?


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 23.02.2018 23:37 
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Nobody hat geschrieben:
Hawks oder den Film?

Der Film.
Schwach ist er ja wirklich nicht, auch nicht im Vergleich zu den anderen beiden Filmen der Trilogie.
Er ist anders, aber das macht ihn ja nicht unbedingt schwächer.


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 11:16 
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Ja ich mag ihn auch. Er hat diesen Wohlfühlfaktor beim Absehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 13:32 
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Mögen tu ich Rio Lobo auch, und finde sogar die gern gescholtene Jennifer O'Neill richtig gut, aber er ist doch deutlich uninspirierter als die beiden Vorgänger, und ist abgeschlagen Hawks schwächster Western. Das liegt auch daran daß Wayne hier lediglich routiniert spielt, und von dem Protagonisten Quartett nur Jack Elam überzeugen kann, während die anderen beiden ziemlich blaß bleiben. Und auch die meisten anderen Charaktere sind eher vergessenswert. 6/10

Aber gegenüber den öden McLaglen Western ist Rio Lobo im Spätwerk Waynes immer noch ein kleines Fest.


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 13:46 
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Was der Zuschauer selten macht, aber ein fortgeschrittener Filmfan immer
mit in Betracht ziehen sollte, ist die Produktionsgeschichte: Hawks hätte
gerne einen dritten Film in ähnlicher Qualität wie BRAVO oder DORADO
abgeliefert, aber das Budget wurde ihm so zusammengehackt, dass er
keine Gelder mehr für einen zweiten großen Darsteller hatte. Und das wäre
essentiell gewesen, um dem Ganzen die nötige Balance zu geben - Wayne
alleine funktioniert im Hawks-Universum nicht so dolle. Keiner der Beteiligten
war mit dem Ergebnis demzufolge zufrieden und so muss man ihn halt einschätzen -
auch wenn er natürlich unterhaltsam und freilich besser ist als z.B. CAHIll oder UNDEFEATED etc.,
denn es ist ja immer noch ein Hawks, einer der besten der Zunft :).

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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 14:04 
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Bei der ganzen Hawks-Lobhudelei, muss ich aber an dieser Stelle schonmal anmerken, dass ich z.B. rein vom filmkünstlerischen her Andrew V. McLaglens CHISUM von 1970 noch einen Tick besser finde, als die beiden Hawks-Meisterwerke RIO BRAVO und EL DORADO. Nur weil Hawks genial war, heißt das ja nicht automatisch, dass die Anderen (Western-)Filmemacher Pflaumen waren.
Hawks hat halt Hawks-Filme gemacht, und andere Regisseure hatten eben eine andere Handschrift. Und das ist auch gut so.

Rio Lobo habe ich zu meiner Schande noch nicht gesehen. Kann aber ja kaum schlecht sein - wie hier bereits angemerkt, ist es ja auch ein Hawks. :)

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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 14:17 
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Dieses ganze Vergleichen ist doch Banane.
McLaglen mit Hawks zu vergleichen ist doch so, als würde
man Joe D'Amato mit George Romero messen.
Oder Enzo Castellari mit Sergio Leone.
CHISUM besser als RIO BRAVO?

Ich steige lieber hier aus und arbeite an
meiner Recherche zum SARTANA Audio-Kommentar.
Alles keine Riesenfilme, aber im Genre immer noch
recht gut - so etwa wie LOBO im US Western :D .

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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 14:28 
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Dr. Zombi hat geschrieben:
Bei der ganzen Hawks-Lobhudelei, muss ich aber an dieser Stelle schonmal anmerken, dass ich z.B. rein vom filmkünstlerischen her Andrew V. McLaglens CHISUM von 1970 noch einen Tick besser finde, als die beiden Hawks-Meisterwerke RIO BRAVO und EL DORADO. Nur weil Hawks genial war, heißt das ja nicht automatisch, dass die Anderen (Western-)Filmemacher Pflaumen waren.
Hawks hat halt Hawks-Filme gemacht, und andere Regisseure hatten eben eine andere Handschrift. Und das ist auch gut so.


Na ja, der Begriff Genie passt jetzt auch nicht zu Hawks und seiner Art des Filmemachens, ich sehe da auch fast immer so einige Schwächen in seinen Filmen, aber eben auch viel großartiges was ich so richtig geniesen kann.
Und natürlich gibt es viele andere großartige Western Regisseure neben Hawks, nur Andy McLalala, oh je, der gehörte da sicher nicht zu, er steht eher für die andere Seite der Medaille, da wo auch bei einem guten Stoff nicht Vernünftiges raus kommt. Und gerade Chisum ist dann auch einer dieser Filme die so mies sind, daß bei mir das Betrachten schon ein wenig schmerzt.


