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 Betreff des Beitrags: DER KOMMISSAR - Wolfgang Becker, Wolfgang Staudte u. a.
BeitragVerfasst: 21.04.2014 17:42 
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DER KOMMISSAR - DIE SERIE (1969 - 1976)

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Serien haben schon seit dem Kindesalter mein großes Interesse und Gefallen gefunden, und besonders in den letzten Jahren bin in diesem Zusammenhang doch sehr viel herum gekommen, weil einfach auch eine breite Verfügbarkeit besteht. Da die Edgar Wallace-Reihe im Grunde genommen das Fundament für meine allgemeine Filmbegeisterung darstellt, fühle ich mich mit dem Kriminalfilm und den passenden Serien nach wie vor sehr stark verbunden. Trotzdem ist es im Endeffekt eigentlich nicht primär das Genre, das mich zu Serien wie "Derrick", "Der Alte", "Der Fahnder" oder eben "Der Kommissar" gebracht hat, sondern es waren wie so oft die beteiligten Schauspieler. In diesen Serien wimmelt es ja nur so von hochkarätigen Haupt- und Gastdarstellern, die mir letztlich die Steilvorlagen für alternative Filme und unterschiedlichste Genres liefern. Um es bei der vorgestellten Serie mal an einem Beispiel zu erläutern. Beeindruckt mich eine gewisse Schauspielerin oder ein bestimmter Schauspieler, so suche ich in deren Filmografien nach verfügbaren Veröffentlichungen. Erweist sich dieser Eindruck als nachhaltig, geht es schließlich mit der Suche nach schwieriger aufzutreibendem Material weiter. Innerhalb dieser neuen Filme gibt es eigentlich immer weitere Darsteller, die es wert sind, mehr von ihnen zu sehen und die Suche geht abermals weiter. Dieses Konzept hat sich seit vielen Jahren bewährt und garantiert mir die anhaltende Begeisterung beim Film.

Lange Rede, kurzer Sinn, es soll ja eigentlich um die "Kommissar"-Reihe gehen, die eine der beliebtesten, fortlaufenden Serien dieser Art gewesen ist. Das gut aufgebaute Konzept garantierte einen hohen Zuschauerzuspruch, und den damit verbundenen Erfolg. Immer mal wieder wurden Darsteller in den Hauptrollen ausgetauscht oder gar nicht erst ersetzt, aber nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen Regisseure, überholte sich der Grundinhalt nicht, und außerdem hatte sich wenig abschreckende Routine, oder selten einmal Langeweile eingeschlichen, so dass die Serie von 1969-1976, in beinahe hundert Folgen ausgestrahlt wurde. Ich mag Horst Tappert als "Derrick", noch besser finde ich Siegfried Lowitz als "Der Alte", aber Erik Ode als "Der Kommissar" hat mir eigentlich schon immer am meisten als Zuhörer imponiert, dessen Kombinationsgabe, glasklarer Verstand und seine Menschenkenntnis immer wieder deutliche Akzente setzen konnten, wobei seine motivierte Entourage allerdings immer im erfreulichen Maße Schützenhilfe leisten konnte. Hier soll eine Sammelstelle für alles rund um den "Kommissar" entstehen, ich persönlich habe vor, die 97 Folgen der Reihe chronologisch zu besprechen, und ich würde mich über Diskussionen, Anekdoten, Kritik, oder eben auch weitere Kommentare sehr freuen. Es ist vielleicht noch anzumerken, dass ich selbst gewiss keine "Kommissar"-Brille trage, alles nur unkritisch betrachte und wunderbar finde, nein, bei manchen Folgen gingen einfach Schüsse nach hinten los und es gab keine neuen Impulse, was ja auch normal ist, ja und mit einem ganz bestimmten Regisseur werde ich definitiv hart ins Gericht gehen! Aber zuerst freue ich mich darüber, Kommissar Kellers Fälle wieder sehen zu können.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 21.04.2014 19:00 
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TOTER HERR IM REGEN (Folge 1)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz, Rosemarie Fendel
Gäste: Alwy Becker, Dorothea Wieck, Charlotte Witthauer, Friedrich Karl Grund, Susanne Barth, Ralph Persson, Rainer Penkert, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Wolfgang Becker



Der erfolgreiche Geschäftsmann Dr. Steiner wird ermordet auf einer Straße aufgefunden. Kommissar Keller findet bei seinen Ermittlungen schnell heraus, dass er ziemlich viele Feinde hatte, die sich selbst im Familienkreis ausfindig machen lassen. Zum Kreise der Verdächtigen gehören schnell seine, auf die Nachricht unempfindlich reagierenden Stiefkinder, seine verunsicherte Verlobte, die trotz Gefahr mit ihm ausging, und die sich merkwürdig verhaltende Haushälterin. Doch zunächst lassen sich keine stichhaltigen Motive finden. Letztlich stellt sich heraus, dass Dr. Steiner bereits eine Morddrohung erhalten hatte...

Die Serie startet mit einer Folge, die ich wesentlich schwächer in Erinnerung hatte. "Toter Herr im Regen" behandelt unter der eingängigen Regie von Wolfgang Becker einen vielleicht herkömmlichen, und eigentlich wenig außergewöhnlichen Kriminalfall, der jedoch schlüssig aufgerollt wird und sein Hauptaugenmerk auf die charakterlichen Zeichnungen, Irrungen und Wirrungen aller Beteiligten legt. Zunächst werden Kommissar Keller und sein Team dem Zuschauer näher gebracht und es stellt sich schnell heraus, dass man es mit einem Erfolgskonzept zu tun haben wird. Folge 1 hebt schließlich lückenlos die Kompetenz der Titelfigur hervor, und Erik Ode war ohne jeden Zweifel der richtige Mann für diese Rolle. Nie verliert er sein Ziel aus den Augen und er scheint jeder Situation, jeder Person gewachsen, wenn im Endeffekt auch nicht überlegen zu sein. Jedoch ist er im Umgang mit Menschen um das Prinzip der Augenhöhe bemüht, seine Interaktionsleistungen sind flexibel und einfühlsam, der Situation stets angepasst, er wirkt keineswegs wie ein Überermittler. Er weiß mit Damen umzugehen, genau so wie mit hoffnungslosen Zynikern, mit unerfahrenen, schwachen oder ziellosen Charakteren, auch schlägt seine Sachlichkeit gerne mal in Vehemenz um, sein trockener Humor hält ihn manchmal selbst über Wasser, ja, es macht Spaß ihm bei seiner Arbeit zu folgen.

Die Gäste zeigen sich in dieser ersten Folge bemerkenswert engagiert. Die schöne Alwy Becker, die ehrlich gesagt gar nicht so meine persönliche Favoritin ist, spielt als Verlobte des Ermordeten erstaunlich gut auf. Es scheint, dass sich diese Dame gleich in mehreren Zwickmühlen gleichzeitig befindet, ihr die Etikette es aber verbietet, sich aus eigener Kraft zu befreien. Sie wirkt nervös und gehemmt, sie trägt offensichtlich ein Geheimnis mit sich herum. Ihre Mutter stellt Dorothea Wieck dar, die sich ebenfalls als eine hervorragende Wahl herausstellt. Ich kann mir nicht helfen, aber ich glaube bei beiden Darstellerinnen sogar eine optische Ähnlichkeit in den Gesichtszügen und der Körpersprache zu sehen, so dass das Mutter/Tochter-Verhältnis noch überzeugender wirkt. Dorothea Wieck bittet beispielsweise zum Kaffee, teilt als Offizierswitwe genüsslich ihre Wertevorstellungen und ihre Ansichten zu den Männern von heute mit, es kommt zu einem sehr interessanten Gespräch, das die ohnehin hohe Qualität der Dialoge widerspiegelt. Die Stiefkinder des Ermordeten bekommen von Karl Friedrich Grund und Susanne Barth recht unsympathische und verzogene Gesichter, Charlotte Witthauer (die ich als Agathe Taft aus "Betragen Ungenügend!" in sehr guter Erinnerung hatte) ist schwer zu durchschauen, die Besetzung findet mit einem unverbrauchten Ralph Persson und einem soliden Rainer Penkert eine interessante Abrundung. Kommissar Keller sammelt heimlich seine Indizien und lässt den Zuschauer relativ wenig daran Teil haben, seine Mitarbeiter übrigens auch nicht, doch die Angelegenheit wird mit ein wenig Wachsamkeit und Fantasie relativ schnell klar, so dass das Finale auch schon plötzlich vor der Tür steht. Glücklicherweise werden hier noch einige Akzente gesetzt. Letztlich schmückt sich der Täter groteskerweise mit seiner Tat, die wie es scheint, unausweichlich gewesen sein soll. Der abschließende Satz verschlägt allen Beteiligten die Sprache und lässt einen ein wenig nachdenklich zurück, denn Mord aus "Moral" verleitet doch zum Kopfschütteln. "Toter Herr im Regen" ist eine insgesamt unterhaltsame Folge, der die schöne Bildgestaltung und die vielen unterschiedlichen Ortswechsel sehr zu Gute kommen (die Anfangssequenz im Regen ist beispielsweise sehr gelungen), wenn ich sie insgesamt auch für eine eher schwache Pilotfolge halte.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 21.04.2014 22:51 
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Der "Werdegang" kommt mir bekannt vor... Zwar haben die James Bond-Filme mein Interesse am "Hobby" Film erweckt, aber auch ich bin durch die Wallace-Filme schließlich zur "Deutschtümelei", zum europäischen Kino und im speziellen zum Kriminal-Genre gelangt. Und auch ich habe schon so manche Filmografie eines Gastdarstellers nach weiterem Material durchstöbert. Zum Kommissar bin ich (glaube ich) durch die Wiederholungen der kompletten Serie auf 3sat gekommen, immer sonntags im Spätprogramm. TOTE HERR IM REGEN habe ich schon länger nicht mehr gesehen, ich muß gestehen, ich habe aus der Box bisher nur ein paar einzelne Folgen rausgepickt, an die ich mich so gar nicht mehr erinnern konnte oder die mir als besonders gut in Erinnerung geblieben sind. DER KOMMISSAR ist sicher eine herausragende Reihe in der deutschen Krimilandschaft, auch wenn ich persönlich die Folgen, in denen es mehr um die Psychologie einzelner Personen geht, nicht so gern mag. Da hat Reinecker in seinen Serien ja immer mal welche von untergebracht... Bin mal gespannt, mit welchem Regisseur du noch hart ins Gericht gehen wirst, ich hätte da auch einen, bin mir aber ziemlich sicher, dass das ein anderer als deiner sein wird... ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 23.04.2014 13:52 
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Ja, hört sich ziemlich ähnlich an. James Bond kam bei mir aber auch durch Wallace, also durch Gert Fröbe, Karin Dor, Ilse Steppat oder Catherine von Schell. Da ich aber schnell gemerkt habe, dass ich die Filme auch so sehr gerne sehe, und sie keinen bestimmten Schauspieler nötig haben um von mir angesehen zu werden, habe ich da ebenfalls weiter gemacht. Was den besagten "Kommissar"-Regisseur angeht, da werde ich bereits mit Folge 11 die Katze aus dem Sack lassen. :lol:


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 23.04.2014 16:35 
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DAS MESSER IM GELDSCHRANK (Folge 2)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz, Rosemarie Fendel
Gäste: Ann Smyrner, Lukas Ammann, Herbert Bötticher, Michael Maien, Wolfgang Völz, Sadi Metzger u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Wolfgang Becker




In einem Nachtlokal wird eines Morgens eine Ermordete von einer Putzfrau gefunden. Die attraktive junge Frau wurde erstochen und arbeitete im gleichen Club als Hostess, zum Animieren der Gäste. Den Kreis der Verdächtigen bilden schnell einige zwielichtige Herren, die in dem Lokal ein und aus gehen, beziehungsweise dort arbeiten. Kommissar Keller freundet sich mit Marion an, die eines der Animiermädchen ist, um an sachdienliche Informationen zu gelangen. Im Vertrauen erzählt sie dem Ermittler viele private Dinge, die den Kommissar auf die richtige Spur bringen...

