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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 29.12.2011 10:22 
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Violenza al sole / In den Adern heißes Blut - 29.8.1969 / 29.4.1970

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R - Florestano Vancini
K - Ennio Guarnieri
M - Carlo Rustichelli

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D - Giuliano Gemma , Bibi Andersson , Gunnar Björnstrand , Rosemary Dexter

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In ihrem Urlaub kreuzen sich die Wege eines zurückhaltenden schwedischen Ehepaars
(Björnstrand und Andersson) mit denen zweier Turteltauben (Gemma und Dexter)

Als Gunnar die beiden während der Besichtigung einer Felsenhöhle,in der einst Mönche
lebten,in einem Beichtstuhl ertappt,erklärt er,daß die Couch diesen abgelöst hätte.
Als Psychiater muß er es wohl wissen ...

Kurz darauf erzählt Giulio,daß die Bewohner der Tremiti Inseln von Prostituierten aus
Neapel abstammen,worauf seine Freundin erwiedert,daß es dann ja wirklich
Hurensöhne seien :arrow: :idea:

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Vor malerischer Kulisse entwickelt sich eine Sympathie zwischen dem feurigen
Italiener und der blonden Schwedin,die bemerkenswerterweise während des
ganzen Films ausschließlich schwedisch spricht.
Überhaupt vermittelt der Streifen zu diesem Zeitpunkt schönes Urlaubsfeeling vor
der Küste Apuliens.

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Wären da nicht verschneite Bilder aus Schweden,die man bei Bibi Andersson's
Flasbacks zu sehen bekommt,u.a. den Toten eines möglichen Zugunglücks.

Auch Rosemary Dexter,die ebenfalls verheiratet ist,nur nicht mit ihrer Begleitung,
plagen düstere Ahnungen,was gut rüberkommt,die Handlung kippt in eine bedrohliche
Stimmung,auch die Musik verändert sich.

Und bald kommt man zu dem Schluß,daß der schwedische Psychiater selbst
zur Behandlung muß.

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Der Streifen wird als Krimi,Thriller oder Drama bezeichnet,ich hab keine Ahnung
wo ich den einordnen soll.Jedenfalls hat er mich gut unterhalten,was ich anfangs
nicht dachte,aber da ist schon die ein oder andere Überraschung drin :shock:

Schön gefilmt ist er auch,Klippen als Filmlocations sehen meistens gut aus.
Das Ganze wurde auf den Tremiti Inseln vor der ital. Küste bei Foggia gedreht.

Kamermann Guarnieri lieferte bei ca. 130 Gelegenheiten gute Arbeit ab,u.a. in Vicario's
'Sieben goldene Männer' und war 2011 im Alter von 80 Jahren bei einer TV Produktion
noch mit von der Partie.

Stan Vance hatte ne gute Idee damit,was einem ziemlich spät bewußt wird,
eigentlich erst bei der Auflösung und die kommt mit Wucht daher.

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Hab eine dt. Fassung gesehen,die knapp 87 Min. in Vollbild läuft.


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 Post subject: Re: In den Adern heißes Blut - Florestano Vancini
PostPosted: 29.12.2011 12:22 
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Sehr schön :) Kenne ich noch gar nicht und wusste auch gar nichts von dem Filmchen...
Da hier Gemma mittspielt werde ich mir den wohl oder übel mal besorgen müssen!

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 Post subject: Re: In den Adern heißes Blut - Florestano Vancini
PostPosted: 29.12.2011 16:08 
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reggie wrote:
Sehr schön :) Kenne ich noch gar nicht und wusste auch gar nichts von dem Filmchen...
Da hier Gemma mittspielt werde ich mir den wohl oder übel mal besorgen müssen!

