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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (1960)
BeitragVerfasst: 14.05.2018 14:47 
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Dawn Addams   Peter van Eyck   in

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● DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE / IL DIABOLICO DOTTOR MABUSE / LE DIABOLIQUE DOCTEUR MABUSE (D|I|F|1960)
mit Gert Fröbe, Werner Peters, Andrea Checci, Marielouise Nagel, David Cameron, Reinhard Kolldehoff, Howard Vernon,
Linda Sini, Nico Pepe, Renate Küster, Jean-Jacques Delbo, Lotti Alberti, Rolf Weih, Albert Bessler und Wolfgang Preiss
eine Gemeinschaftsproduktion der cCc Filmkunst | C.E.I. Incom | Critérion Film | im Prisma Filmverleih
ein Film von Fritz Lang


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»Miese Zeiten und miese Geschäfte!«

Der Fernsehreporter Peter Barter wird tot in seinem Wagen aufgefunden, nachdem er seinem Sender angekündigt hatte, einen Skandal von großer Tragweite aufzudecken. Da man bei der Obduktion der Leiche eine Stahlnadel im Gehirn fand, schalten sich BKA und Interpol ein. Hier erinnert man sich an den wahnsinnigen Superverbrecher Doktor Mabuse, der allerdings vor über 25 Jahren in einem Sanatorium starb. Es ereignen sich allerdings weitere Verbrechen, die immer wieder zu diesem Namen führen. Lebt Dorktor Mabuse etwa noch, oder hat jemand sein teuflisches Erbe angetreten? Kommissar Kras (Gert Fröbe) geht dieser Spur nach und schon bald folgt ein Mordanschlag auf ihn. Viele Spuren führen in das Hotel Luxor, wo sich die Amerikanerin Marion Menil (Dawn Addams) kürzlich aus einem der oberen Stockwerke stürzen wollte und tatsächlich scheint sie eine Schlüsselfigur in diesem Fall zu sein. Kras jagt ab sofort einem Phantom hinterher, das immer wieder zuschlägt...

Regisseur Fritz Lang inszenierte in den Jahren 1922 ("Dr. Mabuse, der Spieler") und 1933 ("Das Testament des Dr. Mabuse") bereits zwei Verfilmungen, die sich mit dem größenwahnsinnigen Verbrecher befassten, und nahm 1960 wieder auf dem Regiestuhl platz, um "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" zu realisieren. Bereits sieben Jahre zuvor erwarb Produzent Artur Brauner die Nutzungsrechte von Norbert Jacques, dem Verfasser der Romanvorlagen, und die Produktion wurde über lange Hand geplant. Da der Großverleih Constantin-Film Ende der 50er Jahre erfolgreich mit der Edgar-Wallace-Reihe in den Kinos durchstartete, war auch die Zeit für diesen ersten von sechs "Mabuse"-Teilen gekommen, der mit großer Starbesetzung aufwarten kann, zumindest im oberen Segment. Im Bereich der zeitgenössischen Kriminalfilme genießt Fritz Langs Beitrag einen Klassiker-Status, was zum einen sicherlich mit seiner Regie-Arbeit zusammenhängt, zum anderen aber auch mit dem Vergleich zu diversen Artgenossen. Am Tag der Uraufführung wurde der Film schließlich mit dem »Prädikat wertvoll« ausgezeichnet. Der Verlauf setzt auf Verwirrung und Härte, wobei es hier noch nicht so sehr ausgereizt wurde, wie beispielsweise im Harald Reinls ebenfalls sehenswertem Beitrag "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse". Interessant ist die Strategie, den sagenumwobenen Superverbrecher einfach wieder auferstehen zu lassen, sodass er für Angst und Schrecken sorgen kann. Selbstverständlich schwingt stets das Thema Weltherrschaft mit und mit "Doktor Mabuse" sieht nimmt man einen perfiden Strategen wahr, der durch Überwachung, Manipulation und Mord letztlich das totale Chaos anvisiert, um bestehende Weltbilder aus den Angeln zu heben, was seinen Wahnsinn nur unterstreichen will. Bereits die Eröffnungssequenz kann für Aufsehen sorgen, da der leise Mord, oder besser gesagt, der unsichtbare Tod zuschlägt, um die potentiellen Kontrahenten in machtlose Positionen zu zwingen.

Lange Strecken des Verlauf gleichen somit einem Mosaik, das sich nur mühsam zusammensetzen lässt, damit der Eindruck entstehen kann, dass der Doktor immer einen Schritt voraus ist. Der Film vereint internationale und bekannte deutsche Stars miteinander und ein paar von ihnen sollten noch richtige "Mabuse"-Veteranen werden, wie etwa Peter van Eyck, Gert Fröbe, Werner Peters, Albert Bessler und natürlich Wolfgang Preiss. Dawn Addams kann sowohl in darstellerischer als auch vermarktungstechnischer Hinsicht als großer Coup der Produktion angesehen werden. Längst bekannt als internationaler Star, war sie vor Fritz Langs Beitrag schon in einigen deutschen Spielfilmen zu sehen, sodass es der Kinogänger durchaus mit einem bekannten Gesicht zu tun bekam. Addams zeichnet die Frau von Welt perfekt, allerdings lässt sie auch genügend Spielraum für innere Abgründe. Marion Menil wirkt geheimnisvoll und getrieben, ihre Melancholie wirkt in manchen ihrer Szenen nahezu vereinnahmend. Allerdings skizziert die Britin nicht das klassische schutzbedürftige Opfer, sondern bietet viele individuelle Nuancen an, von denen der Verlauf stark profitiert. Besondere Stärken entstehen mit ihrem ebenso starken Partner Peter van Eyck, dessen weltmännisches Profil ganz offensichtlich eine seiner kleinsten Fingerübungen gewesen sein muss. Als bekannter Geschäftsmann charakterisiert er Macht und Profit, was "Doktor Mabuse" anzieht, wie das Licht die Motte. Die bevorstehende Liaison wird in perfider Weise ausgenutzt, um den Industriellen gefügig zu machen, da er es sich schließlich erlauben kann im Zweifelsfall sagen zu können, dass Geld eben nicht alles sein darf. Zwischen Dawn Addams und Peter van Eyck entsteht eine selten kultivierte Form des Zusammenspiels, welches jedoch die Möglichkeit für kurze Momente der Intimität und der Zusammengehörigkeit nicht auslässt, daher sehr faszinierend wirken kann, zumal keine der handelsüblichen Schablonen aufgetischt wird.

Als Kommissar Kras ist ein wie immer authentisch wirkender Gert Fröbe am Werk, der sich teilweise ziemlich ungehobelt durch den schwierigen Fall arbeitet. In diesem Zusammenhang liefert er mit seiner aufbrausenden und kurz angebundenen Art regelrechte Expertisen darin, seinem jeweiligen Gegenüber unmissverständlich zu demonstrieren, was er von ihm hält. Fröbes Profil prägt nicht nur den Verlauf, er bietet auch eine willkommene Variation im Dunstkreis der Ermittler an. Angesichts des unsichtbaren Gegners ist es sogar nicht immer ganz klar, ob er diesen Fall lösen kann. Im Szenario wimmelt es geradezu von zwielichtigen Gestalten und hier sind es insbesondere hervorragend aufspielende Interpreten wie Andrea Checci, Werner Peters, Reinhard Kolldehoff, Howard Vernon oder Wolfgang Preiss, die für Momente des Misstrauens oder Grauens sorgen. "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" vereint klassische Elemente des Kriminalfilms und Thrillers in sehr ausgewogener Weise miteinander, sodass sich Spannung und Tempo optimal entfalten können. Betrachtet man die gut verständliche und flüssig erzählte Geschichte, hat man es im Endeffekt vielleicht mit demjenigen Film der Reihe zu tun, der am meisten Logik transportiert, was in den folgenden Teilen manchmal nicht mehr Hauptaugenmerk gewesen ist. Verbrechen, Gewalt und Mord lauern schließlich in jeder einzelnen Minute und die Reihen werden nicht gerade zimperlich gelichtet, was jedoch die unerbittliche Attitüde des "Doktor Mabuse" nur unterstreichen wird. Nach vielen Turbulenzen und einigen sehr stimmungsvoll inszenierten Aha-Effekten bekommt der geneigte Zuschauer ein standesgemäßes Finale offeriert, das nicht nur Überraschungen mit sich bringt, sondern auch den Weg frei gemacht hat für weitere Verfilmungen. Alles in allem handelt es sich bei Fritz Langs Adaption um einen handwerklich gut gemachten Krimi und den perfekten Einstieg in die skrupellose "Mabuse"-Welt. Durch und durch sehenswert!


— ITALO-CINEMA —


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 Betreff des Beitrags: Und dann gabs keines mehr (1969)
BeitragVerfasst: 18.05.2018 23:36 
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UND DANN GABS KEINES MEHR

● UND DANN GABS KEINES MEHR / ZEHN KLEINE NEGERLEIN (D|1969) [TV]
mit Rolf Boysen, Ingrid Capelle, Alfred Schieske, Werner Peters, Alexander Kerst,
Nora Minor, Fritz Haneke, Günther Neutze, Edith Volkmann, Peter Fricke, u.a.
eine Produktion des ZDF
ein Film von Hans Quest


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»Der Böse wird zur Hölle fahren!«

Zehn Gäste werden mit unterschiedlichen Vorwänden in ein luxuriöses Haus auf einer einsamen Insel eingeladen. Noch ahnen sie nicht, was ihr unbekannter Gastgeber wirklich im Schilde führt. Abends, in einer ausgelassenen Runde, ertönen aus dem Lautsprecher des Grammophons genau zehn Anklagen für ungesühnte Verbrechen und jeder der Gäste erhält gleichzeitig sein Todesurteil. Da es keinerlei Möglichkeit gibt, die Insel zu verlassen, rückt man näher zusammen, doch niemand traut dem anderen. Schon bald gibt es wie angekündigt den ersten Todesfall, doch wer ist der unbekannte Richter..?

Bei "Und dann gabs keines mehr" handelt es sich um den 26. Kriminalroman von Agatha Christie. Mit über 100 Millionen verkauften Exemplaren handelt es sich auch um das meistverkaufte Werk der britischen Schriftstellerin. Der Stoff wurde zudem mehrfach verfilmt, was aufzeigt, dass er zum Klassiker taugt. Bei jeder Version entsteht wohl immer der selbe Wunsch, den Stoff nochmals erstmalig sehen zu wollen, da er überraschungsgeladen und überaus raffiniert ist. Unter der Regie von Hans Quest entstand 1969 die gleichnamige TV-Adaption und es darf gleich betont werden, dass man besser zu anderen Alternativen greifen sollte, da die Inszenierung hier doch sehr altbacken und effektlos ausgefallen ist. Nach und nach kommen die wenig später zum Tode verurteilten Personen auf der verlassenen Insel an und werden episodenhaft vorgestellt; zuvor aber das Personal, welches nicht gerade freundlich über die erwarteten Gäste spricht. Das Rätselraten um die Identität des Mörders ist ohne Vorkenntnis schwer möglich, doch zunächst muss erst einmal das starre TV-Gewandt und die deutsche Herangehensweise verdaut werden, da unweigerlich Quervergleiche zur Konkurrenz gezogen werden, falls sie denn bekannt sein sollten.

Die räumliche Gebundenheit und Hans Quests einfallslose Regie machen der Produktion und dem Interessenten schwer zu schaffen. Auch dass die meisten Morde zu Randnotizen im Off abqualifiziert werden, schürt eine spürbare Langatmigkeit.. Es macht wenig aus, ob Agatha Christies Stoff im Vorfeld bekannt ist oder nicht, denn das tut der Freude normalerweise keinen Abbruch. Hier hingegen bekommt man leider nur ein ungelenk wirkendes TV-Stück ohne Finessen serviert, das weniger einer Torte, sondern einem vertrockneten Kuchen gleicht. Die bekannten deutschen Darsteller werden leider schwach geführt und geführt, das natürliche Potenzial bleibt daher ungenutzt, außerdem beugen sie sich dem schwachen Konzept beinahe ausnahmslos. Ein Lichtblick ist jedoch auszumachen: Werner Peters, der das Beste aus seiner Rolle machen kann. Sehr negativ fallen vor allem Rolf Boysen und Ingrid Capelle auf, die restlichen Interpreten gehen weitgehend farblos in der Masse unter. Falls man sich also für den Stoff interessiert, sollte man "Und dann gabs keines mehr" auf gar keinen Fall als Einstieg wählen. Hans Quest stellt mit seinem 1969 entstandenen TV-Stück letztlich deutlich unter Beweis, wie man Gold zu Stroh machen kann.


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 Betreff des Beitrags: Jedes Kartenhaus zerbricht (1968)
BeitragVerfasst: 23.05.2018 20:09 
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George Peppard   Inger Stevens   Orson Welles   in

JEDES KARTENHAUS ZERBRICHT

● HOUSE OF CARDS / JEDES KARTENHAUS ZERBRICHT (US|1968)
mit Keith Michell, Perrette Pradier, Geneviève Cluny, Maxine Audley, Patience Collier, Jacques Roux, Ave Ninchi, u.a.
eine Produktion der Universal Pictures | Westward Films | im Verleih der Universal
ein Film von John Guillermin


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»Das wäre das Ende der Grande Nation!«

Der amerikanische Boxer Reno Davis (George Peppard) erlebt eine böse Überraschung in Paris, denn er wird beinahe von einem achtjährigen Jungen namens Paul (Barbaby Shaw) auf offener Straße erschossen. Reno entwendet ihm die Waffe und bringt ihn kurz entschlossen nach Hause zurück. Seine Mutter, die französische Adelige und Witwe Anne de Villemont (Inger Stevens), reagiert angesichts der schlimmen Nachricht sehr eigenartig und bietet dem aufgebrachten Mann eine Stellung als Hauslehrer an, die er wenig später annimmt. Bald findet Reno heraus, dass die Villemonts in dunkle Machenschaften verwickelt sind und mit einer Organisation sympathisieren, welche plant, Regierungen zu stürzen, um ganz Europa in ihre Gewalt zu bringen. Wird sich Reno noch aus diesem Netz der Intrigen befreien können..?

Ein Blick auf die Karriere von Regisseur und Drehbuchautor John Guillermin beweist, dass er kein unbeschriebenes Blatt beim Inszenieren von prestigeträchtigen Großproduktionen war. Sein 1968 entstandener Beitrag "Jedes Kartenhaus zerbricht" fällt sicherlich ebenso in diese Kategorie und kann daher die Neugierde wecken. Der farbenfrohe Spielfilm verfügt über eine sehr interessant klingende Geschichte und wirklich sehr prestigeträchtige, international bekannte Interpreten, sodass die halbe Miete bereits im Vorfeld so gut wie sicher erscheint. Tatsächlich bekommt der geneigte Zuschauer einiges an Spannung und kruden Charakteren geboten und besonders hervorzuheben ist die sehr reizvolle Kameraarbeit des Duos Alberto Pizzi und Piero Portalupi, die mit Nähe und Distanz spielen, oder sich mit einer auffallenden Detailverliebtheit beschäftigen. Durch die vielen Nahaufnahmen oder beispielsweise Schrägeinstellungen entsteht ein ordentlicher Drive, wenngleich nach einer gewissen Spielzeit nicht mehr geleugnet werden kann, dass sich irgendwie der Eindruck etabliert, dass das offensichtlich vorhandene Potential nicht komplett ausgeschöpft wurde.

Zwar verfügt das Geschehen einen insgesamt guten Aufbau, doch hin und wieder fehlen dem Empfinden nach wichtige Erklärungen, die dazu hätten beitragen können, das Dargebotene flüssiger und runder wirken zu lassen. Der Film lebt über weite Strecken von seinen Darstellern. Allen voran ist unbedingt George Peppard zu nennen, der den manchmal unkultiviert wirkenden Typen hervorragend spielt und die Hautevolee ordentlich aufmischen kann. Inger Stevens wirkt reizend und damenhaft, Orson Welles verschlagen und geheimnisvoll. Nette Wiedersehen gibt es obendrein mit beispielsweise Maxine Audley, Geneviève Cluny, Perrette Pradier oder sogar Rosemary Dexter. Für die deutsche Synchronisation gab sich erfreulicherweise die A-Riege der Sprecher die Ehre. In Erinnerung bleiben wird sicherlich die ambitionierte Bildsprache und die absolut imposanten Schauplätze mit einem Showdown in Rom, der sich sehen lassen kann. "Jedes Kartenhaus zerbricht" ist vielleicht mehr Unterhaltungsspektakel als knallharter Thriller geworden, dennoch vermittelt er angenehme, teilweise subtile Untertöne. John Guillermin hat letztlich viel richtig gemacht, konnte seinen Beitrag jedoch nicht mit einem Brillantschliff versehen.


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 Betreff des Beitrags: Waldhaus - Nur das Beste für Angelika (1987)
BeitragVerfasst: 28.05.2018 19:50 
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WALDHAUS

● WALDHAUS | FOLGE 04 | NUR DAS BESTE FÜR ANGELIKA (D|1987) [TV]
mit Judith Edel, Loni von Friedl, Maria Singer, Heinz Moog, Hans Kraus, Udo Thomer, Fritz Muliar, Kurt Weinzierl
als Gäste: Eva Renzi, Otto Grünmandl, Martin Falk, Elena Rublack, Holger Petzold, Manuela Denz, Rainer Müller
eine Gemeinschaftsproduktion von ZDF | ORF
Regie: Reinhard Donga


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»...glaubst auf mich herab schauen zu können, weil du dich für frei und emanzipiert hältst?«

Angelika Kurawski (Judith Edel) sorgt für einigen Wirbel im sonst so idyllisch wirkenden Kurhotel "Waldhaus". Zum Leidwesen ihrer Mutter Ilse (Loni von Friedl) hat sie eigenmächtig beschlossen, im Familienbetrieb anpacken zu wollen und damit die Schule endgültig zu schmeißen. Da die Zensuren schon seit geraumer Zeit eine eindeutige Sprache sprechen und insbesondere im Fach Mathematik nicht mehr ausreichen sind, bittet Ilse ihre alte Freundin namens Irmgard Reisch (Eva Renzi) um Hilfe. Die besorgte Mutter spekuliert darauf, dass die Frau mit dem unkonventionellen Lebensstil an ihre bislang widerspenstige Tochter herankommt. Es stellen sich schnelle Erfolge ein, doch Frau Kurawski hat auch die Unberechenbarkeit von Irmgard nicht mit einkalkuliert...

