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Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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Autor: Chet [ 26.11.2013 20:56 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Das Bildnis der Doriana Gray (OT: Die Marquise von Sade; Schweiz; 1976; Jess Franco)

Doriana Gray (Lina Romay) lebt alleine in einem idyllisch gelegenen Schloss. Sie hat auch eine Zwillingschwester, die in einer Nervenklinik ihr Dasein fristet. Während sie kaum fähig ist, sexuelle Lust zu empfinden, ist ihre Schwester nymphoman veranlagt, aber dafür geistig zurückgeblieben...

Oh je! Mal wieder ein ziemlich ungenießbarer Franco-Heuler, der einem quälend vor Augen führt, was mit seinen Filmen manchmal nicht stimmt. Dabei wirken die ersten Sekunden noch recht einladend: man hatte hier als Schauplatz wirklich einen tollen fremdländisch aussehenden Bau zur Verfügung, umgeben von einem prächtigen Garten. Warum dieser, wenn es an die Außenaufnahmen geht, immer wieder aus den gleichen zwei Winkeln (siehe die ersten beiden Screenshots) gefilmt wurde, kann man sich dann aber auch bald fragen. Überhaupt sind die an sich recht edlen Bilder ständig auf eine so sauber-sterile (typisch für die Dietrich-Francos) und statisch-gestelzte Weise eingefangen, dass damit beinah jede Faszination zunichte gemacht wird. Muss man das wirklich als meditatives oder poetisches Filmerlebenis bezeichnen, nur weil scheinbar (!) alle dafür nötigen Zutaten vorhanden sind und das geschwollene Geschwafel mitunter noch philosophische Tiefe vorgeben will? Echte Poesie darf niemals so apathisch und schwerfällig sein! Zumal Franco diese Herangehensweise auch nicht durchhält, sondern zwischendrin - unbeholfen oder beabsichtigt, auch egal - regelmäßig mit extrem plumpen Stilbrüchen ankommt. Die Musik besteht oft nur aus einzelnen Sitar-Klängen und sowas, was ebenfalls nicht der Bringer ist, aber für so eine aufgesetzte Melange aus möchtegern-mystisch-exotisch-poetischem Kauderwelsch natürlich perfekt passt. Zur Geschichte muss man auch nichts weiter sagen, diese ist nämlich so uninteressant und vorhersehbar, wie es nur geht (aber das alleine wäre nicht das Problem).

Was hätte ein Regisseur vom Schlage eines Mario Siciliano oder Sergio Bergonzelli aus diesem Stoff gemacht? Wenn ich deren Filmen oft einen gewissen Schwung und eine Geschmeidigkeit zugesprochen habe, dann ist das, was Franco hier macht, das absolute Gegenteil davon. Verehrer von Lina Romay können sich ja die nun ebenfalls erhältliche Blu-ray besorgen und sich dann darauf einen runterholen, wie ihre Göttin durch die leblosen Hochglanzbilder schreitet oder sich in Großaufnahme ihre Muschi rubbelt. Für alle anderen eher nicht empfehlenswert.

Autor: Chet [ 02.12.2013 01:24 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Armour of God - Der rechte Arm der Götter (OT: Long xiong hu di; Hongkong/Jugoslawien; 1987; Jackie Chan/Eric Tsang)

Jackie (Chan) wird durch die "Rüstung Gottes" in turbulente Schwierigkeiten gebracht: bei einen afrikanischem Stamm stibizt er ein Schwert, das Bestandteil der Rüstung ist, später versteigert er es. Dann wird jedoch die Freundin seines Kumpels von finsteren Gestalten entführt, und als Lösegeld wird die Rüstung gefordert...

Jackie Chan und Indiana Jones, zwei Helden meiner Kindheit, hier quasi vereint in einem Film! An erstaunlich viele der Szenen hatte ich noch dunkle Erinnerungen, die nun wieder aufgefrischt wurden. Bei solchen Lieblingsfilmen aus jüngeren Jahren kann man ja nicht immer sicher sein, ob sie mit großem Abstand immer noch die gleiche Wirkung entfalten. Aber in dieser Hinsicht hat sich der Streifen echt nicht schlecht geschlagen. Die Story ist etwas dünn und fühlt sich nach Mittel zum Zweck an. Der Humor ist gewöhnungsbedürftig. Allerdings macht es einfach Spaß, diesen Abenteuern quer durch interessante europäische Schauplätze, garniert mit mystisch überzeichneten Bad Guys, temporeichen Verfolgungsjagden und akrobatischen Kloppereien (die irgendwie gleichermaßen bodenständig und handgemacht sowie auch irreal und bombastisch sind), zu folgen. Schon die Eingangs-Sequenz entwickelt eine Dynamik, die man an dieser Stelle gar nicht adäquat beschreiben kann. Die Musik trägt ebenfalls schön dick auf und treibt das Geschehen richtig voran.

Ein bestens aufgelegter Jackie Chan in einer Genre-Kreuzung, die ich immer noch ziemlich genial finde. Früher einer meiner Lieblingsfilme und auch heute immer noch recht nett.

Autor: effetess [ 02.12.2013 09:30 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Hier mal ein goßes Lob für deine ausführlichen Reviews und die Mühe. Bei dir finde ich immer wieder was Interessantes aus Italien, was ich noch nicht kenne. Weiter so.

Autor: Chet [ 05.12.2013 20:56 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

effetess hat geschrieben:
Hier mal ein goßes Lob für deine ausführlichen Reviews und die Mühe. Bei dir finde ich immer wieder was Interessantes aus Italien, was ich noch nicht kenne. Weiter so.

Oh, hab erst jetzt gesehen, dass es hier einen Kommentar gibt. Danke! Und weiter geht's mit einem, wie ich finde, sehr interessanten Film...


Alice (OT: Alice ou la dernière fugue; Frankreich; 1977; Claude Chabrol)

Alice (Sylvia Kristel) verlässt in einer stürmischen Regennacht Hals über Kopf - oder vielleicht auch schon länger geplant? - ihren Mann. Auf der Fahrt durch ein Waldstück geht die Windschutzscheibe ihres Autos zu Bruch. Sie muss anhalten und findet bei einem älteren Herrn und dessen Diener in einer alten Villa Unterschlupf. Am nächsten Morgen wird sie von bizarren Geräuschen aus dem Schlaf gerissen. Von den Personen des letzten Abends ist nichts mehr zu sehen. Sie durchstreift daraufhin das weitläufige Areal rund um das Anwesen, gelangt dabei jedoch immer wieder nur an eine Mauer, die scheinbar nirgendwo einen Durchgang hat. Bald trifft sie auf einen anderen mysteriösen Mann, der ihre vielen Fragen zu der Situation jedoch ebenfalls nicht beantwortet...

Und ein weiteres Beispiel für verfilmte Schauerromantik aus den 70ern. Beseelt von einer dichten traumwandlerischen Atmosphäre, in der man so richtig versinken kann. So geht Langsamkeit, ohne Langeweile! Ganz behutsam und subtil wirft einem der Film immer wieder nur kleine Brocken - inhaltliche Puzzle-Teile oder eher stimmungstechnische Kniffe - vor, die dafür sorgen, dass selbst (oder gerade) die idyllischsten, sonnendurchtränkten Naturszenerien von einer dunklen, beunruhigenden Aura befallen werden. So banal es auch klingen mag, aber man will einfach wissen, wie es weitergeht. Gerade weil so wenig passiert, erwartet man mit Spannung, in welche Richtungen die Geschichte noch vordringen wird. Sylvia Kristel strahlt dabei eine besondere Mischung aus Bestimmtheit und Zerbrechlichkeit aus, und auch wenn man in dem Film eigentlich viel Gelegenheit dazu hat, man kann sich an ihr einfach nicht sattsehen, so einnehmend ist ihre Präsenz, nicht nur in dem Sinne, dass sie eine attraktive Frau ist, sondern auch darüber hinaus.

Chabrol hat hier Gott sei Dank kein krampfiges Arthouse-Kino geschaffen, sondern ein Werk, das schön fließt und den Zuschauer sanft mitreißt.

Autor: Chet [ 08.12.2013 18:01 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Die amourösen Nächte des Ali Baba (OT: Le amorose notti di Ali Baba; Italien/Frankreich; 1973; Luigi Latini de Marchi)

Ein Herrscher im Orient hat ziemlichen Ärger mit seinem Sohn Ali. Dieser hat nämlich nichts als Frauen im Kopf. Um ihn wieder auf den rechten Weg zu bringen, holt sein Vater den Psychologieprofessor Freuch aus Wien heran...

Auf den ersten Blick gar nicht so übel - erinnert ein wenig an die Decameron-Erotikklamauk-Streifen, hier halt statt Mittelalter der alte Orient als Schauplatz - artet jedoch innerhalb von kürzester Zeit zur reinsten Tortur aus. Ein unglaublicher Scheißhaufen von einem Film, bei dem gar nichts stimmt. Total lustlos runtergekurbelt und gespielt, inhaltlich nur sinnlos bizarr. Schauwerte, Erotik? Fehlanzeige. Dazu ein furchtbares Diedeldumdei als Soundtrack, das sogar mir zu cheesy war. Es gibt da eine Szene, da landet der Professor in einer Jauchegrube und hat anschließend noch für eine ganze Zeit die braune Brühe am Körper kleben. Die Szene bringt es alles irgendwie gut auf den Punkt.

