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THE NAZI ISLAND MYSTERY & POL POT POLKA - r.evolver
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Autor: Randolph Carter [ 08.02.2014 12:46 ]
Betreff des Beitrags: THE NAZI ISLAND MYSTERY & POL POT POLKA - r.evolver

The Nazi Island Mystery
Österreich 1999/2010 - Written by r.evolver

Pol Pot Polka
Österreich 2013 - Written by r.evolver

Bild

"Sie reden. Ich blase!"
(Kay weiß, wie sie Männer zum Sprechen bringt)

Ihr Name ist Blanchard. Kay Blanchard. Und sie ist eine Wucht. Dieses rothaarige Teufelsweib mordet, kämpft und fickt sich durch r.evolvers sensationelle Pulp-Romane, daß es nur so eine Art hat. Laut dem Autor standen einige berühmte Damen Pate für die rattenscharfe MI6-Agentin, wie z. B. Modesty Blaise, Emma Peel oder auch Barbarella. Sogar ein paar Eigenschaften seiner Lebensgefährtin ließ das Wiener Multitalent in die Figur seiner Antiheldin mit einfließen. Kay Blanchard ist eine etwa dreißigjährige, mittelgroße britische Geheimagentin, die unglücklich in ihren Chef verknallt ist und sich mit einem kleinen aber immens lästigen Gewichtsproblem herumschlagen muß, was hin und wieder mit fiesen Kommentaren à la "fette Sau" von Seiten ihrer GegnerInnen quittiert wird. Ihre bevorzugte Waffe ist ein Stilett (Schußwaffen sind aufgrund eines traumatischen Erlebnisses tabu), aber auch im körperbetonten Nahkampf weiß Kay zu überzeugen. Ihr üppiger Körper mit den eher kleinen aber festen Titten und dem etwas zu groß geratenen Knackarsch steckt meist in einer hautengen schwarzen Lederkluft. Kay ist ständig geil, schnell feucht, und für jedes sexuelle Abenteuer (ob mit Mann oder Frau ist ihr schnuppe) zu haben. Eine weitere Schwäche der selbstbewußten, launenhaften und respektlosen Lady ist es, daß sie ihre Finger nicht von Drogen lassen kann, was sich in manchen Situationen eher suboptimal auswirkt. Dafür hat Kay ein traumwandlerisches Gespür für die Schwachstellen ihrer Gegner, und mit ihrem oft nicht zu bändigenden Mundwerk macht sie aus diesem Umstand auch kein Geheimnis. Und sie liebt ihr Vaterland, reißt sich für England regelrecht den Arsch auf, und das "für eine Königin, die aussah, als wäre sie beim Waschen eingegangen" (TNIM, S. 39).

Kay Blanchards bizarre Abenteuer - The Nazi Island Mystery und Pol Pot Polka - sind in der sehr nahen Zukunft (oder in einem Paralleluniversum?) angesiedelt. Nachdem in Triest die verunstaltete Leiche des Biochemikers und Agenten des Military Intelligence 6 Dr. Braven Dreyer aufgetaucht ist, schrillen beim britischen Geheimdienst die Alarmglocken. Denn Dreyers letzte Nachricht, "Victoria geht es schlecht", bedeutet nichts anders, als daß das Empire in höchstem Maße bedroht ist. Kay, die sich als Biochemikerin Claudia Steinmetz tarnt, wird auf den verzwickten Fall angesetzt. Eine erste Spur führt in die von Nazis regierte City of Vienna, der Schaltzentrale des Vierten Reiches, und in die Jobvermittlung der Karin Wilkens im Riefenstahl-Tower. Dort finden sich Hinweise auf eine kleine Adria-Insel, auf welcher der skrupellose Ilsa-Verschnitt Inge Stein in ihrem geheimen Labor auf Teufel komm raus herumexperimentiert. Kann Kay The Nazi Island Mystery lösen? Etwas mehr als ein Jahr nach den Ereignissen auf Nazi Island findet sich unsere Antiheldin völlig auf sich allein gestellt in Phnom Penh wieder. Und diesmal ist gar nichts roger in Kambodscha. Schießwütige Ledernonnen wüten in den Straßen, verfaulende Golf-Zombie-Mutanten leben in U-Bahn-Schächten, in Torture City lassen Sadisten ihren abartigen Neigungen freien Lauf, Yoga-Übungen enden mit zerbröselten Genicken, Lifestyle-Nazis landen in den Mägen von Kannibalen ("Diese Nazis sind zäh wie ein Gartenschlauch." - PPP, S. 133), und eine zwergenhafte Killertranse samt Killer-Sex-Roboter sorgt für weiteren Schrecken. Daß Kay unter Gedächtnisverlust leidet und keinen blassen Schimmer hat, was zum Teufel sie eigentlich in der Stadt verloren hat, macht die Sache auch nicht besser. Zumal die Pol Pot Polka schon längst begonnen hat.

