Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 10.06.2015 11:58 
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Da seine Sechzigminüter sicher nicht lauter Einzelthreads brauchen, da er auch nicht der allerbekannteste ist, bündle ich sie mal in einem Thread. Anbei noch ein wild zusammengestakste Alibitext über den Regisseur, den niemand lesen sollte.


Der Regisseur Hisayasu Sato (*1959) ist einer der grausameren Erotikfilmer Japans. Zusammen mit seinen Kollegen Takehisa Zeze, Toshiki Sato und Kazuhiro Sano gilt er als einer der "Vier himmlischen Könige des Pink". Das Quartet knüpfte an die pinkig-erfolgreichen 1970er Jahre an. Der studierte Fotograf lernte sein Handwerk u.a. bei Kan Mukai, der noch aus der Generation Koji Wakamtsus stammt. Beeinflusst wurde er von ihnen, eigener Aussage nach, nicht. Was er lernte, war, "mit einem Minimalstbudget, nahezu nicht-existenter Drehzeit und ohne Drehgenehmigung, eigentlich ohne alles einen Film zu drehen."(SI 27).

Seine Filme erinnern mit ihrem Body Horror an David Cronenberg. Da ich aber kaum Cronenberg gesehen habe, belasse ich es bei der Erwähnung, die ich den üblichen Verdächtigen (Stiglegger/ Jay Mcroy) abgeluchst habe.
Aber der Body Horror ist für Vielfilmer tatsächlich ein zentrales Thema. Die Körper seiner Protagonisten werden im Laufe der sechzig Filmminuten immer wieder modifiziert und transformiert. Sei es durch den HI-Virus, einen Schüler, der genetische Experimente am Stammhirn durchführt oder kafkaesken Käferverwandlungen. Es sind oftmals Sci-Fi Forschungen, direkt aus der Zukunft, die die Veränderungen durchführen, auch wenn die Geschichten im aktuellen Tagesgeschehen angesetzt sind. Dass Sato mit seinen Filmen kein Geld verdient(e) ist geschenkt. Dass auch in seine Filme nur die üblichen paar tausend Dollar flossen, dass die Drehtage tatsächlich Dreh-Tage sind und nicht Dreh-Monate oder Dreh-Jahre ist unvermeidbar offensichtlich. Die Kulissen, Müllkippen oder billiges Studiointerieur ist Legion. Auffallend ist aber sein Gespür für das Visuelle, die Farben und die Bildkomposition. Genremäßig sitzt Sato zwischen den Stühlen. Gebumst wird, dass sich die Balken biegen. Folter, Blut und Fesseln sind Standard, keine haarsträubenden Ausnahmen. Die Filme sind oft beklemmend, ohne rechten Humor, eine Art Horrorporn. Falls eine Story gut ist, erzählt er sie auch zweimal (Lustmord 1987 & Naked Blood 1994).

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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 10.06.2015 11:59 
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Kurutta Butokai /MUSCLE
Japan 1989
Regie: Hisayasu Sato
Drehbuch: Shiro Yumeno
Musik: Coil, So Hayakawa
Kamera: Koichi Saito
Darsteller:Kiyomi Ito, Takeshi Ito, Simon Kumai, June, Mabze, You Suzuki


I want to make a film which has the influence to drive its audience mad
to make them commit murder.