Luigi Latini de Marchi hat scheinbar hauptsächlich traditionellere Abenteuerstreifen in den 60ern gedreht. Vielleicht hat er da ja solidere Kost abgeliefert. Damit in den 70ern auf den Erotik-Zug aufzuspringen, ist ihm jedenfalls gründlich misslungen. Mit Sicherheit eines der übelsten Filmprodukte, das je Italien verlassen hat und es dann sogar noch bis nach Deutschland geschafft hat. Die deutsche Synchro passt sich dem allgemein unterirdischen Niveau an, besser macht es das natürlich nicht. Alles in allem, wirklich zum Heulen scheußlich.

Autor: Chet [ 18.12.2013 18:16 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Hot Ice (OT: Hot Ice; USA; 2000; Karl Ernest)

Im Umfeld eines Stripclubs geschehen seltsame Morde, die den Ermittlern Rätsel aufgeben...

Nach Ernest G. Sauer nun Karl Ernest (nein, da besteht natürlich keine Verbindung). Erst Softerotik aus den 90ern, nun bin ich mittlerweile schon im Jahre 2000 angelangt. Wo soll das alles noch hinführen? Damit dürfte ich wohl auch endgültig in der letzten Phase angekommen sein, in der das Softcore-Kino überhaupt als Genre noch relevant war und zumindest hin und wieder noch Werke hervorgebracht hat, die nicht völlig ohne Reiz waren. Oder irre ich mich? Gibt es heute noch gute Softcore-Streifen, die halbwegs auch als "richtige Filme" funktionieren?
Nun, zurück zu HOT ICE, dem man sicher auch vorwerfen könnte, dass er inszenatorisch kaum über Porno-Niveau hinauskommt und seine Geschichte nur arg bemüht an den Mann bringt. Es gibt am Anfang eine Szene, da finden die Detectives einen Mann, der sich erhängt hat oder, wie man vermutet, erhängt wurde - unter ihm befindet sich auf dem Boden eine Flüssigkeit. Einer der Cops stippt beherzt mit dem Finger in die Pfütze rein und leckt ihn anschließend ab. Darauf sein Kollege: "Es könnte sein, dass das Opfer während des Todeskampfs uriniert hat." Ich erwähne das hier nur, weil es gut veranschaulicht, wie man sich das vorstellen kann, wenn der Film sich ab und zu an einen flapsigen Grundton versucht. Die Sache ist jedoch viel ernster! Sie gelangen nämlich zu der düsteren Vermutung: "Scheinbar waren die Opfer mit ihrer Ermordung einverstanden." Als Zuschauer weiß man jedoch schon sehr früh im Storyverlauf, was Sache ist - während die Ermittler noch im Dunkeln tappen. Der Spannung ist das nicht unbedingt zuträglich. Die erwähnte Flüssigkeit stellt ich übrigens als Wasser heraus und somit führen konsequenterweise alle Spuren zum heißesten/abgefucktesten Stripschuppen New Yorks, dem "Ice Palace". Genius! Aber was rede ich hier überhaupt... die Frage ist eigentlich nur: schaut man sich den Film wegen den zahlreichen Stripclub-Sequenzen oder wegen der drum herum gepappten Story an? Was von beiden ist ersprießlicher/interessanter/weniger langweilig? So ganz sicher kann ich das echt nicht beantworten. Wie gesagt, mit der Inszenierung ist nicht viel los. Der Soundtrack bietet teilweise solchen schön schwülstigen Smooth Jazz, der für diese Sorte Film super passt, aber auch viel elektronisches Gemurkse, das man damals wohl für voll modern und zeitgemäß hielt.

Was ich generell an billigen Softerotik-Filmen so faszinierend finde, sind diese wie verzauberten Sequenzen/Einfälle, die manchmal auftauchen, in denen selbst die schundigsten Filme kurz über sich selbst hinaus zu wachsen scheinen. Davon gibt es hier jedoch nur sehr wenig, eigentlich so gut wie nichts. Will man dicke Titten sehen, kommt man hier noch am ehesten auf seine Kosten, sofern keine Silikonallergie vorhanden ist. Denn wir befinden uns hier nun mal im Amerika des 21. Jahrhunderts!

Autor: Chet [ 20.12.2013 16:36 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Schicke deinen Teufel in meine heiße Hölle (OT: Metti lo diavolo tuo ne lo mio inferno; Italien; 1973; Bitto Albertini)

Im kleinen ärmlichen Städtchen Monte Lupone schielt man neidisch auf den Nachbarort, durch den regelmäßig Pilger, die gen Rom unterwegs sind, ziehen und auch ordentlich Geld dalassen. Also schmiedet der Stadtrat einen Plan: man zerstört die Brücke zum Nachbarort, um so die Pilger zu sich umzuleiten. Alles wird etwas aufgemöbelt, um nun hoffentlich auch bald zahlungskräftige Besucher zufriedenzustellen. Ganz vorne dabei bei der Organisation ist der Maler Riccardo (Antonio Cantafora), der im Städtchen auch so schon für einigen Aufruhr gesorgt hat - hat er doch beinah schon mit jeder Frau geschlafen...

Anfangs war ich noch skeptisch. Diese Eindeutschung des animierten Vorspanns, mitsamt plumpen Zweideutigkeiten in Sprechblasen hätte man sich auch sparen können. Auch so droht das Sammelsurium schräger Figuren fast etwas zur Freakshow auszuarten, aber schnell fängt sich der Film! Für diese Decameron-Komödien habe ich ja auch ein besonderes Faible. Die sind hinsichtlich des Flairs einfach etwas ganz Besonderes. Ich meine: da wurden Anfang der 70er wirklich Erotikkomödien im Mitelalter angesiedelt! Alles freilich mit bescheidenen Mitteln, aber die Illusion wird doch recht charmant aufrecht erhalten. Wie schon erwähnt, hier geht es ansonsten hin und her: angefangen bei der lebendigen, farbenfrohen Atmosphäre, über schöne Bilder und gelungene Einfälle, hin zu niedersten Geschmacklosigkeiten, und wieder zurück. Das Lustige ist: selbst die dümmlichsten Derbheiten oder derbsten Dümmlichkeiten, wie man will, werden noch unbeirrt mit diesem gediegenen und elganten Score von Stelvio Cipriani untermalt. Herrlich!
Ansonsten fallen hier auch ständig die Hüllen, mitunter in den abstrusesten Zusammenhängen. Die alten Herren einer kirchlichen Delegation bestehen zum Beispiel darauf, im Nonnenkloster zu schlafen. Da es in dem Ort jedoch nur ein Mönchskloster gibt, wird dieses kurzerhand durch Huren im Nonnengewand zum Nonnenkloster umfunktioniert. Später reist die selbsternannte "größte Sünderin Europas" durch den Ort und macht ihrem Namen nochmal alle Ehre, bevor sie sich in Rom die Absolution holen will. Antonio Cantafora ist auch eine klasse Besetzung als Maler/Schürzenjäger. Ja, die filmischen Auswirkungen der sexuellen Revolution waren hier noch voll im Gange!

Ein besonders schöner Moment war dann noch, als es in einigen Szenen das Schloss Balsorano zu sehen gab, das ich wie kaum eine andere Location mit der Faszination Italo-Kino verbinde. Deswegen noch einmal: Italo-Kino wie ich es mag!

Autor: Chet [ 21.12.2013 22:29 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Il peccato di Lola (OT: Il peccato di Lola; Italien; 1985; Bruno Gaburro)

Albert (Scott Coffey) lebt lediglich mit seiner Mutter und dem Diener Angus (Gabriele Tinti) in einem großen Anwesen. Kurz nachdem seine Mutter für eine Zeit lang wegfährt trifft auch das neue Hausmädchen Lola (Donatella Damiani) ein. Diese verdreht dem jungen Albert ganz schön den Kopf und seinen zurückhaltenden Annäherungsversuchen gegenüber scheint sie auch gar nicht abgeneigt zu sein. Dennoch bleibt die Stimmung eher unterkühlt. Angus bleibt der neuen Situation gegenüber misstrauisch. Dann passiert etwas, mit dem wohl niemand der Beteiligten gerechnet hätte...