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 15:14 
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mike siegel hat geschrieben:
Dieses ganze Vergleichen ist doch Banane.
McLaglen mit Hawks zu vergleichen ist doch so, als würde
man Joe D'Amato mit George Romero messen.
Oder Enzo Castellari mit Sergio Leone.


Ja, halte diese Vergleiche meist auch für ziemlich sinnlos - deshalb schrieb ich das vorhin ja auch: als Reaktion auf die immer wieder hervorgeholte Keule "aber immerhin besser als... etc.pp.". ;)

Joe D'Amato würde ich auch nie mit George Romero vergleichen wollen. Aber auch nicht D'Amato mit Leone. Im Vergleich mit D'Amato zieht bei mir fast jeder Filmemacher zwangsläufig den Kürzeren. :mrgreen:

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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 15:16 
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Stanton hat geschrieben:
Und gerade Chisum ist dann auch einer dieser Filme die so mies sind, daß bei mir das Betrachten schon ein wenig schmerzt.


Und bei mir pocht das Filmliebhaber- und Westernherz gleich doppelt so schnell, wenn meine zarten Ohren nur die ersten Takte des Titelsongs vernehmen... :schilder_hschild:

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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 15:43 
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Dr. Zombi hat geschrieben:
Stanton hat geschrieben:
Und gerade Chisum ist dann auch einer dieser Filme die so mies sind, daß bei mir das Betrachten schon ein wenig schmerzt.


Und bei mir pocht das Filmliebhaber- und Westernherz gleich doppelt so schnell, wenn meine zarten Ohren nur die ersten Takte des Titelsongs vernehmen... :schilder_hschild:


vielleicht habt Ihr es ja an anderer Stelle schon besprochen, aber warum ist denn "Chisum" "so mies" - gibt es dafür auch Argumente außerhalb von direkten Vergleichen zu Regisseuren wie Hawks u. a.? Ich persönlich halte "Chisum" für einen sehr geglückten Vertreter innerhalb des Western-Genres in einem damals sehr beschädigten "Hollywood"-System, wo der Western als Genre eben nicht mehr seine ehemalige Marktposition innehatte - und wo man mit ehemaligen Stars wie Wayne auch nicht mehr besonders fiel anzufangen gewusst hat...
- auch die Themen wie heroische Männlichkeit, Ehre, "sich-Einsetzen-für-das-Gemeinwohl" - also Themen und Motive, die durchaus das Western-Gerne strukturieren - waren 1970 im post-klassischen Hollywoodfilm gänzlich an der Kinokasse überholt...

-doch gerade deshalb, aus den genannten Gründen, finde ich solche "anachronistische Erscheinungen" wie RIO LOBO oder CHISUM höchst bemerkenswert und die rein ästhetische Rezeption wird den Filmen wohl nicht gerecht...


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 16:04 
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McLaglens Inszenierung ist dermaßen einfallslos, daß es mir tatsächlich ein wenig weh tut, dazu kommen noch teils peinlich schlechte Dialoge und zu viele altmodische Klischees, so daß der an sich durchaus interessante Stoff mir fast gar keinen Spaß mehr macht. Chisum tendiert daher stark in Richtung Langeweile, die Todsünde aller Kunst.
Erst später hat McLaglen dann, etwas überraschend, doch noch ein paar passable Filme hinbekommen. Aber auch für Die Wildgänse kommen oder North Sea Highjack hätte ich mir einen besseren Regisseur gewünscht, einen der mehr aus dem Potential herausholt.

Dazu sei noch mal erwähnt daß für mich Unterhaltung in Filmen nicht nur über Geschichte, Charaktere oder Dialoge entsteht, sondern auch in sehr starken Maße über Erzähltechnik und Inszenierung, also über die eher filmischen Aspekte.
Spannung ist nicht nur, wie geht der Film weiter, wie endet er (ist ja zumeist ohnehin keine große Überraschung), sondern wie wird das erzählt, wie wird das inszeniert.


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 17:03 
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Stanton hat geschrieben:
McLaglens Inszenierung ist dermaßen einfallslos, daß es mir tatsächlich ein wenig weh tut, dazu kommen noch teils peinlich schlechte Dialoge und zu viele altmodische Klischees, so daß der an sich durchaus interessante Stoff mir fast gar keinen Spaß mehr macht. Chisum tendiert daher stark in Richtung Langeweile, die Todsünde aller Kunst.
Erst später hat McLaglen dann, etwas überraschend, doch noch ein paar passable Filme hinbekommen. Aber auch für Die Wildgänse kommen oder North Sea Highjack hätte ich mir einen besseren Regisseur gewünscht, einen der mehr aus dem Potential herausholt.



