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 Betreff des Beitrags: NACHTSCHICHT - Ralph S. Singleton
BeitragVerfasst: 24.10.2015 12:26 
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Graveyard Shift
(Nachtschicht / Stephen Kings Nachtschicht / Stephen King's Graveyard Shift)
USA 1990 - Directed by Ralph S. Singleton
Starring: David Andrews, Stephen Macht, Kelly Wolf, Andrew Divoff, Vic Polizos, Brad Dourif...


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Nach dem Tod seiner Frau läßt sich der ehemalige Student John Hall (David Andrews, Cherry 2000) mehr oder weniger treiben. Die seßhafte Zeit ist vorbei, und so nimmt er mal hier, mal da einen Job an, um sich über Wasser zu halten. Nun landet er in dem kleinen Nest Gates Falls und versucht sein Glück bei der hiesigen Textilfabrik namens Bachman Textile, dem einzigen großen Arbeitgeber der Region. Geleitet wird der schäbige Betrieb vom Vorarbeiter Warwick (Stephen Macht, The Monster Squad), einem brutalen, sadistischen Tyrann, dem es Spaß macht, seine Untergebenen zu demütigen und zu quälen. Hall bekommt den Job und bedient fortan den "Picker" in der rattenverseuchten Spinnerei, ein altes, riesiges Maschinenungetüm, das Wolle verarbeitet. Aufgrund der enormen Hitze in dem Raum ist der "Picker" nur nachts in Betrieb, von elf Uhr abends bis sieben Uhr morgens, die sogenannte "Graveyard Shift". Als der Unabhängigkeitstag naht (in der Woche um den vierten Juli wird die Fabrik traditionell geschlossen), überredet Warwick Hall und einige weitere Arbeiter wie Brogan (Vic Polizos, Night of the Creeps), Ippeston (Robert Alan Beuth), Danson (Andrew Divoff, Wishmaster), Wisconsky (Kelly Wolf, Less Than Zero) und Carmichael (Jimmy Woodard), den Keller gegen doppelte Bezahlung zu säubern. Gut ausgerüstet macht man sich an die beschwerliche Arbeit und stößt bald auf eine von der anderen Seite versperrte Falltür, welche zu einem seit Ewigkeiten nicht mehr betretenen Gewölbe unter dem Kellergeschoß führt. Warwick treibt die wenig begeisterten Männer ohne lange zu zögern die brüchige Leiter hinab. Es wird ein Abstieg in die Hölle.

Graveyard Shift ist eine Verfilmung von Stephen Kings gleichnamiger Kurzgeschichte aus dem Jahre 1970 (deutscher Titel: Spätschicht), welche erst im Magazin The Cavalier veröffentlicht wurde und 1978 Aufnahme in die vielbeachtete Kurzgeschichtensammlung Night Shift (Nachtschicht) fand. Ralph S. Singletons Adaption krankt daran, daß die knackige, etwa zwanzigseitige Story gehörig aufgeblasen werden mußte, um Spielfilmlänge zu erreichen. So erfand Drehbuchautor John Esposito einen Prolog dazu, in welchem Halls Vorgänger im "Picker" das Zeitliche segnet, es gibt wesentlich mehr Figuren als in der Vorlage (welche natürlich alle großzügig Screentime bekommen), und auch die grausigen Ereignisse unter Tage wurden ordentlich ausgeweitet und abgeändert. Eine der neuen Figuren ist der exzentrische Kammerjäger Tucker Cleveland (Brad Dourif, The Lord of the Rings: The Two Towers), der die Bude von den allgegenwärtigen Ratten säubern soll und so ganz nebenbei eine schöne Geschichte aus dem Vietnamkrieg zum Besten geben darf, wo sich eine hungrige Ratte in einen gefangenen Soldaten hineinfrißt. Dourif spielt seine Rolle mit Gusto und übt sich bisweilen in hemmungslosem Overacting, was aber nicht weiter stört, da es zu dieser schrägen Figur paßt. Etwas zwiespältiger fällt die Sache bei Stephen Macht aus, der sich lange Zeit unter Kontrolle hat, bis er gegen Ende richtig (und ich meine richtig) auszuckt und die irre Sau rausläßt. Während die Beiden über die Stränge schlagen, hält sich David Andrews vornehm zurück. Sein Hall ist hier, im Gegensatz zu Kings Geschichte, ein recht sympathischer Durchschnittstyp, dem darüber hinaus mit der von Kelly Wolf gespielten Wisconsky eine kleine Romanze spendiert wurde.

