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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 12.06.2015 14:48 
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Hier will ich die Aussage von archenemydomi noch bestätigen. Mag sein, dass die Kinofassung auf der Illusions in 1080p kodiert ist, aber die Ausgangsbasis ist schlecht, viele Treppecheneffekte etc. Illusions haben dies mit dem Ausgangsmaterial begründet (erst im Nachhinein, versteht sich), was aus meiner Sicht ein schlechter Witz ist, meines Wissens gibt es auf Filmmaterial keine digitalen Treppecheneffekte etc. :roll:

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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 12.06.2015 15:44 
Zane hat geschrieben:
Hier will ich die Aussage von archenemydomi noch bestätigen. Mag sein, dass die Kinofassung auf der Illusions in 1080p kodiert ist, aber die Ausgangsbasis ist schlecht, viele Treppecheneffekte etc. Illusions haben dies mit dem Ausgangsmaterial begründet (erst im Nachhinein, versteht sich), was aus meiner Sicht ein schlechter Witz ist, meines Wissens gibt es auf Filmmaterial keine digitalen Treppecheneffekte etc. :roll:



Die Bildqualität meiner England DVD ist wirklich sehr gut. Die Illusions hätte ich nur wegen der Kinofassung gekauft aber wenn ich das hier so lese, bin ich mit der England DVD besser beraten.


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 26.07.2015 18:16 
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Bei jess franco filme muss ich noch einiges nachholen da hab ich noch nicht viel gesehen eigebtlicb gut so da kann ich mich noch auf einige freuen :) muss ich endlich mal in angriff nehemen werde wohl mit exorcisme den anfang machen :D


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 06.06.2016 14:07 
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● EWA STROEMBERG als DR. CRAWFORD in
SIE TÖTETE IN EKSTASE (D|E|1971)



Nach einer Reihe von Rollen, die Ewa Stroemberg in Filmen des spanischen Regisseurs Jess Franco übernommen hatte, sieht man sie in "Sie tötete in Ekstase" in einer ihrer vielleicht schönsten Rollen, was sich in erster Linie auf das in Szene setzen der Schwedin bezieht. Gerade in dieser Produktion ist die weibliche Konkurrenz gerade durch die Titelrolle von Susann Korda denkbar stark ausgefallen, doch beide kommen sich weniger ins Gehege, da die Rollen klar aufgeteilt, beziehungsweise strikt voneinander getrennt sind. Die unterschiedliche Anlegung sieht vor, dass man Stroemberg nicht als Sympathieträgerin identifizieren möchte, wenngleich es eigentlich gegen alle Logik stattfindet. Vom Aufbau her ist es Susann Korda, die als negative Heldin zu strahlen vermag und den Zuschauer vereinnahmen wird. Da es nur zwei signifikante weibliche Rollen im Geschehen zu finden gibt, heißt das Credo hinter vorgehaltener Hand fast schon »gleiches Recht für alle«, und der Zuseher darf sich am großen Interesse der Kamera erfreuen, denn sie hebt die Darstellerin exponiert in Erscheinung. Franco legte offenbar mehr wert auf Dr. Crawfords Wandlungsfähigkeit, die sich hier vornehmlich im optischen Bereich abzuspielen scheint, aber man bekommt auch kleinere charakterliche Finessen geboten, die mehr als wohlwollend aufgenommen werden. Dr. Crawford wird trotz ihres bezaubernden Äußeren als analytisch denkende Medizinerin in den Fokus gerückt, die harte Allüren an den Tag zu legen weiß. Sachlichkeit und Unerbittlichkeit wirken als Kopplung zurückstoßend, ihre Attraktivität und die beeindruckende Aura allerdings gleichermaßen wie ein Magnet.

