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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: BALDUIN, DER FERIENSCHRECK - Jean Girault
PostPosted: 03.11.2013 21:50 
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Balduin, der Ferienschreck
Les grandes vacances
Frankreich/Italien 1966
Regie: Jean Girault
Louis de Funès, Ferdy Mayne, Martine Kelly, Olivier de Funès, Claude Gensac, Mario David


Image

Louis de Funès spielt den Internatsdirektor Bosquier. Ausgerechnet sein Sohn Philippe (Francois Leccia) hat eine schlechte Englischnote, also organisiert der Vater einen Schüleraustausch mit der Tochter (Martine Kelly) des schottischen Whiskyherstellers MacFarrell (Ferdy Mayne). Während nun diese Tochter Shirley ganz im Stil der Zeit ein rechter Hallodri ist und mit Bosquiers Lieblingssohn Gérard (Olivier de Funès) Versailles aufmischt, schickt Philippe an seiner Statt seinen Kameraden Michonnet (Maurice Risch) nach Schottland und geht mit seinen Freunden lieber segeln, wo er dann auch prompt Shirley kennenlernt und die beiden sich natürlich ineinander verlieben. Durch eine Unpässlichkeit Michonnets allerdings entdeckt Bosquier den Tausch, und da MacFarrell seine Tochter wiederhaben will, muss Bosquier in einem Wettlauf gegen die Zeit das Segelboot mit Sohn und Tochter wiederfinden.

In den späten 60ern Jahren war Louis de Funès DER französische Filmkomiker schlechthin. Sein Erfolg war größer als der von Bourvil oder Fernandel, da seine spezielle Art Slapstick damals einfach gut in den Stil der Zeit passte. Die Fantomas- und die Gendarm-Serien katapultierten ihn in ganz Europa an die Spitze der Komiker. Nichtsdestrotrotz kann auch ein Multi-Talent wie de Funès auch mal etwas schwächere Filme drehen. Dieser ist einer davon …
Ohne Frage ist „… der Ferienschreck“ komisch, und ohne Frage kann man viel lachen, aber im Vergleich zu dem Vorjahresfilm La grande vadrouille (Die große Sause), oder dem herrlich chaotischen Oscar aus dem selben Jahr, im Vergleich fällt dieser doch etwas ab. Er funkelt und strahlt nicht so, eher wirkt er ein klein wenig bieder und staubig. Als ob de Funès seinem Publikum auch einmal Atempausen gönnen wollte, bevor er wieder zu einer Meisterleistung ansetzt. Das Zielpublikum dürfte hier wahrscheinlich eher im Teenager-Bereich gelegen haben, und es scheint, als ob weder de Funès noch Jean Girault so recht wussten, wie sie dieses Zielpublikum erreichen sollen. 1967 stand auch und gerade Frankreich vor einem politischen und gesellschaftlichen Umbruch, und dieser Film könnte ein Versuch gewesen sein, sich von dem bisher gepflegten, konservativem, Bild der „Grand Nation“ abzuwenden und jünger zu werden, ohne dabei aber genau zu wissen wie das bewerkstelligt werden könnte.

Klar, niemand kann immer spitze sein, und bei de Funès gilt genauso, was Christian Kessler über Sergio Leone gesagt hat: „Insgesamt also ein schwacher […], aber der thront immer noch über der staunenden Masse!“ Und darum darf man sich diesen Film voller Vergnügen anschauen, viel Lachen, sich freuen über die wilde Verfolgungsgjagd von Versailles bis Le Havre, und Spaß haben an den Zusammenstößen zwischen de Funès und Mario David. Nicht zu vergessen die grandiosen Szenen aus dem Beatlokal, in denen Philippe ein Rockstar und der Vater sein Manager und Chauffeur ist. Man darf ein wenig enttäuscht sein, dass die sonst so großartigen Szenen zwischen de Funès und Claude Genac diesmal zu kurz kommen, und dass Ferdy Mayne ebenfalls etwas mehr Raum hätte haben dürfen. Und man darf sich freuen, dass de Funès im nächsten Jahr mit Le petit baigneur (Balduin der Trockenschwimmer) wieder obenauf war. Wie gesagt, niemand kann immer spitze sein, aber wer so weit über dem Durchschnitt ist, bei dem sind sogar die Schwächen großartig.
Und darum auf jeden Fall empfehlenswert!

8/10

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: BALDUIN, DER FERIENSCHRECK - Jean Girault
PostPosted: 27.10.2018 23:08 
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BALDUIN, DER FERIENSCHRECK wirkt oft wie eine Rückbesinnung auf die Anfänge des Hauptdarsteller/Regisseur-Duos de Funes/Girault.
Als hätte sich das Autoren-Duo Girault/Vilfrid eines schönen Tages zusammengesetzt, über die Anfänge mit den Geschichten um Inspektor Cruchot sinniert und wäre dabei auf die Idee gekommen, dass sie doch wieder einmal einen Film nach dem Muster machen könnten.
Mit einer Teenagerromanze im Mittelpunkt, zwei besorgten Vätern und einer Reihe turbulenter Verwicklungen.
Nun ja, gesagt - getan oder: gedacht, geschrieben, gedreht.
Und was ist diesmal dabei herausgekommen: Sogar noch einer der besseren Filme von Girault.
Ich weiß, gerade mit Girault hat de Funes viel (wenn nicht sogar das meiste) gedreht und Girault hat allgemein hauptsächlich im Komödienbereich gearbeitet, aber ich sehe ihn, ehrlich gesagt, nicht als sonderlich begabten Komödienregisseur.
Ab und zu gibt's natürlich Ausreißer (wozu m.E. auch DER FERIENSCHRECK gehört), aber bei den meisten Girault-Filmen hatte ich bisher immer das Gefühl, dass sie nur so gut sind, wie das jeweilige Drehbuch oder zumindest das Sujet.
Dieser Film ist jetzt, wie gesagt, wieder ein kleiner Lichtblick, denn Girault gelingt wieder etwas, was bei ihm selten funktioniert hat:
Eine breit angelegte Geschichte in angemessen hohem Tempo in bewegte Bilder zu fassen und dabei nie aus dem Rhythmus zu kommen.
Überhaupt beweist er hier oft ein Feingefühl, wie ich es bei ihm selten erlebt habe.
Nehmen wir nur die Schlägerei in dem Lokal am Hafen: Das hätte bspw. Molinaro kaum besser machen können (und der hat in seinen beiden Filmen mit de Funes vieles weit besser gemacht, als Girault in seinen meisten Filmen).
Oder auch die Szenen in denen de Funes auf Mario David trifft, die sind hervorragend gemacht; für Girault-Verhältnisse wirklich sehr gut.
Außerdem treiben die Tanzeinlagen und die schmissige Musik das Ganze auch noch ordentlich an, das verbreitet gleich noch mehr gute Laune.
So ist mir das locker 8/10 wert.


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