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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 24.11.2009 04:52 
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Originaltitel: M
Darsteller: Peter Lorre, Gustav Gründgens, Ellen Widmann, Inge Landgut,...
Jahr: 1931

Inhalt:
"Der unbekannte Mörder, der Schrecken unserer Stadt, hat ein neues Opfer gefordert", verkündet das Plakat und bietet für die Ergreifung 10.000 Mark Belohnung. Berlin um 1930: Ein buchstäblich unfassbarer Serienkiller beschäftigt nicht nur die Kripo, sondern auch Berlins Gangster. Auf der Suche nach dem Triebtäter behindert die Polizei nämlich "normale" Kriminelle bei der Arbeit. Der "Schränker", König der Unterwelt, mobilisiert alle Genossen, um das Phantom zu fangen....

Quelle: ofdb.de

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Zensor, der - Beamter gewisser Regierungen, dessen Aufgabe es ist, geniale Werke zu unterdrücken. In Rom war der Zensor
ein Inspektor der öffentlichen Moral; die öffentliche Moral moderner Nationen verträgt jedoch keinerlei Inspektion.
(Ambrose Bierce - Des Teufels Wörterbuch, 1911)


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 25.11.2009 13:46 
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Auch wenn Lang viele tolle Filme gedreht hat und es eventuell etwas abgedroschen klingt, so muss ich doch sagen das es neben Metropolis sein bester Film ist und wenn man die traurige Aktualität des Stoffes berücksichtigt, so hat dieser Streifen absolut nichts von seiner Intensität verloren. Eher im Gegenteil! 9/10

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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 25.11.2009 13:54 
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Absolut korrekt! Ein Meisterwerk!

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Zensor, der - Beamter gewisser Regierungen, dessen Aufgabe es ist, geniale Werke zu unterdrücken. In Rom war der Zensor
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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 30.11.2009 01:34 
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Für mich der beste Deutsche Film überhaupt. Zudem finde ich es jedesmal erstaunlich, wie hier verschiedenste Perspektiven kritisch beäugt werden, ohne, dass der moralische Zeigefinger keulenmässig ausgepakt wird.

Die Glanzleistung Lang'scher Regie überhaupt ist vielleicht die Parallelmontage, zwischen der Polizeiarbeit und den sich beratenden Kriminellen, bei denen sich der Raum zunehmend mit Zigarrenrauch füllt. Überhaupt wirkt M noch immer jedesmal sehr modern.


Fritz Lang ist ganz groß und ich werde auch nie müde, auf seine herausragenden US Filme hinzuweisen, die, gemessen an ihrer Qualität, immer etwas stiefmütterlich behandelt wurden.


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 01.12.2009 21:43 
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Habe ihn mir erst vor einigen Tagen mal wieder angeschaut und bin jedesmal auf´s neue fasziniert vom Film. Ich kann mich den anderen nur anschließen, ein wirklich beeindruckender Film und ein Meisterwerk sowieso.

Gruß
Bolo Yeung


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 06.02.2010 01:41 
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Ein toller Film von Fritz Lang der Drama und Thriller in einem Film verschmelzen lässt. Filme wie dieser sind für die Ewigkeit gemacht, schade dass viele Jugendliche sich solche Filme nicht anschauen weil er ihrer Meinung zu alt ist.

Aber die deutschen können mit dieser Thematik (Kindermorde)sehr gut umgehen in Filmen, denn 1958 erscheint die Produktion aus Deutschland „Es geschah am helllichten Tag“ mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe, Siegfried Lowitz in den Hauptrollen. Ebenfalls ein klasse Film…

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Grüsse
Scharfführer Stegman


Sie müssen noch ne Menge lernen. Leben ist schmerz...und schmerz...ist so ziemlich alles. Sie...sie werden es lernen!


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 08.02.2010 13:50 
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können wir den thread verschieben? finde den im "eurospy"-segment nicht recht aufgehoben. ist schon "art of cinema"-würdig, oder?!!!

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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 08.02.2010 14:23 
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Thomas Morus wrote:
können wir den thread verschieben? finde den im "eurospy"-segment nicht recht aufgehoben. ist schon "art of cinema"-würdig, oder?!!!
Find ich auch!

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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 08.02.2010 15:10 
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Stegman wrote:

Aber die deutschen können mit dieser Thematik (Kindermorde)sehr gut umgehen in Filmen, denn 1958 erscheint die Produktion aus Deutschland „Es geschah am helllichten Tag“ mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe, Siegfried Lowitz in den Hauptrollen. Ebenfalls ein klasse Film…


Volle Zustimmung! "Es geschah am hellichten Tag" ist fast noch besser als "M". Die Darstellung von Gert Fröbe als Pädophiler ist unglaublich beängstigend!

