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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 02.12.2016 19:56 
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Produktionsland/Jahr: Italien, USA 1957
Darsteller: Steve Cochran, Alida Valli, Betsy Blair, Dorian Gray, Lynn Shaw, Gabriella Pallotta, Mirna Girardi
Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Elio Bartolini, Ennio De Concini
Produziert von: Franco Cancellieri
Musik: Giovanni Fusco

Seit 7 Jahren lebt Irma (Alida Valli) mit dem Mechaniker Aldo (Steve Cochran) und ihrer gemeinsamen Tochter zusammen, als plötzlich die Nachricht vom Tod ihres Ehemannes eintrifft, welcher in Sidney arbeitete.

Aldo sieht dies als seine Chance die Affäre mit Irma zu legitimieren und bittet sie ihn zu ehelichen. Doch diese hat schon lange andere Pläne, sagt ab und gesteht ihm die Liebe zu einem anderen Mann. Seine Reaktion, resultierend aus seinem Unvermögen aus der gewohnten dominanten Rolle auszubrechen treibt Irma endgültig von ihm weg und so beschließt er die Stadt samt seiner Tochter zu verlassen.

Auf ihrer ziellosen Reise durch die provinzialen Herbstlandschaften der Poebene trifft Aldo auf viele Frauen, welche sich ihm anbiedern. Doch seine Unfähigkeit zu lieben und echte Gefühle auszudrücken lässt all diese Beziehungen in kurzer Zeit scheitern. Und so zieht er weiter…
(Ofdb)

Michelangelo Antonioni - langsam bekomme ich das Gefühl, dass ich ihn auch zu den überbewerteten Regisseuren zählen muss.
Die Geschichte wäre an sich eigentlich nicht schlecht, erinnert in gewisser Hinsicht sogar an den Neorealismus und auch die Charakterzeichnung ist mit der stark existenzialistischen Prägung nicht uninteressant.
Aber die Umsetzung überzeugt mich gar nicht.
Eigentlich sollte man bei einer tragischen Geschichte ja mitfühlen können, in dem Fall funktioniert das aber überhaupt nicht.
Nicht mitreißend, nicht spannend, gar nichts so richtig.
Dazu kommt, dass die Musik in keiner Weise Wirkung zeigt.
Es sind zwei Melodien: Die Titelmelodie, die am Ende auch noch einmal kurz zu hören ist und eine Klaviermelodie.
Das Problem dabei: Diese Klaviermelodie wird im Verlauf ständig ohne jegliche Variation wiederholt.
Somit ist die Musik nicht nur komplett ineffektiv, sondern wird auch noch schnell langweilig.
Rechnet man jetzt die völlig misslungene Inszenierung und die ebenso schwache monotone Musik zusammen, dürfte es nicht verwunderlich sein, dass der Film mit fortschreitender Laufzeit zäher wird und das Ende auch noch die beabsichtigte Wirkung verfehlt.
Nein, Michelangelo, so geht's nicht!
4/10

Trailer:
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


Wieder einmal lässt ein Trailer einen Film viel besser wirken als er wirklich ist.


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 Post subject: Re: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 02.12.2016 20:22 
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Mir gefiel der Film eigentlich ziemlich gut und ich würde (nach Punkten ) eher noch 4 hinzurechnen.


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 Post subject: Re: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 02.12.2016 21:45 
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Erst Polanski und nun Antonioni... du bist doch nicht zu retten. ;)


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 Post subject: Re: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 03.12.2016 09:47 
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Mit Visconti kann man sich gut anfreunden, aber Antonioni hatte tatsächlich eine gewisse Neigung zu öder Umsetzung.


Last edited by TheInferno7 on 03.12.2016 19:19, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 03.12.2016 16:09 
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TheInferno7 wrote:
Mit Visconti kann man sich gut anfreunden, aber Antonio hatte tatsächlich eine gewisse Neigung zu öder Umsetzung.

Na ja, ich muss zugeben, gar so viel habe ich von Antonioni ja noch nicht gesehen.
Bis jetzt waren zwei kleine Lichtblicke dabei: LIEBE 1962 und DIE ROTE WÜSTE.
Das was dann ab den 70ern kam, interessiert mich, ehrlich gesagt, auch gar nicht wirklich.

Im Bezug auf Visconti gebe ich dir recht, von ihm kenne ich schon mehr und da ist kein Film dabei, der schwächer ist, als 8/10 (mit Ausnahme seiner Episode von HEXEN VON HEUTE).
DER LEOPARD kenne ich allerdings noch nicht (soll ja sein ganz großes Meisterwerk sein), aber da rechne ich auch nicht damit, dass er die 8er-Marke unterschreitet (eher um ein bis zwei Punkte überschreitet).


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 Post subject: Re: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 03.12.2016 17:08 
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Sbirro Di Ferro wrote:
TheInferno7 wrote:
Mit Visconti kann man sich gut anfreunden, aber Antonio hatte tatsächlich eine gewisse Neigung zu öder Umsetzung.

Na ja, ich muss zugeben, gar so viel habe ich von Antonioni ja noch nicht gesehen.
Bis jetzt waren zwei kleine Lichtblicke dabei: LIEBE 1962 und DIE ROTE WÜSTE.
Das was dann ab den 70ern kam, interessiert mich, ehrlich gesagt, auch gar nicht wirklich.

Im Bezug auf Visconti gebe ich dir recht, von ihm kenne ich schon mehr und da ist kein Film dabei, der schwächer ist, als 8/10 (mit Ausnahme seiner Episode von HEXEN VON HEUTE).
DER LEOPARD kenne ich allerdings noch nicht (soll ja sein ganz großes Meisterwerk sein), aber da rechne ich auch nicht damit, dass er die 8er-Marke unterschreitet (eher um ein bis zwei Punkte überschreitet).


