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 Betreff des Beitrags: CHINATOWN - Roman Polanski
BeitragVerfasst: 07.04.2018 00:00 
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Produktionsland/Jahr: USA 1974
Darsteller: Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Darrell Zwerling, Diane Ladd, Roy Jenson, Burt Young
Drehbuch: Robert Towne
Produziert von: Robert Evans
Musik: Jerry Goldsmith

Los Angeles in den 30ern: Der Privatdetektiv Jake Gittes (Jack Nicholson) wird von Evelyn Mulwray (Faye Dunaway), der Frau einer angesehenen Lokalgröße beauftragt, ihren Mann zu überwachen.
Tatsächlich verschafft er ihr Fotos von ihrem Mann Hollis und einer jungen Frau. Die erscheinen bald darauf in einer Zeitung und Gittes muss feststellen, dass seine Auftraggeberin gar nicht die Frau des Opfers war, sondern eine Unbekannte.
In seiner Ehre gekränkt macht Gittes weiter und sticht direkt in ein Wespennest rund um ein korruptes Bewässerungsprojekt in der Wüstenregion der Stadt. Als Mulwray ertrunken aufgefunden wird, wird die Angelegenheit immer mysteriöser. Drahtzieher der Affäre scheint ein gewisser Noah Cross (John Huston) zu sein und auch die junge Dame von den Fotos scheint eine große Rolle zu spielen...
(Ofdb)

CHINATOWN wurde zur zweiten (und auch schon letzten) reinen US-Produktion von Polanski.
Er hat den Neo-Noir damit in neue Sphären gehoben, zu neuem Ruhm verholfen, hat dem Genre zweifellos ein Meisterwerk hinzugefügt und gleichzeitig eine neue Neo-Noir-Welle ausgelöst.
Die Frage ist nur: Inwieweit ist die Klasse dieses Films Polanski anzurechnen und wie viel der Ehre gebührt dem Autor Robert Towne (der für das Drehbuch ja sogar den Oscar bekommen hat)?
Fraglos hochverdient m.E., hat er es doch geschafft, wirklich die Detektivfiguren in der Tradition von Hammett und Chandler weiterzuführen, glaubwürdig in die Moderne der 70er zu überführen und dort zeitgemäß einzubetten.
Er schließt also doch irgendwie an die klassischen Noirs an.
Aber es sind nicht nur die Figuren generell, es ist die Geschichte um das Bewässerungsprojekt ebenfalls hervorragend ausgearbeitet und es sind die einzelnen Szenen einfach wunderbar aufgebaut.
Damit sind wir jetzt bei der Aufgabe des Regisseurs: Polanski hat ein exzellentes Drehbuch, hat Szenenbeschreibungen und Dialoge und versucht das nach seiner Meinung bestmöglich zu realisieren.
Und wie er das tut, das ist immer wieder herrlich anzuschauen.
Mir fällt die Szene mit der ersten Begegnung zwischen Gittes und Evelyn Mulwray ein.
Wie er heraußen bei seinen Kollegen steht, ihnen einen Witz erzählt und ohne, dass er es merkt die Tür seines Büros geöffnet wird und wir darin (also hinter ihm) eine Frau stehen sehen, die sich dann als Evelyn Mulwray herausstellt.
Ich kann nicht erklären warum, aber die Szene hat mir so ein eigenartiges Gefühl gegeben, man spürt eine ganz eigene Spannung darin, die mich unweigerlich an IM ZEICHEN DES BÖSEN erinnert hat, an die Szene, wo Quinlan (Orson Welles) das erste Mal wieder auf Tana (Marlene Dietrich) trifft.
Denn der Witz, den Gittes erzählt, ist absolut nebensächlich, sobald sich die Tür öffnet.
Seine Kollegen geben es bald auf, ihn darauf hinweisen zu wollen, dass da jemand ist, der mit ihm sprechen will und plötzlich stehen alle regungslos da (fast pittoresk möchte ich meinen), nur Gittes merkt nichts und redet weiter, als ob überhaupt nichts wäre - einfach grandios.
Und es ist bei weitem nicht die einzige Szene, von derartiger Intensität.
Der Film ist mysteriös, er ist spannend, er ist optisch wirklich sehr schön gemacht, wunderschöne Bilder im Überfluss und er ist erstklassig besetzt.
Ich glaube, besser könnte ich mir diesen Film in keiner Hinsicht wünschen.
Es fällt mir sogar schwer, für vieles was der Film mir gibt, wie er auf mich wirkt, wie ich das alles empfinde, die richtigen Worte zu finden, mir gehen die Superlative aus.
Ich möchte daher, um zu verdeutlichen, wie das Gesamtwerk auf mich wirkt, folgenden Vergleich bemühen:
CHINATOWN steht zum Film Noir, ähnlich wie SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD zum Western.
Ich habe das Gefühl, Polanski (oder auch Towne, soweit es am Drehbuch liegt) hätte das Genre in seiner Quintessenz, in seiner Ästhetik besser verstanden, als Huston es je tat.
Bitte nicht falsch verstehen, das soll Hustons Leistung oder seine Bedeutung für den Film Noir keinesfalls herabsetzen, nur mein persönliches Gefühl widerspiegeln.
CHINATOWN ist (für mich zumindest) ganz klar eine Hommage an den klassischen Noir und an Huston im doppelten Sinn.
Denn für Huston ist sogar hier noch Platz und auch wenn er in der Rolle des Noah Cross nur 2, 3 Szenen hat (worin er die anderen Beteiligten locker an die Wand spielt), hat er wenigstens die Ehre, das größte Arschloch im ganzen Film zu spielen.
Darüber hinaus war es mir höchst erfreulich, auch Polanski selbst in einer Szene zu erblicken, der kurz die Schärfe seines Messers an Nicholsons Nasenflügel prüft.
Das ist ja, denke ich, sowieso über die Jahre zur Kultszene geworden.
Zu guter Letzt jetzt noch ein Wort zur Musik von Jerry Goldsmith.
Was der hierfür geschrieben hat, ist tatsächlich ausnahmsweise einmal genau (aber ganz genau) das, was ich mir für einen Film Noir (egal ob klassisch oder Neo) immer wünschen würde, in dem Stil.
Gar nicht groß dramatisch oder pompös orchestriert, sondern "leise", fast minimalistisch und einfache Melodien.
Genau so würde das m.E. gehören und da das hier auch noch so ist, ist es für mich keine Frage mehr, dass ich hierfür die Höchstnote vergebe.
10/10

Trailer:
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


Zuletzt geändert von Sbirro Di Ferro am 07.04.2018 16:25, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: CHINATOWN - Roman Polanski
BeitragVerfasst: 07.04.2018 12:17 
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Auch für mich ein fulminantes Meisterwerk, bei dem einfach alles stimmt.

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