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 Betreff des Beitrags: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (1960)
BeitragVerfasst: 14.05.2018 14:47 
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Dawn Addams   Peter van Eyck   in

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● DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE / IL DIABOLICO DOTTOR MABUSE / LE DIABOLIQUE DOCTEUR MABUSE (D|I|F|1960)
mit Gert Fröbe, Werner Peters, Andrea Checci, Marielouise Nagel, David Cameron, Reinhard Kolldehoff, Howard Vernon,
Linda Sini, Nico Pepe, Renate Küster, Jean-Jacques Delbo, Lotti Alberti, Rolf Weih, Albert Bessler und Wolfgang Preiss
eine Gemeinschaftsproduktion der cCc Filmkunst | C.E.I. Incom | Critérion Film | im Prisma Filmverleih
ein Film von Fritz Lang


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»Miese Zeiten und miese Geschäfte!«

Der Fernsehreporter Peter Barter wird tot in seinem Wagen aufgefunden, nachdem er seinem Sender angekündigt hatte, einen Skandal von großer Tragweite aufzudecken. Da man bei der Obduktion der Leiche eine Stahlnadel im Gehirn fand, schalten sich BKA und Interpol ein. Hier erinnert man sich an den wahnsinnigen Superverbrecher Doktor Mabuse, der allerdings vor über 25 Jahren in einem Sanatorium starb. Es ereignen sich allerdings weitere Verbrechen, die immer wieder zu diesem Namen führen. Lebt Dorktor Mabuse etwa noch, oder hat jemand sein teuflisches Erbe angetreten? Kommissar Kras (Gert Fröbe) geht dieser Spur nach und schon bald folgt ein Mordanschlag auf ihn. Viele Spuren führen in das Hotel Luxor, wo sich die Amerikanerin Marion Menil (Dawn Addams) kürzlich aus einem der oberen Stockwerke stürzen wollte und tatsächlich scheint sie eine Schlüsselfigur in diesem Fall zu sein. Kras jagt ab sofort einem Phantom hinterher, das immer wieder zuschlägt...

Regisseur Fritz Lang inszenierte in den Jahren 1922 ("Dr. Mabuse, der Spieler") und 1933 ("Das Testament des Dr. Mabuse") bereits zwei Verfilmungen, die sich mit dem größenwahnsinnigen Verbrecher befassten, und nahm 1960 wieder auf dem Regiestuhl platz, um "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" zu realisieren. Bereits sieben Jahre zuvor erwarb Produzent Artur Brauner die Nutzungsrechte von Norbert Jacques, dem Verfasser der Romanvorlagen, und die Produktion wurde über lange Hand geplant. Da der Großverleih Constantin-Film Ende der 50er Jahre erfolgreich mit der Edgar-Wallace-Reihe in den Kinos durchstartete, war auch die Zeit für diesen ersten von sechs "Mabuse"-Teilen gekommen, der mit großer Starbesetzung aufwarten kann, zumindest im oberen Segment. Im Bereich der zeitgenössischen Kriminalfilme genießt Fritz Langs Beitrag einen Klassiker-Status, was zum einen sicherlich mit seiner Regie-Arbeit zusammenhängt, zum anderen aber auch mit dem Vergleich zu diversen Artgenossen. Am Tag der Uraufführung wurde der Film schließlich mit dem »Prädikat wertvoll« ausgezeichnet. Der Verlauf setzt auf Verwirrung und Härte, wobei es hier noch nicht so sehr ausgereizt wurde, wie beispielsweise im Harald Reinls ebenfalls sehenswertem Beitrag "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse". Interessant ist die Strategie, den sagenumwobenen Superverbrecher einfach wieder auferstehen zu lassen, sodass er für Angst und Schrecken sorgen kann. Selbstverständlich schwingt stets das Thema Weltherrschaft mit und mit "Doktor Mabuse" sieht nimmt man einen perfiden Strategen wahr, der durch Überwachung, Manipulation und Mord letztlich das totale Chaos anvisiert, um bestehende Weltbilder aus den Angeln zu heben, was seinen Wahnsinn nur unterstreichen will. Bereits die Eröffnungssequenz kann für Aufsehen sorgen, da der leise Mord, oder besser gesagt, der unsichtbare Tod zuschlägt, um die potentiellen Kontrahenten in machtlose Positionen zu zwingen.