Diese Voraussetzungen sind sicherlich dem Faible der Regie zu verdanken, die sich das Servieren der Damen auf einem Silbertablett zur vornehmsten Aufgabe machte. Für die Geschichte ist Dr. Crawfords angebahnte Präsentation vollkommen irrelevant, da die Voraussetzungen nicht genutzt, beziehungsweise wenig später komplett fallen gelassen werden, weil sie es ist, die der Titelrolle mit Haut und Haaren zu verfallen hat. Die Szenen vor der Küste und im strahlenden Sonnenschein sind mitunter die schönsten Einstellungen, die man überhaupt von der aparten Schwedin in Filmen finden kann, auch der anfängliche harte Eindruck zu ihrer Person ist plötzlich wie weg gewischt. Sie lächelt, sie strahlt, wirkt gelöst und unbefangen. Ihre abschließenden Szenen mit der ekstatischen Mrs. Johnson strotzen nur so von Ästhetik und sind vollkommen erotisch aufgeladen, bis es Nadelstriche für den Zuschauer gibt. Im Großen und Ganzen handelt es sich zweifellos um eine von Ewa Stroembergs aufregendsten Rollen und in "Sie tötete in Ekstase" sieht man die mittlerweile zu Francos Stammpersonal zählende Darstellerin obendrein in der Blüte ihrer Schönheit. Leider sollten nach dieser Produktion schon keine Handvoll Filme mehr mit ihr zu Stande kommen, mit dem Spanier drehte sie anschließend nur noch "Dr. M schlägt zu". Stroembergs Dr. Crawford bleibt also als eine ihrer sicherlich spektakulärsten Darbietungen in Erinnerung und rangiert ganz hoch oben in der persönlichen Bestenliste, da hier Leichtfüßigkeit, Spiellaune, Leidenschaft, eine interessante Anlegung der Rolle und die alles überstrahlende Präsenz zusammen kommen, Eigenschaften, die je nach Präferenz sogar Susann Korda in die zweite Reihe verweisen können.


➥ EWA STROEMBERG


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 12.06.2016 16:34 
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Wen interessiert Ewa Stroemberg wenn Soledad Miranda mitspielt? ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 12.06.2016 19:02 
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Stanton hat geschrieben:
Wen interessiert Ewa Stroemberg wenn Soledad Miranda mitspielt? ;)

Sieh es doch einfach als netten Versuch an. Etwa so, wie ich es mit Deinem Kommentar mache. :lol:


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 12.06.2016 19:21 
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Hey, nicht für ungut, war nicht so ernst gemeint ...


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 12.06.2016 20:32 
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Ach, hier lässt sich doch über Geschmack streiten. ;)
Und es ist ja tatsächlich so, dass Soledad Miranda quasi einen festen Platz im Olymp der Ausstrahlung hat.
Ich mag sie auch gerne, aber die Stroemberg hat mich eben schon immer mehr begeistern können.
Daher eine ziemlich einfache Geschichte.


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 13.06.2016 06:17 
Ich könnte mir vorstellen das Strömbergs Sexappeal bei mehr Männern wirkt als Soledads.
Blond üppig und drall dürfte da schon eine größere Wirkung haben, auch wenn Soledads größerer Kultcharakter unbestritten ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 13.06.2016 11:12 
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Üppig und drall war nie so mein Geschmack.

Ich habe beide auch gerade in Der Teufel kam von Akasava gesehen. Ein bemerkenswert schlechter Film, bei dem die einzige spannende Frage war, was Soledad wohl in der nächsten Szene anhat (oder eher nicht anhat). Schauspielern ist wohl bei beiden nicht so wirklich ihr Ding, aber ich mag Soledads Gesicht, während ich Ewas etwas maskenhaft empfinde.

Ich glaube den hier habe ich auch noch runtergeladen, oder es ist der andere von Franco den Soledad noch in diesem Jahr gedreht hat


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 13.06.2016 11:43 
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Vergleichsweise halte ich Ewa Stroemberg sowieso für die bessere Schauspielerin, wobei beide ja häufig nicht viel abzurufen hatten.
Stroemberg blieb immer so eine Art nordischer Prototyp, und wenn man mal alles komplett reduzieren möchte, ja, an ihr war einfach mehr dran.
Mit ihr kenne ich aber auch wesentlich mehr Filme, da lassen sich dann andere Vergleiche ziehen.
Und bei Soledad Miranda fällt mir ohnehin auf, dass ich sie hauptsächlich nur als Susann Korda kenne, also in Sphären der ausschließlichen Uniformität.


