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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 03.04.2018 22:01 
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Meine Lieblingsfilme von John Huston - und ich habe alle 37 zum Teil mehrfach gesehen - sind TREASURE OF THE SIERRA MADRE und THE MALTESE FALCON. Sein schlechtester Film ist PHOBIA.

Über MOBY DICK habe ich einmal gelesen, dass es besser gewesen wäre, wenn Orson Welles Regie geführt und John Huston die Rolle des Ahab übernommen hätte.

Stattdessen hat Welles ja mehrfach Rollen in Hustons Filmen übernommen.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 03.04.2018 22:27 
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Frank hat geschrieben:
Über MOBY DICK habe ich einmal gelesen, dass es besser gewesen wäre, wenn Orson Welles Regie geführt und John Huston die Rolle des Ahab übernommen hätte.

Ah, das ist mir neu.
Ich weiß nur, dass Welles 15 Jahre später seine eigene Version von Moby Dick in Angriff genommen hat, fertig geworden ist er damit aber bekanntlich nie.
Kann es sein, dass du das meinst?
Hätte Huston vielleicht dort mitspielen sollen?

Frank hat geschrieben:
Stattdessen hat Welles ja mehrfach Rollen in Hustons Filmen übernommen.

Da war zuerst MOBY DICK, 11 Jahre später hat er in CASINO ROYALE mitgespielt, wobei wir aber nicht wissen, unter wessen Regie seine Szenen entstanden sind und 3 Jahre danach noch DER BRIEF AN DEN KREML.
Das war aber auch schon alles, oder?
Sonst wüsste ich jetzt nichts mehr, außer THE OTHER SIDE OF THE WIND, aber da war es ja umgekehrt - Orson Welles Regisseur, John Huston Schauspieler.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 03.04.2018 22:30 
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Orson Welles hat auch in THE ROOTS OF HEAVEN (1958) mitgewirkt.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 04.04.2018 20:37 
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Frank hat geschrieben:
Meine Lieblingsfilme von John Huston - und ich habe alle 37 zum Teil mehrfach gesehen - sind TREASURE OF THE SIERRA MADRE und THE MALTESE FALCON. Sein schlechtester Film ist PHOBIA.

Über MOBY DICK habe ich einmal gelesen, dass es besser gewesen wäre, wenn Orson Welles Regie geführt und John Huston die Rolle des Ahab übernommen hätte.

Meine Favoriten sind

DER SCHATZ DER SIERRA MADRE (den Film mag ich seit frühster Jugend und sehe den als einen
seiner besten Filme an. Klasse Film, den ich schon oft sah)

MOBY DICK (dieser alte Film hat gegenüber allen späteren Verfilmungen immer noch die Nase weit vorn)

DIE BIBEL (obwohl John Huston hier selbst als NOAH schwer gewöhnungsbedürftig ist :mrgreen: , so ist es
doch eine gute Verfilmung des alten Testaments)

DAS WAR ROY BEAN (herrlicher, teils rabiater, aber auch ironischer Western um den Richter Roy Bean mit so einigen
hier auftretenden merkwürdigen Gestalten, wie z.B. GEISTERBOB (Stacy Keach) :mrgreen: . :lol:
wird Zeit, das der endlich mal als Bluray erscheint :!: )

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 04.04.2018 22:30 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Frank hat geschrieben:
Über MOBY DICK habe ich einmal gelesen, dass es besser gewesen wäre, wenn Orson Welles Regie geführt und John Huston die Rolle des Ahab übernommen hätte.

Ah, das ist mir neu.
Ich weiß nur, dass Welles 15 Jahre später seine eigene Version von Moby Dick in Angriff genommen hat, fertig geworden ist er damit aber bekanntlich nie.
Kann es sein, dass du das meinst?
Hätte Huston vielleicht dort mitspielen sollen?