"Das Messer im Geldschrank" hatte ich seit jeher als eine der ganz starken Folgen der Reihe in Erinnerung, aber wie sich jetzt herausstellte basierte dieser Eindruck eher auf den erstaunlich guten schauspielerischen Leistungen, als auf der Geschichte an sich, die sich doch als ziemlich herkömmlicher Mordfall entpuppt. Die Inszenierung von Wolfgang Becker ist für weite Strecken eigentlich tadellos, doch es fehlt insgesamt der ganz große Paukenschlag, und auch die Auflösung ist beinahe ein wenig verwirrend, aber vor allem, wenn man so sagen will, wenig zuschauerfreundlich ausgefallen. Sehr ansprechend ist in dieser Folge die Zeichnung von Kommissar Keller, der selbst auf dem Krankenbett nicht von seiner Arbeit ablassen kann, und sich wie ein kleiner Junge an den gut gemeinten Anordnungen seiner Frau vorbeizuschleichen versucht. Auch seine Strategie, einen Fall anzugehen, demonstriert bereits hier charakteristische Züge. Der empathische Zuhörer der nie vergisst, dass er es mit Menschen zu tun hat und sich jeder Situation bemerkenswert anpassen kann. Seine Szenen, der Umgang und die Gespräche mit Marion sind die ganz großen Stärken dieser Folge, und ich persönlich bleibe dabei, dass ich noch nie, oder nie wieder eine so hervorragende Ann Smyrner gesehen habe, die ich um ehrlich zu sein auch nie besonders außergewöhnlich gefunden habe. Anders hier.

Marion versucht in ihrem Vakuum zwar weiterhin zu funktionieren, ist aber gleichzeitig auf der Suche nach einer Möglichkeit, aus ihrer erdrückenden privaten Situation zu entfliehen. Jeder Strohhalm, an den sie sich klammern könnte, kommt somit gerade recht, was jedoch gleichbedeutend mit unklugen oder drastischen Entscheidungen ist. Kommissar Keller vertraut sie sich an, da sie ihn als Gast kennen lernt, der ausnahmsweise mal nicht an der üblichen Animation interessiert zu sein scheint. Ihre Erzählungen wirken überaus träumerisch und sehnsüchtig, aber genau so ambivalent. Die Rolle der traurigen Marion ist somit in diesem Geschehen die eindeutig interessanteste, die Entschlüsselung der Person und das Aufzeigen der Umstände lässt kaum eine Distanz zu ihr aufkommen. Bei dem Spaziergang der beiden kam es bei mir durch Ann Smyrners Kommentar bezüglich des Eichhörnchens zu einem unfreiwilligen Lacher, da ich sofort an Evelyn Hamanns Szene in "Pappa ante portas" denken musste (»Guck mal ein Eichhörnchen!«) Lange Rede, kurzer Sinn, Ann Smyrner hätte ich sehr gerne häufiger in derartig angelegten Rollen gesehen. Die undurchsichtigen Herren fanden mit Lukas Ammann, Wolfgang Völz, Herbert Bötticher und Michael Maien eine sehr aussagekräftige und überzeugende Besetzung. Die gut gewählten, und sicher in Szene gesetzten Schauplätze fallen in "Das Messer im Geldschrank", beispielsweise mit dem Nachtlokal oder den winterlichen Außenaufnahmen, besonders positiv auf, auch die Anfangssequenz und dem außergewöhnlichen in Szene setzen der Ermordeten, bleiben in Erinnerung. Die vielen Ortswechsel sorgen für eine gewisse Flexibilität, die der Geschichte im Endeffekt leider ein wenig fehlt. Ohne jeden Zweifel handelt es sich insgesamt aber um eine überdurchschnittliche Schauspieler-Episode. Auch dass die Auflösung, die vielleicht etwas zu glatt verläuft, quasi in einer 5 vor 12 Demonstration Kommissar Kellers gipfelt und schließlich für späte Spannungsmomente sorgen kann, macht Wolfgang Beckers Beitrag zu einer gelungenen Angelegenheit.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 23.04.2014 20:10 
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Prisma hat geschrieben:
Was den besagten "Kommissar"-Regisseur angeht, da werde ich bereits mit Folge 11 die Katze aus dem Sack lassen. :lol:


Ok, meinen wir doch den gleichen... :mrgreen:


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 24.04.2014 15:31 
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Ja, die Serie war schon eine Wucht. Viele Folgen lohnen eine solch ausführliche Besprechung.

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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 24.04.2014 15:34 
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Werde ünrigens im Laufe des Jahres, wenn das Geld reicht, im Filmclub einen Emily-Reuer-Abend machen. Das ist das Mädel. dass immer alles notiert.

Mit Auschnitten auch aus ihren anderen Rollen.

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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 24.04.2014 19:04 
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Ich finde auch, dass die Serie aus überwiegend starken Folgen besteht, und Durchhänger sind seltener zu finden.
Der Emely-Reuer-Abend ist eine wirklich schöne Idee! Sie hatte im Team immer wieder ganz starke Momente.
Ansonsten ist sie ja leider ziemlich in Vergessenheit geraten, umso schöner die Hommage zu ihrer Person!


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 25.04.2014 17:15 
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RATTEN DER GROSSSTADT (Folge 3)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz
Gäste: Horst Frank, Werner Pochath, Gerd Baltus, Klaus Schwarzkopf, Fred Haltiner, Hilde Volk, Ilona Grübel, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Theodor Grädler




Der Wirt einer verkommenen Kneipe wird von seiner Tochter ermordet aufgefunden. Der Ruf dieser Kneipe ist genau so übel, wie das Klientel, das dort ein und aus geht. Gelegenheitsarbeiter, Landstreicher, Kriminelle und Alkoholiker sind die Stammgäste und bilden den Kreis der Verdächtigen. Die Spur führt zu einem jungen Mann, dem minderbemittelten Mozart, der sich mit einer zwielichtigen Gruppe von Nichtstuern abgibt. Ist der Täter dort zu finden? Grabert lässt sich inkognito in die Einrichtung einschleusen, wo die Clique ihre Nächte verbringt, und gibt sich, um an ihr Vertrauen zu gelangen, als eben entlassener Sträfling aus...

Bei dieser erneuten Sichtung der Kommissar-Folgen, kommen mir die dem Eindruck nach schwächeren Beiträge nun meistens stärker vor, und mit den vermeintlich besseren geht es genau umgekehrt. So hatte ich Theodor Grädlers "Ratten der Großstadt" in sehr guter Erinnerung, doch nach dieser Sichtung konnte die dritte Folge mich nicht mehr so ganz überzeugen. Der Kriminalfall ist nicht gerade außergewöhnlich und die Konzentration der Geschichte geht eher in Richtung Milieustudie, mit dem ansatzweise Durchleuchten von unproduktiven Mitgliedern der Gesellschaft. So haben diese Herrschaften mangels sinnvoller Aufgaben genügend Zeit, Federn in die Luft zu blasen und auf unterschiedlichste Flausen zu kommen. Doch sind sie fähig, einen Mord zu begehen? Diese Frage wird jedenfalls nur mittelprächtig herausgearbeitet, der Fall verläuft spannungsarm und schleppend. Vermutlich basierte der positive Eindruck bezüglich dieser Folge darauf, dass es einen enormen Schauspielerbonus gegeben hat, denn die Gruppe der "Ratten" wurde bunt zusammengewürfelt, und in den meisten Fällen sehr stichhaltig herausgearbeitet.

Horst Frank ist für mich stets ein Garant der blendenden Unterhaltung. Innerhalb seiner Clique, hat er die zweifelhafte Führungsposition inne, könnte also womöglich das schwächste Glied der Gruppe so weit manipulieren, seine Befehle und Wünsche auch im drastischsten Sinne auszuführen. Natürlich könnte er auch selbst Hand angelegt, und den Wirt erschlagen haben. An seinen Kollegen haften die gleichen Verdachtsmomente. Gerd Baltus, der lethargische Alkoholiker, der im Zweifelsfall für einen Schnaps bis zum Äußersten gehen könnte, Klaus Schwarzkopf, den seine, sich von den anderen abhebende Intelligenz gefährlich machen könnte, Fred Haltiner, der sich wie es scheint, bei jeder sich bietenden Gelegenheit profilieren möchte, und Werner Pochath, der Minderbemittelte mit dem Gemüt eines Kindes, der jeden Befehl seines Vorbildes ausführen würde? Ein illustrer Kreis an Verdächtigen steht einer eigentlich unmotivierten Tat gegenüber, da hat man schon Ausgefeilteres gesehen. Alle Darstellungen, vielleicht mit Ausnahme von Ilona Grübel, zeigen Personen die längst an ihre Grenzen angekommen sind, in welcher Form auch immer. Das beeindruckende und differenzierte Schauspiel bügelt diese Mängel jedenfalls in einem gesunden Maße aus, so dass man den Eindruck bekommt, es mit einer noch relativ gelungenen Folge zu tun zu haben, die unterm Strich doch allemal unterhaltsam ausgefallen ist. Sehr positiv wirkt sich die unkonventionelle Ermittlungsarbeit von Grabert aus, und es kommt tatsächlich noch zu einigen spannenden Sequenzen. Das Finale war jedoch leider alles andere als ein Vulkanausbruch, und der Versuch, eine tragische Prognose als Ende zu basteln halte ich für missglückt.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 27.04.2014 00:31 
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DIE TOTE IM DORNBUSCH (Folge 4)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz
Gäste: Paul Albert Krumm, Ellen Umlauf, Alice Treff, Jan Hendriks, Arthur Brauss, Thomas Astan, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Georg Tressler




Am Rande der Autobahn wird eine tote Frau gefunden, sie wurde dort einfach abgelegt. Die Ermordete war die Wirtin einer Autobahnraststätte, zu der die ersten Spuren führen. Die Ermittlungen ergeben, dass bei ihr zweifelhafte Kundschaft verkehrte und dass sie diverse Liebschaften pflegte. Verdächtige sind also schnell gefunden, zu denen auch ihr gehörnter Ehemann gehört, der allerdings einen ihrer Liebhaber, einen Lastwagenfahrer, schwer belastet. Als auf der Ladefläche seines LKW auch noch ein Schuh der Toten gefunden wird, verdichten sich die Verdachtsmomente...

Diese Kommissar-Folge wurde von Georg Tressler recht solide inszeniert und die Konzentration liegt ausschließlich auf der Ermittlungsarbeit, die dem Zuschauer Stück für Stück eingängig präsentiert wird. Im Mittelpunkt steht dieses Mal Grabert, dem Kommissar Keller unterstützend zur Seite steht, ihn quasi mit beinahe rhetorischen Fragen in richtige Bahnen lenkt, wenn es denn sein muss. Eine recht überzeugende Variante bei der im Endeffekt vielleicht ein bisschen zu wenig Spannung vermittelt wird. Von den beteiligten Personen sind schnellstens brauchbare Psychogramme gezeichnet, so dass sich der Kreis der Verdächtigen schließt. Auffallend in dieser Folge sind die emotionalen Anflüge der Ermittlerfiguren, Grabert finde den LKW-Fahrer beispielsweise »zum Kotzen«, Kommissar Keller fragt sich, was die Ermordete nur an ihm gefunden habe und behandelt ihn, oder etwa Jan Hendriks bei den Befragungen teils abschätzig, fungiert also weniger als Zuhörer und erspart sich in manchen Situationen seine Sachlichkeit. Das wirkt insgesamt schon sehr erfrischend, der Zuschauer bekommt einen Einblick in die Arbeit, die auf Dauer sicher aushöhlt, weil man es immer wieder mit den gleichen Leuten und den selben Fällen zu tun hat. Außerdem sieht man noch, dass sich die beiden wirklich gut verstehen.

Die Besetzung zeigt sich insgesamt in guter Spiellaune. Paul Albert Krumm, prädestiniert für Rollen Rund ums Klischee, der zu den Männern gehöre, die weinen wenn sie lieben, spielt recht überzeugend. Mit seiner Frau ist er emotional an seine Grenzen gestoßen und es ist ihm durchaus zuzutrauen, dass er seiner Qual selbst ein Ende gemacht hat, und ihr in einer Ausnahmesituation einfach den Hals umgedreht hat. Jan Hendriks, der in der Raststätte kellnert, erwähnte in einem Nebensatz, dass sich die Ermordete komischerweise nur für ihn nicht interessiert habe, aber für alle anderen, oder Arthur Brauss, dem die Damen seit jeher scharenweise nachgelaufen sein sollen. Trotz eindimensionaler Zeichnungen sind die Rollen überzeugend interpretiert worden. Ellen Umlauf, ein Multitalent für unterschiedlichste Rollen aus jedem Milieu, als neugierige Bedienung, die vom Kommissar permanent herumgeschickt wird, sehe ich immer sehr gerne. Als schließlich der Vater der Toten den Kommissar bittet, seiner Frau keine Details zum Mord zu erklären, erwartet man eine am Boden zerstörte, eingeschüchterte und schwache Frau. Dann taucht diese Frau Kettler in Form von Alice Treff auf, und man ist verblüfft über deren Stärke und nüchterne Ansichten. Was ich persönlich fast tragisch fand ist, dass es im Verlauf keine einzige Träne für die Tote gab, auch nicht von ihren Eltern. Ihre Mutter übernimmt wenigstens ein spätes und eindeutiges Plädoyer für ihre Tochter. Alice Treff überrascht jedenfalls mit der besten schauspielerischen Leistung der Gastdarsteller. Zum Finale der Episode versammeln sich alle Verdächtigen, es gibt nochmals ein unerwartetes Hinzukommen einer Person, die den entscheidenden Hinweis liefert, und es kommt zu einer zufriedenstellenden Auflösung. "Die Tote im Dornbusch" ist für mich kein großes Highlight der Reihe, punktet aber mit gleichbleibendem Niveau in allen Bereichen.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 28.04.2014 11:41 
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EIN MÄDCHEN MELDET SICH NICHT MEHR (Folge 5)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz
Gäste: Monika Peitsch, Til Erwig, Peter Schlaetel, Günther Ungeheuer, Josef Fröhlich, Rudolf Schündler, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Theodor Grädler




Was ist los mit Gerda Stein? Diese Frage stellt sich auch ihr Vater, der Schuldirektor ist, denn sie reagiert nicht auf Anrufe und auch die gewohnten Briefe von ihr bleiben aus. In ihrer Wohnung kommt es zur entsetzlichen Gewissheit, denn Gerda ist ermordet worden. Die Mordkommission nimmt die Ermittlungen auf, und erst eine rätselhafte Nachricht bringt Komissar Keller auf eine heiße Spur. Der anonyme Anrufer beschwört die Polizei, eine Person namens Tanieff zu suchen. Handelt es sich um einen sachdienlichen Hinweis oder wollte man nur eine falsche Fährte legen..?