Lange Strecken des Verlauf gleichen somit einem Mosaik, das sich nur mühsam zusammensetzen lässt, damit der Eindruck entstehen kann, dass der Doktor immer einen Schritt voraus ist. Der Film vereint internationale und bekannte deutsche Stars miteinander und ein paar von ihnen sollten noch richtige "Mabuse"-Veteranen werden, wie etwa Peter van Eyck, Gert Fröbe, Werner Peters, Albert Bessler und natürlich Wolfgang Preiss. Dawn Addams kann sowohl in darstellerischer als auch vermarktungstechnischer Hinsicht als großer Coup der Produktion angesehen werden. Längst bekannt als internationaler Star, war sie vor Fritz Langs Beitrag schon in einigen deutschen Spielfilmen zu sehen, sodass es der Kinogänger durchaus mit einem bekannten Gesicht zu tun bekam. Addams zeichnet die Frau von Welt perfekt, allerdings lässt sie auch genügend Spielraum für innere Abgründe. Marion Menil wirkt geheimnisvoll und getrieben, ihre Melancholie wirkt in manchen ihrer Szenen nahezu vereinnahmend. Allerdings skizziert die Britin nicht das klassische schutzbedürftige Opfer, sondern bietet viele individuelle Nuancen an, von denen der Verlauf stark profitiert. Besondere Stärken entstehen mit ihrem ebenso starken Partner Peter van Eyck, dessen weltmännisches Profil ganz offensichtlich eine seiner kleinsten Fingerübungen gewesen sein muss. Als bekannter Geschäftsmann charakterisiert er Macht und Profit, was "Doktor Mabuse" anzieht, wie das Licht die Motte. Die bevorstehende Liaison wird in perfider Weise ausgenutzt, um den Industriellen gefügig zu machen, da er es sich schließlich erlauben kann im Zweifelsfall sagen zu können, dass Geld eben nicht alles sein darf. Zwischen Dawn Addams und Peter van Eyck entsteht eine selten kultivierte Form des Zusammenspiels, welches jedoch die Möglichkeit für kurze Momente der Intimität und der Zusammengehörigkeit nicht auslässt, daher sehr faszinierend wirken kann, zumal keine der handelsüblichen Schablonen aufgetischt wird.

Als Kommissar Kras ist ein wie immer authentisch wirkender Gert Fröbe am Werk, der sich teilweise ziemlich ungehobelt durch den schwierigen Fall arbeitet. In diesem Zusammenhang liefert er mit seiner aufbrausenden und kurz angebundenen Art regelrechte Expertisen darin, seinem jeweiligen Gegenüber unmissverständlich zu demonstrieren, was er von ihm hält. Fröbes Profil prägt nicht nur den Verlauf, er bietet auch eine willkommene Variation im Dunstkreis der Ermittler an. Angesichts des unsichtbaren Gegners ist es sogar nicht immer ganz klar, ob er diesen Fall lösen kann. Im Szenario wimmelt es geradezu von zwielichtigen Gestalten und hier sind es insbesondere hervorragend aufspielende Interpreten wie Andrea Checci, Werner Peters, Reinhard Kolldehoff, Howard Vernon oder Wolfgang Preiss, die für Momente des Misstrauens oder Grauens sorgen. "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" vereint klassische Elemente des Kriminalfilms und Thrillers in sehr ausgewogener Weise miteinander, sodass sich Spannung und Tempo optimal entfalten können. Betrachtet man die gut verständliche und flüssig erzählte Geschichte, hat man es im Endeffekt vielleicht mit demjenigen Film der Reihe zu tun, der am meisten Logik transportiert, was in den folgenden Teilen manchmal nicht mehr Hauptaugenmerk gewesen ist. Verbrechen, Gewalt und Mord lauern schließlich in jeder einzelnen Minute und die Reihen werden nicht gerade zimperlich gelichtet, was jedoch die unerbittliche Attitüde des "Doktor Mabuse" nur unterstreichen wird. Nach vielen Turbulenzen und einigen sehr stimmungsvoll inszenierten Aha-Effekten bekommt der geneigte Zuschauer ein standesgemäßes Finale offeriert, das nicht nur Überraschungen mit sich bringt, sondern auch den Weg frei gemacht hat für weitere Verfilmungen. Alles in allem handelt es sich bei Fritz Langs Adaption um einen handwerklich gut gemachten Krimi und den perfekten Einstieg in die skrupellose "Mabuse"-Welt. Durch und durch sehenswert!