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 14.04.2018 11:32 
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Sie tötete in Ekstase
(She Killed in Ecstasy)
Deutschland/Spanien 1971 - Written & Directed by Jesús Franco
Starring: Soledad Miranda, Fred Williams, Paul Muller, Howard Vernon, Ewa Strömberg, Jesús Franco, Horst Tappert...


Bild

Langsam nähert sich die junge, schöne, dunkelhaarige Frau mit dem purpurvioletten Umhang, der mehr enthüllt als er verbirgt, dem Bett, auf dem der ältere Mann nackt und in freudiger Erwartung liegt, und legt sich zu ihm. "Du mußt gemein zu mir sein. Du mußt mich mit den übelsten Worten beschimpfen, ich brauche das", sagt der Mann, der die Frau für eine Prostituierte hält. Ohne zu zögern steigt die Frau darauf ein. "Ja, weil du impotent bist. Du Schwein. Du bist eine Ratte. Ich hasse dich!" - "Ja, ja", flüstert der Mann erregt, "ja, weiter." - "Du perverses Schwein", erwidert sie und verpaßt ihm eine schallende Ohrfeige. Der Mann ist begeistert. "Ja, schlag mich!" - "Ich schlag dich tot!" - "Ja, schlag doch, bitte!" Die Frau zieht ihm ihre Fingernägel über die Brust, gefolgt von weiteren Schlägen. Lustvoll stöhnt das glückliche Opfer. "Ja, weiter." Erst kommt die Frau seinen Wünschen nach, dann jedoch fingert sie unbemerkt ein Messer hervor, welches in ihren schwarzen Strapsen verborgen war, und zieht ihm die scharfe Klinge entschlossen über die Gurgel. Während der überraschte Mann sein Leben aushaucht, entfernt sie die Decke und beginnt, in wilder Raserei auf seinen Unterleib einzustechen. Mit weit aufgerissenen Augen, das hübsche Gesicht zu einer wütenden Fratze verzerrt, starrt sie den nackten Toten haßerfüllt an. Kurz darauf verläßt sie das Hotelzimmer.

"Der Preis für unser beider zerstörter Leben kann nur der Tod sein."

Bei der gemeinen Mörderin handelt es sich um Mrs. Johnson (Soledad Miranda), und ihr entmanntes Opfer hörte auf den Namen Jonathan Walker (Howard Vernon), ein angesehener Professor der Ärzteschaft. Ihr Motiv: Rache. Professor Walker und seine Kollegen Dr. Houston (Paul Muller), Dr. Donen (Jesús Franco) und Dr. Crawford (Ewa Strömberg) haben ihrem mit menschlichen Föten experimentierenden Ehemann (Fred Williams) nämlich derart zugesetzt, daß er sich in seiner Verzweiflung das Leben genommen hat. Unglücklicherweise ist die frischgebackene Witwe nicht dazu in der Lage loszulassen; sie weigert sich, den Tod ihres Mannes zu akzeptieren, behält seine Leiche bei sich, redet (und macht weiß Gott was sonst noch) mit ihr. Sie lebt nur noch für ihre Rache. Produzent Artur Brauner war von den Dailies, die er von Vampyros Lesbos zu sehen bekam, dermaßen begeistert, daß er Franco sofort einen weiteren Film anbot und ihm dabei freie Hand ließ. Der dankte es ihm mit Sie tötete in Ekstase, einem morbiden Erotik-Thriller-Drama über eine wahnsinnige Frau, die bei ihren mehr oder weniger hilflosen Opfern - niemand ist dazu imstande, ihr zu widerstehen - Lust sät und Tod erntet. Einen nach dem anderen knöpft sie sich vor, unerbittlich wie ein Jagdhund, welcher der frischen Fährte eines verwundeten Hirsches folgt. Das Wort "Erbarmen" hat sie aus ihrem Vokabular gestrichen.