- Sato Hisayasu


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Japan 1975. Der schwulende Fotograf Ryuzaki arbeitet für das Muscle-Magazin. Das heißt, er fotografiert junge, knackige Bodybuilderjapaner und verdient damit Geld. Er mag die Körper, also ist es nicht die schwerste Arbeit für ihn. Bei einer der Sessions lernt er den jungen und drahtigen Kitami kennen, den er dann auch gleich mit in seine Wohnung nimmt. Die beiden freunden sich schnell an und es entspinnt sich etwas Romantik. Der Dürre entpuppt sich beim Akt jedoch schnell als kleiner Sadist. Er ist ein Brustwarzenschlitzer. Dass da ein kleines Messer auf dem Nachttisch lag, muss Ryuzaki erst später klar geworden sei. Als das Gebiss dann die Ballen annagt stöhnt der Überrumpelte kraftvoller. Abgeneigt ist das Opfer nicht. Es ist, als wäre etwas in mir dabei explodiert, erklärt er sich danach selbst. Dem Liebhaber gegenüber verliert er kein Wort. Statt mit Penis wird er mit einem Messerchen penetriert. Was für eine Lust! Ryuzaki gefällt es, er stöhnt und dieses stöhnen vermengt Lust und Schmerz zu gleichen maßen. Doch jede Beziehung braucht auch mal ein neuen Kick. In den Hodensack beißen ist ja irgendwann selbst dem biedersten Postbeamten zu dröge. Bald darauf fotografiert Ryuzaki wieder den vor der Kamera tänzelnden Gockel Kitami. Ryuzaki zückt das Samuraischwert und hackt seines Liebhabers rechten Arm ab. Das abgetrennte Körperteil landet auf dem Boden, Ryuzaki im Knast.

Die Strafe für Armhacken beträgt im Japan der 70er Jahre ein Jahr Zuchthaus. Nach abgesessener Strafe lebt er wieder in Freiheit - Arbeitslos. Das Magazin wurde vorübergehend eingestellt. Doch sein Boss hat auch gute Nachrichten. Der torsolose Arm wurde in Formaldehyt aufbewahrt in seiner Wohnung, als ewige Erinnerung. Eine Arbeit ist schnell gefunden als Kartenabreißer im Lunatic Theater, doch es sind zwei Dinge, die ihn verfolgen. Einerseits brennt er darauf, Pier Pasolinis Salo zu sehen, er lässt sich diesbezüglich eigens eine VHS aus Italien schicken. Andererseits sucht er seinen ehemaligen Liebhaber. Er hat Glück, in den Straßen soll ein einarmiger obdachloser Stricher leben. Mit ein paar Flyern und Nachfragen in Schwulenklubs ist er sich sicher, den verlorenen Liebhaber schnell wieder zu finden.
Die Dualität von Glück und Pech ist sein Nemesis. Das lang ersehnte Tape von Salo bekommt er. Leider in Pal. Und in das für ihn passende Format kann er es in Japan nicht formatieren, da unzensierten Tapes das von Gesetzes wegen nicht gestattet ist. Als wäre das nicht genug Unglück, wird es ihm prompt darauf von einer lederjacketragenden Schwuchtel zerstört. Die Strafe für Sammlertapes zerstören ist klar. Knüppeltod durch Eisenstange. Doch das Tape hätte er eh nicht mehr gebraucht. Denn er trifft bald darauf seinen Exlover mit dem Armstumpf wieder. In einem Theatersaal, beide mit Strumpfmasken über den Köpfen. Selbstverständlich schlitzt der Fotograf sich die Augen aus, um den Körper der Liebe wie in der Vergangenheit in Erinnerung zu behalten.

Welcome back, let me suck it

Ja, japanischer Sexrealismus. Wäre ja interessant gewesen, wie Jürgen Enz sich in der japanischen Industrie geschlagen hätte. Der Film ist ein homoerotischer Horrorfilm mit der Musik von Coil [Ostia- The Death of Pasolini]. Pasolinis Salo ist omnipräsent, die beiden Streifen treten in eine Art Metadialog. Es sind auch einige Szenen, die übernommen wurden, wie etwa der Walzertanz und Strecken des Schlusses. In dem Text ging ja nun viel Geschreibe über den Plot drauf aber er ist im Grunde auch nicht das wichtigste. Der war minimal, der Film ist eher zum fühlen als zum denken [Hoffentlich liest der Drehbuschschreiber nicht mit]. Aufregend waren die Liebesszenen, die tatsächlich erotisch waren. Wobei die Körper doch bemerkenswert waren. Die beiden Hauptliebhaber hatten keinen Arsch. Sie waren wie Legofiguren. Die Staksbeine gingen direkt über in den Rumpf, ohne Arschwölbung. Aber jetzt werde ich unsachlich.