Aber "M" ist auch ein Meisterwerkt. Ich habe die Criterion DVD, werde aber wohl auf die Blu-Ray aus England von Eureka umsatteln. Das hat der Film einfach verdient ;)


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 Post subject: M - Fritz Lang
PostPosted: 05.08.2010 00:29 
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Der erste Tonfilm des gebürtigen Österreichers gilt als genauso bahnbrechend wie Metropolis. Als Grundgerüst diente Fritz Lang der "Vampir von Düsseldorf" der in den 20er Jahren mehrere Morde beging.
Anders als in anderen Kriminalfilmen ist aber die Perspektive die dem Zuschauer vermittelt wird. Man sieht den Fall nicht begleitend bei den Ermittlungen oder aus den Augen des Täters. Fritz Lang läßt uns aus der Ferne beobachten. Man ist Teil der Stadt. Es gibt keinen Hauptdarsteller mit dem man mitfiebert weshalb "M" fast einen halbdokumentarischen Touch besitzt. Er verschafft uns Einblicke in die damalige Polizeiarbeit, die widerum versucht mit hohen Belohnungen das Volk zu mobilisieren. Gleichzeitig ist aber auch die Unterwelt damit beschäftigt den Killer zu jagen. Einmal weil man nicht mit Kindermördern in einen Topf gesteckt werden will, zum anderen weil die Razzien ihre Einnahmequellen empfindlich stören und sich Verluste abzeichnen.
Durch den filmischen Wechsel zwischen den Ebenen ist man über die Suche bestens informiert und weiß genau ob irgendeine der Parteien langsam dem Ziel näher kommt. Dadurch behindern sie sich aber auch gegenseitig.
Gegen Ende wirft "M" dann eine ganze Reihe von Fragen auf die auch 77 Jahre nach der Entstehung nicht beantwortet werden können. Er beschäftigt sich mit Selbstjustiz und der Beeinflußbarkeit von Massen was im Jahre 1931, hinsichtlich der näheren Zukunft, nicht uninteressant war. Atemberaubend ist aber die Offenheit mit folgendem Thema: Ist ein Kindermörder perverser Abschaum, der den Tod verdient oder vielleicht doch nur ein kranker Mensch dem man helfen sollte ?


Die Rolle des "M" wird grandios von Peter Lorre verkörpert der hier zum ersten mal vor der Kamera stand. Niemand sonst hätte wahrscheinlich diese Rolle dermaßen eindringlich spielen können. In weiteren Rollen sind Gustav Gründgens und Theo Lingen zu sehen. Filmmusik gibt es keine. Nur das wiederkehrende Pfeifen des Mörders ist zwischenzeitlich zu hören.

Aus heutiger Sicht bestimmt kein einfacher Film da sich die Sehgewohnheiten enorm verändert haben. Wer sich aber ernsthaft mit dem Thema Film beschäftigt, kann und darf an "M" nicht vorbei gehen. Dafür ist er einfach zu wertvoll.


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 Post subject: Re: M - Fritz Lang
PostPosted: 05.08.2010 00:30 
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Der musste defintiv hier auch noch einen Thread spendiert bekommen, da ich ihn doch für einen der wichtigsten deutschen Filme halte.


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 05.08.2010 01:04 
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Hab nach hierher verschoben, da hier der Film schon besprochen ist ;)

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Zensor, der - Beamter gewisser Regierungen, dessen Aufgabe es ist, geniale Werke zu unterdrücken. In Rom war der Zensor
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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 05.08.2010 01:13 
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Da hätte ich ja eigentlich auch selbst drauf kommen können. Habe die komplette Deutschtümelei durchgesehen und nichts entdecken können. Hier ist er wirklich besser aufgehoben.


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 Post subject: Re: M - Fritz Lang
PostPosted: 05.08.2010 10:19 
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Vor ein paar Tagen gerade erneut gesehen (von der großartigen UK Blu-ray - hierzulande kommt man ja nicht in die Gänge) und wieder völlig begeistert gewesen! Ich wußte ja, dass der Film fantastisch ist - aber so gut wie bei diesem Mal hat er mir noch nie vorher gefallen! Der gesamte Umgang mit dem Thema, die Art und Weise wie man den Zuschauer einbezieht/reflektiert, die Ring-Organisation, die wahnsinnge genial ineinander montierten Besprechungen der Polizei/Verbrecher (Rauch), die Razzia, die Sparkasse-Aktion, das Untergrund-Tribunal usw. - der Film begeht eine Großtat nach der anderen! Da allerorts schon viel über den Film theoretisiert wurde, erspare ich mir dies und überlasse erstmal meiner Begeisterung die Schau!

deadlyfriend wrote:
Aus heutiger Sicht bestimmt kein einfacher Film da sich die Sehgewohnheiten enorm verändert haben.