Spricht man über diesen Film, muss man zuerst einmal von Donatella Damiani sprechen. Sie hatte kleinere Rollen unter anderem in FELLINIS STADT DER FRAUEN, JETZT TREIBT SIE'S AUCH NOCH MIT DEM PAUKER, HONIGMUND oder auch in DIE JUNGS VON DER POLIZEISCHULE. Kenner wissen, was Sache ist. Und wer hat sich nach diesen Filmen nicht gewünscht, wenigstens einmal mehr von ihr zu sehen? Nun, Bruno Gaburro war der Mann, der diesen Wunsch mit IL PECCATO DI LOLA in die Realität umgesetzt hat. Was für ein Glück, dass er sich die Chance, dieser Frau ein filmisches Denkmal zu setzen, nicht entgehen lassen hat! Es gibt wohl keinen anderen Film, der so um Donatella Damiani herum konstruiert ist und der sie so in den Mittelpunkt rückt. Es hätte für den Film auch wahrscheinlich keinen besseren Regisseur als Bruno Gaburro geben können, denn diesen zähle ich nach seinen extrem interessanten und formvollendeten Italo-Erotik-Einträgen MALOMBRA und MALADONNA zu den heimlichen Meistern dieses Genres.
Dieser Film hier ist im - ich würde schätzen - frühen 20. Jahrhundert angesiedelt, aus der Zeit als es schon Autos (aber alte) und Telefone (aber alte) gab. Er bietet die klassische Ausgangssituation, dass ein Dienstmädchen für allerlei Aufsehen sorgt. Viel mehr ist da aber auch erst einmal nicht, aber wie gesagt, dieses Dienstmädchen wird gespielt von, verdammt nochmal, Donatella Damiani! Wer braucht da noch mehr? Bleibt man dran, bekommt man aber noch einiges mehr! Ungefähr in der Mitte kippt das Geschehen plötzlich, eine düstere Stimmung bricht unerwartet herein und ein schauriger Thriller-Plot nimmt seinen Lauf. Nein, was hier erzählt wird, ist sicher nicht die atemberaubendste Geschichte aller Zeiten; aber durch die intime und aufgrund der wenigen involvierten Figuren fast kammerspielartig zu nennende Atmosphäre sowie den Überraschungseffekt gewinnt es enorm an Intensität hinzu. Man gerät da wirklich das ein oder andere Mal ins Staunen, ob der Einfälle, die Bruno Gaburro hier aus dem Hut zaubert - bis dann am Ende sogar in bester Giallo-Manier ein kruder Twist auf den anderen gesetzt wird.
Gaburro war hier wieder mit dem Kameramann Pasquale Fanetti vereint, der viele stimmige Bilder einfangen darf (und später dann übrigens auch, mit wechselhaften Resultaten, seine eigenen Erotikfilme gedreht hat). Die Musik des mir unbekannten Pino Pintucci bietet ein schwülstiges Saxophon-Thema, das beschwörerisch und eindringlich zur Titelmelodie von Lola's Auftritten wird; ansonsten ist der Score aber nicht ganz so herausragend. Und der gute Cast wird wieder einmal komplettiert von einem Kurzauftritt von Italo-Urgestein Maurice Poli.

Alles in allem, eine tolle und faszinierende Entdeckung. Italo-Kino, wie ich es liebe - schon wieder!

Autor: Chet [ 05.01.2014 14:09 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Fit to Kill - Kurven, Krallen und Kanonen (OT: Fit to Kill; USA; 1993; Andy Sidaris)

Diverse Parteien sind an einem wertvollen Diamanten interessiert, der daraufhin mehrmals den Besitzer wechselt... [sinnlose "Mittel zum Zweck"-Handlungskonstrukte werde ich hier definitiv nicht im Detail wiedergeben]

Ach, Andy Sidaris - irgendwann musste ich ja auch bei seinen Filmen angekommen. Irgendwas hab ich auch schonmal von ihm gesehen, was ich ziemlich enttäuschend fand. Wirklich toll war's auch diesmal nicht. Wobei ich sagen muss, dass ich ein Tag vorher CLICK: THE CALENDAR GIRL KILLER gesehen habe (falls den jemand kennt) und der war so übel, dass der Sidaris-Streifen im Vergleich dazu wie ein Ausbund bester Unterhaltung wirkte. Ein bisschen faszinierend ist es ja schon, wie sehr Sidaris seine Filme auf das Wesentliche (oder was er dafür hält) konzentriert und diese Formel - ich vermute mal - dann immer und immer wieder in ähnlicher Form durchspielt. Mir kommt er aber auch immer wie ein verhinderter Exploitation-Regisseur vor, denn er traut sich in keiner Hinsicht, wirklich in die Vollen zu gehen, weder was deftige B-Action angeht noch was stylische Softerotik betrifft. Eine genial visualisierte Traumsequenz gab es immerhin, die zeigt, wie der Film vielleicht hätte aussehen können, wenn er konsequenter umgesetzt worden wäre. Die Musik ist für sich genommen nichts besonderes, aber unterstützt das Geschehen auch noch ganz brauchbar. Zu guter letzt noch meine Favoritinnen im Cast: Julie Strain und Ava Cadell!

Was soll ich noch sagen? Irgendwie habe ich die Befürchtung, dass mir die restlichen Werke des Schaffens von Andy Sidaris nun auch nicht mehr oder weniger bieten werden können und ich wohl immer beim selben Urteil angelangen werde. Oder gibt es da doch noch Unterschiede? Ach was man noch erwähnen könnte: zum Glück nimmt sich der Film selbst wenigstens nicht allzu ernst!

Autor: Chet [ 05.01.2014 14:26 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Schamlose Angela (OT: Dolce pelle di Angela; Italien; 1986; Andrea Bianchi)

Angela (Michela Miti), die ihre Eltern verloren hat, kratzt ihr letztes Geld zusammen und macht sich auf den Weg nach Rom. Dort will sie vielleicht eine Stelle als Dienstmädchen finden. In der Kutsche macht sie jedoch direkt Bekanntschaft mit einer gewissen Signora Rocchi (Anita Ekberg), die Angela anbietet, dass sie für sie arbeiten darf. Was Angela da noch nicht weiß: Signora Rocchi ist Puffmutter in einem Edelbordell! Und das ist auch die Arbeit, die Angela ausführen soll. Besonders aus ihrer Jungfräulichkeit will man möglichst viel Profit schlagen. Als es soweit ist flüchtet Angela jedoch und lässt sich mit dem gutherzigen Dieb Rocco (Carlo Mucari) ein, mit dem zusammen sie die Freuden der Liebe kennenlernt - doch auch diese Verbindung währt nicht ewig...

Bin total begeistert von dem Film! Andrea Bianchi, den ich ja sowieso sehr schätze und der viel zu oft nur auf sleazige Exzesse reduziert wird, kann man hier von einer ganz neuen Seite kennenlernen. So deutlich wie wahrscheinlich in keinem anderen seiner Filme kann er hier nämlich sein Talent als meisterhafter Erotikregisseur unter Beweis stellen. Denn genau das bietet der Film: zu Abwechslung mal so gut wie keine Schmierereien, sondern formvollendet zelebrierte unverkrampfte, frivole, zeigefreudige, gleichzeitig aber auch stil- und reizvolle Erotik! Nicht mehr und nicht weniger.
Die zauberhafte Michela Miti (man kennt sie vielleicht aus dem Italo-Klamauk-Inferno SCHNEEFITTCHEN UND DIE 7 GLÜCKLICHEN ZWERGE) bestreitet da noch ganz nebenbei die mit Sicherheit freizügigste und erotischste Rolle ihrer gesamten Laufbahn. Sogar eine Ikone wie Anita Ekberg konnte Bianchi für diesen Film gewinnen. Ob Bianchi beide damit überzeugen konnte, dass das Endprodukt ein hochklassiger und nicht zu anrüchiger Film sein würde (was definitiv der Wahrheit entspricht)? Mit vielen eher runtergekommenen Genrekollegen, die gerade zu dieser Zeit entstanden sind, ist diese perfekt stilisierte und offenbar mit beachtlichen Production Values realisierte Kostüm-Erotik nämlich kaum zu vergleichen. Mehr als das Tüpfelchen auf dem I ist der Score von Ubaldo Continiello, der mit seiner Mischung aus orchestralen Elementen und softem Jazz auch noch ganz der alten Schule angehört und runtergeht wie Öl.

Allgemein ist hier auf jeden Fall noch die warme romantische Atmosphäre der 70er vorherrschend, anstelle des unterkühlten 80er-Flairs - was sicher hauptsächlich dem Period-Setting, aber auch der versierten Inszenierung von Bianchi zuzuschreiben ist. So gesehen eigentlich ein Film, der gar nicht in die 80er zu passen scheint, aber andererseits auch wieder doch, weil eben auch diese Art des Erotik-Kinos in den 80ern noch nicht ganz ausgestorben war, auch wenn nur wenige Vertreter des Genres so gelungen waren wie dieser.

Autor: Chet [ 08.01.2014 13:23 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

The Fog - Nebel des Grauens (OT: The Fog; USA; 1980; John Carpenter)

Bitte sagt mir, es ist ein Witz, dass dieser Film als einer der großen Horror-Klassiker gilt! Es kann einfach nicht wahr sein. Ungefähr die gesamte erste Stunde passiert praktisch gar nichts. Okay, dachte ich mir, es handelt sich um die Art von Gruselfilm, die erst ganz langsam und subtil eine bedrohliche Stimmung aufbaut und dann richtig loslegt. Jedoch ist alles, was in den letzten 20 Minuten passiert, dann ebenfalls furchtbar vorhersehbar und in keinster Weise überraschend. Als dünne Story-Grundlage gibt es das Horrorfilm-Klischee schlechthin: eine alte Legende, ein Fluch, der auf einem kleinen Städtchen liegt.

Was hat sich Carpenter nur dabei gedacht? Da könnte man garantiert reihenweise Gruselfilme sogar aus den 50er-Jahren finden, die weitaus aufregender, einfallsreicher, angsteinflößender sind als das hier Gebotene. Wäre das irgendein solide runtergekurbelter C-Film, den kaum jemand kennt, dann könnte man noch sagen: okay, gibt sicher Schlimmeres. Aber in Anbetracht seines Status als Klassiker, der nicht selten Höchstwertungen kassiert, kann man nur sagen: Unbegreiflich! Banaler geht's kaum!

