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 Betreff des Beitrags: DIE ZWEI GESICHTER EINER FRAU - Dino Risi
BeitragVerfasst: 29.03.2011 22:33 
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OT: Fantasma d'amore (1981)

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Der gut situierte Anwalt Nino Monti (Marcello Mastroianni) trifft eines Tages eine alte Frau, die sich ihm als seine Jugendliebe Anna (Romy Schneider) vorstellt. Von ihrem Äußeren, das stark unter einer Krankheit gelitten hat, ist er zwar abgestoßen, doch die Begegnung und die wieder erwachenden Erinnerungen an längst vergangene Tage gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf und so treibt ihn seine Sehnsucht zu weiteren Recherchen. Umso erstaunter ist er als er von einem befreundeten Arzt erfährt, dass diese Frau angeblich schon vor Jahren gestorben ist. Damit jedoch nicht genug, denn ein weiterer Mordfall erschüttert die Gegend...

Phantastisch angehauchter Liebesfilm der etwas anderen Art. Immer wieder werden Erinnerungen, Sehnsüchte, das Altern und überhaupt die große Liebe thematisiert. Während Tonino Delli Colli mit nebelverhangenen Bildern die Mystery-Komponente der Handlung ansprechend betont. Die beinah schon gialloeske Einlage hätte ich auch nicht unbedingt erwartet und auch wenn man dann ab einem gewissen Zeitpunkt ahnt, in welche Richtung es geht, tut das der Faszination nur wenig Abbruch. Es sind wirklich diese düsteren Geheimnisse, die ständig über den Charakteren zu schweben scheinen, und die bisweilen bizarren Einfälle, die hier für die richtige Würze sorgen, und aus der Geschichte mehr machen, als nur einen weiteren melancholischen Tränendrücker. Mastroianni ist sowieso einer meiner persönlichen Favoriten und die schöne Musik von Riz Ortolani verdient sich ebenfalls ein Lob.

Insgesamt sicher nicht der ganz große Wurf, aber doch ein eigenwilliges Werk, das recht geschickt zwischen verschiedenen Ebenen hin und her springt und es dabei meistens versteht zu fesseln.

DVD von Kinowelt/Arthaus.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE ZWEI GESICHTER EINER FRAU - Dino Risi
BeitragVerfasst: 27.11.2012 20:03 
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Der Geschäftsmann Nino Monti trifft in der S-Bahn seine alte Jugendliebe Anna wieder, diese erkennt er gar nicht als er ihr 100 Lire leihen muss, da sie schon steinalt ist. Aber sie gibt sich ihm später zu erkennen und erzählt ihm das sie schwer Krank war....
Seitdem kann Nino nicht mehr Schlafen und träumt nur noch von seiner unbekümmerten Jugend und wie schön es mit Anna war.
Er muss das Alte Haus besuchen wo einst Anna wohnte, auf dem Rückweg läuft er ihr sogar über den Weg, sie wohnt aber schon lange nimmer hier.
Plötzlich verschwindet sie im Nebel, vor lauter Verwirrung lässt er seinen Regenschirm liegen. Zufällig geschah in der Nähe ein Mord und nun wird sein Regenschirm als mögliches besitztum des Mörders angesehen...
Er erzählt die Geschichte von Anna einigen Schulkollegen mit denen er sich am Wochenende immer zum Essen trifft um über alte zeiten zu schwelgen. Doch einer der Arzt ist behauptet felsenfest Anna seih schon längst gestorben.
Das wars erstmal von der Story, will nicht zuviel verrate...