Der Einstieg in die Folge "Ein Mädchen meldet sich nicht mehr" ist mit dem Zeigen der Toten und der Reaktion des Vaters sehr gelungen, die Ermittlungen beginnen, und schon kommt es zu herkömmlichen Abhandlungen. Von der Tochter hat der Vater ein verzerrtes Bild, sein Mädchen führte offenbar ein Leben, welches ihm total fremd war, und nach und nach kommt er zu unschönen Gewissheiten, die das Andenken der Toten negativ behaften. Schnell hat man eine aussagekräftige Zeichnung der Toten, auch ihr Umfeld wird schnell abgegrast und man bekommt es mit jungen Leuten zu tun, die insgesamt in ihren Darstellungen ziemlich blass und undifferenziert wirken. Selbst bei den Ermittlungen hat man als Zuschauer den Eindruck, dass es der Kommissar nur mit einer leichten Fingerübung zu tun haben wird. Unter der Regie von Theodor Grädler ging fast vollkommen die Spanunng ab, und das Szenario schleppt sich leider zu ungelenk bis zum Ende. Junge Leute, Drogen, Klischees... Da gab es schon überzeugendere Ausarbeitungen.

Monika Peitsch, die ich immer sehr gerne sehe, kann hier leider kaum überzeugen. Zu naiv und beinahe einfältig wirkt sie mit ihrer Darstellung einer jungen Frau, der es dem Empfinden nach gerade recht kam, dass ihre ehemalige Freundin sich in Nichts aufgelöst hat. Keine dankbare Rolle insgesamt, und man sieht der diffusen Interpretation geradezu an, dass Monika Peitsch keine Mittel fand, ihre Vera mit doppeltem Boden auszustatten. Selten habe ich sie so unpräzise gesehen. Til Erwig und Peter Schlaetel sollen angeblich das Gefallen der Ermordeten Gerda Stein gefunden haben, die der Zeichnung nach sicherlich ganz andere Kaliber für sich hätte interessieren können. Schwache Bilder eines übernervösen, unsicheren Snobs, der nur Frauen gegenüber eine harte Hand zeigen kann, und einer den Drogen verfallenen, gescheiterten Existenz, die noch nicht einmal überzeugend dargestellt wurde. Selbst Günther Ungeheuer, der wenigstens passabel spielt, wirkt zu überladen und hinterlässt einen gewöhnlichen Eindruck. Die potentiell hochkarätige Besetzung enttäuscht leider über weite Strecken. Die Arbeit der Ermittler wirkt hingegen grundsolide und vermittelt nach wenigen Folgen bereits eine überzeugende Konstante in der Interaktion. Sicher ist, dass "Ein Mädchen meldet sich nicht mehr" eine der schwächeren Kommissar-Folgen geworden ist, die nichts Extravagantes und trotz ambitionierter Passagen nichts Neues zu bieten hat, und darüber hinaus auch inszenatorisch einen Rückschritt darstellt. Es werden definitiv wieder fesselndere Episoden folgen und schnell über die Langatmigkeit dieser fünften Folge hinweg trösten.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 30.04.2014 10:53 
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DIE PISTOLE IM PARK (Folge 6)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz
Gäste: Marianne Koch, Peter van Eyck, Rose Renée Roth, Hermann Lenschau, Richard Rüdiger
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Wolfgang Becker




Georg Wegener, ein reicher Geschäftsmann, sucht Kommissar Keller auf. Er hat einen Erpresserbrief erhalten und soll einem Unbekannten die Summe von 100000 DM zahlen, außerdem wurde in seinem Park bereits auf ihn geschossen. War es nur ein Warnschuss, weil er der Zahlungsforderung nicht nachgekommen ist? Die Polizei nimmt den Fall eher skeptisch zur Kenntnis, doch schon am nächsten Tag wird die Mordkommission zu Herrn Wegener gerufen. Es ist tatsächlich ein Mord geschehen und es scheint, als habe man den Gärtner versehentlich erschossen. Was steckt tatsächlich dahinter..?

Wolfgang Beckers "Die Pistole im Park" habe ich wieder mit besonderer Ungeduld erwartet, da ich diesen Beitrag in bester Erinnerung hatte. Nach dem Besuch Wegeners im Büro des Kommissars wird ein bevorstehender Mord quasi angekündigt, der wenig später auch folgt, und der Zuschauer muss sich erst einmal neu orientieren. Dies geschieht dann auch ziemlich schnell, doch es verläuft nicht alles so einfach und reibungslos, wie man es sich vorstellt. Die beteiligten Personen leisten höchste Widerstände und verschleiern das Motiv in bemerkenswerter Art und Weise. Daher ist die interessante Frage in dieser Geschichte nicht, wer den Mord letztlich begangen hat, sondern wie der Täter geschnappt werden kann. Hier bekommt Heines die schwierige Aufgabe zugeteilt, der stets korrekt und sachlich vorgeht, daher wenig nach links und rechts schaut, und somit viel Reibungsfläche anbieten wird, so dass er mit dem hochmütigen Wegener nicht auskommen, und permanent mit ihm aneinander geraten wird. Die Schauplätze charakterisieren die Episode besonders gut. Eine feudale Villa inmitten einer weitläufigen Parkanlage, gekoppelt mit der erlesenen Ausstattung im Haus, zeigen die Vermögensverhältnisse des Kaufmanns. Im Kontrast dazu wirken die Räumlichkeiten der Mordkommission überaus schäbig und spartanisch.

Interessant in dieser Folge sind die Charakterzeichnungen der doch übersichtlichen Anzahl an Personen. Die Rolle der Privatsekretärin Hannelore Krems ist eine der Interessantesten und sie wird von Marianne Koch beeindruckend dargestellt. Erinnert hat mich diese Interpretation direkt an eine gewisse Dame namens Vivian Taylor aus "Schreie in der Nacht", eine Frau, die sich ständig selbst im Schutzgriff hält und die ihre Beherrschung fast nie verliert. Das Drehbuch stattete sie nicht mit sichtbaren emotionalen Ausbrüchen aus, der Zuschauer soll nur erahnen, was sich hinter dieser Fassade abspielen könnte. Gerade Marianne Kochs späte Rollen sind für mich die faszinierendsten ihrer Karriere, da sie sich buchstäblich freispielen konnte. Peter van Eyck hat es seiner Ansicht nach lediglich mit Personal zu tun, oder besser noch mit Untergebenen, und sein Wunsch ist stets Befehl. Seine ersten Szenen bei Kommissar Keller zeigen umgehend, mit wem man es zu tun hat. Er reagiert ungeduldig und arrogant, es scheint ihn sogar zu brüskieren, dass er mit Heines, der ja nur Mitarbeiter des Kommissars ist, ermittlungstechnisch die zweite Wahl zur Verfügung gestellt bekommt. Gegenüber der Polizei äußert er direkt oder indirekt immer wieder seine Unzufriedenheit bezüglich des Gesamtverlaufs, und seine Zweifel an den Kompetenzen insgesamt. Diese Leistung ist in der gesamten Serie bestimmt eine der überzeugendsten geworden. Rose Renée Roth, die mich sonst immer eher abschreckt, konnte mich als eingeschüchterte Haushälterin dieses Mal sehr positiv überraschen. Der komplette Fall wirkt trotz mancher vorhersehbaren Komponenten sehr überzeugend und vor allem raffiniert erzählt. Die Arbeit und das Zusammentragen von Indizien erweist sich als große Stärke, obwohl dies hin und wieder ein paar Längen fabriziert, vor allem tauchen aber glücklicherweise immer wieder plötzlich spannende Sequenzen auf, die es verstehen, mitzureißen. Die Frage, wer von diesen Herrschaften zuerst umkippen wird, unterstützt den Fall hervorragend, ja und das Finale, mit dem Versammeln der Verdächtigen und dem Davonlaufen der Zeit, ist ein besonderes Vergnügen. Eine starke Folge über unsichtbare Kämpfe und einseitige Interessen, die immer wieder Spaß macht, da man schließlich gegen Ende einer Person noch eindrucksvoll dabei zusehen kann, wie sie mit einem gönnerhaften Lächeln aufs Schafott steigt!


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BeitragVerfasst: 04.05.2014 11:40 
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KEINER HÖRTE DEN SCHUSS (Folge 7)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz
Gäste: Erika Pluhar, Marianne Hoppe, Ernst Fritz Fürbringer, Walter Rilla, Peter Fricke, Michael Hinz, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Wolfgang Becker




Ewald Kersky, ein Mitarbeiter des renommierten Juweliergeschäfts De Croy, wird tot in seinem Wagen aufgefunden, er wurde erschossen. Er führte Rohdiamanten im Wert von 450000 DM mit sich, die nun verschwunden sind. Alles deutet auf einen Raubmord hin, doch niemand hat den tödlichen Schuss gehört, da sich in der Nähe eine Baustelle befindet, und die Baumaschinen diesen wohl übertönt haben. Bei den Ermittlungen bekommt es Kommissar Keller mit teils eigenartigen Personen zu tun, bei denen auch jeweils plötzlich ein Tatmotiv auftaucht. Steckt mehr dahinter als das Motiv Raub..?

Mit "Keiner hörte den Schuss" bekommt man eine relativ schnörkellose, beziehungsweise ganz klassische Krimi-Unterhaltung geboten. Zunächst hat man es mit einem rätselhaften Mord zu tun, die Personen werden durchleuchtet, schnell tun sich einige Abgründe auf, die Ermittlungen sind transparent und am Ende schnappt eine Falle zu, aus welcher der Täter nicht mehr entkommen kann. Dabei hat man es im Gesamtverlauf gar nicht mal mit absoluter Hochspannung zu tun, sondern mit einer soliden, gut nachvollziehbaren Konstruktion, die, wenn alles vorbei ist, den Zuschauer sogar nachdenklich zurück lässt. Im Zentrum des Geschehens steht die Frau des Ermordeten und stellt das Raubmotiv schnell in den Hintergrund. Insgesamt hat man es unter der Regie von Wolfgang Becker mit einer rundum gelungenen Atmosphäre zu tun, angenehme Farbtupfer gibt es zum Beispiel in Form der Modenschau (sogar mit einem Gastauftritt von Amanda Lear), oder durch die vielen Außenaufnahmen sorgen für Abwechslung. Auch, oder vor allem die Darstellungen der Personen sind sehr überzeugend ausgefallen.

Erika Pluhar, die leider viel zu sporadisch in TV und Kino dieser Zeit zu sehen war, spielt die oberflächliche und unempfindliche Frau des Ermordeten mit hoher Präzision. Ihre Interpretation führte mich gedanklich sogar manchmal zu ihrer Claire Imhoff aus "Perrak". Hier ist sie Eva Kersky, ein attraktives Mannequin oder wenn man so will, das Licht dieser Folge, weil die Männer eben um sie schwirren wie die Motten um das Licht. Bei dieser Leistung kann man quasi zitieren: 'Moth delivers her message'. Herrlich ist es, sie bei den Befragungen durch Kommissar Keller zu beobachten, wenn sie ungeduldige und patzige Antworten gibt, dabei aber keine Miene verzieht. Andererseits sieht man sie in gewissen Situationen auch beinahe sarkastisch: »...alles in mir ist wie gelähmt«, sagt sie mit einem spöttischen Lächeln im Gesicht. Sie ist die Frau, die sich immer mit dem besten Angebot arrangieren wird, und diese Frage wird hier eingängig erörtert. Marianne Hoppe zeigt als kämpfende Mutter eine sehr gute und bodenständige Leistung, Ernst Fritz Fürbringer als verzweifelter Vater des Toten schwingt sehr eindrucksvoll Hasstiraden gegen seine Schwiegertochter und beschimpft sie als »Luder« und »Mörderin«. Diese Rolle steht ihm sehr gut, meinetwegen hätte man ihm ruhig deftigere Umschreibungen in den Mund legen dürfen. Walter Rilla übernahm eine Paraderolle als Juwelier de Croy, genau wie der Helmut Berger des TV, Peter Fricke, als sein unselbstständiger, nervöser Sohn. Michael Hinz zeigt sich ebenso angenehm und so hat man es mit einem sehr überzeugenden Ensemble zu tun in dieser gelungenen Folge. Das Finale beeindruckte mich am meisten und ließ mich genau wie alle anderen Beteiligten der Geschichte etwas nachdenklich hinter einer bestimmten Person herblicken. Musikalisch bekommt man hier sehr eingängiges geboten und letztlich konnte "Keiner hörte den Schuss" den hohen Stellenwert der vorherigen Sichtungen erneut bestätigen, und für meine Begriffe sogar ausweiten. Ein tolles Gesamtpaket!