My mother became a nympho, chasing everything with a dick

Die Liebesszenen sind streckenweise unter Ausschluss von Licht gedreht. Es fällt schwer, etwas zu erkennen abseits von Schemen. Es sind Silhouetten. Die Dunkelheit ist, das hält Jay McRoy fest, eine Technik in Horrorfilmen um die Spannung zu steigern. Hier...steigert es die Fantasie. Der Film ist weniger Erotik-als vielmehr Horrorfilm. Es beginnt schon mit dem Intro. In Close-Ups werden muskelflexende Männerkörper gezeigt, in völlig bizarren Posen. Das findet in einem schummrigen Studio statt. Es ist keine Erotik, keine Vitalität in den Körperszenen. Das Licht ist eher luzid-abweisend, wie das Mondlicht. Kein warm-orangenes wie bei der Sonne. Eher staubige Plastikpflanze als saftige Sukkulente. Dass bei dieser Einführung auch keine Musik aus dem off ertönt, sondern nur das Stöhnen der Anspannenden tut sein übriges. Beeindruckt war ich von dem Schlag bei Männern beim Fotografen. Egal wo er hinkommt, er bekommt sofort Bumsangebote. Klar, es kommt drauf an, welches Etablissement man nach dem Knast ansteuert, und bei einer Story mit 60 Minuten bleibt kaum Zeit, dass er mal abgewiesen wird. Trotzdem ist es ein Fakt, dass es in dem Film keinen Mann gibt, der nicht mit ihm schlafen wollte. Seinen Trick würde ich gerne erfahren. Alles in allem kein Wohlfühlwerk aber mich hat es angesprochen.



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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 10.06.2015 12:01 
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Bondage Ecstasy/ Tosui Yugi
Japan 1989
Regie: Hisayasu Sato
Drehbuch: Shiro Yumeno
Darsteller: Osamu Fukada, Setsuhiko Kobayashi, Toru Matsumura, Shotaro Sawada


Was hilft gegen Arbeitsstress? Analsex, Peitschen und Insekten.
Doch von vorne:


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Nakata hat seine neue Arbeitsstelle bei der Idea-Company in Tokyo. Der Ruf der Firma ist nicht der beste. Sie ist berüchtigt, für ihren brutalen Straßenverkauf von vermutlich unnützem Zeug. Dass das Arbeitsleben in Japan hart sein kann, weiß der westliche Zuschauer sicher nicht erst seit "Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb". Nakata bekommt das unmenschliche Arbeitssystem am eigenen Leib zu spüren. Er wird von seinem Vorgesetzten Masao Tachihara und dessen Adjutanten in das Büro eingeführt. Das heißt, er muss auf allen vieren durch das Büro kriechen und mit einer insektenvernichtenden Spraydose ein imaginäres Insekt töten. Das muss sterben, bevor es an die Mittagspause geht. Der Boss hat leider nicht mit der Schusseligkeit des aufgeregten Neulings gerechnet. Erst nimmt der die falsche Spraydose, eine rote Farbdose, und sprüht sie ihm dann ausgerechnet noch ins bald fuchsrote Gesicht. Die Sachlage ist klar, der Jüngling wird im Büro grün und blau gedroschen. Windelweich wankt der Versagende Abends heim. Nach der Prügelattacke des emotionalen Puterchefs musste er wohl tatsächlich noch bis zum Feierabend im Büro ausharren und schuften.

Immerhin gibt es noch Shirakawa. Der lädt ihn ein zu sich, schickt seine Freundin weg und besorgt es dem Gedemütigten. Er wickelt ein Lampenkabel um dessen Hals und rattert ihn. Bemerkenswert ist, dass auch Nakatas Brustwarzen blau sind. Der Chef hat ihm also nicht nur wiederholt mit seinen Lackschuhen die Eier gestiefelt sondern auch noch dessen Warzen gezwirbelt.