Autor: Chet [ 08.01.2014 14:04 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Stoßtrupp in die Wüste (OT:Strategia per una missione di morte; Italien/Frankreich; 1979; Luigi Batzella)

Als im Nahen Osten eine sich um Erdöl drehende Verhandlung ein explosives Ende nimmt, wird der Ex-Soldat Richard Benson (Richard Harrison) zusammen mit einigen Experten (u.a. Gordon Mitchell, Florence Cayrol) von einem der Geschäftspartner, gegen großzügige Vergütung, darauf angesetzt, Öl-Förderanlagen im Krisengebiet zu zerstören...

Recht schnell zu Beginn gibt es gleich erstmal eine ausführliche Liebesszene zwischen Harrison und seiner Filmpartnerin Florence Cayrol, dass man fast glauben kann, man ist in einem Erotikfilm gelandet. Der Rest ist dann jedoch zünftige Söldner-Action, wie man sie unter der Regie von Luigi Batzella und beim Mitwirken von Gordon Mitchell erwarten kann. Oder auch Söldner-Action der Sorte, wo die Protagonisten, selbst wenn sie sich gerade auf einem Himmelfahrtskommando befinden, um keinen lockeren Spruch verlegen sind. So will man es ja schließlich sehen! Einigermaßen stimmige Wüsten-Atmo trifft auf gepflegte Langeweile. Marcello Giombini aka. Pluto Kennedy liefert dazu seine übliche Synthesizer-Orgie als Untermalung. Wenn das "dramatische" Finale dann allerdings der langweiligste Part des Films ist, dann merkt man auch, wo die Schwächen solcher Werke liegen. Moralisch ist die Geschichte selbst für Genre-Verhältnisse auch etwas arg daneben, aber dieses Problem relativiert Regisseur Batzella ganz einfach dadurch, dass er seinen Handlungsfiguren kein Happy-End gönnt.

Insgesamt ein Film, der besser funktioniert als man es vielleicht befürchten könnte und den ich deswegen auch nach mehrfacher Sichtung ein bisschen - aber nur ein bisschen! - in mein Herz geschlossen habe.

An deutschen DVDs gibt es eine von Marketing und eine von Starmedia, beide dürften identisch sein und bieten ordentliche Qualität. Wäre schön, wenn Filme dieser Art immer so einfach zu haben wären. Für Interessierte definitiv eine Empfehlung.

Autor: Chet [ 10.01.2014 21:00 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

La vergine, il toro e il capricorno (OT: La vergine, il toro e il capricorno; Italien; 1977; Luciano Martino)

Gioia Ferretti (Edwige Fenech) und ihr Mann Gianni (Alberto Lionello) haben sich aufgrund ihrer Eifersucht ständig in den Haaren. Sie erwischt ihren Mann mit einer anderen. Daraufhin will sie es ihm auf gleiche Weise zurückzahlen. Er weiß jedoch nicht, dass ihr Seitensprung nur vorgetäuscht war und in Wirklichkeit gar nichts gelaufen ist. Einige Zeit später erfährt sie, ihr Mann habe eine Affäre mit seiner Sekretärin (Olga Bisera). Diesmal ist das Maß voll: ohne ihrem Gatten zu sagen, wo sie ist, fährt sie alleine in ein Urlaubsresort auf Ischia, um sich nun auf ihre Weise zu rächen und sich auszuleben, wie es ihr gefällt. Dort läuft ihr unter anderem auch Patrizio (Ray Lovelock) über den Weg...

Ganz große, bunte, farbenfrohe, ungezügelte, geniale, überdrehte Italo-Erotik-Komödie. Bietet praktisch alles, was man sich von diesem Genre wünschen kann und sichert sich somit mit sofortiger Wirkung einen der vorderen Plätze der besten Fenech-Komödien! Die Geschichte mag nun sicher im Detail nicht so viel hergeben, ist aber ungemein zweckmäßig und stellt die perfekte Bühne für eine Reihe völlig irrsinniger Charaktere und schräger Nebenfiguren sowie ausgeklügelter komödiantischer Verwicklungen dar.
Da wäre zum Beispiel Alberto Lionello (ein sehr wohltuende Alternative zu Banfi und Montagnani), der als eifersüchtiger und fremdgehender Ehemann ständig dem Nervenzusammenbruch nah zu sein scheint, und als er dann auch noch erfährt, dass seine Frau alleine irgendwo hin in den Urlaub gefahren ist, erstmal seine halbe Wohnung zerlegt. Wahnsinnsleistung! Den Vogel schießt auch Aldo Maccione ab, der als vermeintlicher "Baron" zusammen mit seinen zwei Gehilfen (verkörpert von Giacomo Rizzo und Alvaro Vitali) ganz groß einen auf Boss des Hotels macht, aber tatsächlich ziemlich pleite ist. Das Namenaufzählen nimmt bei diesem Film praktisch kein Ende: Stars, die eher ab den 70ern aktiv waren, wie Ray Lovelock, Erna Schurer, Olga Bisera (die war nicht umsonst in einigen meist erotischen Filmen dabei!), Dante Cleri, Patrizia Webley (siehe Olga Bisera) treffen hier auf altgediente Recken wie Riccardo Garrone, Mario Carotenuto und Tibero Murgia.
Unglaublich, was Regisseur Luciano Martino für eine Hammer-Besetzung zusammentrommeln konnte. Aber da er ja auch als Produzent tätig war, mangelte es ihm sicher nicht an Kontakten. Nicht zu vergessen natürlich Edwige Fenech, die ja auch mal mit Martino liiert war (wobei ich nicht sicher bin, ob das während dieses Films noch der Fall war) und die mal meinte, dass sie in der späteren Phase ihrer Karriere die Nackteinlagen etwas reduzieren wollte, womit sie allerdings definitiv nicht diesen Film meinen kann! Sie zeigt hier nämlich alles und reichlich - Charme, komisches Talent und nackte Haut. Ray Lovelock, der Glückspilz, darf sich am Ende sogar ausgiebig mit ihr im Bett wälzen.

Als ob das alles noch nicht genug wäre, gibt es obendrauf auch noch einen perfekten Lounge-Score, eine schicke Inszenierung (es fällt wirklich auf: hier werden einzelne Sequenzen richtig inszeniert und nicht einfach abgefilmt, wie es gerade oft bei Komödien der Fall ist). Gut, für überdrehte Italo-Komik muss man trotzdem etwas übrig haben, aber das ist Italo-Komik in einem Gesamtwerk, wie es nur selten so stimmig und fast schon überwältigend gelungen ist.

Autor: Chet [ 24.01.2014 13:28 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Lady Chatterley Story (OT: La storia di Lady Chatterley; Italien; 1989; Lorenzo Onorati)

Nachdem ihr Mann (Maurice Poli) gestorben ist und das Testament verlesen wurde, verweilt Lady Chatterley (Malù) noch etwas in dem gemeinsamen Haus, das sie nun verlassen wird, und erzählt einer ihr nahestehenden Person (Venantino Venantini) einige Erlebnisse, die sich dort in der Vergangenheit zugetragen haben. Schon längere Zeit war ihr Mann damals an den Rollstuhl gebunden, weshalb sie ihre sexuelle Erfüllung immer öfter auf andere Weise und mit anderen Männern gesucht hat...

Lorenzo Onorati beweist sich hier auf vorzügliche Weise als echter Erotik-Romantiker, und das sogar noch - ja, hier haben wir so einen Fall mal wieder - in den 80ern! Da die grelle Gegenwart der 80er für diese Geschichte jedoch völlig fehl am Platz wäre, muss er sich natürlich in eines dieser pseudo-historischen Settings flüchten (die ich so liebe). Pesudo deswegen, weil dabei meist keine ernsthafte historische Verortung stattfindet und dies auch überhaupt keine Rolle spielt, sondern es lediglich darum geht, eine bestimmte gediegene, stilvolle Atmosphäre zu kreieren. Dies ist jedenfalls vortrefflich gelungen, denn egal, ob Gegenwart oder Vergangenheit, man bekommt sofort das Gefühl, dass in diesem hier präsentierten Mikrokosmos die Zeit stehengeblieben ist. Handlungsort ist so ein prächtiges altes Landhaus (ich bin mir sicher, das habe ich schonmal in einem dieser spät80er/früh90er-Erotikern gesehen), umgeben von weitläufigen Parks und Wäldern. Nur in dieser Umgebung bewegen sich die Figuren, dort spielt sich alles ab, irgendeine andere Außenwelt gibt es in dem Film nicht.
Was die Machart angeht, gibt sich der Film sehr detailverliebt, auffällig viele Einstellungen scheinen mit Bedacht gewählt. Stellenweise kommt er dabei zwar auch nur etwas schleppend voran, auf der anderen Seite geht in den Sexszenen aber richtig die Post ab - hier werden die Grenzen des Softcore-Genres bis zum Äußersten ausgereizt, wie nur selten! Natürlich mit geschickten Kameraeinstellungen, dass keine allzu expliziten Einblicke gewährt werden, aber dennoch. Wo man bei anderen vermeintlichen Erotikfilmen nämlich manchmal das Gefühl hat, es wird nur pflichtmäßig etwas nackte Haut geboten, um ein gewisses Klientel anzulocken, sieht es hier völlig anders aus. Hier wird Erotik regelrecht zelebriert und zum Hauptbestandteil gemacht, dabei aber dennoch in ein stimmiges Drumherum eingebettet, also nicht nur sinnloses Geficke. Besonders in sich haben es die Zusammentreffen von Malù und ihrem jungen Lover, dargestellt von Carlo Mucari, der auch schon in SCHAMLOSE ANGELA dabei war und dort die heißesten Sexszenen mit Michela Miti bestritten hat. Überhaupt besteht zwischen den beiden Filmen eine gewisse Ähnlichkeit in der Herangehensweise. Die musikalische Untermalung von Stefano Curti und Paolo Rustichelli ist reichlich präsent und ebenfalls recht klassisch und gediegen geraten, hat aber auch so einen leicht künstlichen Synthesizer-Touch, der jedoch gar nicht schlecht passt zu einem Film, der auch keiner Zeit so eindeutig zuzuordnen ist.