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 07.05.2014 11:15 
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DER TOD FÄHRT 1. KLASSE (Folge 8)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz, Rosemarie Fendel
Gäste: Franz Schafheitlin, Martin Lüttge, Hans Jaray, Nikolaus Paryla, Wolfried Lier, Harry Engel, Leo Bardischewski u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Wolfgang Becker




Ein Nachtschnellzug kommt in München an. Der Schaffner fordert eine junge Frau, deren Gesicht hinter ihrem Mantel verborgen ist auf, auzusteigen. Doch sie reagiert nicht. Bei genauerem Hinsehen stellt sich das Entsetzliche heraus. Die Frau ist tot und offensichtlich ermordet worden. Wenig später wird ein junger Mann auf dem Bahnhofsgelände gefasst und die Überraschung ist groß, als er umgehend gesteht, der Mörder zu sein. Der vermeintlich eindeutige Fall bring schnell einige Ungereimtheiten zu Tage, denn im selben Zug kam es schon zu mehreren Mordanschlägen. Hat man es tatsächlich mit einem Serientäter zu tun..?

Ambiente Zug, Ereignisse rund um den Dreh-und Angelpunkt Bahnhof, oder Verfolgungsjagden über Abstellgleise, vorbeirauschende Züge. Diese sehenswerte Variante hat schon immer sehr viele Anhänger gehabt und einen großen Reiz besessen, da grade die Zugabteile ein gefährliches Vakuum repräsentieren, aus dem es, wenn sich ein Mörder herumtreibt, kaum ein Entkommen gibt. Die Spannung wird gebündelt, da die Gefahr in jedem Abteil lauern könnte und der Mörder ein eher diffuses Profil besitzt. Inszenatorisch sind also einige gute Grundvoraussetzungen für gute Krimi-Unterhaltung gegeben, und unter der Regie von Wolfgang Becker ist eine streckenweise richtig packende Folge entstanden, die mir gar nicht so gelungen in Erinnerung war. Auch in Folge 8 sind einige neue Kniffe zu entdecken, wie beispielsweise Eigenmächtigkeiten der Mitarbeiter von Kommissar Keller, oder dass sich ein Mörder der Kripo förmlich anbiedert, ein Hauch mehr glaubhafte Tragik um einige Personen; damit bleibt die zu diesem Zeitpunkt noch junge Serie aktuell und interessant. Ich hatte eine sehr stumpfe Besetzung in Erinnerung, doch die Leistungen sind in der Tat überzeugend. Dennoch halte ich Folge 8 für die erste der Reihe, bei der die Besetzungsliste am wenigsten prominent ausgefallen war.

Mir persönlich hat es immer sehr gut gefallen, wenn man Emely Reuer ein wenig mehr in den Fokus rückte, das heißt, dass sie eben nicht nur fürs Diktat zuständig war, und sie ihr Talent als hilfreiche Mitarbeiterin und gute Schauspielerin unter Beweis stellen konnte. Hier kann man sie in einem sehr interessanten, und für die Story sehr wichtigen Part sehen, der die Spannung zum Ende hin auf die Spitze treibt. Franz Schafheitlin als Kriminalrat hebt indirekt die Kompetenzen und die Tugenden von Kommissar Keller hervor, er wirbt quasi für seine undifferenzierten Ansichten und ist der Meinung, wer schon gesteht ein Mörder zu sein, muss auch tatsächlich einer sein. Schafheitlin hätte man ruhig öfters als unbequemen Gegenpol in manche Fälle einbauen können. Martin Lüttge als Kellner der Zugabteile wirkt sehr überzeugend, da er auch nicht richtig einzuschätzen ist, was aber für das komplette Zugpersonal gilt. Hans Jaray und Nikolaus Paryla als Vater-Sohngespann agieren in schauspielerischer Hinsicht sehr glaubhaft, jedoch ist es der Hintergrund, der das Handeln erklären soll, weniger. Die ganz große Stärke von "Der Tod fährt 1. Klasse" ist schließlich in der hervorragenden Gestaltung der Inszenierung zu finden. Tempo durch von Innen und Außen gefilmten Zugfahrten, Spannung durch Verfolgungen mit atmosphärischen, winterlichen Außenaufnahmen die teils gespenstisch wirken, eine Falle und ein fataler Denkfehler zum Schluss, welcher Lebensgefahr mit sich bringt, und eine waghalsige Aktion in Eigenregie, bei der man den Sekundenzeiger fast ticken hört. Nicht nur der Tod, sondern auch der Zuschauer fährt hier mit Wolfgang Beckers exzellentem Gespür erste Klasse.


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BeitragVerfasst: 15.05.2014 11:54 
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GELD VON TOTEN KASSIEREN (Folge 9)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Emely Reuer, Helma Seitz, Rosemarie Fendel
Gäste: Siegfried Lowitz, Eva Brumby, Götz Burger, Monika Zinnenberg, Hartmut Reck, Kurt Jaggberg, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Georg Tressler




Eine Einbruchserie gibt viele Rätsel auf. Einem maskierten Dieb gelingt es immer wieder aufs Neue, kleinere Bankfilialen auszurauben, und dabei wird immer nach dem gleichen Strickmuster vorgegangen. Auffällig ist auch stets, dass der maskierte Einbrecher, der seine Opfer mit vorgehaltener Pistole bedroht, genauere Kenntnisse über die dortigen Gegebenheiten haben musste. Schnell wird ein Verdächtiger ausgemacht, ein gewisser Kranz, der vor kurzem aus der Haft entlassen wurde. Alles passt zusammen, doch dann geschieht ein Mord bei einem der Überfälle, was keineswegs zum Profil des Ex-Sträflings passt. Hat er sich hinter den Gefängnismauern etwa umorientiert..?

Folge 9 behandelt einen klassischen Kriminalfall und ist darüber hinaus auch noch am leichten Anreißen einer Milieustudie interessiert. So gestaltet sich zumindest der erste Eindruck. Im Verlauf wird allerdings klar, dass der Mord gar nicht so sehr im Vordergrund stehen wird, sondern die Verwicklungen der Personen untereinander, und ob Kranz tatsächlich in den Fall involviert ist. Dieses Konzept funktioniert recht gut, denn man hat es mit einem straffen Erzähltempo zu tun, aber vor allem Siegfried Lowitz möbelt diese Episode mit seinem Charisma auf. Die Schauplätze sind aussagekräftig und markant, sie charakterisieren das Umfeld, in dem angeblich Verbrecher und gescheiterte Existenzen fabriziert werden sehr ordentlich. Interessant bei "Geld von toten kassieren" ist das dargestellte Vakuum in einer Familie, die es lernen musste, sich alleine durchzuschlagen, und nun plötzlich vor dem neuen, alten Problem steht. Was damals die Schwierigkeit war, als er ins Gefängnis musste, taucht jetzt wieder auf, nur umgekehrt. Mittlerweile ist es tatsächlich ein Problem, dass Kranz wieder da ist. Seine Frau geht damit um wie sie es mit dem ganzen Leben tut. Sie nimmt hin und sie hat resigniert, was von Eva Brumby überzeugend interpretiert wird. Die Kinder müssen ab sofort mit einem Fremden unter einem Dach leben, Spannungen sind vorprogrammiert, vor allem weil Kranz sich immer noch in der Rolle des Hausherrn sieht.

Die passende Interpretation dazu liefert ein hervorragend aufgelegter Siegfried Lowitz, der wie es scheint wirklich in jedem Metier zu Hause war. So wirklich traut man dem unruhigen und impulsiv wirkenden Mann keinen Mord zu, aber vor dem durchleuchteten Familienhintergrund sieht man eine wahrscheinliche Verwicklung deutlich vor Augen. Er möchte wieder gutmachen, er will der Frau und den Kindern etwas bieten können, doch kann er bis zur letzten Konsequenz auch Vorbild sein? Das alles wird hier sehr nett erörtert und aufgerollt. Einige zusätzliche Personen wie Hartmut Reck oder Kurt Jaggberg symbolisieren die dunkle Vergangenheit des Herrn Kranz und halten sie über den kompletten Verlauf auch aktuell, außerdem sorgen sie für Verwirrung beim Zuschauer. Ein Puzzle fügt sich nach und nach zusammen, bei dem es einige interessante Überraschungen geben wird. Empfundene Vorhersehbarkeit mündet schließlich in einem originell ausgearbeiteten Finale, und der Weg dort hin ist immer wieder mit einigen Kehrtwendungen ausgestattet worden, so dass "Geld von toten kassieren" eine solide Kommissar-Folge darstellt, die unter der Regie von Georg Tressler einen überzeugenden Schliff bekam. Die Schauspieler taten ihr Übriges dazu und man kann von sehenswerter Unterhaltung sprechen, die mich vor allem durch ihren klaren Aufbau überzeugen konnte.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 20.05.2014 09:06 
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SCHREI VOR DEM FENSTER (Folge 10)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper
Gäste: Maria Schell, Eva Ingeborg Scholz, Veit Relin, Doris Kiesow, Gunther Beth, Stella Mooney, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Dietrich Haugk




In der Wohnung der bekannten Schauspielerin Irene Pauli spielt sich etwas Verdächtiges ab. Der Hausmeister geht der Sache nach, denn er will einen Schuss gehört haben. Und tatsächlich ertappt er einen jungen Mann auf frischer Tat, mit einer Waffe in der Hand. Es ist der Sohn der Schauspielerin der sich Hals über Kopf auf die Flucht begibt. In böser Vorahnung entdeckt der Hausmeister den Ehemann der Pauli, er wurde erschossen. Eine Großfahndung nach dem mutmaßlichen Mörder beginnt und der Fall scheint klar zu sein. Braucht Kommissar Keller nur noch zuzuschnappen oder handelt es sich um ein Komplott..?

Maria Stuart verlässt die Bühne und somit das Schafott, die Garderobiere ist ihr behilflich, das Kostüm und die Accessoires abzulegen, und hinter dieser Fassade erscheint Weltstar Maria Schell, die diese zehnte Folge eindrucksvoll dominieren wird. Diese denkwürdige Anfangssequenz steckt bereits voller Symbolik, die diese zehnte Folge insgesamt charakterisieren wird. Mir persönlich gefällt das Konzept Schauspieler spielt Schauspieler im Film immer besonders gut, da es die Aufmerksamkeit anregt und wie hier die Interpretationsgabe der jeweiligen Akteure nochmals hervorhebt. Maria Schell spielt sich hier also selbst? Eher kann man sagen, dass sie eine hervorragende Schauspielerin spielt. Der "Schrei vor dem Fenster" ertönt, und lässt den Zuschauer für einen Moment lang den Atem anhalten. Verzweifelt und hilflos ruft der Sohn der Pauli in ergreifender Weise: »Mutter, Mutter!«. Ist es der Hilferuf eines Mörders oder eines Gejagten? Der Beschützerinstinkt einer sich sorgenden Mutter ist jedenfalls erwacht, und sie wird alle sich bietenden Mittel ergreifen, um ihren Sohn, den angeblichen Mörder seines Stiefvaters, zu entlasten. Sie manipuliert, diskreditiert, befiehlt, befragt und vielleicht lügt sie sogar, ja, spielt sie eine Rolle oder nicht? Das ist in dieser Folge die bei weitem interessanteste Frage. Das Mordmotiv an sich liegt beim Durchleuchten des Ermordeten schnell auf der Hand. Es hat einen Tyrannen und moralisch verkommenen erwischt, der sich obendrein in zweifelhaften Kreisen bewegt haben soll, und um den es, wie einige Personen bestätigen, nicht gerade sehr schade sei. Wie Kommissar Keller richtig anmerkt, ist von dem Toten nach kürzester Zeit überhaupt keine Rede mehr, was die Zweifel des Zuschauers schürt. So ist bei diesem recht simplen Kriminalfall diese permanente Misstrauensfrage an die involvierten Personen ganz originell und irgendwie belebend, denn man fühlt sich, als sei man selbst an den Ermittlungen beteiligt. Das ist für mich die große Stärke dieser Folge, dass die Regie eine hohe Zuschauergewalt verteilte. Die Geschehnisse und die Vorgänge sind eher leicht herzuleiten und vermitteln ein Gefühl von eigener Kombinationsgabe. Eine Schmeichelfolge, zumindest in dieser Beziehung.