Aber genug gehandelt! Der Film ist zu Beginn eher wie ein Hardcorefilm aufgebaut. Kurze Einführung und schon wird gefesselsext. Der Sex entspinnt sich zwischen zwei Parteien. Einmal eine Dreierkonstellation um die beiden Knaben und eine Freundin. Und einmal zwischen dem Boss und dessen Sekretär. Der Film gleitet streckenweise ins Surreale ab. Nakata etwa träumt sich immer wieder als Insekt. Er liest auch Kafkas Verwandlung ausgiebig. Kafka wird auch an einigen anderen Stellen des Einstünders direkt ins Gedächtnis gerufen, so auch in dem Klub, "Der Prozess". Als Insekt hat Nakata die Möglichkeit, andere Körper, auch anal, zu infiltrieren. So auch den Straßenschläger, den er für seine schlechten schulischen Leistungen ausmacht.

Der Film ist über Strecken aufregend gemacht. Bevor der erste Mensch spricht oder überhaupt eingeblendet wird, sehen wir eine Spraydose in Arbeit, das Bild des weißen Dampfes ist eine rechte Analogie des Ejakulats. Ejakulat wird auch weniger implizit eingeblendet, etwa zum Finalen Akt, einem 69er zwischen den Knaben. Es beginnen und beschließen den Film. Was mich stutzig machte ist, dass jeder zu jeder Zeit Socken trug. Sie vollführen mit ihren Spinnenartigen Körpern die spannensten Fesseleien aber die Fleischfarbenen Strümpfe bleiben am Körper. Gibt es in Japan ein Gesetz dagegen, bare Füße zu zeigen? Oder ist das ein besonders ausgefallener Fetisch?
Erwähnenswert auch das normative Denken. Während der Boss zu Beginn den Jüngling prügelt, rutscht dem das Schauspiel genießenden Sekretär ein Schimpfwort raus. Der Chef hält inne und verbittet sich eine derartige Gossensprache. Da sie in einem Büro und damit arbeitstätig seien, sieht er das wohl als Grobheit. Auch der Freund des Knaben, sieht sich außerhalb aller Homosexuellen Empfindungen. Auf die Dreiecksbeziehung angesprochen, erklärt er seine Weltsicht. Es sei üblich, dass dann beide Männer die Frau lieben und nicht die Männer sich untereinander.

Denkt nicht SM wäre Sadomasochismus. Es ist die Abkürzung für Shocking Madonna

In der Splatting Image 27 ist übrigens ein Doppelinterview mit Hisaysu Sato und seinem Kollegen Takehisa Zeze. Das ist 20 Jahre her, vielleicht haben das ja einige hier schon vergessen. Sato machte die Filme (Zu der Zeit knapp sechs pro Jahr) nebenberuflich und es kostete ihn eher Geld. Das wiederum verdiente er mit Hardcore- und Karaokefilmen. Jedenfalls ist das Interview sehr interessant, bezüglich der Bedeutung von Liebe in Japan und weswegen Küssen in der Öffentlichkeit verpönt ist, während es andererseits, ebenso öffentlich, bizarrste Sexbilder gibt. Aber das verwurste ich vielleicht für einen späteren Film.




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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 10.06.2015 12:02 
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Love - 0 = No Limit
Iyarashii hitozuma: nureru
Japan 1994
Regie: Hisayasu Sato
Drehbuch: Shirô Yumeno
Musik: Takayuki Hayashida
Kamera: Masashi Inayoshi
Darsteller: Kiyomi Itô, Takeshi Itô, Ryûmei Homura, Satomi Shinozaki
Dai Hiramitsu