"Waldhaus" verläuft ganz nach dem Schema gängiger deutscher Serienformate und konzentriert sich dabei auf die bestehenden zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten, aber auch der in jeder Episode auftretenden Gäste, die den manchmal ohnehin schief hängenden Haussegen noch mehr ins Ungleichgewicht bringen. Für die vierte Episode engagierte man zu diesem Zweck keine Geringere als Eva Renzi für die Episoden-Hauptrolle, doch wider erwarten soll sie es richten. Wer jedoch die üblichen Einsatzgebiete der immer noch temperamentvollen Berlinerin kennt, weiß, dass man sich mit ihr in eine diffuse Unberechenbarkeit begeben wird. Szenen aus dem Schulalltag der Titelrolle zeigen, weshalb man Renzi präsentiert bekommt, doch es soll natürlich alles andere als Glatt verlaufen. Die anfänglichen Sequenzen aus der Schule zeigen eine absolut desinteressierte Angelika, die verträumt Löcher in die Luft starrt und ganz ihrem Alter entsprechend verkündet, dass sie selbst wisse, was gut für sie sei. Im Klartext bedeutet dies, dass sie keine Lust mehr hat, ihre kostbare Zeit in der Schule zu verschwenden. Hinzu kommt, dass sie in einer frischen Beziehung ist, die diesen Entschluss nur noch anfeuern wird. Im Hotel "Waldhaus" herrscht daher Verzweiflung und Kollisionskurs. Die Diskussionen und Streitereien nehmen überhand, die Nerven liegen blank, insbesondere bei Angelikas Mutter Ilse, die nur noch eine Chance sieht: Irmgard Reisch anzufordern, eine alte Freundin.

In ihrer Aussichtslosen Lage hat die Hotelfachfrau offenbar komplett vergessen, dass sie versucht, Feuer mit Feuer zu bekämpfen, denn Irmgard führt ein Leben, dass ihre junge Tochter aller Wahrscheinlichkeit nach zum Vorbild nehmen wird, denn die Dame mit dem Motorrad pfeift ebenfalls all auf das, wie es Angelika momentan auch zu pflegen tut. Reinhard Donga wird nicht müde, zahlreiche Verstrickungen zu zeichnen und das sehr nachhaltig. Eingefangen in einer trügerischen Idylle, kann die Konfrontation herrlich unter seiner aufmerksamen Regie gedeihen, allerdings ist das Gelingen ebenso stark den Darstellern zuzuschreiben. Zwischenzeitlich beruhigt sich die angespannte Lage, denn Irmgard findet einen Zugang zu der abtrünnigen Tochter, bis die Streitgespräche wieder das Regiment führen werden. Ob zwischen Tochter und Mutter, oder Gast und allen anderen; der Eindruck, dass die Folge zu einem guten Ende kommen könnte, schwindet minütlich, zumal sich Irmgard obendrein noch auf eine Liaison mit Angelikas Freund eingelassen hat. Alles was hier präsentiert wird, ist sicherlich schon dutzendfach in anderen, beziehungsweise ähnlich aufgebauten Serien dagewesen, von daher also nichts wirklich Neues, doch die Inszenierung ist recht angenehm anzuschauen und bietet Verlässliches. Zum wohlgemerkt abrupten Ende hin baut sich eine kleine Spannung auf, da ein möglicherweise folgenschwerer Entschluss einige Personen dazu zwingen wird, sich ernsthafte Gedanken über sich selbst und ihren Lebensstil zu machen.

Im Rahmen der sporadischen Auftritte der 80er Jahre kann diese Episoden-Hauptrolle Eva Renzis als Startschuss für ein erfolgreiches TV-Comeback angesehen werden, insbesondere was gut frequentierte deutsche Serien betrifft. In diesem Zusammenhang zeigt sich erneut die erstaunliche Wandlungsfähigkeit der Interpretin, die in der vierten Folge der Serie "Waldhaus" für Furore innerhalb der eigentlich bestehenden Idylle sorgt. Engagiert als Nachhilfelehrerin für die Titelrolle der Episode, sieht man Eva Renzi wieder einmal von ihrer oppositionellen Seite, hier eindeutig entgegengesetzt zu bestehenden gesellschaftlichen Konventionen und dem vielleicht immer noch amtierenden Frauenbild. Ihre erste Szene kann bezeichnend für den weiteren Verlauf angesehen werden, denn sie beherrscht das Szenario nach Belieben durch ihre immer noch vereinnahmende Präsenz. Vor dem Hotel fährt sie auf einem Motorrad vor, kleidet und verhält sich kaum damenhaft, doch es stellt sich schnell heraus, dass die durchaus gebildete Frau eine Freundin des Hauses, beziehungsweise der Besitzerin ist. Ihr Leben gestaltet sich von der Hand in den Mund, lediglich wenn Ebbe im Portemonnaie herrscht, ist solide Arbeit angesagt. Ihre Abschürfungen, Prellungen und der Gips an der Hand charakterisieren ihre Risikofreudigkeit. Hinzu kommt eine ihrem Wesen entsprechende Freizügigkeit und ein vollkommen unkomplizierter Umgang mit Menschen ihres Umfeldes, dem sie sich sofort als gute Vertraute und verlässliche Zuhörerin anbietet, bei Männern mitunter sogar als Affäre.

Doch kann sie den Problemfall Angelika mit ihrer Art einfach so knacken? Für die Beobachter erscheint es zumindest sehr fraglich, denn schließlich gleicht ihr Laissez-faire-Stil dem der Schülerin, die absolut keine Lust mehr auf Schule verspürt und sich dementsprechend renitent präsentiert. Die Nachhilfelehrerin für Mathematik, Irmgard Reisch, kann sich nur allzu gut in diese Lage versetzen, denn schließlich muss sie einst selbst Aussteigerin gewesen sein. Im Umgang mit Angelika und ihrer Mutter versucht sie zweigleisig zu fahren und jeder der Frauen zu entsprechen. Doch wie das Leben so spielt kann sie es nicht jedem recht machen. Eva Renzi umweht eine naturgemäße Cleverness, stellt dabei aber nicht das dar, was man landläufig als kultiviert identifizieren würde. Bereits nach einem Tag beschweren sich einige Hotelgäste über das Auftreten der unkonventionellen Dame, da sie es vorzieht, nackt am Badestrand in Erscheinung zu treten. Auch bei Tisch benutzt sie vorzugsweise die Hände als natürlich gegebenes Besteck und trinkt ihr Bier dabei genüsslich aus der Flasche. Als Gesprächspartnerin zeigt sie sich von ihrer unbändigen Seite und wird dabei nicht müde, Seitenhiebe in alle Himmelsrichtungen zu verteilen. Irmgard ist bis in die letzte Faser überzeugt von sich und teilt es ihrem jeweiligen Umfeld unverblümt, manchmal ungefragt mit, auch wenn als Ergebnis schon einmal Tränen fließen. Vor allem ihre Freundin Ilse, die mit der Führung des Hotels und ihrer schwierigen Tochter schon genug zu tun hat, bekommt ihre wenig diplomatische Gesprächsführung zu spüren.

Die mittlerweile völlig frustrierte Hotelchefin ist jedoch in der Lage zurückzufeuern und das in bissiger Art und Weise, falls sich Ventile öffnen: »...glaubst auf mich herab schauen zu können, weil du dich für frei und emanzipiert hältst?« Dabei handelt es sich um eine Aussage, die Eva Renzi möglicherweise auch persönlich getroffen hätte, schließlich wird ein vorgehaltener Spiegel mit Sprung präsentiert und Worte richten sich aggressiv gegen tiefste Überzeugungen, Lebenseinstellungen und spielen auf eine gewisse Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Lebenseinstellungen an. Aufs Tableau kommen selbstverständlich noch weitere Vorwürfe bezüglich des losen Umgangs mit Männern und ihrer allgemeinen Aufmachung, sodass die Stimmung beinahe den Gefrierpunkt erreicht. Eva Renzi agiert hier erneut so, wie man sie hinlänglich kennt. Sie schlüpft in eine beliebige Rolle und lacht über die gesellschaftlichen Korsetts der anderen, dem Empfinden nach nicht ohne ihre ganz persönliche Einstellung kundzutun. Dementsprechend kann wieder einmal von einer dankbaren Rolle für die Berlinerin gesprochen werden, allerdings nicht in dem Sinn, dass es auf den präzisen Zuschnitt ankommt, sondern eher das Vereinen von Darstellerin und Person. Betrachtet man das letzte Drittel von Eva Renzis Karriere, bleibt nur zu betonen, dass sie eine ungemeine Bereicherungen für das Fernsehen darstellt, da sie ihre Rollen mit einer ganz selten vorkommenden Tatkraft ausstatten konnte, die über jedes Skript hinausgeht. Auch hier präsentiert sie sich als waschechte Querdenkerin und es ist eine Freude sie begleiten zu dürfen, da sie den frischen Wind repräsentiert, der viel häufiger in deutschen TV-Serien hätte wehen müssen.


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 Betreff des Beitrags: Zur Hölle mit den Paukern (1968)
BeitragVerfasst: 31.05.2018 13:49 
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● DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK TEIL 1 - ZUR HÖLLE MIT DEN PAUKERN (D|1968)
mit Hansi Kraus, Gila von Weitershausen, Günther Schramm, Hannelore Elsner, Georg Thomalla, Rudolf Schündler, Ruth Stephan,
Hans Terofal, Balduin Baas, Oliver Hassencamp, Monika Dahlberg, Ursula Grabley, Britt Lindberg sowie Theo Lingen und Uschi Glas
eine Produktion der Franz Seitz Film | Constantin Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Werner Jacobs


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»Wer spickt oder vorsagt fliegt raus, außerdem ist eine 6 fällig!«

Studienrat Dr. Knörz (Rudolf Schündler) hat vor, einen Großteil seiner verhassten Klasse 10a des Mommsen-Gymnasiums in Latein durchfallen zu lassen. Insbesondere Pepe Nietnagel (Hansi Kraus) macht dem kurz vor der Verzweiflung stehenden Lehrkörper schwer zu schaffen, indem er sich permanent neue Streiche ausdenkt, die er mit Rückendeckung der gesamten Klasse durchführen kann. Um Dr. Knörz loszuwerden, bedient er sich eines cleveren Tricks und schon wenig später muss der Lateinlehrer wegen vermeintlichen Halluzinationen in ein Sanatorium eingewiesen werden. An seine Stelle tritt Dr. Kersten (Günther Schramm), der aufgrund seiner Ansichten über ein moderneres Schulwesen im Lehrerkollegium aneckt, wo man ihn am liebsten eher heute als morgen wieder loswerden würde. Doch um dies zu verhindern, leisten Pepe und seine Klasse Schützenhilfe...

Nachdem die Ludwig-Thoma-Verfilmungen anfänglich erfolgreich in den Kinos gelaufen waren, sich die Reihe jedoch am abnutzen war, entschied man sich bei Constantin-Film und der Produzentenseite, ein neues Projekt in Angriff zu nehmen, was die Geburtsstunde der sogenannten Paukerfilme einläuten sollte. Die offizielle Reihe brachte es auf sieben Beiträge, wobei zahlreiche Ableger folgten und oftmals sogar zeitnah in die Kinos gebracht wurden. Insgesamt kann der deutsche Film also mehr oder minder stolz auf beinahe 20 dieser Produktionen zurückblicken. Werner Jacobs' "Zur Hölle mit den Paukern" avancierte zu einem der größten Kino-Erfolge der laufenden Saison 1968 und wurde schließlich mit der Goldenen Leinwand ausgezeichnet. Das neue und gleichzeitig alte Konzept geht also in Jacobs' Pilotfilm vollkommen auf und der Zuschauer wird mit handelsüblichem Humor und Klamauk versorgt, der nach heutigen Maßstäben vielleicht nicht besonders gut gealtert ist, aber einen nicht zu unterschätzenden Nostalgie-Bonus beinhaltet. Die große Stärke dieses Films und seiner sukzessiv entstandenen Nachfolger ist nicht zuletzt die hervorragende Besetzung.

Teil I verfügt über eine sehr ausgewogene Mischung aus altbekannten Stars und weitgehend unverbrauchten Gesichtern, die jeweils ihre Akzente setzen können. Hansi Kraus überzeugte bereits in der Reihe "Lausbubengeschichten" und was die Streiche betrifft, scheint sein Erfindungsreichtum ungebrochen zu sein. Seine Zielscheiben glänzen durch teils hemmungslose Überzeichnungen und den nervlich angeschlagenen Lehrkörper geben verlässliche Interpreten wie Rudolf Schündler, Ruth Stephan, Balduin Baas oder Theo Lingen, die zweifellos auch heute noch für ein paar Lacher aus der Konserve sorgen können. Unauffällig bleibt zunächst Uschi Glas, aber insbesondere Gila von Weitershausen kann hier kaum überzeugen. Günther Schramm, Georg Thomalla und Hannelore Elsner agieren mehr als solide. Viele Streiche der 10a zünden recht gut und die Nebenhandlungen werden geschickt in das Konstrukt integriert, sodass "Zur Hölle mit den Paukern" zu einem kurzweiligen Sehvergnügen werden kann, vorausgesetzt man hat eine Antenne für den komödiantisch angelegten Film dieses Zeitfensters. Obwohl seit 1968 doch etliche Verjährungsfristen erkennbar sind, kann der Film seinen Auftrag auch heute noch erfüllen. Schon unzählige Male gesehen!


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 Betreff des Beitrags: Zum Teufel mit der Penne (1968)
BeitragVerfasst: 01.06.2018 08:48 
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● DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK TEIL 2 - ZUM TEUFEL MIT DER PENNE (D|1968)
mit Peter Alexander, Hansi Kraus, Heintje, Hannelore Elsner, Sabine Bethmann, Rudolf Schündler, Willy Millowitsch,
Balduin Baas, Inge Wolffberg, Joachim Teege, Hans Terofal, Joachim Strietzel, Heidrun Hankammer und Theo Lingen
eine Produktion der Rialto Film Preben Philipsen | Terra Filmkunst | im Constantin Filmverleih
ein Film von Werner Jacobs


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»Ich glaube, Sie sind wieder einer Halluzination zum Opfer gefallen!«

Der Fernsehreporter Peter Roland (Peter Alexander) plant einen Film zum Thema "Bildungsnotstand" zu drehen, doch er sucht noch nach geeignetem Material. Somit wendet er eine List an und schleust sich anstelle seines Schwagers, Dr. Burki (Joachim Teege), als Schweizer Austauschlehrer in das Mommsen-Gymnasium in Baden-Baden ein. Dort möchte man sehen, ob der Pädagoge es mit der berüchtigten 10a aufnehmen kann, welche bislang noch jeden Lehrer in den Wahnsinn treiben konnte. Nach kurzer Zeit geschieht jedoch etwas Sonderbares, denn die Klasse fängt an, unter seiner liberalen Führung zu funktionieren, was Oberstudiendirektor Taft (Theo Lingen) vor ein Rätsel stellt. Wann wird der Schwindel auffliegen..?

Nach dem großen Erfolg des ersten Lümmelfilms bewies Produzent Horst Wendlandt umgehend, dass er als Konkurrenz nicht am schlafen war und brachte mit "Zum Teufel mit der Penne" den erfolgreichsten Paukerfilm überhaupt heraus. Teil II konnte seinerzeit an die 8 Millionen Zuschauer in die Kinos locken, was ein eindeutiger Beweis dafür ist, dass sich das zeitgenössische Publikum derartige Geschichten wünschte. Werner Jacobs' Beitrag weist einige Unterschiede zu den übrigen Filmen auf, was sich insbesondere bei den Charakteren und den hierbei zugeordneten Darstellern zeigt. So führte zum Beispiel Peter Alexander den Film an, Uschi Glas wurde durch Hannelore Elsner für die Rolle der Marion ersetzt, außerdem war Heintje als Vertragsschauspieler der Constantin Film zu sehen, der hier hauptsächlich mit Gesangsauftritten in Erscheinung tritt. Das Konzept ging also mehr als auf, doch in der Rückschau hat "Zum Teufel mit der Penne" wesentlich mehr Schwächen als die Konkurrenz. Das Ensemble wirkt schlecht ausbalanciert, da beinahe jeder recht aussichtslos gegen die Übermacht Peter Alexander ankämpfen muss, der das vollkommen auf ihn zugeschnittene Szenario dominiert.

Auch das Austauschen verschiedener Interpreten kommt nicht besonders gut an, was insbesondere für Hannelore Elsner und Ruth Stephan als Dr. Pollhagen zutrifft. Des Weiteren müssen Heintjes Ariola-Schlager einem wohl irgendwie gefallen, um sie nicht als durchgehend störend zu empfinden; auch Peter Alexander lässt es sich nicht nehmen, einige seiner Evergreens zum Besten zu geben. Nach persönlichem Ermessen schaden diese musikalischen Seitenstränge der Handlung und dem Film erheblich, denn er wirkt unnötig gestreckt. Im Bereich der zu erwartenden Streiche leistet Routinier Hansi Kraus wie erwartet sehr gute Arbeit und er zählt neben Rudolf Schündler, Balduin Baas, Hans Terofal und Theo Lingen zu den sichersten Bänken des gesamten Szenarios. Ansonsten hat man es mit einem eher mäßigen Skript zu tun, das sich zwar neuer Impulse bedient, aber schlussendlich nur wenige gelungene Variationen anbieten kann. Auf der Habenseite darf jedoch betont werden, dass "Zum Teufel mit der Penne" schön fotografiert und letztlich noch sicher und weitgehend zufriedenstellend über die Ziellinie gebracht ist. Insgesamt ist es Werner Jacobs aber nicht gelungen, sich zu verbessern. Daher ist die Fortsetzung nicht so gerne gesehen.


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 Betreff des Beitrags: Zum Abschied noch ein Totenhemd (1968)
BeitragVerfasst: 02.06.2018 14:10 
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ZUM ABSCHIED NOCH EIN TOTENHEMD

● VENDO CARA LA PELLE / ZUM ABSCHIED NOCH EIN TOTENHEMD (I|1968)
mit Mike Marshall, Michèle Girardon, Valerio Bartoleschi, Dane Savours, Germano Longo, Paolo Magalotti, Anna Manduchi, u.a.
eine Produktion der Cinemar | im Verleih der Anka-Madsack
ein Film von Ettore Maria Fizzarotti


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»Bitte keine Sentimentalitäten, verstanden?«

Shane (Mike Marshall), will die Ermordung seiner Familie rächen, bei der er als einziger Überlebender zurückgeblieben ist. Da Ralph Magdalena (Dane Savours) und seine Komplizen vor Jahren für die Gräueltat verantwortlich waren, weil Shanes Vater ihnen das Land nicht verkaufen wollte, auf dem sich eine ergiebige Mine befindet, sind sie zu den Zielscheiben seiner Rache geworden. Bei einer Schießerei wird Shane verwundet und während er von der Witwe Georgina Bennett (Michèle Girardon) gesund gepflegt wird, erfahren die Gangster von seiner wahren Identität. Durch die Geiselnahme Georginas und deren Sohn Kristian (Valerio Bartoleschi) versuchen Ralph und seine Männer den Rächer kaltzustellen...