Im Grande Finale kulminiert die romantische Erotik dann in einer schönen Liebesszene unter freiem Himmel im herbstlichen Wald, und führt einem damit noch einmal beispielhaft die Qualitäten eines Films vor Augen, der ganz klar zu den Meisterwerken des späten italienischen Erotikkinos gezählt werden muss, vielleicht das ganze Talent des wenig bekannten Regisseurs Lorenzo Onorati deutlich macht, aber vielleicht auch als ein Glückstreffer von ihm gewertet werden muss (wenn ich bedenke, dass andere Filme von ihm, die ungefähr zur gleichen Zeit entstanden sind, längst nicht dieses Niveau erreichen).

Grandios wäre es, wenn irgendein deutsches Label den Film mal auf DVD bringen könnte (Hallo Donau Film, wo seid Ihr!?), denn er hätte es verdient, von mehr Leuten gesehen zu werden. Die bisherige deutsche VÖ-Situation ist nämlich, gelinde gesagt, katastrophal. Es gibt eine 18er-VHS, die wohl um rund eine satte Viertelstunde gekürzt ist. Außerdem eine 16er-VHS, die - wenn die Angaben stimmen - sage und schreibe nur noch unglaubliche 44 Minuten läuft. Und im TV - hach, waren das Zeiten! - lief der Film auch mal (vielleicht sogar weniger gekürzt?), aber das nützt jetzt auch nicht mehr viel. Ich habe deshalb zur italienischen DVD gegriffen, die mit ihren rund 80 Minuten ungeschnitten sein müsste, allerdings nur italienischen Ton bietet - aber schließlich gibt es bei solchen Filmen ja Wichtigeres als Dialoge und ein 100%iges Verständnis der "hochkomplexen" Story.

Autor: Chet [ 29.01.2014 19:34 ]
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Die Jungfrau mit der scharfen Klinge (OT: Zenabel; Italien/Frankreich/USA; 1969; Ruggero Deodato)

Nachdem Zenabel (Lucretia Love) erfährt, dass sie einem Fürstengeschlecht angehört, will sie zusammen mit ihrer Armee für ihr Recht, gegen einen bösen Baron und generell gegen die Unterdrückung der Frau kämpfen...

Also eins steht mal fest: mit diesem Film betritt man ein komplett bizarres Paralleluniversum! Stellenweise zwar großartig umgesetzt, war mir das im ganzen irgendwie schon fast zu ermüdend grell und überdreht. Zumal hier (auch wenn ich normalerweise kein Freund davon bin, Filme mit erhobenem Zeigefinger ideologisch akzuklopfen - schon gar nicht meine geliebten Italo-Filme) inhaltlich auch etwas sehr verquere Diskrepanzen ins Auge fallen. Man kann ja sagen, ich wage es kaum auszusprechen, dass sich der Film, auf natürlich sehr plumpe Art, durchaus feministisch gibt. Immerhin kämpft Zenabel mit ihrer größtenteils weiblichen Armee gegen die Unterdrückung der Frau. Andererseits wird hier jedoch beipspielsweise ausgiebig in Szenen geschwelgt, in denen Frauen wie Vieh begutachtet und betatscht werden. Ich weiß nicht, warum das in diesem Fall so besonders negativ auffällt... ist ja alles ein klamaukhaftes Comicstrip-Abenteuer, das man sicher auch gar nicht weiter ernst nehmen müsste... vielleicht liegen die Unausgegorenheiten des Films auch woanders und man sucht sich dann nur wieder sowas als Kritikpunkt raus. Trotzdem ist es schon recht herb, wie hier Vergewaltigungen und "Jungfrauenjagden" (?!) wie ganz selbstverständlich in den "fröhlichen" grellbunten Reigen mit eingebunden werden. Der Humor ist auch ziemlich platt, Lionel Stander und sein tuntiger Kollege nerven die meiste Zeit - irgendwas läuft da zu oft unrund. Dann jedoch ganz unvermutet auch immer wieder sehr gelungene Momente, selbst wenn es manchmal nur spezielle Kameraeinstellungen oder pittoresk eingefangene Landschaften sind. Was gibt's noch zu sagen? Die Musik von Morricone und Nicolai ist stellenweise echt gut, aber wird insgesamt nicht so effektiv eingesetzt - hat also eigentlich das gleiche Problem wie der ganze Film. Seltsam auch, dass die Zenabel-Darstellerin Lucretia Love in den Sexszenen offenbar gedoubelt wurde und zwar von einer Dame mit größeren Brüsten - daran erkennt man es, denn ihr Gesicht ist in den Szenen dann logischerweise auch nie zu sehen.

...alles komisch, genau wie der ganze Film. Hätte vermutet, dass ich den total abfeier, und komplett uninteressant ist er ja auch beileibe nicht, aber irgendwas hat mir hier nicht geschmeckt.

Autor: Chet [ 01.01.2015 19:49 ]
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Winnetou I (OT: Winnetou I; Deutschland/Italien/Jugoslawien; 1963; Harald Reinl)

Santer (Mario Adorf) lässt entgegen der eigentlichen Abmachung eine Bahnstrecke durch das Gebiet der Indianer bauen und ist zudem an den dort vorkommenden Goldschätzen interessiert. Winnetou (Pierre Brice) und Old Shatterhand (Lex Barker) schließen sich nach anfänglichen Konflikten zusammen und versuchen, das Schlimmste zu verhindern...

Nach längerer Zeit mal wieder gesehen und ja, so sieht ein guter Blockbuster aus europäischer Herstelllung aus. Das Beste sind eigentlich fast die tollen Landschaftsaufnahmen Jugoslawiens, unterstützt von der Musik Martin Böttchers. Ein Highlight ist der Unterwasserkampf in einem Bergsee. Ansonsten fühlt sich das hier gerade auch durch die Mitwirkung von Mario Adorf auch schon wie ein Vorfahre der Italowestern an. Ralf Wolter und Chris Howland sollen für Comic Relief sorgen - na gut, hätte es nicht unbedingt gebraucht, aber kann man noch durchgehen lassen.

Teil 1 einer einflussreichen Filmreihe, der auf jeden Fall Lust auf mehr macht.

Autor: Chet [ 10.01.2015 18:41 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Balduin, der Heiratsmuffel (OT: Le gendarme se marie; Frankreich/Italien; 1968; Jean Girault)

Balduin (Louis De Funes) von der Gendarmerie St. Tropez hat in der Ferienzeit mit der Touristen-Flut alle Hände voll zu tun. Hinzu kommt, dass er sich ausgerechnet in eine attraktive Tempo-Sünderin (Claude Gensac) Hals über Kopf verliebt. Dies wirft den Witwer, der auch Vater einer erwachsenen Tochter ist, völlig aus der Bahn...

3. Teil der Gendarm-Reihe, von 1968, unter der Regie von Jean Girault entstanden, und mit einem cholerischen, aufgedrehten, hektischen Louis De Funes in Hochform. So könnte man das wohl zusammenfassen. Als Schauplatz erfreut zudem das sonnige St. Tropez zur Ferienzeit das Auge. Die Gags entstehen aus dem Wechsel zwischen Dienstlichkeit und den amourösen Verwicklungen Balduins mit seiner neuen Bekanntschaft. Tagsüber streng im Dienst und abends die Nachtclubs unsicher machen - so läuft das hier! Glänzen kann neben neben Claude Gensac auch Genevieve Grad als aufgeweckte Tochter des Gendarms.

Alles in allem mit Sicherheit ein Highlight der Gendarm-Filmreihe, das vor allem mit viel sonnigen Urlaubsflair punkten kann und zudem einen Louis De Funes in Top-Form zu bieten hat.

Autor: Chet [ 10.01.2015 19:00 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Liebesfalle (OT: Sapore di donna; Italien; 1990; Mario Gariazzo)

Perry (David D'Ingeo) reist nach Venezuela, um dort Medizin zu studieren. Untergebracht ist er bei einer Freundin seiner Mutter (Valentine Demy). Angetan hat es ihm aber vor allem die Stieftochter (Debora Cali) der Hausherrin. Diese zeigt jedoch nach einer stürmischen Liebesnacht kein Interesse mehr an ihm, während es für ihn die große Liebe ist. Also lässt er sich nach anfänglichem Zögern doch auf die Avancen der Stiefmutti ein, was nun wiederum die Stieftochter eifersüchtig werden lässt...

