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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 02.03.2016 21:08 
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Da ihr ja mit Vinegar Syndrome in den USA zusammen arbeitet, wird das bestimmt gut. Ich vertraue euch da. Keiner hätte je gedacht das es zu einem Directors Cut von Blutiger Freitag kommt und jetzt ......

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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 02.03.2016 21:14 
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Trash hat geschrieben:
Da ihr ja mit Vinegar Syndrome in den USA zusammen arbeitet


"Essigsyndrom" ist ja gerade bei diesem Film ein passender Name... :mrgreen:


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 03.03.2016 00:34 
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Subkultur-Entertainment hat geschrieben:

Bilder sagen mehr als tausend Worte:
BildBild


Wow :shock:

Sieht aus wie eine Ladung gammelige Tortenböden von Dr. Oetker :lol:

Aber so wie ich das verstehe, ist zwar die beste Tonquelle im Himmel, aber rein theoretisch könnte doch etwas anderes für den Ton genommen werden. Notfalls halt eine TV Aufnahme, immerhin besser als nichts.


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 03.03.2016 07:55 
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ugo-piazza hat geschrieben:
"Essigsyndrom"


Gehört für mich jetzt schon, zu den schlimmsten Horrorwörtern des Jahres (bzw. auch schon der letzten Jahre) :(


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 24.04.2016 20:12 
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Etwas Zeit ist vergangen, doch heute soll es mal ein Update zu JET GENERATION geben.

Teil 3. DIE BEGUTACHTUNG

Nachdem wir uns im letzten Teil damit verabschiedet haben, die angelieferten Materialien zu sichten und einem Test zu unterziehen, geschah genau dies. Die Arbeiten erstreckten sich über einen längeren Zeitraum, denn das Material war teilweise noch schlimmer beeinträchtigt als es aussah.

Aber zunächst mal erfreuliche Nachrichten: Nach eifriger Recherche ist es uns tatsächlich gelungen, das alte TV Master ausfindig zu machen! Es schlummerte 20 Jahre lang in einem Archiv und ist entgegen unserer initialen Erwartungen nicht unter die Räder (oder in die Müllverbrennung) gekommen. Die nächste Überraschung: Das angelieferte Mastertape wurde auf "Ampex DCT" gespeichert (ein professionelles, digitales Videoband), ein eher wenig verbreitetes Format. Was auch immer den Erfinder geritten hat, er mochte es definitiv groß, größer, am größten.

Zum Größenvergleich eine handelsübliche EDV
BildBild

Eingespielt sah das Master dann so aus:
BildBildBildBild

Wie man unschwer erkennen kann, trotz dem potentiell hochwertigen, digitalen Trägermedium, ist es im Jahre 2016 im Lexikon dennoch nur unter Schrott zu finden. Da bereits bei der Erstellung keine State-Of-The-Art Abtasttechnologie zum Einsatz kam, erinnert das Ganze eher an ein 80ger Jahre Videomaster, was mit unseren Qualitätsansprüchen einfach nicht vereinbar ist.

Lediglich die Sendekopie, auf der dieses TV Master basiert, blieb nach wie vor interessant, denn diese schien allgemein vollständig und machte einen brauchbaren Eindruck. Auf unsere Nachfrage, ob eine Chance bestehe, dass diese Kopie noch exisitiert, hieß es: "Nein, auf keinen Fall, alles Material wurde spätetens nach Zeitraum xy an den Lizenzgeber zurückgesandt oder vernichtet". Wir ließen trotzdem nicht locker und nachdem mehrere Suchtrupps vergeblich in die Tiefen der Archive entlassen wurden, immer noch Fehlanzeige. Quälende Wartezeit, keine Neuigkeiten, doch plötzlich ein Hoffungsschimmer, scheinbar in der letzten Ecke im Keller des Zuliefereres der Sendeanstalt wurde etwas gefunden! Sollte es sich um die Sendekopie handeln? Gut verpackt und unversehrt traf eine Sendung bei LSP ein und tatsächlich: Es war die Sendekopie!

35 mm Sendekopie
Bild

Als mögliche Alternative wurde sie zunächst optisch befundet und für erste Testzwecke vorbereitet. Neben dem 35mm Interpositiv war nun also ein zweite, potentiell brauchbare Quelle verfügbar. Das Hauptaugenmerk lag aber weiterhin auf dem Interpositiv, welches - wir erinnern uns - bei Anlieferung so ausgesehen hat:

BildBildBild

Das Wichtigste war erst einmal, die Rostpartikel vom Material zu entfernen, ohne dabei den Film zu zerkratzen. Des Weiteren musste das Material vom Niveau der "Keller-Feuchtigkeit" auf einen "Film-freundlicheren Grad von Feuchtigkeit" gebracht werden. Um das zu bewerkstelligen, musste sämtliches Material, welches für weitere Bearbeitungszwecke überhaupt in Frage kommen könnte, umgehend von den feuchten Kartons und verrosteten Dosen befreit werden. Für die Umsetzung des Plans möchten wir uns an der Stelle bei unseren Freunden von ARRI bedanken, die uns in der Not ganz unbürokratisch ausrangierte, aber praktisch farbrikneue Filmdosen überlassen haben, welche nun das neue Heim für JET GENERATION bilden.

Der vergammelte Siff gehört der Vergangenheit an und schlummert nun auf der Kippe. Da der Rost die Hälfte im Vorfeld weggefressen hatte, gab's leider auch beim Schrotthändler keinen Cent mehr fürs Altmetall.
Mit akribischer Besessenheit ging LSP ans Werk und verbrachte auch die ein oder andere Nacht mehr damit, in mühevoller Handarbeit den Dreck vom Material zu putzen und sämtliche Rollen neu zu wickeln. Das Ergebnis ist verblüffend, denn optisch liegen ganze Welten zwischen damals und heute.

