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 Betreff des Beitrags: THE NIGHT OF MEDUSA - Joshua Kennedy
BeitragVerfasst: 31.03.2018 12:39 
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The Night of Medusa
USA 2016 - Written, Produced, Directed & Edited by Joshua Kennedy
Starring: Haley Zega, Carmen Vienhage, Liam Wildes, Joshua Kennedy, Jonathan Danziger, Traci Thomas, Madison Reiske...


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Ich habe ja ein großes Faible für ambitionierte Ultra-Low-Budget-Produktionen, denen man ansieht, daß der kreative Kopf hinter dem Ganzen mit Leib und Seele bei der Sache war, um seine Vision auch ohne nennenswertes Budget ansprechend zu verwirklichen. Da sehe ich dann auch über diverse Schwächen gerne großzügig hinweg. Und daß es in dieser Hinsicht immer mal wieder was Interessantes zu entdecken gibt, beweist einmal mehr Joshua Kennedy, über den ich erst kürzlich gestolpert bin. Bereits im zarten Alter von fünf Jahren wagte Kennedy erste filmische Gehversuche (It Came from the Bathroom), und den ersten Film, der es zu DVD-Ehren bringen sollte (Attack of the Octopus People, 2010), drehte er mit Sechzehn. In weiterer Folge entstanden, unter anderem, Slave Girls on the Moon (2014), The Vesuvius Xperiment (2015), Dracula A.D. 2015 (2015), The Alpha Omega Man (2017) und Theseus and the Minotaur (2017). Schöne Titel, die bereits andeuten, daß Kennedy zu den Filmverrückten zählt, die enthusiastisch ihren Vorbildern huldigen. The Night of Medusa bildet da keine Ausnahme.

The Night of Medusa ist eine Liebesbekundung an Hammer Films' The Gorgon (Die brennenden Augen von Schloss Bartimore, 1964), aber das ist noch nicht alles. Der Film birst nahezu aus allen Nähten vor unzähligen Anspielungen auf viele verschiedene Filme, manchmal in Form von Namen oder Dialogen, ein andermal durch charakteristische Sets oder Zitieren von prägnanten Szenen. So streut Kennedy beispielsweise ganz nebenbei eine tolle Hommage an die berühmte Duschszene in Hitchcocks Psycho ein, zitiert das Overlook Hotel aus Kubricks The Shining und huldigt ein andermal wiederum Val Lewtons und Jacques Tourneurs Cat People. Und das sind nur die offensichtlichsten Verweise; um alle zu erfassen, muß man sich wohl den Audiokommentar des Filmemachers zu Gemüte führen. Das Tolle an The Night of Medusa ist allerdings, daß er auch losgelöst von all den Hommagen funktioniert. Natürlich ist es hilfreich, ein Fan von Vintage-Horrorfilmen der 1930er- bis hin zu den 1980er-Jahren zu sein, aber es ist beileibe keine Voraussetzung. Denn auch ohne jegliches Hintergrundwissen kann man sich am Streifen gut ergötzen.

Kennedy bringt die Story straight über die Runden, verzichtet sowohl auf anbiederndes Augenzwinkern als auch auf ablenkende Humoreinschübe. Er nimmt die Geschichte ernst, und er nimmt seine Figuren ernst, insbesondere seine sympathische Protagonistin. Im Zentrum steht Elaine Carlisle (Haley Zega), eine griechische Austauschstudentin, welche die renommierte Pace University in New York besucht und von seltsamen Träumen heimgesucht wird. Ihr Zimmer teilt sie sich mit Courtney Ambrose (Carmen Vienhage), die aus ihrer Abneigung ihr gegenüber keinen Hehl macht. Als Courtney hört, daß Elaine noch Jungfrau ist, reift in ihrem Hirn der Plan für einen perfiden Streich, bei dem ihr Sydney Pearson (Liam Wildes), ihr Lover, helfen soll. Was niemand weiß, selbst Elaine nicht, ist, daß die berüchtigte Medusa in der hübschen Griechin reinkarniert ist. Der heimtückische Prank erschüttert Elaine bis ins Mark und trägt entscheidend dazu bei, daß sich ihr Schicksal erfüllt. Unterstützung erhält sie vom mysteriösen Graf Saknussemm (Joshua Kennedy als wortkarger Zé do Caixão-Verschnitt), der ihr behutsam den Weg weist.

Obwohl The Night of Medusa im Hier und Jetzt angesiedelt ist (gedreht wurde on location in New York City, vor allem an der Pace University und im Metropolitan Museum of Art), fühlt er sich phasenweise an wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Kennedy nimmt sich viel Zeit, um die Figuren dem Publikum nahezubringen, und es lohnt sich. Wie bei Brian De Palmas Carrie (mit dessen Grundplot der Film einige Parallelen aufweist) schließt man die unglückliche Protagonistin in sein Herz und ist auf ihrer Seite, wenn sie sich am Ende bitter für die begangene Untat rächt. Überhaupt liegen Kennedys Sympathien auf Seiten der Monster; auch die legendäre Medusa wird als tragische, gebrochene Figur portraitiert, der übel mitgespielt wurde. Und so zieht sich eine leicht melancholische Stimmung durchs Geschehen, wie man sie bei minibudgetierten Filmen selten findet. Die zurückhaltend eingesetzten Spezialeffekte (für die Haare der Medusa filmte Kennedy in einer Tierhandlung kleine grüne Schlangen und fügte sie dann in den Film ein) haben Charme, die Akteure und Aktricen überzeugen, und auch an Kameraarbeit und Szenenausleuchtung gibt es nichts auszusetzen.

Auch wenn gewisse Momente stärker sind als der Film als gesamtes, The Night of Medusa hat einfach einen schönen, stetigen Fluß. Der Plot entwickelt sich gemächlich und mit Bedacht, ohne Hektik, ohne Längen, dafür mit viel Gefühl. Wohin die Reise führt, ist recht schnell offensichtlich. Elaines Schicksal ist unausweichlich, egal, wie sehr sie dagegen ankämpft. Die Stimmung ist generell düster, verstärkt durch den gelungenen Einsatz von klassischer Musik, und die paar gut getimten Spielereien wie Bildverfremdung, Farbfilter und ins Negativ gekehrte Bildkompositionen tragen ebenfalls zur seltsamen, etwas märchenhaft anmutenden Atmosphäre bei. Ansonsten übt sich Kennedy in Verzicht. Er deutet vieles an, zeigt aber nur sehr wenig. Und das macht er ziemlich geschickt, sodaß man die fehlenden Zwischenräume unwillkürlich in der Phantasie auffüllt. Die Versteinerung beim Anblick der Medusa etwa entsteht komplett im Kopf. Das gekonnte Spiel mit Licht und Schatten sowie ein gut gelungener Schockmoment runden diesen etwas anderen Monsterfilm adäquat ab. All das zusammen macht The Night of Medusa zu einem kleinen Fest für Fans von Gruselfilmen alter Schule.

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