Der Film ist ein ziemliches Verwirrspiel ....
Zunächst glaubt man an eine alte Liebesgeschichte, die wieder auflebt. Tot Traurig, mir standen oft die Tränen in den Augen. Überlegt euch das mal! Ein Junges Liebespaar, sowas von vergnügt und verliebt in den Rückblenden. Das sich aus unerklärlichen gründen Trennt obwohl es sich immer noch liebt! Sogar jetzt noch, nur ist man nun schon verheiratet mit einem anderen Partner. Warum haben die sich getrennt warum wurden sie nicht gemeinsam glücklich :cry: Beim Auftauchen der ersten Leiche wähnt man sich dann in einem Thriller, in den unser Nino hineinrutscht weil er zufällig am Tatort war und seinen Regenschirm liegen lies.
Zudem ist der Film stets Mysteriös, mal ist seine Jugendliebe steinalt, dann soll sie Tot sein, dann ist sie wieder Jung. Zuviel will ich euch gar nicht verraten, dann geht die ganze Spannung und Athmo flöten.
Krass fand ich ja wie alt die Romy teilweise aussah, da man ja weis das sie leider nicht sehr alt wurde :( Dabei sah dies überhaupt nicht getrickst aus, obwohl es das war.
Teilweise passt einiges nicht so recht zusammen, aber man sieht Marcello und der Romy total gerne zu, das man da gerne drüber hinwegsieht!
Naja der Film ist teilweise sehr unwirklich Mysteriös, klar das man da öfters mit nem Fragezeichen vorm Kopf das steht!
Aber wer sich auf den Film einlässt wird echt belohnt! Ich fand ihn sau stark und eindringlich!
Die Liebe ist eben unvergänglich ;) :cry:
Ich könnte jetzt noch heulen! Ach und die Schönen bilder , wie bei der Bootsfahrt und der passende Score dazu, herrlich!
8,5/10
ps. in einer klitzekleinen Nebenrolle gabs den alten Westernhaudegen "Raf Baldassare" zu sehen ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: DIE ZWEI GESICHTER EINER FRAU - Dino Risi
BeitragVerfasst: 10.09.2013 23:41 
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DIE ZWEI GESICHTER EINER FRAU / FANTASMA D'AMORE (1981)

mit Romy Schneider, Marcello Mastroianni
Eva Maria Meineke, Wolfgang Preiss, Michael Kroecher, Paolo Baroni, u.a.
eine Gemeinschaftsproduktion der Roxy-Film | International Dean Film | Cam Production | BR
ein Film von Dino Risi


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»Der Naive misstraut auch sehr schnell, aber der Schlaue glaubt alles was man ihm sagt«


Eine Begegnung mit der Vergangenheit wird für den erfolgreichen Rechtsanwalt Nino Monti (Marcello Mastroianni) zur Zerreißprobe. Im Bus leiht er einer alten, heruntergekommenen und krank aussehenden Frau 100 Lire für die Fahrt. Ein anschließender Anruf der seltsamen Frau verschafft ihm Klarheit. Es handelt sich um seine große Liebe Anna (Romy Schneider), mit der er vor zwanzig Jahren verlobt war. Die Erinnerung holt den in langweiliger Ehe, und in oberflächlichen Gesellschaftskreisen lebenden Nino unabwendbar ein. Er möchte sich mit Anna treffen. In Rückblenden sieht er sich immer wieder mit seiner großen Liebe in ausgelassenen und glücklichen Situationen. Wie einem inneren Ruf folgend, sucht er die Straße auf, in der Anna einst gelebt hat. Plötzlich taucht sie auf, es ist die gleiche Frau, die er im Bus gesehen hat. Nach dem Wiedersehen überkommt ihn Ekel und er fängt an, an sich zu zweifeln. Am gleichen Abend wird an der Stelle des Zusammentreffens ein brutaler Mord geschehen und wenig später findet Nino 100 Lire auf seinem Schreibtisch. Ein befreundeter Arzt klärt ihn in der Zwischenzeit bei einem Treffen darüber auf, dass seine ehemalige Verlobte bereits vor einigen Jahren verstorben sei, woran kein Zweifel bestehe. Als er sie schließlich doch aufsucht, sieht er zu seiner Verwunderung eine im blühenden Leben stehende Frau, die wunderschön und anmutig wie damals aussieht und ihn leidenschaftlich empfängt. Nino ist sich nun endgültig sicher, dass es sich um Anna handelt und dass es sich bei ihrem angeblichen Tod um einen Irrtum handeln muss, doch wer war die andere Person? Zu einem aufklärenden Gespräch mit dem befreundeten Arzt, der damals ihren Tod feststellte, kommt es jedoch nicht mehr, da dieser auf rätselhafte Weise ums Leben kommt...