Ging mir genauso,ohne Gemma hätte ich den wahrscheinlich nie gesehen ;)


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 Post subject: Re: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 29.12.2011 19:48 
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Jo, klingt wirklich interessant! Danke für die schöne Vorstellung. :)

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 Post subject: Re: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 30.12.2011 10:50 
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Chet wrote:
Jo, klingt wirklich interessant! Danke für die schöne Vorstellung. :)

Gern geschehn ;)


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 Post subject: Re: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 08.01.2012 14:14 
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Der Stan war so nett ;)
So konnte ich den Film nun auch sehen und ja ich fand ihn sehr gut!
Aber wieder so ein Film den man sich nicht so oft ansehen wird oder kann, da eben nichts passiert!
Es ist ein Urlaubsfilm, sie wohnen in einer Ferienanlage, machen die Typischen Inseltouren mit besichtigung alter Gemeuer mit. Am liebsten betätigen sich Gemma und Dexter in sachen liebe, täglich zweimal dreimal... :lol:
Die Rosmary ist aber auch echt ne hübsche und man(n) schaut gerne zu :)
Wären da nicht die winterlichen einsprängsel, wenn die Schwedin von der vergangenheit träumt, könnte man fast meinen ein Urlaubsvideo zu sehen :lol:
Alles scheint auch normal nichts ist ungewöhnlich, Gemma und Freundin sind so überaus verliebt, das sie es gar nicht wahr haben kann und Gemma sogar einfach mal beisst. "Verliebte können einfach nicht glücklich sein" erwiedert sie, als er sich deswegen aufführt.

Erste düstere Wolken kommen dann auf, als der Schwede eines Abends mit seiner Frau schlafen will und diese ihn hysterisch zurückweist. Da kommen so ahnungen auf, das was faul sein könnte.
Der Film kann einfach nicht so weiter gehen, was für ein Film wäre es dann???? Wobei wenn er einfach so heiter weiter gegangen wäre, hätte mir besser gefallen!
Dann im letzten Drittel schlägt der Film um und mit was für einer wucht! Boah bin ich erschrocken war da nicht darauf gefasst, es ist ruhig und plötzlich in der nächsten Sekunde wird es voll laut und die wellen brechen herrein...
Ein unglück ist geschehen oder war es doch Mord...
Ab diesem Zeitpunkt erfährt man einige dinge die man so nicht geahnt hätte...
Mehr schreibe ich jetzt mal nicht dazu...

7/10 dank der wirklich Wunderschönen Urlaubsbilder und der tollen Darsteller...

Wer gerne wissen möchte auf was es hinausläuft:
Es ist dann so das die Frau des Schweden mal einen Liebhaber hatte, dieser hatte selbstmord begangen und so konnte das Ehepaar wieder zueinander Finden. Die Frau hat es zwar noch nicht so ganz überwunden , naja und ihr Mann hat auch nen knax.
Was dem Zuschauer verborgen blieb haben die Schweden von anfang an herrausgefunden, das Gemma gar nicht mit der Dexter verheiratet ist und diese ihren Mann zuhause hat. Ihn also betrügt.
Das kann der Schwede nicht ertragen und tötet schliesslich den Gemma...

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 Post subject: Re: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 08.01.2012 15:35 
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reggie wrote:
Der Film kann einfach nicht so weiter gehen, was für ein Film wäre es dann????

So ähnlich dachte ich das auch und guckte immer öfter zur Uhr,wie lang das 'Urlaubsvideo' noch läuft ... Aber dann kam ja der große Hammer ;)


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 Post subject: Re: AW: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 23.02.2014 21:50 
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So, endlich auch mal gesehen. Intelligent gemachter Film mit toller Atmosphäre und schönen Bildern, begleitet von Rustichellis schöner melancholischer Musik, die schon recht früh erahnen lässt, dass wir uns in einem Idyll mit Ablaufdatum befinden.

Ich bin mir auch einigermaßen sicher, dass die deutsche Vollbildfassung open matte ist. Auf 16:9 gezoomt sah für mich alles stimmiger aus.

Von mir aus dürfte es mehr solcher entschleunigten Sonnenthriller geben. Gefällt mir richtig gut.

Wäre der vielleicht auch was für unseren Prisma?


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 Post subject: Re: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 24.02.2014 18:40 
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ephedrino wrote:
Wäre der vielleicht auch was für unseren Prisma?

Wenn ich mir das so durchlese...
Klingt schon sehr interessant, und scheint als verhinderter Urlaubsfilm doch einiges herzumachen! :lol:
Werde mal die Augen aufsperren, um ehrlich zu sein, höre ich jetzt zum ersten Mal von dem Film.


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 Post subject: Re: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 14.06.2014 16:11 
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In den Adern heisses Blut (D / AU)
Violenza al sole (IT)
La Partenaire (F)
Blow Hot, Blow Cold (Int.)
The Island (Int.)