Maria Schell spielt ihr ganzes Repertoire zwischen Unempfindlichkeit und Hysterie beeindruckend aus. Ihr Mann ist tot, so ist es halt; ihr Kind wird verfolgt, sie wird zur Furie. Ihre extremen Gefühlsschwankungen kommen nicht nur Kommissar Keller und seinen Kollegen spanisch vor, sondern auch dem verblüfften Zuschauer. Nicht nur, dass sie zu Beginn Befragungen, beispielsweise beim Hausmeister, durchführt, und damit eindeutig ihre Kompetenzen mehrmals überschreitet, sie bietet auch permanent spekulative Tathergänge an, die Keller sichtlich Nerven kosten. Eva Ingeborg Scholz spielt ihre Schwester, und der Eindruck, dass sie darstellerisch total neben Maria Schell untergeht, überträgt sich 1:1 auf das Verhältnis der Schwestern zueinander. Veit Relin würzt die Folge mit herbem Zynismus und schmerzhaftem Realismus, fast alle Personen fallen schlussendlich sehr unangenehm auf und könnten mit dem Mord einen Schlussstrich unter die Misere gezogen haben. Die Treibjagd durch die Polizei wurde sehr eingängig in Szene gesetzt und es kommt zu einigen spannenden Sequenzen, die jedoch immer wieder durch die Selbstinszenierungen der Pauli unterbrochen werden. Eine lustige Szene zur Auflockerung sieht man, als der gehetzte Berthold, übrigens sehr gut gespielt von Gunther Beth ("Sieben Tage Frist"), in ein getarntes Bordell flüchtet und eine Reihe von aufgebrachten Prostituierten aufschreckt. Immer wieder kommt es zur Veranschaulichung der Vorverurteilung durch die Massen, was sich insbesondere zum Finale hin zuspitzen wird, und auch die charismatischen Schauplätze passen hervorragend in das Gesamtbild. Kommissar Kellers Resumée ist ebenso einfach wie beeindruckend, so dass die Folge "Schrei vor dem Fenster" insgesamt nur zu einer verhaltenen Wertung kommt. Es hätte tatsächlich ein perfekter Mord werden können, wenn da nicht erneut diese fatale Verkettung von Zufällen gewesen wäre. Mein Geschmack wurde bei dieser hervorragenden Folge, die von Dietrich Haugk rasant inszeniert wurde und der ihre Theatralik angemessen steht, unbedingt getroffen.


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BeitragVerfasst: 26.05.2014 12:49 
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DIE SCHRECKLICHEN (Folge 11)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer
Gäste: Helga Anders, Anita Höfer, Hans Schweikart, Karl Walter Diess, Dirk Dautzenberg, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Zbyněk Brynych




Im Englischen Garten wird eine Leiche gefunden. Es scheint, dass der Mann, der völlig betrunken gewesen war, dort in den Bach gestürzt, und ertrunken ist. Bei der Suche nach der Kneipe, in der sich der Mann volllaufen ließ, stößt Kommissar Keller auf merkwürdige Personen die sich durch fadenscheinige und gegensätzliche Aussagen verdächtig machen, zu denen auch einige Rentner gehören, die sich auffällig verhalten. Für den Kommissar ist nach dem Sammeln von Indizien schnell klar, dass es sich um keinen Unfall handeln kann. Er ist überzeugt, dass der Mann ertränkt, und anschließend beraubt wurde. Beim Überwachen der Verdächtigen kommt es zu erstaunlichen Erkenntnissen...

Nach nun zehn mehr oder weniger charakteristischen, aber wenigstens überwiegend zufriedenstellenden Kriminalfällen innerhalb der Reihe, versuchte es Regisseur Zbyněk Brynych mit einer Art Kulturrevolution, die jedoch in einem Kulturschock gipfelt. Ein Debüt lässt Neuerungen und etliche brauchbare Qualitätsmerkmale vermuten, doch der Versuch, alles, und vor allem das Rad neu zu erfinden, ist eine heikle Angelegenheit. Dass es der Zuschauer mit einer der launischsten und im Endeffekt misslungensten Folgen der fast hundertteiligen Serie zu tun bekommt, kristallisiert sich hier im Eiltempo heraus. "Die Schrecklichen", das klingt wie eine außergewöhnliche und vielversprechende Ankündigung, entpuppt sich jedoch als Anfang einer ungemütlichen, oder eher noch unglaubwürdigen (für mich sogar unerträglichen) Strapaze. Die elfte Folge erweist sich als grundlegend diffus und lässt auch den Letzten das Vertrauen in das Zufallsprinzip, das ja häufiger Verwendung fand, verlieren. Vollgestopft mit fadenscheiniger Theatralik, falscher (womöglich noch gesellschaftskritisch angelegter) Untertöne und abverlangender Hysterie, versuchte man diese gar nicht einmal so schlecht ins Bild eingefangene Episode als etwas Extravagantes und Originelles zu servieren. Sicher mögen das viele auch so auffassen, ich kann mir denken, dass diese Experimente des berüchtigten Regisseurs als richtige Farbtupfer angesehen werden, doch mir persönlich passierte genau das, was es meiner Ansicht nach bei TV und Film nicht geben sollte und viel fataler als Langeweile ist. Man merkt, dass Ausdauer und Geduld rapide schwinden.

Hier kann man wohl teilweise sagen: die Besetzung lockt, bevor sie schockt. Das beste Beispiel ist die von mir immer gerne gesehene und hochverehrte Helga Anders, der man hier leider anmerkt, dass sie oftmals ziellos durch die abstruse Konstruktion stolpert, oder eben wahlweise tanzt. Es scheint, als könne sie nicht das Geringste aus diesem sinnlosen Theater herausholen. Einige mögen etwa sagen, dass sie genau der Anforderung entsprechend spiele, damit die subtile Anlegung der Rolle aufgehe. Ich meine, eher nicht, ihre eingeschüchterte Figur (die man vielerorts besser gesehen hat) wirkt im Geschehen überaus kontrakt und deplatziert, da die Geschichte insgesamt nicht gut mit ihren Charakteren abgestimmt ist, oder auch umgekehrt. Verschenkt! Die paraphrasierenden Dialoge sind kaum zu fassen und es ist daher erstaunlich, dass Kommissar Keller diesen Fall als Zuhörer schließlich lösen kann. Sehr positiv fällt sein Zusammenspiel mit Anita Höfer auf, die eine der wenigen ist, die eine gelungene Dosierung glaubhaft transportieren kann. Dirk Dautzenberg und Karl Walter Diess schließen sich zumindest in Sachen der glaubhaften Interpretation an. Dann wäre da noch die Clique der alten Herren, deren Darstellung in Richtung lächerlicher Karikaturen abdriftet. Ihr Gehabe ist nicht nur albern, sondern auch unmotiviert und ärgerlich zugleich. Spannung geht der Folge hauptsächlich verloren und entsteht leider nur, weil die Protagonisten dazu gezwungen sind, die Luft sehr lange anzuhalten. Erstaunlicherweise kommt es, wenn man von der misslungenen Rahmenhandlung und der nervtötenden Musik mal absehen kann, zu einem atmosphärisch überzeugendem Finale, das sogar für einen kurzen Moment nachdenklich stimmt. Doch schnell merkt man wieder, in welcher Farce man sich eigentlich befindet, und freut sich über den Abspann, der ein baldiges Ende garantiert. Grabert sagte anfangs in der Folge etwas, das mir zu denken gab. Irgend jemand soll »Lalle gewesen« sein; die Frage ist schlussendlich wer. Ich bin selbst erstaunt darüber, dass ich mir hier nicht mehr wie üblich die Mühe mache, auch die andere Seite der Medaille wohlwollend zu beleuchten, da ich allem, was ich mir anschaue, auch etwas Gutes abgewinnen kann. "Die Schrecklichen" versagt diesbezüglich auf ganzer Linie, und meine Gesamteinschätzung für die Folge 11 kommt daher dem Titel verdächtig nahe, obwohl »schrecklich« eigentlich schon wieder eine Auszeichnung wäre.


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BeitragVerfasst: 30.05.2014 19:10 
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HELGA ANDERS (*11.01.1948 Innsbruck † 04.04.1986 München)

Bild



Helga Anders im Film [Auswahl]:

♦ Der Forellenhof (1965-1966) [TV]
♦ Die Unverbesserlichen (1965-1967) [TV]
♦ Der Kongress amüsiert sich (1966)
♦ 00 Sex am Wolfgangsee (1966)
♦ Mädchen, Mädchen (1967)
♦ Das Rasthaus der grausamen Puppen (1967)
♦ Erotik auf der Schulbank (1968)
♦ Zuckerbrot und Peitsche (1968)
♦ Unser Doktor ist der Beste (1969)
♦ Mädchen mit Gewalt (1970)
♦ Mord im Pfarrhaus (1970) [TV]
♦ Die Powenzbande (1973) [TV]
♦ Das blaue Palais (1976) [TV]
♦ Der Trotzkopf (1983) [TV]




Das Lexikon der deutschen Filmstars hat geschrieben:
In Ruhpolding und Bielefeld aufgewachsen; Besuch einer Ballettschule; spielt mit acht Jahren eine Rolle in der Operette »Der fidele Bauer«. Nach dem Umzug der Eltern an den Tegernsee wirkt A. mit dreizehn an einer bayrischen Bauernbühne mit. Ihr Filmdebüt feiert sie mit zwölf; als Fünfzehnjährige tritt sie erstmals in der Kleinen Komödie in München auf. Heiratet 1967 Roger Fritz, unter dessen Regie sie in mehreren Filmen die Hauptrollen übernimmt, besonders bekannt wurde sie durch Mädchen Mädchen (1966). Der Jungstar wird von Roger Fritz geschieden, betreibt eine Theaterkneipe in München, ist ab Mitte der sechziger Jahre auch häufig im Fernsehen zu sehen. Sie scheidet durch Suizid aus dem Leben. Laut Pressemitteilung war die Todesursache angeblich Herzversagen. Typ: Die kleine Dunkelhaarige mit den großen Augen galt als die Lolita im deutschen Film der sechziger Jahre. Lasziv und provozierend »unschuldig«, war sie die gefährdete Minderjährige und verkörperte den Typ einer modernen Jugend, die offenen Umgang mit dem anderen Geschlecht pflegte.


Die Auseinandersetzung mit der Schauspielerin Helga Anders sieht auf den ersten Blick ganz einfach aus. Eine Darstellerin die sich selbst ein Image erschuf, oder um die ein Image kreiert wurde, das ewige Schulmädchen, zunächst glänzend und später gefangen in obligatorischen Rollen, die junge Lolita des deutschen Kino und eine der Identifikationsfiguren der damaligen Jugend. Derartige Festlegungen, die es ja scharenweise gegeben hat, bilden zuerst Fundamente für steile Karrieren und große Erfolge, wenn sie jedoch haften bleiben und die betreffenden Stars sich nicht befreien können, entwickeln sie sich zum späten, und im schlimmsten Fall zu einem latenten Fluch.

Befasst man sich mit dem zweiten Blick, so offenbaren sich zahlreiche Facetten. Die Typisierung spielt unter anderem auf die Kraft der Augen an, die gerade bei Helga Anders bemerkenswerte Momente entstehen lässt. Bei einem derartigen Schicksal lasse ich mich manchmal gerne dazu verleiten, eine gewisse Traurigkeit heraus zu sehen, was sich aber bestimmt nur im Bereich der Anforderungen abspielte. Denke ich an ihre Elizabeth in „Schreie in der Nacht“, so fühlt man sich als Zuschauer durch verführerische und selbstbewusste Blicke verfolgt, gerade ihre Gastrollen bei "Der Kommissar", „Derrick“ und „Der Alte“ zählen für mich zu den großen Leistungen der Helga Anders. In „Kaffee mit Beate“ war sie einfach großartig, die außergewöhnlichste Leistung blieb mir allerdings in „Teufelsbrut“ in Erinnerung. Eher belanglose Rollen wie in „Das Rasthaus der grausamen Puppen“, „Der Mörderclub von Brooklyn“ oder „Bel Ami 2000 – wie verführt man einen Playboy“ fallen in die Kategorie der Publikumswirksamkeit und klassischer Image-Besetzung. Einige Personen die ich zu Helga Anders befragt habe, bestätigten das bekannte Bild der Schauspielerin und es kamen Einschätzungen wie »mädchenhaft-unschuldig« oder »Kindfrau« zu Stande. Allerdings war man sich letztlich stets einig, dass man sie immer sehr gerne gesehen habe.