Beweis gefällig?

BildBild

Die Bilder zeigen die a/b Rollen zu einer 600m Einheit gekoppelt, also ein kompletter Filmakt.

Nach vollendeter Putzarbeit und Neuwicklung samt Lagerung in rostfreien Dosen ging es ans Werk und es geschah das, worauf alle am meisten gewartet haben: Das gesäuberte Material landete im Scanner von LSP Medien und unterlief dort seinen ersten digitalen Test.

Insgesamt lagen neben dem TV Master nun zwei weitere Quellen für den Digitalisierungstest vor:

1) TV Master in Form des DCT (SD/PAL).
2) 35mm Sendekopie (Quelle des TV Masters).
3) 35mm Interpositiv

Um herauszufinden, welche Quelle für eine endgültige Restauration in Frage käme, wurden von beiden 35mm Vorlagen hochwertige 4k Scans erstellt, um einen umfassenden Direktvergleich zu ermöglichen.

Wie das Ganze am Schluss aussieht, könnt ihr in dieser Demo selbst begutachten:

vimeo.com Video From : vimeo.com


UHD Vergleichbilder:
TV-Master/Sendekopie/Sendekopie (kor.)/Interpositiv/Interpositiv (kor.)
BildBildBildBildBild

Fazit:
Das TV Master ist und bleibt Schrott und kann für eine weitere Verwendung nicht genutzt werden. Es dient ausschließlich Referenzzwecken. Die Sendekopie ist nach 20 Jahren deutlich rotstichig geworden und muss aufwendig farbkorrigiert werden, um wenigstens den Urzustand weitestgehend wiederherzustellen. Jedoch ist sie auch in einem korrigierten Zustand alles andere als optimal bzgl. ihrer fotochemischen Qualität (Schärfe, Farben, Kontrast) und wir konzentrieren uns deshalb weiterhin auf das Interpositiv, um den Film JET GENERATION komplett zu restaurieren. Jedoch zeigt der Vergleich deutlich, dass die Feuchtigkeit ihre Spuren hinterlassen hat. Teile des Materials sind mit einem Schimmelfilm überzogen, der das Material stark angegriffen hat. Dazu gibt es Instabilitäten in der Emulsion, die ein großflächiges Farbflackern verursachen, welches sich durch den gesamten Film zieht.

Hier noch einige Eindrücke in Form von 4k/UHD Screenshots (IP/Vorkorrektur):
BildBildBildBildBild

Alles in allem gibt es abschließend gute und schlechte Nachrichten. Die gute Nachricht ist: JET GENERATION hat eine Zukunft und kann gemessen an den nun vorliegenden Materialien restauriert werden. Die schlechte Nachricht ist: Aufgrund des allgemein schlechten Zustands wird er jedoch nie wieder so prächtig aussehen wie einst bei seiner Premiere.

Im nächsten Teil zeigen wir euch dann die Fortschritte der Restauration und was alles aus dem Interpositiv herausgeholt werden kann.

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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 24.04.2016 21:31 
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Vielen DAnk für den Einblick. Sehr, sehr interessant!


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 24.04.2016 22:36 
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Subkultur-Entertainment hat geschrieben:
Die gute Nachricht ist: JET GENERATION hat eine Zukunft und kann gemessen an den nun vorliegenden Materialien restauriert werden. Die schlechte Nachricht ist: Aufgrund des allgemein schlechten Zustands wird er jedoch nie wieder so prächtig aussehen wie einst bei seiner Premiere.



Das klingt doch gut und in Anbetracht dessen, was hier schon zum Materialzustand geschrieben wurde, solltet ihr euch keine Sorgen
wegen der späteren Qualität machen. Wenn der überhaupt ansehbar ist, bin ich happy und wo Wasser fließt, glitzert irgendwann auch der Schimmel.


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 24.04.2016 22:57 
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Auch ich bedanke mich wieder herzlich für solch hochinterssante Einblicke in Film-Archälogie.

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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 24.04.2016 23:29 
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Da braucht man als Mitarbeiter sicher starke Nerven. Alle 3 Varianten sehen ja zumindest anfangs nicht wirklich gut aus, so dass man schnell verzweifeln könnte.
Ich finde es schon sehr interessant, welche Bearbeitungsschritte da gemacht werden (müssen).
Dass es sehr schwierig ist einen Rotstich wegzubekommen, hätte ich allerdings nicht gedacht.


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 24.04.2016 23:36 
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Nice very nice.... wie gerne wäre ich da dabei beim restaurieren ..... Hätte ich doch was gescheites gelernt !!!!! Für mich ist das die ware Magie solche Filmschätze für die Nachwelt zu erhalten. Und genau das haben diese alten deutschen B und C Filme verdient. Des ist eine Freude zu sehen wie hier das verächtliche deutsche Kulturgut behandelt und gepflegt wird, das die sogenannten 68er Generation die in den Gremien der Kommunalen Kinos sitzt oder bei der Kulturförderung und es so haßt, eines besseren belehrt wird. Und hier echte Pionierarbeit geleistet wird. Ich hoffe das endlich einige der alten Fürze aufwachen und mal Kohle rausgerückt wird für solche Projekte.... und nicht noch mehr Perlen teutonischen psychotronischen Schaffens dem Tod geweiht sind.