IT / SW 1968

R: Florestano Vancini
D: Giuliano Gemma, Bibi Andersson, Rosemary Dexter, Gunnar Björnstrand u.a.

OFDb
Score: Carlo Rustichelli


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"Ich glaube Glück ist eine Illusion die schnell verschwindet; es ist besser sich diesen Gefühlen von Anfang an nicht hinzugeben".


Giulio (Giuliano Gemma) und Laetitia (Rosemary Dexter), ein junges und glücklich verheiratetes Ehepaar, verbringen auf den wunderschönen Trementi-Inseln an der Südspitze Italiens einen 7 tägigen Erholungsurlaub und leben dort ihr gemeinsames Glück in vollsten Zügen aus. Nach kurzer Zeit lernen sie den gleichfalls in der selben Ferienbungalowanlage lebenden schwedischen Psychiater Professor Gunnar Lindmark (Gunnar Björnstrand) und seine fast ausschließlich nur "schwedisch" sprechende Ehefrau Margit Lindmark (Bibi Andersson) kennen und die beiden Paare freunden sich im Rahmen des idyllischen Urlaubaufenthalts so langsam an.


"Ich bin ein Kenner der Psyche!"


Aber schnell machen sich die ersten Unterschiede im Rahmen des Zusammenlebens der jeweiligen Paare bemerkbar: Während Giulio und Laetitia ihr Liebesglück in vollen Zügen ausleben, scheint in der Beziehung der Lindmarks ein tiefgreifendes und schwerwiegendes Problem zu bestehen. Die Beziehung untereinander wirkt abgekühlt und es scheint eine "unergründliche" Unüberwindbarkeit in dieser zu bestehen. Margit macht auch die meiste Zeit einen unglücklichen Eindruck, versucht aber lediglich die Außenstehenden eine "heile Welt" Maske aufzusetzen. Schnell wird dem Zuschauer klar: "Mit dieser Frau bzw. dieser Beziehung stimmt etwas nicht. Diese Ehe verbirgt ein unheimliches Geheimnis".

Als der (aufgrund einer vorausgegangenen Verweigerungshaltung seitens seiner Ehefrau) total gefrustete Professor Lindmark am letzten Tag des Urlaubsaufenthalts zufällig Laetitia und Giulio beim völlig enthemmten Liebesspiel in der Öffentlichkeit (einsame Klippenlandschaft) entdeckt, verliert er angesichts des ausstrahlenden Glücks des jüngeren Paares die Fassung..... und kurze Zeit später kommt es dann zu einem (in dieser Form wohl) unvorhersehbaren und sehr grausamen Ereignis. Dabei stellt sich heraus, dass auch die Ehe von Giulio und Laetitia ein dunkles Geheimnis birgt....

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Regisseur Florestano Vancini hat mit dieser italienisch-schwedischen Co-Produktion ein sehr interessantes und für den damaligen Zeitpunkt recht freizügiges Werk (eine Mischung aus Drama und Thriller) erschaffen. Die Darsteller legen allesamt eine sehr gute Darbietung an den Tag und die dt. Synchro hat Top-Qualitäten (leider konnten zu den Sprechern keine Infos vorgefunden werden).

Zwar wirkt der Film zunächst wie ein unbeschwertes Liebesdrama in wunderschönen Urlaubsgefilden, aber der Zuschauer verspürt ziemlich schnell, dass die Ehe der Lindmarks ein dunkles Geheimnis verbirgt und ein nicht näher erklärbares Bedrohlichkeitspotential dem Film mitschwingt. Dieses wird dann auch ungehemmt und unverhofft mit einer hohen Intensität freigesetzt und dem ahnungslosen Zuschauer entgegengeschmettert. Weiterhin wird den ganzen Filmverlauf durch dieses hintergründig-mitschwingende Bedrohlichkeitsgefühl durch den grandiosen und im Film sehr gut eingesetzten Score von Carlo Rustichelli verstärkt.

Auch räumt Vancini mit den zur damaligen Zeit verbreiteten Moralvorstellungen der Bevölkerung auf, indem er einerseits die grundsätzliche "Glück"sfrage mit ins Spiel bringt und andererseits weist die damaligen Moralaposteln auf mögliche (grausame) Folgen ihres antiquierten und in der Öffentlichkeit proklamierten Denkens.