Bei "Die zwei Gesichter einer Frau" handelt es sich um eine deutsch-italienisch-französische Co-Produktion (unter Beteiligung der Roxy-Film und des BR), die von dem italienischen Regisseur Dino Risi realisiert wurde. Entstanden ist ein Film, der sich nur schwer und nicht ausschließlich einem bestimmten Genre zuordnen lässt, da er in mehrere Etappen oder Phasen eingeteilt ist. Die jeweiligen Übergänge wirken zu strikt voneinander getrennt und teils nicht genügend miteinander verknüpft zu sein, was sich stellenweise negativ auf den Erzählfluss auswirkt. Überhaupt waren die Dreharbeiten von der schlechten physischen und psychischen Konstitution der Hauptdarstellerin Romy Schneider überschattet, die ihre Figur der Anna nur noch mehr überzeugend aussehen lassen sollte. Am Set ist sie zurückgezogen, meidet Kontakte und leidet unter erheblichen Konzentrationsproblemen. Andererseits kommt es zu Wutausbrüchen und Allüren, die Dreharbeiten müssen immer wieder unterbrochen werden, obwohl der Regisseur sich intensiv um seine Hauptdarstellerin kümmert. Nach zwei Zusammenbrüchen scheint das Schicksal, dass der Film nicht zu Ende gebracht werden wird, besiegelt zu sein. Doch Romy Schneider hält durch und wird zur verblüffenden Lichtgestalt des Films werden. Während der Dreharbeiten lernte sie übrigens ihren letzten Lebensgefährten Laurent Pétin kennen. Das Grundgerüst des Films wird immer wieder durch gewisse Unklarheiten gestört, der Liebesgeschichte folgt ein Kriminalfall, bis man schließlich in eine Art "Parapsycho" abdriftet. "Die zwei Gesichter einer Frau" wurde durchaus ambitioniert abgehandelt und raffiniert aufgebaut, trotzdem reagierte das Publikum eher verhalten auf die Produktion. Die komplizierten Variationen hätten bei konsequenterer Ausarbeitung schon ein absoluter Volltreffer werden können. Diese Kritik kann der Film dennoch gut verkraften, da Romy Schneider das Szenario übermächtig dominiert.

Es scheint, als konnte sich Romy Schneider in jede noch so abstrakte Rolle hineinfühlen, hineinspielen, hineinsteigern. Ihre zu interpretierende Anna ist als Doppelrolle angelegt, und selten setzte man optisch derartige Akzente. Die eine ist vom Leben gezeichnet, ausgebrannt und verkommen, die andere wirkt durch die Ausleuchtung und die Bildgestaltung wie ein Traum, sie ist schön, begehrenswert und elegant. Bemerkenswert ist die hohe Distanz bezüglich beider Figuren, sie ist nicht greifbar, erscheint unnahbar zu sein und eigentlich möchte man ihr auch nicht zu nahe kommen. Merkwürdigerweise fühlt man sich Anna trotzdem sehr zugeneigt, was ausschließlich auf die Aura von Romy Schneider zurückgeführt werden kann. Anna zwingt den Zuschauer in die Unberechenbarkeit, sie schreckt ab und zieht gleichzeitig an, sie fasziniert und beunruhigt, sie ist real und doch ein Phantom. Wieder einmal interpretiert Romy Schneider eine sehr anspruchsvolle Rolle und arbeitet die Gegensätzlichkeit sicher heraus. Ihre legendären Gefühlsausbrüche lassen sozusagen sämtliche Rezeptoren warm laufen, angenehm hierbei ist, dass sie sich wie üblich selbst synchronisierte. Weiß leuchtende und hell schimmernde Rückblenden zeigen Anna ausgelassen, glücklich und unbeschwert, die in dem ansonsten so düsteren, nebligen und schwerfälligen Szenario herausstechen. Eine großartige Leistung in einer teils verwirrenden, wenn auch nicht uninteressanten Handlung.