Das nicht sonderlich spannend aber sehr elegant und träumerisch inszenierte Geschehen wird beherrscht von seiner atemberaubenden Hauptdarstellerin, der es leider nicht mehr vergönnt war, das fertige Ergebnis zu sehen. Soledad Miranda (Vampyros Lesbos) starb am 18. August 1970 in Portugal bei einem Verkehrsunfall, im Alter von nur siebenundzwanzig Jahren. In Sie tötete in Ekstase geht sie vollkommen in ihrer Rolle auf, sodaß man glatt denkt, daß sie nicht spielt, sondern einfach ist. Ihre Performance ist schlicht und ergreifend umwerfend, wobei sie eine Wandlungsfähigkeit zur Schau stellt, die verblüfft. Mal ist sie reizend und anschmiegsam, mal grausam und gefährlich, mal manisch und unberechenbar. Sie lebt die Figur in all ihren Facetten, verleiht ihr zu gleichen Teilen etwas unbezähmbar Animalisches wie auch etwas zutiefst Tragisches. Soledad Mirandas Leinwandpräsenz ist gewaltig, ihr Charisma ist bemerkenswert. Sie ist eine betörende Wucht. Das Faszinierendste an ihr sind allerdings die dunklen, tiefbraunen, ausdrucksstarken, unergründlichen Augen. In einem Moment kann man sich in sie verlieben und möchte in sie eintauchen, im nächsten ist man von ihnen abgestoßen und zuckt erschrocken und fröstelnd zurück. Ihre intensiven Blicke, als sie ihren Opfern in ekstatischem Taumel zu Leibe rückt, sorgen für Gänsehaut am ganzen Körper.

Sie tötete in Ekstase bietet sich meines Erachtens gut als Einstieg ins Franco-Universum an (seine gewaltige Filmographie umfaßt um die zweihundert Einträge). Die Geschichte ist recht geradlinig, die charakteristischen Zooms halten sich in Grenzen, die restliche Cast agiert angemessen, und weder in Punkto Gewaltdarstellungen noch in Hinblick auf sexuelle Ausschweifungen schlägt Franco über die Stränge. Manuel Merinos Kamera fängt das Geschehen so gekonnt wie stilvoll ein, während das Publikum von Manfred Hüblers und Sigi Schwabs funkig-jazzigen Kompositionen geschickt eingelullt wird. Zugegeben, aufregend ist der Film - sieht man mal von Soledad Miranda ab - nicht wirklich, und Horst Tappert als nutzlosen Inspektor hätte man sich getrost sparen können, aber der abgründig-perverse Grundton und die konsequente Umsetzung seiner Vision gleichen diese Defizite mehr als nur aus. Francos beste Filme haben eine eigen(willig)e Stimmung und einen ganz eigenen, irgendwie entspannten Rhythmus, auf den man sich einlassen muß. Schafft man das nicht, wird einem der Streifen vermutlich unendliche Langeweile bescheren. Gelangweilt habe ich mich keine Sekunde, im Gegenteil. Ich habe die achtzig Minuten regelrecht genossen. Ungeachtet seines Stars ist Sie tötete in Ekstase ein guter Film. Soledad Miranda macht ihn zu etwas Besonderem.

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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 21.11.2018 13:10 
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BEWERTET: "Sie tötete in Ekstase" (She killed in Ecstasy) (Deutschland / Spanien 1971)
mit: Susann Korda, Fred Williams, Paul Muller, Howard Vernon, Ewa Strömberg, Horst Tappert, Jesús Franco, Rudolf Hertzog, Karl Heinz Mannchen u.a. | Drehbuch und Regie: Jess Franco

Der Mediziner Dr. Johnson forscht an menschlichen Embryonen, die er mit tierischen Genen versetzt, um sie widerstandsfähiger gegen Krankheiten zu machen. Seine Kollegen reagieren auf die Vorstellung seiner Arbeit entsetzt und beschließen einstimmig, ihm Berufsverbot zu erteilen, weil er gegen den hippokratischen Eid verstoßen und die ethischen Prinzipien überschritten hat. Dr. Johnson ist am Boden zerstört und sieht keinen Ausweg als Selbstmord. Seine junge Witwe kann den Tod ihres Mannes nicht verwinden und behält die Leiche in ihrem Haus, während sie Rache an den Berufskollegen von Dr. Johnson schwört. Sie sucht einen nach dem anderen auf, mit der Absicht, ihn in eine tödliche Falle zu locken....