In der B-Riege der einschlägig bekannten Rachewestern sind allerlei Vertreter zu finden, die zwischen Unterhaltungswert, Ambition, Durchschnitt und Misere alles zutage bringen konnten. "Zum Abschied noch ein Totenhemd" zählt zur Spezies der eigentlich durchschnittlichen Fraktion, der jedoch den Vorteil mit sich bringt, dass zahlreiche stilistische Raffinessen bereit gehalten werden. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die experimentierfreudige Kamera-Arbeit von Stelvio Massi zu nennen, die dem Verlauf einiges an Charisma mitgeben und ein besonderes Panorama anbieten kann. Dabei liegt der Fokus auf etlichen Details, aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen kommen nicht zu kurz. Inhaltlich gesehen bekommt der interessierte Zuschauer also das geboten, was demütig erwartet werden darf. Ein Mann stellt sich gegen die offenkundig zur Schau getragene Ungerechtigkeit und seine Motivation ist nichts anderes als Hass und Blutrache, da er als persönliche Betroffener alleine zurückgeblieben ist. Dies bildet schließlich den ergiebigen Treibstoff in Fizzarottis Film und es bleibt abzuwarten, was der eher unerfahrene Regisseur daraus machen konnte. Mehrmals empfiehlt sich der Film über ansehnliche Intervalle, in denen es ungeschönt zu brutalen Veranschaulichungen kommt, was die mehrmals auftauchenden und eher langatmigen Strecken entschärfen kann. Doch reichen diese besonderen Schockmomente aus, um das Ganze auch sicher über die Ziellinie zu bringen? Man tut insgesamt gut daran, das Gesamtergebnis nicht an profilierten Konkurrenten zu messen, denn sonst schneidet "Zum Abschied noch ein Totenhemd" möglicherweise weniger gut ab, als er tatsächlich ist. Sicherlich ist es schwierig, einen derartigen Western in der Masse komplett isoliert zu betrachten, doch es lassen sich mühelos einige Vorzüge herausfiltern, die hier prominenter als anderswo in Erscheinung treten dürfen. So beispielsweise die Konstellationen und Charaktere im Allgemeinen und Gesonderten, die in Verbindung mit einer recht unorthodoxen Besetzung leicht zu glänzen beginnen.

So ist vor allem die Vergabe der Hauptrolle an Mike Marshall zu erwähnen, dem Sohn des Schauspieler-Ehepaars Michèle Morgan und William Marshall. Seine Ausstrahlung trägt zu einer gelungenen Variation bei und es ist nicht zuletzt seine merkliche Präsenz, die den Rächer glaubhaft erscheinen lässt. Mit stechenden blauen Augen mustert und fixiert er seine Beute wo er nur kann und beweist seine außergewöhnlichen Fertigkeiten mit Colt und Kopf. Zwar kommt bei seiner resoluten Art und der beinahe unverwundbar wirkenden Aura der Gedanke auf, dass die gezeigte Brutalität eine ungünstige Allianz mit der Vorhersehbarkeit eingeht, aber unterm Strich nimmt man einen sympathischen Helden wahr, den man gerne noch häufiger im Western gesehen hätte. Dies gilt auch für seine französische Partnerin Michèle Girardon, die hier vor allem ihre auffällige Wandlungsfähigkeit in den Vordergrund zu stellen weiß. Als Georgina Bennett lässt sie sich zwar in eine gängige Schublade des Genres hineinstecken, überzeugt aber im Endeffekt durch ihre unverbrauchte Schauspiellaune; vom üppig vorhandenen Charisma ganz zu schweigen. Für rabiate Momente können Shanes rücksichtslose Gegenspieler sorgen, die nicht gerade zimperlich vorgehen und selbst vor Frauen und Kindern keinen Halt machen. Untermalt mit einer angemessenen Musik von Enrico Ciacci und Marcello Marrocchi entsteht eine zielführende Wirkung, sodass alles auf ein gut konstruiertes Finale hinsteuern kann, das vielleicht abzusehen ist, aber durchaus gewisse Finessen bereithält. Alles in allem ist Ettore Maria Fizzarottis Beitrag, der in der Bundesrepublik erst Ende September 1970 in die Kinos kam, bestimmt kein Überflieger geworden, weiß sich aber prinzipiell selbst aufzuwerten, da ein Mittelweg zwischen sicherem Fahrwasser und kleineren Alternativangeboten eingeschlagen wird. Die wohl größten, beziehungsweise angenehmsten Überraschungen bleiben unterm Strich jedoch die Darsteller, allen voran Mike Marshall und Michèle Girardon. Vielleicht wirkt die Selbstinszenierung der Hauptrolle hin und wieder etwas zu kopflastig, entfaltet dabei aber keine erdrückende Wirkung bezüglich des Gesamtbildes. Kurzweilige Unterhaltung.


— ITALO-CINEMA —


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 Betreff des Beitrags: Pepe der Paukerschreck (1969)
BeitragVerfasst: 03.06.2018 17:28 
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● DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK TEIL 3 - PEPE DER PAUKERSCHRECK (D|1969)
mit Hansi Kraus, Uschi Glas, Hannelore Elsner, Gustav Knuth, Carola Höhn, Rudolf Schündler, Ruth Stephan, Hans Clarin,
Hans Terofal, Gerhart Lippert, Walter Rilla, Harald Juhnke, Pierre Franckh, Michaela May, Yvonne ten Hoff und Theo Lingen
eine Produktion der Franz Seitz Film | Terra Filmkunst | im Constantin Filmverleih
ein Film von Harald Reinl


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»Mit dem Omnibus in die Römerzeit...«

Die berüchtigte 11a macht den den Lehrern des Mommsen-Gymnasiums das Leben ohne Unterlass zur Hölle. Die klasse ist unter der Führung von Pepe Nietnagel (Hansi Kraus) nicht mehr zu bändigen und somit fasst das Lehrerkollegium den Entschluss, dass ab sofort mit eisernem Besen gekehrt werden muss. Zu diesem Zweck fordert Oberstudiendirektor Taft (Theo Lingen) einen besonders unerbittlichen Pädagogen für die renitenten Schüler beim Kultusministerium an, doch Pepe bekommt Wind von dem aktuellen Vorhaben und kann durch einen Trick erreichen, dass mit Dr. Glücklich (Hans Clarin) ein besonders sanftmütiger Lehrer geschickt wird, der bislang an keiner Schule alt werden konnte...

Bevor der dritte Teil der offiziellen Paukerfilme in die Kinos kommen sollte, hatten Rialto und Lisa Film bereits zwei sehr erfolgreiche Konkurrenten in den Kinos platzieren können. Nach "Klassenkeile" und "Immer Ärger mit den Paukern" kam schließlich "Pepe der Paukerschreck" zum Zuge, der unter der Regie von Routinier Harald Reinl inszeniert wurde. Es ist vielleicht zu viel gesagt, dass man hier eine vollkommen abgewandelte Show geboten bekommt, doch unter Reinl sind explizitere Qualitätsmerkmale wahrzunehmen. Unter beinahe identischer Besetzung im Rahmen der tragenden Rollen, bekommt der Zuschauer ein ausgereifteres Skript angeboten, sodass zumindest keine Rückschritte wahrzunehmen sind. Eher im Gegenteil, denn der Verlauf wirkt überaus flüssig und gut aufgebaut. Auch die vielen Handlungsstränge fangen hier an für den Spaß zu sorgen, der anvisiert war. Der obligatorische Beginn im Klassenzimmer zeigt einmal mehr die Zielscheibe des breit angelegten Schabernacks, den vor der Verzweiflung stehenden Dr. Knörz. Dieser wirft dem Schüler Pepe, resigniert vor, dass Alexander der Große in Pepes Alter bereits die halbe Welt erobert habe.

Dieser wiederum greift die Steilvorlage natürlich mit Wonne auf und schießt zurück: »Der hatte auch Aristoteles als Lehrer. Und wen haben wir? Den Knörzerich...« Neben den gut positionierten Dialogen zeigt sich erneut eine hohe Dichte an Gags, die in diesem Fall häufig zünden können, aber man bekommt auch ein gut ausführendes Ensemble geboten. Insbesondere Hansi Kraus, Ruth Stephan, Hans Clarin und Rudolf Schündler dürfen sich im Rahmen des Vorgegebenen verausgaben, ansonsten beweisen Uschi Glas und Hannelore Elsner zusätzlich ein gutes Timing, wie beispielsweise auch Gustav Knuth und Carola Höhn, die insgesamt das beste Ehepaar Nietnagel darstellen konnten. Mit einem eingeschleusten Spion von Oberstudiendirektor Taft, bekommt die Geschichte sogar etwas mehr Spannung verliehen und die vielen Ortswechsel außerhalb des Mommsen-Gymnasiums sorgen für die gekonnte Abwechslung innerhalb einer laufenden Reihe, die nötig ist, um bei der Stange zu halten. "Pepe der Paukerschreck" ist sicherlich einer der hochwertigsten Teile geworden, der das Gesetzt der Serie zwar beibehält, nicht aber ohne mit frischem Wind überzeugen zu wollen. Auch Harald Reinls Beitrag ward schon unzählige Male gesehen und stellt für den persönlichen Geschmack den gelungensten Paukerfilm unter vielen dar.


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 Betreff des Beitrags: Hurra, die Schule brennt (1969)
BeitragVerfasst: 04.06.2018 14:35 
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● DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK TEIL 4 - HURRA, DIE SCHULE BRENNT! (D|1969)
mit Peter Alexander, Hansi Kraus, Heintje, Gerlinde Locker, Rudolf Schündler, Ruth Stephan, Alexander Golling, Hans Terofal,
Werner Finck, Harald Juhnke, Wolfgang Gruner, Carola Höhn, Pierre Franckh, Kristina Nel, Jutta Speidel sowie Theo Lingen
eine Produktion der Franz Seitz Film | Terra Filmkunst | im Constantin Filmverleih
ein Film von Werner Jacobs


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»Ich trage Trauer, weil wir uns mit einer toten Sprache beschäftigen!«

Dr. Peter Bach (Peter Alexander) besitzt jeweils einen Doktortitel in Deutsch und Naturwissenschaften, unterrichtet jedoch nur an einer kleinen Grundschule in der Provinz. Als das Kultusministerium darauf aufmerksam wird, muss Dr. Bach seinen Arbeitsplatz wechseln und wird an das Mommsen-Gymnasium versetzt, zumal die Dorfschule durch ein Missgeschick ohnehin abgebrannt ist. Schließlich zieht er mit seinem Neffen Jan (Heintje) nach Baden-Baden, um die berüchtigte 12a zu unterrichten, die bislang kein Lehrer zur Raison bringen konnte. Zunächst ist die Klasse rund um Pepe Nietnagel (Hansi Kraus) sehr misstrauisch gegenüber dem neuen Lehrer, doch dieser überzeugt die Schüler in Windeseile mit seinen überaus modernen Ansichten über den Schulalltag. Im Lehrerkollegium stößt Dr. Bach jedoch auf Empörung und man will ihn so schnell wie möglich wieder los werden. Jetzt ist der Ideenreichtum der 12a gefragt...

Genau wie in "Zum Teufel mit der Penne" - dem zweiten Teil der offiziellen Pauker-Filmreihe - bietet Regisseur Werner Jacobs das Geschehen mit hochprozentig musikalischer Note an, schließlich sind Peter Alexander und Kinderstar Heintje mit von der Partie. Praktischerweise geht es in Teil 4 ebenso mit einer deftigen Portion dramaturgischer Selbstgefälligkeit zugunsten Peter Alexanders weiter. Auch Heintje kommt über den Status hinaus, nur eine Gastrolle zu spielen. Dieses Zugeständnis an beide Stars der Produktion wirkt insgesamt leider dermaßen erdrückend, dass wenig Freude aufkommen, und die dem Empfinden nach beinahe untergeordnete Pauker-Thematik nicht zünden mag, was in diversen Vorgängern noch anders war. Letztlich handelt es sich bei "Hurra, die Schule brennt" nur um einen müden Aufguss, den auch Hansi Kraus nicht mehr retten kann. Zwar präsentiert er sich auch hier in gewohnter Weise erfinderisch und ambitioniert, kann das einfallslose Konstrukt aber nicht in gewohnt solide Bahnen lenken, auch wenn seine zu Streichen aufgelegte Klasse und die verzweifelte Lehrerschaft ordentlich Schützenhilfe leisten können.

Generell scheint das Format unter Werner Jacobs' Handhabe so gut wie ausgeblutet zu sein, sodass es die zehn aufdringlichen Schlager-Darbietungen des Verlaufs umso schwerer machen, einem die Zeit kurzweilig zu vertreiben. Der Erzählfluss wirkt erheblich gestört und die Geschichte nicht wie aus einem Guss. Die beteiligten Darsteller sind über weite Strecken identisch eingesetzt worden und die üblichen Verdächtigen hinterlassen daher solide bis gute Eindrücke, aber es fehlt einfach eklatant an gut platziertem Humor. Gemessen am unterhaltsamen Vorgänger und ähnlich gearteten Produktionen ist "Hurra, die Schule brennt" leider ein totaler Flop geworden, der angesichts einer vielleicht herkömmlichen Herangehensweise sein eher sicheres Terrain verlässt, um sich auf dünnes Eis zu wagen. Entgegen eigener Eindrücke und Präferenzen stehen jedoch die retrospektiven Tatsachen, denn der Film wurde seinerzeit mit der Goldenen Leinwand für mehr als 3 Millionen Kinobesucher ausgezeichnet; war somit ein großer wirtschaftlicher Erfolg, der auf die Sehgewohnheiten und Bedürfnisse des damaligen Kinogängers zugeschnitten war. Dennoch äußerst ungern gesehen!


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 Betreff des Beitrags: Das Gesicht auf der Wand (1983)
BeitragVerfasst: 07.06.2018 20:16 
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DAS GESICHT AUF DER WAND

● DAS GESICHT AUF DER WAND (D|1983) [TV]
mit Manfred Günther, Antje Weisgerber, Ivan Desny, Siegfried Wischnewski, Klaus Miedel, Mady Rahl, Rudolf Schündler, u.a.
eine Produktion des SFB
ein Film von Dieter Finnern


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»Die Sache ist unglaubwürdig, um es milde auszudrücken!«

In einer abgelegenen Kneipe erzählen sich drei Bekannte (Siegfried Wischnewski, Antje Weisgerber und Ivan Desny) Gruselgeschichten, die an diesem Abend besonders intensiv wirken, da es draußen sehr ungemütlich ist. In dieser schaurigen Atmosphäre schaltet sich plötzlich ein Mann vom Nebentisch (Manfred Günther) ein, der der Runde ebenfalls eine derartige Geschichte erzählen möchte. Es handelt sich dabei um seine eigene Geschichte. Aufgelöst berichtet er, dass in seinem Zimmer regelmäßig ein unheimliches Gesicht auf der Zimmerwand erschienen sei, welches ihn beinahe in den Wahnsinn getrieben hat. Ist der Mann glaubwürdig, oder möchte er sich nur profilieren..?

Betrachtet man die unterschiedlichen Dekaden der Filmkunst, so wurde das breit gefächerte und daher ergiebige Thema rund um parapsychologische Phänomene immer wieder aufgegriffen und in unterschiedlichsten Varianten verarbeitet. Auch das Fernsehspiel kam Dank Regisseur Dieter Finnern, der in 30 Jahren etwa genauso viele TV-Filme inszenieren sollte, nicht an dieser Thematik vorbei und lieferte mit "Das Gesicht auf der Wand" einen Beitrag ab, der sich zunächst einmal sehr interessant anhört. Die frühe Verwendung von etlichen, brauchbaren Verstärkern, die sonst beispielsweise in Gruselfilmen zu finden sind, bieten dem Zuschauer die Möglichkeit, unmittelbar in das Geschehen einzusteigen und es baut sich sogar eine leicht wahrzunehmende Beklemmung auf. Sobald die erste Gruselgeschichte über die Bühne ist, die man sich in einer urigen Kneipe erzählt hat, erfährt er Verlauf einen harten Schnitt. Nicht etwa, weil alles Weitere an der eigentlichen Thematik vorbeizulaufen scheint, sondern es kommt zu einem eigenartigen hin- und herpendeln zwischen Realismus und einem in der kranken Psyche verankerten Thema. Sicherlich klingt dies alles andere als langweilig, jedoch hüllt sich der Verlauf in zu viel stilistische Fließbandarbeit, die daher auf inszenatorischer Seite keinen runden Eindruck hinterlassen will. Doch es bleibt abzuwarten, denn schließlich bietet das Thema sehr viel Potential an.

Ab sofort begleitet man den Protagonisten in Rückblenden, die vielleicht weniger beängstigend als verstörend wirken. »Wir fürchten uns, weil wir Angst haben!«, heißt es in einer der Szenen und beim Blick auf den Mann, der den Kneipengästen seine Geschichte quasi aufnötigt, zeigen sich deutliche Unterschiede in seiner Gemütsverfassung und äußeren Erscheinung. In diesen Sequenzen ist Manfred Günther als vollkommen heruntergekommen wirkende Person zu sehen, die zusehends von diffusen Ängsten zerfressen wird. Zwar bekommt die Angst hier im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht, aber man erkennt weder einen Ursprung noch einen plausiblen Grund für die Geschehnisse, da es keine Hintergrundinformationen gibt. Regisseur Dieter Finnern rückt daher komplett von der anfänglich in den Fokus gerückten Gruselatmosphäre ab, um Wahnvorstellungen und Verschwörungstheorien der Hauptperson anzudeuten, die aufgrund der Wandlungsfähigkeit von Manfred Günther recht gut ankommen. Man verfolgt den mentalen Abstieg eines Mannes hautnah mit, sodass etliche bekannte Interpreten seinen Weg kreuzen dürfen, wie etwa Klas Miedel, Rudolf Schündler oder Mady Rahl. Letztere bietet eine besonders schmackhafte Darbietung als alt gewordene Prostituierte, deren Performance von hier doch sehr an ihren Auftritt in der "Kommissar"-Episode "Ein Funken in der Kälte" erinnern möchte, wenngleich ganz offenkundig auch schon wieder einige Monate seitdem vergangen waren.

Obwohl dieser TV-Film nur rund eine Stunde Spielzeit hat, zieht sich die Handlung empfundenermaßen in die Länge, was die spannenden Phasen ungünstig aufweicht. Im Grunde genommen verlaufen die zwei in direkter Verknüpfung stehenden Handlungsstränge um die Personen in der Kneipe und dem Fremden, der seine Geschichte erzählt, zu isoliert voneinander ab, was von einem Finale unterstrichen wird, das im Sinne der Aufklärung wenig prägnant wirkt. Die verschiedenen Etappen, die Angstzustände, Impulsivität, Wahnvorstellungen und Aggressionen der Hauptfigur zeigen, leiden unter einer Monotonie, die vielleicht eher den begrenzten Möglichkeiten zuzuschreiben sind, die einem TV-Film in der Regel zur Verfügung stehen. "Das Gesicht auf der Wand" kann die hohen Erwartungen - die nicht zuletzt wegen des gruselig klingenden Titels aufkommen - unterm Strich kaum erfüllen. Zu sehr wird die ohne jeden Zweifel mit Potential versehene Geschichte zu statisch abgehandelt, ohne auf die natürlichen Variationsmöglichkeiten zurückzugreifen, die der Stoff anbietet. Dennoch werden viele Akzente gesetzt, die zu Gefallen wissen. Sei es die passende musikalische Begleitung oder das in Szene setzen gewisser Charaktere, die ambitionierten Tricks oder immer wieder aufkommende atmosphärische Verstärker, wie beispielsweise Sets und spürbare Schwingungen. Dieter Finnern hat schlussendlich einen Beitrag abliefern können, der in seiner teils unorthodoxen Bearbeitung gefallen kann - vorausgesetzt man hat quasi ein paar parapsychologische Antennen.