Holy fucking shit! Als ich durch Mundpropaganda auf diese haarsträubend verrückten Romane aufmerksam gemacht wurde (und ich sie natürlich sogleich bestellt habe), war meine Erwartungshaltung in etwa so hoch wie der Burj Khalifa. Kein Wunder, schließlich paßt die Art Roman perfekt in mein Beuteschema und macht mich so an wie Diana Rigg in The Avengers oder Emma Stone in Easy A. Und zu meiner großen Freude darf ich verkünden, daß sowohl The Nazi Island Mystery als auch Pol Pot Polka der schier ungeheuren Erwartungshaltung stand hielten. Beide Romane sind genialer Pulp, der mich spielerisch in eine selten krasse (Alternativ-)Welt entführt und mich so verdammt dolle unterhalten hat wie kaum ein Buch zuvor. Dem Autor ist da tatsächlich etwas absolut Phantastisches gelungen. Durch seinen knappen aber präzisen Schreibstil entwickeln die Romane eine furiose Dynamik, die ihresgleichen sucht. r.evolver jagt seine Antiheldin (und damit den Leser, wird doch alles aus Kays Sicht in der Ich-Form geschildert) förmlich durchs wilde Geschehen, gibt ihr (und uns) kaum Zeit zum Verschnaufen, wenn sie durch solch irrwitzig-brenzlige Situationen stolpert, daß selbst ihr berühmter Kollege James Bond entnervt das Handtuch geworfen und sich seinem Schicksal ergeben hätte. Hemmungslose Turbo-Action ist hier angesagt, deren schwindelerregendes Tempo alles mit sich reißt. Doch mag ihre Lage auch noch so aussichtslos erscheinen (und Cliffhanger-Momente gibt es mehr als genug), Kay gibt nicht auf und findet garantiert einen Weg aus dem Schlamassel. Und ihre Aktionen sind weder unlogisch noch gekünstelt und schon gar nicht unmöglich, sondern irgendwie stets nachvollziehbar, sofern man über eine gesunde Portion Phantasie verfügt und keine Wahrscheinlichkeitsrechnung anstellt.

Über einen Mangel an Phantasie kann sich auch der Autor nicht beklagen, ist die Welt, die er schildert, doch völlig aus den Fugen geraten. Nicht nur haben die Nazis ihr Viertes Reich errichtet und mischen in der Weltpolitik kräftig mit, auch galaktische Werwölfe kommunistischer Gesinnung, mörderische Karate-Miezen, außerirdische Zorro-Zwerge auf düsenbetriebenen Rollschuhen, hungrige Riesenkopffüßer, menschenverschlingender Schleim, Stan Laurel- und Oliver Hardy-Klone und allerlei durchgeknalltes Gesindel mehr treiben ihr Unwesen. Selbst Django schaut mit seinem Sarg kurz vorbei und läßt seine Kanone rattern! Dieser bizarre Ideen-Tsunami ist manchmal fast zuviel des Guten, sodaß das übersättigte Gehirn verzweifelt die weiße Fahne zu schwingen beginnt. Eine kurze Erholungspause zwischendurch schafft dem allerdings wieder Abhilfe. Daß sich der Schriftsteller gerne auch in der Film-, Trash- und Popkulturgeschichte bedient, läßt sich angesichts solcher Kapitelnamen wie "Karate, Küsse, wilde Katzen", "Nackt unter Leder", "Nonnen, geschunden und gequält" oder "Im Todestempel der Sadohexen" kaum verleugnen. Und doch hat man zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, als würde r.evolver irgendwo klauen oder abkupfern. Seine wunderbaren Pulp-Abenteuer sind originell, gewitzt, trashig, cool, grotesk, unkonventionell, politisch unkorrekt und enorm unterhaltsam. Sie sind ernst, aber niemals zu ernst. Sie sind schnörkellos, locker und mit einem staubtrockenen Humor durchsetzt, aber niemals verbissen und verkrampft. Sie sind brutal, geschmacklos und pervers, aber niemals prätentiös oder unangenehm, sondern immer charmant (wer kann schon Sätzen wie "Ein Projektil vom Kaliber .45 fetzte seine blöde Nazirübe vom dürren Nazirest" (TNIM, S. 43) widerstehen?). Sie sind raffiniert strukturiert, twistreich und voller absurder Einfälle (beim Festival der Weltgeschichte wird z. B. die Schlacht von Waterloo nachgestellt - mit authentischen Körperteilen von politischen Gefangenen für die Splatter-Effekte!), aber r.evolver verliert sich niemals in unnötigen Subplots und verzichtet auf alles, was vom Wesentlichen ablenkt. Auch ironische Brechungen und ein anbiederndes Augenzwinkern sucht man hier gottlob vergebens. Klar, r.evolver ist weder ein Stephen King noch ein Joe R. Lansdale, und das ist auch gut so. Denn er beweist, daß auch abseits der anspruchsvollen Unterhaltungsliteratur voller emotionaler Tiefe verdammt großartiger, kurzweiliger und lesenswerter Schund existiert. Seine beiden Romane sind vor allem eines: ein großer, deftiger, anspruchsloser, schmutziger, geiler Spaß. Und sowas von nicht jugendfrei.