HIV, Obdachlosigkeit, Vampirismus und ein Saxophonist


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Herr Bessho hat es im Grunde geschafft in seinem Leben. Er ist ausgebildeter Lehrer und verdient sich ein Zubrot im TV als Drehbuchschreiber. Er lernt eine flotte Biene kennen, erst 20 Jahre alt. Sie flirten und techtelmechteln und bald ist es soweit. Herr Bessho verliebt sich, er will sie heiraten. Doch wie das Leben so spielt, nimmt sie sich alsbald einen anderen. Der Liebesdilletant stürzt in ein schweres Loch. Im Delirium wandelt er durch Tokio und lebt fortan als Obdachloser. Die Zeit schlägt er tot, in dem er wahllos Passanten folgt. Bald landet er folgerichtig auf einer Müllkippe. Dort lernt er ein Pärchen kennen, bei dem das Paarsein klappt. Er trifft erst den Mann, dieser drückt ihm ein Fernglas in die Hand und darf fortan dessen Frau beobachten, wie sie sich hinter dem Fenster eines Baucontainers selbst befriedigt.
Glück muss man haben!
Doch bald beschleicht ihn das Gefühl, dass mit den beiden etwas nicht stimmt. Mit Spritzen hantieren sie, injizieren sich gegenseitig das Blut des anderen, als Zeichen wahrer Liebe und auch als Kick. "Besser als Sex" sei das, erkennt der Mann. Nein, verneint Herr Bessho und der Lehrer kommt wieder zum Vorschein. Er belehrt ihn über Aids, über Saxophonisten und all seine Weisheiten, die er in Petto hat.
Doch: Der einzige der von dem Trio HIV-Positiv ist, ist Herr Bessho.

Das findet er erst später raus und diese Erkenntnis stürzt ihn in ein noch tieferes Loch, schüttelt etwa Mülltüten auf die Straße. Der Fall liegt nämlich so, dass es noch ein anderes Pärchen gibt. Ein angesehener Arzt, Kurebayashi Atsuo, und eine Physikerin. Er nimmt seine eigene Frau als Versuchskaninchen für Steroide. Sie entäußert sich ihres Innenlebens und wird ein identitätswandelnder Vampir. Der Arzt beauftragt ihn, sie zu beobachten. Der Lehrer will folgerichtig bald Sex mit ihr, verliebt sich auch wieder, dieser Idiot, doch das Liebesfiasko mit seiner ersten großen Liebe hat ihn auch noch impotent gemacht.

Warum willst Du es hell? Dinge sind langweilig ohne Schatten

Der Lehrer steht nun also zwischen zwei völlig bizarren Geschlechtsgemeinschaften und merkt vielleicht bald, dass das Paarleben auch nicht der Weisheit letzter Schuss ist.


Im Grunde läuft in dem Film alles darauf hinaus, was für eine arme Wurst der Lehrer ist. Später erklärt er sogar, dass seine Liebe tot sei. Aber sie ist nur tot für ihn. Ganz tot klingt einfach besser und erzeugt wohl auch mehr Mitleid als ein "Sie hat mich für den Produzenten verlassen". Doch die arme Wurst ist der Arzt, er lässt seine Frau überwachen, faselt wirres Zeug, geschlechtsverkehrt andere Frauen. Klar, der zufriedenste kann er nicht sein. Er hat seine Frau abhängig von Steroiden gemacht und die zieht nun als blutsaugender Rachevampir durch die Stadt und sexmordet zielstrebig HIV-Täter. Und dann verlieben sich die beiden, seine Frau und der Lehrer auch noch inenander.
Alles in allem ein....skurriler Film, der die Vampirsaga mit der HIV-Epidemie verbindet. Eine düstere Sexorgie Unglücklicher mit vielen artifiziellen Bildern.



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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 10.06.2015 12:04 
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Lustmord/ Boko Honban
Japan 1987
Regie: Hisayasu Sato
Drehbuch: Taketoshi Watari
Darsteller: Nanako Fujitani, Yui Hoshikawa, Yutaka Ikejima


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Eijis Vater war Wissenschaftler von Schrot und Korn. Bei seinen Experimenten nahm er keinerlei Rücksicht auf Mensch oder Natur. Sein Vorgehen hat ihm eine Vorladung vor die Ethikkommission der Tokyoer Universität gebracht. "Unethisch" nannten die Experten sein Verhalten und entließen ihn fristlos. Natürlich, wäre er ein Dr. Mureau, könnte er seine Experimente an Affen auf einer geheimen Vulkaninsel nachgehen. Doch er hat eine Frau, eine angesehene Wissenschaftlerin und auch einen Sohn. Nur er ist gesellschaftlich und beruflich verbrannt. Seine Sicherungen schmoren durch, er wird wahnsinnig und begeht folgerichtig Selbstmord.

