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 Betreff des Beitrags: LOST HIGHWAY - David Lynch
BeitragVerfasst: 20.06.2017 16:50 
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Produktionsland/Jahr: USA, Frankreich 1996
Darsteller: Bill Pullman, Patricia Arquette, Balthazar Getty, Robert Blake, Natasha Gregson Wagner, Richard Pryor, Gary Busey, Lucy Butler, Michael Massee, Jack Nance
Drehbuch: David Lynch & Barry Gifford
Produziert von: Mary Sweeney, Tom Sternberg, Deepak Nayar
Musik: Angelo Badalamenti

Der Saxophonist Fred Madison (Bill Pullman) findet vor seiner Haustür eine seltsame Videokassette und spielt diese ab. Überrascht muss er feststellen, dass darauf das Innere seines Hauses zu sehen ist und so teilt er seinen Fund der Polizei mit. Schließlich vermutet er einen Einbruch dahinter. Als er dann später nochmals ein Video findet, auf dem zu sehen ist, wie er seine Frau tötet, wird er von der Polizei eingesperrt.

In der Nacht allerdings geschieht etwas seltsames: Fred verwandelt sich in den jungen Automechaniker Pete Dayton (Balthazar Getty) und kommt frei um fortan dessen Leben zu führen. Die Pfade von Pete und Fred scheinen sich allerdings immer wieder zu kreuzen. Alles wird zunehmend komplizierter, als ein Gangster namens Dick Laurent (Robert Loggia) auftaucht und Pete eine Frau trifft, die genauso wie die angeblich von Fred Ermordete aussieht...
(Ofdb)

Es ist Nacht, jemand fährt mit dem Auto eine Straße ohne Kurven entlang, eine scheinbar endlose Gerade ins Nichts.
Über dieser Einstellung läuft der Vorspann ab, passend unterlegt mit David Bowie's "I'm Deranged".
Das sind nur die ersten zwei Minuten, aber diese treibende, beunruhigende, fast beänstigende Mischung aus den Bildern und der Musik, macht schon deutlich, was den Zuschauer in den kommenden zwei Stunden erwartet.
Genau jene Stimmungslagen dominieren den Film bis zum Ende in ausdrucksstarken, surrealen Bildern, wie man sie von Lynch gewohnt ist.
Daneben sind hier aber auch Farben sehr wichtig und damit meine ich nicht knallbunt eingerichtete Räumlichkeiten, sondern wirklich nur die Farben an sich, die bspw. in den Wohnungen von Fred und Pete vorherrschen.
Ich finde, das spiegelt irgendwie auch ihren jeweiligen psychischen Zustand wider.
Bei Fred alles dunkel und quasi aussichtslos, bei Pete plötzlich hellere Farben.
Die Grauzone, die Grenzlinie zwischen den beiden: Der Mystery Man.
Ja, der Mystery Man... - so dunkel gekleidet, so grau im Gesicht und doch irgendwie eine (wenn nicht die) schillernde Figur des Films.
Er hat leider nur wenige Szenen (hätte von mir aus gerne öfter in Erscheinung treten dürfen), sorgt aber für so manchen Gänsehaut-Moment.
Stellvertretend sei das Telefonat auf der Party (der "doppelte" Lacher) und die Szene in der Hütte mitten im Nirgendwo genannt.
Bei letzterer Szene ist es die Stelle, wo der Mystery Man, mit der Kamera auf ihn gerichtet, auf Fred zugeht und ihn anschreit: "Sagen Sie mir ihren scheiß Namen!"
Lynch erweist sich hier als Meister des Unheimlichen und ich bin fast schon geneigt, ihn auch zu den großen des surrealistischen Kinos zu zählen.
Als eine Art Partner des Mystery Man erscheint Dick Laurent/Mr. Eddie, ein Macho vom Feinsten, der aber auch für einen unfreiwillig (?) komischen Moment sorgt ("Verkehrssünder-Rüge").
Das sehe ich aber in dem Fall gar nicht negativ, obwohl der Film trotzdem seine kleinen Schwächen hat.
Die eine liegt beim Mystery Man, dessen Auftritte (wie bereits erwähnt) mir ein bisschen zu rar waren und die zweite Schwäche ist für mich in der Musik zu finden.
Es sind die verwendeten Lieder von Rammstein, die mir doch zu viel, zu wuchtig, zu over-the-top waren und für mein empfinden überhaupt nicht zu den jeweiligen Bildern und zur Atmosphäre gepasst haben.
Somit geht sich zwar keinesfalls die Höchstnote aus, aber es reicht immer noch für 9/10.

Trailer:
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 Betreff des Beitrags: Re: LOST HIGHWAY - David Lynch
BeitragVerfasst: 20.06.2017 17:43 
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Sbirro Di Ferro hat geschrieben:
Es sind die verwendeten Lieder von Rammstein, die mir doch zu viel, zu wuchtig, zu over-the-top waren und für mein empfinden überhaupt nicht zu den jeweiligen Bildern und zur Atmosphäre gepasst haben.