Fazit: Ein sehr gelungener Film mit sehr guter Besetzung und einer unerwarteten Wendung.

7,5 Pkt. / 10,00 Pkt.


Eine Frage hätte ich aber noch: War es beabsichtigt, dass die kurzen Dialoge zwischen dem Ehepaar Lindmark bewußt nicht untertitelt wurden und lediglich auf schwedisch verlaufen, damit der Zuschauer den Großteil des Films bzgl. der Erklärung des dunkeln Geheimnisses im Dunkeln tappt und somit die unterbewußte Spannung aufrecht gehalten wird, oder fehlten meinem TV Mitschnitt die UT's bzw. machte mein Player mal wieder 'nen Fehler bei der UT-Wiedergabe.... :unknown: :?: ;)



Der vorgelegene TV Mitschnitt hat eine Laufzeit von ca 87 min. Hier ist dann aber noch eine Laufzeit von 92 min. angegeben.


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 Post subject: Re: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 14.03.2015 01:43 
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Giuliano Gemma   Bibi Andersson   Rosemary Dexter   Gunnar Björnstrand   in

IN DEN ADERN HEISSES BLUT

● VIOLENZA AL SOLE / IN DEN ADERN HEISSES BLUT / BLOW HOT, BLOW COLD (I|1968)
mit Amos Davoli, Arturo Pallandino, Elisabetta Bonino, Paola Natale, Moriones Francisco Javier, u. a.
eine Produktion der Produzione Intercontinentale Cinematografica | Ultra Film | im Verleih der Warner Bros.
ein Film von Florestano Vancini


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»Glauben Sie wirklich, dass man auf nichts im Leben verzichten sollte?«


Noch während Giulio (Giuliano Gemma) und Laetitia (Rosemary Dexter) heftig miteinander flirten und ihre Zuneigung füreinander offen zur Schau stellen, läuft das Schiff auf dem sie sich befinden vor den Trementi Inseln in Italien ein. Beide werden von einem schwedischen Paar beobachtet, dem Professor für Psychologie Gunnar Lindmark (Gunnar Björnstrand) und dessen jüngerer Frau Margit (Bibi Andersson). Beide Paare steuern das gleiche Ziel an und steigen im selben Hotel ab, so dass man sich häufiger über den Weg läuft und in Kontakt kommt. Während sich Laetitia und Giulio die meiste Zeit mit Liebesspielen vertreiben, herrscht zwischen dem schwedischen Ehepaar eine Eiseskälte und sie üben sich in Enthaltsamkeit. Verborgene Konflikte treten ans Tageslicht, bis es in der idyllischen Urlaubskulisse plötzlich eskaliert und das Schicksal seinen Lauf nimmt...



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Schon der deutsche Titel "In den Adern heißes Blut" legt einen guten Grundstein für die ambivalente Thematik dieses herrlich fotografierten Films. Wo einerseits tatsächlich heißes Blut in den Adern fließt, sieht man andererseits Personen, denen es längst in den Adern gefroren ist. Trotz der einladenden Sommeratmosphäre sieht man im weiteren Verlauf immer wieder kürzere Einblendungen einer kalten Schneelandschaft, die sowohl befremdliche, als auch charakteristische Züge annehmen wird, um ein Quartett, das aus sehr unterschiedlichen Menschen besteht, zu charakterisieren. Im Umkehrschluss wird dies bedeuten, dass jeder dieser Beteiligten genau das erleben wird, was der Titel beschreibt, aber auch die andere Seite kennenlernen muss. Der Einstieg in Florestano Vancinis Film ist malerisch und vermittelt eine unbekümmerte und leichte Atmosphäre. Urlaub, Ausgelassenheit und Hingabe. Um diesen Eindruck perfekt zu machen, zeigen sich Rosemary Dexter und Giuliano Gemma von ihrer temperamentvollen Seite, außerdem präsentieren sie eine hohe Glaubwürdigkeit innerhalb dieser aufgeladenen Konstellation. Sie sind ein schönes Paar, vor allem ist jeder von ihnen aber attraktiv. Ihr Umfeld beobachtet sie und ihr Treiben, sie kümmert es wenig da sie definitiv andere Dinge im Kopf haben. Diese Natürlichkeit provoziert naturgemäß Neid und Missgunst, kalte Blicke und Gerede, so dass man mit Margit und Gunnar quasi zwei Verstärker für diesen Eindruck finden kann. Das Zusammensein spiegelt zunächst keine falschen Untertöne wieder, doch innerhalb dieser vermeintlichen Idylle beginnt ein Vulkan aus Eifersucht und Hass zu brodeln. So beginnt diese besagte Idylle eigenartigerweise ein beunruhigendes Gefühl zu fabrizieren, was der hauptsächlich ruhige Verlauf nur unterstreichen wird. Es entsteht der Eindruck, dass man es also mit einem Beitrag zu tun hat, in dem nicht gerade viel zu passieren scheint, jedoch kommt eine ungeheure Faszination auf, die sowohl von den interessanten Charakteren, als auch von der hochwertigen Verarbeitung ausgeht.