Ein wahrlich schundiges Vergnügen, das Mario Gariazzo einem hier auftischt. Man merkt schon, dass das, was Ende der 80er nach funktioniert hat, 1990 wirklich so langsam seinen Zenit überschritten hat. Das hat man alles irgendwo schonmal so ähnlich und vor allem besser gesehen.
Einer der Alternativtitel lautet HOT LUST AT THE DISCO, und tatsächlich werden hier immer mal wieder "heiße" Disco-Szenen eingestreut. Diese sind natürlich echte Schmankerl, unterlegt mit grauseliger Techno-Mucke - die soll tatsächlich von Paolo Rustichelli sein? Naja, sei's drum. Auch die Chance, den Film mit venezuelanischen Lokalkolorit anzureichern, hat man irgenwie kaum genutzt. So bleiben dann in verfremdeten Bildern dargestellte erotische Tagträume, sowie Sexszenen, die für Softcore-Verhältnisse immerhin ganz gut in die Vollen gehen, aber dennoch wenig prickelnd bleiben. Und auch diese sind nicht mal von einem guten Score, sondern von recht unersprießlichem Gedudel begleitet. Bleibt noch Starpower - wenn man das so nennen will - in Form von Valentine Demy, die trotz schrecklicher Frisur noch etwas Charme ausstrahlt und Debora Cali, die ebenfalls keine schlechte Figur abgibt.

Nicht wirklich empfehlenswert, aber wer sich vorgenommen hat, die erotischen Niederungen des Italo-Kinos auszuloten, der kann ruhig mal einen Blick riskieren. Es geht auch noch schlechter!

Die deutsche DVD geht als VHS-Ersatz durch - mehr nicht.

Autor: Chet [ 14.01.2015 17:42 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Die drei Musketiere der Meere (OT: I moschettieri del mare; Italien/Frankreich; 1961; Steno)

Zwei kleine Gauner auf Beutezug und ein Lebemann, der vor allem Frauenherzen stiehlt, flüchten zusammen vom Landsitz des Königs. Zuerst mischen sie sich unter die Piraten, dann geben sie sich als spanische Edelmänner aus. In Spanien angekommen, lässt der dortige Herrscher eine große Ladung Gold verschiffen, an der mehrere Parteien interessiert sind...

Solider, bunter Abenteuerstreifen vom Komödienregisseur Steno. Dieser Film - das merkt man schon an der launigen Erzählerstimme - nimmt sich selbst nicht zu ernst, wird aber auch nicht vollends zur Komödie. Das Gauner-Duo (bin mir grad gar nicht sicher, von wem die verkörpert werden) sorgt hauptsächlich für die Komik, so z.B. in slapstick-artigen Prügeleien und ähnlichen Einfällen. Außerdem zu gefallen weiß Pier Angeli in einer Doppelrolle als Zwillingsschwester - einmal als toughe Piratenbraut und einmal als wohlbehütet im Kloster aufgewachsen. Diese Umstände sorgen für allerlei Verwechslung und Trubel, bis sich schließlich der Held am Ende nicht mal mehr entscheiden kann, welche von beiden er nun heiraten will. Der Score von Carlo Rustichelli ist Genre-typisch und leider nix Besonderes.

Leider schleicht sich von Zeit zu Zeit etwas Langweile ein und dabei läuft die Originalfassung wohl noch eine runde Viertelstunde länger. Aber immerhin keine reine Zeitverschwendung, wenn man für solche Filme ein Herz hat.

Autor: Chet [ 17.01.2015 18:32 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Something Is Crawling In The Dark (OT: Qualcosa striscia nel buio; Italien; 1971; Mario Colucci)

Eine Gruppe von Leuten, darunter zwei Polizisten, die soeben einen Mörder (Farley Granger) geschnappt haben, ein Arzt (Stelvio Rosi) und seine Gehilfin sowie ein zerrütteltes Ehepaar (Giacomo Rossi-Stuart und Lucia Bose) und ein Professor (Angelo Francesco Lavagnino - ebenfalls Komponist des Scores) finden in einer stürmischen Regennacht allesamt Unterschlupf in einer alten Villa. Im Laufe des Abends hat jemand die Idee, den Geist der unter mysteriösen Umständen gestorbenen ehemaligen Hausherrin wieder heraufzubeschwören. Es folgen weitere seltsame Vorfälle...

Klassischer Gothic-Giallo mit dem altbekannten Motiv, dass eine Gruppe von Reisenden sich an einem Ort zusammenfindet und bald merkwürdige Dinge vor sich gehen. Das Setting weiß gleich zu gefallen, ebenso wie die Inszenierung, die den Fortgang der Ereignisse in satte Farben taucht und damit eine schöne Atmosphäre hervorruft. Vor allem Giacomo Rossi-Stuart und Lucia Bose können als dekadentes, alles andere als harmonisches Ehepaar überzeugen. Der Score bleibt leider nur wenig eingängig. Ebenso hat man viele Elemente, inklusive der angedeuteten Übersinnlichkeiten, schon mal so ähnlich gesehen. Das heißt zwar nicht, dass man solche schönen Kombinationen aus purem 70s-Look und irgendwie zeitlosen Gothic-Grusel-Flair nicht immer wieder gerne sieht, aber die Spannung hält sich dann doch in Grenzen.

90 Minuten kann man definitiv schlechter verbringen, aber vom Hocker gerissen wird man hier auch nicht gerade. Nette Giallo/Grusel-Kost für Fans.

Autor: Chet [ 21.01.2015 19:27 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Sex & Zen (OT: Yu pu tuan: Tou qing bao jian; Hongkong; 1991; Michael Mak)

Der junge Sheng (Lawrence Ng) hat sich ganz den Frauen verschrieben, was für ihn eine richtige Lebensphilosophie darstellt, die er verbreitet, indem er durch die Gegend reist. Auch seine Heirat hält ihn nicht davon ab, sich mit anderen Frauen zu vergnügen. Eines Tages trifft er einen ausgefuchsten Dieb, der ihm dabei helfen soll, Frauen kennenzulernen. Shengs einziges Problem dabei: er wurde von der Natur nicht gerade reichlich bestückt. Das macht ihm so schwer zu schaffen, dass er einen Wunderheiler aufsucht, der ihm kurzerhand den Penis von einem Hengst transplantiert. Nun sollte er bestens ausgestattet sein, um sämtliche Frauen glücklich zu machen - oder sollte es doch nicht so einfach sein?

Im Nachtprogramm, ich glaube, es war auf PRO7 oder KABEL1 (ja, dort lief sowas noch vor ein paar Jahren - heute kaum noch vorstellbar!), bin ich diesem Film das erste Mal begegnet, und er hat gleich eine besondere Faszination auf mich ausgeübt. Woraus sich diese ergibt, ist gar nicht so leicht zu sagen.
Ein Aspekt ist, dass dem Film, gerade was asiatisches Kino und den mitunter recht speziellen Humor betrifft, das Kunststück gelingt, auch für ein westliches Publikum sehr zugänglich zu bleiben. Wenngleich das hier gebotene alles andere als konventionell ist. Sexszenen gibt es auch in Hülle und Fülle, diese teilen sich auf in sinnliche Liebesspiele (z.B. sieht man hier, wie zwei Frauen eine Flöte zweckentfremden) und irrwitzige Akrobatik - alles mitunter recht offenherzig gefilmt, aber immer so, dass nicht zu tiefe Einblicke gewährt werden.
Besonders hervorgehoben werden muss noch eine Sequenz, in der Sheng - immer auf der Suche nach neuen lüsternen Abenteuern - an eine regelrecht männerverschlingende Frau gerät, die eine ganze Frauenarmee auf ihn hetzt, die den armen Sheng im Delirium aus Sex und Drogen an die Grenzen seiner Gesundheit bringen. Außerdem wartet auf ihn noch ein ganz spezieller Racheakt, bei dem eine Stute eine ganz besondere Rolle spielt. So wird das, was er sich vielleicht in seinen künsten Träumen gewünscht hätte, für ihn zur Hölle auf Erden - bis schließlich nur noch ein Wrack von ihm übrig ist.

Diese kleinen und großen Unglaublichkeiten sind verpackt in edle, mitunter surreale Bilder, wie man sie so nur selten gesehen hat. Fernöstliches Kino, wie man es vielleicht eher aus den wilden 70ern erwarten würde, tatsächlich aber von 1991! Ich würde ja fast sagen: ein zeitloses Meisterwerk!

Autor: Chet [ 25.01.2015 19:39 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Catherine Cherie (OT: Catherine Cherie; Deutschland/Griechenland/Spanien; 1982; Hubert Frank)

Ein gewisser Herr Mantoni will das Schlagersternchen Catherine Cherie (Berta Cabre) groß rausbringen. Dafür darf diese in seiner Villa wohnen und wird auch finanziell von ihm ausgehalten. Was sie nicht ahnt: ihr Gönner ist nicht nur Autor von Erotikliteratur, sondern er steckt auch tief im Rauschgifthandel...

Gleich zu Beginn ein schöner Titelsong von Gerhard Heinz, dazu das rauschende Meer und eine dieser typischen Mittelmeervillas - und direkt ist man wieder drin in Hubert Franks Exotik-Erotik. Exotik strahlen nicht nur die spanischen Schauplätze aus, sondern für eine andere immer gern gesehene Exotik sorgt auch die Beteiligung von Ajita Wilson, die eine denkwürdige Szene in einer Erotikbar, aber nicht viel mehr hat. An Sexszenen mangelt es auch nicht, ob nun das Dienstmädchen mit Catherine Cherie oder eine heiße Nummer in den Dünen - über zu wenig Abwechslung kann man sich nicht beklagen. Leider stellt sich diesmal alles etwas spröde dar, das hat man gerade von Hubert Frank alles schonmal prickelnder gesehen. Schließlich wird auch noch ein Crime-Plot aufgemacht, der sich auch so anfühlt, als musste man nur die Handlung noch etwas strecken und gegen Ende einfach wieder fallen gelassen wird. Stattdessen darf Catherine Cherie endlich mal vor großem Publikum ihren Hit trällern und damit ist die Welt wieder in Ordnung und der Abspann rollt.