Ganz im Gegenteil! Ich finde der Film ist doch sehr verträglich mit heutigen Sehgewohnheiten (natürlich gibt es keinen Schnitte im Millisekundentakt und permanente Wackelkamera) - trotzdem wirkte der Film sehr frisch und aktuell.

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 Post subject: Re: M - Fritz Lang
PostPosted: 05.08.2010 11:23 
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chakunah_2072 wrote:

Ganz im Gegenteil! Ich finde der Film ist doch sehr verträglich mit heutigen Sehgewohnheiten (natürlich gibt es keinen Schnitte im Millisekundentakt und permanente Wackelkamera) - trotzdem wirkte der Film sehr frisch und aktuell.



Das sehe ich nicht so. Ich glaube kaum das man nur 5% der unter 25-jährigen Angelina Jolie und Michael Bay Fans, damit begeistern kann. Die Erzählstruktur ist eine völlig andere und auch das Tempo des Films ist mit den Forderungen des heutigen Mainstream Publikums nicht mehr kombinierbar. Auf der anderen Seite trifft das aber wohl auch auf die meisten anderen Filme vor 1990 zu.


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 22.08.2010 20:28 
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Einer der überschätztesten Filme aller Zeiten. Ein paar sehr gute Momente immerhin, aber auch viel schlechtes noch vom Stummfilm beeinflusstes Schauspiel, und eine umständlich erzählte Handlung.

Damals ein wichtiger Film, aber ich habe nie nachvollziehen können warum das heute noch ein Klassiker sein soll. Für den Blauen Engel gilt genau das Gleiche.

6/10 (vielleicht auch 7 an einem guten Tag)


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 02.09.2010 22:31 
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Gerade der Umstand wie die Handlung erzählt wird finde ich gut ;)


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 03.06.2013 21:18 
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Was für ein herrliches Stück Filmgeschichte. Peter Lorre ist einfach der Wahnsinn, fantastisch. Schöne Blu-ray auch von Universum. Bin schon auf Metropolis gespannt. :)

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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 07.06.2013 07:31 
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Stanton wrote:
Einer der überschätztesten Filme aller Zeiten. Ein paar sehr gute Momente immerhin, aber auch viel schlechtes noch vom Stummfilm beeinflusstes Schauspiel, und eine umständlich erzählte Handlung.

Damals ein wichtiger Film, aber ich habe nie nachvollziehen können warum das heute noch ein Klassiker sein soll. Für den Blauen Engel gilt genau das Gleiche.

6/10 (vielleicht auch 7 an einem guten Tag)


Ich habe mit den pauschalen Aussagen ein paar Schwierigkeiten. Kannst du deine Meinung bitte etwas differenzieren?

Ist das Schauspiel schlecht, weil es nicht nach Tonfilm aussieht oder ist grundsätzlich Schauspiel im Stummfilm schlecht? Und was macht die Erzählung deiner Ansicht nach umständlich?

Worin begründet sich deine Meinung, daß der Film einmal wichtig gewesen sei bzw. was macht ihn für heutige Verhältnisse überholt?

Du schreibst "...warum das heute noch ein Klassiker sein soll." Demnach ist es zu seiner Zeit ein Klassiker gewesen, aber heute nicht mehr. Wie definierst du Klassiker?

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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 06.08.2013 08:28 
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Ich hatte einen Kollegen, etwa 30 Jahre alt, der mir ganz stolz erzählt hat, dass er über 1000 Filme daheim stehen hat, und keiner älter ist als etwa aus dem Jahr 2000. Kopfschütteln auf meiner Seite.
Wir haben uns oft über Filme unterhalten, und irgendwann erwähnte ich M. Hatte er noch nie gehört. Starkes Kopfschütteln auf meiner Seite.
Ich brachte ihm den Film mal mit, warnte ihn aber auch vor dass das eine andere Sprache ist, dass der Film z.T. noch der Stummfilmzeit verhaftet ist uswusw. Er hat den Film ich glaube maximal bis zur Hälfte gesehen und dann abgebrochen, weil er tatsächlich mit der Bildsprache nichts anfangen konnte. Sehr starkes Kopfschütteln auf meiner Seite ...