Oft schießt mir bei Helga Anders der Quervergleich mit Romy Schneider in den Kopf, bei der sich bis heute Gerüchte um einen angeblichen Selbstmord halten. Die Verlautbarungen der französischen Presse, wie beispielsweise »Romy Schneider s’est suicidée« sind bis heute etabliert, wenn auch zweifelhaft. Bei dem Fall Helga Anders, die gerade Mal 38-jährig verstarb, urteilte die Klatschpresse ähnlich deutlich. Es entstehen kleinere oder größere Mythen, die bei Romy Schneider (die bis heute als einer der größten französischen Superstars verehrt wird, und die hierzulande leider immer noch ein kaugummiartiges Image umgibt) vielleicht zu Recht entstanden sind. Helga Anders hatte nicht diese internationale Karriere, dennoch hat sie ihren festen, angesehenen Platz in der deutschen Kino-und-TV-Landschaft. Das Konstruieren von Suizid-Gerüchten ist schon immer ein gefundenes Fressen für die Presse gewesen, ich persönlich glaube zuerst immer an die logische Konsequenz unter bestimmten Voraussetzungen, die kein Organismus auf Dauer aushält. An einen bestimmten Mythos glaube ich jedoch wirklich, und zwar dass viele Schauspieler an geplatzten Träumen und Illusionen gescheitert sind.

Helga Anders einzuschätzen fällt mir trotz aller Begeisterung sehr schwer, denn sie passt so wenig in meine Sammlung der einschlägigen Darstellerinnen, die vor Unnahbarkeit und fesselnder Aura nur so strotzen. Das Faszinierende ist für mich nicht die »Lolita« oder das »Schulmädchen«, dieses Image war mir immer zu konstruiert und fremd. Helga Anders ist eine Darstellerin, die mich trotzdem unmissverständlich anspricht, weil die schauspielerische Kompetenz so unverwechselbar-unbändig erscheint. Sie wirkt widersprüchlich in diesem Spektrum zwischen Schulmädchen und Verführerin. Hinzu kommt, dass sie keine großartige Distanz zum Zuschauer aufbaut, jedoch ihre Charaktere mit einer eigenartigen Kontrolle ausstatten konnte, sie gut strukturieren konnte. Helga Anders zehrt in ihren Rollen im hohen Ausmaß von ihrer Körpersprache, ihrer angenehmen Stimme, von ihrer Ausstrahlung ganz zu schweigen.

Wie es eben so ist, werden Image-Fragen meistens erst hinterher kritisch durchleuchtet. Aus heutiger Sicht sehe ich persönlich einen überaus verschwenderischen und einseitigen Umgang des deutschen Films mit der begabten Schauspielerin Helga Anders, die diversen Rollen ein reizvolleres und nachhaltigeres Gesicht hätte geben können. Ihre TV-Präsenz zähle ich, verglichen mit ihrer Schaffens-Geschichte im Kino, zu den wesentlich hochkarätigeren und denkwürdigeren Leistungen, da sie hier häufiger etwas mehr Luft zum Atmen, beziehungsweise etwas mehr Raum zur Entfaltung bekam. Meines Erachtens würde Helga Anders jedenfalls mit größter Wahrscheinlichkeit auch heute noch zur deutschen TV-Prominenz zählen. Insgesamt bleibt zu sagen, dass eine Beteiligung von Helga Anders, egal ob im Film oder TV, für mich stets genügend Grund, oder sogar ein Muss darstellt, mir ihre Leistungen anzuschauen, oder mir passendes Material zu beschaffen. Für mich persönlich ist und bleibt sie eine unbestrittene Größe, die jede Hommage verdient hat!


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BeitragVerfasst: 19.06.2014 11:41 
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DIE WAGGONSPRINGER (Folge 12)

mit Erik Ode, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz, Rosemarie Fendel
Gäste: Peter Neusser, Erik Schumann, Ulli Kinalzik, Andreas Seyferth, Ralf Schermuly, Thomas Astan, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Theodor Grädler




Ein Güterwaggon wird von einer Bande von Dieben geplündert. Sie verfolgen immer die gleiche Strategie, indem sie in einen fahrenden Zug einsteigen und die wertvolle Fracht hinauswerfen, die dann von Komplizen eingesammelt wird. Beim ihrem jüngsten Coup wird einer der Männer jedoch tödlich verletzt. Als man den Toten in dem ausgeraubten Waggon findet, ist dieser wenig später jedoch verschwunden, noch bevor die Polizei eintrifft. Einige Zeit vergeht, bis die Leiche auf einer Müllhalde gefunden wird. Kommissar Keller und seine Assistenten wollen die sogenannten Waggonspringer zur Strecke bringen um weiteres Unheil zu verhindern...

Der Einstieg in diese von Theodor Grädler inszenierte Folge ist sehr rasant, die Waggonspringer erobern einen der Güterwagen unter Einsatz ihres Lebens. Ein falscher Griff und alles kann vorbei sein, die gezeigten Bilder vermitteln eine nervöse Spannung, die durch die Akustik verstärkt wird, und der Zuschauer fiebert sogar mit den Dieben mit. Dann kommt es zum tödlichen Missgeschick und man zuckt zusammen, bevor man sich im Verlauf über die Kaltblütigkeit der Hintermänner wundern wird. Theodor Grädler zeigt hier ein sehr gutes Gespür bei seiner Arbeit, der Fall ist von vorne herein transparent angelegt und macht den Zuschauer zum Komplizen der Bande. Eine abwechslungsreiche Variante, die über ein beinahe durchgehend hohes Tempo überzeugen kann. Die Gruppe der Ganoven bekommt eine unterschiedliche Färbung und beschäftigt sich eingehend mit dem Thema des schwächsten Gliedes in der Kette, was gleichbedeutend mit großer Gefahr für die Bosse, und Beseitigung durch außerordentliche Maßnahmen bezüglich der Schwachstelle ist. Junge Männer werden gezeigt, die als Handlanger fungieren und vom Boss ihre 500 DM für den jeweiligen Coup kassieren. Dies bringt sie in die Lage, im kleineren Rahmen nach den Sternen greifen zu können. Man kann sich einen Sportwagen leisten, seinem Mädchen etwas schönes außer der Reihe bieten und eben einfacher, ja sorgenfreier leben. Doch dieses Konzept ist eben nicht resistent gegen unkalkulierbare Komplikationen, so dass die Frage nach Geld oder Gewissen auf einmal im Raum steht. So wird einer nach dem anderen merken müssen, dass die empfundene Unabhängigkeit nur eine Basis hat, nämlich ein eng gekettetes Abhängigkeitsverhältnis.

Als Drahtzieher sieht man Erik Schumann, der für diese Art von Rollen der richtige Mann war. Seine perfide Art versetzt ihn in die Lage, seine Männer im Griff zu haben. Er kann Zweifel schüren und appelliert häufiger an eine Art Gruppenzwang, so führt er den jungen Männern auch immer wieder gerne ihre neuen, finanziellen Möglichkeiten vor Augen und schaltet sie indirekt wieder gleich. Sein Graffe wirkt besonders gewissenlos und sein Prinzip, dass jeder im Endeffekt austauschbar ist, macht ihn sehr gefährlich, besonders wenn der eigene Kopf auf dem Spiel steht. Die Gruppe der Waggonspringer fand insbesondere mit Ulli Kinalzik und Ralf Schermuly eine sehr überzeugende Besetzung, man sieht ihnen förmlich an, dass sie nach dem Tod ihres Kollegen eigentlich immer nein denken, aber schließlich ja sagen. Andreas Seyferth als Schwachstelle der Bande, ist abonniert gewesen für diese schwachen, oftmals ziellosen und verträumten Charaktere. Hier ist er der junge Mann, der mit der verschärften Situation nicht mehr klar kommt und schließlich um seinen toten Kollegen weinen wird. Seine Szenen auf der hervorragend in Szene gesetzten Müllkippe sind ganz starke Momente dieser zwölften Episode. Peter Neusser als Kubiak, gibt ebenfalls einen der gewissenlosen Hintermänner sehr akkurat und überzeugend, besonders im Zusammenspiel mit Erik Schumann wirken beide nicht nur potentiell gefährlich, denn sie verfügen über Schicksale und Existenzen. Auch der Kommissar wirkt im Verlauf nachdenklich und man merkt, dass selbst nach dreißig Dienstjahren Mord, Gewalt und Totschlag in seinem Metier zwar Tagesgeschäft sind, aber nicht an einem abprallen können. So gibt er zu Protokoll: »Unwillkürlich nimmt man doch ihre Denkweise an«. Das Finale der Folge ist packend und hochspannend ausgefallen und der Zuschauer hört neben der beeindruckenden Musik von Peter Thomas förmlich den Sekundenzeiger ticken. "Die Waggonspringer" konnte mich bei diesem Anlauf jedenfalls mehr überzeugen als beim letzten Mal. Sehr gelungen!


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BeitragVerfasst: 19.06.2014 14:06 
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Zbyněk Brynych ist einer von Dominik Grafs Lieblingsregisseuren. Er liebt dessen Beiträge zu Der Kommissar und Derrick.


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BeitragVerfasst: 19.06.2014 14:54 
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Stanton hat geschrieben:
Zbyněk Brynych ist einer von Dominik Grafs Lieblingsregisseuren. Er liebt dessen Beiträge zu Der Kommissar und Derrick.

Ich bin froh, dass Brynych nicht als Regisseur für die "Waggonspringer" ausgewählt wurde. Theodor Grädlers Inszenierung ist, wie Prisma bereits erwähnte, wirklich sehr gelungen. Herausgekommen ist dabei eine spannende und mitreißende Folge der Kommissar-Serie, die ich mir immer wieder gern mal anschaue.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 19.06.2014 15:31 
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Da kann ich mich nur anschließen. Unter Brynychs Führung kann ich mir die Folge nur insofern vorstellen, als dass der gesamte Waggon hoffnungslos entgleist wäre. Beim "Kommissar" finde ich seine Beiträge - die ja viele als die Hingucker empfinden - mehr oder weniger einfach nur unerträglich. Bei "Derrick" waren einige Regie-Arbeiten von ihm sogar recht annehmbar und vor allem sein Spielfilm "Engel, die ihre Flügel verbrennen" hat mich wider erwarten doch nachhaltig beeindruckt! Aber um zu "Der Kommissar" zurückzukommen: Hier war das Ignorieren von Spannung und Logik zugunsten seiner eigenartigen Auffassung von Progressivität (die unterm Strich nichts anderes als Impulsivität darstellt) fatal und ermüdend.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 22.06.2014 16:12 
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AUF DEM STUNDENPLAN: MORD (Folge 13)

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hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Theodor Grädler




Nach Beendigung seines Unterrichts findet der Berufsschullehrer Dr. Dommel eine seiner Schülerinnen in seinem Arbeitszimmer. Sie wurde ermordet. Einige seiner Schüler, die gemeinsam mir ihm die grausige Entdeckung machten alarmieren die Kriminalpolizei. Sie sind es auch, die den unbeliebten Lehrer sofort verdächtigen, da er offenbar ein Verhältnis mit der jungen Inge hatte. Anschuldigungen und Verdachtsmomente verhärten sich, als auch noch einige seiner Kollegen ihn nicht mehr für Unschuldig an der Mordsache halten. Für Dr. Dommel beginnt ein Psycho-Duell und ein Spießrutenlauf, dem er nicht gewachsen ist. Wird er seine Unschuld beweisen können und ist er Opfer eines Komplotts geworden..?