Everybody is insane....insane

Doch seine Frau, Mrs. Kureyuki forscht noch immer. Als Alleinerziehende und Berufstätige nimmt sie in den achtziger Jahren eine Vorreiterrolle ein, fernab vom Klischee der kochenden Hausfrau, die nur für den Mann sorgt.. Momentan hat sie ein weibliches Teenagertrio im ärmlich eingerichteten Schmutzlabor: Riko, Taeko und Tomoko. Sie bindet die drei fest und erprobt an den Probanden einen neuen Wirkstoff, der den seelischen Haushalt im Gleichgewicht halten soll. Der Wirkstoff macht keine Probleme, im Gegensatz zum pubertierenden Sohn Eiji. Der will gegen die Traurigkeit vorgehen, da diese eine dem Menschen völlig nutzlose Emotion sei. Er forscht im Kinderzimmer an Mäusen und will auch Mutters Versuchskaninchen mitbenutzen. Dabei sind seine Kenntnisse vom Stammhirn erschreckend tiefgründig für einen 17-jährigen. Natürlich verneint sie sein Anliegen, an Teenagern zu experimentieren. Immerhin ist er noch Schüler und somit nicht mehr als ein genialer Dilettant. Heimlich vertauscht der Autodidakt die Proben und dem Trio wird sein bizarres Gemisch gespritzt - mit unabsehbaren Folgen.

Wenn die Libido glücklich macht, ist das Experiment gelungen. Doch das sexuelle Verlangen mischt sich selbstverständlich mit Schmerz. Vergewaltigungen und Blutfontänen gehen Hand in Hand. Die erotische Groteske mündet in ihrer grausam-bizarren Mischung aus Eros und Thanatos in einem Blutinferno.
Als Mittelpunkt des Films wirkt der Sohn Eiji. Ein muskelloser Jüngling, der in seiner entstellenden Hässlichkeit aussieht wie eine misslungene japanische Version von Beavis & Butthead. Dass er einen kleinen Knacks hat, wissen wir nicht erst, seit er seine Mutter fesselt und vergewaltigt. Die Anzeichen treten schon früher in Erscheinung. Seiner antikommunikativen Art frönt der verklemmte Voyeur, indem er Frauen durch die Ferne beobachtet - mit dem Fernglas.

I was a mighty warrior, who always smelt of blood

Das andere Zentrum des Films, um das sich schlussendlich alles Drehen wird, ist Riko. Eine der drei weiblichen Versuchskaninchen. Während die anderen beiden in den völligen Wahnsinn abdriften, die Selbstbefriedigung geht mit Selbstverstümmelung einher, lebt sie das Leben eines gewöhnlichen Teenagers fort und spielt Tag ein Tag aus Sailor Moon auf der Konsole. Auch auf ihr Gewicht scheint sie zu achten. Im Kühlschrank stapeln sich ausschließlich Äpfel. Sie wird die Initiative ergreifen und den Knaben verführen. Bei ihr mischt sich das Extrakt, das Lust mit Schmerz verbindet mit dem Konsolenspiel. Sailor Moon bringt sie dazu, die virtuelle Realität in die tatsächliche zu übertragen. Sie gewinnt Lust nicht nur durch die Selbstverstümmelung sondern auch durch sadistische Folter und Mord, die kindliche Sailor Moon macht aus ihr einen mordlüsternen Vamp. Die Sternenkriegerin wird es auch sein, die den Film rahmt. Er begint mit einem virtuellen Schwert, das zu Boden sinkt und das letzte Frame ist einem Game Over Schriftzug vorbehalten.