Nein, meine Anmerkung stammt sinngemäß aus dem Buch THE AMERICAN CINEMA von Andrew Sarris. Dieser hat in seinem mittlerweile nicht mehr zeitgemäßen Werk Regisseure in Kategorien eingeteilt. Von über 200 vorgestellten Regisseuren haben es 14 in die höchste Wertung geschaft, die sogenannten "Pantheon Directors", zu denen, wen wunderts, auch Orson Welles gehört.
John Huston hingegen wird weit abgeschlagen in der Kategorie "Less than meets the eye" abgehandelt und bezieht ordentlich Prügel.

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 05.04.2018 10:53 
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Apropos Prügel, da gibt es auch noch einen lustigen Spruch von Truffaut, der ebenfalls sehr wenig von Huston hielt.
Sinngemäß sagte er dort, daß er jetzt im alter etwas milder geworden sei. Während er früher gesagt hatte "daß jeder Film von Hawks gut sei, und jeder von Huston schlecht" würde er jetzt mehr differenzieren und sagen "ein weniger guter Film von Hawks ist allemal interessanter als der beste von Huston".


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 08.04.2018 22:03 
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Stanton hat geschrieben:
Apropos Prügel, da gibt es auch noch einen lustigen Spruch von Truffaut, der ebenfalls sehr wenig von Huston hielt.
Sinngemäß sagte er dort, daß er jetzt im alter etwas milder geworden sei. Während er früher gesagt hatte "daß jeder Film von Hawks gut sei, und jeder von Huston schlecht" würde er jetzt mehr differenzieren und sagen "ein weniger guter Film von Hawks ist allemal interessanter als der beste von Huston".


:D Ja, der Truffaut. Der hatte halt auch keine Ahnung von tollen Filmen, und hat selten mal selbst einen gedreht.

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 08.04.2018 22:39 
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Truffaut, Teil 2: Kritisch mit Huston und liebedienerisch/devot bei Hitchcock (siehe sein Interviewbuch) - keine ganz schlüssige Kombination.

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 08.04.2018 23:02 
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nyby hat geschrieben:
Truffaut, Teil 2: Kritisch mit Huston und liebedienerisch/devot bei Hitchcock (siehe sein Interviewbuch) - keine ganz schlüssige Kombination.


Devot? Kaum.
Das Tolle an dem Buch ist das er (und es) seine Liebe zu Hitchs Filmen sehr schön zum Ausdruck bringt. Das bleibt eins der schönsten Filmbücher das je geschrieben wurde.


Dr. Zombi hat geschrieben:

:D Ja, der Truffaut. Der hatte halt auch keine Ahnung von tollen Filmen, und hat selten mal selbst einen gedreht.


Hi hi, sehe ich natürlich anders ...


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 09.04.2018 21:12 
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Stanton hat geschrieben:
nyby hat geschrieben:
Truffaut, Teil 2: Kritisch mit Huston und liebedienerisch/devot bei Hitchcock (siehe sein Interviewbuch) - keine ganz schlüssige Kombination.


Devot? Kaum.
Das Tolle an dem Buch ist das er (und es) seine Liebe zu Hitchs Filmen sehr schön zum Ausdruck bringt. Das bleibt eins der schönsten Filmbücher das je geschrieben wurde.



Mag das Buch auch nicht. Auch nach mehrmaligem Lesen. Hitchcock windet sich so geschickt aus Truffauts naiven Fragereien, dass er so gut wie gar nichts über sich und seine Filme preis gibt. Für mich auch nach Jahrzehnten noch eines der enttäuschendsten Filmbücher überhaupt. Eine verpasste Chance.
Zumindest kam in den 90ern von dem Teil in Deutschland aber mal eine Hardcover-Hochglanz-Ausgabe mit wundervoller Bebilderung heraus. Als Hitchcocksches Bilderbuch in dieser Variante für Liebhaber zu empfehlen.

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 07.05.2018 22:42 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Beim Malteser Falken habe ich es jetzt schlechter erwischt, aber wer weiß, was weitere Sichtungen bringen, vielleicht ist mir ja doch sogar die deutsche Fassung dann lieber.
Andere Musik, laut Wikipedia "Dialoge, die in die parodistische Richtung gehen", dem Film also, meiner Auffassung nach, eine andere Stimmung geben.
Vielleicht ist das dann besser, man wird sehen...

