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 Betreff des Beitrags: SOUTH OF HELL - Eli Roth u. a.
BeitragVerfasst: 30.12.2017 16:59 
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SOUTH OF HELL (USA 2015, acht Folgen)
ELI ROTH’S SOUTH OF HELL (deutscher Titel für die DVD- / Blu-Ray-Auswertung)
Regie: Eli Roth u. a.
Hauptdarsteller:
Mena Suvari,
Zachary Booth,
Bill Irwin

Es ist wohl ein schlechtes Zeichen, wenn in der heutigen Zeit ein Serienprojekt nicht über eine Staffel hinauskommt, und auch die Bewertungen auf imdb.com zeichnen sich zumeist dadurch aus, dass die Kritiken in ihrem Urteil zwischen katastrophal und mittelmäßig pendeln. Allerdings konnte ich in der Vergangenheit feststellen, dass die von Eli Roth produzierten Sachen mir doch immer recht gut gefallen haben. Besonders auf Roths GREEN HELL trifft dies zu, da der Film eine recht liebevolle Hommage an den italienischen Kannibalen-Film ist, vor allem an CANNIBAL HOLOCAUST, ohne jedoch auch nur annähernd so kontrovers zu sein. Wie sieht es dann also mit SOUTH OF HELL aus, bei dem Roth als Produzent angeführt wird und sich ebenso als Regisseur – neben Ti West und anderen – beteiligt hatte? Nun, wenn man die Kategorie des sogenannten Qualitätsfernsehens als Maßstab nimmt, welches für Originalität im Handlungsverlauf und für eine innovative Charakterentwicklung steht (also: für einen altgedienten Ansatz, der nach meiner Meinung das Phänomen des Filmerlebnisses nur unzureichend widerspiegeln kann), dann fällt SOUTH OF HELL gnadenlos durch. Auch die Produktionsmittel scheinen eher bescheiden gewesen zu sein, was dann ja ebenfalls ein Kennzeichen neuerer TV-Serien wäre.

Ich habe SOUTH OF HELL als achtteiligen „B-Film“ fürs Fernsehen erlebt, als eine „B-Film (oder C-Film)“-Serie, die sich quasi parasitär an erfolgreiche Serien- und natürlich Kinofilmmuster anhängt und diese in einem Inszenierungsstil einkleidet, der unmittelbar an das B-Film-Kino der Vergangenheit erinnert. Bereits in den Credits wird dafür der Standard gesetzt, wenn etwa eine extreme Nahaufnahme mit dem vermeintlichen Antlitz des Teufels hineingeschnitten ist, was direkt eine ähnliche Szene in ROSEMARY’S BABY zitiert. So handelt SOUTH OF HELL von der besessenen Maria Abascal (Mena Suvari), die zusammen mit ihrem Bruder Dämonen jagt, beziehungsweise ebenso Besessene mit ihrem eigenen Dämon einem Exorzismus unterzieht. Wenn sich Maria in ihren Dämon verwandelt, dann wird die dämonische Gesichtsmaske des Mädchens aus THE EXORCIST variiert; gleichwie aber auch die erste Folge von SOUTH OF HELL mit dem besessenen Jungen maskentechnisch auf Filme wie zum Beispiel CHI SEI? anzuspielen scheint. Überhaupt hat man den Eindruck, als sei das schmale Budget genutzt worden, um optische Effekte kreieren zu können, die wegen ihrer primitiven Inszenierung an die frühen 1980-er Jahre gemahnen sollen. Diesbezüglich kann man natürlich sagen: die glühenden Augen der Besessenen in SOUTH OF HELL sind tricktechnisch nicht auf dem aktuellen Stand. Oder man kann darin eine filmische Verbeugung vor solchen Horror-B-Filmen wie THE BOOGEYMAN erkennen, wenn dort die Augen des dämonenbefallenen Charakters Suzanna Loves mit Glasscherben bedeckt sind und diese anschließend intensiv aufleuchten. So oder in dieser Art sehen oftmals die Effekte in SOUTH OF HELL aus.

Überhaupt frage ich mich, ob SOUTH OF HELL im Ansatz nicht die Erfolgsserie SUPERNATURAL parodiert, wo es ebenfalls ein Bruderpaar gibt, das Dämonen und schließlich auch den Teufel jagt. In SOUTH OF HELL gibt es einen Hauptdämon, der in familiärer Verbindung zu Maria und ihrem Bruder steht, wobei der Dämonenkult vor allem mit religiösem (und auch politischem) Wahnsinn gleichgesetzt scheint (und damit bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse in den USA spiegelt). Gut kenntlich ist das in den eingefügten fiktiven Fernsehspots der auf sozialdarwinistischer Philosophie setzenden Erlösungssekte deutlich gemacht. Die Sektenmitglieder erscheinen einerseits als Ultrarechtskonservative – aber andererseits wird die anti-sinnliche Hülle dann zugleich auch abgeworfen und es erscheinen die „klassischen“ Satanspriester in ihren dunklen Mönchsroben, wie man sie unter anderem schon in CITY OF THE DEAD sieht, ein weiterer Film, der wohl seine Spuren in SOUTH OF HELL hinterließ. Hauptaugenmerk ist natürlich der Charakter „Abascal“ – zum Teil menschlich, zum Teil dämonisch. In der von Suvari gespielten Hauptrolle tritt sodann jener Typus hervor, den auch Barbara Steele in ihren italienischen Horrorfilmen, angefangen mit LA MASCHERA DEL DEMONIO, nach eigenen Aussagen immer wieder spielen musste. Und jene menschlich dämonische Dualität und vor allem der Traditionsbezug zum gotischen Horrorfilm Italiens verleugnet SOUTH OF HELL dann natürlich nicht, sondern kehrt ihn zelebrierend hervor, indem beispielsweise in einer Szene der Fernseher läuft und Barbara Steele in einer ihrer dämonischen Rollen zu sehen ist…

Schlussendlich ist SOUTH OF HELL sicherlich nichts für Leute, die das Spektakel eines neuen Serienproduktes erwarten. Diesen Aufwand und den finanziellen Hintergrund bietet Roths Serie nicht. Auch jene, die nur einmal „reinschauen“ möchten, werden sicherlich schnell von den zahlreichen Klischees im Motivischen, von der Set-Ausstattung, von der technischen Umsetzung etc. gelangweilt und enttäuscht sein. Gleichwohl könnte ich mir vorstellen, dass jene Zuschauer, die auch schon die oben genannten Vorbilder (und weitere) mögen, von SOUTH OF HELL nicht abgeneigt sein werden. Mir zumindest hat es Spaß gemacht, das Althergebrachte wieder einmal in „neuer Form“ präsentiert zu bekommen…


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