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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 24.04.2016 23:59 
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Trash hat geschrieben:
Des ist eine Freude zu sehen wie hier das verächtliche deutsche Kulturgut behandelt und gepflegt wird, das die sogenannten 68er Generation die in den Gremien der Kommunalen Kinos sitzt oder bei der Kulturförderung und es so haßt, eines besseren belehrt wird.
An diesem Zustand hier sind mit Sicherheit nicht die bösen "68er" schuld. Aber es ist wahrscheinlich recht einfach, wenn man die bis zum Erbrechen zigfach durchgekauten Klischees mal wieder aufwärmt – damit hat der Alltag Struktur. Dabei gibt es leider genügend alte Filmproduktionen aus verschiedensten Genres, die einfach aufgrund unsachgemäßer Lagerung mittlerweile so aussehen, wie sie aussehen.

Erfolgreichere Produktionen wie die Winnetou-, Wallace-, Simmel- oder Schulmädchenreport-Filme sind in der Zwischenzeit immer wieder im Fernsehen, auf Videokassette und auf DVD ausgewertet worden. Da hat ein Produzent bzw. Rechteinhaber naturgemäß mehr Interesse, das Material zumindest in einem technisch brauchbaren Zustand zu halten, weil er die Filme ansonsten nicht mehr an TV-Sender oder andere Abnehmer verkaufen kann.

Dass im vorliegenden Fall, der im Übrigen höchst spannend mitzuverfolgen ist, die Sachlage anders aussieht, kann man doch nicht den Autorenfilmern und ihren Anhängern in die Schuhe schieben (diese Leute meintest du doch, oder?). Es gibt auch dort sehr interessante Filme, die man nicht auf VHS findet, wie auch nicht im TV-Programm und auf DVD schon gar nicht. Die sind ebenfalls vom Verschwinden bedroht, deshalb mag ich dieses gegeneinander Ausspielen zusehends weniger.

Bestimmte Filme haben leider einfach Pech gehabt: In ihrer Entstehungszeit fielen sie durchs Raster, Konkurrenz gab's ja auch damals genug. Jahrzehnte später sind eventuell auch noch Rechtefragen und Zuständigkeiten unklar. Da kann man nur hoffen, dass Liebhaberprojekte sich um den Erhalt dessen bemühen, was noch zu retten ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 25.04.2016 00:34 
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Ich spreche hier aus Erfahrung Jahrelang hab ich gegen den Vorstand meiner Heimatstadt gekämpft um mein Grindhouse Filmprogramm durchzusetzen. Ich wurde als nicht Akademiker verlacht als ich vor 6 Jahren vorraus sagte was heute in der Kommunalen deutschen Kinolandschaft vorgeht. Festvials mit deutschen B und C Filmen- Trash - Italo Filme. Ich durfte nur Aufgrund meines enormen Wissens über Genre Filme, und da ich Szenenweise Taratino Filme zerlegen kann und die Quellen seines Schaffens kenne geduldet.
Leider wurde ich auch genau darauf reduziert und mir nicht zugetraut Bunuel, Fellini, Antonioni oder Murnau gesehen zu haben geschweige den ein Urteil darüber zu fällen.

Genau diese Leute waren es die mich verlacht haben als ich sagte das die Reeperbahn Filme - Schulmädchen Report- Hofbauer, Ditrich, Klick, Lemke... Filme auch deutsches Kulturgut sind und genauso Retrospektiven verdient hätten wie Antonioni oder Fellini.

Das sind die 68er die ich meine tomasmilian .... die Leute die diese Filme als Schund sehen, die Leute die schon in den 70er und 80er Jahren die Kinokulturlandschaft in Deutschland mit gestaltet haben...... und für die leider nur die ganz Großen wie Kubrick, Kurosawa, Hitchcock, Filmverlag der Autoren, oder die Holocaustbewältigung im Film ein Kulturauftrag darstellt.

Diese Leute entscheiden leider nach wie vor wo Geld hinfließt. Oder meinst du Subkultur bekommt irgendeine Förderung für die Arbeit die hier geleistet wird. Was meiner Meinung nach absolut verdient wäre.

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Zuletzt geändert von Trash am 25.04.2016 15:23, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 25.04.2016 01:06 
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Na schön, dann hast du aus einer bestimmten Gruppe einige Unsympathen kennengelernt. So what? Das kann bei einem Horrorfilmfestival oder auf einer Filmbörse auch passieren. Da trifft man doch auch Leute, die zwar (wie man selbst) Genrefans sind, mit denen man aber nicht unbedingt in einen Topf geworfen werden möchte, weil das Auftreten grenzwertig und der Horizont eher begrenzt ist. Nur schließe ich eben nicht von einigen auf alle.

Wie schon erwähnt: Deutsche Krimis und Sexploitation sind bis in die Gegenwart präsent. Die Wallace-Filme konnte man regelmäßig im TV sehen, auch auf DVD sind sie erschienen. "Schulmädchenreporte" liefen ebenfalls munter bei RTL und Sat.1 im Programm. Und auf DVD sind zum Beispiel in der Reihe "Erotic Classics" auch etliche Titel erschienen:

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

Alles reine Genrefilmkost, die mit dem Klischee des "Kunstfilms" nichts zu tun hat, aber PRÄSENT ist. Man kann sie auf DVD und teilweise sogar Blu-ray erwerben. Wenn heute Filme wie "Graf Porno bläst zum Zapfenstreich" für aktuell 8 Euro bei Amazon bestellbar sind, ist die Mär vom immer noch allgegenwärtigen Mehltau der Autorenfilmer und ihrer Anhänger, die unser Land angeblich cineastisch in Lähmung versetzt haben, mehr als überzogen.

