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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: TRANSPORT AUS DEM PARADIES - Zbynek Brynych
PostPosted: 15.03.2014 18:48 
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Transport aus dem Paradies -Transport z ráje
Tschechoslowakei 1962
Regie: Zbyněk Brynych
Regieassistent: Juraj Herz
Drehbuch: Arnošt Lustig, Zbyněk Brynych
Kamera: Jan Čuřík (Valerie, eine Woche voller Wunder, Der Scherz)
Darsteller: Zdeněk Štěpánek (Ikarie XB 1), Ilja Prachař (Die Hexenjagd), Ladislav Pešek, Jindřich Narenta, Vlastimil Brodský, Čestmír Řanda (Sie sind eine Witwe mein Herr) st., Jiří Vršťala, Jaroslav Raušer, Valtr Taub, Martin Gregor, u.a.


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Nun, bevor ihr euch wundert, was denn hier tschechische Holocaustfilme aus den 60ern zu suchen haben reicht es mir einfach ein wenig Namen aufzuzählen bzw. stehen ja schon oben. Der Kamermann von Valerie, eine Woche voller Wunder (Bildstörung), Regieassistent Juraj Herz (Der Leichenverbrenner/Bildstörung -der hier ja scheinbar noch nicht mal einen eigenen Thread hat?), Buchvorlage von Arnost Lustig (Auch: Diamanten der Nacht. Brynych hatte 3 Jahre später seinen nächsten, andersgearteten Holocaustfilm gedreht: ...Und der fünfte Reiter ist Angst(Der hier ja nicht mal eine Minirezension hat, hol ich vllt. mal nach - bald).

Arnost Lustig befasste sich hauptsächlich mit dem Holocaust. Was sicher auch naheliegend war: "von den fünfzehn Tausend Kindern, die im Ghetto von Theresienstadt waren, kamen nicht ganz hundert zurück.... ich war eines von diesen Kindern, die überlebt haben"
Nun ist ja auch schon alles verraten: Wir befinden uns nun im Film, das heißt im Theresienstadt der 42er Jahre. Theresienstadt ist die Stadt, "die der Führer den Juden geschenkt hat".Diese Dokumentation wird im Film auch gerade gedreht.
In der Doku im Film sehen wir, wie glücklich die Juden in der Stadt sind, das wird auch aus Stimmen aus dem Off verkundet in mannigfaltigen Sprachen damit es auch jeder versteht. Der Film selbst hat keinen Hauptdarsteller, es ist ein Kaleidoskop verschiedener Insassen und Mitarbeiter. Wobei die Sprachge-wichtung schon zugunsten des Deutschen ist, also es kommen mehr Nazis mit ihrem Deutsch zu Wort als Tschechen.

Wir folgen dem Leben der Theresienstädter, es läuft tanzbare Jazzmusik die sich auch wirklich lebensfroh anhört. Dazu eine Gruppe Jugendlicher Buben die herumzieht, Mädchen hinterherschaut und ihren Spaß hat, hübsche Frauen, ältere Männer, alles ist auf den belebten Straßen und wuselt herum.
Dann reist der SS General Knecht an in seinem Auto. Wir sehen ihn vor einer Schafsherde:
Was sind das für Viecher?
Schafe aus Lidice, mein Herr!

Er redet kurz mit einem Untergebenen, es sind nur sie zu sehen, vor einer jüdischen Sparkasse. Der General tritt in das Gebäude und aus dem Bild. Ein Untergebener brüllt etwas den nicht im Bild stehenden Bewohnern zu, von wegen: Weitermachen und die Kamera schielt wieder auf die Straßen. Wo eben in einer Sekunde noch die Bewohner still standen wie in einem Gemälde und keinen Mucks von sich gaben setzen sie sich nun wieder in Bewegung und murmeln, dazu setzt aus dem Off die Jazz-Musik wieder ein.

In der nächsten Szene werden Zahlen gebrüllt. Mit den Nummern sind Menschen gemeint, die Nummern hören wir fast den ganzen Film durch. Was für Menschen lernen wir nun dort kennen?
Da ist der Vorsitzende der Juden: David Löwenbach, der sich weigert seine Unterschrift unter das Transportformular zu setzen (Sie denken, wir wissen nicht was dort ist? Gaskammern sind dort! - - Schicken sie Herr Löwenstein bitte zur Sonderbehandlung!). Dieser Löwenstein auch mit einem ganz fantastisch gelernten Deutsch.
Löwenbachs Nachfolger ist Marmulstaub, der sich mit Murmelstäubchen anreden lässt und die geforderte Unterschrift gibt. Da ist ein SS-Offizier mit einem ebenso wunderbaren Wiener Dialekt. Da sind einige Theresienstadt-Untergrundarbeiter, die im Verborgenen eine Druckerei betreiben und Antifaschistische Plakate drucken und an die Wände kleben.
Der Film ist recht realistisch also nicht so experimentierfreudig wie Brynychs: ...Und der fünfte Reiter ist Angst.
Wobei es auch hier wieder tolle Kameraeinstellung gibt. Etwa der General in seinem Büro. Die Aufnahme geht in die Höhe, kaum in die Breite, wir sehen ihn in seiner Uniform unten im Eck und er füllt das Bild kaum aus.

Der Film ist vordergründig halbwegs angenehm, mit der Tanzmusik, den gefüllten Straßen, den liebestollen Teenagern. Die Juden haben ihre Selbstverwaltung und die meisten SS-Angehörigen sind, von Ausnahmen abgesehen selbstverständlich, kaum bösartig. Aber es ist wie es ist, und wir wissen wie es ist, zumindest im Nachhinein: Scheiße. Sie müssen den Judenstern tragen, sich später bei der Namensnennung selbst ein Saujud' davorsetzen atd.
Ein sehenswerter Film.

Die DVD von Second Run

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 Post subject: Re: TRANSPORT AUS DEM PARADIES - Zbynek Brynych
PostPosted: 23.11.2016 17:38 
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Erscheint 2017 bei Schröder Media unter dem Titel: KZ Theresienstadt - Transport aus dem Paradies im Vertriebstext wird mit sehr vielen Ausrufezeichen auf die limitierte Auflage hingewiesen. ["Streng limitiert auf 2.000 Stück im Pappschuber!!!"]

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