Stanton, ich kann all Deine Argumente nachvollziehen und akzeptieren... Dir liegt der Regisseur dann einfach wegen seines Stils, wegen seiner Erzähltechnik nicht so...

meine Erklärung, warum ich RIO LOBO oder CHISUM durchaus schätze, wäre: die Filme vermitteln durchaus ihren besonderen Entstehungskontext, indem sie unglaublich pathetisch sind, und sodann das "Alte" (den damals überholten, da nicht mehr glaubhaften Mythos vom Westen) noch einmal filmisch heraufbeschwören; das nimmt dann - für mich - solch eine nostalgische Tragik an, ein solcher Fatalismus zeigt sich dort, der mir einerseits sehr gut gefällt, und der dann auch andererseits - neben der zeitgenössischen Erscheinung des kritischen, re­vi­sio­nis­tischen Spätwestern - seinen Platz innerhalb des Genres haben sollte...

das Pathetische in RIO LOBO und CHISUM begründet sich ja darin, dass die Standardmotive des Western-Films, besonders das Freundschaftsmotiv und der Begriff der "Ehre", ostentativ herausgestellt werden, was dann gleichzeitig aber auch den "Mechanismus" des Genres gut herausstellt: wie funktioniert die Western-Erzählung, oder: wie erzählt man einen Western...

wenn ich Dich richtig verstehe, dann magst Du das gerne "realistisch", auf einer mimetischen Ebene, was natürlich seinen berechtigten Ansatz hat... wie gesagt, ich mag es sehr gerne, wenn der Film sich auch als "Film" (als Kunstwerk) zu erkennen gibt, indem er solche Meta-Schichten einbaut, weshalb ich dann wohl auch keine Schwierigkeiten mit narrativen Konstruktionen habe, ja, sie sogar sehr begrüße, da sie für mich auch so eine Art von "Filmsein" - von etwas Gemachtem - widerspiegeln...
es ist dann wohl die alte Frage, was Film sein soll: realistischer Spiegel oder fiktionale Schwelle in eine ästhetische Welt (natürlich die Grautöne mitdenken)... mir persönlich liegt eher der zweite Ansatzpunkt...


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 17:22 
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Also ich habe hier nichts davon gesagt daß ich realistische Filme bevorzuge (was immer man auch darunter verstehen mag), und ich mag ganz sicher auch haufenweise Filme die super unrealistisch sind. Auch mag ich ja Rio Lobo durchaus, nur halt deutlich weniger als z.b. El Dorado, während Chisum oder andere McLaglen Filme wie Bandolero oder The Way West da weit von entfernt sind. Ich mag auch viele Western die nicht wenige dumme Klischees enthalten, wenn sie halt gut gemacht sind. Was aber auch wieder ein sehr subjektives Kriterium ist, es gibt ja z.b. auch berühmte Filme bei denen cih nicht nachvollziehen kann warum andere die so toll finden, weil ich dann da das nicht sehe, was diejenigen da drin sehen.
Ich mag viele Arten von Western, die mythologischen, die revisionistischen, die postmodernen, die naiven, die komplexen etc, aber es kommt immer darauf an was der einzelne aus seinen Ideen macht.

Im Prinzip mag ich einfach Filme die Ideen haben, die einfallsreich sind, die etwas interessantes machen, die Fantasie haben.

Auch die anderen Sachen die du da ansprichst (Meta Schichten, fiktionale Schwelle in eine ästhetische Welt, das Gemachte widerspiegeln) entsprechen auch eher meiner Sicht aufs Kino, also da liegen wir jetzt nicht wirklich auseinander.
Aber in Bezug auf Chisum dann schon. Aber das macht ja nichts, Geschmäcker sind halt verschieden, selbst bei ähnlichen Vorlieben gibt es teils große Unterscheide.


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 17:52 
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Stanton hat geschrieben:
Im Prinzip mag ich einfach Filme die Ideen haben, die einfallsreich sind, die etwas interessantes machen, die Fantasie haben.



Ich hatte Dich so verstanden, dass Dir CHISUM wegen seinen "Ungereimtheiten" (in der Charakterbildung, in der Typensetzung, in der Dialogführung, in seinem Ursache-und-Wirkung-Prinzip, in der erzählerischen Umsetzung überhaupt) nicht so gefällt...sorry, wenn ich Dich da nicht verstanden habe...