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Die Fronten der Handlung werden innerhalb weniger Minuten klar abgesteckt: Dr. Johnsons Tod hat seine Frau in ein emotionales Loch gestürzt, ihre Gefühle verlangen nach einem Ausweg, der die Ungerechtigkeit beseitigt - und damit deren Urheber - welche für den Tod des ehrgeizigen Mediziners verantwortlich ist. In offenen Worten sprechen die Wissenschaftler aus, was sie von den Experimenten Dr. Johnsons halten. Ihre harten Anschuldigungen reichen von Scharlatanerie bis Gotteslästerung, selbstgerecht sitzen die vier Kollegen über Dr. Johnson zu Gericht und sparen nicht mit Vorwürfen. Die Riege der versammelten Richter über Sein oder Nichtsein thront über den eifrigen Zuhörern, die wissbegierig alles aufsaugen, was ihnen von höherer Stelle vermittelt wird. Die moralische Integrität des Quartetts will aber nicht so recht überzeugen, vielmehr scheint eine persönliche Rechnung mit Dr. Johnson offen zu sein, der eigenmächtig den vorgegebenen Weg verlassen hat, um Neues auszuprobieren und auch ohne den Segen des Kuratoriums umzusetzen. Das Versagen der Autoritäten bildet den Kern der Handlung: Das Gefüge der geistlichen und weltlichen Ordnungshüter zeigt Risse und erklärt - oder rechtfertigt? - zumindest zum Teil die Reaktion der weiblichen Hauptfigur. Heuchelei, Doppelzüngigkeit, Bigotterie, Realitätsferne und Selbstüberschätzung dominieren die Führungsstrukturen quer durch alle Bereiche. Der Pfarrer spricht die versammelten Frauen und Mädchen in der Kirche mit "Meine Brüder" an; Professor Walker holt sich eine vermeintliche Prostituierte aufs Zimmer und faltet die Hände zum Gebet; Dr. Houston bietet der weinenden Frau ziemlich aufdringlich seine Hilfe an, obwohl sie verheiratet ist und der Inspektor will die Mordserie erst einmal laufen lassen, um zu sehen, welche Erkenntnisse sie liefert. Das Grundvertrauen ist erschüttert, weswegen sich das Ehepaar Johnson in einen privaten Kokon zurückzieht, der jedoch für den Mann bald zu eng wird. Die Isolation entzieht ihm nicht nur seine Lebensgrundlage, sondern auch den Sinn seines Daseins. Er lässt seine Frau ohne ein Wort zurück, was sie zum Anlass nimmt, künftig für ihn zu sprechen und zu handeln.