Ein Film wie JET GENERATION hat, so bitter das ist, wohl einfach nur Pech gehabt. Aber er kann ja noch gerettet werden und wenn das Resultat nur so aussehen sollte wie eine gute TV-Ausstrahlung, dann nehme ich das auch in Kauf. Besser als gar nichts, denn das hieße, dass der Film verloren wäre. Es sieht auf jeden Fall sehr gut aus!


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 25.04.2016 16:39 
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Danke SUBKULTUR, das hier ist wirklich eine großartige Idee.
Jetzt noch eine Frage: Könnte man diesen interessanten Bericht nicht mal als kleines BOOKLET einer oder
mehrerer Verpackungen beilegen ?
Würde mich freuen alles in Ruhe auf dem Sofa bei einem Espresso nochmals zu verkosten,
oder auch Bekannten zu zeigen was da alles für Arbeit und Mühe in so einer Veröffentlichung steckt.


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 25.04.2016 18:15 
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Vincent cushing hat geschrieben:
Danke SUBKULTUR, das hier ist wirklich eine großartige Idee.
Jetzt noch eine Frage: Könnte man diesen interessanten Bericht nicht mal als kleines BOOKLET einer oder
mehrerer Verpackungen beilegen ?
Würde mich freuen alles in Ruhe auf dem Sofa bei einem Espresso nochmals zu verkosten,
oder auch Bekannten zu zeigen was da alles für Arbeit und Mühe in so einer Veröffentlichung steckt.

Mach Copy&Paste, geh zum nächsten Copy-Shop und lass es dir auf Hochglanzpapier ausdrucken. :mrgreen: ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 25.04.2016 18:17 
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Vincent cushing hat geschrieben:
Könnte man diesen interessanten Bericht nicht mal als kleines BOOKLET einer oder
mehrerer Verpackungen beilegen ?
Würde mich freuen alles in Ruhe auf dem Sofa bei einem Espresso nochmals zu verkosten,
oder auch Bekannten zu zeigen was da alles für Arbeit und Mühe in so einer Veröffentlichung steckt.
Guter Vorschlag. Wobei man das Ganze auch über eine Bildergalerie mit Erläuterungen machen könnte, falls ein gedrucktes Extra-Booklet zu kostspielig sein sollte. Dann hätte man zumindest inklusive des bereits geposteten Bildvergleichs einen gut nachvollziehbaren Eindruck, wieviel Arbeit mit einem solchen Projekt verbunden ist. Es liest ja nicht jeder Käufer hier mit und wenn mal wieder Preisdiskussionen aufkommen, kann man über eine solche Kurzdokumentation zumindest erahnen, welcher Umfang an reinen Arbeitsstunden hier geleistet werden muss – von anderen Kosten ganz zu schweigen.


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 25.04.2016 18:55 
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Die ganze Thematik würde sich aber auch bestens für einen ausgedehnten Themenabend bei ARTE eignen. :ugeek:

Wäre doch toll, wenn sich ein medialer Kultursender endlich mal dieser Thematik annehmen und im Rahmen einer ausführlichen Dokumentation (bzw. Reihe) mit all ihren Facetten (die Filme und ihr heutiges Schicksal, die weiterhin schwindende Materiallage, Lizensgeschäft, Vetriebsstruktur, die Labels und ihre unbezahlbare Verdienste zur Erhalt aussterbender Filmkunst, die Fans und Liebhaber...) ausleuchten würde :pray: (Bin wohl gerade mal wieder am Träumen) ;)


Vielen Dank SK, für diese sehr informative Berichterstattung. :dh:


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 26.04.2016 21:48 
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Arte hat 2010 im Vorprogramm zur Sendung der restaurierten Fassung von "Metropolis" eine Dokumentation gezeigt, die sich mit eben jener Restauration befasste. Ich habe damals eine Reihe von 9 Clips (~etwa 1 Stunde Laufzeit) zu diesem Metropolis-Special aus der Mediathek gefischt, aber nach kurzer Durchsicht, ist genau diese Doku wohl leider nicht dabei, bzw. nur kurze Ausschnitte daraus (oder meine Erinnerung trügt mich und das Segment war auch im TV so kurz). :cry:

Ein sehr, sehr interessantes Thema, welches leider wirklich zu selten ausführlicher behandelt wird. Darüber eine Doku in Spielfilmlänge (oder gleich zehnteilig in schicker Sammelbox :D)... Dafür würde ich Subkultur durchaus nochmal per Crowdfunding unterstützen ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 27.04.2016 22:39 
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Auch von mir ein herzliches Dankeschön für den weiteren sehr interessanten Einblick! Bin schon sehr gespannt wie es weitergeht.
Eure ganze Arbiet (bei allen Filmen) und allgemein euer Engagement schreit förmlich noch einer Doku zu dem gesamten Themankomplex :)


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 29.04.2016 00:30 
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@Subkultur: Was mich noch bezüglich der MAZ interessieren würde: Gibt es denn heute überhaupt noch Hersteller welche Abspielgeräte für die Ampex DCT Bänder herstellen? Ich meine wenn die vorhanden Geräte mal defekt sind dann sind diese MAZ-Bänder ja gar nicht mehr zu gebrauchen da die Abspielgeräte fehlen. Oder werden für den Professionellen Bereich immer noch Abspielgeräte für fast alle jemals verwendeten Aufzeichungstechniken hergestellt?
Und wo kann man heutzutage so eine MAZ abspielen? Hat LSP da die Geräte, oder gibt es nur noch ganz wenige Labore in denen das machbar ist?
Da hat man bei Filmen auf Zelluloid natürlich einen großen Vorteil. Da gibt es das Abspielproblem nicht. Aber von vielen Filmen existieren ja oft nur noch alte MAZ Bänder, und das Filmmaterial wurde vernichtet. Ist ja immer mal wieder zu lesen in Foren. Und sollte es da keine Abspielgeräte mehr geben wären die Filme für immer verloren.