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"In den Adern heißes Blut" überrascht mit einer vollkommen gegensätzlichen Besetzung. Rosemary Dexter und Giuliano Gemma wissen nicht nur als Paar zu begeistern, sondern auch als interessante Persönlichkeiten. Dem gegenüber steht wiederum das schwedische Paar, das von Bibi Andersson und Günnar Björnstrand gestochen scharfe Konturen bekommt. Gemma und Dexter bringen Feuer und Erotik in den Verlauf und geben dem Titel des Films wortwörtlich einen greifbaren Sinn. Die Kamera interessiert sich dabei für unmittelbare Nähe und Körperbetonung der beiden jungen Verliebten, löst dabei ästhetische Ansprüche auf hohem Niveau. Der herbe Kontrast kommt aus Schweden und gibt dem Titel des Films den übertragenen Sinn. Hier wäre zunächst die außergewöhnliche Bibi Andersson zu nennen, die eine Art Schlüsselrolle inne hat und mit fortschreitendem Verlauf immer mehr zum personifizierten Vorwurf wird. Als hervorragendes Stilmittel erweist sich hierbei, dass sie sich ausschließlich in ihrer Landessprache mitteilt, und man als Zuschauer trotzdem eigentlich ganz genau versteht, worum es geht. Außerdem ist die Sprache ihrer müden Augen international verständlich. Diese Variante charakterisiert die Ehe, in der es sich ohnehin nichts mehr zu sagen gibt sehr gut, außerdem fördert es eine subtile, vor allem aber weitsichtige Spannung. Andersson lässt sich auch von der Hitze der Sonne nicht aufheizen, sie bleibt kühl, distanziert und augenscheinlich abwesend. »Ich bin sehr gerne mit jungen Menschen zusammen. Ich habe immer das Gefühl, sie geben einem etwas von ihrer Vitalität.« Diesen Satz hört man von ihrem Mann an einem ausgelassenen Tanzabend, an dem die Zeit still zu stehen, und die Erinnerung sich nicht durch den Alltag zu winden scheint. Gunnar Björnstrand macht eine sehr gute Figur als beobachtender Ehemann und als Zeitgenosse, der sich selbst die Liebe sachlich zu erklären versucht, und für den gerade die jungen Leute mit ihrer leichtfertigen Art wie ein rotes Tuch wirken müssen. Die Konstellationen machen den Verlauf erst zu dem was er ist und es entsteht dabei ein fasziniertes Hinschauen, aber oftmals auch der Impuls, bedauernd wegschauen zu wollen.