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 Betreff des Beitrags: Beiß mich Liebling! (1970)
BeitragVerfasst: 11.06.2018 14:53 
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Eva Renzi

BEIẞ MICH LIEBLING!

● BEIẞ MICH LIEBLING! / BEIẞ MICH, LIEBLING! (D|1970)
mit Amadeus August, Patrick Jordan, Brigitte Skay, Wera Frydtberg, Herbert Fux, Barbara Valentin, Dieter Augustin,
Hansi Linder, Rainer Basedow, Gudrun Herms, Frederick Pressel, Katharina de Bruyn, Marianne Sock und Ralf Wolter
eine Produktion der New Art | im Verleih der Cinerama
ein Film von Helmut Förnbacher


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»Er soll bis heute noch keine Ruhe gefunden haben«

Briefträger Engelmann (Herbert Fux) wird wegen eines Unfalls arbeitsunfähig und durch seinen Kollegen Peter Busch (Amadeus August) ersetzt. Der junge Mann hat allerdings noch ganz andere Qualitäten als das Zustellen von Briefen, denn schon nach kürzester Zeit avanciert er zum Renner in den Betten sogenannter grüner Witwen. Dem Sexualtherapeuten und Eheberater Hartlieb von der Wies (Patrick Jordan) läuft durch diese neue Situation die komplette weibliche Kundschaft davon, denn die nun rundum glücklichen Damen haben ab sofort nichts mehr auf seiner Couch zu berichten. Kurzerhand beschließt von der Wies also, den geschäftsschädigenden Briefträger ins Jenseits zu befördern, zumal dieser auch noch seine Nichte Sabrina (Eva Renzi) heiraten will. Doch alle Anschläge schlagen fehl, bis er schließlich selber ins Gras beißen muss. Damit hat die Farce allerdings kein Ende, denn der Verblichene steigt aus seinem Grab und macht die Gegend als blutdürstiger Vampir unsicher...

In einem Film von Helmut Förnbacher wird erfahrungsgemäß allerhand geboten, nur eben nicht das, was uns der Titel verzweifelt zu versprechen versucht. Seinerzeit wurde der Schweizer als hoffnungsvolles Nachwuchstalent gehandelt, doch nach einem Flop wie "Beiß mich Liebling!" wurde der Regiestuhl wieder schnell durch schauspielerische Aktivitäten ersetzt, bei denen Förnbacher eindeutig die bessere Figur machen konnte. In dieser Produktion fungierte er nicht nur als Regisseur, sondern gleichzeitig als Produzent und Drehbuchautor, was dieser Angelegenheit jedoch in unmissverständlicher Art und Weise nicht zugute kommen möchte. Der Filmdienst lästerte: »Wie schnell doch Jungregisseure für Opas Kino heranaltern.«, und diese Einschätzung ist nach diesem Flick gar nicht so weit hergeholt, denn so weit das Auge reicht ist nur hemmungsloser Abklatsch und abgedroschener Klamauk wahrzunehmen, der schon in vielen anderen Filmen keinen Grund mehr zum Lachen darstellen konnte. Entstanden ist schließlich ein mäßig interessanter Versuch, diffusen Erotik-Klamauk in andere Gewänder zu zwängen und dabei noch darauf zu spekulieren, dass es aufgrund des beigemischten Vampir-Themas keinem Menschen auffällt, welches übrigens erst nach einer geschlagenen Stunde prominent in Erscheinung tritt. Was man dem Film bestimmt zugute halten darf, ist, dass er sich am Zeitgeist orientiert und vielleicht mehr typisches Kind dieser beginnenden Dekade ist, als einem lieb ist. Offenbarungen bleiben hinlänglich aus, so viel kann bereits im Vorfeld gesagt werden. Der Verlauf nimmt teilweise zu uniforme Tendenzen an, die einiges an Langeweile transportieren. Da können auch ein paar Lacher nicht für die anvisierte Atmosphäre sorgen, die sich aufdringlich und phasenweise in peinlicher Art und Weise aufbäumen wird.

Die Geschichte fängt mit dem Ausfall des hiesigen Briefträgers an, um schleunigst seinen potenten Nachfolger zu integrieren, der ab sofort die Damen aller couleur beglücken darf, außerdem frustrierte grüne Witwen. Dieses Beischlaf-Karussell dreht sich beinahe eine geschlagene Stunde lang, um anschließend zur eigentlichen Sache zu kommen, die der Titel immerhin angekündigt hatte. Albernheiten und Zweideutigkeiten dominieren diesen Beitrag zusehends erdrückend, sodass eine gute Ausdauer des Zuschauers zur Grundvoraussetzung wird. Sicherlich entstehen insbesondere mit Brigitte Skay oder Barbara Valentin auch ein paar wirklich gelungene Szenen im Rahmen der Situationskomik, jedoch kann sich insgesamt kein ausgewogener Eindruck aufdrängen, da die Stimmung immer wieder umkippt. Helmut Förnbacher ist daher anzukreiden, dass er dem Film eine zu kopflastige Richtung mitgegeben hat und dabei keine Entscheidung trifft, die Parallelhandlungen prägnant und zufriedenstellend abzuhandeln. Im Bezug auf die sicherlich nicht zu verachtende Schauspieler-Riege kündigt der deutsche Kino-Trailer überdies noch Folgendes an: »Mit Deutschlands Komikerelite.« Der schnelle Blick auf die Hauptrollen stiftet in diesem Zusammenhang eine spürbare Verwirrung, denn für etliche Interpreten stellte die Komödie keineswegs eine Domäne dar, aber dennoch bleibt erst einmal abzuwarten, wie sie sich letztlich hier präsentieren werden, und ob tatsächlich komödiantisches Blut ihn ihnen fließt. Zu einer bemüht heiteren musikalischen Untermalung ist wie erwähnt ein Stelldichein nach dem anderen zu begutachten, wofür sich selbst eine renommierte Interpretin wie Wera Frydtberg nicht zu schade war. Anhand etlicher Beispiele ist deutlich zu erkennen, dass Förnbacher gewisse Schauspieler gezielt auf unbekanntes - um nicht zu sagen - schlüpfriges Terrain führt.

Das Treiben wird von keiner Geringeren als Eva Renzi angeführt, um Unterstützung von einem bunt durchgemischten Ensemble zu erhalten, das vor allem nach Leibeskräften agiert. Als ihren Onkel sieht man den Engländer Patrick Jordan, der weder internationales Flair in die Szenerie bringen kann, noch durch eine besondere Schauspiellaune auffallen will. Seine Gebärden und die damit verbundenen Dialoge fahren unausweichlich in eine Einbahnstraße, sodass es zu keinem besonders großen Vergnügen wird, ihn auszuhalten, was übrigens genauso für Ralf Wolter gilt, der die unbequeme Verpflichtung auferlegt bekommen hat, wirklich jeden Vogel abschießen zu müssen. Amadeus August hingegen wirkt gelassen und flexibel genug, um dem Verlauf einen deutlichen Stempel aufzudrücken, wenngleich man aber fairerweise sagen muss, dass ihm von der Geschichte her nicht besonders viel abverlangt wird. Dennoch bleiben gerade seine Szenen in Erinnerung, in denen er sich in diversen Betten verlustiert, denn hierbei handelt es sich immerhin um den Löwenanteil seiner Auftrittsdauer. Zusätzlich geben er und Eva Renzi ein nett anzusehendes Paar ab, dem anzusehen ist, dass schon ein bisschen Spaß beim Dreh geherrscht haben wird. Natürlich übersteigt dieser Eindruck quasi die eigene Vorstellungskraft, immerhin blickt man auf Förnbachers fertiges Produkt. Trotzdem versprühen beide ein wenig natürlichen Spaß, der ansonsten nur schwer zu finden ist, oder aufgesetzt wirkt. Szenen zum Schmunzeln und Lachen (hinter vorgehaltener Hand) liefern Brigitte Skay und Barbara Valentin, die sich buchstäblich in ihren eigenen Klischees suhlen, oder doch eher räkeln. Beide reihen sich in die Riege der sehr nett anzuschauenden Interpretinnen des Verlaufs ein, genauso wie Hansi Linder oder Gudrun Herms. Mit Vera Frydtberg ist eine Schauspiel-Veteranin in den Anfängen ihres Schwanengesangs zu beobachten, doch selbst dieser Abstecher in ungewohnte Gefilde demonstriert genügend Routine und Souveränität.

Der Legende nach ist in nahezu jeder Filmografie von Darsteller_innen ein Ausrutscher zu finden, oftmals sind es sogar mehrere schwarze Kapitel. Eva Renzi selbst gab ihrem eigenen Schaffenstiefpunkt den Namen "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", ohne dabei zu betrachten, dass persönliche Ressentiments die bestehenden Tatsachen hinsichtlich einer einwandfreien Leistung nicht ausräumen können. Wenn die gesamte Renzi'sche Filmografie so gut wie bekannt ist, kann es gar nicht anders kommen, dass man Helmut Förnbachers Erotik-Komödie in diesem Zusammenhang ins Visier nimmt, was jedoch hauptsächlich auf den Film und nicht auf Eva Renzis Leistung bezogen ist. Auch hier gilt ihr selbst erwähntes Prinzip, dass es die persönlichen Möglichkeiten stets zugelassen haben, gut oder zumindest der Anforderung entsprechend zufriedenstellend zu sein. Als Sabrina von der Wies macht Renzi zumindest einen mehr als soliden Eindruck und weiß sich erneut prominent in Szene zu setzen, was unterm Strich vom inszenatorischen und dramaturgischen Diktat verwässert wird. Weiß man um Eva Renzis kritischen Blick auf Frauenrollen bestimmter Anlegung, liegt es nahe, dass es sich hierbei um eine von jenen handeln müsste, die sie unter normalen Umständen mit Genuss in der Luft zerrissen hätte. Aber wer weiß das schon? Ein Blick auf die bestehenden Tatsachen zeigt eine - für den zeitgenössischen deutschen Genrefilm - ungewöhnlich stark instrumentalisierte Eva Renzi, deren Mehrfachanforderung beinahe ausschließlich darin besteht, den Klamauk zu dosieren, unter anderem für Erotik zu sorgen und dabei natürlich blendend auszusehen. Strecken von Großaufnahmen ihres hier frisch und ausdrucksstark wirkenden Gesichts tun ihr Übriges dazu.

Bei der Darstellung der Sabrina ist vor allem interessant, dass es sich um eine Dame handelt, die vergleichsweise weniger in das klassische Beuteschema der Eva Renzi fällt. Nur zu oft hat man selbstbewusste, schlagfertige, aber auch oppositionelle Charaktere von ihr sehen können, doch hier findet eine merkliche Abkehr zu diesem Schema statt, denn Sabrina steckt in einem Korsett, das von Männern ihres Umfeldes maßgeschneidert wurde. Zwar genießt die schöne Frau zahlreiche Freiheiten, von denen andere in diesem Zeitfenster nur hätten träumen können, aber innerhalb des ambitioniert modernen Anstrichs zeigen sich für Renzis Verhältnisse fast konservative Züge, die so rückschrittig sind, dass einem keine ähnlich gearteten Darbietungen ihrerseits einfallen. Sabrina lebt in uneindeutigen Verhältnissen mit ihrem Onkel zusammen und wirkt dabei wie eine bessere Hausangestellte, die sich zwar kritische Kommentare erlauben darf, die obendrein immer wieder Zweifel schüren, aber dennoch effektlos im Ganzen untergehen. Es ist mehr als offensichtlich, dass Renzi die Dramaturgie immer wieder mit ihrer persönlichen Note durchbricht, allerdings nicht viel gegen die Marschrichtung der Produktion ausrichten kann, da immerhin alle Darsteller vor die gleiche Karre gespannt werden. Im Fokus liegen schließlich männlich-weibliche Beziehungen, sodass nur auf das Auftauchen des neuen Briefträgers gewartet werden muss, um vollkommen weich zu werden: »Ich glaub ich bin verliebt! Ich hab ihn einfach angeschaut...« Beinahe ungläubig hört man Eva Renzi zu, als sie ihrem Onkel von Amors Treffsicherheit berichten muss und buchstäblich dahin schmilzt. Etwas Vergleichbares ist in ihrer Karriere kaum zu finden. Aber es läuft hier wie es eben laufen muss; auch wenn es unter diesen quasi umgekehrten Voraussetzungen geschieht.

Auch wenn "Beiß mich Liebling" gewiss das Schlusslicht in Eva Renzis Filmografie darstellt, bekommt der geneigte Zuschauer eine Rolle geboten, die in dieser Form auch nicht alle Tage zu finden war. Zunächst lässt sich der Eindruck nicht wegdiskutieren, dass die Berlinerin trotz der Rahmenbedingungen - die mit Schraubzwingen in Kontur gebracht sind - gelöster als sonst wirkt; ein paradoxer Eindruck, denn schließlich wird Eva Renzi hier deutlich an der kurzen Leine gehalten und es bietet sich so gut wie keine Gelegenheit, wie üblich aus bestehenden Mustern auszubrechen. Daher sieht man dem Empfinden nach weniger Eigeninterpretation und Selbstinszenierung, als eine klassische Abhandlung des Geforderten. Dies soll zwar keineswegs heißen, dass die Schauspielerin sonst immer das tat, worauf sie gerade Lust hatte, aber dennoch ist in fast allen ihrer anderen Auftritte nicht nur die ausführende Interpretin zu beobachten, sondern auch die teils auflehnerisch wirkende Person Eva Renzi. Nichtsdestotrotz beugt sie sich hier wie kein zweites Mal dem aufdringlichen Diktat der Regie und hat den Mann an ihrer Seite anzuhimmeln und schöne Staffage zu sein, was man ketzerisch vielleicht schon eher als Verschwendung ansehen sollte. Mit ihrem Partner Amadeus August entstehen viele Sequenzen der Erotik und Intimität. Daraus resultiert eine auffällige Körperbetontheit der Schauspielerin, die sich vom fordernden Auge der Kamera zu dem Objekt degradieren lässt, welches sie auch nach eigenen Angaben nie sein wollte. Abschließend zu dieser im Endeffekt nicht uninteressanten Rolle soll ein Auszug aus der Zeitschrift "Praline" aus dem Jahr 1969 als unkommentierte Anmerkung Licht ins Dunkel bringen: »Eva: "Ich ziehe mich nur aus, wenn der Film künstlerisch wertvoll ist." Die Filmleute: "Aber woher wissen Sie vorher das Filmprädikat?" Eva: "Das entscheide ich."«

In Helmut Förnbachers "Beiß mich Liebling" gibt es letztlich allerhand Schattenseiten, die positive Aspekte immer wieder stark überlagern. Im Grunde genommen ist die Geschichte nicht ganz so schlecht, wie es das Ergebnis suggeriert, aber das Endergebnis hätte bei einer etwas mehr strukturierten Bearbeitung deutlich besser aussehen können. Zu Spät wird das eigentliche Vampir-Thema integriert, und zwar dann, wenn der strapazierte Zuschauer bereits kurz vorm Einschlafen ist. Im letzten Drittel darf schließlich noch etwas gebissen werden, doch diese Sequenzen reichen nicht mehr aus, um das Lenkrad noch herumzureißen. Dass es an vielen Stellen einfach zu albern und herkömmlich wird, kann man einem Film nicht anlasten, der eigentlich nichts anderes sein will, als ein Unterhaltungsvertreter seiner Zeit. Trotzdem neigt man schnell dazu, mit diesem Vehikel schwerer als üblich ins Gericht zu gehen, da Förnbacher ein unausgewogenes Mischmasch abgeliefert hat, das sich im Endeffekt nicht gerade entscheidungsfreudig präsentiert. Der Film ist seit seiner Kino-Aufführung im August 1970 und der Veröffentlichung auf VHS verständlicherweise komplett in der Versenkung verschwunden, denn selbst der hartgesottene und geneigte Zuschauer bekommt nicht viel Neues vom Schweizer Jungregisseur geboten; außer, dass er einem seine augenscheinlichen Ambitionen ergebnislos auftischt und dass etliche gerne gesehene Darsteller als Zirkuspferde in die Manege gepeitscht werden. Insgesamt gesehen, kann man sich diesen Erotik-Klamauk mit wohlgemerkt äußerst abgespecktem Vampir-Thema anschauen, ohne dabei den Glauben an die Qualität der deutschen Filmindustrie jener Zeit zu verlieren, aber Aha-Effekte oder zufriedenstellende Ergebnisse bleiben definitiv und wahrscheinlich sogar weitgehend aus. Daher: für Fans, Komplettisten und auch Optimisten.


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 Betreff des Beitrags: Die Schatten werden länger (1961)
BeitragVerfasst: 18.06.2018 12:02 
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DIE SCHATTEN WERDEN LÄNGER

● DIE SCHATTEN WERDEN LÄNGER (D|CH|1961)
mit Barbara Rütting, Luise Ullrich, Hansjörg Felmy, Fred Tanner, Iris Erdmann, Helga Sommerfeld und Loni von Friedl
eine Produktion der cCc Filmkunst | Praesens Film | im Verleih der Columbia
ein Film von Ladislao Vajda


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»Schlagen Sie mich doch!«

Die Erzieherin Christa Andres (Barbara Rütting) arbeitet in einem Heim für schwer erziehbare Mädchen und ist dort bekannt für ihren feinfühligen Erziehungsstil, schließlich hat sie in jungen Jahren selbst eine schwere Zeit durchgemacht. Von Frau Diethelm (Luise Ullrich), die im Heim eine leitende Funktion inne hat, bekommt die engagierte Erzieherin jegliche Kompetenzen übertragen und genießt eine Vertrauensstellung. Diese wird eines Tages allerdings schwer auf die Probe gestellt, da die renitente Insassin Erika Schöner (Loni von Friedl) alles versucht, Christa in Verruf zu bringen. Als das junge Mädchen merkt, dass sie mit ihren Methoden nicht weiterkommt, bricht sie aus dem Heim aus und wirft sich einem zwielichtigen Zuhälter an den Hals. Die Erzieherin versucht alles, um Erika vor Schlimmerem zu bewahren, denn auch sie ging einst auf den Strich. Als Christas früherer Zuhälter Max (Hansjörg Felmy) wieder auftaucht, wird sie von der Vergangenheit eingeholt und die Situation spitzt sich zu...