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 29.04.2016 18:56 
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Gliese581c hat geschrieben:
@Subkultur: Was mich noch bezüglich der MAZ interessieren würde: Gibt es denn heute überhaupt noch Hersteller welche Abspielgeräte für die Ampex DCT Bänder herstellen? Ich meine wenn die vorhanden Geräte mal defekt sind dann sind diese MAZ-Bänder ja gar nicht mehr zu gebrauchen da die Abspielgeräte fehlen. Oder werden für den Professionellen Bereich immer noch Abspielgeräte für fast alle jemals verwendeten Aufzeichungstechniken hergestellt?


Zugegeben: Ob es dafür noch richtige Hersteller gibt, die auch heute noch produzieren, wissen wir nicht.
Es dürfte aber sehr unwahrscheinlich sein, da diese Formate schon lange überholt sind und heute keine Verwendung mehr finden.
Vieles wurde längst digitalisiert und die MAZ-Bänder entsorgt. Der Inhalt ist sozusagen noch vorhanden, nur halt heute auf einem anderen Speichermedium. Die TV Sender rangieren ja regelmäßig aus und erneuern ihre Technik und im HD Zeitalter werden sie ihre geliebten Quoten wohl
kaum erhöhen können, wenn derartige Technik zum Einsatz käme. In Einzelfällen mag das so sein, aber da fällt mir jetzt auch kein Beispiel ein.

Auch wissen wir nicht, in welcher Form Ampex DCT verbreitet war, da wir nur ganz wenig Kenntnis über den technischen Ablauf (damals wie heute) einer Sendeanstalt haben. Das kann ein gängiges Format gewesen sein, oder aber ein spezielles Format. Wir selbst haben dieses Format auch das erste Mal gesehen, da es bisher um die Leihgabe von Betacam und/oder Digibeta ging, wenn wir mal mit einem Sender zu tun hatten.

Zitat:
Und wo kann man heutzutage so eine MAZ abspielen? Hat LSP da die Geräte, oder gibt es nur noch ganz wenige Labore in denen das machbar ist?


Kommt ja ganz drauf an, um was es sich handelt. Eine MAZ ist nicht zwingend das oben gezeigte Ampex DCT, sondern kann auch ein 1 Zoll Band sein,
was ebenfalls von Ampex (zusammen mit Sony) in den 70ern entwickelt wurde. Dieses Format ist wesentlich weiter verbreitet, da es vor allem in der Videobranche flächendeckend zum Einsatz kam.

Siehe hier, das originale 1 Zoll Band von BRUT DES BÖSEN = die Vorlage der damaligen Videokassette:

Bild
(Stilecht mit 80er Jahre Staubschicht angeliefert)

LSP hat einen gewaltigen Fuhrpark an alten und neuen Geräten, um flexibel auf verschiedene Formate reagieren zu können.
Neu kaufen geht da aber nicht, sondern man muss nach gebrauchten Geräten suchen, die aus Nachlässen ehemaliger Anbieter oder eben TV-Sendern
kommen, was auch nicht unbedingt der schwierigste Teil ist, da die meisten froh sind, das alte Zeug abgeben zu können.

Zitat:
Da hat man bei Filmen auf Zelluloid natürlich einen großen Vorteil. Da gibt es das Abspielproblem nicht.


Die Aussage ist zu pauschal, denn auch bei Zelluloid gibt es genug Probleme, die es bei MAZ Bändern in der Form nicht gibt.
Eigentlich gibt es da viel mehr Probleme, angefangen bei harmlosen Dingen wie Platzmangel und Gewicht, bis hin zu gravierenden Problemen
wie eine völlig kaputte Perforation oder gar komplett fehlende Akte. Das beste Zelluloid nützt gar nichts, wenn es unvollständig ist und Tonnen
an Material nützen auch nichts, wenn es kaputt ist -> siehe JET GENERATION.
Bei einer MAZ ist die Handhabung sehr komfortabel und man weiß im Vorfeld schon ungefähr, was einen erwartet.
Natürlich ist die Bildqualität einer MAZ eigentlich kaum der Rede wert, aber zumindest kann man dort eine recht vernünftige Tonspur ergattern,
falls es keine Alternative gibt und man nicht unbedingt eine VHS nutzen will.
Die Alternativen wären dann wieder Tonnegative, die ihre ganz speziellen Eigenschaften haben. Generell sind Tonnegative zwar schön, wenn man sie hat,
aber unterm Strich auch eher suboptimal, da sie nicht unbedingt toll klingen. Idealerweise existiert ein Magnetton, die beste Ausgangsquelle, die man für
einen Ton bekommen kann, doch auch der Magnetton ist sehr speziell, da er ich verschiedenen Formaten vorliegen kann, die wiederum auch nicht überall
ausgespielt werden können.
Von daher hat alles definitiv Vor- und Nachteile und jedes Projekt muss individuell je nach existierendem Material geplant werden.