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Florestano Vancinis Film überzeugt fernab des darstellerischen Bereiches mit seinem rundum gelungenen, eigenen Profil. Das Umfeld und die herrliche Bebilderung sorgen zunächst für ein trügerisch-sicheres Gefühl beim Zuschauer, das nur in kurzen Intervallen durch die Zwischenblenden einer Schneelandschaft gestört wird. Ansonsten erfährt man lange einen reibungslosen Verlauf, dem man allerdings zu keiner Zeit so richtig trauen mag, doch dieses unbestimmte Gefühl wird in aller Deutlichkeit wieder durch Urlaubsstimmung, Konversation, knisternder Erotik und vor allem einem unbeschwerten Tanzabend relativiert. Ausgelassenheit, Glück, Zuneigung und Freude dominieren das zufällige Aufeinandertreffen unterschiedlicher Personen so nur für eine überschaubare Zeit, da ihr Schicksal ab einem gewissen Zeitpunkt eins wird. Sehr schöne Momente entstehen beispielsweise bei einigen Unterwasser-Szenen, in denen sich die Sonnenstrahlen im Wasser brechen und auf den braun gebrannten Körpern reflektiert werden, dabei greift die ohnehin sehr passende Musik sehr gut und vermittelt eine geheimnisvolle Note. Einerseits ist die Geschichte recht simpel, aber andererseits kommt es zu einer empfundenen, immer wiederkehrenden, verschachtelten Komplexität, so dass sie letztlich sogar unterschwellig brutale Tendenzen annimmt. Nähe - Distanz, Verwirrung - Ruhe, Unkenntnis - Erkenntnis, Heißblütigkeit - Kaltblütigkeit. Im Großen und Ganzen ist der Regie ein wirklich bemerkenswerter Beitrag gelungen, der mit recht einfachen Mitteln eine hohe Spannung aufbauen kann und klassisch mit Gegensätzen zu spielen weiß. So kommt ein greifbares Roulette der Emotionen zu Stande, das sich aus Gleichgültigkeit, Eifersucht, Neurosen und Hass zusammensetzt, aber ebenso aus Zuneigung, Unbeschwertheit und glücklichen Momenten. "In den Adern heißes Blut" wirkt aufgrund seiner Erzählstruktur, Feinheiten wie beispielsweise der auffälligen Farbgestaltung und seiner Charaktere wegen sehr faszinierend und jongliert mit Gegensätzlichkeiten, die in den richtigen Momenten schockierende Züge annehmen werden. Überzeugend und absolut fesselnd!


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 Post subject: Re: AW: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 14.03.2015 11:35 
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Dann lag ich also mit meiner Einschätzung offenbar nicht ganz falsch. Freut mich, dass er dir auch gefallen hat.


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 Post subject: Re: AW: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 14.03.2015 11:46 
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ephedrino wrote:
Dann lag ich also mit meiner Einschätzung offenbar nicht ganz falsch.

Überhaupt nicht! Weitere Empfehlungen deinerseits werden gerne angenommen! :D

Den Film habe ich mir schon ein paar Mal angeschaut und finde die Geschichte immer wieder faszinierend.
Bei der Erstansicht war ich anfangs zugegebenermaßen etwas irritiert, weil der Verlauf doch genüsslich aufs Glatteis führt.


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 Post subject: Re: IN DEN ADERN HEIßES BLUT - Florestano Vancini
PostPosted: 19.08.2016 21:54 
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Unerwarteterweise für mich ein eher enttäuschender Film.
Vier gute Hauptdarsteller und schöne Bilder der Tremiti-Inseln alleine reichen nicht, um fehlende Spannung, resultierend aus der mehr schlecht als recht erzählten Geschichte, zu kaschieren.
Die Musik von Carlo Rustichelli, zumeist einfach und minimalistisch gehalten, kann da auch nicht viel besser machen.
Das in den ersten ca. 50 Minuten verbreite Urlaubsfeeling ist ja schön und gut, aber was nützt das, wenn es unter den Hauptcharakteren niemanden gibt, der mir als Zuschauer irgendwie wichtig wäre?
Dann gibt's einen kurzen Schockmoment, der allerdings auch keine nachhaltige Wirkung hat, denn danach geht's eigentlich genauso weiter, wie bisher.
Jetzt hätte man die Möglichkeit gehabt, das Ganze in einen richtigen Krimi zu drehen, belässt es aber bei einer Nebenhandlung und dadurch bleibt es weiterhin ziemlich unspannend.
So geht's dann weiter bis zum Schluss, mit vereinzelten guten Szenen zwischendurch.
Das Ende zählt leider nicht zu den guten Szenen, ist vollkommen wirkungslos.
Deshalb bleibt mir nur zu sagen:
86 Minuten dauert der Film: 86 ist er unterhaltsam, aber mehr eigentlich auch nicht.
Nach der Erstsichtung kann ich also nicht mehr geben als höchstens 6,5/10.


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