Keine Katastrophe, aber das hat man alles schonmal besser gesehen. Dann lieber zum Beispiel nochmal VANESSA!

Von Laser Paradise auf DVD erschienen.

Autor: Chet [ 27.01.2015 19:26 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Die liebestollen Hexen (OT: Common Law Cabin; USA; 1967; Russ Meyer)

Der ganze Stolz von Dewey Hoople (Jackie Moran) ist seine mehr oder weniger idyllisch am Colorado-River gelegene Touristenabsteige. Zivilisationsmüden Städtern verspricht er dort ein wahres Naturparadies. Zudem helfen seine Lebensgefährtin Babette (Babette Bardot) und seine Tochter Coral (Adele Rein) - manchmal mehr als ihm lieb ist- mit bei der Unterhaltung der Gäste...

Gott! Wo findet Russ Meyer bloß immer diese Prachtweiber?! Dass bei diesen Aussichten die Gefühle hochkochen, ist klar - und so nimmt hier wieder ein typisch rustikaler Sex&Crime-Schwank seinen Lauf. Den Film könnte man so als Mittelding bezeichnen zwischen Meyer's düsteren Frühwerken und seinen späteren freizügig-überdrehten Filmen. Ganz blankgezogen wird hier noch nicht, aber mit den Reizen gegeizt wird auch nicht. Nach 69 Minuten ist dann auch Schluss und so stellen sich hier erst gar keine Längen ein.

Insgesamt ein höchst-unterhaltsamer Streifen, der schon schön die Meyer'schen Qualitäten vorführt und vor allem mit der tollen (weiblichen!) Besetzung punkten kann.

Autor: Chet [ 02.02.2015 20:14 ]
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Bleib wie du bist (OT: Cosi come sei; Italien/Spanien; 1978; Alberto Lattuada)

Der auf die 50 zugehende Landschaftsarchitekt Giulio (Marcello Mastroianni) lernt eines Tages die Studentin Francesca (Nastassja Kinski) kennen. Trotz des Altersunterschiedes funkt es schnell zwischen den beiden. Das Verzwickte daran: ungefähr 20 Jahre früher hatte Giulio eine Affäre mit Francescas Mutter und nun quält ihn immer wieder die Frage, ob Francesca seine Tochter sein könnte. Mal ist er vom Gegenteil überzeugt, dann kommen ihm doch wieder Zweifel... - wird er die Wahrheit ans Licht bringen?

Tja, Tochter oder nicht - auf dieser Frage baut praktisch die ganze Handlung des Filmes auf und aus diesem Thema zieht er auch eine gewisse Brisanz, auch wenn sich diese in Grenzen hält. Ansonsten handelt es sich um ein Liebesdrama ganz nach italienischer Machart: über weite Strecken sieht man einfach nur die Turteleien von Giulio und Francesca, ein paar urige Nebencharaktere werden eingeführt und wenn sich doch mal ein paar Längen einschleichen sollten, dann rettet der mal wieder überaus schöne Morricone-Score noch einiges. Dieser wartet mit einem stilechten Thema aus Streichern und Klavier auf und hat mit "Dance On" auch einen echten Disco-Ohrwurm zu bieten - Morricone kann eben alles! Mit seinen 100 Minuten könnte man meinen, der Film ist vielleicht ein bisschen zu lang, gerade weil er in Punkto Handlung nicht so viel Abwechslung bietet, aber da man doch wissen will, wie es ausgeht (was hier natürlich nicht verraten wird), wird das Interesse an der Geschichte doch halbwegs aufrecht erhalten.

Also, wie schon gesagt, ein Liebesfilm ganz in Italo-Manier inszeniert. Kann man sich ruhig mal anschauen, wenn einem der Sinn nach sowas steht. Gerade in Zeiten von hektischen Effekt-Orgien tun solche entschleunigten Filme hin und wieder ganz gut.

Die VZ-Scheibe ist ganz brauchbar.

Autor: Chet [ 09.02.2015 21:01 ]
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Die Rache der Borgias (OT: La notte del grande assalto; Italien/Frankreich; 1960; Giuseppe Maria Scotese)

Machtkämpfe und Intrigen im 15. Jahrhundert...

Wie der Titel schon verrät geht es hier unter anderem um die Borgias, speziell um Cesare Borgia, der sein Machtgebiet immer weiter ausweiten will und dem dazu jedes Mittel recht ist. Außerdem ist da ein gewisser Marco (Sergio Fantoni), der bei seiner vorherigen Anstellung in Ungnade gefallen ist und sich nun einer Bande von Räubern anschließt. Er ist der strahlend-verschmitzte Held der Geschichte und macht seine Sache als dieser ziemlich gut. Jedoch bleiben seine wahren Motivationen und sein Hintergrund lange im Dunkeln. Weiterhin geht es darum, wer die Vorherrschaft über ein Schloss erhält. Aus diesem Anlass gibt es auch schöne alte Gemäuer zu sehen. Für Fans alter Burgen und Schlösser auf jeden Fall einen Blick wert. Außerdem fällt auf, dass das Breitwandformat recht ordentlich genutzt wurde, was immer wieder zu eindrucksvollen Bildern führt. In Nebenrollen sind unter anderem Jose Jaspe und Giacomo Rossi-Stuart zu sehen.

Also, viel vom üblichen Altbekannten, aber doch ein leicht überdurchschnittlicher Genrevertreter, der recht edel aussieht und ganz gut unterhält.

Autor: Chet [ 09.02.2015 21:22 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

The Secret Nights Of Lucrezia Borgia (OT: Le notti segrete di Lucrezia Borgia; Italien; 1982; Roberto Bianchi Montero)

Ein einfacher Bandit (George Hilton) gibt sich als Graf aus, der eine wichtige Botschaft nach Rom zum Papst bringen und im Gegenzug Juwelen erhalten soll. Lucrezia Borgia (Sirpa Lane) spielt auf seinem Weg eine entscheidende Rolle...

Sehr lahmes Filmchen, das, wenn es nicht ein paar - ebenso lahme - Sexszenen hätte, gänzlich wie ein billig runtergekurbeltes Relikt aus den 50ern oder 60ern wirken würde. Diese Art von Kostümabenteuer wirkt Anfang der 80er schon recht bizarr, allerdings nicht in einem positiven Sinne. Wenn man es wenigstens mit buntem Abenteur-Getümmel zu tun hätte, könnte man ja eventuell noch Gefallen daran finden, aber nein, hier ist alles irgendwie trist und grau. Die Musik dudelt ziemlich unbrauchbar vor sich hin, die Inszenierung ist uninspiriert und George Hilton hat wohl nur zugesagt, da er sich hier mit ein paar Frauen umherwälzen darf.

Mal wieder ein ziemlich mieses Filmchen vom Herrn Montero. Ein paar hab ich noch von ihm, aber auf die ist mir jetzt erst einmal die Lust vergangen.

Autor: Chet [ 12.02.2015 20:51 ]
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Emanuela - Dein wilder Erdbeermund (OT: Inibizione; Italien; 1976; Paolo Poeti)

Emanuelle (Claudine Beccarie) reist mit ihrer Sekretärin Carol (Ilona Staller) nach Afrika, wo sie in der Villa von Emanuelles verstorbenen Mann leben. Auch treffen sie dort auf den Weltenbummler Peter (Ivan Rassimov), der auf der Suche nach einträglichen Geschäften ist...

Ein typischer Film nach dem Strickmuster "reiche Leute verbringen ihre Zeit an exotischen Orten". Nicht zu überhören ist der Soundtrack von den De-Angelis-Brüdern, der immer punktgenau zu den Sexszenen mit einer hauchigen Frauenstimme einsetzt. Nun ja, ein bisschen mehr Abwechslung wäre trotz des an sich recht guten Scores schon nicht schlecht gewesen. Außerdem wirken die pseudo-philosophischen Dialoge, in denen es um Liebe und Leben geht, ein wenig aufgesetzt. Aber auch das gehört bei dieser Art von Film ja schon fast dazu. Ansonsten fängt Kameramann Giancarlo Ferrando (der desöfteren auch mit Sergio Martino gearbeitet hat) viele schicke Bilder ein und verpasst dem Film damit einen recht edlen Anstrich. Und so funktioniert der Streifen auch am besten - über die Atmosphäre und den Look - anstelle von Dialogen und Handlung, die eher vergessenswert sind. Zusammengenommen erinnert das alles sehr an die exotischen Ausflüge, die D'Amato mit seiner Black-Emanuelle-Reihe unternommen hat, oder auch an die hochglanzpolierteren Werke von Jess Franco.

Wahrscheinlich kein Film, an den man sich ein paar Tage später noch großartig erinnert. Aber für den Moment eine recht angenehme atmosphärische Berieselung.

Die DVD von Donau Film bietet sehr ansprechende Qualität!

Autor: Chet [ 14.02.2015 18:55 ]
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Lukrezia Borgia - Die Tochter des Papstes (OT: Lucrezia Borgia, l'amante del diavolo; Italien/Österreich; 1968; Osvaldo Civirani)

Die Borgias und die Rebellen stehen sich verfeindet gegenüber. Verzwickt wird die Lage, als der Rebellenanführer Fabrizio (Gianni Garko) und Lukrezia Borgia (Olga Schoberova) eine Affäre beginnen...