Zitat:
Aber von vielen Filmen existieren ja oft nur noch alte MAZ Bänder, und das Filmmaterial wurde vernichtet. Ist ja immer mal wieder zu lesen in Foren. Und sollte es da keine Abspielgeräte mehr geben wären die Filme für immer verloren.


In Foren kann man viel lesen, einiges entspricht der Wahrheit, anderes ist Blödsinn. Zur Kategorie "Blödsinn" würde ich auch die Behauptung zählen,
dass es zu vielen Filmen nur MAZ-Bänder gibt und Filmmaterial vernichtet wurde. Auf einige Filme trifft das sicherlich vollkommen zu,
aber das sind dann vorrangig richtige TV-Produktionen, die abgesehen von ihrer Ausstrahlung im Fernsehen leider keine weitere Verwendung eingeplant bekommen haben. Für Filme, die es z.B. auch (oder nur) ins Kino geschafft haben, existieren noch heute ausreichend Quellmaterialien, die eben nicht vernichtet wurden. Wir erleben es im Fall der EDV extrem oft, dass gerade bei älteren Filmen, die bisher stiefmütterlich oder einfach nur schlampig erschienen sind, unfassbar umfangreiche Materiallisten existieren und man nur staunen kann, was es zu einem einzigen Film alles noch gibt, aber nie benutzt wurde. JET GENERATION ist so Kandidat. Natürlich ist ein großer Teil davon der reinste Schrott und nicht mehr zu verwenden, doch das Material
existiert nach wie vor und ist atemberaubend umfangreich.
Zu DIE ENGEL VON ST. PAULI gab es anfangs auch nur eine MAZ, doch "plötzlich" tauchten 76 Filmdosen auf, die für EDV Nr. 5 Verwendung fanden.
Ähnlich verhält es sich bei ABWÄRTS, BRUT DES BÖSEN und IM SCHLOSS DER BLUTIGEN BEGIERDE. Erste Aussagen waren ernüchternd, doch wenn man bohrt und penetrant darauf besteht, dass sich mal einer die Mühe macht zu suchen, erlebt man die reinsten Wunder, was noch alles eingelagert ist.
Nur mit diesen 3 Filmen könnten wir ganze 4 Paletten mit Material füllen und das ist kein Witz!
Angefangen bei Negativen, Interpositiven, Tonnegativen, Magnettönen, unbenutzte Archivkopien, Sendekopien, MAZ-Bändern, Trailernegativen etc.

Auch BLUTIGER FREITAG hat sich zu einer gigantischen Materialschlacht entwickelt, die nun endlich abgeschlossen werden konnte. Insgesamt 12 Monate lang wurde regelmäßig gesucht, gefunden und digitalisiert und dabei hieß es am Anfang, es gäbe nur ein Digibeta, ein defektes Negativ und ein IP.
Pustekuchen, es gab noch wesentlich mehr, was aber völlig in Vergessenheit geraten war, da es zuvor niemals von irgendjemandem überhaupt angefragt wurde. Somit hat es nicht nur für uns den positiven Effekt, dass wir bei der kommenden VÖ ganz dick auftragen können, sondern die akribische Sucherei hat auch dafür gesorgt, dass der Produzent nun einen kompletten Überblick über den tatsächlichen Materialbestand hat und die Materialliste massiv erweitert werden musste.

Aufgrund dieser verschiedenen Erfahrungen in Sachen Materialbeschaffung/existenz kann niemand fundiert behaupten,
dass etwas vernichtet wurde (außer er weiß es hundertprozentig).
Teilweise wurde auch alles aus Kostengründen einfach nur ausgelagert und durch diverse Umzüge/Insolvenzen/wasweißich ist der aktuelle Aufenthaltsort nicht nachvollziehbar, aber wenn man geduldig sucht und immer wieder nachforscht, wird man auch in den meisten Fällen früher oder später fündig.
Dann sind es oftmals nur banale Sachen wie reine Faulheit der Verantwortlichen, die eine Materialrecherche frustrierend machen, denn gerade bei Filmen älteren Semesters und kleinerer Bedeutung haben einige Produzenten/Lizenzgeber/Studios schlicht und ergreifend keine Lust, ihren schlaffen Arsch
zu bewegen und einen Blick in die Unterlagen zu werfen. Oder Einlagerungsgebühren wurden nicht bezahlt, weshalb man keinen direkten Zugriff auf hervorragendes Material bekommt, solange das nicht geklärt ist.
Da ist die einfachste Antwort eben manchmal: "Gibt's nicht, wurde vernichtet", obwohl es nicht immer stimmt.

Problematisch wird es erst dann, wenn die "kulturelle Elite" involviert ist, sprich: Staatliche Archive etc.
Da hat man zwar auch ungesehen fast schon die Gewissheit, dass dort reines Gold in optimalem Zustand eingelagert ist, aber will man an dieses Material
rankommen, werden gern mal die eigenen AGBs ausgehebelt, wilde Geschichten aufgetischt und der totale Gollum losgelassen.
Sollte dort Material liegen, was man benötigt, dann kann man es wirklich fast schon als verloren bezeichnen, denn es ist eine Farce bis zur äußersten Belastung jeder menschlichen Frustrationsgrenze, der totale pain in the ass.