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Soledad Rendón Bueno, die hier unter dem Künstlernamen Susann Korda spielt, wird von Regisseur Franco einiges abverlangt. Als Tänzerin ist sie es gewohnt, jede Bewegung ihres Körpers zu beherrschen und die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das Wechselspiel von Aggression und Niedergeschlagenheit sorgt für vermeintliche Ruhepausen zwischen den Morden, die jedoch mindestens so verstörend sind wie der Kampf mit Messer, Schere und Kissen. Nach den Taten weicht der tobende Hass einer bitteren Verzweiflung, wenn sich Mrs. Johnson nach dem bereits Spuren der Zersetzung zeigenden Körper ihres Mannes verzehrt und in stummer Hoffnungslosigkeit mit rasendem Herzen auf dem Sofa kauert. Der fehlende Zuspruch, die ausbleibende Absolution für ihre Taten und die Erkenntnis, dass die Toten durch ihr Ableben den Schmerz über den Verlust ihres Mannes nicht aufheben können, lassen sie immer schneller und zerstörerischer zu Werke schreiten. Die Taten dienen nicht nur dazu, die Personen zum Schweigen zu bringen, sie zu erniedrigen und zu bestrafen, sondern auch dem Beweis, die Stärkere zu sein und aus dem Schatten ihres Mannes herauszutreten. Susann Kordas schwarze Augen blitzen voller Abscheu, wenn sie vor Wut explodiert und ihre Opfer vernichtet, ebenso weiten sie sich tränenerfüllt, sobald die Präsenz ihres toten Mannes sie an die Ausweglosigkeit ihrer Situation erinnert. Horst Tappert erweist sich nicht als ebenbürtiger Gegenspieler, sondern lässt ihr freie Bahn durch sein Desinteresse an der Aufklärung der Mordfälle. Er agiert gelassen und mit ironischer Note, Oberinspektor Derrick ist noch weit, weit weg. Ewa Strömberg gibt sich zunächst unerbittlich im Dienste der Wissenschaft, offenbart jedoch eine private Seite, die allein durch das Rot ihres Anzugs enttarnt wird. Im direkten Vergleich mit Susann Korda kann sie durch ihr harmonisches Gesamtbild punkten, Korda zieht hier durch Perücke und Kleidung den Kürzeren, wirkt auch ausgezehrt und müde. Ewa Strömberg ist wie ein Sonnenstrahl, der die düstere Nachtkerze Susann Korda in den Schatten verweist, wo diese ihre Faszination weitaus besser entwickeln kann als in Alltagssituationen wie beim Nachmittagstee auf einer lichtdurchfluteten Terrasse.

Die Logik des Films bleibt teilweise natürlich arg auf der Strecke, weil Franco glaubt, sein Publikum lasse sich durch die exzessiven Mordszenen ablenken und hinterfrage aus Sympathie zur trauernden Witwe keine ihre Handlungen. Die Tatsache, dass Mrs. Johnson keinem der Arbeitskollegen ihres Mannes bekannt ist und selbst nach Bekanntwerden der ersten Morde sich noch frei in der Umgebung der Wissenschaftler bewegen kann, ohne enttarnt oder aufgehalten zu werden, spricht für die kriminalistisch schwach ausgeprägte Ader des exzentrischen Regisseurs. Die Kamera gefällt sich in einem ständigen Vor- und Zurückweichen vor den handelnden Personen, rückt deren Gesichter erbarmungslos in den Fokus und holt den Zuschauer auf diese Weise hautnah an die Charaktere heran, um entweder Abscheu zu erregen oder das Publikum in die Intimität der Gespräche und Aktionen zu ziehen. Kompromisslos wiederholen sich diese Vorgänge mit leichten Abwandlungen, wobei die Energie der Hauptdarstellerin ausschlaggebend für den Erfolg dieser Szenen ist, die Franco genüsslich auskostet und es sich nicht nehmen lässt, sich selbst in die Hände seiner Hauptdarstellerin zu begeben. Nach der eher schwachen Leistung dieser Szene, schafft es der Film, doch noch zu einer runden Lösung zu finden, die freilich angesichts des Todes von Susann Korda im gleichen Jahr wie ein Vorwegnehmen der Realität ist. Der Todesengel im violetten Häkelumhang schwebt leichtfüßig durch die Szenerie, die zu neunzig Prozent vom Spiel der andalusischen Darstellerin profitiert. So kann man mit Fug und Recht behaupten, dass "Sie tötete in Ekstase" ein Soledad-Miranda-Film ist, mehr noch als ein Jess-Franco-Film. Das Spektakel ist zwar weitgehend vorhersehbar und nicht übermäßig originell, baut aber auf die starke Wirkung der Hauptfigur und federt einige Drehbuchschwächen dadurch ab. Man kann sogar sagen, dass sich Franco auch auf die leisen Töne verstand, was in den poetischen Szenen mit Mrs. Johnsons Stimme aus dem Off zu Beginn des Films für einen nachhaltigen Eindruck sorgt und den Kreis zwischen Tod und Leben als untrennbare Verbindung schließt.