Dein obiges Zitat (wie Deine gesamte Ausführung über Kunst) kann ich natürlich auch unterschreiben, wobei doch aber auch "unbeholfene" Filme durchaus unterhalten können...
schon der Versuch in CHISUM junge oder jüngere "Stars" einzubauen, die vielleicht ein neues Publikum anbinden sollen, ist doch herrlich unbeholfen und verrät sich schon im Ansatz...

"Brannigan - Ein Mann aus Stahl" finde ich so unglaublich daneben, indem man Wayne dort die Hauptrolle gegeben hat, dass es einfach nur amüsiert... Wayne agiert in dem Film doch wie ein Fisch, den man aus dem Aquarium genommen hat, heißt: aus dem Western in den Actionfilm... diese "Tragödie" kann doch ebenso Spaß machen, oder?


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 17:53 
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Nobody hat geschrieben:
Er hat diesen Wohlfühlfaktor beim Absehen.

"Wohlfühlfaktor" - du sagst es.
Da erinnere ich mich an ein Zitat aus der finalen Schießerei:

Jack Elam schießt mit seiner Flinte mal wieder in der Gegend herum und trifft nichts, darauf Wayne (sinngemäß):

"Schon wieder nichts getroffen"
Elam: "Ja, aber ballern macht Spaß."

Mr. Elam macht das Ballern Spaß und mir macht's Spaß, ihm dabei zuzuschauen und mich obendrein an der herrlichen Synchro zu erfreuen.


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 18:48 
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Howard Vernon hat geschrieben:
Stanton hat geschrieben:
Im Prinzip mag ich einfach Filme die Ideen haben, die einfallsreich sind, die etwas interessantes machen, die Fantasie haben.



Ich hatte Dich so verstanden, dass Dir CHISUM wegen seinen "Ungereimtheiten" (in der Charakterbildung, in der Typensetzung, in der Dialogführung, in seinem Ursache-und-Wirkung-Prinzip, in der erzählerischen Umsetzung überhaupt) nicht so gefällt...


Ach, da kommt einfach viel zusammen, obwohl ich einige Aspekte durchaus mag, wie z.b. dieser angemietete Killer der nachher gar nicht bestraft wird, und der Stoff an sich ist durchaus stark, aber die Umsetzung überhaupt nicht. Da stimmt und funktioniert vieles nicht. Als Kind fand ich den übrigens stark, aber das hat sich dann später ins Gegenteil gewandelt.

Und auch teils unbeholfene Filme können mir Spaß machen, das kommt aber immer auch den einzelnen Film an, aber irgendwelche Ideen muß ein Film schon haben. Ich habe da keine festen Regeln wie ein Film zu sein hat.
Letztendlich schaue ich erst mal ob ein Film Spaß macht, und wieviel Spaß er macht, und nachher überlege ich dann eventuell, aber das ist kein Muß, warum das so ist. Genau so sollten auch Kritiker vorgehen, nicht den Film nach irgendwelchen vorgegebenen Theorien beurteilen, sondern schauen was Spaß macht, und dann daraus eine Theorie entwickeln.


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 22:32 
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Stanton hat geschrieben:
Genau so sollten auch Kritiker vorgehen, nicht den Film nach irgendwelchen vorgegebenen Theorien beurteilen, sondern schauen was Spaß macht, und dann daraus eine Theorie entwickeln.

Das hast Du jetzt richtig schön gesagt! Nein ehrlich, das ist ein wirklich guter Ansatz Filme zu entdecken. Bekanntes neu zu sehen, und unbekanntes erst recht zu erleben. Danke schön!!

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 25.02.2018 23:17 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Stanton hat geschrieben:
Genau so sollten auch Kritiker vorgehen, nicht den Film nach irgendwelchen vorgegebenen Theorien beurteilen, sondern schauen was Spaß macht, und dann daraus eine Theorie entwickeln.

Das hast Du jetzt richtig schön gesagt! Nein ehrlich, das ist ein wirklich guter Ansatz Filme zu entdecken. Bekanntes neu zu sehen, und unbekanntes erst recht zu erleben. Danke schön!!


Und so funktioniert dann auch CHISUM: mit offenen Augen rein, ohne Überzeugung, wie ein Film "zu sein hat" oder nicht zu sein hat.

Es ist doch immer wider erstaunlich, wie ähnlich die Ansätze sein können - und doch ist jeder Mensch dann anders... Dem einen schmeckt Sauerkraut, und dem anderen halt nicht.

Würde alles bisher gesagte auch so unterschreiben.