Folge 13 ist geprägt von einer eigenartig beklemmenden, oftmals sehr kalten Atmosphäre, und sie zählt wegen ihres raffinierten Aufbaus zu den stärkeren Kommissar-Fällen der Frühphase. Die Tote wird gefunden und der Mörder ist in Windeseile ausgemacht. Die Schüler fallen vor allem durch erdrückende Schuldzuweisungen auf, ihre Aussagen wirken wie eine bis ins Detail abgestimmte Choreografie, selbst das Kollegium kippt nach kürzester Zeit um und steht nicht mehr hinter dem nun untragbar gewordenen Lehrer. Die Masse verurteilt und bezieht selbst die Neutralen unter ihnen mit ein, vereinnahmt die Unschlüssigen und nötigt sie zu einer eindeutigen Position. Hier werden die Szenen in der Schule äußerst überzeugend dargestellt. Dr. Dommel betritt den Gang, er wird von vorwurfsvollen und verhassten Blicken fixiert und gedemütigt, es ist plötzlich so still, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Auch die später eintretenden Sprechchöre und die schweren Anschuldigungen Einzelner erwecken ein ziemlich unangenehmes Gefühl, aber ein womöglich eindeutiges Profil. Wie, so fragt man sich, hält dieser Mann das alles aus, und noch interessanter wird die Frage, wie er es erträgt, falls er nicht der Mörder ist? Es ist eine recht schwierige Angelegenheit in diesem vakuumartigen Chaos einen klaren Blick zu wahren, nicht nur für Kommissar Keller. So ist das erstaunlich raffinierte an dieser gut konstruierten Geschichte, dass tatsächlich alle geschilderten Möglichkeiten der Wahrheit entsprechen könnten. Das Herausfiltern von sachlichen Informationen ist allerdings sehr schwer, da das Szenario geprägt ist von unsympathischen Erscheinungen, von Hetztiraden, Schuldzuweisungen und Destruktivität. Ein junges Mädchen, eine Mitschülerin, eine Freundin wurde ermordet, doch die befremdlichen Emotionen aller Beteiligten führen zu Unverständnis. Als man nach einer halben Stunde Laufzeit schließlich zu sehen bekommt, dass eben auch eine Tochter ermordet worden ist, öffnet sich erstmals ein quasi herbeigesehntes Ventil, und es gibt Tränen von der Mutter der Toten.

Thomas Holtzmann als verdächtiger Dr. Dommel ist schon eine Art Prototyp für diese Rolle gewesen. Man weiß nicht, was in ihm vorgehen mag und so richtig kann man auch nicht entschlüsseln, was man eigentlich selbst von ihm denken soll, auch das Verhalten seiner Schüler und die mangelnden Sympathien ihm gegenüber kann man als Zuschauer irgendwie nachvollziehen. Eine sehr intensive Darbietung eines Mannes, der gehemmt wirkt, und voller Komplexe zu sein scheint. Für diese Tatsache scheint seine Schwester, mit der er zusammen lebt, im großen Ausmaß mit verantwortlich zu sein. Gespielt wird sie von Renate Grosser, die offenbar ein Abonnement für die Rolle von eisernen Jungfern hatte. Ihre Überzeugungskraft schlägt mehrmals voll durch, indem sie ihren Bruder charakterisiert und gleichzeitig als Schwächling degradiert. So wird ihre demonstrative Stärke zu seiner Schwäche. Vadim Glowna als Schüler Palacha liefert sich mit Thomas Holtzmann ein packendes und glaubhaftes Duell, das dem Zuschauer allerdings nicht gerade auf Augenhöhe vorkommt und Hans Quest überzeugt als einer der Lehrer, der mit seiner Meinung wie ein Fähnchen im Wind wirkt. Insgesamt hat man es mit hochklassigen darstellerischen Leistungen zu tun. Folge 13 greift im Hinterhalt einen Generationenkonflikt auf, der sich aber nicht aufdringlich in den Vordergrund rückt. Ansichten wie beispielsweise jene, dass die Mädchen ja selbst schuld seien, weil sie die Röcke bis zum Geht-nicht-mehr tragen, wird man noch häufiger in der Reihe finden. Die Inszenierung erfreut mit aussagekräftigen Schauplätzen und die komplette Angelegenheit mit ihrer weniger überraschenden, aber beeindruckenden Auflösung, ist von ihrem Aufbau her wirklich als raffiniert zu bezeichnen, da eine in Gang gekommene Kettenreaktion eine denkwürdige Vollstreckung findet. Vielleicht hätten "Auf dem Stundenplan: Mord" sogar ein paar Rückblenden noch ganz gut zu Gesicht gestanden. Eine der starken Kommissar-Folgen, die den Zuschauer sogar recht nachdenklich zurück lässt.


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BeitragVerfasst: 02.07.2014 20:53 
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DAS UNGEHEUER (Folge 14)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer
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hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Dietrich Haugk




Ein Liebespaar macht eine grauenhafte Entdeckung. In einem Waldstück, das nicht weit entfernt von einer Siedlung liegt, finden sie eine ermordete junge Frau. Der Mord muss eben erst geschehen sein, denn sie sehen einen Mann in die nahe gelegene Wohnsiedlung flüchten. Für die Kriminalpolizei ist klar, dass der Täter dort zu suchen sein muss, und die Verhöre beginnen. Die Ermittlungen erweisen sich jedoch als schwierig, da man von den Leuten nur wenig Brauchbares erfahren kann, hauptsächlich gipfeln die Verhöre in Schuldzuweisungen, Spekulationen und Gerüchten. Einige Indizien verhärten allerdings den Verdacht, dass man in dieser Nachbarschaft auf der richtigen Spur ist...

Folge 14, die ohne jeden Zweifel eine meiner Lieblingsfolgen ist, bekam durch den Titel "Das Ungeheuer" einen, meines Erachtens ungünstigen Titel, da er die Episode nicht gut charakterisiert und weitgehend in die Irre leitet, ja sogar falsche Erwartungen wecken könnte. Da hätte es sicher eingängigere Alternativen gegeben. So erwartet man als Zuschauer, dass man es mit einem Sadisten, einem Wahnsinnigen oder etwa einem Serientäter zu tun bekommt, was sich nach der Auflösung jedoch korrigieren wird. Dietrich Haugk hebt die Arbeit von Kommissar Keller und seinem Team sehr eingängig in den Vordergrund und erschafft eine gelungene Atmosphäre in einer Siedlung, die nach kurzer Zeit einem Vakuum gleicht. Die recht isolierte Handlung steht der Folge sehr gut und die beteiligten Personen werden nach und nach transparent. So rückt der eigentliche Mordfall oftmals in die zweite Reihe und es kommt zu einem Rundumschlag durch die Privatsphären. Spießbürgertum, Heimlichkeiten, Gleichgültigkeit aber auch Zusammenhalt, jedoch sieht man im Zweifelsfall keine Solidarität mehr unter den Nachbarn, da beinahe jeder "Das Ungeheuer" sein könnte. Einige nutzen die Gunst der Stunde und mobilisieren sich für das Austragen von Privatkriegen, manche stehen teilnahmslos neben dem Geschehen und eigentlich jeder hofft, dass es der andere war, beziehungsweise dass es den anderen erwischt, egal ob schuldig oder unschuldig. Kommissar Keller muss sich durch einen Dschungel von Gerüchten, Lügen, Spekulationen und offensichtlichen Unwahrheiten kämpfen, man glaubt zu sehen, dass es ihn Nerven kostet. Die versammelte Besetzung läuft dabei auf Hochtouren.

Dietrich Haugks damalige Ehefrau Signe Seidel ("Parapsycho - Spektrum der Angst"), die er mehrmals besetzte, sehe ich in ihren seltenen Auftritten immer sehr gerne und hier zeigt sie eine der überzeugendsten Studien in diesem Vakuum. Frau Vollmer ist in langweiliger Ehe verheiratet und es scheint, dass ihr diese Ausnahmesituation wie gerufen kommt. Schamlos belastet sie ihren Mann und schürt gerne immer wieder den Verdacht, dass er der Mörder sein könnte. Da sie einen jungen Liebhaber aus der Nachbarschaft hat, dessen Besuche bei ihr die Spatzen bereits von den Dächern pfeifen, hat ihr Mann ausgedient. Seidel spielt die kalte und emotionslose Frau, die eigentlich lieber heute als morgen Witwe wäre, beeindruckend. Nicht weniger überzeugend agiert Paul Edwin Roth als eben dieser Mann, der von der Affäre seiner Frau weiß, jedoch die Situation hinnimmt. Paul Edwin Roths Gabe, sich dem Zuschauer als Verdächtiger anzubieten ist schon bemerkenswert. Die sympathische Hannelore Elsner bringt etwas Ruhe und Aufrichtigkeit in die Szenerie, als man jedoch ihren minderbemittelten Bruder Ernie über die Klinge springen lassen möchte, wird sie vehement. Es ist nichts Neues dass ich diese Taktik, nämlich das Servieren von Oligophrenen auf einem Silbertablett generell nicht mag, da man ihnen aufgrund der Vereinheitlichung nicht gerecht werden kann. Hier muss ich allerdings gestehen, dass wenigstens die Darstellung des jungen Mannes, einen zumindest passablen Realitätstransfer andeutet. Inge Langen sieht man als zurückgezogene Frau, die mit ihrem Sohn zusammen lebt, der an einer nicht näher erläuterten neurologischen Erkrankung leidet, und daher kaum gehen kann. Mit den übrigen Bewohnern haben sie kaum Kontakt, Langen transportiert die Verachtung gegenüber anderen und innere Zweifel hervorragend. Mit den übrigen Darstellern hat man in Folge 14 ein wunderbares Ensemble zusammen bekommen, unter denen es ebenfalls von Verdächtigen wimmelt. Der Mordfall ist herkömmlich, doch das ganze Drumherum macht den Reiz aus. Hoffen, dass es den anderen erwischt, gegenseitiges Hochschaukeln, Verdächtige die sich als Ermittler aufspielen, Neid, Verachtung und Emotionen... Eine trostlose Gegend! Als der Mörder in einer wenig spektakulären Auflösung schließlich überführt wird (und sich der Zuschauer noch über das zweifelhafte Motiv Gedanken macht), sieht man als hoffnungsvolles Finale schließlich doch etwas Solidarität unter Leuten, die eben noch Feinde waren. Die nachdenkliche Atmosphäre und die dichten Charakterzeichnungen machen "Das Ungeheuer" für mich zu einem richtigen Volltreffer.


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BeitragVerfasst: 15.07.2014 09:48 
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DER PAPIERBLUMENMÖRDER (Folge 15)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz, Rosemarie Fendel
Gäste: Christiane Schröder, Herbert Tiede, Gisela Fischer, Hilde Weissner, Thomas Fritsch, Eva Mattes, u.a.
hergestellt durch die Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag des ZDF
Regie: Zbyněk Brynych




Auf einem Autofriedhof wird ein junges Mädchen gefunden. Sie wurde erschossen. Die Tote mit dem Lächeln im Gesicht gibt Kommissar Keller Rätsel auf. Unmittelbar nach der Tat verfolgten Arbeiter den Mörder über das ganze Gelände, der jedoch entkommen konnte. Leider wurden so fast alle wichtigen Spuren verwischt, auch die jungen Leute, die sich dort herumtreiben, behindern die Ermittlungen erheblich. Zunächst führt die Spur in ein Erziehungsheim in dem die Ermordete untergebracht war und schließlich in die einschlägig bekannte die Hippie-Szene...

"Der Papierblumenmörder" ist eine Folge, die den Ersteindruck bei jeder folgenden Sichtung bestätigen kann. Eine mittelmäßige Studie mit inkonsequentem Krimi-Einschlag. Bei den Arbeiten von Zbyněk Brynych kann man sich ja in der Regel auf einiges gefasst machen, doch hier fühlte ich mich sogar vergleichsweise über weite Strecken gut unterhalten. Der Titel klingt zwar sehr vielversprechend, bekommt letzen Endes jedoch einen ziemlich naiven Charakter. Folge 15 beginnt wirklich sehr beeindruckend. Das junge Mädchen bittet ihren Mörder sie zu erschießen, eine Tatsache, die äußerst rätselhaft und verwirrend wirkt, und im kompletten Verlauf im Hinterkopf bleiben wird. Brynych kommt es neben dem Ausschlachten eines bestimmten Milieus vor allem auf die Charakterzeichnungen der Hauptpersonen an, bei denen (zumindest in den meisten Fällen) keine klare Linie zu erkennen ist, so dass sie durch Unberechenbarkeit, und erneut durch unmotiviertes Handeln auffallen. Ob die Studien denn nun gelungen sind, liegt ausschließlich im Auge des Betrachters, weil die üblichen Stilmittel der Überzeichnung und der Hysterie schwierig zu dosieren sind und deswegen unbeabsichtigt an Glaubwürdigkeit einbüßen. In diesem Fall nehme ich allerdings stark an, dass es die volle Absicht der Regie gewesen sein muss. Junge Leute sollen stellvertretend die Lethargie einer kompletten Generation darstellen, die Psychologie als Ganze wird in dieser Episode von Regie und Drehbuch regelrecht vorgeführt und schießt in verzerrter Weise mehrmals über das Ziel hinaus. Gespielt wird also mit Klischees aus der Mottenkiste, die weder gut miteinander verknüpft, noch verständlich aufgeschlüsselt wurden. Eigentlich wurde insgesamt nur wieder mit aller Gewalt ein Hype veranstaltet, hier glücklicherweise weniger aufdringlich im Gegensatz zu dem, was da schon war und noch kommen wird.