Marcello Mastroianni spielt einen unglücklich verheirateten Mann, der nur in der Erinnerung und neben Anna aufblühen wird. Er vermittelt im Alltag Resignation und in seinem Wesen Schwäche und Verletzbarkeit. Um dem Zuseher die Geschehnisse näher zu bringen, sieht man ihn meistens sehr nachdenklich und man hört seine Gedanken und Überlegungen im Off-Kommentar. Nino wirkt irritiert, hin und her gerissen zwischen alten und neuen Gefühlen, die zu einem gemeinsamen Punkt zulaufen werden. Wie das Publikum kann er die Geschehnisse nicht deuten. Eva Maria Meineke spielt wie üblich der Anforderung nach verlässlich, und ist Ninos Frau Teresa, eine oberflächliche und bürgerliche Person, die nur noch Diskussionen über das Wetter mit ihm führt. Ihre Erscheinung bildet einen deutlichen Kontrast zu der begehrenswerten Anna, sie scheint prädestiniert für die Rolle der betrogenen Ehefrau zu sein. Insgesamt gibt es keinen einzigen Protagonisten, Misstrauen überlagert beinahe jeden Ansatz von Sympathie oder Verständnis. Zu diesem Zweck wurden auch allerhand weitere zwielichtige Personen in die Handlung integriert, beispielsweise der unheimlich abschreckend und dubios erscheinende Michael Kroecher als Don Gaspare, oder ein sehr in die Jahre gekommener Wolfgang Preiss als Annas Witwer Conte Zighi. Die Leistungen der Schauspieler sind überdurchschnittlich und es scheint wie so oft, dass es an der ausgefeilten Darstellung von Romy Schneider liegt, dass jeder noch ein bisschen mehr Potential aus sich herausnehmen konnte.

"Fantasma d'amore" ist einer der drei letzten Filme vor Romy Schneiders Tod gewesen und stellt alleine auf den Film bezogen sicherlich keinen Meilenstein in ihrer Karriere dar. Dennoch ist es vor dem Hintergrund ihrer damaligen, angeschlagenen Verfassung mehr als erstaunlich, welche Sicherheit sie vermitteln, und welche Überzeugungskraft sie entwickeln konnte. Diese Mischung aus Disziplin, Intuition und Talent wirkt mitreißend und begeisternd. Man stellt sich einmal mehr die Frage, wen man eigentlich gerade zu sehen bekommt. Ist es nun Romy Schneider, oder ist es gerade Anna? Und genau das ist bei ihr irgendwie immer der springende Punkt. Keine andere Schauspielerin verleitet in dieser Form dazu, keinen großen Unterschied mehr zu machen oder zu trennen, was vielleicht überinterpretiert ist, aber scheinbar nahe liegend. Der Film hat trotz einiger erstklassig dargestellter Liebesszenen aus der Vergangenheit eine überaus pessimistische und bedrückende Grundhaltung. Im Verlauf ist weniger die Kombinationsgabe, als die Fantasie und die Achtsamkeit gefragt und es wird schnell deutlich, dass alles Dargestellte keinen normalen Verlauf nehmen kann. Leider wirken einige Charaktere oft deplatziert, was einerseits an ihrer schwachen Integration innerhalb der Handlung, und andererseits am Epizentrum der Verwirrung Anna liegt, um Gegenpole zu kreieren. Aus diesem Verlauf kann sich also keine histoire simple entwickeln, was ja schließlich das Markenzeichen des Films sein sollte.