Ich denke, beide, Visconti und Antonioni, liebten "die Menschen". Nur hat Antonioni oft eher seinen Pessimismus, in Bezug auf zwischenmenschliche Kommunikation, in den Vordergrund gerückt.

Anbei: Sieh' dir DER LEOPARD an - was du eh' demnächst machst ;) -, der ist der Knaller!


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 Post subject: Re: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 05.12.2016 11:59 
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Sbirro Di Ferro wrote:

Michelangelo Antonioni - langsam bekomme ich das Gefühl, dass ich ihn auch zu den überbewerteten Regisseuren zählen muss.
Die Geschichte wäre an sich eigentlich nicht schlecht, erinnert in gewisser Hinsicht sogar an den Neorealismus und auch die Charakterzeichnung ist mit der stark existenzialistischen Prägung nicht uninteressant.
Aber die Umsetzung überzeugt mich gar nicht.
Eigentlich sollte man bei einer tragischen Geschichte ja mitfühlen können, in dem Fall funktioniert das aber überhaupt nicht.
Nicht mitreißend, nicht spannend, gar nichts so richtig.
Dazu kommt, dass die Musik in keiner Weise Wirkung zeigt.
Es sind zwei Melodien: Die Titelmelodie, die am Ende auch noch einmal kurz zu hören ist und eine Klaviermelodie.
Das Problem dabei: Diese Klaviermelodie wird im Verlauf ständig ohne jegliche Variation wiederholt.
Somit ist die Musik nicht nur komplett ineffektiv, sondern wird auch noch schnell langweilig.
Rechnet man jetzt die völlig misslungene Inszenierung und die ebenso schwache monotone Musik zusammen, dürfte es nicht verwunderlich sein, dass der Film mit fortschreitender Laufzeit zäher wird und das Ende auch noch die beabsichtigte Wirkung verfehlt.
Nein, Michelangelo, so geht's nicht!
4/10


Sbirro, bei dir klingt das so als wäre Antonioni zu ungeschickt oder zu dumm gewesen einen vernünftigen Film hinzubekommen, aber ich denke eher daß Antonioni so ziemlich genau den Film gemacht hat den er machen wollte, also all das was du ihm vorwirfst, gehört für andere zu der Qualität die der Der Schrei ausmacht, und mit der dieser Film auch zu einem bedeutenden und prägenden Film wurde.
Ich bezweifle z.b. daß Antonioni wirklich darauf aus war einen "Film zum mitfühlen" zu machen. Und der Score ist ebenfalls bewußt minimalistisch gehalten, ist wie auch die distanzierende Kameraarbeit Ausdruck einer künstlerischen Vision.

Du formulierst das was dir an dem Film keinen Spaß macht sehr unglücklich.


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 Post subject: Re: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 05.12.2016 16:25 
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Stanton wrote:
Ich bezweifle z.b. daß Antonioni wirklich darauf aus war einen "Film zum mitfühlen" zu machen. Und der Score ist ebenfalls bewußt minimalistisch gehalten, ist wie auch die distanzierende Kameraarbeit Ausdruck einer künstlerischen Vision.

Ändert aber alles nichts daran, dass der Film für mich vollkommen wirkungslos und streckenweise fast schon langweilig ist.
Aber mal schauen was die Zweitsichtung bringt, denn die wird auf jeden Fall erfolgen.


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 Post subject: Re: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 05.12.2016 16:31 
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Sbirro Di Ferro wrote:
Stanton wrote:
Ich bezweifle z.b. daß Antonioni wirklich darauf aus war einen "Film zum mitfühlen" zu machen. Und der Score ist ebenfalls bewußt minimalistisch gehalten, ist wie auch die distanzierende Kameraarbeit Ausdruck einer künstlerischen Vision.

Ändert aber alles nichts daran, dass der Film für mich vollkommen wirkungslos und streckenweise fast schon langweilig ist.


Klar, daß es dir nicht gefällt ist auch vollkommen in Ordnung, aber wie gesagt du formulierst das alles etwas unglücklich.


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 Post subject: Re: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 06.12.2016 19:39 
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Vorbehalte gegen Antonioni (Stichwort: Langeweile) kann ich nachvollziehen. "Die Nacht", "Die rote Wüste", "Blow Up", "Zabriskie Point" - alles schon probiert.
Aber "Der Schrei" ist für mich eine Ausnahme. Ist es die trist, faszinierende Stimmung der Po-Ebene? Ist es die Road-Movie-Weise, die eigentlich nie fad wird? Oder ist es der großartige Steve Cochran, der in Hollywood als Gangsterdarsteller verheizt wurde und hier zeigen kann, was für ein Schauspieler er ist?
Mir gefällt der Film jedenfalls sehr gut.


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 Post subject: Re: DER SCHREI - Michelangelo Antonioni
PostPosted: 06.12.2016 19:59 
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Pacer Burton wrote:
"Die Nacht", "Die rote Wüste", "Blow Up", "Zabriskie Point" - alles schon probiert.

DIE NACHT habe ich nach der Erstsichtung mit 6/10 bewertet (weitere Sichtungen hat es noch nicht gegeben), DIE ROTE WÜSTE ist fast die einzige große positive Überraschung bisher.
Den habe ich schon mehrmals gesehen und der hat seinen 10er von Anfang an gehabt.
Was mir noch sehr gut gefallen hat, war (so nebenbei bemerkt) LIEBE 1962.
BLOW UP würde mich noch interessieren, aber ab den 70ern ist Antonioni für mich vollkommen uninteressant.
Eine Ausnahme wäre vielleicht IDENTIFIKATION EINER FRAU von 1982, aber den gibt's ja noch nicht auf DVD oder BD.


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