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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 30.04.2016 02:44 
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Das nenn ich mal eine Antwort :)

Vielen Dank an Subkultur für die wirklich sehr aufschlussreiche und ausführliche Antwort. Das klingt alles sehr interessant und kompliziert. Hätte früher nie gedacht das hinter einer VÖ solch eine Arbeit und Aufwand steckt. Was ihr da treibt is ja gar nicht mehr zu überbieten. Und natürlich sehr traurig das andere Labels oft nicht so vorgehen. Da heißt es dann wirklich immer: Es gibt nur eine MAZ, alles andere wurde vernichtet (bei kleinen und Nischenfilmen). Ein Negativbeispiel z.B. "Macho Man".
Da ich persönlich wirklich sehr viele Nischenfilme sammel, und auch genau da mein Hauptinteresse liegt, muß man sich oft mit ganz miesen DVDs zufrieden geben. Besonders ärgerlich da ja offenbar was ganz anderes möglich wäre (siehe die EDV Reihe). Und dabei geht es mir nicht nur um das eigene Vergnügen eine gute VÖ in den Händen zu halten. Ich denke oft, das wenn sich jetzt keiner um die Filme kümmert, diese dann wirklich irgendwann mal für immer verloren sind. So ja fast geschehen bei Jet Generation. Wenn ihr da jetzt nicht wegen einer VÖ an dem Film dran gewesen wärt, dann wäre das Ding ja irgendwann komplett weggeschimmelt.
Ich habe z.B. mal bei einem Label angefragt zum Film "Der Räuber Hotzenplotz" von Gustav Ehmck (Die Spalte). Da es im TV früher immer eine länge Fassung als die Kinofassung gab welche auf BD veröffentlicht wurde. Es hieß einfach lapidar: Es ist nichts anderes verfügbar. Mußte mir dann zu guter Letzt eine alte TV-MAZ Überspielung vom ZDF Mitschnittdienst besorgen um die komplette Fassung zu haben. Qualität natürlich unter aller Kanone. Nur ein Beispiel wo man bestimmt als Label in Kontakt mit Gustav Ehmck, eine ganz andere VÖ auf die Beine hätte stellen können.
Ich könnte die Beispiele so ewig fortführen. Wo in Foren oder per Mail immer gesagt wurde das es nichts anderes gibt. Aber die kennt ihr ja auch diese ganzen Aussagen. Ich verstehe gar nicht warum die Produktionsfirmen bei einer Anfrage nicht gleich richtig suchen. Die müssten doch genau so ein Interesse daran haben ihre Filme zu erhalten, und den Film in einer möglichst guten Qualität zur Verfügung zu stellen.

Nochmal Danke an euch und ein großes: "Weiter so!"

Meine Vorfreunde auf die nächsten EDVs ist jetzt nochmal deutlich gestiegen :)


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BeitragVerfasst: 30.04.2016 10:26 
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Ihr seid klasse!


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 30.04.2016 10:33 
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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 30.04.2016 12:11 
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Gliese581c hat geschrieben:
Hätte früher nie gedacht das hinter einer VÖ solch eine Arbeit und Aufwand steckt. Was ihr da treibt is ja gar nicht mehr zu überbieten. Und natürlich sehr traurig das andere Labels oft nicht so vorgehen. [...] Da ich persönlich wirklich sehr viele Nischenfilme sammel, und auch genau da mein Hauptinteresse liegt, muß man sich oft mit ganz miesen DVDs zufrieden geben. Besonders ärgerlich da ja offenbar was ganz anderes möglich wäre (siehe die EDV Reihe).


Ich will hier niemanden verteidigen oder gar bloßstellen, doch dieser angesprochene Punkt hat zwei Seiten der Medaille.
Was wir im Zuge der EDV machen, ist absolut kein Standard, sondern ein "Sonderfall", den die meisten gar nicht nachvollziehen können.
In vielen Fällen wäre etwas anderes möglich, aber das "andere" ist mit einem gigantischen Aufwand (finanziell und logistisch) verbunden,
der sich ganz nüchtern betrachtet niemals rechnen lässt.
Wie ihr mit konstanter Regelmäßigkeit sehen könnt, dauern die Ausgaben der EDV unheimlich lang, bis sie dann eines Tages erscheinen
und das hat seinen Grund. Recherche und jede Menge Überzeugungsarbeit laufen im Hintergrund und kosten neben Geld auch ganz besonders sehr viel Zeit. Diese Zeit fällt bereits in die Lizenzzeit und je länger ein Projekt dauert, desto enger wird das Zeitfenster für eine Veröffentlichung und ab einem bestimmten Tag X baut sich allmählich ein gewisser Druck auf, der absolut nicht schön ist.
Und da ist es nachvollziehbar, wenn einige so erscheinen wie sie erscheinen. Nicht jeder mag sich auf das Spiel einlassen wollen.

Zitat:
Ich denke oft, das wenn sich jetzt keiner um die Filme kümmert, diese dann wirklich irgendwann mal für immer verloren sind. So ja fast geschehen bei Jet Generation. Wenn ihr da jetzt nicht wegen einer VÖ an dem Film dran gewesen wärt, dann wäre das Ding ja irgendwann komplett weggeschimmelt.


Das ist durchaus im Bereich des Möglichen. Aber vielen anderen Filmen wird dieses Glück nicht hold werden.

Zitat:
Ich habe z.B. mal bei einem Label angefragt zum Film "Der Räuber Hotzenplotz" von Gustav Ehmck (Die Spalte). Da es im TV früher immer eine länge Fassung als die Kinofassung gab welche auf BD veröffentlicht wurde. Es hieß einfach lapidar: Es ist nichts anderes verfügbar. Mußte mir dann zu guter Letzt eine alte TV-MAZ Überspielung vom ZDF Mitschnittdienst besorgen um die komplette Fassung zu haben. Qualität natürlich unter aller Kanone. Nur ein Beispiel wo man bestimmt als Label in Kontakt mit Gustav Ehmck, eine ganz andere VÖ auf die Beine hätte stellen können.