Lange Zeit ist der in Maine gedrehte, etwa zehn Millionen Dollar teure Graveyard Shift ein Film, der sich in Dreck und Schweiß förmlich suhlt. Fast fühlt man sich angesichts dieser extremen Arbeitsbedingungen selbst schmutzig, meint, die unerträgliche Hitze, die den Schweiß aus allen Poren treibt, zu spüren. Diese dichte, alptraumhafte, extrem unangenehme Atmosphäre hat Singleton echt gut hinbekommen. Und mit dem Abstieg in das unterirdische Gewölbe gesellen sich zu Dreck und Schweiß dann noch Blut und Ekel hinzu. Denn in der Tiefe haust eine grausige, übergroße Fledermausrattenmutation, und die hat Appetit auf Menschenfleisch. Diese widerliche, schleimtriefende Kreatur bekommt man erst im Grande Finale so richtig zu Gesicht; vorher bleibt das Vieh im Schatten und es gibt hie und da lediglich mal eine Pfote, ein Auge, den Schwanz, den Kopf oder den Schlund des Biestes zu sehen (Alien & Co lassen grüßen). Das nicht unoriginelle Monster ist weitgehend gut getrickst, hat ein paar tolle Auftritte und sorgt außerdem für ein klein wenig Gore. Schwieriger haben es da schon seine kleinen Freunde, die Ratten. Nur in wenigen Momenten (z. B. in der Eröffnungssequenz, wo sie aneinandergereiht herumlungern und den Arbeiter stumm anglotzen) kommen die Nager unheimlich oder gar angsteinflößend rüber. Ungemein beeindruckend sind die verschiedenen Schauplätze. Die heruntergekommene Fabrik mit dem kleinen Friedhof nebenan, das unterirdische Labyrinth mit seinen verwinkelten Gängen, oder der Nistplatz der Kreatur mit dem gigantischen Knochenberg, das ist alles erste Sahne. Umso bedauerlicher ist es, daß die Geschichte zu zerdehnt ist, um echte Spannung aufkommen zu lassen, und daß die Figuren zu dürftig charakterisiert sind, um sich für sie zu interessieren.

Graveyard Shift ist keineswegs ein schlechter Film. Er ist ein sehr solides Creature Feature, das angenehm ernst, düster und stimmungsvoll daherkommt, mit seinem richtig häßlichen, widerwärtigen Monstrum punktet, im letzten Viertel eine kleine Überraschung bereithält und knappe neunzig Minuten lang ordentlich unterhält. Mit Stephen Kings Vorlage hat das alles aber kaum mehr etwas zu tun, was dem Meister verständlicherweise äußerst sauer aufstieß.

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 Betreff des Beitrags: Re: NACHTSCHICHT - Ralph S. Singleton
BeitragVerfasst: 12.05.2018 17:54 
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Die letzte Sichtung fand irgendwann im düsteren VHS-Zeitalter statt, so war die erneute Betrachtung eine gefühlte Erstsichtung.

Ich bin begeistert, herrlich abgefuckte Figuren, schönes Setting, tolle Atmosphäre, knuffige FX. Sehr, sehr angenehm.

Die BD geht als gut durch, leider ist die Ausstattung sehr mager geraten.

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 Betreff des Beitrags: Re: NACHTSCHICHT - Ralph S. Singleton
BeitragVerfasst: 12.05.2018 21:53 
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Blap hat geschrieben:
Die letzte Sichtung fand irgendwann im düsteren VHS-Zeitalter statt, so war die erneute Betrachtung eine gefühlte Erstsichtung.

Ich bin begeistert, herrlich abgefuckte Figuren, schönes Setting, tolle Atmosphäre, knuffige FX. Sehr, sehr angenehm.

Die BD geht als gut durch, leider ist die Ausstattung sehr mager geraten.


Ich kenne den auch noch aus dem VHS-Zeitalter (der kam raus da war er schon zuhaus), und habe die Filmlocations als extrem dreckig in Erinnerung.

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 Betreff des Beitrags: Re: NACHTSCHICHT - Ralph S. Singleton
BeitragVerfasst: 14.05.2018 09:33 
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sid.vicious hat geschrieben:
Ich kenne den auch noch aus dem VHS-Zeitalter (der kam raus da war er schon zuhaus), und habe die Filmlocations als extrem dreckig in Erinnerung.


Auf jeden Fall auffrischen!

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 Betreff des Beitrags: Re: NACHTSCHICHT - Ralph S. Singleton
BeitragVerfasst: 14.05.2018 10:43 
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Die VHS war auch leicht geschnitten, wenn ich mich recht erinnere.

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 Betreff des Beitrags: Re: NACHTSCHICHT - Ralph S. Singleton
BeitragVerfasst: 14.05.2018 19:14 
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DJANGOdzilla hat geschrieben:
Die VHS war auch leicht geschnitten, wenn ich mich recht erinnere.

Yep, das war sie. Und sogar im Kino damals merklich an mindestens 1 Stelle gekürzt - das weiss ich noch.

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