Was sehr positiv auffällt, sind die hochwertigen Dialoge, die zusätzlich Zweifel und Ratlosigkeit schüren und für den Zuschauer gibt es nahezu keine Möglichkeit, aus dem Grübeln herauszukommen und logische Schlüsse zu ziehen, eindeutig zwischen Realität und Traum, vielleicht sogar Wahn zu unterscheiden. Dennoch hätten hier und da einige greifbare Erklärungen gut getan, um zum Verständnis und zu einem restlos runden Ergebnis beizutragen. Ein großes Highlight hingegen ist die teils melancholische und Spannung erzeugende Musik von Riz Ortolani. Das überraschende Finale des Films enthüllt nicht nur unvorbereitet die Wahrheit, sondern entlarvt den Zuschauer geradezu als Komplizen, von Vorhersehbarkeit kann man keineswegs sprechen. Dass der Regisseur sich mit seinem Beitrag viel vorgenommen hatte wird deutlich, aber auch, dass er die komplexe Mehrfachhandlung nicht in aller Konsequenz verbinden konnte. Über seinen Film sagte Dino Risi: »Dieser Stoff reizte mich besonders, weil parapsychische Phänomene mich beschäftigen, seit ich meine Ausbildung zum Psychiater machte.« Insgesamt leitet "Die zwei Gesichter einer Frau" auf Irrwege (genau wie es schließlich der Titel tut), setzt sich mit Wünschen, Ängsten, Abgründen und Abwegigkeiten auseinander, außerdem baut er keine Distanz zum Zuschauer auf. Romy Schneider und Marcello Mastroianni demonstrieren überdies, wie das alles kompetent auf der Leinwand auszusehen hat. Das eigenartige Konzept und das Verwirrspiel der Regie geht daher mit kleineren Abstrichen voll auf, überraschende Wendungen, skurrile Personen, Unwahrscheinlichkeiten sowie die subtile Anspannung machen einen passablen und sehenswerten Film daraus, aber vor allem Romy Schneiders vertiginöses Schauspiel versetzt in stille Begeisterung.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE ZWEI GESICHTER EINER FRAU - Dino Risi
BeitragVerfasst: 08.10.2013 20:48 
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Prisma hat geschrieben:
... aber vor allem Romy Schneiders vertiginöses Schauspiel versetzt in stille Begeisterung.

Was immer "vertiginös" auch bedeuten mag (hoffentlich nichts unanständiges), mit der Begeisterung gebe ich Dir vollkommen recht. Aufgrund der obigen Kritiken habe ich mir den Film ausgeliehen und bin, ja eben, begeistert ...


Nino (Marcello Mastroianni) trifft im Bus zufällig eine alte Frau (Romy Schneider), der er etwas Geld für einen Fahrschein leiht. Es stellt sich heraus, dass sie seine Jugendliebe Anna ist. Durch dieses Treffen stellt sich bei beiden die alte Liebe und eine ungeheure Sehnsucht nacheinander ein, wobei Nino von Annas Aussehen zuerst sehr abgestoßen ist. Sie treffen sich in Annas altem Viertel an einem Abend, an dem dort ein unheimlicher Mord geschieht.
Kurze Zeit später erfährt Nino, dass Anna seit 3 Jahren tot ist. Vollends schockiert ist er aber, als er erneut mit Anna telefoniert. Als sie sich wieder treffen ist sie so jung und schön wie vor 20 Jahren, und sie genießen ihre gemeinsame Liebe. Bei einer Flussfahrt verschwindet Anna unter mysteriösen Umständen, und wieder wird ein Mord verübt.

Ein Mann, eine Frau, Regen, und die Musik von Francis Lai … Nein, dieses Mal nicht, aber ein Mann, eine Frau, Nebel, und die wunderschöne Musik von Riz Ortolani betören mindestens genauso. Tonino delli Colli fängt unbeschreiblich schöne Bilder des herbstlichen Norditaliens ein, Bilder, die vor Nostalgie und Trauer geradezu vergehen, und in denen diese schwermütige und mysteriöse Geschichte so unglaublich gut aufgehoben ist. Es war dies der vorletzte Film von Romy Schneider, und rückblickend kommt es einem fast so vor, als ob sie ihren Tod herannahen sah, so melancholisch und traurig wirkt sie. Und doch kann der Film auch Freude erzeugen, kann in den Momenten der Liebe auch brennen und funkeln, aber das Hauptmoment ist immer die Trauer. Trauer um Vergangenes, um verpasste Chancen, um ein Leben das ganz anders, wohlmöglich weniger leer, hätte ausfallen können. Wahrscheinlich kann jeder, der seine Jugendliebe irgendwann später einmal wiedergetroffen hat, dieses Gefühl nachvollziehen.