When I slaughtered the enemy, pleasure ran through my blood, like an electrical current

Ein interessanter Film. Regisseur Hisayasu Sato hat den gleichen Plot, mit den gleichen Figuren einige Jahre später erneut aufgegriffen. Im Jahr 1994 mit dem Werk Naked Blood. Die virtuelle Realität tritt dort noch stärker zu Tage. Doch dieser Prototyp des späteren Meisterwerks ist einen Blick wert. Die Weiblichen Genitalien werden hier durchaus eingeblendet, verdeckt nur durch Rasierschaum oder Blut. Eine der Probandinnen verbindet Schmerz und Lust mit einem Essfetischismus. Sie ist völlig besudelt mit gekochten Nudeln und Kühlschrankinhalten. Mit dem Messer traktiert sie in Trance ihre Vagina. Das sind Szenen, bei denen ich wegschauen musste. Spannend war die Auflösung des Films. Dass es da so einen unabsehbaren Turn gab, ist keine Normalität bei Sato. Selbstverständlich - der Knabe zerstörte die Karriere der Mutter. Sein Herumexperimentieren ist der Auslöser für die Geschehnisse. Dass der Dreh- und Angelpunkt aber eines der Mädchen ist, die sich durch Sailor Moon in eine brandschatzende Serienmörderin entwickelt, die sich schlussendlich sogar von Obdachlosen bespringen lässt, war erschreckend. Sie mutiert durch das Videospiel.
Guter Film.



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BeitragVerfasst: 01.12.2017 19:32 
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Oliver Nöding stößt das Tor zur Hölle auf und entdeckt uns den Sato wieder.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 01.12.2017 21:53 
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Danke für diesen genialen Thread, hab den erst jetzt durchs hochholen bemerkt, werde ich mir die Tage alles mal genüsslich durchlesen :o
Bin jetzt schon länger auf der Suche nach Lustmord, Turtle Vision und Re-Wind u.a. aber seine Filme sind hier ja nicht so leicht zu kriegen bis auf Naked Blood. :(


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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 03.12.2017 10:55 
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Dr. Freudstein hat geschrieben:
Danke für diesen genialen Thread, hab den erst jetzt durchs hochholen bemerkt, werde ich mir die Tage alles mal genüsslich durchlesen :o
Bin jetzt schon länger auf der Suche nach Lustmord, Turtle Vision und Re-Wind u.a. aber seine Filme sind hier ja nicht so leicht zu kriegen bis auf Naked Blood. :(

.... gibt es zu den Filme evtl. Tipps für jeweilige VÖ`s ?
Gerne auch Auslands-Disks Code A und O-Ton , sofern qualitativ Top ( bluray etc.)

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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 03.12.2017 22:14 
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trebanator hat geschrieben:
.... gibt es zu den Filme evtl. Tipps für jeweilige VÖ`s ?
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Haha, das wär's! :mrgreen:
Hisayasu Sato auf Blu-ray würd ich mir auch sofort ins Regal stellen. :schilder_hschild:

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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 04.12.2017 01:51 
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Schöner Thread. Von Sato kenne ich leider nur Naked Blood, den ich aber sehr beeindruckend finde und der eine wunderbar kalte und gleichzeitig hypnotische 90er-Videoatmosphäre hat, ein bisschen wie Vaporwave-Musik, oder ist der Bezug jetzt zu weit hergeholt??

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Higurashi no Naku Koro ni


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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 06.12.2017 11:38 
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trebanator hat geschrieben:
Dr. Freudstein hat geschrieben:
Danke für diesen genialen Thread, hab den erst jetzt durchs hochholen bemerkt, werde ich mir die Tage alles mal genüsslich durchlesen :o
Bin jetzt schon länger auf der Suche nach Lustmord, Turtle Vision und Re-Wind u.a. aber seine Filme sind hier ja nicht so leicht zu kriegen bis auf Naked Blood. :(

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In dieser Violent Pink Reihe gibt es noch andere Filme von ihm, sind aber alles nur DVD-R. Würde mir persönlich zur Not aber auch langen. ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 10.12.2017 06:36 
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Satos The eye's dream von 2016 ist übrigens für nächstes jahr vom Deutschen label midori Impuls als vö angekündigt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der pinke Lustmörder: HISAYASU SATO
BeitragVerfasst: 10.12.2017 10:40 
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... Danke für die Info`s... da warte ich dann aber lieber mal. Hab eh noch viel zu viel zum gucken hier rumliegen... ;)
...... Die Scheibe von Midori werd ich natürlich einsacken :)

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