Ein recht nette Angelegenheit, irgendwo zwischen ernsthaftem Historienabenteuer und ganz dezenten erotischen Einschüben. Letztere werden meist als Tagträume von Lukrzezia Borgia präsentiert. Wobei sich das wirklich auf einem sehr harmlosen Level bewegt und allzu tiefe Einblicke immer mehr oder weniger geschickt kaschiert werden. Trotzdem ist Olga Schoberova als Lukrezia schon eine extrem schnucklige Erscheinung, auch wenn sie bisweilen anmutet wie ein Barbie-Püppchen, das man in historische Kostüme gezwängt hat. Gianni Garko als raubeiniger Rebell erinnert fast ein bisschen an seine Westernrollen, zumal er hier ja auch viel zu Pferd unterwegs sein darf. Generell sind auch die Kulissen und Drehorte sehr eindrucksvoll ausgefallen, mit tollen Malereien an den Decken, wie es das damals immer gab, und prächtigen dichten Wäldern, in denen die Rebellen hausen.

So sind es letztendlich vor allem mal wieder die Schauwerte, die hier überzeugen können und in Erinnerung bleiben. Handlung und Charaktere bleiben dagegen eher wenig mitreißend, so dass am Ende ein etwas unausgegorener Beigeschmack bleibt.

Autor: Chet [ 23.08.2015 21:41 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Dr. Fummel und seine Gespielinnen (OT: Dr. Fummel und seine Gespielinnen; Deutschland; 1970; Atze Glanert)

Der aus der Provinz kommende Herr Blümlein (Robert Fackler) wird von seiner Gattin wegen seiner kaputten Bandscheibe in ein Sanatorium nach München geschickt. Trotz der Warnung seiner Frau, sich von allen Versuchungen fernzuhalten, kommt es wie es kommen muss: er gerät schnell auf Abwege und landet schließlich in einem Massagesalon, der weitaus mehr als nur Massagen anbietet. Ob dort auch seine Bandscheibe geheilt wird?

Es war Samstag, später Abend, ich schalte den Fernseher an und was läuft da natürlich auf diversen Kanälen? Irgendwelche alten Schmuddelfilmchen aus den 70ern, die doch heute niemand mehr sehen will! Eine unglaubliche Sauerei sowas! Aber irgendwie bin ich trotzdem dran hängengeblieben. Upps, nein stimmt nicht so ganz. Damit das wahr wäre, müsste man die Zeit wohl um etwa 10 bis 15 Jahre zurückdrehen. Also habe ich wohl doch nur eine DVD eingelegt.
An dieses Phänomen, also dass die Softsex-Welle der 70er im TV noch einmal eine Art Renaissance erlebt hat, hat mich dieser Film jedoch erinnert. Ein Phänomen, das ich ich immer noch extrem faszinierend finde, vermutlich gerade weil ich es kaum oder nur noch am Rande mitgekriegt habe. Schon damals habe ich immer gerne die großen Fernsehzeitungen wie TV Spielfilm oder TV Movie studiert und dann eben auch die Ankündigungen besagter Filme gesehen, selbstverständlich fast immer mit einem "Daumen nach unten" oder als "Flop des Tages" geadelt. Damals war ich aber noch zu jung, um mir solche Filme anzusehen. Und als ich dann alt genug war, wurden die Filme schon so langsam immer uninteressanter, das heißt, neuer. Nun ja, trotzdem frage ich mich manchmal, was wohl damals die Hauptzielgruppe dieses Fernsehprogramms war? Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Einschaltquoten sicher nicht die schlechtesten waren, und vermutlich haben, wie so oft, gerade die Leute, von denen man es am wenigsten denkt, öfter mal "rein zufällig" reingeschaltet.
Was hat das alles mit diesem Film zu tun? Nicht so viel. Aber es ist wohl so ein Film, der damals auch hätte laufen können, und vielleicht auch lief. Wie bei so vielen früheren Produktionen des Genres, hat man auch hier das Gefühl, dass hier noch etwas sorgfältiger gearbeitet wurde, als bei so manchen "Fließbandproduktionen", die das Genre später in den 70ern oder gar in den 80ern hervorgebracht hat. Natürlich wird auch hier schon kein Klischee ausgelassen. Da gibt es zum Beispiel den strammen Briefausträger, der nicht nur den Eilbrief zustellt, sondern auch noch für ein Eil-Nümmerchen zur Stelle ist - und dann aber, natürlich nur spärlich bekleidet, fliehen muss. Eine absolute Bilderbuch-Sequenz des Softsex-Kinos, die auch gut den Humor dieses Film veranschaulicht. Daneben sorgen zahlreiche, wahlweise gewitzte oder plumpe, Doppeldeutigkeiten in den Dialogen für mehr oder weniger Erheiterung. Für etwas Temperament und Abwechslung in dieser deutschtümelig schwankenden Filmwelt sorgt hingegen wieder einmal Rinaldo Talamonti, erst als Straßenkehrer und später - ganz groß! - auch noch als Möchtegern-Zuhälter.

Dazu ertönt ein zünftiger Blasmusik/Orchester/Jazz-Mischmasch, der die Geschehnisse gar nicht so unschmissig untermalt. Wirklich erotisch wird es hier trotz Nudity en masse freilich eher kaum, aber langweilig oder allzu schmerzhaft blöd geht es dafür auch nicht zu. Wer also auch den Zeiten nachtrauert, als sowas noch im Fernsehen lief, der kann sich ruhig diese DVD zulegen und sich das gute Stück mal zu Gemüte führen.

Autor: Chet [ 25.08.2015 20:07 ]
Betreff des Beitrags: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr

Eine Sommernachts-Sexkomödie (OT: A Midsummer Night's Sex Comedy; USA; 1982; Woody Allen)

Leopold (Jose Ferrer), ein Philosoph fortgeschrittenen Alters, will endlich heiraten, und zwar die deutlich jüngere Ariel (Mia Farrow). In diesem Zusammenhang verbringen sie ein Wochenende auf dem Land bei dem befreundeten Andrew (Woody Allen), der mit seiner Frau Adrian (Mary Steenburgen) gerade eine leichte Ehe-Krise durchmacht. Ebenfalls eingeladen ist der leichtlebige Arzt Maxwell (Tony Roberts), der seine neue Bekanntschaft Dulcy (Julie Hagerty) mitbringt. Im Verlauf des Wochenendes sollen die ursprünglichen Pläne und die verschiedenen Beziehungskisten jedoch ziemlich durcheinander geraten...

Sommernächte und Sexkomödien - eine gute Kombination! Überhaupt ein schönes Genre, diese Sexkomödie, die in ihrer ursprünglichen Form praktisch nicht mehr existiert, da sie mit ihren frivol-harmlosen Nacktheiten und albernen Gags kaum noch in unsere heutige Zeit zu passen scheint (woraus natürlich gerade heute eine umso größere Faszination resultiert). Wie dem auch sei - wenn in einem Film die Sexkomödie bereits im Titel erscheint und der Regisseur dann auch noch Woody Allen heißt, dann kann man sich wohl schon vorstellen, dass man es nicht mit einer handelsüblichen Sexkomödie zu tun bekommt. Was bekommt man stattdessen serviert? Verbindet man den Namen Woody Allen nicht eher mit etwas verkopften, intellektuellen Filmen mit eher speziellem Humor? Wie soll das alles zusammenpassen?
Um eins vorwegzunehmen: Sex ist hier vor allem in den Dialogen ein Thema oder wird höchstens andeutungsweise gezeigt. Deswegen muss der Film ja aber nicht ohne Reiz sein! Trotzdem könnte man am Anfang fast das Schlimmste vermuten... - betont geistreiche Dialoge, problembeladene Charaktere, dazu Witze, die eher ins Leere laufen, und als Schauplatz aber immerhin eine prächtige romantische Naturkulisse, die dann aber, wenn sie von der Kamera eingefangen wird, unterlegt mit klassischer Musik von Felix Mendelssohn (aus dessen Kompositionen überhaupt die ganze Filmmusik besteht), fast schon etwas plakativ in Szene gesetzt wird. Aber gut, man will ja nicht gleich zu streng sein...
Und die Geduld wird dann tatsächlich noch einigermaßen belohnt. Was sich anfangs noch etwas schwerfällig ausnimmt, kommt nämlich mit zunehmender Laufzeit doch noch in Fahrt, und Handlungsstränge sowie Charaktere erwachen zum Leben. Alte Liebschaften flammen wieder auf, spontane Leidenschaften bahnen sich ihren Weg, bis sich bald kreuz und quer meist genau die begehren, die eigentlich schon längst mit jemand anderem verbandelt sind - und man gespannt sein kann, welchen Ausgang das Ganze nehmen wird.

In den besten Momenten ein Film, der auch eine leicht märchenhafte und verzauberte Stimmung atmet, die meistens dann am besten zur Geltung kommt, wenn sie nicht zu sehr forciert wird. In dieser Hinsicht wäre weniger manchmal mehr gewesen. Der größte Woody-Allen-Fan werde ich wohl auch nach diesem Film nicht, aber trotzdem kann man sagen: für laue Sommernächte gibt es sicher Schlechteres! Wer jedoch eine richtige Sexkomödie sucht, der sollte wohl lieber zu Klassikern wie LIEBESGRÜSSE AUS DER LEDERHOSE oder AUF DER ALM DA GIBT'S KOA SÜND greifen!

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