Romy Schneider und Marcello Mastroianni spielen sicher wie immer. Nein, sie spielen nicht, sondern sie SIND Anna Brigatti und Nino Monti. Den beiden zuzuschauen, wie sie ihre Rollen leben, erfüllt in einer Zeit des schnellen und oberflächlichen Actionkinos mit unendlicher Freude. Beide gehen in ihren Charakteren auf, als hätten sie noch nie etwas anderes gespielt. Eine stille Selbstverständlichkeit umgibt die Schauspieler: Na klar, spiel ich, BIN ich Nino Monti, wer denn sonst?
Auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt: Eva Maria Meineke als Ehefrau Ninos, die mehr an gesellschaftlichem Trara und Oberflächlichkeit interessiert ist als an dem Befinden ihres Mannes. Der wunderbare Michael Kroecher als Don Gaspare, ein Mystiker mit dem Erscheinungsbild von Sopor Aeternus. Ungewohnt ist Raf Baldassare als Freund Ninos, aber auch diese kleine Rolle meistert er mit Bravour.

Ein Film, der bei aller Schwermut einfach Freude macht, weil er ein Gefühl zurücklässt das zum Nachdenken und Reflektieren anregt. Der Freude macht aufgrund der wundervollen Schauspieler. Und der Freude macht, weil er in sich einfach stimmig ist. Wer noch Sinn hat für Geschichten die Gefühle erzeugen, und die ohne explodierende Autos auskommen, dafür aber mit richtigen Schauspielern, der sollte sich diese Perle nicht entgehen lassen.

8/10

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE ZWEI GESICHTER EINER FRAU - Dino Risi
BeitragVerfasst: 10.10.2013 23:13 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
"vertiginös"

...bedeutet nichts Unanständiges. :mrgreen:
Ist ja eigentlich ein medizinischer Begriff, und daher hier vielleicht nicht ganz richtig, gefällt mir aber immer wieder besonders gut.
Aber ich muss schon sagen dass ich Romy Schneiders Leistungen im übertragenen, und im positiven Sinne doch fast immer in einer Art und Weise Schwindel erregend finde.
Das wollte ich innerhalb der Kategorie: Paraphrasieren nach Art des Hauses eigentlich nur damit sagen. ;)
Schön, dass der Dir der Film auch gefallen hat und noch schöner liest sich deine Besprechung!
Leider wird "Die zwei Gesichter einer Frau" ja meistens als einer der schwächeren Romy Schneider-Filme eingeschätzt.


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE ZWEI GESICHTER EINER FRAU - Dino Risi
BeitragVerfasst: 11.10.2013 07:32 
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Vielen Dank für die Aufklärung und für das Lob!!

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: DIE ZWEI GESICHTER EINER FRAU - Dino Risi
BeitragVerfasst: 26.09.2016 20:05 
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● ROMY SCHNEIDER als ANNA BRIGATTI ZIGHI in
DIE ZWEI GESICHTER EINER FRAU (I|D|F|1981)