In Zeiten, in denen der sogenannte Problemfilm en vogue war, beschäftigte sich insbesondere Artur Brauner mit zahlreichen provokanten Stoffen und kam zumindest häufiger in die Nähe roter Linien und Tabuthemen als manch andere Produzenten. Die Spürnase des Berliner Produzenten ist retrospektiv nicht zu unterschätzen, immerhin prägte er die deutsche Filmlandschaft mit vielen extravaganten Beiträgen, die seinerzeit zwar nicht immer erfolgreich waren, aber dennoch als bahnend für aufkommende Filmwellen in der Bundesrepublik angesehen werden können. Brauner stellte mit dem ungarischen Regisseur Ladislao Vajda bereits den Klassiker "Es geschah am hellichten Tag" auf die Beine und auch in "Die Schatten werden länger" zeigt sich zumindest eine Vision, den Film möglichst andersartig im Sinne von kaum dagewesen zu inszenieren, was sich erneut in den ungewöhnlich starken Zeichnungen der beteiligten Charaktere widerspiegelt. Viele Verhaltensweisen sind vor allem für damalige Begriffe überraschend, da sie teils befremdlich und absolut nicht konform mit den üblichen Regeln einer konservativen Gesellschaft erscheinen. Aus dieser Unberechenbarkeit und Variation entsteht neben der natürlich sehr interessanten Geschichte eine gut konstruierte Spannung, die Dramatik und Konfrontation andeutet. Die Thematik rund um (durch das Raster) gefallene Mädchen kann sicherlich als Abhandlungsschlager angesehen werden - und das gleich in mehreren Dekaden. In Erinnerung bleiben allerdings eher mutige Beiträge oder vielleicht solche, die nicht ausschließlich an Augenwischerei oder plumpem Spektakel interessiert waren, wenngleich solche Exemplare natürlich auch einen nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert anbieten.

Ladislao Vajda legt großen Wert auf einen klaren Aufbau und eine stringente Abhandlung der Geschichte, ohne dabei die Vorhersehbarkeit zu bedienen. Außerdem wird man Zeuge von ungewöhnlich expliziten Szenen, was sich keineswegs auf nackte Haut, aber hauptsächlich auf das Integrieren verbaler Attacken bezieht. Was im zeitlichen Kontext als gewagt angesehen werden darf, kann natürlich jetzt kaum mehr für Schockmomente sorgen. So ist der Blick auf die Charaktere des Geschehens vor allem noch aus heutiger Sicht interessant, da es nicht zum Erwarteten kommt. Die Mädchen des Heims haben unter keinen sadistischen Tyrannen zu leiden, denn das absolute Gegenteil ist der Fall. Empathie schwingt durch die Mauern, Nachsicht, Gnade und Verständnis dominieren selbst die renitentesten der Mädchen und nehmen ihnen den Wind aus den Segeln. Was man heute als anti-autoritär bezeichnen würde, wird hier insbesondere von Barbara Rütting und Ufa-Star Luise Ullrich richtiggehend zelebriert und ruft von Zeit zu Zeit Unverständnis hervor, ohne gleichzeitig jedoch Zweifel zu schüren, dass die beiden Damen ihr Haus und die Problemfälle nicht im Griff hätten. Barbara Rütting ist ohne jeden Zweifel als eine der überzeugendsten Charakterdarstellerinnen des deutschsprachigen Films anzusehen und auch hier beweist sie erneut ein gutes Gespür für die optimale Balance ihrer Rolle. Die Erzieherin mit dunkler Vergangenheit könnte im Zweifelsfall Freiwild werden, falls Gespenster der Vergangenheit auftauchen und sie regelrecht heimsuchen. Ihre Stärken werden genau wie ihre Schwächen sichtbar, allerdings nicht im Umgang mit den Mädchen, denen sie nachsichtig begegnet und sie vor allem nicht von oben herab betrachtet.

Diese einfache Strategie entspringt sicherlich der eigenen Erfahrung, da sie auch die Schattenseiten des Lebens kennenlernen musste. Gemeinsam mit Luise Ullrich zieht die resolute Frau an einem Strang und beide bleiben aufgrund ihrer sympathischen Wesenszüge in Erinnerung. Hansjörg Felmy als Wolf im Schafspelz überzeugt durch seine Wandlungsfähigkeit und den Mut, weniger populäre Charakterzüge zu formulieren. Eine der intensivsten Darbietungen liefert sicherlich Loni von Friedl als durchtriebene Heiminsassin, die schnell mit der Bereitschaft irritiert, auch zu außergewöhnlichen Mitteln zu greifen. Ihre Gefühlsausbrüche und ihre Durchtriebenheit sorgen für die reißerischen Momente des Films und legen eben genau jene inneren Abgründe offen, wegen denen Mädchen wie sie in einem solchen Heim untergebracht sind. Vermutlich hat man die Österreicherin selten besser gesehen. Themen wie beispielsweise Verführung Minderjähriger, Zuhälterei oder Prostitution werden im Verlauf immer wieder vorsichtig thematisiert, ohne jedoch in aller Deutlichkeit Konturen anzunehmen. "Die Schatten werden länger" ist nicht zuletzt durch die solide Regie ein sehenswerter Vertreter seiner Gattung geworden. Auch kommt dem ambitionierten Verlauf sehr zugute, dass keine handelsüblichen und verwässernden Happy-End-Anflüge aufkommen wollen, schließlich waren derartige Abgrenzungstaktiken in zahlreichen Sequenzen dieses Beitrags wahrzunehmen, was ihm letztlich sein eigenständiges, wenn auch nicht unabhängiges Profil verleiht. Mit charismatischen Darstellern, alternativ gefärbten Angeboten und zahlreichen Finessen des Schwarzweißfilms versehen, kann sich diese deutsch-schweizerische Kollaboration durchaus sehen lassen und bleibt in angenehmer Erinnerung.


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 Betreff des Beitrags: 18 Stunden bis zur Ewigkeit (1974)
BeitragVerfasst: 24.06.2018 14:41 
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Richard Harris   Omar Sharif   in

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● JUGGERNAUT / 18 STUNDEN BIS ZUR EWIGKEIT (GB|1974)
mit David Hemmings, Shirley Knight, Anthony Hopkins, Ian Holm, Clifton James, Roy Kinnear, Simon MacCorkindale, u.a.
eine David V. Picker | Two Roads Produktion | im Verleih der United Artists
ein Film vonRichard Lester


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»Ich habe einen roten und einen blauen Draht...«

Das Kreuzfahrtschiff "Britannic" hat nicht nur mit Sturm und hohem Seegang zu kämpfen, sondern mit einem Erpresser, der eine hohe Summe an Lösegeld fordert. Er nennt sich "Juggernaut". Falls die Reederei seiner Forderung nicht binnen von 18 Stunden nachkommt, droht er damit, das Schiff in die Luft zu jagen, auf welchem er im Vorfeld sieben Sprengsätze installiert hat. Plötzlich sind 1200 Menschen auf der "Britannic" in Lebensgefahr. Als die britische Regierung den Deal ablehnt, entsendet man den Sprengstoffexperten Lt. Commander Anthony Fallon (Richard Harris), der von einer mehrköpfigen Crew unterstützt wird. Die Zeit läuft allerdings davon, zumal die erste Bombe bereits hochgegangen ist...

Der einschlägig bekannte Katastrophenfilm kennt nahezu unzählige Gesichter und ebenso Qualitätsunterschiede aller Couleur. Daher wurde dem interessierten Publikum von Klassikern bis hin zu buchstäblichen Katastrophen über all die Jahre einiges angeboten, manchmal sogar zugemutet. Der 1974 entstandene "18 Stunden bis zur Ewigkeit" hält sich an die klassischen Gesetze des Genres, findet sich unterm Strich jedoch in einer Art Grauzone wieder. So erscheint Richard Lesters Beitrag wie eine Melange aus Ambition und Durchschnittsware, was allerdings nicht bedeutet, dass der Film in vielen Bereichen nicht punkten kann. Es erschließt sich eine im Grunde genommen sehr spannende Geschichte, deren atmosphärische Dichte sich mühelos entfalten kann. Dennoch scheint etwas Wichtiges bei der Leitinszenierung zu fehlen und es drängt sich der Eindruck auf, dass trotz des klaren Aufbaus der rote Faden etwas verloren wurde. Die Hauptattraktion stellt neben dem internationalen Cast sicherlich das Schiff "TS Hamburg" dar, das in der Handlung unter britischer Flagge fährt und mit dem wohlklingenden Namen "Britannic" ausgestattet wurde. Eigentlich soll das Kreuzfahrtschiff sicher in den Zielhafen gebracht werden, wenn dort nicht das plötzlich auftauchende Phantom wäre, das sich selbst "Juggernaut" nennt und die Reederei vor ein gefährliches Ultimatum stellt. Plötzlich stellen £ 500.000 die Lebensversicherung für 1200 Passagiere und die Besatzung dar - im Zweifelsfall sogar das Todesurteil.

Die Spannung wird über den heimtückischen Anruf samt Bildern der "Britannic" gebahnt und die Gefahr, beziehungsweise die mögliche Katastrophe, überaus plastisch dargestellt. Einzelne Personen der Geschichte werden als klassische Helden und markante Typen präsentiert, jedoch bleiben so gut wie alle Darsteller weit hinter ihren Möglichkeiten, da kaum ausreichende Charakterschärfe wahrzunehmen ist und viele Emotionen und Handlungen effektlos im Ganzen untergehen. Zwar agieren Richard Harris, Omar Sharif, Shirley Knight oder Anthony Hopkins solide, aber es wird zu wenig über diese Personen preisgegeben. Man weiß nicht wo sie herkommen und es wird offen bleiben, wo sie letztlich hingehen. Mit Hilfe eines tickenden Sekundenzeigers bleibt die Spannung aber nicht auf der Strecke und viele Sequenzen sind als sehr gelungen zu bezeichnen, doch Richard Lesters Film fehlt im Großen und Ganzen leider das gewisse Etwas. Zu wenig Bildgewalt und Spektakel heben einen teils an Nebensächlichkeiten interessierten Verlauf hervor, der dem Empfinden nach mehr Konfrontation und ein effektiveres Katz-und-Mausspiel nötig gehabt hätte. Im Finale kommt aber glücklicherweise noch einmal alles Positive zusammen und ein gut konstruierte Thrill bringt "18 Stunden bis zur Ewigkeit" zu einem versöhnlichen Ende. Innerhalb des Genres ist allerdings kein Klassiker entstanden, sodass es sich unterm Strich um gutes Mittelmaß handelt, wenn auch zugegebenermaßen der unterhaltsameren Sorte. Kann man sich daher gut anschauen.


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 Betreff des Beitrags: Venus in Furs (1969)
BeitragVerfasst: 25.06.2018 16:39 
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Maria Rohm   James Darren   Barbara McNair   in

VENUS IN FURS

● PAROXISMUS / VENUS IN FURS / SCHWARZER ENGEL / VENUS IM PELZ (GB|I|D|1969)
mit Dennis Price, Margaret Lee, Adolfo Lastretti, Manfred Mann, Paul Muller und Klaus Kinski
eine Produktion der Towers of London Productions | Cinematografica Associati | Terra Filmkunst
ein Film von Jess Franco


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»I'm supposed to be very cool about these things!«

Jimmy (James Darren) ist Trompeter in einer angesagten Jazz-Combo, doch sein Dasein ist gezeichnet von Unzufriedenheit und Lethargie. Als er wie üblich am Strand spazieren geht, um über sich nachzudenken, macht er eine grauenvolle Entdeckung: er findet eine Tote (Maria Rohm). Da er glaubt die Frau zu kennen, ist der Schrecken umso größer, schließlich erinnert er sich an eine Situation auf einer Feier des türkischen Fürsten Ahmed (Klaus Kinski), als eine Frau in einer Art Ritual zu Tode gepeitscht wurde. Nun scheint es so, als liege genaus diese Frau tot vor ihm. Eine anschließende Tournee lässt wieder Gras über die Sache wachsen, doch Jimmy zweifelt immer mehr an seinem Geisteszustand, zumal er der Toten wieder begenet, aber dieses Mal lebendig...

Anders als der Titel dieses Films vermuten lässt, stützt sich Jess Francos Beitrag nicht auf die gleichnamige Novelle des österreichischen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch, die im Produktionsjahr 1968 als Basis für Massimo Dalamanos "Venus im Pelz" herangezogen wurde. Durchaus inspiriert von der Tatsache, dass angesichts des Titels eine Art Fetischisierung stattfindet, ist es hier die Protagonistin Wanda, die Projektionsfläche der Erotik und - man muss es sagen - Ästhetik wird. In jenen Jahren kebam der Zuschauer noch einen anderen Franco angeboten, was sich einige Zeit später schon drastisch ändern sollte. Hier zeigt sich ein Hauptaugenmerk bezüglich der erotischen Erzählstruktur und man kommt in den Genuss von beinahe poetisch angehauchten Bildern, die mit erstaunlich starker musikalischer Untermalung zu einer besonderen Gesamtkomposition werden. Sicherlich ist es auch zusätzlich der Tatsache geschuldet, dass renommiertere Produktionsfirmen als Co-Financiers mit das Sagen hatten, wie beispielsweise die Constantin-Tochter Terra Filmkunst, sodass es naturgemäß zu einem Ergebnis kommen konnte, das nicht immer gerade Franco-typisch aussieht, aber buchstäblich exemplarisch offenlegt, welch großes Talent eigentlich im spanischen Regisseur gesteckt hat, allerdings viel zu häufig keinen optimalen Abruf fand. Nichts wirkt hier schnell heruntergekurbelt oder eilig zusammengebastelt, ganz im Gegenteil: es entfaltet sich ein Gesamtbild, das sich durchaus sehen lassen kann. Die Darsteller-Riege ist für Franco/Towers-Verhältnisse altbekannt, aber ebenso einladend ausgefallen. Die Reise durch dieses ansprechende Produkt der Fantasie gibt sich von vorne herein traumwandlerisch, aber auch auffallend verzerrt. Intensive visuelle und akustische Eindrücke fordern die Aufmerksamkeit enorm und die zugegebenermaßen manchmal seicht anmutende Geschichte bleibt unheimlich spannend und faszinierend bis zum Ende. Was insgesamt sehr gut ankommt ist, dass man es inszenatorisch gesehen mit einem wirklich einwandfreien Jess-Franco-Film zu tun hat.

Die Hauptfigur der Produktion bekam von Maria Rohm, der Ehefrau des hier verantwortlichen Produzenten Harry Alan Towers, ein sehr passendes und vertrautes Gesicht mit auf den Weg und es ist immer wieder eine besondere Freude, die attraktive Österreicherin agieren sehen. Wie so oft mit der eigentlichen Hauptrolle vertraut, reichte man sie wie beinahe ebenso üblich in den Titelcredits etwas nach hinten. Ihre durchaus vorandene Ausstrahlung ist hin und wieder nur schwer zu beschreiben. Da sie oft in Rollen zu sehen war, die nicht besonders viel herzugeben wussten, ist man vielleicht hin und wieder dazu geneigt, die Darstellerin mit den tiefen Augen zu unterschätzen, spielte sich doch gut ⅓ ihrer Karriere unter dem teilweise einseitig inszenierenden spanischen Regisseur ab. Hier sieht man sie definitiv in einer ihrer besten und vor allem effektivsten Interpretationen unter Jess Franco, und es kommt zu vielen sinnlichen Phasen, die nicht zuletzt ihrem Gespür, die Szenerie vereinnahmen zu können, zu verdanken ist. Geheimnisvoll und verführerisch liefert sie regelrechte Bildstrecken der Ästhetik, präsentiert jedoch auch eine nahezu gespenstische Aura. Ihre britische Kollegin Margaret Lee, die nach Angaben von Maria Rohm auch privat mit ihr befreundet gewesen sein soll, arbeitet in diesem Zusammenhang sehr gut in dieses Gesamtbild hinein, wobei Barbara McNair, die hier den Titelsong beisteuerte, deutlich das Nachsehen hat, insbesondere beim Vermitteln und Übertragen spürbarer Emotionen, von denen "Paroxismus" über die Maßen lebt. Interpreten wie Dennis Price und Klaus Kinski runden das Geschehen gekonnt ab, ohne jedoch prominent in Erscheinung zu treten. Jess Franco inszenierte seinen Film phasenweise wie einen Traum in surrealren Bildern und obwohl die Eindrücke schemenhaft zurückbleiben, ordnet sich das Gesamtbild wie von selbst. Hier ist es ausnahmsweise nicht die Geschichte an sich, die Akzente versetzen kann, sondern die wirklich ambitionierte Verfilmung eines Stoffes, der innerhalb und außerhalb der Jess-Franco-Welt einen gehobenen Standard veritteln kann. Aus diesen Gründen und nicht zuletzt wegen Maria Rohms Performance ein sehr faszinierender Film.


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 Betreff des Beitrags: Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe? (1970)
BeitragVerfasst: 25.07.2018 11:08 
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Barbi Benton   in

WIE KOMMT EIN SO REIZENDES MÄDCHEN
ZU DIESEM GEWERBE?


● WIE KOMMT EIN SO REIZENDES MÄDCHEN ZU DIESEM GEWERBE? / MIR HAT ES IMMER SPAẞ GEMACHT / DOVE VAI SENZA MUTANDINE? (D|I|1970)
mit Clyde Ventura, Jeff Cooper, Lionel Stander, Claude Farell, Massimo Serato, Murray Roman, Broderick Crawford, Riccardo Carrone,
Mark de Vries, Paul Muller, Max Nossak, Bruce Low, José Luis de Villalonga, Umberto D'Orsi sowie Hampton Fancher und Klaus Kinski
eine Produktion der Rialto Film Preben Philipsen | Due Emme Cinematografica | im Inter Verleih
ein Film von Will Tremper


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»10 Dollar, wenn du den Busen zeigst!«

Die attraktive 16-jährige Lynn Keefe (Barbi Benton) macht mit ihrem leichtfertigen und naiven Gehabe eine komplette Kleinstadt in Pennsylvania verrückt. Dabei ist sie sich ihrer Wirkung auf die ansässige Männerwelt durchaus bewusst. Als sie eines Tages den etwas älteren Nick ( Clyde Ventura) kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf und träumt von einer gemeinsamen Zukunft. Nach einem bizarren Liebesabenteuer wird Lynn von ihm schwanger und erwartet, dass er sie heiratet. Doch Nick sucht das Weite und lässt Lynn einfach sitzen. Schon bald beschließt sie, aus dem provinziellen Kleinbürgertum auszubrechen und begibt sich in der Hoffnung den Richtigen zu treffen auf eine Reise ins Überall und Nirgends. Doch Lynn kommt schon bald auf dem Boden der Tatsachen an und lernt die wahren Gesichter vieler Männer kennen, bis sie sich im Endeffekt folgendes vorhalten lassen muss: »Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe?«

Will Tremper brachte es in seinem dem Vernehmen nach turbulenten Schaffen auf fünf Filme, die größtenteils gute Kritiken bekamen, aber wirtschaftlich gesehen nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden müssen. Das Dilemma des Will Tremper besteht vielleicht darin, dass der durchaus visionäre Regisseur und inoffizielle Vorreiter des Neuen Deutschen Films deutlich vor seiner Zeit inszenierte, diese aber noch nicht reif für seine unkonventionellen Beiträge war. Auch "Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe" wurde zum Misserfolg, der mit einem Produktionsbudget von rund 2½ Millionen D-Mark sogar zum wohl größten Flop von Horst Wendlandts Rialto Film werden sollte. Da der Film in den Kinos schlecht anlief, wurde er im Rahmen einer möglichen Schadensbegrenzung in "Mir hat es immer Spaß gemacht" umbenannt und um etwa 15 Minuten gekürzt, was allerdings auch nichts mehr helfen sollte. Beim Anschauen des Films drängen sich Quervergleiche zu Trempers 1966 entstandenem "Playgirl" auf, in welchem er seiner unerfahrenen Hauptdarstellerin quasi die alleinige Macht gab, und es neben ihr keine anderen Götter, geschweige denn Göttinnen geben durfte. Dennoch zeigen sich natürlich bedeutende Unterschiede bei der Handlung und Struktur der Geschichte, außerdem ist ein näheres Heranrücken an den herkömmlichen deutschen Film zu beobachten, sodass sich erstmals und insgesamt gesehen keine Besonderheiten herauskristallisieren. Aber der komplette Film wurde nicht optimal angepackt, wie Tremper selbst einräumte.