Und erst recht in der deutschen Sprachfassung :ohman:

Weiß noch ganz genau, wie mich die beiden Rammstein Songs bei meiner Filmpremiere damals im Kino irritierten, da gerade der deutsche Text in keinster Weise zum gezeigten Bild passt (Stichwort: "man hört ihn um die Kirche schleichen..." :shock: ).

Lynch gab damals in einem Interview zu Protokoll, dass er von Rammsteins wuchtigen Soundspektrum sehr angetan war; die dazugehörigen Texte im Falle der amerikanischen Fassung aber unbedeutend seien, da sowieso nur ein sehr geringer Teil des amerikanischen Publikums den deutschsprachigen Inhalt verstehen würde.... :?

Meine beiden Favoriten des Soundtracks waren, sind und bleiben "Eye" von den Smashing Pumpkins und "The Perfect Drug" von Nine Inch Nails

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


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Außerdem freut es mich sehr zu lesen, dass Dir dieses unheimlich surrealistische Glanzstück gefallen hat. ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: LOST HIGHWAY - David Lynch
BeitragVerfasst: 20.06.2017 18:41 
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Richie Pistilli hat geschrieben:
Lynch gab damals in einem Interview zu Protokoll, dass er von Rammsteins wuchtigen Soundspektrum sehr angetan war; die dazugehörigen Texte im Falle der amerikanischen Fassung aber unbedeutend seien, da sowieso nur ein sehr geringer Teil des amerikanischen Publikums den deutschsprachigen Inhalt verstehen würde.... :?



Wobei das für jemanden wie Lynch, bei dem eigentlich sonst immer jede Zeile und jede Geste eine Bedeutung hat, schon eine sehr laxe Einstellung ist.

LOST HIGHWAY ist für mich der beste Lynch. Hat mich damals auf Anhieb begeistert.

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 Betreff des Beitrags: Re: LOST HIGHWAY - David Lynch
BeitragVerfasst: 20.06.2017 19:43 
Mich hat der Film damals im zarten Alter erwischt, worauf er zu einem meiner meistgesehensten Filme wurde.
Da stimmt einfach alles.
Die Art von Film war damals vollkommen neu für mich und es war total spannend mir meinen eigenen Reim auf die Story zu bauen, ganz abgesehen von der bahnbrechenden visuellen und akkustischen Erfahrung.
Aufgrund der Filmflut ab dem Aufkommen der DVD ist LOST HIGHWAY in den letzten 15 Jahren bei mir sehr in den Hintergrund getreten, was das Werk aber nicht schmälern soll.
Definitiv Lynchs bester Film und zugleich ein Meisterwerk.
10/10


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 Betreff des Beitrags: Re: LOST HIGHWAY - David Lynch
BeitragVerfasst: 20.06.2017 20:18 
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DJANGOdzilla hat geschrieben:
Wobei das für jemanden wie Lynch, bei dem eigentlich sonst immer jede Zeile und jede Geste eine Bedeutung hat, schon eine sehr laxe Einstellung ist.


Ok, der Begriff "unbedeutend" stellt sich mir gerade in diesem Zusammenhang als eine sehr unglücklich formulierte Wortwahl dar, wobei die Zusammenfassung seines damals in einem Interview hinterlassenen Kommentars auch recht frei aus meiner Erinnerung heraus formuliert wurde. Aber sinngemäß kommt das Geschriebene schon hin ;)

DJANGOdzilla hat geschrieben:
LOST HIGHWAY ist für mich der beste Lynch. Hat mich damals auf Anhieb begeistert.


Das sehe ich übrigens genau so!

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 Betreff des Beitrags: Re: LOST HIGHWAY - David Lynch
BeitragVerfasst: 20.06.2017 21:14 
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Kann mich anschließen. LOST HIGHWAY hat mir - es ist tatsächlich schon fast 20 Jahre her - auf Anhieb zugesagt.

Ihn mochte ich natürlich besonders gern.
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 Betreff des Beitrags: Re: LOST HIGHWAY - David Lynch
BeitragVerfasst: 20.06.2017 22:23 
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sid.vicious hat geschrieben:
Ihn mochte ich natürlich besonders gern.
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Ach nein, wer hätte das gedacht...? ;)

Der Mystery Man dürfte ja mittlerweile schon eine legendäre Figur innerhalb des Lynch-Universums sein.
Mit seinem einprägsamen Gesicht (bzw. was man aus dem Gesicht gemacht hat) ist Robert Blake die perfekte Besetzung.
Schade nur, wie sein Leben danach verlaufen ist (wenn man Wikipedia glauben darf) und, dass LOST HIGHWAY bis heute sein letzter Film war.


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 Betreff des Beitrags: Re: LOST HIGHWAY - David Lynch
BeitragVerfasst: 13.05.2018 17:11 
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Robert-Blake-Interview am Set von LOST HIGHWAY (aus der Lynch-Doku "The Art of David Lynch"):

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