Ein Film der meines Erachtens nichts an Aktualität verloren hat, und immer noch genauso erschreckend ist wie vor 80 Jahren. "Wie heisst Du denn mein Kleines? Du hast aber einen schönen Ballon." Dazu das eindringliche Spiel von Lorre, die Studien über die Beeinflussung von Massen - Kein Wunder dass die Nazis den Film so schnell wie möglich verboten haben. Als reiner Thriller funktioniert der Film auch heute noch, genauso aber auch als psychologische Studie über (kranke) Menschen. Und als Zeitdokument funktioniert er noch viel besser. Wo ich bei Berlin-Symphonie einer Großstadt irgendwann mal eingeschlafen bin, habe ich M schon unzählige Male wach überstanden, weil er einfach SPANNEND ist und bei aller Aussage unterhält. Und das ist ja letzten Endes das, was ich von einem Film erwarte - dass ich unterhalten werde.

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 25.04.2014 22:25 
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"Erstmals im Kino: Die vollständig restaurierte Originalversion des unübertroffenen Klassikers des deutschen Kriminalfilms von Fritz Lang, mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens und Theo Lingen." stand im Programm eines kleinen altmodischen Kinos, das mir sympathisch ist und in dem ich einst Triers "Antichrist" gesehen habe.
Nun ja, also ergibt sich doch eine Gelegenheit, mir den von vielen hochgelobten Film anzusehen. So dachte ich und in der Hoffnung, dass dieses Meisterwerk nur halb so langweilig wie "Caligari" oder andere beliebte Werke deutscher Filmkunst sind, setzte ich mich in den gepolsterten Kinosessel.
Oje, da steht was über die Restauration. Oje, der Film geht 111 Minuten. Das kann ja heiter werden...

WOW. Ich bin begeistert, zutiefst beeindruckt und freue mich sehr, den Film heute auf einer Kinoleinwand gesehen zu haben.
Fritz Lang scheint seiner Zeit weit voraus gewesen zu sein. Der ganze Aufbau des Films, die Schnitt-Techniken, die Erzählweise und die Thematik sind wahrhaft meisterhaft inszeniert.
Und es ist auch deutlich erkennbar, welche Regisseure sich von "M" inspirieren ließen.
Ohne zu moralisieren zeigt der Film die verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Aspekte der Thematik und gewährt einen historisch fundierten und akribisch erzählten Einblick in die damalige Polizeiarbeit, aber auch in die Ehrenkodizes und Organisation der deutschen Ring-Vereine.
Ich habe vor einiger Zeit mal auf arte eine Reportage über deutsche Kriminalgeschichte gesehen, in der immer wieder Ausschnitte von "M" gezeigt und die Realitätsnähe des Films betont wurde.

Der Film ist nicht nur ein Zeitdokument, sondern auch ungemein unterhaltsam, trotz seiner Länge kommt keineswegs Langeweile auf. Er ist spannend, humorvoll und inhaltlich interessant.
Ich bin froh, ihn nun endlich gesehen zu haben.

Nicht zu vergessen - der übliche "Madre del Vizio"- Hinweis an Blap und Mala - auf dem weißen Album (Amare l' Amore) findet sich ein Sample aus dem Film. :mrgreen:

_________________
SCHATTENLICHTER


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 09.07.2017 23:01 
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Klassiker hin, Meisterwerk her - ich bin da ausnahmsweise eher bei Stanton.
M hat ein paar sehr gute Szenen, einen großartigen Peter Lorre und ein ebensolches Finale.
ABER: Dem entgegen steht eine völlig spannungslose erste Stunde (erst ab dem Zeitpunkt, wo die "normalen" Kriminellen sich auf die Suche nach dem Mörder machen, wird's besser).
Dann wird's wirklich besser und besser bis zur sehr intensiv gespielten und inszenierten "Gerichtsverhandlung".
Damit ist der Film aber leider nicht vorbei.
Es folgt auf die improvisierte Gerichtsverhandlung ein Schnitt zu einer Richtigen und bevor es da losgeht, gibt's eine Abblende und Ende.

All die Intensität, die in den Minuten zuvor aufgebaut wurde (die zweifellos der Höhepunkt des Films sind), ist von einer Sekunde auf die andere einfach weg.
Die letzten Sekunden des Films weichen alles auf und somit ist das Ende ein vollkommen enttäuschendes.
Besser wäre gewesen, man hätte einfach die Andeutung einer richtigen Gerichtsverhandlung weggelassen und gleich nach dem Eintreffen der Polizei abgeblendet.
Alternativ hätte es natürlich noch die Möglichkeit gegeben, die endgültige Urteilsverkündung mit einzubauen, was sicher auch kein Fehler gewesen wäre.
Aber so wie es jetzt ist, bin ich überhaupt nicht zufrieden damit.
Aufgrund der nicht wenigen Schwächen, dürfte auch die Gesamtwertung keine Überraschung sein: 6/10.