Will Tremper hat geschrieben:
Barbi-Darling erwies sich als ein Naturtalent, das, ähnlich wie die Renzi, ihrer Rolle hemmungslos gerecht wurde, von einem Bett ins andere springend, aber nie auch nur einen Busen zeigend. Ich Trottel. Als der Film im Januar 1970 in München anlief, hatte Rolf Thiele in diesem »Sonnen-Kino« in der Sonnenstraße gerade seine Sex-Schnulze KOMM NUR MEIN LIEBSTES VÖGELEIN herausgebracht. In unserem Film aber gab's nicht die Spur von nacktem Fleisch zu sehen. Dafür veröffentlichte Hugh Hefner im PLAYBOY zwölf Seiten pudelnackte Barbi Benton. Nun ja. Horst Wendlandt erwies sich als »good sport« und meint bis heute: »Aber wir haben uns doll amüsiert, Dicker!«

Der große Vorzug dieses komödiantischen Dramas ist sicherlich die atemberaubende Hauptdarstellerin und Hugh-Hefner-Bunny Barbi Benton, der Will Tremper ähnlich wie seinerzeit Eva Renzi in "Playgirl" einen Künstlernamen gab, außerdem die absolute Prokura, den Film im Alleingang prägend dominieren zu können. Vielmehr erscheint es auch hier so zu sein, dass ein kompletter Film um die attraktive Hauptrolle herumkonstruiert wurde. Barbi Benton schöpft ihre Stärke aus der Unverbrauchtheit und einer natürlich gegebenen Interpretationsgabe, von ihrem Charme und Charisma ganz zu schweigen. Man lässt sich gerne auf die ansprechende Performance der hübschen Lynn ein, die entgegen zum Kern der Geschichte auffällig leichtfüßig wirkt. Hin und wieder ist es kaum zu glauben, dass Lynn gerade erst anfangen soll, ihre ersten amourösen Gehversuche zu wagen, aber insgesamt gesehen hält die Konstruktion aufgrund der lockeren und leichten Eindrücke stand, die spielend vermittelt werden können. Begleitet wird das Gezeigte von Lynns Stimme aus dem Off, die ihre Gedanken dem Zuschauer einerseits nachdenklich-naiv, aber auch frech-verspielt präsentiert, sodass die anvisierte Situationskomik immer wieder greifen kann. Leider ist es so, dass die Geschichte insgesamt zu oberflächlich bleibt, was nicht zu den in Dramatik getränkten Leitlinien der gesamten Chose passen möchte, allerdings ist wohl auch zu betonen, dass Tremper es im Endeffekt doch hinbekommen hat, diese Gratwanderung auszubalancieren. Dass der Film seinerzeit floppte, liegt vermutlich wirklich daran, dass absolut keine handelsüblichen Schauwerte geboten werden. Somit ist "Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe" zu weit weg von Produktionen dieser Zeit, die sich in dieser Hinsicht schon einiges mehr getraut haben, aber ebenfalls zu weit entfernt von Will Trempers charakteristischem Inszenierungsstil, dem erstmals der letzte Schliff zu fehlen scheint und trotz alternativer Ansätze zu konventionell und leicht uniform wirkt.

Aus diesen Gründen hängt diese Story irgendwie in der Luft, die man zwar zugegebenermaßen charmant und kurzweilig findet, ihr aber unterm Strich unterstellen mag, dass das gewisse Etwas einfach fehlt. Hinter den Kulissen ist dank eines verlässlichen Rialto-Stabs sehr viel Routine zu bemerken, was sich leider nicht weiter in der Besetzungsliste durchschlägt. Für den deutschen Markt wirkt die Präsentation der Darsteller einfach zu unwirsch, da abgesehen von Klaus Kinski nationale Stars fehlen; ein Manko, das von internationaler Seite nicht ausgeglichen werden kann. Dem linearen Aufbau der Geschichte folgend, sieht man die Stars und No-Names der Produktion in kurzen, isolierten Intervallen, die gemessen an der Screentime und Schauspiellaune von Barbi Benton nur wie unbedeutende Gastauftritte anmuten. Will Tremper schafft es in seinem letzten Film leider nicht, sich und seine geistreichen Reisen ind Ungewisse nochmals neu zu erfinden und es ist sehr schade, dass sein Dasein als Regisseur hiermit besiegelt war, denn Leute wie ihn hätte das deutsche Filmgeschäft eigentlich dringend nötig gehabt - gerade angesichts der neu anbrechenden Dekade. Auch wenn der Film durchaus seine Momente zu vermitteln weiß, kurzweilig ist und unterm Strich wirklich Spaß machen kann, bleibt ein Flop leider doch nur ein Flop. In der Retrospektive sollte die Produktion dennoch milde bewertet werden, da Tremper immerhin eine herrliche Bildsprache anbietet und etliche Ambitionen durchschimmern lässt, die bei dieser Umsetzung jedoch weitgehend untergehen. Über allem steht vielleicht auch der Vergleich zu seinen vier vorher gegangenen Filmen, die wesentlich frischer und moderner wirken, als "Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe". Außerdem kann man sich hin und wieder des Eindrucks nicht verwehren, dass zahlreiche Ersatzteile aus seinem eigenen Klassiker "Playgirl" auftauchen. Das kommt weniger gut an, denn man kann ein Gefühl oder Flair nur schwer wiederholen. Was bleibt ist der Blick auf einen Film, der aus heutiger Sicht dennoch einfach schön ist, falls man ihm zu viele kritische Blicke erspart.


— ITALO-CINEMA —


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 Betreff des Beitrags: Fünf Freunde helfen ihrem Kameraden (1979)
BeitragVerfasst: 31.07.2018 19:51 
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● Folge 20: FÜNF FREUNDE HELFEN IHREM KAMERADEN (1) / FIVE FALL INTO ADVENTURE (1) (GB|1979)
mit Marcus Harris, Gary Russell, Jennifer Thanisch, Michele Gallagher, Michael Hinz, Sue Best, Friedrich von Thun
Gäste: Julie Davis, Paul Antrim, Kenneth MacDonald, u.a.
eine Produktion der Southern Television | in Zusammenarbeit mit dem ZDF
Regie: Sidney Hayers



Am Strand lernen Julian, Dick, Anne und George das Mädchen Jo kennen und sie sind sich darüber einig, dass sie sich sehr verdächtig verhält. Wieder auf Kirrin Cottage angekommen, werden sie von der Polizei in Empfang genommen, denn Onkel Quentins Arbeitszimmer wurde durchwühlt, der sich gerade im Urlaub befindet. Die Vermutung liegt nahe, dass wichtige Papiere des Wissenschaftlers gestohlen wurden. Kurz darauf bricht Timmy zusammen, da er offensichtlich betäubt wurde. Der Verdacht fällt gleich auf Jo. Die merkwürdigen Geschehnisse gehen weiter und es stellt sich tatsächlich heraus, dass jemand hinter Quentins wissenschaftlichen Dokumenten her ist. Die Kinder entwickeln einen Plan, um den Dieben eine Falle zu stellen, doch er geht nicht auf, denn am Ende werden George und Timmy entführt...

Auch die bereits zwanzigste Folge der abwechslungsreichen "Fünf Freunde"-Serie bedient sich des bekannten Prinzips, dass Onkel Quentins geheime Dokumente allerlei lichtscheues Gesindel anlocken, und die Kinder deswegen noch alle Hände voll zu tun bekommen werden. Zu Beginn laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, denn Tante Fanny und ihr Mann wollen in Urlaub nach Málaga fahren, bis die daraus resultierende Hektik plötzlich von einem lauten Schrei verschärft wird. Anne beteuert, ein Gesicht am Fenster gesehen zu haben, doch die Erwachsenen tun dies ab, denn schließlich hat Anne mit den anderen schon genügend Gefahren durchlebt, sodass man schon einmal einen Albtraum bekommen könnte. Anne wiegelt daraufhin ebenfalls ab und räumt ein, wirklich nur geträumt zu haben, damit die Kirrins ihren wohlverdienten Urlaub nicht abblasen. Hoch atmosphärische Szenen bahnen schließlich den Einstieg in Sidney Hayes Beitrag und diese Strategie wird sich später noch als Leitfaden herausstellen, da die Spannung in dieser Folge ganz groß geschrieben wird. Wenig später wird auch schon die kleine Gegenspielerin der Freunde integriert, die beim kleinen Zuschauer äußerst negativ auffällt, schließlich verteilt sie zwei Kinnhaken, die Dick empfindlich treffen. Hinzu kommt, dass sie Timmy betäubt, der am Abend noch zusammenbrechen wird. Als die Kinder vom Strand zurückkehren, ist Quentins Arbeitszimmer auf den Kopf gestellt worden und sie werden von der Polizei in Empfang genommen. Spätestens jetzt weiß auch der letzte, dass es sich erneut um wissenschaftliche Spionage handelt. Im Schutze der Dunkelheit werden anschließend Forderungen gestellt, und diese Sequenzen machen wirklich einiges her. Die Jungdetektive wären nicht so erfolgreich, wenn nicht in Windeseile ein Plan ausgeheckt wäre, doch dieser schlägt fehl, denn das Mädchen Jo erweist sich als renitenter als befürchtet.

Bereits zum sechsten Mal bekommt der Zuschauer das Doppelfolgenformat angeboten, sodass man in den Genuss des obligatorischen Episoden-Cliffhangers kommt, der dieses Mal zugegebenermaßen etwas hinter der internen Konkurrenz hinterher hinkt, was aber nicht bedeutet, dass die Geschichte nicht rasant, aber vor allem gefährlich weitergeht. Der Verlauf wirkt gut konstruiert und verlässt sich lange Zeit auf nebulöse Hintermänner, die Kirrin Cottage beobachten und darauf warten, das ihre Forderungen erfüllt werden. Es wirkt, als liege eine besonders diffuse Gefahr in der Luft, da man außer Jo noch niemand anderen gesehen hat und das kleine Mädchen nicht als große Gefahr identifiziert. Hayers streut ein paar nette Überraschungen in die Story ein und als die schwere Nacht überstanden ist, scheint zunächst alles überstanden zu sein; es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass die "Fünf Freunde" Kriminelle in die Flucht schlagen konnten. Dem Eindruck nach nimmt insbesondere George die ganze Aktion etwas zu sehr auf die leichte Schulter, gerät dementsprechend in Gefahr, da ein Unbekannter zuschnappt. Plötzlich sind sie und Timmy entführt worden, was sich als noch massiveres Druckmittel herausstellen wird. Selbstverständlich brechen die Kinder auf, um ganz im Sinne des Episodentitels zu handeln. Ihr einziger Hinweis ist eine Nachricht von George, die Julian und Dick zu den sogenannten roten Türmen führen soll, doch die beiden sind bei der Findung auf die immer wieder auftauchende Jo angewiesen. Anne hingegen bleibt zu Hause, damit sie gegebenenfalls die Polizei alarmieren kann. Erfahrungsgemäß braucht man diese bei den Jungdetektiven zwar erst hinterher, aber sicher ist bekanntlich sicher. Teil 1 dieser Doppelfolge kann im Endeffekt wieder als Appetizer angesehen werden, und die weiteren Ereignisse dürfen mit Spannung erwartet werden, wenn man endlich die Hintermänner zu Gesicht bekommt. Insgesamt gesehen handelt es sich um einen starken Anfang.


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 Betreff des Beitrags: Zucker für den Mörder (1968)
BeitragVerfasst: 01.08.2018 20:49 
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ZUCKER FÜR DEN MÖRDER

● ZUCKER FÜR DEN MÖRDER / UN KILLER PER SUA MAESTÀ / LE TUEUR AIME LES BONBONS (D|I|F|1968)
mit Kerwin Mathews, Marilù Tolo, Werner Peters, Bruno Cremer, Venantino Venantini, Ann Smyrner, Riccardo Garrone,
Gordon Mitchell, Lukas Ammann, Sieghardt Rupp, Elisa Cegani, Umberto Raho, Alain Saury, Giuseppe Addobbati, u.a.
eine Produktion der Eichberg Film | Franca Film | Critérion Film | im Verleih der Columbia
ein Film von Federico Chentrens und Maurice Cloche


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»Friss nicht alles Beweismaterial!«

Venedig ist in heller Aufregung, da sich im Rahmen eines hohen Staatsbesuchs ein Attentat abgespielt hat, bei dem ein Mann aus dem Komitee von König Faoud (Lukas Ammann) tödlich verletzt wurde. Offensichtlich galt der Anschlag dem Herrscher des Landes Kafiristan. Der CIA-Agent Mark Stone (Kerwin Mathews) wird umgehend zum Schutz des Königs engagiert, da man weitere Mordanschläge befürchtet, die auch folgen. Stone findet es sehr seltsam, dass die unbekannten Verbrecher jedes Mal wussten, wo sich der Monarch gerade aufhält und er vermutet eine undichte Stelle in Faouds Reihen. Die Zeit rennt davon, da der Gangster Nicolo (Werner Peters) weiter an seinem Mordplan festhält und der Auftragskiller Toni (Bruno Cremer) sein Opfer erneut mit dem Zielfernrohr anvisiert hat...

Der blumig wirkende deutsche Titel dieses unter Doppelregie entstandenen Vertreters des Action-Thrillers kann bei fortlaufender Zeit nicht daran festhalten, dass es doch zu ein paar ungewöhnlich brutalen Veranschaulichungen kommen wird, die den Zuschauer aber gut bei der Stange halten werden. Gleich zu Beginn verbreitet ein geplantes Attentat eine ordentliche Portion Zynismus, da der in einer Soutane getarnte Mörder unsentimental seine Vorbereitungen trifft, dazu sehr feierliche Musik zu hören ist und er obendrein genüsslich Bonbons isst, bis sein zu liquidierendes Zielobjekt auftaucht. Da der Zufall den Plan zunächst vereitelt ist schnell klar, dass eine Reihe weiterer Anschläge folgen werden, die für die nötige Grundspannung sorgen. Gedreht wurde an imposanten Originalschauplätzen in Venedig und Rom, ausstaffiert wurde das Ganze mit einer starträchtigen europäischen Besetzung, die teilweise auch ungewöhnliche Ausreißer aufweist. Zu jener Zeit entstanden zahlreiche Filme dieses Strickmusters und naturgemäß ist es schließlich so, dass sich jede einzelne Produktion von der anderen abzuheben versucht. "Zucker für den Mörder" wurde weniger wohlwollend von der damaligen Kritik aufgenommen und beispielsweise als Ware von der Stange bezeichnet, offensichtlich ohne die bestehenden Vorzüge anzuerkennen, die hier immer wieder deutlich auf der Hand liegen. Für einen Vertreter des europäischen Agentenfilms kann sich diese Produktion mit all ihren Stärken und Schwächen durchaus sehen lassen und vertreibt die Zeit kurzweilig und angenehm. Eine Reihe von Attentaten bildet hier also das Filmelixier und entsprechende Szenen lassen nicht lange auf sich warten. Die Drahtzieher werden zugunsten des Zuschauers und der positiven Protagonisten des Films zwar als emsig und einfallsreich in der Wahl ihrer Methoden dargestellt, aber gleichzeitig wirken sie auch recht inkompetent, da kein Plan so richtig aufgehen mag. Schnelle Umdrehungen des Todeskarussells sorgen für Nervenkitzel und gleichzeitig für ein engeres Umrahmen des potentiellen Täterkreises.

Obwohl mit Bruno Cremer und Werner Peters die ausführenden Organe von Skrupellosigkeit und Mord schnellstens gebrandmarkt sind, kommt es dennoch zu einem linear aufgebauten Whodunit-Effekt, da es einen bis zum Ende im Hintergrund agierenden Auftraggeber gibt, welcher aufmerksamen Zuschauern vielleicht schon nach kurzer Zeit nicht mehr komplett unbekannt sein dürfte. Für die fiesen Gangster-Visagen hat man mit Peters und Cremer jedoch einige der prägnantesten Gesichter an Bord, zu denen Gordon Mitchell ebenfalls gut passen will. Der US-amerikanische Schauspieler Kerwin Matthews als CIA-Agent füllt den Verlauf mit Agilität und wirkt von seiner Art her etwas ungehobelt, was er nicht nur im Umgang mit seinen Kontrahenten unter Beweis stellen darf, sondern auch bei König Faoud, der ihn in seinem eigenen Land für ein derartig skandalöses Verhalten wohl hätte hinrichten lassen. Lukas Ammann weiß in der Rolle des Monarchen zu gefallen, denn er erstrahlt weltmännisch und unnahbar. Marilù Tolo stellt eine Art Zucker für den Zuschauer dar und hat nicht viel mehr zu tun, als blendend auszusehen. Für heitere Noten und flotte Sprüche sorgen Ann Smyrner und insbesondere Venantino Venantini, ohne dabei jedoch zum klamaukigen Überholmanöver anzusetzen. Insgesamt gesehen hat man es mit einer besonders spielfreudigen Entourage zu tun, die markante Persönlichkeiten zeichnet und dem Film zu einem flexibler wirkenden Erzählfluss verhilft. Übrigens synchronisierten sich alle deutschen Darsteller für die heimische Fassung selbst. Im Endeffekt hebt sich der Film aufgrund der immer wieder zu erkennenden Sorgsamkeit in vielen Bereichen leicht von der Konkurrenz ab, wenngleich die Geschichte herkömmlich bleibt. Unterlegt mit einer interessanten, abwechslungsreichen Musik, kommen die richtigen Stimmungen und Schwingungen auf, die durch imposante Schauplätze verstärkt werden. Alles in allem ist "Zucker für den Mörder" sehr gut anzuschauen und wenn man sich ohnehin für derartige Formate mit charakteristischen Zutaten interessiert, vertreibt einem dieser kurzweilige Reißer die Zeit sehr schnell.


— ITALO-CINEMA —


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 Betreff des Beitrags: Der Schleier fiel ... (1960)
BeitragVerfasst: 03.08.2018 19:03 
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DER SCHLEIER FIEL ...

● DER SCHLEIER FIEL ... (D|1960)
mit Vera Tschechowa, Hartmut Reck, Franziska Kinz, Hans Reiser, Monika John, Edgar Wenzel und Karl Lieffen
eine Produktion der Astra Filmkunst | im Bavaria Filmverleih
ein Film von Paul May


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»Das wirst du eines Tages büßen!«

Der Automechaniker Robert Freitag (Hartmut Reck) träumt davon, professioneller Motorradrennfahrer zu werden, um ein sorgenfreies Leben führen zu können. An diese Vision glaubt seine Freundin Lisa (Vera Tschechowa) ebenso fest, wie an eine gemeinsame Zukunft. Doch eines Nachts verändert sich alles grundlegend, denn aufgrund eines Ausweichmanövers fährt Robert einen Mann an und begeht Fahrerflucht. Der Verletzte wird anschließend von einem Laster totgefahren. Fortan beginnt dieses Unglück die junge Beziehung schwer zu belasten und Robert gerät immer mehr auf Abwege, bis sich schließlich auch noch ein Erpresser bei ihm meldet...