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 21.11.2018 16:28 
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Percy Lister hat geschrieben:
So kann man mit Fug und Recht behaupten, dass "Sie tötete in Ekstase" ein Soledad-Miranda-Film ist, mehr noch als ein Jess-Franco-Film.


Artur Brauner war ja ebenso die Kinopräsenz von Soledad Miranda aufgefallen, weshalb er deren weiblich magische Aura im Film vertraglich an seine Produktion gebunden hatte - leider konnte dieser Vertrag dann ja nicht mehr erfüllt werden...

Percy Lister, kennst Du Francos "Das Geheimnis des Dr. Z"? - wenn nein, dann möchte ich Dir den Film unbedingt empfehlen: 1.: es ist ein sehr guter expressionistischer Horrorfilm, und 2.: Franco spielt in "Sie tötete..." mit dem Grundthema aus "Das Geheimnis...", wobei sich der Stil im jüngeren Film total verändert... statt einer unheilvollen Atmosphäre (bedingt durch den expressionistischen Stil), die formal die düstere Rache-Geschichte begleitet, ist in "Sie tötete..." die komplette Oberflächlichkeit eingetreten... alle Szenen wirken "überschaubar", geradezu grell, quasi wie ein "Abziehbild" von etwas vorher schon Dagewesenem, es tritt - mit anderen Worten - ein pop-art-Realismus ein (sich an zuvor produzierten Gütern kreativ zu bedienen), den man als Auseinandersetzung Francos mit seinem vorausgegangenen Werk verstehen könnte... mir macht das zumindest immer Spaß, solche Bezüge bei Franco entdecken zu können, die sicherlich ganz bewusst durch den Regisseur gesetzt worden sind... also für mich ist damit "Sie tötete..." nicht nur "Star-Kino" - wobei ich allerdings, genauso wie Prisma, auch eher Ewa Strömberg zugeneigt wäre -, sondern ebenso ein schönes Interagieren Francos mit seinem filmischen Werk...


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 22.11.2018 10:13 
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Nein, Howard Vernon, den Film "Das Geheimnis des Dr. Z." kenne ich leider noch nicht. Von der Anlage her macht er aber neugierig. Ich habe sogar in einer Kritik gelesen, dass er "in unerträglicher Langeweile und Zuglosigkeit jene morbide Serie der 60er nachstellen soll, die im Allgemeinen als Wallace-Serie bekannt ist" (Kritik auf moviepilot). Das macht mich als Edgar-Wallace-Kennerin doch neugierig. Zudem würde mich Francos Inszenierungsstil in Schwarzweiß - wo er mit ganz anderen Effekten spielen kann - schon interessieren.


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 22.11.2018 17:08 
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Percy Lister hat geschrieben:
Das macht mich als Edgar-Wallace-Kennerin doch neugierig. Zudem würde mich Francos Inszenierungsstil in Schwarzweiß - wo er mit ganz anderen Effekten spielen kann - schon interessieren.


Hier einmal ein Trailer zu "Dr. Z":
youtu.be Video From : youtu.be


wenn Du die Schwarzweiß-Ästhetik der deutschen Wallace-Reihe magst, dann denke ich, dass Du mit dem Film - zumindest von seiner Inszenierung her - etwas anfangen könntest (zumal hier ja die "Idee" zu "Sie tötete..." angelegt ist); Franco hatte ja selbst "Die toten Augen von London" geschätzt und das expressionistische Weimarer Kino geliebt... von daher möchte ich Dir den Film sehr empfehlen...


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 Betreff des Beitrags: Re: SIE TÖTETE IN EKSTASE - Jess Franco
BeitragVerfasst: 22.11.2018 17:55 
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Danke! Es fällt ja immer wieder auf, dass gerade der düstere Nebelfilm "Die toten Augen von London"(1961) international besonders geschätzt wird, so auch von Alfred-Vohrer-Verehrer Quentin Tarantino und John Howard Reid, der den deutschen Kriminalfilm in seinem DVD-Kompendium als einen der wenigen deutschen Genre-Vertreter empfiehlt.


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