»Hab ich mich so verändert?« Als die verkommen aussehende Frau bei Nino Monti anruft, der ihr im Bus mit 100 Lire ausgeholfen hatte, kommt es zu einer Strecke von Rückblenden, die nur in der persönlichen Erinnerung so traumhaft wirken können. Im Kontrast zu der verwelkten Frau aus dem Bus, sieht man quasi Trugbilder in strahlender Schönheit, die Glücksmomente werden beinahe greifbar, doch der Alltag von Nino sieht anders aus. Gefangen in langweiliger Ehe, glorifiziert er die Lichtgestalt Anna Brigatti und gibt sich der Vergangenheit und der damit verbundenen Erinnerung hin, wo er nur kann. Romy Schneider sieht man in Dino Risis "Die zwei Gesichter einer Frau" in einer ihrer letzten Rollen vor ihrem überraschend frühen Tod, gleichzeitig in der Haupt- und Titelrolle. Es ist hier absolut erstaunlich, wie man Romy Schneider zurecht machte, dabei in gewissen Szenen alles versuchte, ihre durchdringende Ausstrahlung und Aura wegzuretuschieren. Nur in den immer wieder einschießenden Rückblenden leuchtet sie förmlich in der sonst so kühl und geordnet wirkenden Szenerie und sie verleitet erneut zum Staunen und Träumen, um immer wieder aus Nebel und Dunkelheit aufzutauchen, somit für große Verwirrung zu sorgen, außerdem Abscheu zu erzeugen. Geschickt werden in diesem bemerkenswerten Film die Realitätsebenen vor allem durch Romy Schneider aufgeweicht, beziehungsweise nahezu heimtückisch vermischt. Ihre doppelte Funktion als Projektionsfläche für Emotionen aller Art prägt den Verlauf nachhaltig, sodass man schon von einer extensiven Dominanz sprechen muss, die das Elixier der Geschichte darstellt. Die trügerische Vergangenheit holt Nino immer mehr ein, ergreift regelrecht Besitz von ihm, bis er sich schon bald in Tagträumen wiederfindet. Oder entsprechen diese doch der Realität? Als Zuschauer kann man diese Fragen selbst nicht ordnen, zumal plötzlich die Todesnachricht von Anna, alias Contessa Zighi kommt.

Ihr Tod soll allerdings schon Jahre zurückliegen, daher wirkt es umso unbegreiflicher, dass man sie nicht nur in der Vergangenheit gesehen hat, sondern auch in der Gegenwart und das in vollkommen konträrer Ausführung als vitale Frau in den besten Jahren, aber auch als völlig heruntergekommenes Subjekt. Die Geschichte nimmt immer mehr surreale Züge an, doch bemüht sich in intelligenter Weise darum, die Unwahrscheinlichkeit mit plausiblen Erläuterungen auszuhebeln. Es ist überliefert, dass sich Romy Schneider sehr auf diese Rolle gefreut hatte, immerhin reizten sie schwierige Anforderungen und besondere Charaktere. Laut Regisseur Dino Risi soll die Schauspielerin in Anbetracht dieser Anforderung sogar eine Stunde vor Glück gesungen haben, weil sie sie als so schön empfand. Die Synchronisation übernahm Romy Schneider für die deutsche Version, in diesem Fall in Berlin, wie fast immer selbst und es ist als zusätzliches Gütesiegel zu beurteilen, sie mit ihrer eigenen Stimme wahrnehmen zu können. Während der Dreharbeiten zu "Die zwei Gesichter einer Frau" ist der schlechte Allgemeinzustand der Hauptdarstellerin ein Thema hinter vorgehaltener Hand und es scheint tatsächlich so, als transportiere sie diesen Umstand zumindest in die Hälfte ihrer Rolle, nämlich wenn sie als völlig gezeichnete Frau auftreten muss. In so gut wie jeder Szene ist die nahezu uneingeschränkte Wandlungsfähigkeit zu sehen, die der Rolle der Anna nicht nur ihre hohe Glaubhaftigkeit mit auf den schwierigen Weg gibt, sondern auch die Reinkarnation eines schönen Jugendtraumes darstellt. Dieser immer noch viel zu unbekannte Film bringt eine von Romy Schneiders vielleicht interessantesten Rollen zutage und überhaupt eine recht ernstzunehmende, im Rahmen der im Film abgehandelten Imagination. Als Inbegriff puren Lebens, aber auch Ebenbild des Vergänglichen, führt Romy Schneider den Zuschauer durch ein gut durchdachtes Konzept, dessen Verwirrspiel zwischen Traum und Wirklichkeit hauptsächlich durch sie selbst aufgeht.


➥ ROMY SCHNEIDER


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