Viele Produktionen dieser Zeit beschäftigten sich eindringlich mit dem weiten Feld der Kriminaldramatik, und ob dieses Projekt steht oder fällt stellt sich spätestens dann heraus, falls Regisseur Paul May es schafft, dem Ganzen ein wenig mehr Fahrt und Spannung als üblich mitzugeben. Die beiden Protagonisten Hartmut Reck und Vera Tschechowa packen den sogenannten Problemfilm gleich von Anfang an sehr resolut an, und unterm Strich werden es ihre Performances sein, die nach dem Wort Ende ein wenig im Gedächtnis bleiben werden. Gefilmt in wunderbarer Schwarzweiß-Ästhetik, bekommt der Zuschauer ein Panorama des gut bürgerlichen Lebens geboten, das oft von Wünschen und Träumen der jungen Leute dominiert wird; der unerbittlichen Realität jedoch oft nicht standhalten kann. Zunächst sieht man bedingungslose Arbeit an einer gemeinsamen Zukunft. Lisa und Robert wirken insbesondere in diesen unbeschwerten Sequenzen wie ein Paar, das sich förmlich gesucht und gefunden hat. Alles scheint zu passen, denn sie lassen sich durch äußere Umstände nicht maßgeblich beirren, bis die Laune des Schicksals in aller Härte zuschlägt und einen Domino-Effekt auslöst. Der deutsche Titel des Films klingt in diesem Zusammenhang verheißungsvoll und will erst gar keinen Schleier um die servierten Tatsachen hüllen, sodass der Zuschauer beginnt, mit den sympathisch wirkenden Hauptfiguren mitzufühlen, obwohl sie eine Reihe von Fehlentscheidungen treffen werden. Das Zusammensein wird schließlich zu einer einzigen Belastungsprobe und nachhaltig von äußeren Faktoren bedroht. Während man den Abstieg exemplarisch mitverfolgen kann, geht das Leben der anderen meist unbeschwert weiter, selbst das derjenigen, die für die Misere des Paares verantwortlich sind. Paul May spart sich inszenatorische Ermahnungen weitgehend auf und lässt seinen Film behutsam vor sich hinplätschern, als ob es sich bei dem vorhandenen Material um einen Selbstläufer handeln würde. Aber gerade die ähnlich gestrickte Konkurrenz dieses Zeitfensters hat mitunter sehr starke Inszenierungen anzubieten.

Dem Verlauf fehlt es in vielerlei Hinsicht an Durchschlagskraft und Drive, was durch die recht hohe Dialoglastigkeit nur verstärkt wird. Die Darsteller des Films agieren in hingegen Höchstform, vor allem die beiden jungen Jungdarsteller Vera Tschechowa und Hartmut Reck, die zu jeder Zeit auch privat ein Paar waren, was dem Empfinden nach offensichtlich im Film durchschimmert. Es entsteht dementsprechend eine besondere Interaktion der beiden, die greifbare Emotionen anbietet. Übrigens ist es schade, dass Hartmut Reck in seinen weiteren Karrierejahren kein Mann für größere Hauptrollen werden sollte, denn ihm ist es durchaus möglich, das Geschehen sehr nachhaltig zu prägen. Seine Partnerin Vera Tschechowa präsentiert eine Art Metamorphose, die dem Abwärtsverlauf präzise angepasst wirkt. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass in ihrem Gesicht nichts anderes als Resignation und Traurigkeit mehr abzulesen ist, weiß der Zuschauer was die Stunde geschlagen hat, und man spekuliert darauf, dass es sich um die Vorboten für ein standesgemäßes Finale handelt. Darsteller wie Hans Reiser, Franziska Kinz und insbesondere Karl Lieffen staffieren das Szenario mit guten Leistungen aus, sodass sich alleine in diesem Bereich sagen lässt, dass die Mission weitgehend geglückt ist. Dennoch bleibt bis zum bevorstehenden Ende eine Unschlüssigkeit, da das vorhandene Potential alles andere als ausgeschöpft wirkt. Stilistisch gesehen, ist "Der Schleier fiel ..." einwandfrei, denn er verfügt über eine interessante, beinahe unterschwellig erzählende Bildgestaltung, die das Auge erfreut. Auch ein paar gelungene Spitzen können für leise Brisanz sorgen, doch unterm Strich fehlt unter Paul Mays zu konservativer, oder vielmehr vorsichtiger Regie das gewisse Etwas, denn er schafft es eigentlich zu keinem Zeitpunkt, aus seiner persönlichen Komfortzone auszubrechen. Mehr Mut zum Drastischen hätte der Produktion sehr gut gestanden, zumal in diesem Zusammenhang eine Besetzung agiert, die zwar nicht aus den Top-Stars dieser Zeit besteht, aber trotzdem besondere Eindrücke hinterlassen kann. Wenn der imaginäre Schleier schließlich gefallen ist, bleibt man insbesondere aufgrund dieser unliebsam geschilderten Kettenreaktion nachdenklich zurück, wenngleich sich dieses Gefühl nicht lange etablieren kann.


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 Betreff des Beitrags: Oswalt Kolle: Das Wunder der Liebe (1968)
BeitragVerfasst: 06.08.2018 17:32 
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OSWALT KOLLE ❤ DAS WUNDER DER LIEBE

● OSWALT KOLLE ❤ DAS WUNDER DER LIEBE / OSWALT KOLLE: DAS WUNDER DER LIEBE - SEXUALITÄT IN DER EHE (D|1968)
mit Régis Valée, Biggi Freyer, Katharina Haertel, Ortrud Gross, Wilfried Gössler, Manfred Tümmler, Matthias Grimm, u.a.
eine Produktion der Arca Winston Films Corporation | im Inter Verleih
ein Film von Franz Josef Gottlieb


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»Wenn du nackt neben mir liegst, dann muss ich auch mit dir schlafen!«

Eine Diskussionsrunde zwischen Oswalt Kolle und den wissenschaftlichen Beratern Prof. Dr. Dr. Hans Giese, dem Leiter des Instituts für Sexualforschung an der Universität Hamburg, sowie Prof. Dr. W. Hochheimer, dem Direktor des Instituts für Pädagogische Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Berlin, stellt die Einführung in diesen ersten von Oswalt Kolles acht Aufklärungsfilmen dar. Die betont sachliche Diskussion nimmt durch Originalbilder und Filmsequenzen eine transparentere Gestalt an. So diskutieren beispielsweise ein jung verheiratetes und ein bereits seit sieben Jahren zusammen lebendes Ehepaar über die Alltagsprobleme ihrer Beziehungen. Thematisiert werden sexuelle Bedürfnisse und mangelnde Zärtlichkeit, außerdem sollen die Gespräche zwischen den Paaren Lösungsansätze offen legen, die von Oswalt Kolle aus dem Off kommentiert werden...

"Das Wunder der Liebe: Sexualität in der Ehe" gilt als richtungsweisend für die anschließend folgende Aufklärungs- oder Sexwelle im Kino, und Kolles Debüt erhielt die Goldene Leinwand für 3 Millionen Kinobesucher, deutschlandweit waren es sogar 6 Millionen. Aus heutiger Sicht mögen die Schilderungen, Inhalte und insbesondere Diskussionsrunden der wissenschaftlichen Beratung mit Oswalt Kolle mehr als antiquiert und letztlich nur bemüht wirken, aber der damalige Erfolg gibt dem Format recht und weist auf, dass es mit der sexuellen Aufklärung offensichtlich nicht weit her war. Filmsequenzen illustrieren die zuvor geführten Gespräche und Kolle selbst liefert Erklärungen aus dem Off. Dieser in Schwarzweiß gedrehte Arca-Film versucht eine Balance zwischen Seriosität und erotisch aufgeladenem Spektakel zu halten, dementsprechend kündigt der Schirmherr des Films mehrmals an, dass die Bilder in ihrer offenherzigen Form so noch nicht dagewesen, aber zu Zwecken der Veranschaulichung absolut nötig seien. Die Thematik handelt im Grunde genommen ein bis dato unter Verschluss gehaltenes Populärthema ab und zeigt vornehmlich Szenen aus dem gemeinsamen Alltag zwischen Mann und Frau, aber auch der Familie. Beinahe mahnend sind die Szenen mit Kindern gestaltet worden, um sie vor möglichen Gefahren oder Traumata zu bewahren. Weniger diskret geht es im Schlafzimmer und der damit verbundenen Zwischenmenschlichkeit zu.

Hier wird die bestehende Vorherrschaft des Mannes beinahe exemplarisch angeprangert und die sexuellen Wünsche der Frau entschachtelt, und zwar in einer Form, damit sich möglicherweise viele Zuschauer darin wieder sehen sollten. Das dabei aufkommende Konfliktpotential wird jedoch von Alles-wird-gut-Tendenzen erstickt. In darstellerischer Hinsicht bekommt es der Zuschauer mit Laiendarsteller_innen zu tun, oder mit solchen, die bislang nur wenige Erfahrungen in der Filmwelt sammeln konnten. Für Biggi Freyer, die beispielsweise in Alfred Vohrers "Der Bucklige von Soho" zu sehen war, war die Filmkarriere nach diesem und einem weiteren Gottlieb-Film gleicher Sorte so gut wie beendet. Auch Régis Vallée - bekannt aus Massimo Dallamanos "Venus im Pelz" - kam nicht über vier Kinofilme hinaus und spielte ausschließlich in Beiträgen mit erotischem Inhalt mit. Es ist dennoch erwähnenswert, dass diese nicht unbegabten Darsteller ihre Sache wirklich überzeugend formen und für ein paar überzeugende Momente sorgen können. Vom Rest der Schauspiel-Crew schaffte es übrigens keiner außer Matthias Grimm und Manfred Tümmler über zehn Filme in ihrer Karriere zu kommen. Alles in allem ist der in verschiedene Sequenzen aufgeteilte "Das Wunder der Liebe: Sexualität in der Ehe" eher schlecht gealtert und wirkt für heutige Verhältnisse in jeder Hinsicht überholt. Als Zeitdokument und aufgrund der Vorreiterfunktion ist Franz Josef Gottliebs Film allerdings nicht zu unterschätzen.


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 Betreff des Beitrags: Das Versteck (1969)
BeitragVerfasst: 09.08.2018 21:51 
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Lilli Palmer

DAS VERSTECK

● LA RESIDENCIA / DAS VERSTECK / DAS VERSTECK - ANGST UND MORD IM MÄDCHENINTERNAT (E|1969)
mit Cristina Galbó, John Moulder-Brown, Cándida Losada, Maribel Martin, Pauline Challenor, Tomás Blanco und Mary Maude
eine Produktion Anabel Films, S.A.
ein Film von Narciso Ibáñez Serrador


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»Du brauchst eine Frau die so ist wie ich!«

Frankreich. Ein alter Landsitz im 19. Jahrhundert. Madame Fourneau (Lilli Palmer) leitet ihr Internat für schwererziehbare Mädchen mit eiserner Hand und sie ist berüchtigt für ihre unerbittlichen Erziehungs- und Züchtigungsmethoden. Auch ihr Sohn Luis (John Moulder-Brown) hat unter ihrem erdrückenden Führungsstil und ihren hohen Erwartungen zu leiden. Sie untersagt ihm jeglichen Kontakt zu ihren Schülerinnen und sie versucht ihn zu isolieren. Dennoch beobachtet er die Schülerinnen in jeder freien Minute, außerdem arrangiert er heimliche Treffen. Auch zwischen den Mädchen kommt es zu Konfrontation, Demütigung und Terror, was die neue Schülerin Teresa (Cristina Galbó) schnell zu spüren bekommt. Die sadistisch veranlagte Schülerin Irene (Mary Maude), die eine Art Assistentin der Madame Fourneau ist, überwacht ihre Kameradinnen, sie quält und züchtigt sie sogar wenn es sein muss. Es kommt vermehrt zu fatalen Entschlüssen einzelner Mädchen, die aus diesem Gefängnis fliehen wollen, doch sie verschwinden allesamt spurlos...

Mit "Das Versteck" lieferte Regisseur Narciso Ibáñez Serrador eine regelrechte Expertise in Sachen Vereinigung mehrerer Genres miteinander ab, sodass der Verlauf beispielsweise etliche Grusel- und Horrorelemente oder die eines lupenreinen Giallo offenbart. Die überaus morbide Atmosphäre dieses Films weiß bedingungslos zu überzeugen, die Geschichte ist über weite Strecken mit einer überzeugenden Grundspannung versehen, vertraut und unberechenbar zugleich. außerdem gewissermaßen tragisch in der Prognose. Dabei funktionieren die Charaktere in perfekter Manier und das wirklich ausnahmslos. Serradors Beitrag wirkt überdies bestimmend in Sachen Eleganz und Stil, außerdem profiliert er sich beim Aufgreifen, sowie dem Verwenden handelsüblicher Genre-Elemente und wirkt im übertragenen Sinne teilweise fast schon überqualifiziert. "Das Versteck" wurde damals für dem deutschen Markt nicht in den Kino-Verleih gebracht und fand seine Erst-Veröffentlichung Mitte der 80er-Jahre auf VHS. Zunächst ist diese Tatsache beim gebannten Blick auf dieses erstaunliche Ergebnis vielleicht etwas unverständlich, hat man es doch mit einem relativen Ausnahmebeitrag zu tun, allerdings kam der Film bei dieser Gelegenheit in den Genuss einer hochwertigen deutschen Synchronisation, was insbesondere im Bezug auf die Hauptdarstellerin Lilli Palmer rückblickend nicht gerade unwichtig erscheint, funktioniert sie der Legende nach doch nur mit ihrer eigenen Stimme. Der Einstieg geschieht schnell und gut nachvollziehbar, denn ein neuer Gast wird von der Leiterin höchstpersönlich durch das weitläufige Anwesen geführt. Einerseits zum Kennenlernen des unheimlichen Ortes und der verschiedenen Personen, andererseits dient dieser Rundgang aber vor allem dem frühen Kreieren des Spannungsbogens, denn das Gemäuer steckt voller Geräusche, Schatten und finsterer Geheimnisse. Zunächst wirkt alles geordnet, strukturiert, um nicht zu sagen kultiviert, doch genau diese Fragmente wird die Regie im weiteren Geschehen in beunruhigende Umkehrreaktionen münden lassen, sodass der Verlauf seine Spannung und Kraft aus dieser langsam aufgesprengten Erzählstruktur ziehen kann.

Im Orbit der Filme rund ums Mädcheninternat hat es zahlreiche Beiträge gegeben, die mit unterschiedlichen Strategien aufwarten konnten, und wenn man etliche dieser Geschichten verfolgt hat, blickt man auf wechselhafte Qualitätsebenen zurück. "Das Versteck" verzichtet beinahe vollkommen auf reißerische Elemente und es wird großer Wert auf die Veranschaulichung von wichtigen Inhalten gelegt, die sich zwischen den Zeilen abspielen. Nach persönlicher Ansicht ist der wichtigste Baustein für das Gelingen der Geschichte die gestochen scharfe Skizzierung der Charaktere, vor allem aber der verlässliche Zugriff auf die Weltstarbesetzung Lilli Palmer, die den Verlauf prägt wie keine andere. Sowohl in darstellerischer als auch in rollentechnischer Hinsicht, gibt es kaum ernstzunehmenden Rivalinnen neben ihr und Palmer überrascht mit Facetten, die sie relativ selten abzurufen hatte. Man nimmt sie vergleichsweise dosiert in ihren Emotionen wahr. Dem Empfinden nach sieht man auch keine ihrer beliebten Selbstinszenierungen, demnach wirken Darstellerin und Rolle präzise aneinander angepasst. Wenn man Géza von Radványis 1958 entstandenes Drama "Mädchen in Uniform" kennt, in dem Palmer ebenfalls eine Lehrerin in einem gehobenen Mädcheninternat spielt, glaubt man gewisse Parallelen zu erkennen, doch sie hatte hier eindrucksvoll die Seiten gewechselt, denn als Madame Fourneau irritiert sie mit einem strengen Regiment und einer eisigen Kälte. Die Mädchen zittern vor ihr und ihrer Unerbittlichkeit, doch die Leiterin des Pensionats handelt nach bestem Gewissen, zumindest ihrer Auffassung nach. Ihre Schützlinge sind in ihren Augen nicht viel wert, zumal einige von ihnen aus zweifelhaften Familienverhältnissen stammen, wenngleich zumindest viele der Silhouetten kultiviert und nahezu unschuldig wirken. Dieser Eindruck wird jedoch schnellstens umgekehrt, als die offensichtlich renitenteste Schülerin eine Spezialbehandlung erfahren wird, die von Madame Fourneau höchstpersönlich delegiert, aber von drei anderen Mädchen ausgeführt wird.

In derartigen Szenen baut der Film seine Spannung auf, die in Verbindung mit Akustik, Montage und schnellen Szenenwechseln recht beunruhigende Formen annimmt. Züchtigung und Qual stehen in diesem Haus an der Tagesordnung und alles geschieht unter dem Deckmantel der Erziehung. In Wahrheit aber dienen diese Machenschaften der Verschleierung und dem Selbstzweck. Lilli Palmer überrascht von Szene zu Szene mit Dominanz und Unnachgiebigkeit, die Mädchen regiert sie mit eiserner Hand. Ihre Befehle und die damit verbundenen rhetorischen Fragen ihres Wesens ersticken Wiederworte bevor sie sich überhaupt aufbäumen können. Dennoch hat man es mit keiner dieser oft gesehenen Gebieterinnen zu tun, die sich im cineastischen Sinne wie eine sadistische Aufseherin rund ums Klischee aufführt, nein, sie ist damenhaft, agiert mit Stil, ist wortgewandt und steht für bedingungslose Disziplin. Bei ihrem devoten Sohn Luis wird ebenfalls die strenge Leiterin herausgekehrt und es muss alles daran gesetzt werden, ihn zu behüten und von Versuchungen fernzuhalten - insbesondere vor den Mädchen als potentielle Gefahr. Die gebetsmühlenartige Ansage seiner Mutter ist eindeutig und das offenbar seit Jahren, denn er bekommt stets suggeriert, dass er eine Frau wie sie brauche und - viel schlimmer noch - auch finden werde. Trotz der Achtsamkeit von Madame beobachtet Luis die jungen Damen dennoch, er schleicht ihnen nach und trifft sich schließlich auch mit ihnen. Unter ihnen ist auch diejenige, die es nicht weiter in der Isolation aushält und als erste fliehen möchte. Nicht nur in den Szenen mit Lilli Palmer, sondern auch besonders hier kommt das Konzept John Moulder-Brown zum tragen. Was ihn betrifft, gefällt sich die Kamera ebenso in Großaufnahmen und im genauen Abgreifen seiner Reaktionen, der Sprache seiner Augen, und seiner verhaltenen Mimik. In einer Szene opfert er einem Mädchen sogar sein Sparschwein ganz im Stil und der damit verbundenen Begeisterung eines kleinen Jungen. Insgesamt betrachtet eine sehr ansprechende Leistung des jungen Briten, der zur Entstehung des Films allerdings schon auf eine lange Schauspielerfahrung zurückblicken konnte.