— ITALO-CINEMA —


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 Betreff des Beitrags: Und dann gabs keines mehr (1969)
BeitragVerfasst: 18.05.2018 23:36 
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UND DANN GABS KEINES MEHR

● UND DANN GABS KEINES MEHR / ZEHN KLEINE NEGERLEIN (D|1969) [TV]
mit Rolf Boysen, Ingrid Capelle, Alfred Schieske, Werner Peters, Alexander Kerst,
Nora Minor, Fritz Haneke, Günther Neutze, Edith Volkmann, Peter Fricke, u.a.
eine Produktion des ZDF
ein Film von Hans Quest


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»Der Böse wird zur Hölle fahren!«

Zehn Gäste werden mit unterschiedlichen Vorwänden in ein luxuriöses Haus auf einer einsamen Insel eingeladen. Noch ahnen sie nicht, was ihr unbekannter Gastgeber wirklich im Schilde führt. Abends, in einer ausgelassenen Runde, ertönen aus dem Lautsprecher des Grammophons genau zehn Anklagen für ungesühnte Verbrechen und jeder der Gäste erhält gleichzeitig sein Todesurteil. Da es keinerlei Möglichkeit gibt, die Insel zu verlassen, rückt man näher zusammen, doch niemand traut dem anderen. Schon bald gibt es wie angekündigt den ersten Todesfall, doch wer ist der unbekannte Richter..?

Bei "Und dann gabs keines mehr" handelt es sich um den 26. Kriminalroman von Agatha Christie. Mit über 100 Millionen verkauften Exemplaren handelt es sich auch um das meistverkaufte Werk der britischen Schriftstellerin. Der Stoff wurde zudem mehrfach verfilmt, was aufzeigt, dass er zum Klassiker taugt. Bei jeder Version entsteht wohl immer der selbe Wunsch, den Stoff nochmals erstmalig sehen zu wollen, da er überraschungsgeladen und überaus raffiniert ist. Unter der Regie von Hans Quest entstand 1969 die gleichnamige TV-Adaption und es darf gleich betont werden, dass man besser zu anderen Alternativen greifen sollte, da die Inszenierung hier doch sehr altbacken und effektlos ausgefallen ist. Nach und nach kommen die wenig später zum Tode verurteilten Personen auf der verlassenen Insel an und werden episodenhaft vorgestellt; zuvor aber das Personal, welches nicht gerade freundlich über die erwarteten Gäste spricht. Das Rätselraten um die Identität des Mörders ist ohne Vorkenntnis schwer möglich, doch zunächst muss erst einmal das starre TV-Gewandt und die deutsche Herangehensweise verdaut werden, da unweigerlich Quervergleiche zur Konkurrenz gezogen werden, falls sie denn bekannt sein sollten.

Die räumliche Gebundenheit und Hans Quests einfallslose Regie machen der Produktion und dem Interessenten schwer zu schaffen. Auch dass die meisten Morde zu Randnotizen im Off abqualifiziert werden, schürt eine spürbare Langatmigkeit.. Es macht wenig aus, ob Agatha Christies Stoff im Vorfeld bekannt ist oder nicht, denn das tut der Freude normalerweise keinen Abbruch. Hier hingegen bekommt man leider nur ein ungelenk wirkendes TV-Stück ohne Finessen serviert, das weniger einer Torte, sondern einem vertrockneten Kuchen gleicht. Die bekannten deutschen Darsteller werden leider schwach geführt und geführt, das natürliche Potenzial bleibt daher ungenutzt, außerdem beugen sie sich dem schwachen Konzept beinahe ausnahmslos. Ein Lichtblick ist jedoch auszumachen: Werner Peters, der das Beste aus seiner Rolle machen kann. Sehr negativ fallen vor allem Rolf Boysen und Ingrid Capelle auf, die restlichen Interpreten gehen weitgehend farblos in der Masse unter. Falls man sich also für den Stoff interessiert, sollte man "Und dann gabs keines mehr" auf gar keinen Fall als Einstieg wählen. Hans Quest stellt mit seinem 1969 entstandenen TV-Stück letztlich deutlich unter Beweis, wie man Gold zu Stroh machen kann.


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