The Nazi Island Mystery begann sein Leben im Oktober 1999 als erster deutschsprachiger Online-Fortsetzungs-Roman im Internet (auf der Seite der österreichischen Netzzeitschrift Evolver). Die Buchveröffentlichung aus dem Jahre 2010 ist eine Art Director’s Cut, d. h. der Autor hat seine episodenhafte Geschichte sorgfältig überarbeitet, um dem rasanten Geschehen einen besseren Fluß zu geben. Außerdem gibt es Extras in Form eines Vorwortes und eines Interviews. Beide Romane sind in aussagekräftig betitelte Kapitel unterteilt, welche mit einer kleinen aber spoilerfreien Vorschau auf kommende Ereignisse beginnen und sogar eine Soundtrack-Empfehlung zur adäquaten Beschallung beinhalten. The Nazi Island Mystery wird dem Leser auf 115 Seiten enthüllt, während die Pol Pot Polka 155 Seiten lang getanzt wird. Ein drittes Abenteuer mit dem Titel Surfin' Saigon befindet sich in Vorbereitung, und anscheinend ist auch ein Prequel namens Beirut Boogie geplant (eine Leseprobe davon gibt es jedenfalls bereits in Super Pulp # 1, dem Fachblatt für Pulp-Thriller, Horror & Science Fiction). Wer also einen Blick riskieren will, der begebe sich vertrauensvoll zu Evolver Books. Aber Achtung! Für unvorbereitete Gemüter lauert bei diesen trashigen Pulp-Overkills die akute Gefahr in Form einer Überdosis, welche irreparable Schäden anrichten kann. Behauptet bloß nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Autor: Islay [ 08.02.2014 14:07 ]
Betreff des Beitrags: Re: THE NAZI ISLAND MYSTERY & POL POT POLKA - r.evolver

Nach dieser Review bin ich doch glatt am Überlegen, mir mal wieder Unterhaltungsliteratur zu holen. :D

Seh' ich's richtig, dass es "The Nazi Island Mystery" nur digital (Kindle) gibt? Oder gibt's das ganze auch in gedruckter Form (über einen Kanal, den ich nicht entdeckt hab)? :?

Autor: november2 [ 08.02.2014 14:48 ]
Betreff des Beitrags: Re: THE NAZI ISLAND MYSTERY & POL POT POLKA - r.evolver

Bei Amazon wohl nur über einen Marketplace-Händler erhältlich (ist der Verlag selbst):
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Ansonsten auch im verlagseigenen Shop:
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Autor: Islay [ 08.02.2014 15:13 ]
Betreff des Beitrags: Re: THE NAZI ISLAND MYSTERY & POL POT POLKA - r.evolver

Besten Dank! :)

Autor: Randolph Carter [ 09.02.2014 12:04 ]
Betreff des Beitrags: Re: THE NAZI ISLAND MYSTERY & POL POT POLKA - r.evolver

Ja, wie von november2 bereits erwähnt: Die Buchausgaben kann man direkt über die Verlagsseite bestellen. *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

Wer sich erst einlesen bzw. mit den Stil des Autors vertraut machen möchte... hier geht es zum ersten Kapitel von The Nazi Island Mystery: *** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar, zum Login. ***

Autor: POshy [ 09.02.2014 13:58 ]
Betreff des Beitrags: Re: THE NAZI ISLAND MYSTERY & POL POT POLKA - r.evolver

Hört sich sehr interessant an, da werde ich wohl mal nen Blick riskieren :)

Frage: muss man zuerst TNIM lesen um die Zusammenhänge zu verstehen oder kann man auch mit PPP beginnen?

Autor: Logge1002 [ 09.02.2014 14:53 ]
Betreff des Beitrags: Re: THE NAZI ISLAND MYSTERY & POL POT POLKA - r.evolver

Solltest schon erst tnim lesen ;-)

Gesendet von meinem GT-I9100 mit Tapatalk

Autor: Randolph Carter [ 10.02.2014 17:55 ]
Betreff des Beitrags: Re: THE NAZI ISLAND MYSTERY & POL POT POLKA - r.evolver

Logge1002 hat geschrieben:
Solltest schon erst tnim lesen ;-)


Sehe ich auch so.

Autor: POshy [ 12.02.2014 13:08 ]
Betreff des Beitrags: Re: THE NAZI ISLAND MYSTERY & POL POT POLKA - r.evolver

Ok, dann ich mir den mal zulegen demnächst.

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