Besondere Darbietungen bekommt man des Weiteren von Moulder-Browns Landsfrau Mary Maude geboten, die sich ganz im Sinne ihrer Mentorin Madame Fourneau präsentieren wird, und natürlich von der schönen Spanierin Cristina Galbó, die quasi eine der aufregendsten Bereicherungen für jede Produktion darstellt. Narciso Ibáñez Serrador inszeniert seine Schauspiel-Crew zu jedem Zeitpunkt hervorragend, doch dieser hochwertige Anspruch kann sozusagen ohnehin als Leitmotiv angesehen werden. Bemerkenswert ist das Wechselspiel im Rahmen konventioneller Erzählstrukturen, denn hier muss man sich auf plötzlich umgekehrte Voraussetzungen gefasst machen. Die Sympathien scheinen zu Beginn recht deutlich verteilt zu sein; doch was passiert, wenn unerwarteterweise eine dieser Personen ausfällt? Es geschieht naturgemäß eine vage Umverteilung auf andere Charaktere und dieses Karussell dreht sich immer weiter, bis quasi jeder einmal Sympathien, Verständnis oder Mitleid auf seiner Seite hatte. Genauso sieht es mit Skepsis, Misstrauen und Besorgnis aus. Der Verlauf kommt insgesamt mit wenigen blutrünstigen Veranschaulichungen aus und baut auf ganz subtile Stilmittel. Der erste Mord stellt beispielsweise eine der beeindruckendsten Kompositionen im zeitgenössischen Film dar, die in Verbindung mit der hervorragenden und absolut konträr zu den Bildern wirkenden Musik von Waldo de los Ríos für formvollendete Momente sorgt. Aufwühlende Bilder, das Phantom sticht immer und immer wieder mit einem blitzenden Messer zu, die verträumte Musik fängt an zu leiern, ein regungsloser Körper fällt zu Boden, die Leiche verschwindet und fertig ist eine perfekte Ermordungsszene. Insgesamt bleibt zu sagen, dass "Das Versteck" ein ruhiger Vertreter seiner Art bleibt und hauptsächlich die Fantasie anregen möchte, dort vielleicht sogar unruhige Formen annehmen kann. Die sexuell aufgeladene Atmosphäre und hauptsächlich diskrete Sequenzen werden immer wieder von einer Art Blitz-Spannung heimgesucht, außerdem bekommt man ein Finale serviert, das trotz der eigentlichen Vorhersehbarkeit das Blut in den Adern gefrieren lassen kann. Ein hervorragend durchdachter und wirklich großartiger Beitrag.


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 Betreff des Beitrags: Weiße Fracht für Hongkong (1964)
BeitragVerfasst: 13.08.2018 23:48 
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● WEIẞE FRACHT FÜR HONGKONG / DA 077: CRIMINALI A HONG KONG / MYSTÈRE DE LA JONGUE ROUGE (D|I|F|1964)
mit Maria Perschy, Brad Harris, Dietmar Schönherr, Lilly Montovani, Dorothee Parker, Philippe Lemaire und Horst Frank
eine Produktion der Rapid Film | Gala International Film | Mercury Film | SNC | Terra Film | im Gloria Filmverleih
ein Film von Helmut Ashley


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»Warum werden Sie jetzt so gewöhnlich?«

Robert Perkins (Horst Frank) fungiert als rechte Hand eines Rauschgiftsyndikats. In seinem Auftrag geschehen Vertrieb, Verkauf, und wenn es sein muss, auch Mord. Um nicht länger abhängig oder austauschbar zu sein, will er seinen Plan umsetzen, sich endlich selbstständig zu machen. Zu diesem Zweck bringt er eine millionenschwere Sendung Heroin an sich. Um dabei nicht aufzufliegen sichert er sich ab, damit im Zweifelsfall andere Personen belangt werden können. So seine eigene Schwester Margaret (Pascale Roberts), seine Geliebte Susan (Dorothee Parker) und die Handelsagentin Claudia Laudon (Maria Perschy). Perkins engagiert die beiden Flieger Ted Barnekow (Dietmar Schönherr) und Larry McLean (Brad Harris), die die gestohlene Ware ohne Aufsehen und ohne ihr Wissen nach Saigon schmuggeln sollen. Doch der Plan geht schief, und der Chef im Hintergrund sinnt nach Vergeltung...

Die damalige britische Kronkolonie Hongkong wurde über die Jahre hinweg immer wieder gerne in die Titel derartiger Abenteuerkrimis eingesetzt und auch die Kukisse an Originalschauplätzen war natürlich wie gemacht für derartige Formate, die sich mit beispielsweise Bandenkriminalität, Drogen- und Menschenhandel, sowie Mord und Totschlag befassen sollten. "Heißer Hafen Hongkong" sollte ursprünglich unter komplett anderer Besetzung und Regie realisiert werden, doch bis zum Drehtermin des Films wurden die meisten Ankündigungen des Gloria-Verleihs durch Alternativen ersetzt. In diesem Fall darf ruhig erwähnt werden, dass es sich in vielen Fällen gewiss nicht um die zweite Wahl handelt, denn der fertige Film ist ohne jeden Zweifel einer der dichtesten und sorgfältiger inszenierten Reißer seiner Zeit geworden. Die Geschichte um Drogenschmuggel und eine rücksichtslose Person im Dunkeln ist in rasante und spannende Sequenzen verpackt worden. Schöne Bilder und actionreiche Phasen machen diesen Flick eben zu der kurzweiligen Angelegenheit, die auch anvisiert ist. Großes Plus dieser Story ist überdies, dass es sich um einen Kriminalfall mit Whodunit handelt, man somit miträtseln darf, wer im Hintergrund agieren könnte. Wie üblich für eine Hartwig-Produktion, sind viele bekannte Gesichter vor und hinter der Kamera zu sehen, was einen hohen Wiedererkennungswert garantiert und gleichzeitig den Eindruck von Routine aufkommen lässt. Interessant ist hier die musikalische Untermalung von Willy Mattes, die aufgrund von Recycling eher wie die Durchschnitt anmutet. Einige Themen waren eindeutig in der Edgar-Wallace-Premiere "Der Frosch mit der Maske" vertreten, außerdem stammt die Melodie des Titelvorspanns zusätzlich von seinem Kollegen Gert Wilden, welche bereits in Jürgen Rolands 1962 entstandenen "Heißer Hafen Hongkong" zu hören war.

Im Bereich der sehr ausgewogenen Besetzung kommt es zu ausgiebiger Wiedersehensfreude mit damals sehr beliebten Stars. Zwar haftet an Hauptdarsteller Dietmar Schönherr der Eindruck der ewigen zweiten Garnitur, die engagiert wurde wenn größere Kaliber nicht verfügbar waren, aber er macht auch hier eine durchaus passable Figur, wenngleich man sich ein paar mehr Ecken und Kanten durchaus wünscht. Großes Plus bei seiner Person ist jedoch stets, dass er hervorragend Misstrauen bezüglich seiner Zugehörigkeit zu Gut oder Böse stiften konnte, wenn dies auch hier nicht gefragt war. Der Österreicher teilt sich die männliche Doppelspitze mit seinem US-amerikanischen Kollegen Brad Harris, der gerade aufgrund seiner imposanten Erscheinung stets punkten kann, da in diesem Zusammenhang Action und Spektakel ganz groß geschrieben werden. Anhand der Nennung Maria Perschys an erster Stelle im Vorspann lässt sich jedoch eindeutig herausfiltern, wer in Helmut Ashleys Beitrag als größter Star der Produktion gehandelt wurde. Die attraktive Blondine, die als Viel-Spielerin selbst auf internationalem Parkett bereits Achtungserfolge aufzuweisen hatte, leidet in dieser Geschichte etwas unter einer uneindeutigen Anlegung ihrer Rolle. Im günstigsten Fall ist es ein großer Vorteil, wenn gewisse Personen wie sie nicht gut zuzuordnen sind, allerdings wirkt die Person der Claudia Laudon von der Dramaturgie her zu schwach skizziert und gehemmt. Maria Perschy erspielt sich ihre Momente aufgrund ihrer Routine, allerdings wirkt sie insgesamt wenig gefordert, was sich nur auf der Folter ändert. Dennoch wird sie viel zu sehr in die Ecke des - sich in den Mitte 60er Jahren langsam relativierenden - schutzbedürftigen Opfers gedrängt, was gerade im Fall Maria Perschy mehr als schade ist, war sie doch eine der wenigen Interpretinnen, beziehungsweise Vorreiterinnen einer Art Rollenprofil, die eigenständigere, oftmals nachdenkliche Tendenzen im nicht gefälligen Sinn zu vermitteln wussten.

Die deutsche Synchronisation ist im Großen und Ganzen sehr gelungen. Dietmar Schönherr, Maria Perschy und Horst Frank sind die einzigen Darsteller, die sich auch ins Synchronstudio bemühten, um sich selbst zu untermalen. Im Fall von Horst Frank ist dies besonders erfreulich, da es seinem sadistischen und brutalen Charakter nur noch mehr herausheben möchte. Als Robert Perkins hinterlässt der Norddeutsche die mit Abstand eindringlichste Leistung und sorgt für die Gefahr, die der Verlauf nötig hat. Sein nur über Funk mit ihm kommunizierender Chef nennt ihn schlicht und einfach Nummer 1, was seine Funktion als rechte Hand untermauert Allerdings wird das Finale noch überdeutlich aufzeigen, dass selbst sein Boss noch einiges an Grausamkeiten von ihm lernen könnte, da er neben Perkins fast wie eine Art Klosterschüler wirken wird. In der Riege der fiesen Charaktere ist noch unbedingt die aparte und leider weniger bekannte Lilly Montovani zu nennen, die einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterlässt, da sie ein doppeltes Spiel mit den Waffen einer Frau treibt, dabei ganz offensichtlich in ihr persönliches Unglück steuert. Der Verlauf leistet sich nur wenige Durchhänger, schließlich ist er immer wieder mit Attentaten, Prügeleien, Morden, Folterspielchen und pyrotechnischen Kostproben durchzogen. Insbesondere nach der Auflösung nimmt man jedoch ein schwächelndes Skript wahr - oder besser gesagt folgendes, nämlich dass man sich insgesamt doch ein kleines bisschen mehr erhofft hat. Im Vergleich zu Artgenossen bleibt jedoch zu sagen, dass "Heißer Hafen Hongkong" im Gros gelungen ist, da er seine Unterhaltungsambitionen gewinnbringend ausspielen kann. Anhänger der beeindruckenden Schauplätze sowie der Darsteller und Krimi- und Abenteuerfreunde dürften sich dementsprechend gut unterhalten fühlen.


— ITALO-CINEMA —


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 Betreff des Beitrags: Agent 505 - Todesfalle Beirut (1966)
BeitragVerfasst: Gestern 00:04 
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● AGENT 505 - TODESFALLE BEIRUT / LA TRAPPOLA SCATTA A BEIRUT / BAROUD À BEYROUTH POUR F.B.I. 505 (D|I|F|1966)
mit Frederick Stafford, Geneviève Cluny, Renate Ewert, Willy Birgel, Chris Howland, Gisella Arden, Pierre Richard und Harald Leipnitz
eine Produktion der Rapid Film | Metheus Film | Compagnie Lyonnaise de Cinéma | Kassar Film | im Nora Filmverleih
ein Film von Manfred R. Köhler


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»Warum sollte ich Menschen ermorden?«

Zwei junge Frauen werden beim Sonnenbaden am Pool umgebracht. Wenig später ereilt ihren Mörder das gleiche Schicksal und er wird ebenfalls erschossen. Mit letzter Kraft kann er noch von sich geben, dass die Zerstörung Beiruts unmittelbar bevorstehe. Doch wer soll dahinter stecken? Gefahndet wird ab sofort nach einem Mann, der nur vier Finger haben soll, doch diese Suche erscheint aussichtslos zu sein. Doch die Zeit läuft davon, da Beirut durch eine Bombe bedroht ist. Agent 505 alias Richard Blake (Frederick Stafford) und sein Kollege Robert O’Toole (Chris Howland) jagen ab sofort ein Phantom, und schnell führt die Spur zu einem Nachtclub und dessen Besitzer Omar Abdullah (Willy Birgel)...

Mit Manfred R. Köhlers "Agent 505 - Todesfalle Beirut" bekommt man einen ganz typischen Beitrag der Eurospy-Welle serviert, der durchaus für sich in Anspruch nehmen darf, dass es sich um einen der handwerklich und dramaturgisch ausgereifteren Vertreter seiner Gattung handelt, was nicht zuletzt an den teils berauschenden Bildern an Originalschauplätzen im Libanon liegt. Der Einstieg macht deutlich, dass man hier offenbar keine unnötige Zeit verlieren wollte und in den ersten 90 Sekunden gibt es bereits drei Leichen nach dem üblichen Prinzip mit dem Verbrecherorganisationen glänzen, potentiell undichte Stellen sofort zu liquidieren. Der mit Ennio Morricones Musik untermalte Vorspann offeriert eine Besetzungsliste, die einige Hingucker zu bieten hat, gleichzeitig auch etwas skurril anmutet, da man mit Willy Birgel sogar eine UFA-Legende aus Großmutters Zeiten ausfindig machen kann. Die Geschichte wird gleich zu Beginn mit dem Aufhänger angeheizt, weil ein in im Sterben liegender in seinen letzten Atemzügen noch verkünden konnte, dass ganz Beirut in wenigen Tagen in Schutt und Asche liegen wird. So lautet zumindest der Plan eines Phantoms. Natürlich wird der beste Mann am Platz mit diesem dubiosen Fall betraut, sodass es Schlag auf Schlag weitergehen kann, und zwar mit Frederick Staffords ganz eigenen Methoden, die ursprünglich zwar das Genre erfunden hat, jedoch hier und da recht angenehme Variationen durch den gebürtigen Österreicher erfahren. Action und Spektakel dominieren den Verlauf nach Belieben und es wird zu keiner Zeit zäh oder gar langweilig. Ganz in Agenten-Manier umgeben "Agent 505" schöne Frauen, die ihm selbstverständlich auch ohne viel Dazutun zu Füßen liegen. So stolzieren beispielsweise die sympathische Geneviève Cluny oder Renate Ewert vor seinen Augen herum und auch wenn die Luft noch nicht gerade zu brennen scheint, darf es zumindest ausgiebig knistern.

Gerade bei diesem Film kommt man nicht umhin, Renate Ewert mit einem nahezu prüfenden, wenn nicht sogar mitleidigen Blick zu betrachten, weil man sie bereits schwer gezeichnet wahrnimmt und es sich bei "Agent 505 - Todesfalle Beirut" um ihren letzten Film handelt, da sie wenig später - im gleichen Jahr - viel zu früh verstarb. Überlieferungen weisen stets auf die schlechte Konstitution und depressive Phasen der zierlichen Interpretin hin, so beispielsweise auch Will Tremper in seinem Buch "Große Klappe". Tremper, der eine Liaison Ewerts mit ihrem Schauspiel-Kollegen Paul Hubschmid kolportiert, sollte laut seinen Angaben in dieser Produktion mitwirken. Ewert, die kaum noch aus dem Bett aufstand und sich in ihrer Wohnung vergrub, soll nach dieser Nachricht eine Art Push erlebt , sich aufgerafft haben und guter Dinge gewesen sein. Paul Hubschmid hingegen soll das Engagement unter Wolf C. Hartwig allerdings mit den Worten verweigert haben, dass, wenn diese Person mitspiele, man ihn vergessen könne. Schließlich stellt Tremper unter Hinzuziehen einer Aussage Franz Marischkas, einem engen Freund Renate Ewerts, ihren Selbstmord in den Raum. So schildert Marischka folgendes: »Ich weiß nicht, wie es geschah. Ich kam nach Hause, und sie lag tot im Bett. Ich glaube sie hat einfach aufgehötrt zu atmen. Sie wollte nicht mehr leben...« Geschichten eben, die die Filmwelt schreibt. Erinnert man sich an die Viel-Spielerin Renate Ewert, kann man auf eine schillernde und produktive Karriere zurückblicken, in der sich vornehmlich sehr ansprechende Leistungen finden lassen. Obwohl der internationale Durchbruch scheiterte, wurde die in Königsberg geborene Darstellerin doch 38 Filme alt, aber nur 30 Jahre jung. In diesem Beitrag wird sie wenig gefordert, bereichert das frühe Geschehen aber durch ihr stets abzurufendes Markenzeichen, nämlich eine undurchsichtige Präsenz und beinahe magische Aura, die unvergessen bleibt. Daher der kleine Exkurs.

Die charismatische Besetzung verhilft der Geschichte zu dem nötigen Schwung, die Inszenierung weist sogar teilweise mysteriöse Elemente auf, die der Spannung sehr zuträglich sind. Recht angenehm wirkt die Tatsache, dass die humorigen Untertöne sehr gut ausbalanciert erscheinen, immerhin bestand doch die Möglichkeit, dass einem aufgrund Chris Howlands Mitwirken bereits im Vorfeld die nackte Angst ins Gesicht geschrieben stand. Für die deutsche Version haben sich Interpreten wie Willy Birgel, Harald Leipnitz oder Renate Ewert die Ehre gegeben, sich selbst zu synchronisieren, außerdem hört man des Weiteren sehr bekannte Sprecher wie Horst Naumann, Jan Hendriks oder Alf Marholm, die dem Ganzen einen hochwertigeren, wenn nicht sogar gezügelteren Touch geben. Es sind also nur wenige Kapriolen zu finden, die man anderen Filmen vielleicht gerne anlastet, und der geradlinige Verlauf sorgt für genügend Aufmerksamkeit, Spektakel und Spannung. "Agent 505 - Todesfalle Beirut" kam seinerzeit übrigens mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren durch den Nora-Filmverleih in die Kinos, was man für heutige Begriffe nicht mehr verstehen kann. Leider ist es so, dass das Spektakel die Vorhersehbarkeit eindeutig bedient und es relativ klar ist, wohin diese gefährliche Reise schließlich gehen wird. Doch auf einen Whodunit-Effekt ist diese Story erst gar nicht großartig ausgelegt, sondern auf den puren Unterhaltungswert. Köhlers Eurospy-Märchen beweist, dass der Kampf gegen die filmische Konkurrenz alles andere als aussichtslos ist und insgesamt ist das farbenfrohe Produkt als gelungen zu bezeichnen, das nicht zuletzt wegen des doch sehr charismatischen und leichtfüßig agierenden Frederick Stafford so einwandfrei funktioniert. Fans und Freunde des Genres werden sich daher bestimmt gut bedient fühlen und der Film taugt auch zum mehrmaligen Anschauen recht gut, ohne dass man den Eindruck bekommt, alles bereits gesehen zu haben. Gelungen!


— ITALO-CINEMA —


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