Jain. Wenn es sich beim ersten Hotzenplotz ähnlich verhält wie bei Gustavs DIE SPALTE, dann könnte die Aussage "Es ist nichts anderes verfügbar" in Zusammenhang mit dem Frust über die oben angesprochene "kulturelle Elite" stehen. In der gesamten Zeit der Restauration von diesem Film haben wir seit Monaten grausame Gedanken, sobald ein bestimmtes Archiv namentlich erwähnt wird. Es wäre daher nicht
verwunderlich, wenn die getätigte Aussage nichts weiter als ein befreiender Schlussstrich unter einer langen Odyssee darstellt.
Der zweite Hotzenplotz-Film von Gustav Ehmck leidet unter mittelalterlicher Homophobie gewisser Personen und wird wohl niemals erscheinen,
sollte da nicht irgendwann das 21. Jahrhundert in den Köpfen ankommen.

Zitat:
Aber die kennt ihr ja auch diese ganzen Aussagen. Ich verstehe gar nicht warum die Produktionsfirmen bei einer Anfrage nicht gleich richtig suchen. Die müssten doch genau so ein Interesse daran haben ihre Filme zu erhalten, und den Film in einer möglichst guten Qualität zur Verfügung zu stellen.


Alle haben Interesse am Erscheinen der Filme, doch das größte Interesse gilt dem überschwenglichen Cash-flow.
Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, sieht die Realität ganz einfach so aus, dass viele Filme sich nicht in riesigen Stückzahlen verkaufen lassen, egal in welcher Preiskategorie sie angeboten werden. Will man nun etwas veröffentlichen, bestenfalls auch als Blu-ray, dann muss ein HD Master generell überhaupt erstellt werden und das kostet ordentlich Geld. Aus dem Grund kann keine riesige Lizenzsumme geboten werden, was vielen Eigentümern nicht passt und sie deswegen ablehnen.
Erschwerend kommt hinzu, dass wir etwas ganz Untypisches für die EDV machen, nämlich Quellmaterialien wie Negative etc. abrufen.
Was in anderen Ländern Usus ist, wird hier so gut wie gar nicht praktiziert und wir werden jedes Mal wie Grabschänder behandelt, die der kompostierten Oma die Goldzähne ausreißen wollen, sobald wir das Thema auf den Tisch bringen.
Eine weitere Hürde ist die "Feindschaft" unter den Anbietern. Keiner gönnt dem anderen die Butter auf dem Brot und da wird auch gern mal
interveniert, wenn der Mitbewerb wittert, was wir vorhaben.

Es gibt unzählige Gründe, die ganze Bücher füllen würden, aber widmen wir uns hier lieber wieder JET GENERATION.

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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 30.04.2016 13:43 
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Subkultur-Entertainment hat geschrieben:

Der zweite Hotzenplotz-Film von Gustav Ehmck leidet unter mittelalterlicher Homophobie gewisser Personen und wird wohl niemals erscheinen,
sollte da nicht irgendwann das 21. Jahrhundert in den Köpfen ankommen.




Gehört zwar jetzt nicht ganz zum Thema aber warum soll ein Hotzenplotz Film homophobe Gemüter wecken? Ich kenne den Film allerdings nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 30.04.2016 13:51 
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italo hat geschrieben:
Gehört zwar jetzt nicht ganz zum Thema aber warum soll ein Hotzenplotz Film homophobe Gemüter wecken?
Vielleicht, weil Peter Kern die Hauptrolle spielte?

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 30.04.2016 13:57 
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So langsam wird mir klar, warum das Abenteuer "Restauration eines verschollen geglaubten Films" nicht gedruckt wird, nicht als Booklet und schon gar nicht in irgendeiner größeren Auflage. Zu groß sind die Empfindlichkeiten einzelner, und zu schnell könnte es dann heißen "Wir fühlen uns angesprochen, das Label braucht sich nie mehr bei uns blicken lassen." Was für euch wiederum negative Konsequenzen hätte bezüglich eueres Kerngeschäfts, nämlich Filme zu veröffentlichen. Natürlich seit ihr auf die Zusammenarbeit mit anderen angewiesen, und wenn die sich auf den Schlips getreten fühlen dann Gute Nacht gewünschte VÖ.

Umso mehr freue ich als reiner Konsument mich über diesen Insider-Bericht und die Detailinformationen! Hochinteressant was es da nicht alles gibt und nicht gibt. Ein mir völlig verborgener Kosmos, von dem ihr da ein paar kleinere Galaxien, Sternenhaufen und Schwarze Löcher zeigt.

Danke schön Subkultur für diese Texte!!

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 01.05.2016 16:46 
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.... ich lese hier auch gerne ( still ) mit...... wollte mal gesagt werden :)

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 Betreff des Beitrags: Re: JET GENERATION (oder wie eine EDV entsteht)
BeitragVerfasst: 17.11.2016 14:21 
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Ich bin erst jetzt auf das Thema gestoßen und möchte euch ebenfalls meinen teuersten Dank für die informative Begleitdokumentation aussprechen!
Solche Sachen interessieren mich einfach unheimlich, da sie ein wenig von Schatzjägern oder Archäologen haben ;) . So etwas würde ich zu gerne öfter sehen - und nicht nur in diesem Fall natürlich mit einem Happy Ending.

[Wusste ebenfalls nicht, dass LSP um die Ecke wohnen... Vielleicht kann man da ja mal einen Tag lang reinschnüffeln...?]

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