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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 27.02.2018 20:40 
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Nachdem ich die letzten Tage hier mitgelesen habe, musste ich doch mal die DVD aus der Wayne-Box herausfischen, um Rio Lobo meiner Erstsichtung zu unterziehen. Eigentlich wurde schon alles gesagt. Ein unterhaltsamer Film mit gelungenen und weniger gelungenen Phasen, der etwas stärkere Nebenfiguren hätte gebrauchen können, vor allem bei den männlichen Charakteren mit Ausnahme von Elam.

Eine Szene, besser gesagt eine Einstellung, beschäftigt mich aber noch ein wenig. Wenn Wayne, Elam und Co. Victor French entführen und dessen Haus verlassen, gibt es eine Halbtotale bevor sie auf die Pferde steigen, wo ich den Eindruck hatte, dass John Wayne nicht John Wayne ist. Nun sind meine Augen nicht mehr das, was sie mal waren, und die olle DVD aus der Box genügt heutigen Ansprüchen auch nicht mehr zu 100%, aber irgendwie kam mir das komisch vor. Ich habe mir die Einstellung dreimal angeschaut und bin mir immer noch nicht sicher. Das Seltsame ist, dass "Wayne" von vorne gefilmt wird, es ist kein Stunt, und er hat sogar ein wenig Text. Wieso sollte man ihn da doubeln? Andererseits wirkt es auch so, als ob das vermeintliche Double krampfhaft versucht, nicht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und als er sich dann Richtung Pferd bewegt, neigt er den Kopf so, dass das Gesicht etwas verdeckt ist, und Nacht ist es auch noch. Bilde ich mir das alles ein oder kann das jemand bestätigen? Hat jemand den Film in HD und kann mal schauen? :-D Falls es tatsächlich nicht der Duke ist, gibt es eventuell sogar eine Anekdote dazu?


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 27.02.2018 21:29 
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ephedrino hat geschrieben:
Nachdem ich die letzten Tage hier mitgelesen habe, musste ich doch mal die DVD aus der Wayne-Box herausfischen, um Rio Lobo meiner Erstsichtung zu unterziehen. Eigentlich wurde schon alles gesagt. Ein unterhaltsamer Film mit gelungenen und weniger gelungenen Phasen, der etwas stärkere Nebenfiguren hätte gebrauchen können, vor allem bei den männlichen Charakteren mit Ausnahme von Elam.

Eine Szene, besser gesagt eine Einstellung, beschäftigt mich aber noch ein wenig. Wenn Wayne, Elam und Co. Victor French entführen und dessen Haus verlassen, gibt es eine Halbtotale bevor sie auf die Pferde steigen, wo ich den Eindruck hatte, dass John Wayne nicht John Wayne ist. Nun sind meine Augen nicht mehr das, was sie mal waren, und die olle DVD aus der Box genügt heutigen Ansprüchen auch nicht mehr zu 100%, aber irgendwie kam mir das komisch vor. Ich habe mir die Einstellung dreimal angeschaut und bin mir immer noch nicht sicher. Das Seltsame ist, dass "Wayne" von vorne gefilmt wird, es ist kein Stunt, und er hat sogar ein wenig Text. Wieso sollte man ihn da doubeln? Andererseits wirkt es auch so, als ob das vermeintliche Double krampfhaft versucht, nicht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und als er sich dann Richtung Pferd bewegt, neigt er den Kopf so, dass das Gesicht etwas verdeckt ist, und Nacht ist es auch noch. Bilde ich mir das alles ein oder kann das jemand bestätigen? Hat jemand den Film in HD und kann mal schauen? :-D Falls es tatsächlich nicht der Duke ist, gibt es eventuell sogar eine Anekdote dazu?


Hab den Film zwar nicht zur Hand (bin mir nicht mal sicher ob ich den überhaupt habe), habe aber gelesen, dass Wayne aus gesundheitlichen Gründen während der Dreharbeiten in vielen Szenen gedoubelt wurde. Bei imdb ist dazu folgendes zu lesen:
" John Wayne was in poor health during filming, and frequently had great difficulty getting on and off of his horse. He was also still recovering from tearing a ligament in his shoulder while filming Die Unbesiegten (1969)."
Also gut möglich das es sich in der Szene um ein Double handelt.


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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 27.02.2018 22:23 
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Oder er war gerade nich am Set, da er während des Drehs seinen Oscar in LA bekommen hat :).

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 Betreff des Beitrags: Re: RIO LOBO - Howard Hawks
BeitragVerfasst: 28.02.2018 19:24 
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Die angesprochene Szene findet sich bei 1:23:30 und auch ich hatte den Eindruck, dass der Duke hier gedoubelt wurde - auffällig insbesondere beim aufsitzen und anschließendem fortreiten.


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