Mit der Besetzung sieht man ein Sammelsurium an Darstellern, die sich in perfekter Weise an die Anforderungen der Regie anpassen konnten, leider aber auch einige Darsteller, die regelrecht untergehen, da ihr Potenzial ungenutzt blieb. Das Epizentrum nicht nachzuvollziehender Hysterie und überdrehter Verhaltensweisen stellt Christiane Schröder dar, unlängst Expertin für derartige Interpretationen. Ich muss vorausschicken, dass ich sie immer gerne sehe und das ist auch hier nicht anders. Mit Bonny, einer Freundin der Toten und ebenfalls im Mädchenheim untergebracht, sollte man sich für eine Achterbahnfahrt anschnallen. Christiane Schröder versucht mit allem was in ihrer Kraft steht, eine Person zu formen die polarisiert und provoziert. Rebellisch, oppositionell, überaus launisch in ihren Emotionen, getrieben von Illusionen, aber auch träumerisch und nachdenklich. Warum ist sie so, ist der Grund schlicht Angst, gar Gewissenlosigkeit oder sogar Erfahrung? Das wird leider nicht im Geringsten herausgearbeitet, folglich auch nicht erklärt, und daher ist es verständlich, dass die Leistung von Christiane Schröder in der Regel nachweislich eher kritisch eingestuft wird. Gisela Fischer, hier angeblich Diplom-Psychologin, wirkt schauspielerisch gesehen zunächst einwandfrei. Allerdings fährt ihre Marion in Windeseile alle verfügbaren Geschütze auf, die das unliebsame Klischee hergibt. Ein komplettes berufliches Handwerk wird brüskiert und vorgeführt. Freundin sein? Komplizin werden? Die goldenen Regeln eines Berufes werden hier in fataler Weise ignoriert. Misslungen und sogar ärgerlich, denn es hat offensichtlich keinerlei professionelle Beratung gegeben. Hilde Weissners bemerkenswertes Talent bleibt hier leider ungeachtet, genau wie es bei Thomas Fritsch der Fall ist, der aussieht, als sei er einer Steinzeithöhle entsprungen. Diese hervorragenden Schauspieler waren vielerorts besser zu sehen. Schließlich begeistert Herbert Tiede noch als Herr mit Appetit auf jüngere Damen. Seine besten Momente ergeben sich im Zusammenspiel, ja im Duell mit Christiane Schröder, die ihn mehr und mehr die Contenance verlieren lässt. Insgesamt ist "Der Papierblumenmörder" mysteriös in der Wirkung, obwohl er von allen beteiligten Personen arg konstruiert wirkt, Solidarität und Zusammenhalt wirken wie eine gut einstudierte Choreografie, so dass sich im Endeffekt Verwirrung breitm macht, als offenbar höchstes Ziel der Regie. Die Auflösung ist wirklich zufriedenstellend und die Regie zeigt ein gutes Gespür für Atmosphäre. Das Finale hallt im wahrsten Sinne des Wortes nach, denn die Theatralik wirkt durchaus angemessen. Auch die Musikstücke wirken trotz Endlos-Wiederholung dieses Mal sehr überzeugend. Für eine Kommissar-Folge schreibe ich ihr zwar lediglich hinteres Mittelmaß zu, jedoch als Brynych-Inszenierung finde ich sie unerwarteterweise überdurchschnittlich.


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BeitragVerfasst: 15.07.2014 11:31 
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Interessanterweise eine der bekanntesten Folgen vom Kommissar, bei der ich mich frage, wie sie wohl auf ein eher konservatives TV-Publikum bei der Erstausstrahlung gewirkt haben mag. Die abgefahrene Musik von Peter Thomas (bei der ich beim ersten hören auch nicht gemerkt habe, dass da jemand "Teekanne" schreit) gibt's auf dem "Schwabing Affairs"-Sampler von Diggler.


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BeitragVerfasst: 20.07.2014 03:26 
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Matofski hat geschrieben:
Interessanterweise eine der bekanntesten Folgen vom Kommissar, bei der ich mich frage, wie sie wohl auf ein eher konservatives TV-Publikum bei der Erstausstrahlung gewirkt haben mag.

Der hohe Bekanntheitsgrad bei dieser, und allgemein bei Brynych-Inszenierungen kommt vermutlich durch die unerbittliche Hau-Drauf-Methode der Regie. Egal wie man dazu im Endeffekt steht, es bleibt unweigerlich etwas Nachhaltiges hängen. Wenn ich von mir ausgehe natürlich im negativen Sinne. So wie ich Zbyněk Brynych einschätze, war das wohl sein oberstes Ziel. Egal was unterm Strich fabriziert wurde, hauptsache man erinnert sich irgendwie daran.


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BeitragVerfasst: 20.07.2014 14:53 
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CHRISTIANE SCHRÖDER (*18.01.1942 in Berlin † 17.09.1980 in San Francisco)

Bild Bild



Christiane Schröder im Film [Auswahl]:

♦ Der Biberpelz (1962) [TV]
♦ Ein Sommernachtstraum (1963) [Theater]
♦ Der Tod läuft hinterher (1967) [TV]
♦ Tagebuch eines Frauenmörders (1969) [TV]
♦ Hamlet (1970) [Theater]
♦ Der Kommissar / Der Papierblumenmörder (1970) [TV]
♦ Der Kommissar / Ende eines Humoristen (1972) [TV]
♦ Romeo und Julia (1973) [Theater]
♦ Der zerbrochene Krug (1974) [TV]
♦ Derrick / Mitternachtsbus (1975) [TV]




Christiane Schröder ist die Tochter des bekannten Schauspielers Ernst Schröder und der Theaterschauspielerin Inge Thiesfeld. Schröder wurde am selben Tag geboren, als ein Granatsplitter den Arm ihres Vaters durchschlug. In Berlin geboren, verbrachte sie ihre Kindheit nach der Evakuierung in Mecklenburg und am Wannsee. Ihr früher Entschluss, ebenfalls Schauspielerin zu werden sorgte für eine steile Karriere. Ernst Schröder selbst berichtete dazu in seinen Memoiren "Das Leben - verspielt" [Verlag: Fischer]:»Was für ein Erbe schleppt man mit sich herum, und was für ein Erbe gibt man weiter? Hab ich darum so unverständlich wie blödsinnig geweint, als meine Tochter Christiane mir sagte, sie wolle Schauspielerin werden?« Ihre Ausbildung begann sie in Zürich, nachdem sie Maria Becker vorgesprochen hatte, sie debütierte 1961 in Berlin, weitere Stationen waren Bremen, Hannover, München und die Salzburger Festspiele, und ihr Weg führte sie stets wieder in die Theater-Domäne zurück, wo Christiane Schröder in großen Literaturverfilmungen mitwirkte. Immer wieder war sie auch in TV-Produktionen zu sehen, die ihr einen gewissen Bekanntheitsstatus einbrachten, jedoch wirkte sie nie in einem, für das Kino produzierten Spielfilm mit. Während den Vorbereitungen zu einer Theater-Tournee 1975, zog sie sich plötzlich aus ihrem Beruf zurück und ging in die USA. Schlagzeilen um ihr Privatleben und schwere Depressionen machten die Runde, 1980 beging die erst 38-jährige Schauspielerin schließlich Selbstmord.

Über Christiane Schröder ist im Endeffekt nichts Wesentliches über ihre Person und über ihr Schicksal zu finden. Auch in Ernst Schröders Biografie wird seine Tochter von ihm nur sehr selten erwähnt. Ein Satz ihres Vaters aus dieser kleinen Auswahl an Gedanken bleibt in diesem Zusammenhang besonders in der Erinnerung haften. »Die Verbindung zu Christiane hat immer etwas Schicksalhaftes behalten. [...] Sie nahm einen verblüffend steilen Weg in ihrer schauspielerischen Entwicklung, die sie nach nur zwölf Jahren ebenso verblüffend und entschlossen selber abbrach: die beunruhigte Tochter eines unruhigen Vaters und einer ebenso beunruhigten Mutter.« In allem was ihr Vater niederschrieb glaubt man herausfiltern zu können, dass es ihm offenbar nicht leicht gefallen ist, sie zu thematisieren, und deshalb kam es auch nicht dazu. Dieses Buch erschien 1978, also zwei Jahre vor Christiane Schröders Tod, und die letzten Worte, die man dort über sie finden kann sind folgende: »Christiane, meine Tochter, hatte die Kraft, aufzuhören. Ich hoffe, ich hoffe, sie lebt nun ihr eigenes Leben.« Christiane Schröder litt dem Vernehmen nach an schweren Depressionen mit auto-aggressiven Tendenzen, die wenigen Jahre nach ihrem Rückzug aus dem Beruf werden als ziellos und sehr schwer beschrieben. Monate nach ihrem Suizid reagierten die Klatschspalten mit theatralischen Aufhängern und stellten mit Vorliebe rhetorische Fragen und tätigten hinsichtlich ihres Privatlebens fragwürdige Mutmaßungen über ihr Ableben.

Der Typ Christiane Schröder ist kaum mit wenigen Worten zu beschreiben. In ihren Darbietungen scheint man eine unerklärliche (innere) Unruhe ihrerseits spüren zu können, die gleichzeitig und unausweichlich eine Gegenreaktion beim Zuschauer hervorruft. Sie wirkt teils aufgedreht und hemmungslos unmotiviert in manchem Tun, so dass man schnell eine junge Frau zu Gesicht bekommt, die es dadurch schafft zu polarisieren, man findet sie entweder großartig oder miserabel, dazwischen gibt es kaum Spielräume. Christiane Schröder kreierte eine eigenartige Aura um sich herum, so dass man manchmal glauben möchte, sie spiele stets sich selbst. Ihr Wesen wirkt oppositionell von Kopf bis Fuß, ihr Handeln kennt nur ein Elixier, nämlich überschäumendes Temperament, sie war raffiniert und so überzeugend im Rahmen des Overacting, und konnte ihre Rollen bis weit über die Grenzen des Geforderten formen und dazu noch vereinnahmen. In so manchem Geschehen wirkten ihre Zeichnungen daher etwa isoliert und zu komplex für leichte Kost, in der sie sich ja schließlich meistens, im Rahmen des TV bewegte. Und genau hier sehe ich den Grund für ihre Art zu interpretieren. Christiane Schröder sah sich nicht als Püppchen für triviale Unterhaltung an, sie wollte durch Können überzeugen, was ihr am Theater stets gelungen sein muss, denn ihre Leistungen wurden häufig über die Maßen von Kritik, Zuschauern und Kollegen gelobt.

Das ist auch der Grund dafür, dass sie nie in einer Kino-Produktion ihrer Zeit mitgewirkt hat, wie beispielsweise Komödie, Klamauk oder vielleicht sogar Erotik, wofür sie jedoch (abgesehen von ihren tatsächlichen darstellerischen Fähigkeiten), alleine ihrer Erscheinung wegen, eigentlich prädestiniert gewesen wäre. So steht der Selbstzweck, für den sie das Kino indirekt anprangerte, in keinem gesunden Verhältnis zur eigenen Selbstzweckhaftigkeit, die Christiane Schröder anscheinend als Rechtfertigung für den Verlauf ihrer Karriere benutzte. Christiane Schröder stellt bei denen, die ich gerne sehe und bewundere, keine Ausnahme bei einer kritischen Beurteilung dar. Ihre Karriere und ihr entsetzliches Schicksal kann man nicht schön polieren, man kann höchstens darauf achten, was hinter dieser teils hysterischen und so pulsierenden Person steckt, um ihr zu begegnen, und um ihr zu bescheinigen, dass sie ihre Rollen doch einmalig zeichnen konnte. Daher bleibe ich jetzt dabei, dass ich sie stets gerne gesehen habe und immer wieder gerne sehe, auch wenn ihre Interpretationen manchmal eine hohe Konzentration abverlangen. Dass sie schön war, reichte nicht. Dass sie sich tatsächlich von anderen abheben konnte, reichte auch nicht. Dass sie wählerisch war, ehrt sie zwar, aber der Preis dafür ist eben hoch und lautet in der Regel Vergessenheit. So bleiben nur ihre Rollen zurück, denen sie immer mit voller Hingabe einen extravaganten und nonkonformistischen Touch verleihen konnte.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER KOMMISSAR - Die Serie
BeitragVerfasst: 20.07.2014 15:28 
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Da sind interessanterweise einige Parallelen im Leben und Schaffen von Vater und Tochter zu finden. Ernst Schröder gilt ja als einer der "größten Charakterköpfer des deutschen Theaters", der seine Rollen durch Stimme und sprachliche Gewandtheit auszufüllen vermochte. Auch er hat sich durch einen Sprung aus dem Fenster eines Krankenhauses das Leben genommen, nachdem man bei ihm Krebs diagnostiziert hatte. (Christiane Schröder soll ja von der Golden Gate Bridge gesprungen sein.) Seine reichlichen Auftritte bei Derrick oder dem Alten fanden ja erst nach der Auswanderung seiner Tochter statt, nach der er sich erstmal zurückgezogen und die besagten Memoiren verfasst hatte. Besonders in Derricks "Bordfest" ist er mir in Erinnerung geblieben.


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