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 05.05.2018 14:44 
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Im Film sind ja so einige Momente, in denen es keinen Ton gibt, weder Dialog noch irgendwelche Hintergrundgeräusche sind da zu hören; besonders wenn die Polizei bei der Razzia im Nachtclub aufmarschiert fällt dies auf...

war das jetzt ein Stilmittel Langs, mit dem damals neuen Medium des Tonfilms zu "spielen" (also einen Kontrast zwischen dem vorausgehenden Stummfilm [der natürlich auch nie stumm war, sondern häufig auch musikalisch im Kino begleitet wurde] und dem Tonfilm zu setzen)... oder sollte der Kontrast zwischen dem "stummen" Film und dem audiovisuellen Erlebnis in "M" die verbrecherische Atmosphäre der Handlung aufladen?
Ich finde, dass beide Möglichkeiten sehr gut funktionieren; zumal das gestenreiche Spiel in "M", wie es viele Akteure besonders im Mimischen vollziehen, immer wieder an den Stummfilm erinnern (sei es, weil sie nur so schauspielern konnten oder Lang dies so wollte);
ebenso beeindruckt hat mich auch der eingestreute Lokalkolorit (Berliner Dialekt, die Milieubeschreibung), der hier natürlich mit Langs Studio-Extravaganzen dann auch ästhetisch bricht...
insofern würde ich "M" als einen Transitfilm Langs bezeichnen wollen, der sich einmal von seiner Stummfilmzeit mit den opulent monumentalen Sets etc. absetzt, und so - indem die Szenerie "realistischer" wird - Späteres, besonders seine "USA-Noirs" schon vorbereitet...

ich frage mich, ob Welles Langs "M" mochte, denn gerade in Welles' Kino "verhallen" ja auch oft die Bilder, um zum Beispiel Leere oder Verzweiflung symbolisch darzustellen - diesbezüglich gibt es in "M" doch die Szene am Anfang, in der das Kind gesucht wird und der Film dann in verschiedene leere Räume (in den dunklen Dachboden, in den Hausflur usw.) schneidet, ähnlich wie mache Szenen in Xanadu...


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 06.05.2018 20:22 
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Das war öfters so in frühen Tonfilmen daß ein Teil noch stumm gedreht wurde.

Und die übertriebene Stummfilmschauspielerei findet man auch immer wieder.

Beides schadet dem Film, jedenfalls mich stört das in M.


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 Post subject: Re: M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER - Fritz Lang
PostPosted: 06.05.2018 22:09 
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Stanton wrote:
Das war öfters so in frühen Tonfilmen daß ein Teil noch stumm gedreht wurde.



Daran kann man sicherlich dann auch erkennen, dass "M" ein typischer Film des Überganges ist; der Tonfilm hatte sich ja Ende der 1920-er Jahre etabliert und sehr viele Kinos konnten noch nicht so schnell umrüsten, weshalb der Stummfilm auch noch nicht von einem Tag auf den anderen obsolet war - und eben auch im Film selbst - was das gestenreiche Schauspiel betrifft - mussten die Schauspieler ihr Agieren erst neu formieren (zumal sie eine "Stimme" haben mussten, die brauchbar war)...

- ich weiß nicht, ob das zu "M"-Zeiten noch gegolten hatte, aber der deutsche "Caligarismus" ist ja durchaus als etwas Markt-strategisch Wichtiges betrachtet worden; gerade auch in den USA, wo nach dem I. Weltkrieg deutsche Filme nicht sehr gerne gesehen waren, hatte das markante überbetonte Spiel sowie die Stilisierung des Weimarer Kinos verkaufsfördernd gewirkt, auch in Frankreich war das ja so...
"M" lässt natürlich diesen Expressionismus vermissen - sehen wir einmal von den eindrucksvollen Schattenmomenten ab -, aber vielleicht hatte die Stummfilm-Mimik dann doch so einen "Caligarismus" bedient (bedienen sollen)...

noch einmal zum Ton und zur "Stille" in "M": augenscheinlich hatte sich Lang viele Gedanken gemacht, wie nun der Ton nicht nur als Dialog und mimetisches Geräusch zu den Bildern, sondern auch als ästhetisch gestalterisches Element eingesetzt werden könne, daher kam mir der Gedanke, dass dies bei der Razzia-Szene in "M" doch recht kreativ umgesetzt sei...


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