...nein, ist es leider nicht.
Die Big-Band-Untermalung ist nun wirklich nicht sehr passend und die deutsche Synchro macht das Ganze auch nicht viel unterhaltsamer.
Vielleicht ein bisschen, aber viel ist es nicht...
Auch wenn das alles den Film anders wirken lässt, mein Gesamteindruck des Films ändert sich dadurch nur geringfügig.
Es gibt immer noch mehr als genug wo ich sage, da geht noch mehr, das geht noch besser.
Soundso bleibt für mich der Unterhaltungswert des Malteser Falken niedrig und das Gesamtwerk kommt bei mir nicht über Mittelmaß hinaus.
Ich bleibe bei 6/10.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 08.05.2018 15:24 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Soundso bleibt für mich der Unterhaltungswert des Malteser Falken niedrig und das Gesamtwerk kommt bei mir nicht über Mittelmaß hinaus.
Ich bleibe bei 6/10.


Da Du ja zahlreiche Filme von Huston gelobt hast, denke ich, dass Dir das Genre einfach nicht so zusagt; kennst Du schon TOTE SCHLAFEN FEST, GOLDENES GIFT oder DIE SCHWARZE NATTER? Alles Filme, die man heute zum klassischen "Noir"-Kanon zählt...

wenn das dann alles Flops für Dich wären, dann liegt es wohl eher am Genre selbst, als dass Huston beim FALKEN mittelmäßig gearbeitet hätte...

gegen meine These spricht allerdings, dass Du MULHOLLAND DRIVE magst, der von "Noir" ja förmlich strotzt - wenn auch postmodern "gefiltert"...


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 08.05.2018 17:02 
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Howard Vernon hat geschrieben:
Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Soundso bleibt für mich der Unterhaltungswert des Malteser Falken niedrig und das Gesamtwerk kommt bei mir nicht über Mittelmaß hinaus.
Ich bleibe bei 6/10.


Da Du ja zahlreiche Filme von Huston gelobt hast, denke ich, dass Dir das Genre einfach nicht so zusagt; kennst Du schon TOTE SCHLAFEN FEST, GOLDENES GIFT oder DIE SCHWARZE NATTER? Alles Filme, die man heute zum klassischen "Noir"-Kanon zählt...

wenn das dann alles Flops für Dich wären, dann liegt es wohl eher am Genre selbst, als dass Huston beim FALKEN mittelmäßig gearbeitet hätte...

gegen meine These spricht allerdings, dass Du MULHOLLAND DRIVE magst, der von "Noir" ja förmlich strotzt - wenn auch postmodern "gefiltert"...


DIE SCHWARZE NATTER kenne ich nicht, TOTE SCHLAFEN FEST habe ich nur einmal vor Jahren auf arte gesehen, war vom Unterhaltungswert, soweit ich mich erinnere ungefähr auf der Höhe des Malteser Falken.
GOLDENES GIFT fand ich dagegen sogar ziemlich gut.
Hat mit Jane Greer eine weit überzeugendere Femme Fatale, die auch als Figur besser gezeichnet ist als Mary Astor's Brigid O'Shaughnessy.
Außerdem profitiert er sehr vom hohen Tempo und den Schauplatzwechseln (u.a. ja auch Mexiko), also der dadurch entstehenden Dynamik.
Das macht das goldene Gift deutlich lebhafter als den Falken.

MULHOLLAND DRIVE ist wieder eine ganz andere Baustelle.
Den habe ich nie so wirklich als Noir in dem Sinn (wie auch immer modifiziert) wahrgenommen.
Für mich ist das einfach nur Lynch und zwar in Bestform.
Ein auf Zelluloid gebannter (Alp)traum, der als Film völlig anders funktioniert als jeder Noir.
Ein paar Zutaten des klassischen Noir hat er, das ist wohl kaum zu übersehen, aber durch den Surrealismus, die Traumlogik, die Brüche in Raum und Zeit und die Optik, ist das ästhetisch etwas vollkommen anderes.
Daher m.E. auch vom Feeling her nicht vergleichbar.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 08.05.2018 18:28 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:

MULHOLLAND DRIVE ist wieder eine ganz andere Baustelle.
Den habe ich nie so wirklich als Noir in dem Sinn (wie auch immer modifiziert) wahrgenommen.
[...]
Daher m.E. auch vom Feeling her nicht vergleichbar.


was jetzt das radikal subjektive Erzählen auf verschiedenen Zeit- und Bewusstseinsebenen anbelangt, da finde ich MULHOLLAND DRIVE schon ziemlich durch den "Noir"-Film beeinflusst (der "Noir"-Begriff ist ja extrem problematisch, da es kein zeitgenössischer Terminus aus der Produktionszeit der Filme ist, sondern ein retrospektiv gesetzter durch die Filmkritik)...

wenn MULHOLLAND DRIVE das lineare Erzählen zerstört, dann sehe ich darin schon eine gewisse Verwurzelung im "Noir", wobei dann Lynch überhaupt keine "objektiven" Gegenwartsebenen mehr bestehen lässt, sondern nur noch das Subjektive (von welcher Person? ,von welchem Bewusstsein?) wahrnehmbar macht...

im "Noir" haben ja der innere Monolog und die Rückblenden solch ein unsicheres Erzählen und damit erzählerische Subjektivität suggeriert, wobei dies dann in der Bildinszenierung der "Noirs" (tiefe Schattenzonen, das typische Gittermuster durch Schatten) oder auch durch expressive Kamerawinkel ästhetisch ausgedrückt wurde...

hier gibt es natürlich noch viele weitere Aspekte, die für mich Lynch und den "Noir" zusammenführen (zum Beispiel wie Lynch die "femme fatale" neu interpretiert)...

freut mich aber auch, dass Dir GOLDENES GIFT zusagt, der bei mir auch ganz hoch im Kurs steht...


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 08.05.2018 21:55 
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Howard Vernon hat geschrieben:
Sbirro Di Ferro hat geschrieben:

MULHOLLAND DRIVE ist wieder eine ganz andere Baustelle.
Den habe ich nie so wirklich als Noir in dem Sinn (wie auch immer modifiziert) wahrgenommen.
[...]
Daher m.E. auch vom Feeling her nicht vergleichbar.


was jetzt das radikal subjektive Erzählen auf verschiedenen Zeit- und Bewusstseinsebenen anbelangt, da finde ich MULHOLLAND DRIVE schon ziemlich durch den "Noir"-Film beeinflusst (der "Noir"-Begriff ist ja extrem problematisch, da es kein zeitgenössischer Terminus aus der Produktionszeit der Filme ist, sondern ein retrospektiv gesetzter durch die Filmkritik)...

wenn MULHOLLAND DRIVE das lineare Erzählen zerstört, dann sehe ich darin schon eine gewisse Verwurzelung im "Noir", wobei dann Lynch überhaupt keine "objektiven" Gegenwartsebenen mehr bestehen lässt, sondern nur noch das Subjektive (von welcher Person? ,von welchem Bewusstsein?) wahrnehmbar macht...

im "Noir" haben ja der innere Monolog und die Rückblenden solch ein unsicheres Erzählen und damit erzählerische Subjektivität suggeriert, wobei dies dann in der Bildinszenierung der "Noirs" (tiefe Schattenzonen, das typische Gittermuster durch Schatten) oder auch durch expressive Kamerawinkel ästhetisch ausgedrückt wurde...

hier gibt es natürlich noch viele weitere Aspekte, die für mich Lynch und den "Noir" zusammenführen (zum Beispiel wie Lynch die "femme fatale" neu interpretiert)...

Ja ja, das ist ja alles klar und ich will MD seine Verbindungen zum Noir gar nicht absprechen, aber MD fühlt sich trotzdem komplett anders an als jegliche Art von normalem Noir.
Ganz egal ob es jetzt der klassische amerikanische Noir oder Neo-Noir oder der Brit-Noir oder der französische Noir ist.
Kein "normaler" Noir ist gefühlsmäßig mit MD vergleichbar.
Noirs erzählen Kriminalgeschichten innerhalb gewisser Konventionen.
MD entführt den Zuschauer in eine Traumwelt, wo es eben verschieden geartete Brüche gibt, die in einem normalen Noir nicht denkbar wären, weil sie eben immer noch "realistisch" sind.
Es wird mir ein ganz anderes Gefühlspanorama, eine ganz andere Gefühlspalette präsentiert, die ich von keinem normalen Noir bekomme.
Darauf und nur darauf war das "nicht vergleichbar" bezogen.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 08.05.2018 22:05 
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@Sbirro

Hier genau fangen die Diskussionen dann an, beziehungsweise: hier werden sie weitergeführt; denn der "Noir" muss nicht unbedingt nur auf eine Krimi-Handlung reduziert werden; mehr steht die Innerlichkeit des Protagonisten im Vordergrund, das Existenzielle, was sich dann durch die Filmsprache ausdrückt... von daher könnte beim "Noir" wiederum auch von einem "Stil" gesprochen werden, der sich dann auch im Drama - zum Beispiel bei "Das verlorene Wochenende" - zeigt, oder es werden Western als "Noir" inszeniert...

ich will Dich ja auch nicht davon überzeugen, dass MD nun unbedingt ein "Noir" sei, aber einen "Noir"-Ansatz, auch wenn er neuartig, besonders eigenwillig inszeniert ist, sehe ich hier dann schon... aber alles Ansichtssache...




Ein "Noir", der auch völlig in der psychotischen Des­ori­en­tie­rung seiner Protagonistin aufgeht, wäre beispielsweise "Dementia" von John Parker (USA 1955); meiner Meinung nach kommt der ziemlich an das MD-Feeling heran, was jetzt die Inszenierung wahnhafter Subjektivität angeht...


Zuletzt geändert von Howard Vernon am 08.05.2018 22:30, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 08.05.2018 22:26 
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Kann es sein, dass wir gerade wieder völlig aneinander vorbeireden, Howard?
Ich sehe die "Neuinterpretation" des Noir, die Ansätze, ja auch, aber darauf wollte ich jetzt gar nicht hinaus.
Es geht mir darum, welches Gefühl mir der Film gibt und das ist bei MD ein vollkommen eigenes, das kann mir kein normaler Noir geben.
Von daher ist für mich MD im Bezug auf Noir unvergleichbar.
Aber noch einmal: Das heißt überhaupt nicht, dass er nicht trotzdem Ähnlichkeiten/Parallelen/Verbindungen zum Noir haben kann.
Das (für mich zumindest) Unvergleichliche beschränkt sich ausschließlich auf die Gefühlsebene.
Das ist natürlich (gerade bei einem Film wie MD, der das Meiste der Interpretation des Einzelnen überlässt und so viel auf subjektives Empfinden setzt) bei jedem anders, aber mir gibt der Film etwas, das mir kein normaler Noir geben kann.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 08.05.2018 22:34 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Kann es sein, dass wir gerade wieder völlig aneinander vorbeireden, Howard?
Ich sehe die "Neuinterpretation" des Noir, die Ansätze, ja auch, aber darauf wollte ich jetzt gar nicht hinaus.
Es geht mir darum, welches Gefühl mir der Film gibt und das ist bei MD ein vollkommen eigenes, das kann mir kein normaler Noir geben.
Von daher ist für mich MD im Bezug auf Noir unvergleichbar.


Alles akzeptiert - ich wollte nur andeuten, dass man im "Noir" dann auch nur einen Stil-Ansatz sehen könnte, den man mit der filmischen Inszenierung von Wahnsinn o. ä. assoziieren könnte - mehr nicht...


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 05.06.2018 17:15 
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Frank hat geschrieben:
Orson Welles hat auch in THE ROOTS OF HEAVEN (1958) mitgewirkt.

Kurze Nachfrage diesbezüglich: Im Review dazu ist von einem kurzen Auftritt die Rede.
Jetzt habe ich auf YT ein Video gefunden mit zwei Orson-Welles-Szenen des Films mit einer Länge von 5 Minuten.
Ist das schon alles?


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE SPUR DES FALKEN - John Huston
BeitragVerfasst: 05.06.2018 18:18 
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Etwas mehr gibt es noch.

Für eine erste Meinungsbildung:


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